Plagiatsverdacht bei Frau von der Leyen

Es könnte sein, dass Eine kritische Auseinandersetzung mit der Dissertation von Dr. Ursula Gertrud von der Leyen: C-reaktives Protein als diagnostischer Parameter zur Erfassung eines Amnioninfektionssysndroms [sic] bei vorzeitigem Blasensprung und therapeutischem Entspannungsbad in der Geburtsvorbereitung“ auf VroniPlag uns diese Frau als nächste Bundeskanzlerin erspart. Schon Karl-Theodor zu Guttenberg musste seine politische Karriere durchaus auch mit Hoffnung auf die Kanzlerschaft wegen einer (nicht einmal unbedingt von ihm selbst) nahezu vollständig plagiierten Doktorarbeit begraben. Annette Schavan verlor ebenfalls ihren Doktortitel, der zugleich ihr Studienabschluss war, und ihr Amt ausgerechnet als Bundesministerin für Bildung und Forschung, weil sie plagiiert hatte. Zahlreiche weitere Politiker stürzten über unsaubere Doktorarbeiten.

Das Aberkennen des Doktortitels ist übrigens keine Strafe fürs Plagiieren oder andere Manipulationen, sondern die Konsequenz daraus, dass die entsprechende akademische Leistung gar nicht erbracht wurde. Doch warum endet dann auch regelmäßig die politische Karriere oder bekommt zumindest einen starken Knick, obwohl der Doktortitel dafür gar keine Voraussetzung ist? Das Signal für akademische Kompetenz verkehrt sich beim Aufdecken des Betrugs in einen Indikator für Unehrlichkeit und Inkompetenz. Wer selbst im wissenschaftlichen Bereich mogelt, tut es als Politiker ganz sicher. Dagegen ist es nicht richtig, dass alle Politiker grundsätzlich unehrlich sind. Es kommt wie so oft (z. B. auch der Zuwanderung) darauf an zu differenzieren. Wer nachweisbar unredlich gehandelt hat, kommt für hohe und höchste Staatsämter nicht mehr in Betracht. Plagiate lassen sich gut nachweisen und inzwischen auch leichter finden als früher. In der realen Welt gibt es natürlich viel schlimmere Vergehen als das Weglassen von Quellenangaben, doch jeder Doktorand weiß, dass das in der Wissenschaft wie z. B. auch das Fälschen von Daten völlig inakzeptabel ist.

25 Gedanken zu „Plagiatsverdacht bei Frau von der Leyen

    • Eine solche Versicherung wurde und wird nicht immer verlangt. Wo das doch der Fall ist, kann ein Plagiat sogar strafrechtlich relevant sein. Es gilt jedoch eine Verjährungsfrist von fünf Jahren. Beim Diplom gibt es übrigens auch nach üblicherweise fünf Jahren Bestandsschutz. Sie dürften es danach also selbst dann behalten, wenn sie gemogelt haben sollten. Bei Promotionen ist das nicht der Fall.

  1. Auffällig die Parallelen zu Merz, Gutenberg, Schavan:
    Immer wenn die Alphawölfin schwächelt, gerät der oder diejenige, die ihr gefährlich werden könnten, in die Fänge von vroniplag oder wird sonstwie eliminiert.
    ‚“Onkel-Doktor-Syndrom“: Übrigens sind die medizinischen Dissertationen, die häufig neben wichtigen Examina verfasst werden, die angreifbarsten.

    • Der Inhalt von medizinischen Doktorarbeiten ist häufig recht recht dürftig. Auch von der Länge gehen sie meistens über Abschluss- oder sogar Seminararbeiten in anderen Fächern nicht hinaus. Das ist aber kein Grund, mehr zu plagiieren, eher im Gegenteil. Die Plagiatsjäger sind sicherlich nicht im Auftrag von Frau Merkel unterwegs. Es könnte dagegen sein, dass sie stärker bürgerliche als linke Politiker im Visier haben, von denen aber auch mehr promoviert sind.

