Falsche Einigung spaltet Europa

Die letzten Tage schien der Grexit in greifbare Nähe zu rücken. Selbst Herr Schäuble benannte ihn nun explizit als Option (siehe „Comments on the latest Greek proposals“), wenn auch nur auf Zeit, was aber faktisch den definitiven Ausstieg bedeutet und zugleich die Folgen insbesondere bei der EZB wohl etwas abgefedert hätte. Am Ende gab es aber wieder einen dieser für die EU und Eurozone typischen faulen Kompromisse. Die griechische Regierung verpflichtet sich zu allerlei Reformmaßnahmen (siehe, auch für die Gegenleistungen, das „Euro Summit Statement“), obwohl das griechische Volk auf Anraten derselben Regierung erst eine Woche zuvor weniger gravierende Reformen mit großer Mehrheit abgelehnt hatte (siehe ‚Griechen stimmen gegen Hilfsprogramme‘). Es weiß auch jeder, dass diese Reformen nur auf dem Papier stehen und niemals real durchgeführt werden, doch das hindert die übrigen Regierungen einschließlich der deutschen nicht daran, weitere Kredite in einer Größenordnung von 82 bis 86 Milliarden Euro in Aussicht zu stellen. Hinzu kommen vermutlich noch größere Kredite von der EZB und ein Investitionsprogramm im Umfang von 35 Milliarden Euro.

Wie die bisherigen Kredit wird auch dieses Geld komplett verloren gehen, womit sich dann die nächste Runde von Krisengipfeln beschäftigen darf, um vermutlich noch mehr Zahlungen gegen leere Versprechungen zu leisten. Es ist völlig absurd, zumal die deutschen Steuerzahler, die den größten Beitrag leisten müssen, nicht nur nicht gefragt werden und gar nichts davon haben, sondern sich dafür auch noch beschimpfen lassen müssen (siehe #ThisIsACoup bei Twitter: Weltweite Wut auf Deutschland“, obwohl eigentlich Herr Tsipras den Coup begeht und den ‚Ausverkauf der griechischen Demokratie‘ betreibt). Als Gläubiger ist man eben unbeliebt, was sich auch durch weitere Kredite nicht vermeiden lässt, ganz im Gegenteil. Im Ergebnis hat sich Europa über dieses Wochenende weiter entfremdet, denn der Euro spaltet Europa und ist nicht nur wirtschaftlich und sozial, sondern auch politisch ein Desaster.

45 Gedanken zu „Falsche Einigung spaltet Europa

  1. Laut der Financial Times wollte Merkel um 6 Uhr morgens die Gespräche abbrechen, und Tsipras ebenso. Tusk habe sie dann dazu gedrängt, weiterzumachen. Wenn das stimmen sollte, dann haben wir uns bei ihm zu „bedanken“.
    Ich persönlich vermute eher, dass das ein abgesprochenes Manöver war, da ich mir nicht vorstellen kann dass sich Frau Merkel von diesem Handlanger etwas sagen lässt.

    Ob Griechenland die Reformen zumindest rechtlich umsetzt – hierfür sehe ich eine große Mehrheit – ist weniger wichtig als das absolut mangelnde Bewusstsein der Griechen für die Notwendigkeit der Maßnahmen jedenfalls bei Verbleib im Euro. Ich bin mir daher todsicher, dass diese Reformen sofort zurückgenommen werden, wenn Athen irgendwelche Zugeständnisse erreicht hat, etwa finanziell besser da steht und einen Schuldenschnitt erhalten hat, mit dem Frau Merkel bereits nach Befehl von oben öffentlich flirtet. Man sollte als Grexitbefürworter so argumentieren, da Grexitgegner einem schlecht das Gegenteil beweisen können.

    Wichtig ist jetzt auch, dass der ESM bei Auszahlung von Geldern (auch zur Rekapitalisierung von Banken) definitiv einen Rechtsbruch begehen wird. Nicht nur sind die Schulden nicht tragfähig, es besteht auch keine Gefahr für die Stabilität des Eurowährungsgebietes. Dies kann jetzt durch die nur marginalen Kursschwankungen beim Euro belegt werden.

    Mir persönlich ist ein Rätsel, was Merkel und Schäuble wollen. Sie verhalten sich ganz so, wie als wenn sie Griechenland aus dem Euro schmeißen wollten und nur eine Gelegenheit abwarteten. Ich hätte das den beiden noch vor ein paar Tagen nicht unterstellt. Das ist übrigens kein Argument für sie. Wenn sie tatsächlich einen Grexit wollen dann ist ihr Vorgehen umso verwerflicher, denn sie fügen durch dieses „Ich will so gern, trau mich aber nicht“ Griechenland und den anderen Euroländern ungeheuren Schaden zu.

    Das bislang positivste Erzeugnis dürfte sein, dass jetzt offen mit einem Grexit gedroht wurde. Das war ein schwerer Schlag für Euroromantiker und macht es auch schwerer, als Pleitestaat Gläubiger zu erpressen.

