VW hat betrogen

Dass die Herstellerangaben über Verbrauchs- und Abgaswerte aus standardisierten Tests nicht so ganz mit den Werten bei realem Fahrverhalten übereinstimmen, ist schon lange bekannt. „Was Volkswagen in Amerika vorgeworfen wird“, ist aber viel gravierender, nämlich Betrug. Durch eine Spezialsoftware wurde ermittelt, wann es sich um eine Testsituation handelte, in der Dieselfahrzeuge von VW dann systematisch niedrigere Emissionen produzierten. Das mag man noch für clever halten, doch die Verwendung einer solchen Software war explizit verboten. Selbst als Unregelmäßigkeiten letztes Jahr auffielen, gelobte VW zwar Besserung und rief Fahrzeuge zurück, änderte aber nichts.

Das ist nicht nur verboten, sondern auch selten dämlich. Es ist doch bekannt, dass in den USA Milliardenstrafen drohen und sogar Strafverfahren gegen Unternehmen und nicht nur die verantwortlichen Manager möglich sind. Außerdem sind die Behörden dort mehr auf Zack als hierzulande und werden z. T. sogar finanziell an den hohen Strafen beteiligt. Ich würde wetten, dass in Deutschland auch manipuliert wurde, das aber bisher keiner herausfinden konnte oder auch nur wollte.

27 Gedanken zu „VW hat betrogen

  1. In dieser Situation bleibt nur eines, Herr Winterkorn und sein Stab sollen zurücktretten . Wussten die Gewerkschaftsfunktionäre und Politik nichts davon? Schwer zu glauben.

  2. Am Anfang wird eine Forderung des Vertriebs nach Motorleistung gestanden haben, die mit den geltenden Abgasnormen nicht erreichbar war. Solche Details interessieren Vertrieblern gewöhnlich nicht.
    Dann wurde Druck auf die Ingenieure ausgeübt, die Motorleistung bereitzustellen, egal wie. Nun sind die Ingenieure die Dummen, denn jede kleinste Änderung jeder einzelnen Zeile Code kann über Jahre nachverfolgt werden und einem einzelnen Programmierer zugeordnet werden. Damit sind die Schuldigen schnell gefunden, denn die Vertriebler haben nur portiert, was der Markt fordert und für die Details gibt es schließlich Ingenieure …

    • Dieselmotoren haben – nach Gesetzen der Thermodynamik – ganz spezielle Probleme wegen der hohen Zündtemperatur und der hohen Verdichtung, nämlich durch Erzeugung von Stickoxiden. Stickoxide sind nun einmal sehr unerwünschte Produkte.
      Wie Bertrand Russel nach der Zündung der Wasserstoffbombe schrieb, „ the bright boys have delivered what the dull boys ordered“: Es ist möglich, unter bestimmten Arbeitszuständen eines Motors diese Voraussetzungen zu erfüllen, dies setzt natürlich eine Verfälschung gegenüber dem Alltagsbetrieb voraus.
      Die beteiligten Ingenieure nur dann korrekt gehandelt, wenn sie die unmöglichen Vorgaben für den Alltagsbetrieb abgelehnt hätten.
      Derartige Probleme werden wir noch in vielen Bereichen der gewerblichen, ich denke hierbei ganz speziell an die Feinstaubverordnung, die ja notwendig wurde, als der Grobstaub quasi verboten wurde, der als der beste bekannte Absorber für Feinstaub gilt. Die Eliminierung des Grobstaubes bewirkt nur, dass der Feinstaub jetzt nicht nur in die Bronchien, sondern in die Lungenbläschen kommt und von dort aus krank machend in die Blutbahn des Menschen.
      Daneben betrachte man auch die sogenannte Röntgenverordnung (Prof. Dr. Gynter Mödder „Leben mit Strahlen“), bei der eine Technologie (diagnostische Aufnahmen des Skeletts), die nachweislich noch keinen Schaden am Patienten geführt hat, von drei bis vier Behörden beaufsichtigt wird.
      Dagegen werden die von Seiten unserer amerikanischen Verbündeten neu gelieferten Wasserstoffbomben in der Eifel bei Köln von keiner deutschen Behörde in irgendeiner Art und Weise überwacht (Sprengkraft je Stück ca. 2 Megatonnen).

