Immer Ärger mit den Banken

Heute haben wir endlich die Anzahlung für unser neues Haus (siehe ‘Haus gekauft’) vollständig bezahlt. Das war gar nicht so einfach, da der erste Darlehnsvertrag zwar irgendwann kam (siehe ‚Langsamer Kreditvertrag, schnelle Notarrechnung‘), um dann umständlich in den USA ausgedruckt, wieder eingescannt und von zu Hause aus noch einmal mit der Post verschickt werden zu müssen. Aber schließlich führte er doch nicht zur Auszahlung, weil meine Depotbank keinen Depotverpfändungen zustimmt. Dabei sollte mein Depot als Sicherheit für einen wesentlichen Teil des Kredits dienen. Weder die darlehnsgebende Bank noch die vermittelnde Institution halfen uns bei dem Problem. Deshalb habe ich auch keine weitere Bank gesucht, bei sich der ein Depot verpfänden ließe, sondern lieber diese insgesamt sehr langsame und unerfreuliche Bankbeziehung beendet.

Inzwischen habe ich bei einer weiteren Bank einen neuen Darlehnsantrag gestellt, bei dem sogar die Zinsen noch niedriger sind bei einer insgesamt höheren Beleihung des Hauses. Mal sehen, ob da noch etwas schiefgeht, weil z. B. die andere Bank ihre Schufaeinträge noch nicht gelöscht hat. Das hat mich bereits einen Ratenkredit von noch einer Bank gekostet, der eigentlich die bereits fällige Anzahlung an den Hausverkäufer komplettieren sollte. Dabei sind wir objektiv bestmögliche Schuldner mit hohen Einkommen, etwas Vermögen und ich mit Lebenszeitverbeamtung. Doch die Banken prüfen nur nach Schema F statt die wirklichen Fakten.

Deshalb habe ich überall noch etwas Geld zusammengekratzt, was auf die Schnelle gar nicht so leicht ist. Die Auflösung eines Kautionssparbuchs dauerte beispielsweise über eine Woche. Beim Verkauf von bis 2019 laufenden DAX-Indexzertifikaten zog die Depotbank (die auch noch einen Schufaeintrag für einen vor Jahren gekündigten Effektenkredit hatte, diesen dann aber sofort löschen ließ) Abgeltungsteuer ab, obwohl ich die Zertifikate weit vor 2007 erworben hatte, weshalb der Verkauf steuerfrei ist. Bei meinen zwangsumgetauschten Griechenlandanleihen fielen ganz viele Verkaufsgebühren an, weil es durch den Zwangsumtausch so viele verschiedene wurden, die alle fast nichts wert sind. Die Wertstellung erfolgte auch immer erst zwei Tage später, hinzu kam mindestens ein Tag für die Überweisung. Wenigstens habe ich noch vor dem aktuellen Börseneinbruch verkauft. Außerdem können wir jetzt ehrlich sagen, ein Haus mit Dispokredit gekauft zu haben (wenn auch nicht ausschließlich).

13 Gedanken zu „Immer Ärger mit den Banken

  1. Ich kann das allgemeine Bashing gegen Kreditinstitute, Versicherungen usw. nicht verstehen und auch nicht bestätigen. Obwohl Alleinverdiener und selbständig (und keinesfalls Arzt) und ohne Gegensicherung durch Vermögen bekam ich für mein 2-Familien-Haus mit Einliegerwohnung vor einigen Jahren eine Finanzierung in höchst unkomplizierter Weise: 2 oder 3 Mal Papiere hin- und hergeschickt und innerhalb von 10 Tagen war alles erledigt und die Finanzierung endgültig bestätigt. Auch danach bis zur Auszahlung ging alles schnellstens und bestens vonstatten. Allerdings war es eine niederländische Bank, ob die deutschen das so hinbekommen hätten? Übrigens ufert der Verbraucherschutz in Deutschland inzwischen so weit aus, dass der Kunde praktisch unbesehen Recht bekommt, wenn er gegen Kreditinstitute, Versicherungen, Händler usw. wettert. Dagegen wehrt sich kein Mensch gegen die geradezu mafiösen Strukturen bei Ärzten und Pharma, wo zu Lasten der Solidargemeinschaften abgezockt wird, was das Zeug hält.