  2. Mag sein, dass uns Frau von der Leyen nun als Bundeskanzlerin erspart bleibt, dennoch ist leider auch niemand in Sicht, der hier hoffnungsvoller stimmen würde.

    Auffällig ist aber schon, dass vornehmlich nominell konservative Politiker enttarnt werden. Gibt es dort mehr Doktortitel, eine höhere kriminelle Energie oder wird von den Aufklärern einseitig ermittelt? Ich kann mir vorstellen, dass viele “Berufs“politiker, die ihre Karriere i. d. R. schon frühzeitig auf die Politik ausgerichtet haben, aber auf den ehrenvollen Titel nicht verzichten wollten, hier den leichten Weg gegangen sind. Dann müsste es aber jede Couleur gleichermaßen betreffen.

  3. Von der FDP gab es ja auch eine Europaabgeordnete, deren Name mir leider gegenwärtig nicht mehr einfällt. Aber wie dem auch sei, seitdem bekannt wurde, welche Freiheiten sich der Freiherr zu Guttenberg (vulgo Freiherr von und zu Googleberg) herausgenommen hatte, fliegen immer mehr Plagiate auf. Das ist gut so, zumindest hier wird der Schweinestall ausgemistet! Freilich gilt auch für Frau von der Leyen – wie für jeden anderen Menschen – bis zum Beweis der Tat zunächst die rechtsstaatliche Unschuldsvermutung.

    Die Ursachen für die wohl häufige Erschleichung von Titeln liegen indes nur vordergründung bei den Täuschern. Warum tun sie denn so etwas? Antwort, sie tun es deswegen, weil eine zu Spießern erzogene Gesellschaft ihre Mitmenschen nach Rängen und Titeln beurteilt, nicht aber nach dem was sie wirklich leisten und sind. Esse quam videri = mehr sein als scheinen, sollte eigentlich der Bewertungsmaßstab sein. Ist es aber nicht! Die Ursachen liegen in einer Gesellschaft, welche bei den Werten, welche das Grundgesetz vorgibt, noch lange nicht angekommen ist. In der Realität fängt der Mensch erst beim Akademiker an, und die Eliten lassen es sich dabei gut gehen.

    Daran haben die Ideologiefabriken des Regimes, wie Schulen, Kirchen und Universitäten, aber auch Presse, Funk und Fernsehen, durchaus ihren Anteil. Denn diese Institutionen und Medien transportieren jene Überzeugungen und Gesinnungen, welche uns dann – unter anderem – in Gestalt gefälschter Doktorarbeiten „auf die Füße fallen“.

    • Sie meinen Frau Silvana Koch-Mehrin. Noch dreister ist Herr Jorgo Chatzimakakis, der nach Titelverlust und dem Ende seiner FDP-Karriere gerne in Griechenland Politiker geworden wäre. Es gereicht den Griechen zur Ehre, dass sie auf ihn nicht hereingefallen sind.

      In Deutschland und Österreich wird der Doktortitel Namensbestandteil, weshalb auch viele ihn anstreben, die mit Wissenschaft eigentlich nichts am Hut haben.

  4. Vielleich liege ich falsch, aber es scheint , dass in Deutschland, ähnlich wie in Österrich, mit einem Dr.-Titel überdurchschnittlich viel operiert wird. Ein Ersatz für Adelstitel? Eigentlich musste man restriktiver Doktorarbeiten behandeln. Es soll nicht auf die Masse kommen sondern auf die Qualität. Mir wurde einmal geschrieben aus Aachen, eine Anerkannung meines Dipl. Ings. ist in Aachen problematisch weil Uni Zagreb zu wenig Promotionen in Ing. Wissenschaften registriert. Und ich kann nur sagen Ingenieure promovieren in Zagreb sehr selten weil die Qualitätsanforderungen m.E.n. sehr hoch sind, was in D. nicht unbedingt der Fall ist. So etwas wird natürlich jetzt für Ingenieure und Ärzte die uns „überfluten“ ganz schnell per Dekret korrigiert!