  3. Cui bono ? – Oder mit Friedrich Nietzsche „Wenn etwas Gutes geschieht, frage Dich, aus welchem böse Grunde“!
    Hat nicht Herr Piech vor etwa drei Monaten laut und deutlich erklärt, er habe kein Vertrauen mehr in Herrn Winterkorn? Es wäre sehr interessant, bei den Börsen zu recherchieren, ob am Freitag VW Aktien in größerem Mengen leer verkauft wurden.
    Es heißt: „it´s an ill wind that blows nobody any good“
    Weiterdenken: z.B. an die TTIP-Verhandlungen oder das Ansehen der deutschen Wirtschaft und deren Glaubwürdigkeit in punkto Umweltschutz.

  4. Wie man an dem Beispiel sehr schön sieht, gibt es eben Unterschiede zwischen den U.S.A., Deutschland und Europa. In Deutschland und Europa herrscht die Beamtokratie. Und die hat noch nielmals etwas gekonnt, hat noch niemals etwas zustande gebracht und wird auch niemals etwas können und wird auch niemals etwas zustande bringen…..

    • Vielleicht herrscht auch bald eine Hackerkratie. Wer die IP-Adresse des Dieselgefährts eines unliebsamen Kollegen kennt, kann dieses alt aussehen lassen indem er es in eine Art Dampflokomotive verwandelt und schwarze Rußwolken aus seinem Schlot entweichen läßt.

  5. Das Datenblatt eines Autos war bis vor wenigen Jahren noch recht überschaubar. Es enthielt Dinge wie Fahrzeuggewicht, Motorleistung und Höchstgeschwindigkeit. Mit dem Einzug der Software ändern sich die Dinge und aus dem Datenblatt müsste eigentlich ein Datenbuch werden. Die Fahrzeuge tauschen selbstständig Informationen mit ihren Herstellern und vielleicht auch mit weiteren Stellen wie der Unfallrettung aus. Art und Umfang der übertragenen Informationen dürften dem Lenker wohl kaum mehr ihrer Gänze bekannt sein. Insbesondere dann, wenn er ein Leihfahrzeug benutzt. Seine Privatsphäre leidet.
    Richtig gruselig dürfte bei selbstfahrenden Autos die Programmierung übergesetzlicher Notstände werden. Läuft beispielsweise ein Kind vor das Auto, wird der Bordcomputer in Sekundenbruchteilen entscheiden müssen, welches Leben Vorrang hat. Das des Kindes oder das des Fahrers, falls das Fahrzeug gegen eine Wand gesetzt werden muss. Welcher Hersteller wird eine solche Abwägung seinen Kunden anvertrauen wollen?

    • Sie Herr Prof. Dilger können es als Volkswirt sicher besser berechnen, aber über den Gesamtschaden wird VW Pleite gehen. Gehen wir davon aus, dass in den USA 500.000 Fahrzeuge mit je 10.000 Dollar Schaden betroffen sind, als „punitive damages“. Wenn Ausgleichszahlungen bis zum Zweihundertfachen des Schadens zuerkannt werden, so heißt es wohl für den spekulativ veranlagten Anleger VW-Aktien sofort leer zu verkaufen (zu shorten).
      Keinesfalls will ich hier eine Apologie für das Verhalten der VW Mitarbeiter vortragen. Die Grundursache des Problems scheint mir indes woanders zu liegen.
      Die umweltpolitisch relevanten technischen Vorschriften werden von Leuten beschlossen, die in keiner Weise mathematisch-naturwissenschaftlich gebildet sind, zahlreiche Abbrecher wie z.B. Frau Göring-Eckhardt haben lediglich ein zweisemestriges Theologiestudium, bzw. wie Herr Bütighöfer (MdEP) zwei Semester Chinesisch an der Fachhochschule Stuttgart vorzuweisen. Im Privatleben haben diese Mitmenschen auch zahlreiche gescheiterte Ehen in der Vorgeschichte.
      Also Schicksalsfragen der Technologie sollten nicht von Menschen ohne geeignete Vorbildung entschieden werden. Das bedeutet nicht, dass man nur noch habilitierte Ingenieure oder Physiker ins Parlament wählen sollte. Ich beziehe mich aber ausdrücklich auf Voraussetzungen der passiven Wählbarkeit, über die hier dringend nachgedacht werden muss.

