Fachzeitschriften und öffentliche Debatte

Bernhard Pörksen fragt: „Wo seid ihr, Professoren?“ Das ist deshalb etwas komisch, weil er selbst Professor ist. Als Medienwissenschaftler eröffnet er seinen Beitrag mit einem ökonomischen Thema, nämlich der Rolle von Anreizen und ihren Nebenwirkungen. Denn tatsächlich funktionieren Anreize eher zu gut, so dass man bei ihrer Konzeption genau überlegen sollte, wozu eigentlich wirklich angereizt wird. In der Wissenschaft werden jetzt vor allem Publikationen in hochrangigen Fachzeitschriften belohnt, weshalb sich (fast) alle darauf konzentrieren, aber dementsprechend anderes vernachlässigen, z. B. die Debatte in der breiten Öffentlichkeit.

Für den wissenschaftlichen Nachwuchs handelt es sich tatsächlich um harte Selektionsbedingungen, deren Missachtung die wissenschaftliche Karriere kosten kann. Für Professoren, zumindest die auf Lebenszeit verbeamteten, gilt das so aber nicht. Kleine finanzielle Zulagen können wir getrost riskieren. Zumindest mir ist die wissenschaftliche Freiheit mehr wert. Zulagen kann man dann trotzdem bekommen (so wie ich gerade heute eine Zusage erhielt), wenn man einfach seinen Interessen folgt. Für eigene Gedanken braucht man im Übrigen auch keine Drittmittel und für die öffentliche Debatte keinen großen wissenschaftlichen Apparat. Es genügt ein Blog wie dieser. Dafür verlange ich auch keine Prämie, sondern bin mit ein paar interessierten Lesern und Kommentatoren zufrieden.

2 Gedanken zu „Fachzeitschriften und öffentliche Debatte

  1. Zitat: „Für den wissenschaftlichen Nachwuchs handelt es sich tatsächlich um harte Selektionsbedingungen, deren Missachtung die wissenschaftliche Karriere kosten kann.“

    Glauben Sie, Sie wären Professor geworden, wenn Sie sich zu Ihrer Studentenzeit in einer (damaligen imaginären) AfD engagiert hätten? Sowas geht doch erst, wenn man seine Schäflein ins Trockene gebracht hat und verbeamteter Professor ist. Strukturell hat das natürlich fatale Auswirkungen für neue Parteien, was ihre Entstehung behindert (was möglicherweise von den Etablierten so gewollt ist …).

    • Es handelt sich um innerwissenschaftliche Selektionskriterien. Wer gut publiziert, kann sich auch politisch betätigen oder Blogs schreiben. Es würde höchstens die Frage gestellt werden, ob man nicht noch mehr/besser publizieren könnte, wenn man nichts anderes machen würde (was ich übrigens bezweifle). Karriereschädlich wäre nur das Engagement für eine verfassungsfeindliche Partei (welches auch Beamte den Job kosten kann). Das war die AfD zu meiner Zeit nicht und ist es jetzt auch noch nicht, aber vielleicht auf dem Weg dorthin.

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