    • Ich habe hier nicht pauschal gegen Banken gewettert, sondern ganz konkret meine leider negativen Erfahrungen berichtet. Wenn Sie bessere Erfahrungen gemacht haben, freut mich das. Ihr Fall war vermutlich einfacher (standardisierter) als meiner, doch unabhängig davon hat es bei mir alles viel länger gedauert. Dass eine Depotbeleihung gar nicht möglich ist, hätte man doch auch vorher wissen oder zumindest sofort feststellen können. Dass es auch in anderen Branchen Probleme gibt, ist unbestritten, entlastet aber die Finanzbranche nicht.

  2. In schlauer Weise haben Sie offensichtlich Ihr Haus über einen sogenannten Lombardkredit finanziert. Diese Kreditart wird auch von mir gerne propagiert, insbesondere wo es um Praxisfinanzierungen geht. Der Lombardkredit ist mit einem gesetzlichen Festzins (1% über sogenannten Diskontsatz) festgeschrieben und gebührenfrei.
    Dies ist auch der Grund, warum die Banken sich ungern darauf einlassen.
    Einziger Nachteil ist, dass die Papiere je nach Herkunft in unterschiedlicher Höhe beleihbar sind, z.B. ausländische Aktien nur bis 40% ihres Kurswertes.
    Es empfiehlt sich natürlich, einen Lombardkreditrahmen nicht voll auszuschöpfen. Der Lombardkredit hat bei Praxisfinanzierungen den Vorteil, dass die Zinsen auch voll absetzbar sind, während die Dividenden bei einem Ehepaar bis etwa 1600 € im Jahr steuerfrei vereinnahmt werden können, es handelt sich dann auch um kleines Steuersparmodell.
    Allerdings sollte man bei einem Hauskauf eine Risikolebensversicherung zur Restschuldtilgung abschließen Die normalerweise von der Bank abgeschlossene Versicherung erlischt allerdings mit dem 60 Lebensjahr automatisch.

    • Nein, wir hatten und haben keinen Lombardkredit beantragt, sondern einen ganz normalen Immobilienkredit mit festem Zinssatz. Beim ersten Versuch war die Besonderheit eine Beleihung von 100 %, wobei 60 % normal über die Immobilie und der Rest über mein Aktiendepot gesichert werden sollten. Letzteres hat nicht geklappt. Jetzt haben wir einen immobiliengesicherten Kredit über 70 % beantragt und den Rest als Eigenmittel irgendwie anders aufgebracht. Meine vor 2009 erworbenen Aktien wollte ich nicht verkaufen, weil sie abgeltungsteuerfrei sind, was auch für zukünftige Kursgewinne gilt, bei einem Rückkauf aber nicht mehr. Zinsen für selbstgenutzte Häuser kann man nicht (mehr) steuerlich geltend machen.

      • Wenigstens ist jetzt alles unter Dach und Fach.

        Ich bleibe aber bei meiner Devise,nur ausgeben was da ist.
        Keine Schulden,kein Kredit,nichts in dieser Art.

        Das ist aber auch nicht immer so einfach und da bleiben klar Wünsche offen.
        Es ist mir aber einfach angenehmer – so zu leben.
        Und irgendwie geht das Ersparte,dann auch immer wieder sehr schnell weg.
        Investitionen ins Auto,das Motorrad,Kleidung oder Wohnung,also eher rein notwendiges,verbrauchen leider richtige Summen.

        Mit einem leichtem Plus zum Vorjahr werde ich wohl 2015 beenden.
        Besser als umgekehrt und vieles erneuert muß ich damit zufrieden sein.

