„Welche Unternehmen profitieren vom Euro?“

Vor drei Monaten veröffentlichte ich bereits ein ‚Diskussionspapier zu Währungsfrage‘, konkret “Which Currency Is Best for Business in a Small Country?” Nun gibt es ein neues Diskussionspapier von mir zu einer etwas anderen Frage, nämlich „Welche Unternehmen profitieren vom Euro?“ Meine Antwort lautet:

Im Ergebnis ist die Gemeinschaftswährung vor allem für exportstarke Unternehmen in exportstarken Ländern wie Deutschland von Vorteil, was ihre Befürwortung trotz Eurokrise erklären dürfte. Dagegen verlieren Unternehmen in den Krisenländern eher, fürchten aber vielleicht trotzdem die Auflösung der Eurozone.

22 Gedanken zu „„Welche Unternehmen profitieren vom Euro?“

  1. Eine grandiose Milchmädchen Rechnung , die heute jeder aufmerksame undinteressierte Leser von aktuellen Fachbüchern schnell wiederlegen kann. Wer zahlt den Import der Krisenländer? Herr A. In Saloniki kauft einen Mercedes, den er sich sonst nicht leisten kann. 80.000 €! Er braucht Kredit der Bank. Die hat kein Geld, darf aber gegen Targetsalden neues ausgeben. Das führt zur Erhöhung der Schulden , welche die Bundesbank ausgleichen muss, denn ihre Forderung an das Targetsystem erhöht sich. Sie zahlt der Bank von Mercedes den Betrag aus. MB freut sich, der Grieche auch, denn den Erlös für sein Gebrauchtwagen hatte in die Schweiz überwiesen. Da die Schulden am Ende, wie alle wissen, nie zurückgeführt werden, zahlt also der Prof. An der Uni und der Arbeiter im Werk über sein Steuer das Auto. Der Arbeitslose auch, denn er zahlt USt auf alle Waren
    Übrigens, die Preise für eine Espresso ,den ein Urlauber in Athen oder Rom trinkt, ist weit teurer als in Köln. Denn, die Löhne dort sind höher als bei uns. Urlauber aus D Zahlen derzeit in der Südländer wesentlichhöhere Preise.
    Wollte Griechenland mit derTürkei konkurrieren, müssten sie 30% billiger werden! Geht aber nicht, denn die sollen Überschüsse erwirtschaften, aber wie? Das weiß Schäuble auch nicht.

      • Sie vergessen, dass der Umsatz großer deutscher Konzerne in die Südländer der EU extrem rückläufig ist. Sollten die Sparvorschriften weiter greifen, dürfte es noch problematischer werden. Übrigens haben viele Unternehmen in den Läbdern Produktionsstätten aufgebaut, die mit hohen Löhnen und Kreditzinsen belastet sind. Sie haben allerdings einfach ein Ergebnis präsentiert, ohne zu begründen , woher die Weisheit kommt. Gegen Axiome anzuschreiben ist nutzlos.

      • Die Exporte in die Eurokrisenländer sind in der Tat rückläufig, dafür sind sie außerhalb der Eurozone stärker gestiegen. Der Wirkmechanismus ist die gemeinsame Währung, die gerade durch die Krise im Süden für deutsche Exporte besonders niedrig bewertet ist. Begründungen stehen in dem Diskussionspapier, nicht in dem kurzen Blogbeitrag.

      • Auch ich bestätige Ihre These: Die Exporteure exportieren ihre Güter leichter über eine schwache Währung, während deren Beschäftigte (in Deutschland) mit einer unterbewerten Währung entlohnt werden.Zudem bezahlt die gesamte deutsche Bevölkerung, welche die Importe teuer bezahlen muss. Der Mehraufwand geht zu Lasten der Binnenwirtschaft und des Wohlstands.

  2. Nein,Herr Prof. Dilger hat recht.

    Allerdings hat er den Bummerang vergessen.

    Natürlich verkaufen exportstarke Firmen durch den schlechten Euro mehr Waren ins Ausland und machen den Reibach.
    Allerdings wurde das Gleichgewicht zerstört und Länder,die selber nichts mehr produzieren, können irgendwann dann auch nichts mehr kaufen.
    Außer auf Pump,bis auch das nicht mehr geht.

    Hier entsteht dann eine Blase die platzt und die Rettung des angerichteten Schadens begleicht dann der Steuerzahler.