      • In den USA droht eine Strafe von bis zu 18 Milliarden Dollar. Das ist viel Geld, würde aber noch nicht zur Insolvenz von VW führen. In Deutschland und Europa dürften staatliche Strafen deutlich geringer ausfallen, dafür könnte es private Rückgaben von Fahrzeugen geben (die Autos haben nicht die zugesicherten Eigenschaften, wobei ein klarer Schaden für die Kunden schwer nachweisbar ist). Vor allem droht sich nun die Absatzkrise der VW-Marke weiter zu verschärfen (dem Konzern geht es global besser, insbesondere durch Porsche).

        Wir könnten besser qualifizierte Personen in die Parlamente wählen. Dazu müssten die Parteien solche Personen aber auch aufstellen, was die AfD anfangs versuchte, inzwischen aber offensichtlich aufgegeben hat und lieber Pleitiers wählt.

      • Sehr geehrter Herr Dilger,

        die bis zu 18 Millarden Dollar Strafe bezogen sich doch nur auf Klage der Umweltschutzbehörde ohne die Entschädigung der Käufer, oder nicht?

        Zusätzlich ermittelt aber nun auch noch das Justizministerium wegen Betrugs und einge Bundesstaaten haben Sammelklage eingereicht.

        Ich denke nicht, dass es bei 18 Milliarden Dollar Strafe bleiben wird.

        Da, wie mittlerweile zugegeben, 11 Millionen Fahrzeuge weltweit betroffen sind, wird es IMHO eher noch zu weiteren Klagen kommen.

        Vom Imageschaden ganz zu schweigen.

      • Entschädigungen der Käufer sind keine Strafe. Es ist aber auch nicht klar, welcher Schaden den Kunden eigentlich entstanden ist. Man kann sogar argumentieren, dass die Käufer von der Umgehung der Umweltvorschriften profitiert haben. Trotzdem dürften sie einen Anspruch auf Nachbesserung oder sonst Rückgabe des Wagens haben.

        Ich denke übrigens nicht, dass es zu einer Strafe von 18 Milliarden Dollar kommen wird, sondern eher einem einstelligen Milliardenbetrag. Es hängt allerdings davon ab, wie sich VW weiter verhält. In den USA sind Absprachen üblich, die jedoch Wohlverhalten voraussetzen. Wenn es hingegen zum Prozess kommen sollte, ist alles möglich zwischen Freispruch und Verbot von VW in den USA.

  6. VIELE betrügen, allen voran unsere Regierung!
    Wenn nun auch VW betrügt, wundert mich das gar nicht…….

  7. Vielleicht sieht man jetzt auch in Deutschland etwas klarer, weil seit Jahren Diskrepanzen bestanden bei Städten und Gemeinden, wo die Messwerte unverständlich hoch waren. Niemand spricht von den gesundheitlichen Schäden, niemand spricht auch von anderen Automarken wie Skoda und Audi. Niemand weiß auch, wieviele schon unter der Erde liegen, aber 1 Milliarde Euro wurden schon mal zurückgestellt wegen möglicher Klagen. Klar ist, dass die Politik involviert ist, und klar ist auch, dass politisch unter der Decke kaschiert wurde. Zur Schadensbegrenzung sollte mal wieder die Maut erhöht werden, damit klar wird, wer die Rechnung letztendlich bezahlt.

  8. Als VW Mitarbeiter kann ich absolut nicht verstehen wieso gerade dieser Konzern, der es wohl am wenigstens nötig hat, zu solchen Mittel greift. Trotzdem bin ich noch hin und hergerissen wegen dem Rücktritt von Herrn Winterkorn. Er war ein Qualitäts- und Techniknarr und hat gerade deswegen VW erfolgreich geführt. Ich bin nun gespannt wie es weiter gehen soll.

  9. Hallo Manuel, durch die Transparenz von VW und den Rückritt von Winterkorn schätzt man, dass eine Schadenssumme von 20 Mrd auf 5 Mrd reduziert werden kann. Ich bin der festen Überzeugung, dass Winterkorn erst von der Sache erfahren hat, als sie schon passiert war. Interessant wäre für mich zu wissen, welche Rolle Piëch hier gespielt hatte.

    • „Ich bin der festen Überzeugung, dass Winterkorn erst von der Sache erfahren hat, als sie schon passiert war.“ Warum denken Sie das? Bevor er Vorstandsvorsitzender wurde, war er für Forschung und Entwicklung zuständig. Auch danach war er der Technik sehr verbunden und interessierte sich durchaus für Details. Doch selbst wenn er wirklich nichts wusste, trug er die Verantwortung. Für VW ist es gut, dass er sie jetzt auch übernommen hat.

