Puerto Rico ist pleite

„Puerto Rico zahlt nicht“ bzw. ist pleite. Das führt aber nicht zu derselben Aufregung wie bei Griechenland. Die US-Regierung macht auch keine Anstalten, entsprechende Rettungsprogramme zu starten (die sie in der Europa empfiehlt), obwohl das Verhältnis enger ist als in der Eurozone. Puerto Rico ist nämlich ein Teil der USA, aber kein eigener Bundesstaat, wobei auch die Schulden eines solchen nicht durch die Bundesebene oder andere Bundesstaaten übernommen würden.

Das finde ich vernünftig, wobei es dann einer Insolvenzordnung bedarf, die im Falle von Puerto Rico fehlt. Von daher würde ich es begrüßen, wenn Puerto Rico der 51. Bundesstaat der USA würde, wie die Mehrheit der dortigen Wähler es befürwortete (siehe „Puerto Rico, The 51st State? New Progressive Party Organizing Marches To Protest Political Status“).

8 Gedanken zu „Puerto Rico ist pleite

  1. Hätte man nicht die Funktionsfähigkeit des griechischen Zahlungs/Bankensystems daran gekoppelt, dass Griechenland sich mit seinen externen Gläubigern einigt, wäre Griechenland jetzt auch Pleite. Das wäre besser gewesen als das neue Programm. Der Euro (oder das Eurosystem) wurde als Machtmittel zum Schuldeneintreiben und zur Einmischung in die Politik anderer Staaten missbraucht.

  2. Verehrter Herr Dilger,
    entschuldigen Sie, wenn ich Ihnen mit meinem Kommentar etwas widerspreche, meistens stimme ich Ihnen ja zu, aber das mache ich still und heimlich durch Nicken an meinem PC.
    Wozu soll diese Insolvenzordnung für Staaten denn gut sein?
    Wer soll denn Insolvenzverwalter sein, wer das Insolvenzgericht? Dienen solche Sachen nicht dazu, die Souveränität der Staaten weiter zu beschneiden (auf EU-Ebene sowieso)?
    Wie soll eine solche Ordnung denn durchgesetzt werden, wenn der insolvente Staat sich z.B. nicht daran hält?
    Oder dient die Sache nur dazu, eine Insolvenzmasse zu organisieren, damit die Banken ohne oder mit geringerem Schaden aus der Sache herausgehen. z.B. durch eine internationale Insolvenzumlage?
    Warum bleiben wir nicht bei dem bewährten Prinzip, daß man nur dann Geld verleihen sollte, wenn man vorher die Risiken richtig eingeschätzt hat. Warum soll der Gläubiger ggf. nicht den Schaden tragen?
    Wir sehen ja an Griechenland, welchen ungleich größeren Schaden die Politik auslöst, wenn sie sich einmischt.
    Apropos Griechenland, hier würde mich die Meinung der Mitforisten interessieren: Warum haben die Banken diesem Land soviel Geld gegeben. War es schlicht Unfähigkeit? Ich kann es mir nicht vorstellen. Oder Gier?
    Oder war der Glaube oder die stillschweigende Gewißheit da, daß die Politik die Regeln brechen und „einspringen“ wird? Oder ist das schon zu kompliziert gedacht?

    • Eine Insolvenzordnung zwischen Staaten hätte im Wesentlichen dieselben Zwecke wie bei Privaten: Eine geordnete und faire Verteilung zwischen den Gläubigern (die den Schaden durchaus zu tragen haben) und die Aussicht auf Restschuldbefreiung bei Wohlverhalten des Schuldners. Mittels Reputation könnte sie selbstdurchsetzend sein, wobei etwas Unterstützung durch finanzielle Großmächte hilfreich wäre. Innerhalb der Eurozone könnte auch die EZB für die Durchsetzung sorgen, indem sie bei Fehlverhalten den Geldhahn zudreht. Hauptproblem ist hier die Selbstbindung, da doch schon alle Verträge gebrochen wurden.

      Die Risiken der privaten Banken wurden doch durch öffentliche Institutionen übernommen. Das ist doch ein wunderbares Geschäftsmodell, bei dem die Gewinne an die Banken fließen und die Verluste durch Herrn Schäuble den Steuerzahlern aufgebürdet werden.

