Negative Nominalzinsen aus Gläubiger- und Schuldnersicht

‚Wie sind negative Nominalzinsen möglich?‘ Diese Frage hatte ich letztes Jahr für Geldanleger beantwortet, zumindest solange die negativen Nominalzinsen gering sind. Hohe negative Nominalzinsen ließen sich wohl nur nach Abschaffung des Bargelds durchsetzen (denn ‚Bargeld schützt Freiheit und Eigentum‘).

Inzwischen handelt es sich bei negativen Nominalzinsen aber gar nicht mehr um eine völlig ungewöhnliche Anomalie, sondern es sollen bereits wertmäßig 22 % aller Staatsanleihen im Euroraum entsprechend negativ verzinst werden (siehe „‚Die Investoren müssen sich an negative Renditen gewöhnen'“). Hauptgrund dafür dürften allerdings nicht normale Nachteile des Bargelds sein, sondern die speziellen Risiken des Euro und des potentiellen Auseinanderbrechens der Eurozone. Für Griechen könnten Euro-Banknoten nächstes Jahr zu Drachmen geworden sein, bei deutschen Bundesanleihen ist das weniger wahrscheinlich. Für diese Erklärung spricht auch, dass es in den USA zwar auch sehr niedrige Zinsen gab und gibt, aber keine nominal (sondern ’nur‘ real) negativen Zinsen.

Nominal negative Zinsen sind allerdings nicht nur aus Sicht der Anleger erklärungsbedürftig, sondern auch aus Sicht der staatlichen Schuldner. Es handelt sich um eine echte Arbitragemöglichkeit, bei der z. B. Herr Schäuble für den Bundeshaushalt ohne jedes Risiko Geld verdienen könnte, da zusätzliche Schulden zu Zinseinnahmen statt -ausgaben führen. Warum wird diese Möglichkeit nicht stärker genutzt? Der Fetisch um den ausgeglichenen Bundeshaushalt ist wohl die wesentliche Erklärung. Denn auch bei nominal positiven, aber real negativen oder zumindest sehr niedrigen Zinsen sollte der Staat eigentlich hinreichend viele Projekte haben, die eine höhere gesamtgesellschaftliche oder auch nur fiskalische Rendite aufweisen.

Eine andere, spannendere Möglichkeit wäre, dass Herr Schäuble tatsächlich die Zinsbelastung minimiert bzw. die Einnahmen aus den Negativzinsen maximiert. Denn bei höherer Staatsverschuldung würden die Zinsen steigen, während bei niedrigerer Staatsverschuldung zwar die Zinsen noch niedriger, aber auch die Summen kleiner wären. Es sollte sich empirisch bestimmen lassen, bei welcher Verschuldung das Optimum in dieser Hinsicht liegt.

4 Gedanken zu „Negative Nominalzinsen aus Gläubiger- und Schuldnersicht

  1. Manche Politiker sind Menschen, die in eine Kneipe kommen, eine Lokalrunde nach der anderen ordern, allen auf die Schulter klopfen und gute Stimmung verbreiten. So dass mancher Gast wegen des Freibiers mehr trinkt, als er verträgt. Wenn es aber zur Zahlung der Rechnung kommt, dann sagen Politiker: „Ich zahle die Rechnung natürlich nicht, ich bin ja nur Euer Vertreter, die Lokalrunden habe ich im Namen der Gäste bestellt.“ Nach einigem Tumult macht er dann folgenden Vorschlag: “Wisst ihr was, wir lassen einfach anschreiben. Sollen sich doch spätere Generationen mit der Frage der Zahlung des Deckels herumschlagen.“ Alle gehen zufrieden nach Hause. Gelebte Volksverarsche………..!

  2. Oder das Geld in Leergut anlegen^^. In der Not kann man mit den Flaschen immer etwas kaufen.
    Plastik wiegt nicht viel.

    Wenn man es geschickt macht, kann man eine Inflation bis zu 19 % abfangen. Also eine sichere Anlage für ca. 9 Jahre bei einer max. Inflationsrate von 2 % je Jahr.

  3. merke: jeder Blödsinn, der verzapft werden kann, wird irgendwann mal verzapft worden gewesen sein – nützt aber nix, da das ganze Dummschwätz in einem schwarzen Loch endet (Anomalie des 3. Gesetzes von Herrn Laber)

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