Unseriöse Studie zu deutschen Vorteilen der Griechenlandkrise

So sehen unseriöse Gefälligkeitsgutachten aus: „Germany’s Benefit from the Greek Crisis“, so lautet eine aktuelle „Studie“ vom Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH). Dieses hat finanziell stark von der Bundesregierung profitiert und benennt seine Presseerklärung entsprechend: „Deutschland hat finanziell stark von der Griechenlandkrise profitiert“, wobei es auf jeden Fall Deutschland mit der Bundesregierung verwechselt. Denn angeblich haben die öffentlichen Haushalte durch die niedrigeren Zinsen in den letzten viereinhalb Jahren 100 Milliarden Euro beim Schuldendienst gespart. Das mag sogar stimmen, doch die deutsche Volkswirtschaft hatte nichts davon, im Gegenteil. Bei nur inländischen Schuldnern wäre es ein Nullsummenspiel, da die Gläubiger verlieren, was die Schuldner durch niedrigere Zinsen gewinnen. Nun gibt es viele ausländische Käufer von Bundesanleihen, doch umgekehrt kaufen Deutsche ausländische Anleihen, die ebenfalls nur sehr niedrige Zinsen bringen oder wie im Falle Griechenlands sogar zu großen Teilen ausfallen. Als Gläubigernation profitiert Deutschland dementsprechend nicht von niedrigen Zinsen, sondern verliert dadurch.

Völlig ausgeblendet wird auch die schwere Wirtschaftskrise als Grund für die Niedrigstzinsen. Darunter leidet Deutschland, wie auch der für Deutschland viel zu niedrige Eurokurs nur der ohnehin starken Exportindustrie nutzt, insgesamt aber die Deutschen ärmer macht. Dagegen ist die monokausale Erklärung der niedrigen Zinsen allein durch die Griechenlandkrise verfehlt. Die angeführten zinssenkenden Ereignisse sind auch nicht unbedingt schlechten Nachrichten in Griechenland, sondern sie erhöhen einfach die Wahrscheinlichkeit eines Grexit, wodurch Bundesanleihen für Nichtdeutsche, insbesondere Griechen, attraktiver werden.

Schließlich sind die Maximalverluste bei einem Totalausfall der griechischen Schulden mit 90 Milliarden, also unterhalb der fälschlich allein Griechenland zugeschriebenen Vorteile beim Schuldendienst, total untertrieben. Das ist der rechnerische deutsche Anteil an den griechischen Staatsschulden, wenn man den gewöhnlichen EZB-Verteilungsschlüssel anwendet. Doch bei einem griechischen Totalausfall fallen weitere Schuldner aus, so dass am Ende Deutschland der einzige Großgläubiger sein wird, der auch nicht nur die Staatsschulden, sondern ebenso die der Banken und sonstiger privater Schuldner zu tragen haben wird, die dafür u. a. sichere Bundesanleihen erworben haben, selbst wenn diese kaum oder sogar leicht negative Zinsen bringen.

 

20 Gedanken zu „Unseriöse Studie zu deutschen Vorteilen der Griechenlandkrise

  1. Die Griechen sitzen unter dem Olivenbaum und lassen die Frauen arbeiten.

    Mehr interessieren würde mich eigentlich was die AfD macht. Pfiffige Wahlspots bringen, haben die nicht so drauf.

    „Das Wasser steht uns bis zum Hals.“ Na gut wie die FPÖ an der Regierung war, haben die genug Korruptionsfälle gehabt, aber so schwimmen wie diese Badenixe kann Petry maximal mit Badehaube.

    Fehlt nur dass die Petry rappen kann.

  2. Milchmädchenrechnung:
    „Schafft viele, viele, viele Griechenlands – und Deutschland ist gerettet!“ (analog Rudi Dutschke zu Vietnam.)

