Unzufriedenheit nach der ersten Geburt

Eine Studie von Rachel Margolis und Mikko Myrskylä kommt zu dem Ergebnis: „Macht das erste Kind unglücklich, kommen seltener Geschwister“. Der Effekt ist nicht riesig, aber statistisch signifikant. Ohne Verlust an Zufriedenheit im ersten Jahr nach der Geburt folgt bei 66 % der Paare auf das erste Kind innerhalb eines Jahrzehnts ein zweites, bei einem Rückgang um drei oder mehr Einheiten an Zufriedenheit (auf einer Skala von 0 bis 10) bei 58 %. Dramatischer finde ich den Befund, dass im ersten Jahr nach der ersten Geburt die Lebenszufriedenheit durchschnittlich um 1,4 Einheiten zurückgeht. Das liegt über dramatischen Lebensereignissen wie Jobverlust, Scheidung oder Tod des Partners, die allerdings länger nachwirken. Langfristig machen ein oder zwei Kinder durchaus zufriedener. Zu berücksichtigen ist auch, dass bis kurz vor der ersten Geburt die Zufriedenheit steigt. Der nachfolgende Rückgang könnte also an übertriebenen Erwartungen liegen oder auch an Schlafmangel und Einschränkungen in der persönlichen Freiheit.

Meine Frau und ich gehören übrigens zu den 30 %, die keinen Rückgang in der Lebenszufriedenheit seit der ersten Geburt erlebt haben. Entsprechend freuen wir uns auch schon auf die Geburt unseres zweiten Kindes (siehe ‚Zweite Schwangerschaft‘). Das mit dem Schlafmangel kann ich jedoch zumindest für die Anfangszeit bestätigen. Auch sonst hat sich unser Leben verändert, doch die positiven Aspekte überwiegen. Hilfreich sind unsere recht gute materielle Lage und die hohe zeitliche Flexibilität meiner Arbeit. Wirklich getroffen hat mich allerdings der Kita-Streik (siehe ‚Streik gegen die Bürger‘), der demnächst schon wieder droht (siehe Es droht der nächste Kita-Streik“). Denn auch bei freier Zeiteinteilung muss noch Zeit übrig bleiben, die ich einteilen kann, was dann häufig nur nachts der Fall war, was wiederum zu Schlafmangel führte, auch wenn unser Sohn zum Glück meistens durchschläft.

9 Gedanken zu „Unzufriedenheit nach der ersten Geburt

  1. Mit Kindern geben wir unser Leben weiter. Sie sind damit die Krönung unseres Lebens.
    Alles Gute und viel Glück für die Geburt Ihres zweiten Kindes!

      • Einige Eltern haben auch „nicht gesunde“ Kinder bekommen. Spielen die in der Statistik eine Rolle ?

        Auch sterben Kinder im ersten Jahr nach der Geburt. Eltern die das erlebt haben, führen bei Eltern die dies zum Glück nicht erleben müssen auch zu Sorgen.

        Ich halte von solchen Studien gar nichts. Was sollen die uns sagen ?
        Noch ein weiterer Aspekt fehlt mir, sprechen wir von deutschen Eltern, Eltern mit Partner die Imigrationshintergrund haben, Ausländern ?

        Schon die unterschiedlichen Familienbande sind prägend für junge Eltern. Wo die Großeltern helfend in der Nähe sind, werden KITA Streik auch anders bewerkstelligt, als bei Eltern wo die Großeltern weit weg sind.

        Als unser erstes Kind starb, drei Monate nach der Geburt am 1. Hochzeitstag, wurde die Freude am Nachwuchs in späteren Jahren ehr zum Albtraum einer Zufriedenheit. Nackte Angst, es könnte wieder passieren, fehlende Hilfe (1980) bei der Verarbeitung dieser Tragödie, ja letztlich heftige Bremsspuren in der Lebensbiographie, die heute noch von Aussenstehenden gerne genutzt werden zum diskreditieren, zeigt, dass eltern letztlich einen Weg für sich finden müssen.

        Kinder in einer Familie wie bei Ihnen Herr Dilger sind nicht die Normalität. Es wird diese Kinder beflügeln in einem gehobenen Standing in der Gesellschaft.

        Schon hier zeigt sich, Kinder haben nicht die gleichen Chancen und das hat wenig mit der Zufriedenheit der Eltern zu tun.

        Zufriedenheit der Eltern zu fördern kann nur funktionieren, wenn Eltern Sorgen abgenommen werden. Aber die o.a. Sorgen werden bleiben. Je nach Erlebnissen im Umfeld, eben mehr oder weniger.

      • Der Tod Ihres Kindes tut mir leid. Wir hatten auch Todesfälle in der engeren Verwandtschaft. Statistisch gesehen ist das jedoch in Deutschland sehr selten. Behinderungen sind nicht ganz so selten, erklären aber auch nicht die große Zahl der unzufriedenen Eltern. Große Sorgen vor Todesfällen oder Behinderungen müssten in den meisten Fällen der Erleichterung über ihr Ausbleiben weichen.

