Klügere Menschen sind ehrlicher

Kürzlich bin ich auf das Diskussionspapier „Clever enough to tell the truth“ von Bradley J. Ruffle und Yossef Tobol gestoßen, in dem ein statistisch signifikanter Zusammenhang zwischen kognitiven Fähigkeiten und Ehrlichkeit nachgewiesen wird. Die Ehrlichkeit wird statistisch über einen selbst berichteten Würfelwurf bestimmt. In linearer Abhängigkeit vom berichteten Wurfergebnis gibt es Freizeit oder Geld. Individuell gibt es also einen Anreiz, ein hohes oder zumindest nicht niedriges Ergebnis anzugeben. Die Angabe der 6 wäre am ertragreichsten. Um das herauszufinden, muss man nicht sonderlich intelligent sein. Dabei lässt sich Unehrlichkeit individuell nicht nachweisen, weil jeder mit einer Wahrscheinlichkeit von 1/6 durchaus die 6 gewürfelt haben kann. Statistisch lässt sich jedoch nachweisen, wenn höhere Zahlen zu häufig angegeben werden, was tatsächlich der Fall ist. Interessanterweise konzentrieren sich die Angaben jedoch nicht auf die 6, sondern werden 4 und 5 häufiger angegeben. Es gibt also Unehrlichkeit, die aber nicht unbedingt maximierend eingesetzt wird.

Noch interessanter und wichtiger ist jedoch die Beobachtung, dass Personen mit höheren kognitiven Fähigkeiten durchschnittlich ehrlich(er) sind, während rein theoretisch auch das Gegenteil denkbar gewesen wäre. Über die Gründe kann nur spekuliert werden, z. B. das schwerere Erkennen möglicher Nachteile der Unehrlichkeit, während dessen Vorteile für jeden offensichtlich sind. Die praktischen Implikationen für Unternehmen, aber auch die Politik sind weitreichend (zumindest wenn sich das Ergebnis auch in anderen Situationen und bei höheren Einsätzen bestätigen lässt). Denn kognitive Fähigkeiten lassen sich leichter testen als die individuelle Ehrlichkeit, deren Abfrage keinerlei Zusammenhang zu den angegebenen Würfelergebnissen hatte (denn wer unehrlich ist, ist es auch hinsichtlich seiner Unehrlichkeit). Am Ende des Beitrags findet sich übrigens der verwendete Fragebogen mit auch kognitiven Aufgaben, die ich (ganz ehrlich) nicht allzu schwer finde.

10 Gedanken zu „Klügere Menschen sind ehrlicher

    • Die clevere Würfelmethode zur stochastischen Ermittlung von Ehrlichkeit ist schon etwas älter. Jeder soll genau einmal würfeln und das Ergebnis mitteilen. Je nach mitgeteiltem Ergebnis bekommt der Betreffende dann Geld oder Freizeit (bei angegebener 1 eine halbe Stunde, bei einer 2 eine Stunde etc.). Wenn alle ehrlich sind, ist jedes Ergebnis gleichermaßen wahrscheinlich. Die Verteilung wird dabei nicht genau gleich sein, sondern zufällig schwanken. Wenn ein Teil der Teilnehmer mogelt, also sich z. B. eine hohe Zahl ausdenkt oder bei einer niedrigen Zahl noch einmal würfelt und dann das Ergebnis des zweiten bzw. höheren Wurfes angibt, kommt es zu systematischen Abweichungen, die sich statistisch nachweisen lassen. Individuell kann jedoch niemandem die Unehrlichkeit nachgewiesen werden. Der klischeehafte Homo oeconomicus würde deshalb immer die 6 angeben. Empirisch mogeln reale Menschen, aber nicht alle und auch die Mogelnden nicht alle maximal. Interessanterweise mogeln intelligentere Menschen (gemäß den Tests, deren Ergebnisse auch von stärkerer Konzentration oder Geduld beeinflusst werden) weniger, nicht mehr.

      • Sie schreiben: „Interessanterweise mogeln intelligentere Menschen (…) weniger, nicht mehr.“

        Was durch die bittere Real-Satire (nicht nur) der AfD-Genese in vielen Fällen bewiesen wurde, denn nach meinem Eindruck setzten sich oft die Unehrlich(er)en am Ende durch. Allerdings muss man wohl davon ausgehen, daß dies Politiktypisch ist.

        Vielleicht war das die eigentliche Botschaft Ihres Blog-Artikels?