  3. Vielen Dank, Herr Prof. Dilger, für den richtigstellenden Kommemtar! Ich frage mich nur, was das Institut aus Halle treibt, so einen einseitigen Unsinn zu verzapfen. Wenn ich nicht schon vor einem Jahr sehr diversifiziert mein Geld in Fremdwährungen, teilweise unter Inkaufnahme von Negativzinsen, angelegt hätte, würde ich mich noch mehr ärgern. Ich komme gerade aus den USA von der Geburtstagsfeier meines Bruders zurück. Meine Frau und ich haben ein paar Tage in Maine an die Feier gehängt. Dort wurde mir klar, was die Politik der EZB bedeutet: Der Dollar quasi pari mit dem Euro! Wir werden Dank Herrn Draghi mit entwertetem Geld bezahlt. Hier bekommen wir keine Zinsen und bezahlt werden wir mit einer für uns Deutsche völlig unterbewerteten Währung! Meine Abneigung gegen die Gemeinschaftswährung ist kaum noch zu toppen. Höher ist nur die Abneigung gewissen „Instituten“ gegenüber!

  4. Es zeigen sich mal wieder einige strukturelle Probleme, an denen Deutschland krankt. Zusammenfassen könnte man das mit: Es geht nicht mehr darum, Volk und Land zu dienen, sondern darum, über Volk und Land zu herrschen.

    Bei der Betrachtung von Vorteilen werden nur die Regierung und der Bundeshaushalt betrachtet. Es wird vollkommen übersehen, dass eine Regierung in einer freiheitlichen demokratischen Grundordnung lediglich Hilfsmittel und Diener von Wohlstand und Sicherheit des Volkes sein soll. Wie im Blog-Beitrag richtig dargestellt leidet das Volk, in Deutschland immer noch mehrheitlich ein Volk der Sparer, damit die Regierung sich billig noch mehr verschulden kann. Der kleine Rentensparer „zahlt“ damit die Griechenland-Rettung.
    Dazu kommen noch kleine Verschiebungen z.B. bei der Inflation. Bei der Schaffung des Euros galt 0 % Inflation als Ziel und eine Inflation von bis zu 2 % als hinnehmbar aber nicht anzustreben. Kommunikativ durchaus gut gemacht hat man das schleichend dahingehend abgeändert, dass es nun ein Inflationsziel von 2 % gäbe. Auch das geht zu Lasten der Sparer und nutzt den Schuldnern, insbesondere wenn Zinsen unterhalb der Inflation liegen. Weil unser Staat selbst hochverschuldet ist, ist er plötzlich nicht mehr loyal gegenüber Sparern. Die Unabhängigkeit der EZB wurde informal bereits kassiert.

    Das nächste Problem ist die sinkende Glaubwürdigkeit wissenschaftlicher Einschätzungen. Die Damen und Herren vom Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle werden sehr genau wissen, wie selektiv sie die Sache betrachten, es scheint ihnen jedoch egal zu sein. Fürs politisch beschlossene Budget prostituiert man sich gern und vergisst jegliches wissenschaftliches Ethos. Diese Form von Wissenschaft kennen wir aus der DDR und wissen, wohin das geführt hat. Leider wehren sich zu wenig ehrenwerte Professoren gegen diese Art von politischer Auftrags-„Wissenschaft“. Nicht zuletzt das System der Drittmittelfinanzierung hat Wissenschaft käuflich gemacht, was manchmal das eigene Budget und die wissenschaftliche Redlichkeit in einen Zielkonflikt bringt. Der Versuchung zu widerstehen, fällt offenbar mehr und mehr schwer.
    Das führt wiederum schon mittelfristig zu einem Glaubwürdigkeitsverlust der Wissenschaft … was wiederum Frau Merkel nützt, denn mächtige Widersacher ihrer Politik werden so geschwächt.

    All das sind Indikatoren dafür, dass Deutschland auf dem absteigenden Ast sitzt und seine Bürger sich zukünftig auf weniger Wohlstand und weniger Stabilität einrichten müssen.

  5. Hallo Herr Dilger,
    ich bin der Auffassung, dass sie uns die Erlaubnis geben, ihren Einführungstext dem Author der Studie, Herr Prof. Reint E. Gropp, PhD zukommen lassen zu dürfen. Seine email: reint.gropp@iwh-halle.de. Ich jedenfalls bin daran interessiert zu wissen, was er sich bei der Studie gedacht hat.

  6. Vielen Dank. Jetzt hoffe ich, dass mir Professor Gropp auch antwortet. Wenn seine Antwort nicht vertraulich ist, werde ich sie Ihnen zukommen lassen.

    • Es hätte genügt, Herrn Professor Gropp, PhD den link zu senden mit der Bitte sich hier zu äussern. Dazu brauchen Sie natürlich auch keine Zustimmung des Autors des blogs.