  3. In jede Verfassung gehört ein Verbot der Staatsverschuldung!
    Es ist ein Skandal, dass eine amtierende Regierung mehr Geld ausgibt, als eingenommen wird.
    Es ist außerdem ein Skandal, dass heute verfrühstückt wird, was künftige Generationen erst erarbeiten müssen.
    Staatsverschuldung ist staatlich legalisierter BETRUG!

    • Warum soll Staatsverschuldung Betrug sein, wenn jeder weiß, was passiert? Halten Sie jede Form der Verschuldung für einen Skandal oder nur die von Staaten? Auch Staaten können wie Unternehmen (oder Häuslebauer) investieren. Problematisch ist es nur (für jeden, ob Staat oder nicht), dauerhaft auf Pump zu konsumieren. Doch kurzfristig in einer Krise kann selbst dafür Staatsverschuldung sinnvoll sein, gerade weil sich dann kein anderer verschulden will oder überhaupt kann.

      • Sorry, aber da kommt der Professor bei Ihnen durch! Es geht nicht um das Theoretische, sondern um die traurige Praxis. Seit den 70er Jahren wird den Menschen in Deutschland und der gesamten westlichen Welt erzählt, dass „der Staat die Wirtschaft ankurbeln müsse“ und „dann später bei Wirtschaftswachstum zurück gezahlt werden könne“. Das hat in der Praxis NIEMALS funktioniert! Politiker denken nicht an das Land, sondern NUR in Perioden ihrer Amtszeit (4 oder 5 Jahre).

        Natürlich ist es volkswirtschaftlich ein großer Unterschied, ob „Schulden für den Konsum“ (z. Bsp. zusätzliche Sozialleistungen und andere Wahlgeschenke) gemacht werden, oder „in bleibende Werte investiert“ wird (Infrastruktur, …). Aber Politiker sind nun einmal Trickser! Viele Wähler wollen auch die bittere Wahrheit eigentlich gar nicht hören und lieben die süße Lüge.

        Nicht nur der Staat, sondern auch viele Haushalte sind durch hemmungslosen Konsum überschuldet (teure Handy- und Internetverträge, grenzenloses Shopping, Ausgehen und kostspieliges Fastfood, …). Wer sich allerdings ein neues Auto auf Pump kauft, damit er problemlos zur Arbeit kommt oder ein Eigenheim finanziert, wie Sie gerade, investiert in seine Zukunft. DAS ist der Unterschied, der aber bei Staaten nur sehr schwer zu trennen ist.

        Es geht mir einfach darum, dass eine amtierende Regierung den folgenden Regierungen nicht die Kosten ihrer Wahlgeschenke oder ihrer verfehlten Politik hinterlassen darf und jede Generation für sich selber aufkommen muss. Der Hauptgrund warum der €uro nicht funktioniert ist, dass viele Teilnehmer der Währungsunion keine seriöse Finanz- und Wirtschaftspolitik betreiben. Sozialisten fordern daher, dass diese Kompetenz auf die EU-Ebene abgegeben werden sollte, was aber garantiert das Problem nur verschieben, aber niemals lösen wird. Man erhöht die Schuldenquote, oder erhöht die Steuern. Besser wäre es, die Ausgaben zu kontrollieren.

        Mittelfristig funktioniert es NIE, wenn man mehr aus gibt, als man einnimmt. Weder bei privaten Haushalten, noch beim Staat.

      • Ökonomisch, nicht nur theoretisch, sondern auch sehr praktisch, ist Ihre pauschale Ablehnung jeglicher Staatsverschuldung nicht gerechtfertigt. Politisch stimme ich Ihnen zu, dass Politiker grundsätzlich zum Schuldenmachen neigen, ob das nun gerade sinnvoll ist oder nicht. Dagegen hilft aber kein Verbot, auch nicht in der Verfassung. Schauen Sie sich an, wie Herr Schäuble eine schwarze Null präsentiert, während die enorme Neuverschuldung in Schattenhaushalten und mittels verschleppten Bürgschaften versteckt wird.

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