      • Für den Erfolg der Unehrlichen in der Politik gibt es noch andere Gründe. So führen die Massenmedien zu einer Häppchenkultur mit 20 Sekunden-Spots. Das begünstigt Leute, die plakative Aussagen machen, deren Substanz nicht hinterfragt wird, oder Versprechungen, deren Umsetzung später niemand überprüft. Wer jedem das sagt, was dieser gerade hören will, bekommt vielleicht später Probleme, doch wer das nicht tut, ist dann gar nicht mehr in der Politik.

      • Warum „erstaunt“ Sie so etwas? Intelligentere Menschen koennen sich wahrscheinlich eher vorstellen entdeckt zu werden und sind empfindlicher was Reputation betrifft.

        Wenn man es auf Politik uebersetzt muessen unsere Apparatschiks ausgesprochen dumm sein!

  1. Erinnert mich an die Gaußsche Verteilungskurve,ist ja ähnlich.

    Hm,unehrliche Menschen sind erfolgreicher,sehe ich jeden Tag in der Firma.
    Wer seinen Ausschuß heimlich wegwirft,hat weniger Ausschuß und ist der bessere Mitarbeiter.

    Noch interessanter aber finde ich,sind dumme Menschen dumm und schlaue schlau ?
    Nicht unbedingt,wenn man sich die jetzige Politik ansieht.
    Zur Zeit erleben wir ein Diktat linker Dummheit.
    Linke sind dumm und ihre politischen Ansichten teilweise erschreckend.
    Das macht aber nichts,wenn man es schaft krude und verstörende Ansichten wie Gender schon in den Kindergärten breit gestreut unter die Masse zu bringen.
    Das ist sehr schlau,denn damit hat der Dumme seine Ansichten sehr schlau umgesetzt.
    Den Schlauen also über einen Umweg ausgetrickst.

    Was ich damit sagen will,das dumme Menschen durchaus die Schlauheit besitzen einen Schlaueren auszutricksen,Dummheit macht auch hartnäckig und besessen.

    Bei Kranken ist das nicht anders – Münchhausen Stellvertreter Syndrom.
    Also eigentlich kranke und dumme Menschen ohne viel Selbstbewußtsein.
    Aber sie sind hartnäckig und mit einer perfektionierten Vorgehensweise,das sie zumindestens was ihr Ziel betrifft extrem intelligent sind.

    • In dem Experiment bekommen die nicht so Schlauen doch kurzfristig auch mehr. Trotzdem ist davon auszugehen, dass Intelligenz langfristig Vorteile bietet (zumindest für Menschen, bei denen der Evolutionsdruck in diese Richtung ganz enorm gewesen sein muss). So können die klügeren und zugleich ehrlicheren Soldaten im ersten Experiment eher Offiziere werden als die anderen, die nur ein bis zwei Stunden Freizeit gewinnen.

  2. Wer die Wahrheit sagt, muss ein schnelles Pferd reiten (Napoleon).
    Im Mittelalter war das Sagen der Wahrheit an den Königshöfen meist den Hofnarren vorbehalten, bei denen es sich oft um chondrodystrophische Zwerge handelte. Diese Form der Negativmutanten sind praktisch die einzigen, die einen überhohen IQ von durchschnittlich 150 Punkten haben. Ansonsten sind Menschen mit Erbdefekten eher unterdurchschnittlich intelligent. Die Aufgabe dieser Hofnarren war es unter Anderem, den Königen oder Hochadeligen unangenehme Wahrheiten zu unterbreiten ohne offen zu lügen.
    Interessanterweise gibt es meines Wissens trotz der überragenden IQ-Werte keinen Chondrodystrophiker, der als Wissenschaftler Karriere gemacht hätte.
    Der wirtschaftliche Erfolg scheint in unserer Erfolgsgesellschaft eher auf einer gewissen Schlitzohrigkeit zu beruhen als auf Intelligenz und Können.

    • Das mit der außergewöhnlich hohen Intelligenz der Kleinwüchsigen wusste ich noch nicht. Das macht sie als wahrheitssprechende Hofnarren natürlich umso interessanter. Für die meisten Karrieren sind andere Eigenschaften jedoch wichtiger. Eigentlich muss man nur ein paar strategische Entscheidungen im Leben richtig treffen und dann beharrlich bleiben. Wenn man dagegen beharrlich in die falsche Richtung läuft wie die Kanzlerin jetzt, dann kann man nicht am richtigen Ziel ankommen. Wer ständig die Richtung ändert, kommt auch nicht voran (aber hier ist es zum Glück schon ganz schön).

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