      Aber stellen Sie seine Antowrt doch bitte hier rein, oder fragen Sie ihn noch, ob er sich hier nicht äussern will, bzw. einen seiner HiWis damit beauftragen will.

  7. Griechenland war seit seiner Unabhängigkeit vom Osmanischen Reich mehrfach pleite!
    Die lateinische Währungsunion, eigentlich ein Vorläufer des EURO, ist auch wegen Griechenland (und vor allem Italien!) gescheitert).

    Griechenland hatte lange gegen seine früheren türkischen Kolonialherren und anschließend gegen kommunistische Partisanen zu kämpfen, was zu einer Militärdiktatur geführt hat. Danach haben sozialistische und konservative Regierungen sich mit Wahlgeschenken überboten und nie eine funktionierende Verwaltung etabliert. Griechenland ist heute leider ein gescheiterter Staat, für den kein Platz in der EU und erst recht nicht in der EURO-Währungsunion ist.

    Es war der Sozi Hans Eichel, unter Rot/Grün Finanzminister, der unter Umgehung sämtlicher Fakten und Zahlen und zur Begünstigung seiner griechischen Genossen, Griechenland in den EURO gehievt hat. Ich wünsche mir eine notwendige Schmutzkampagne gegen Herrn Eichel. Damit wird aber keiner der Altparteien anfangen, weil die ALLE irgendwo Dreck am Stecken haben…….!!!

    • Eine Schmutzkampagne gegen Eichel nützt nichts mehr! Natürlich hätte der Mann viele Gelegenheiten gehabt Griechenland aus dem Euro zu halten. Dazu hätte es sowohl der Bildung über die griechische Geschichte – sollte Eichel kraft seines Studiums eigentlich gehabt haben – und massiver Härte gegenüber seinem Chef Schröder bedurft. Eichel hätte es nicht leicht gehabt, weil es damals (wie heute) genug Philhellenen auch unter den Konservativen gab, die wegen der „Erfinder“ der Demokratie und „Europa“ , Griechenland trotz seines Charakters als Teil der Levante und des Balkans als unbedingt zu Europa und zum Euro dazugehörig betrachtet haben. Ich erinnere mich noch an die „Erweiterungs-Diskussion“ , die was die EU betrifft, sogar die Türkei einschloss! Eichel hätte also schon übermenschliche Kraft in Kombination mit sehr gründlichen Kenntnissen der griechischen Situation haben müssen, um gegen den Druck, vor allem von Frankreich (Club-Med) und den USA (NATO) einen Bruch in der EU wegen des Beitritts der Griechen zum Euroraum zu wagen. Schroeder hätte ihn bestimmt zurückgepfiffen. Und dann ist da ja noch die deutsche Vergangenheit, auf die sicher der Außenminister Joschka Fischer hingewiesen hätte. Man erinnere sich: Fischer hätte lieber zu Gunsten des Großen und Ganzen die deutsche Nation als solche geopfert! Und man soll es auch bedenken: Die ersten Entwürfe für Euro-Noten enthielten bereits 1997 die griechischen Schriftzeichen. Das hat der leider zu früh verstorbene Prof. Hankel in einer AfD-Veranstaltung auf dem Petersberg anschaulich erklärt.
      Nein, nein- man sollte nicht alles Herrn Eichel in die Schuhe schieben. Die Bundesregierung unter Merkel hat versagt. Spätestens im Jahr 2010 hätte man wissen können, was ein deutscher Praktikant im griechischen Agrarministerium schon in den 80er Jahren wusste und damals veröffentlicht hat. (>>Bernd Loppow) . Und auch die deutsche Botschaft in Athen und die deutsch-griechische Handelskammer hätten leicht um diesen failed State wissen und informieren können! Auf Basis dieser Infos hätte man sich nur auf den Vertrag von Maastricht berufen können und müssen. Aber das wollte man nicht. Insofern sind die Bundesregierungen seit 2010 in der Verantwortung. Frau Merkel wird noch die Rechnung präsentiert bekommen. Zwischen „Hosianna“ und „kreuziget sie“ ist nur ein schmaler Grat. Die ersten 55 Abgeordneten haben ihn schon überschritten!