      • Sie meinen : Große Sorgen vor Todesfällen oder Behinderungen müssten in den meisten Fällen der Erleichterung über ihr Ausbleiben weichen.

        Verehrter Prof.Dilger, dies stimmt so nicht wirklich. In dem ersten Lebensjahr mit dem 1.Kind ist alles neu. Jegliche Veränderungen in der Zweisamkeit nun eben zu dritt, führt zu Belastungen. Wenn die Partner sich ergänzen, alles einfach und eben auch eine Erleichterung, man steht nicht allein mit der Kindeserziehung, Kindesversorgung. Wenn dann jedoch durch Umstände, die ungewolt eintreffen (Job Verlust, Arbeitsplatzwechsel in andere Regionen, Probleme mit Behörden bei Hartz IV bezug z.B.) ist eben auch Unzufriedenheit vorprogrammiert.

        Manchmal frag ich mich immer, passt sich die Wirtschaft den „kinderlosen“ Menschen an, oder wurden die evtl. ungewollt in Kauf genommen.

        Versetzen Sie sich mal in die Lage einer Arbeitnehmerfamilie, wo ein Einkommen ohne staatliche Hilfe Kinder nicht finanzierbar sind. Wenn dann dieser Finanzbedarf erst im 1.Lebensjahr deutlich wird, Wochenendvergnügen sich reduzieren entsteht auch Unzufriedenheit.

        Die Sorge um Todesfall bleibt hingegen immer. Später wenn die Brut Führerschein hat, oder wie jetzt bei der Marine als Soldat ihren Job haben. Eltern sorgen sich immer.

        Mein jüngster Sohn wird heute 25 Jahre, ich bin mächtig stolz auf Ihn, was er bereits geschafft hat, dennoch, ich habe ständig Angst, Angst nicht nochmal so einen Verlust zu erleiden und bin ehr „unzufrieden“ über die Informationspolitik seines Arbeitgeber. Dies wäre aber ein anderes Thema.

  2. Ab dem 3. Kind brauchen Sie dann ein neues Auto. Audi, BMW und Porsche scheiden leider aus, denn da passen 3 isofix Sitze nicht nebeneinander. Aber gegen das Thema Sicherheit hat man eben schlechte Argumente, da hilft nur noch ein Familienbus. Dieser hat bei mir aber nicht zu einer niedrigeren Lebenszufriedenheit geführt. Good luck jedenfalls für das 2. Kind!

  3. Wenn man liest, „Unter hundert Eltern, die ein Minus von drei oder mehr Glückseinheiten beschrieben, bekamen nur 58 innerhalb eines Jahrzehnts ein zweites Kind“, möchte man das „“nur“ doch unbedingt durch ein „immerhin“ ersetzen, denn wer entschließt sich, ein weiteres Kind zu haben, wenn er oder sie so viel an Zufriedenheit eingebüßt hat! Auch wenn es etwas beckmesserisch klingen mag, aber man müsste natürlich den Begriff der „Zufriedenheit“ im gegebenen Kontext näher bestimmen. Auch ich (Vater von zwei Kindern) war mit den üblichen Einschränkungen ‚unzufrieden‘, aber auf die von Forschern offenbar nicht gestellte Frage, ob die temporäre Unzufriedenheit einen bisher vorhandenen Kinderwunsch reduziert hat, hätte ich mit „nein“ geantwortet.

    • Es handelt sich um die Auswertung von Sekundärdaten bzw. einer großen jährlichen Befragung, mit der an meinem Institut auch schon gearbeitet wurde. Die Lebenszufriedenheit wird jährlich abgefragt. Die Forscher haben diese mit (neuen) Kindern in Beziehung gesetzt. Ein starker Rückgang der Lebenszufriedenheit im ersten Jahr nach der ersten Geburt muss nicht anhalten. Außerdem weiß man aus anderen Befragungen, dass die meisten Leute ihre Kinder ganz wichtig finden, auch wenn diese ihre Lebenszufriedenheit gar nicht steigern. Wir tun eben nicht alles nur für die eigene Zufriedenheit, sondern diese stellt sich eher ein, wenn wir etwas an sich Sinnvolles getan haben.

  4. Als Mutter kann ich dazu nur sagen, der Grad der Unzufriedenheit kann vermutlich auch mit dem Kind zusammen hängen.

    Es gibt Säuglinge, die unter Koliken leiden und sog. Schrei-Kinder sind. Unser zweites Kind war davon betroffen und hat uns über Monate damit „den letzten Nerv geraubt“. Zu der allgemeinen Übermüdung kommt noch die Hilflosigkeit dazu. Man leidet mit dem Kind, möchte ihm die Schmerzen abnehmen und versucht auf jede erdenkliche Art ihm Linderung zu verschaffen. Meistens nur von kurzer Dauer.
    Man ist mit den Kräften am Ende und kann keine neue Energie sammeln, die man doch so dringend braucht.

    Ich gebe offen zu. Hätte das erste Kind so gelitten, wäre die Entscheidung für ein zweites eher negativ ausgefallen.

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