        Ein Problem ist die private Altersvorsorge und der Euro.
        Ich spare für die Betriebsrente 2800 Euro jährlich,was nach meinem Gefühl so um die 5000 DM ausmachen würde.

        Die Generation vor mir konnte dieses Geld als VERMÖGEN ansammeln.
        Das sie dann später meist an die Kinder weitergab.
        Ich muß diese Summe aufbringen,um damit die Rentenlücke zu MINDERN.
        Dieses Geld fehlt und da es nicht weg ist – hat es wohl jemand anderes.

      • Als Ökonom vergleiche ich Kosten und Nutzen. Niedrige Zinsen bedeuten niedrige Kosten für geliehenes Geld. Der Nutzen sinkt vielleicht auch, aber weniger. Wir zahlen demnächst weniger Zins und Tilgung als jetzt Miete. Man kann ohnehin kaum mehr leihen, als man an Sicherheiten zu bieten hat, so dass die Vermögensposition in der Regel positiv ist. Probleme bekommen Private vor allem dann, wenn entweder die Zinsen stark steigen oder die Vermögenswerte, z. B. Immobilienpreise, stark sinken (oder beides zusammen).

        Im Umlagesystem werden Ihre Rentenbeiträge nicht angespart, sondern an die heutigen Rentner ausgezahlt. Wegen der Demographie (weniger Kinder bei höherer Lebenserwartung) und kaum steigenden Reallöhnen wird Ihre reale Monatsrente dann niedriger sein (wegen höherer Lebenserwartung Ihre Gesamtrente aber nicht unbedingt).

  3. Warum machen sie das so kompliziert? Ich fahre alle 2 Jahre nach Kanada und schürfe Gold. Ich nehme keine Plastikgoldpan, sondern eine aus Metall, da kann ich mein Mittagessen drin brutzeln.

      • Die Freude, wenn sie ein kleines Nugget finden, ist riesengroß. Meist sind es kleinste Körnchen, die wir dann später immer ins Fotoalbum einkleben. Wenn ich all meine Nuggets verkaufen würde, könnte ich mir ein gutes E-Bike kaufen, aber das ist mir die Sache nicht wert.

  4. Lieber Herr Dilger, Sie sind doch kein armer Mann und haben einen wirklich gutem Job mit seinem super-sicheren Einkommen! Sie sollten „Ross und Reiter“ nennen, um welche Scheiß-Bank es sich hier handelt, damit andere Marktteilnehmer gewarnt sind! DAS ist Marktwirtschaft!!!

    Ich bin Kunde und Mitglied bei einer genossenschaftlichen Bank im Volksbanken- und Raiffeisen-Verbund und dort mit Beratung, Konditionen und meinen persönlichen Ansprechpartnern sehr zufrieden. Als Mitglied profitiere ich direkt vom Ergebnis der Bank. 2014 betrug die Rendite meines Genossenschaftsanteils fast 4%. Dagegen sind Geldinstitute wie die Deutsche Bank höchst arrogant und rollen den roten Teppich nur für Multimillionäre aus. Reine Internetbanken bieten wenig Service und wenn man Extras will, wird es richtig teuer. Das VR-Raiffeisen- Genossenschaftssystem ist die richtige Antwort auf unseriöse Exzesse in der Finanzwirtschaft. Als Volkswirtschaftler wissen Sie bestimmt, dass die Mehrheit der Mittelständler Sparkassen oder genossenschaftlich organisierten Banken vertraut. Ich hoffe nur, dass die Zentralisten in der EU dieses erfolgreiche System nicht durch die Hintertür aushöhlen!

    • Darüber hatte ich auch schon nachgedacht, die Namen der Banken zu nennen, doch es gibt auch Gründe dagegen. Wenn sie mich weiter ärgern, kann ich das immer noch tun. Im Übrigen bin ich für ein pluralistisches Bankensystem.

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