    • Darüber kann man in Wikipedia gut nachlesen. Wenigstens ist ihm die Pension aus seiner Zeit als Bürgermeister von Kassel vom Bundesverwaltungsgericht gestrichen worden. Wieviel Pensionen aus der des Bundes er sonst noch bekommt, weiß ich nicht. Aber aus seiner Zeit als Lehrer und als Ministerpräsident mag auch noch etwas dabei sein. Das ist die typische deutsche Überversorgung – aber daran ist Eichel nicht allein schuld. Wenn dann solche Leute die richtigen Entscheidungen treffen, könnte man darüber ja diskutieren.

  8. Früher hat man in Ö nach 10 Jahren im Parlament , schon Rente bekommen.

    Meischi war so ein Held, den musste die FPÖ noch ausbezahlen.

    “ Nach einer Verurteilung wegen Anstiftung zur Steuerhinterziehung, begangen im Zuge seiner Beratertätigkeit bei einem Klubwechsel eines Fußballers, musste Meischberger auf öffentlichen Druck im Februar 1999 sein Mandat zurücklegen. Nach dem Mandatsverzicht einiger Abgeordneter wäre Meischberger im April desselben Jahres berechtigt gewesen auf der Liste der FPÖ nachzurücken und so wieder in den Nationalrat einzuziehen. Noch vor der Angelobung wurde er jedoch aus der FPÖ ausgeschlossen. Meischberger hat sein Mandat nicht angetreten und damit, 39 Tage vor dem Erreichen der notwendigen zehn Jahre Zugehörigkeit zum Parlament, auf seine Politikerpension „verzichtet“. Tatsächlich soll er dafür von der FPÖ 2,5 Millionen Schilling (181.682 Euro) in Form eines Überbringersparbuchs erhalten haben“

    https://de.wikipedia.org/wiki/Walter_Meischberger

  9. Also die 100 Milliarden Zinsgewinne durch die Griechenlandkrise sehe ich auch nicht, aber steigende Zinsspreads (wodurch auch immer ausgelöst) innerhalb der Eurozone hatten bislang schon einen positiven Effekt für Dtl. und einen negativen für die Peripherie. Andererseits verliert Dtl. natürlich, wie sie sagen, als Nettogläubiger durch die allgemein niedrigen Zinsen, die z.T. direkt aus dem Euro folgen (verhindert schnelle Anpassung und Investitionsmöglichkeiten in der Peripherie), z.T. aus der fehlgeleiteten Austeritätspolitik (+QE, was aber untern den Bedingungen korrekt war). Im Übrigen ist die Nettogläubigerposition ein weiterer Grund dafür, bei negativen Realzinsen nicht zu sparen und diese somit weiter nach unten zu drücken.

      • Zumindest hätte man bislang höhere Renditen erzielt, wenn man das Geld in die höherverzinsten Peripherieanleihen (inklusive Griechenland) investiert hätte als in Bundesanleihen.
        2. Punkt vollkommen einverstanden, daher schneidet sich Dtl. mit schwarzer Null auch ins eigene Fleisch.

      • Für Griechenland trifft das so nicht zu, da der Schuldenschnitt von 2012 zumindest normale Privatanleger schwer getroffen hat (öffentliche Gläubiger waren nicht betroffen und die meisten Banken hatten sich verdrückt, was wohl Ziel der vorherigen Täuschungsmanöver nicht zuletzt durch Herrn Schäuble war).

  10. So was wäre in der BRD gar nicht möglich, dass man über 180.000 Abschlagszahlung kassiert wie der Meischi und dann wie der Grasser Finanzminister wurde, der Schönling, enger Freund von Meischi , der war auch Trauzeuge, dann bei Privatisierungen mitschneidet, wie man in Ö so liebevoll sagt.

    Diese Polizeiabhörprotokolle bei Telefongesprächen über so was machen sich wiener Schmähhelden lustig, die zitieren nur.

  11. Die Studie ist natürlich auch deswegen unseriös, weil die Niedrigzinsphase wegen sämtlicher Krisenstaaten und sämtlichen Volkswirtschaften von der EZB eingeleitet wurde, der Effekt aber von dieser Studie – oder zumindest ihrer Darstellung in den Medien des Regimes – alleine Griechenland gegenüber gestellt wird.

    Daß die Sparer die Zeche bezahlen müssen, der deutsche Vorteil also keineswegs 100 Milliarden Euro beträgt, ist das weitere Unseriöse an dieser Propaganda.

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