    • Die Universitäten bekommen staatliche Mittel u. a. nach der Zahl der Promotionen zugeteilt. Das ist natürlich ein völliger Fehlanreiz. In den meisten anderen Ländern ist die Promotion nur für eine wissenschaftliche Karriere zu gebrauchen, was in Deutschland auf die Habilitation zutrifft.

  5. Um es gleich vorweg zu nehmen: Ich mag die linksliberale Frau von der Leyen nicht!
    Und ihren linksliberalen Vater Ernst Albrecht habe ich auch nicht gemocht.

    ABER es ist verdammt auffällig, dass von gewissen Ermittlern, nur die Doktorarbeiten von Politikern von Union und FDP unter die Lupe genommen werden (Guttenberg, Schavan, …). Es ist gut denkbar, dass eine ganze Reihe von Doktor-Titeln zu Unrecht geführt werden. Dass das aber nur bürgerliche Politiker betreffen soll, ist hochgradig unglaubwürdig.

    Bin ich denn der Einzige, der dieses miese Spiel durchschaut???
    Dass der „Geist links steht“ ist 68er Dumm-Fuck!

    • Es wurden auch Plagiate bei SPD-Politikern wie Frank-Walter Steinmeier, Margarita Mathiopoulos und Uwe Brinkmann gefunden. Insgesamt gibt es aber wohl mehr promovierte bürgerliche Politiker. Vielleicht wird unter ihnen auch mehr geschummelt, weil eine Promotion von ihnen auch dann eher erwartet wird, wenn sie kein Talent, keine Lust oder einfach keine Zeit dazu haben. Schließlich kann jeder selbst nach Plagiaten suchen. Wirklich schwer ist es nicht, man muss nur sehr gründlich und genau sein, also das Gegenteil der Plagiatoren.

  6. In Fächern wie Medizin, bei denen die Promotion der normale Abschluß des Studiums darstellt, ist von einer Doktorarbeit auch nicht mehr zu erwarten als von einer stinknormalen Diplomarbeit.
    Man möge sich davor hüten, in der Doktorarbeit eines Medizinmanns wissenschaftlichen Gehalt zu suchen.

    Von daher sehe ich in dieser Kampagne gegen (die auch mir äußerst unsympathische) Frau von der Leyen nicht mehr als einen Sturm im Wasserglas.

    • Die Promotion stellt nicht den normalen Abschluss des Medizinstudiums dar. Das Medizinstudium wird durch Staatsexamina abgeschlossen und immer mehr Absolventen verzichten auf die Promotion. Außerdem gibt es auch in Medizin gehaltvolle Forschungsdissertationen. Schließlich ist es ein wesentlicher Unterschied, ob der wissenschaftliche Gehalt dürftig ist oder bewusst gemogelt wurde, um eine größere Eigenleistung vorzutäuschen als vorhanden.

      • Formal haben Sie natürlich recht. Doch werde ich nie den Satz eines Medizinprofessors vergessen, der sagte: „Mit der Studienarbeit eines Ingenieurs kann ich drei Mediziner promovieren.“

  7. Mit Strg+C und Strg+V die akademische Bühne zu betreten, wird heute immer schwieriger. Jeder, der heute einen Computer hat, kann sich als Plagiatjäger verdingen, die nötige software gibt es zuhauf, die meisten sogar kostenlos. Das Manko ist aber, dass fast alle untauglich sind, da sie nur exakt kopierte Stellen herausfinden. Paraphrasierer, Klau aus Büchern oder Textübersetzer ist mit der üblichen software kaum auf die Schliche zu kommen. Effektvoll ist die Googlehilfe, wenn man aus einem Textabsatz 5 – 6 langgezogene Wörter eingibt. Das wäre mal eine Ersthilfe, aber noch kein eindeutiger Plagiatshinweis. Es ist auch zu beachten, dass frühere Plagiatdoktorarbeiten eher aufzufinden sind. Ich könnte z.B heute eine Arbeit vorlegen, die man als Plagiat nicht erkennen würde, alleine schon aus dem Grunde, weil die Plagiatsparameter bekannt sind. Es könnte aber in 20 Jahren bekannt werden, dass diese meine Arbeit als Plagiat erkannt werden könnte. Wer als Plagiateur erkannt wird, bekommt hier bei uns schon die Höchstrafe, dass sollte zur Abschreckung reichen.