      • Herr Winterkorn hatte seine Anfangsstellung nach der Promotion in Metallphysik ausgerechnet bei Bosch, wo die Dieselpumpen für unter anderem VW entwickelt werden! Honi soit qui mal y pense.
        Vielleicht sollte man zur Reinigung des Augiasstalles einen völlig Betriebs- und Branchenfremden einstellen; wäre das nicht eine gute Nebentätigkeit für Sie, Herr Prof. Dilger? Zu ehrlich? – Anderenfalls brächte Ihr Kollege Varoufakis, der ja auch promovierter Ökonom ist, sicherlich die charakterlichen Voraussetzungen für die Nachfolge eines deutschen Konzernchefs mit!?

        Um zurück zu kommen auf die Physik:
        Der Leistungsanstieg moderner Diesel gegenüber denen vor 20 Jahren ist kaum fassbar; ein 300T des Jahres 1993 leistete mit 3 Liter Hubraum 85 PS, inzwischen bringt ein Porsche Macan Turbo Diesel 330 PS, und dies bei angeblich verbesserten Abgaswerten.

      • Vorstandsvorsitzender des VW-Konzerns ist sicher keine Nebentätigkeit, schon gar nicht jetzt. Dagegen könnte ich mir durchaus vorstellen, als kritischer Aufsichtsrat tätig zu werden. Es muss ja nicht gleich bei VW sein. Ich war schon im Verwaltungsrat des Studentenwerks Münster, dessen Umsätze und vor allem Vermögen gar nicht so klein sind.

  10. Daß VW eine Gangsterfirma ist, weiß ich schon seit über 5 1/2 Jahren. So lanage führe ich bereits einen Rechtsstreit für einen niederländischen Mandanten. Dem wurde ein T 5- Transporter mit einem manipulierten Motorregler verkauft. Nachdem VW dem Autohaus, welches das Fahrzeug wegen Gewährleistung vom ersten Halter zurücknehmen mußte, eine sogenannte Verlustbeteiligung geleistet hatte.

    Wegen überhöhter Leistungsvorgaben ging der Zylinderkopf kaputt. Natürlich stritt VW alles ab, obwohl wir die Dateien vorgelegt, die Meßergebnisse bewiesen und sogar die eigene Reparaturhistorie von VW vorgelegt haben. Das sind schlichtweg Gangster!

    Im neuen Sprachgebrauch gibt es die „Compliance“. Was das sein soll, verstehen die meisten Leute gar nicht. Sie als Ökonom kennen es natürlich: Das gute alte Wort Ethik, dessen Bedeutung jeder auf Anhieb versteht, ist durch „Compliance“ ersetzt worden. Aber was viel schlimmer ist, die Wirtschaftslenker tragen diesen Begriff nur gut nach außen, leben ihn aber in Wirklichkeit nicht. Das ist die bekannte Verarsche der politischen und ökonomischen Eliten in diesem Land, Wasser predigen doch Wein trinken! Wie bei Margot Käsmann, die wetterte von der Kanzel herab gegen Alkohol im Straßenverkehr und wurde mit 1,54 Promille am Lenkrad erwischt. Neben ihr soll übrigens ein gewisser Herr Gerhard Schröder gesessen haben. Dieser Herr hat unlängst einen „Aufstand der Anständigen“ gefordert. Aber damit meinte er wohl nicht die Führung seiner Ehe.

  11. Wer mit offenen Augen durch die Welt geht, weiss, daß die USA hier einen „Handelsangriffskrieg“ gegen Deutschland führt – das passt gut mit der derzeitigen Asylkrise zusammen – wenn unsere vernagelten Politiker nicht bald die Richtung ändern und sich anders den lieben „Freunden“ gegenüber positionieren, dann schafft die anglosächische „Elite“ es vielleicht beim dritten Anlauf, Deutschland zu vernichten!

    • Offene Augen genügen nicht, man muss auch in die richtige Richtung schauen. Es ist völlig klar, dass VW betrogen hat, was immer man von den US-Abgasnormen halten mag. Deutschland hat unabhängig davon riesige Exportüberschüsse gegenüber dem Rest der Welt und insbesondere auch gegenüber den USA. Die aktuelle Flüchtlingskrise wird von Frau Merkel verschärft, nicht den USA. Pauschaler Antiamerikanismus ist hingegen typisch für Links- wie Rechtsradikale in Deutschland.

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