    Wohingegen die exportstarken Firmen tatsächlich ihren Reibach gemacht haben.
    Das Geld ist ja nicht weg,das überall fehlt.

    Es gibt eigentlich zwei Gewinner.
    Die deutsche Industrie und der deutsche Staat.

    Verlierer sind eigentlich alle anderen EU Staaten und deren Bürger,sowie die deutschen Bürger,deren Kaufkraft so um die 30% verringert wurde.

    Das war sicher bei der Einführung des Euro so nicht geplant.
    Man hat aber sehr schnell den Vorteil erkannt,den dieses Missgeschick des europäischen Wohlstandes – für Deutschland als Staat und dessen Industrie bedeutet.

    Man muß sich auch mal vor Augen halten,welche Argumente man so auf den Tischrand wirft.
    Der Euro schafft Wohlstand und um diesen zu erreichen muß Griechenland wettbewerbsfähiger werden ( stimmt ) und das in Form von Lohn,Renten und Sozialkürzungen.

    Also müssen die Griechen ärmer werden,um so mehr Wohlstand zu bekommen.
    Jain,sie müssen produktiver werden und weniger korrupt und raus aus dem Euro,das reicht schon.

    Verarmen mit dem Euro,um so wohlhabender zu werden,ist so prima erklärt,als ob ich jemandem rate sich anzuzünden,damit ihm nicht kalt wird.

    • Es ist wichtig, die eingeschränkte Fragestellung zu beachten: Welche Unternehmen profitieren vom Euro? Es ist eine ganz andere Frage, welche Staaten oder Völker vom Euro profitieren. Ich denke übrigens nicht, dass der deutsche Staat nachhaltig vom Euro profitiert. Kurzfristig schon, da die Steuereinnahmen sprudeln und die Zinsen für die Staatsschulden verschwindend gering bis negativ sind. Aber der deutsche Staat übernimmt auch viele Garantien, indirekt die absehbaren Verluste bei der EZB, demnächst offene Transfers.

    • Wie Sie auf die Idee kommen, der deutsche Staat sei neben den Unternehmen der Gewinner, weiss der Herrgott. Wie es sich bereits heute zeigt – das sagen alle Fachleute und selbst Politiker – werden wir mit den Bürgschaften in Anspruch genommen. Auch wenn nun statt Schuldenachnitt, die Ideelle Rueckzahlung ab 2038 oder spaeter beginnen soll, sehen wir nichts wieder. Immerhin mehr als 300 Mrd!!! Allein der Zinsausfall von 2015 bis 2040, also 25 jahre, waere enorm.
      Und Sie sehen echt den deutschen Staat als Gewinner!!!!!
      Sollte der erforderliche, ehrliche Schuldenachnitt kommen, waere unser Defizit so hoch, dass sicher MWSt erhöht werden muss und vielleicht die Renten gekürzt.

      • Das zahlt aber nicht der Staat,sondern die Bürger.
        Der Staat nimmt ersteinmal viel Geld ein,das er verpulvert.
        Die geplatzten Bürgschaften aus der Gewinnabschöpfung Europas,zahlen die Bürger.

        Das ist doch jetzt schon so.
        Die Gewinne machten die Banken und der Staat,bis zum Kollaps und den Zusammenbruch der Banken.

        Und die Zahlungsunfähigkeit der Kreditnehmer bezahlen die deutschen Bürger.

  3. Die gegenwärtige Struktur, mit dem Euro, Rettungsschirmen, Austerität (in Dtl) sowie ggf. Schuldenschnitten in der Peripherie ist optimal für Exportunternehmen in Deutschland.
    Offenbar ist die Sicherung des deutschen Auslandsvermögens keine besondere Priorität für die Regierung in Dtl. sonst hätte man schon längst etwas bzgl. der einseitig exportlastigen Wirtschaftsstruktur unternehmen müssen.
    Löst man das Problem durch Schuldenschnitte, zahlt der Steuerzahler in Dtl. letztlich für die exportierten Güter, das optimale Arrangement für die Exporteure hierzulande:
    http://makrointelligenz.blogspot.de/2014/07/schuldenschnitte-als-krisenlosung-was.html

    • Quatsch!!!! Wie kann der Buerger die Bürgschaften bezahlen. Er ist sie nicht eingegangen. Der Staat muss sie bezahlen und kann höchstens die buerger per Steuern bezeiligen, oder Hypotheken Zeangsabgabe, was uch glaube.
      Sie schmeissen Staat und Bürger genial diecheinander.