    • Es ist ein Wettrennen. Es wird immer leichter, Plagiate anzufertigen und zu verschleiern, aber die Aufklärung wird, ggf. mit einer zeitlichen Verzögerung, auch immer leichter. Deshalb würde ich, ganz unabhängig von allen wissenschaftsethischen Überlegungen, niemanden empfehlen, bei einer Dissertation zu plagiieren und dann auch noch berühmt zu werden. Zumindest in Deutschland kommt es irgendwann heraus und hat dann erhebliche Konsequenzen. Wer in der Vergangenheit plagiiert hat, sollte sich jetzt ehrlich machen. Die freiwillige Rückgabe des Doktortitels ist vielleicht etwas peinlich, aber viel besser als erwischt zu werden (VW hätte sich auch besser vorher mit seinen Schummeleien selbst gestellt).

  8. Immer wird gesagt, daß ein Plagiat allein durch „das Weglassen von Quellenangaben“ verwerflich sei. Das hieße die Qualität einer Dissertation bemißt sich allein daran, ob Gänsefüßchen (plus Nachweise) an der richtigen Stelle gesetzt sind. Das ist natürlich Unfug, der dazu geführt hat, daß die überführten Plagiatoren, ihre Fehlleistung stets auf Eile, Schlampigkeit, Versehen zurückführen konnten.
    Das Hauptproblem an ihren Dissertationen ist aber vielmehr, daß in diesen Texten überhaupt nichts substantiell Eigenes mehr steht, wenn man die Zitate wegläßt. Das ist aber etwas ganz anderes. So nämlich fehlt die eigentliche wissenschaftliche Leistung und nicht nur einige Gänsefüßchen. Die Dissertationen hätten also auch bei korrekter Zitierweise nicht angenommen werden dürfen.

    • Das sind zwei verschiedene, jedoch verbundene Probleme. Plagiate sind eine Form von Betrug. Einmalig oder auch gelegentlich kann übrigens jeder Fußnoten und Anführungszeichen vergessen, aber wenn das systematisch passiert, ist es eben kein Zufall, sondern Absicht. Eine inhaltlich schlechte Dissertation kann hingegen ganz ehrlich sein. Das Weglassen der Quellenangaben dient doch gerade dazu, fremde Texte als die eigenen auszugeben, damit die Eigenleistung besser erscheint, als sie ist. Wer Texte von Nobelpreisträgern kopiert, liefert gute Arbeit ab, nur eben nicht die eigene. Macht er es durch Quellenangaben als reine Textkollage kenntlich, wird die Arbeit hingegen nicht als promotionswürdig anerkannt.

      • Das meine ich gerade: zieht man die fehlenden Anführungsstriche nach und macht dazu die geeigneten Fußnoten, so bleibt möglicherweise gar nichts übrig, das man als eigene Leistung bezeichnen könnte. Man kann dann zwar sagen, es handele sich nun nicht mehr um Betrug; denn, wie Sie richtig schreiben, „eine inhaltlich schlechte Dissertation kann […] ganz ehrlich sein“, aber diese Dissertation führt dann nicht mehr zum Titel, weil sie mangelhaft ist. Und genau DAS ist der Grund, warum dieser dann auch konsequent entzogen wird.

      • Bis auf Ihren letzten Satz stimmen wir überein. Titel werden und dürfen später nicht entzogen werden, weil die Dissertation inhaltlich schlecht ist (mit dieser Begründung versuchte sich doch sogar Frau Schavan aus der Affäre zu ziehen). Umgekehrt mag es sogar Arbeiten geben, die selbst nach Streichen aller plagiierten Stellen eigentlich gut wären, trotzdem würde der Titel wegen des Betruges entzogen. Schließlich rechtfertigt auch nur der Betrug das Ende der politischen Karriere, für die der Doktortitel keine Voraussetzung ist.

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