Gescheiterte Grexit-Pläne

Nun gibt es eine ziemliche Räuberpistole über einen „‚Plan B‘: Putsch für die Drachme“. Demnach plante vor nicht zwei Wochen der inzwischen entlassene Energieminister Panagiotis Lafazanis mit Getreuen vom linken Flügel der linken Syriza-Partei, die Notenbank mit Euros und Gold zu übernehmen, den Notenbankchef zu verhaften und die Drachme wiedereinzuführen. Nur den letzten Teil des Plans hätte ich befürwortet, doch auf diese Weise konnte es nicht gelingen. Wer putschen will, muss das richtig tun oder ganz lassen.

Unabhängig davon gab es „Varoufakis‘ Geheimplan“ zur legalen Einführung der Drachme. Dass entsprechende Planungen durchgeführt wurden, wusste und billigte anfangs Premierminister Tsipras, um sich dann für den Erhalt des Euro zu entscheiden. Ich bin gespannt, ob es nicht auch dazu später noch Enthüllungen geben wird, was seine wahren Motive waren. Jedenfalls hat er gepokert, als wenn er einen Plan B hätte, um dann völlig einzuknicken.

9 Gedanken zu „Gescheiterte Grexit-Pläne

  1. „Ich bin gespannt, ob es nicht auch dazu später noch Enthüllungen geben wird, was seine wahren Motive waren.“

    ‚If you knew as a German politician that American intelligence agencies have been collecting intensively on 125 top-level politicians and officials over decades, you would recall some of the conversations you had in all these years and you would then understand that the United States has all those conversations, and that it could take down the Merkel cabinet any time it feels like it, by simply leaking portions of those conversations to journalists.‘ – Assange in der englischen Edition von Spiegel Online.
    Wobei das natürlich vergleichsweise harmlos ist. Stellen Sie sich vor, Sie sind griechischer Premier und man sagt Ihnen, Obama ist am Telefon. Da freuen Sie sich und denken sich: Na ja, der andere linke Spinner hilft mir jetzt im Schuldenstreit. Es ist dann aber gar nicht Obama, sondern ein Mitarbeiter der US-Regierung (also irgendein Profi) und der erzählt Ihnen, wie viel Ahnung die USA von ‚Regime Changes‘, von Attentaten und von Folter haben. Sie wollen doch keinen Putsch, keinen Bürgerkrieg in Ihrem Land, sagt er. Keinen US-Einsatz, um das absolut unvorhergesehene Blutvergießen zu stoppen. Keine bedauerlichen Zwischenfälle wie den Tod Ihrer Frau und das Verschwinden Ihres Kindes in irgendeinem Vergewaltigungscamp im Irak. Deshalb werden Sie den harten Unterhändler spielen, aber am Ende alles schlucken, was man Ihnen in Brüssel auf den Tisch legen wird. Die Massenmedien, die sechs Familien gehören, werden alles so drehen, dass es in Ordnung ist. Auf keinen Fall wollen wir die D-Mark zurück. Das würde den US-Dollar unattraktiv machen. Die Schrottwährung Euro muss unbedingt Bestand haben, ansonsten sind wir am Ende. Und jetzt schmeißen Sie ihren Finanzminister raus.
    Das sind natürlich völlig an den Haaren herbeigezogene Ideen. So etwas kann schon deswegen nicht passieren, weil Putin so ein Gespräch aufnehmen und veröffentlichen würde. Tsipras ist einfach ein naiver Feigling und dumm, insbesondere europhil. Mehr Motive gibt es da nicht. Mit dem Plan hätte man drohen können, er war also bloße Verhandlungsmasse, welche dann allerdings gegenstandslos wurde:

    „Jedenfalls hat er gepokert, als wenn er einen Plan B hätte, um dann völlig einzuknicken.“
    Die griechischen Planungen gingen von zwei Fehlannahmen aus. Erstens dass Berlin niemals einen Grexit riskieren würde (entweder falsch oder sehr überzeugend geblufft) und zweitens dass Griechenland durch Primärüberschuss auf eigenen Beinen würde stehen können. Der Primärüberschuss war natürlich weg, als ein Sozialist an die Macht kam, was Sozialisten aber nicht erwarten oder nachvollziehen können. Der Spieltheoretiker hatte sich also verzockt.

    Tatsache ist dass die Griechen auch Hakenkreuzflaggen küssen würden, um im Euro zu bleiben. Erwarten Sie von denen nichts, außer Varoufakis macht eine eigene Partei auf und wirbt offen für einen Grexit. Ich rechne nicht damit.

    • Warum schreiben Sie solche verschwörungstheoretischen Sachen, wenn Sie selbst nicht daran glauben? Können Sie sich an irgendwelche Datenleaks durch die US-Regierung erinnern? Herr Snowden hat riesige Datenmengen gegen den Willen der US-Regierung veröffentlicht. Halten Sie das auch für einen geheimen Plan der Regierung selbst? Es zeigt allerdings, wie gefährlich solche Datensammelei ist.