    PS: Was den Twitter-Unfug betrifft – der ist noch nicht einmal repräsentativ für die Stimmung in Griechenland, behaupte ich. Dies ist ein Medium, das von linken Spinnern mit zu viel Zeit und Kids mit naiven Vorstellungen dominiert wird. Die Auswürfe sind dementsprechend. Was wirklich schlimm ist, ist dass Journalismus immer mehr zum Abschreiben von Tweets degeneriert; wobei ich vermute, dass die entsprechenden Journalisten dabei nur ihre eigene Meinung via Twitterzitat propagieren. Das ist das, wovon ich mich beleidigt fühle, wie auch von dem Verhalten der Bundestagsabgeordneten. Aus deutscher Sicht tragen diese die Hauptschuld und niemand in Amerika, Brüssel oder Athen.

  2. Eigentlich ist das ganze aus ökonomischer Sicht nicht mehr faßbar. Da hat Griechenland fast eine halbe Billarde Euro an Hilfen erhalten (lt. Berechnungen von ihrem Kollegen Prof. van Suntum). Diese haben jedoch überhaupt nichts gebracht. Sie haben weder die grundlegenden Probleme des Euro gelöst, noch den Griechen aus ihrer Misere geholfen. Was sie ja auch strukturell gar nicht können.

    Aber statt nun über Alternativen nachzudenken, wird die falsche Rettungspolitik nochmals fortgesetzt. Wieder wird nur Zeit gekauft und der unvermeidliche Konkurs in die Zukunft verschleppt und damit noch teurer.

    Nicht nur der Euro ist gescheitert. Auch Europa ist nun endgültig gescheitert. Denn die regierenden Personen haben nun mit aller Deutlichkeit gezeigt, dass sie nicht in der Lage sind, in kritischen Situationen angemessen zu reagieren.

    Wenn dies schon beim Herzstück Europas, dem Euro, nicht gelingt, dann wird dies auf anderen Politikfeldern noch weniger gelingen, etwa der Klima- und Energiepolitik, oder den anwachsenden Flüchtlingsströmen. der russischen Aggression durch Putin etc.

    Die Beschlüsse für ein 3.Hilfspaket an Griechenland haben nicht nur Europa gespalten, sie haben letztlich jegliche demokratische abgeleitete Herrschaft delegitimiert. Was über kurz oder lang zu einer Entfremdung der Nationen und dem Aufstieg nationalistischer Parteien beitragen wird.

    So unsinnig das Gipfelergebnis auch ökonomisch sein mag. Politisch ist es sehr wohl rational erklärbar. Frau Merkels Kanzlerschaft gründet darauf, dass die Menschen ihr als Kanzlerin vertrauen können, dass die Geschicke der Deutschen bei ihr in guten Händen sind. Ein Grexit hätte diesen Mythos endgültig zerstört. So gesehen war es nur natürlich, dass Frau Merkel zwei Jahre vor der nächsten Bundestagswahl einem weiteren Reformpaket zustimmen würde.

    Es gibt ja ein internationales Strafrecht. Wer also einen Angriffkrieg gegen andere Länder führt oder einen Genozid begeht, muß damit rechnen vor ein internationales Strafgericht gestellt und verurteilt zu werden.

    Man sollte einmal überlegen ob man die Herrschenden nicht auch für Verbrechen wie Konkursverschleppung und Bilanzfälschung auf Staatseben vor ein internationales Strafgericht stellt. Dies wäre ein Beitrag zur Fortentwicklung des internationalen Rechts und würde wahrscheinlich helfen so manche Größenphantasie gar nicht erst aufkommen zu lassen.

  3. Die Argumentation ist ja eingängig und schlüssig und man muss zu folgendem Ergebnis kommen:

    1) Eine Transferunion, wie jetzt geschaffen, führt zwangsläufig dazu, dass Hass, Zwietracht und schlimmstenfalls Krieg zwischen den Völkern entsteht. Die Geberländer fühlen sich zwangsläufig ausgenommen, die Nehmerländer werden nicht dankbar sein, sondern ihr Schmarotzertum irgendwie rechtfertigen wollen und keinesfalls auf Souveränität verzichten. Volkes Unmut wird sich ein Ventil suchen.

    2) Staaten sollten einander kein Geld leihen, denn der natürliche Konflikt zwischen Kreditgeber und Kreditnehmer wird so auf eine Ebene gehoben, auf der viel Unheil entstehen kann. Die Machtstellung des Kreditgebers führt zwangsläufig zu einer Unterminierung der Souveränität und Macht der Regierung des Kreditnehmers im eigenen Land. Erst recht die jetzt angedachten Durchgriffrechte werden eher revolutionäre und separatistische Bewegungen in Griechenland lostreten. Es ist überhaupt nicht unwahrscheinlich, dass Griechenland das Geld nun noch „mitnimmt“ und sich anschließend (notgedrungen) in eine Sicherheitspartnerschaft mit Russland begibt (also EU- und Nato-Austritt), um den Inkassoversuchen der „westlichen“ Gläubigerstaaten zu entgehen.
    Neben vielem versenktem Geld hätten unsere Politiker damit auch sicherheitspolitisch großen Schaden angerichtet und Putin hätte seine Position verbessert. Das Paradoxon dabei ist, dass Putin nicht mal Geld geben muss, sondern nur Schutz vor „europäischen Gerichtsvollziehern“ gewähren muss, wofür er natürlich eine russische „Schutztruppe“ in Griechenland stationieren müsse …

    Warum machen unsere Politiker so einen Unfug? Was ist die Motivation der Handelnden? Die sicherheitspolitischen Implikationen zwischenstaatlicher Kredite kann doch jeder Militärattaché seiner Regierung erklären. Der Mechanismus, dass ein Schuldnerstaat schnell zum Feind des Gläubigers wird, ist nun wirklich nicht neu.