      • Eventuell kann Herr Prof. Dilger ihnen erklären wie die Bevölkerung die geplatzten Bürgschaften bezahlt,die der Staat eingegangen ist.

        Ihre Tastatur ist etwas durcheinander !

  4. Ich war einmal ein Befürworter des Euro, ähnlich wie Hans-Olaf Henkel.

    Der Euro hätte bestimmt auch eine Erfolgsgeschichte werden können, wenn
    – die Stabilitätskriterien konsequent durchgesetzt worden wären,
    – keine gegenseitige Haftung für Schulden eingegangen worden wäre
    – man Staaten, die eine andere Finanzmentalität hatten und haben (Club Med) draußen gelassen hätte
    -und niemals einen Italiener, der seine Tricks bei Goldman SUCKS gelernt hat, EZB-Chef hätte werden lassen.

    Wir werden betrogen und belogen. Immer mehr Menschen merken das. Und werden sich wehren….

    • Nein, der Euro hätte auch dann nicht funktioniert. Souveräne Staaten mit eigener Konjunktur benötigen eine eigene Währung zumindest für den Notfall, um in schweren Krisen reagieren zu können. Eine Ausnahme sind (wirtschaftlich) kleine Staaten, die sich der Währung eines Nachbarn anschließen können.

      • Da bin ich ganz dicht bei Ihnen. Man sieht es an den Franzosen, die werden vom Euro förmlich erdrückt. Die arme grande Nation will dshalb Transfers , damit dort die Beamten weiter 2 1/2 Monate Sommerurlaub machen koennen, 35 Std arbeiten und mit 60 pensioniert werden.

    • Die Menschen in Deutschland werden sich nicht wehren, was immer auch geschieht.
      Gegen das sich Wehren der Bevölkerung haben die Mächtigen einen Propagandaapparat aufgebaut, von dem Göbbels nur träumen konnte. Jeder sich abzeichnende Unmut wird durch ihn im Keim erstickt. Wir sehen das aktuell bei der Berichterstattung über die Einwanderungslawine, die sich zur Zeit über uns ergießt.

  5. Hier kann ein wesentliches Ziel der Volkswirtschaftspolitik (Makro Grundstudium) nicht erreicht werden, nämlich die Erhaltung des Außenwirtschaftlichen Gleichgewichts. Diese kann wegen fehlender Währungsanpassung in Deutschland nicht gelingen. So einfach ist das.

    Und der Euro soll eine Erfolgsgeschichte sein?
    Welche Leute regieren uns eigentlch?
    Und wer wählt diese Leute?

    • Offensichtlich wählen 90 % der Bürger Parteien, die den Eurokurs tragen. Die Medien führen die Bürger bewusst in die Irre. Man denke an die 63 MdBs, die mit Nein zum dritten Paket votierten. Die wurden soooofort bestätigt, 30 mal am nächsten Tag, da man die 21 fehlenden MdBs der CDU /CSU sowie die Ca. 19 Enthaltungen nicht berichten wollte. Zusammen wären es über 100 Neinsager gewesen, nahezu ein Drittel. Diese einfache Aussage wollten die Zeitungen und StastsTv und Staats Radios nicht erläutern. Da gab es dich , wie so oft, eine Empfehlung aus dem Kanzleramt. Halbamtliche Zeitungen nennen dies einige ausländische Agenturen.

      • Ein Nord-Euro zusammen mit Skandinavien, BeNeLux und Österreich könnte SEHR gut funktionieren! Nach strengen Regeln könnten baltische Staaten dazu kommen.

        Und unter der Federführung von Frankreich könnte es dann einen „Süd-Euro“ für Club-Med geben.

        ABER dann wäre ja Deutschland nicht mehr Zahlmeister für alle……!!!

      • Nein, Nord- und Südeuro würden zwar besser funktionieren als der aktuelle Euro, weil die Differenzen (zumindest anfangs) kleiner wären, aber viel schlechter als nationale Währungen. Am ehesten ist noch die Konjunktur in Österreich mit der in Deutschland gekoppelt. Schon die Niederlande weichen ab, skandinavische Länder noch deutlich mehr. Hinzu kommt die Dominanz Deutschlands. Soll es unterrepräsentiert sein wie beim Euro oder mit seiner Wirtschaftskraft die absolute Mehrheit in den Zentralbankgremien bekommen?

  6. Pingback: Neues Diskussionspapier zum „Euro aus Unternehmensperspektive“ | Alexander Dilger

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