  2. Mit Plan B wäre er nicht eingeknickt. Wer von diesen wirren linken Syriza-„Politikern“ hätte denn Plan B auch durchdenken können?

  3. Dass Tsipras sich gegen einen Grexit entschieden hatte, läßt sich auch aus einem Bericht des Fokus schließen: http://www.focus.de/finanzen/news/staatsverschuldung/politik-und-gesellschaft-leuro-cest-moi_id_4837868.html
    Darin wird beschrieben, wie der anscheinend immer unbeteiligt neben Merkel sitzende Hollande die deutschen Ideen zur Sanierung Griechenlands durch einen Grexit hintertrieben hat in Absprache mit Draghi, Renzi und Tusk. Es wurde den Griechen sogar die Hand geführt bei der Formulierung der Erstellung der Reformliste, die dann auch schon gutgeheißen wurde, bevor sie allgemein bekannt war. Also ein Euro-Komplott gegen Deutschland. Schon einmal wurde der Euro als Waffe gegen Deutschland eingesetzt, als seine Einführung im Tausch gegen die Wiedervereinigung Deutschlands durchgesetzt wurde.

  4. Ich weiß ehrlich gesagt nicht,wie das mit den Griechen überhaupt weitergehen soll und kann.

    Klar die haben ein Ausgabenproblem,es ist zu hoch,weil sie viel zu wenig Einnahmen haben.
    Ich kann also nur durch einen reinen Sparkurs keine langfristige Verbesserung für die Griechen sehen.

    Sagen wir mal die setzen die Reformen um – und was dann ?
    Dadurch haben sie immer noch nicht genügend Einnahmen.
    Bleiben die dann dauerverarmt im Euro ?

    Wäre nicht ein Marshall Plan für Griechenland und auch andere einmal angesagt.
    Die ganze Struktur ist doch bei den Griechen auf dem Niveau ihrer Staatsbahn.
    Nur durch sparen läuft bestimmt nicht besser.

    • Reines Sparen ersetzt keine Reformen, nur mehr Geld von außen aber auch nicht. Nur ein Grexit kann dazu führen, dass sich die Griechen ihren Problemen stellen und diese zu lösen versuchen. Dabei sollte man ihnen dann helfen. Jetzt ist jeder Euro nicht nur verschwendet, sondern verlängert und vergrößert das Elend noch.

  5. Das wird nicht richtig wiedergegeben in der SZ. Also die Ueberlegungen die Zentralbank zu uebernehmen, die formell unter Kontrolle der EZB steht, wird es wohl gegeben haben.

    Und die Idee ein Zahlungssystem einzufuehren, wenn das der Banken nicht funktionieren sollte, weil die EZB die Liquiditaet nicht mehr sicherstellt oder die Banken schliesst, ist natuerlich genau das was gemacht werden muss.

    Die griechische Regierung machte Krisenplanung. Weiter nichts.

    Also erst mal muss man sicherstellen, dass Zentralbank und neues Zahlungssystem funktionieren und unter griechischer Kontrolle sind. Das ist ja kein Putsch, das ist die Wiedererlangung der Souveraenitaet, wenn es die Regierung machen sollte.

    Alles wuerde auch erst mal weiter in Euro gefuehrt. Es gibt keinen Grund nicht weiter mit Euro zu machen, auch wenn die Zentralbank nicht mehr der EZB zuegeordnet ist.

    Das scheint der Plan B gewesen zu sein, der auch immer noch genau so weiter ausgearbeitet werden sollte.

    Warum man ihn nicht ausgefuehrt hat, wird politische Gruende gehabt haben, oekonomisch gesehen waere es natuerlich das Vernuenftigste gewesen.

    • Bei einer Abkopplung von der EZB kommt Griechenland nicht mehr legal an Euro. Einlagernde Euro der EZB zu verwenden oder gar neue zu drucken, wäre illegal und eine Form von Falschgelderstellung.

      • Varoufakis ist viel interessanter.
        Australischer Pass. Fast das gesamte Berufsleben im angelsächsischen Ausland verbracht.
        Sein Spiel verstehe wer will.

        Eines zeigt sich immer mehr:
        Der als Friedensprojekt gedachte Euro wird zum Spaltpilz.
        Die alte Erbfeindschaft mit Frankreich ist wieder da.
        Und die Italiener können sich keine höheren Zinsen leisten, sind also auch gegen einen Grexit und damit Deutschland.

        Hinzu kommt die Flüchtlingsproblematik. Griechenland und Italien steuern die Ströme. Deutschland ist ohne Kontrolle.

        Im Endeffekt gibt es wohl nur 2 Alternativen:
        – dauerhaft die Zeche zu zahlen.
        Oder
        – Dexit, Banken für einige Tage zu, Bundeswehr an die Grenzen und auf den Straßen…..Kapital verkehrskontrollen.
        Wäre das technisch und organisatorisch überhaupt machbar?

        Dazu hat keiner den Mut. Es wird auf dauerhafte Zahlungen hinauslaufen….
        Die Transferunion!

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