    Die einfache Frage: „Was wollen Sie machen, wenn der Kreditnehmer nicht zahlt? Die Armee schicken? Das eigene Volk eine neue Regierung wählen lassen, die bereit wäre, die Auslandsschulden per Armee einzutreiben???“ sollten manchen Groschen fallen lassen.
    Wenn wir mal annehmen, dass Frau Merkel keine Agentin Moskaus ist und tatsächlich ihrem Eid entsprechend das Wohl von Volk und Land Deutschlands (nicht Russlands) verfolgt: Was sind ihre Handlungsmotivationen für den aktuellen hoch gefährlichen Unfug?

  4. Dass Angela Merkel letztlich so handeln würde war doch wohl jedem klar, der bis drei zählen kann. Es zeigt aber auch, dass sich diese Kanzlerin über den Willen des Souverän und über gültige Gesetze hinwegsetzt, wie kaum ein bundesrepublikanischer Politiker der Nachkriegszeit vor ihr. Der deutschen „Wiedervereinigung“ (in meinen Augen die Transformation zu einer ausgewachsenen DDR 2.0) verdanken wir diesen neuen Politikstil, der die parlamentarische Demokratie endgültig ad absurdum führt.

  5. Gibt es auch ein Statement von der AfD? Hat der Vorstand der AfD schon Position bezogen oder sind sie mit der Entscheidung einverstanden, dass jetzt fast 90 Milliarden gezahlt werden, damit die Griechen ihre Schulden bezahlen können. Lucke hatte ja schon kommentiert, aber der ist ja nicht mehr in dieser alternativen Partei.

    • Frau Petrys Kommentar über Verhandlungstaktik gibt es und Herrn Höcke hat seine Schafe in den Urlaub entlassen:

      http://www.afd-nb.de/2015/07/bundesparteitag-in-essen-ruckblick-und-ausblick-2/

      „Liebe Unterzeichner der Erfurter Resolution. Unser Leben steht auf drei Säulen. Neben der Ernährung sind das die Anspannung und die Entspannung. Nach einer Phase höchster und permanenter Anspannung sehnen sich viele Mitstreiter nach Entspannung. Die Zukunft wird uns noch sehr viel abverlangen. Lassen Sie in der Sommerzeit nun die vermeintlichen Notwendigkeiten hinter sich. Schalten sie das Telephon aus, fahren Sie den Rechner nicht jeden Tag hoch, spielen Sie mit Ihren Kindern, beleben Sie alte Kontakte zu Freunden und Verwandten oder lassen Sie sich durch die Lektüre eines guten Buches gedanklich befruchten. Stärken Sie Ihren Geist und Ihren Körper und befrieden Sie Ihre Seele. Tanken Sie Gelassenheit.
      Vor allem diese Eigenschaft werden wir in den nächsten Monaten und Jahren benötigen.“

  6. „Es ist völlig absurd, zumal die deutschen Steuerzahler, die den größten Beitrag leisten müssen, nicht nur nicht gefragt werden und gar nichts davon haben, sondern sich dafür auch noch beschimpfen lassen müssen“

    Vielleicht sollten Sie sich fragen warum die französichen und die italienischen Steuerzahler, die zusammen einen größeren Beitrag leisten (müssen) als die deutschen nicht beschimpft werden.
    Sind doch auch Gläubiger, aber anscheinend kann man sich auch als Gläubiger unterschiedlich verhalten.
    Wobei das Ziel der Beschimpfungen eigentlich die Bundesregierung und ganz speziell Herr Schäuble waren, daher ist ja auch nicht klar, wie sie darauf kommen, dass die Steuerzahler gemeint waren,aber das wissen Sie sicher selbst nicht.

    Die Wette mit dem Herrn,der aus Griechenland stammt (den Namen kenne ich leider nicht mehr genau) haben Sie jedenfalls jetzt höchtswahrscheinlich verloren, wie schade.

    • Sie haben den Unterschied zwischen brutto und netto offensichtlich nicht verstanden. Formal ist jedes Land an den Hilfspaketen beteiligt, sogar Griechenland selbst. Faktisch sponsort Deutschland den Euro und die Eurorettungspolitik mit etwas Unterstützung von z. B. den Niederlanden oder Österreich. Italien ist ein Nettoempfänger und bei Frankreich ist das zumindest unklar.

      Natürlich sind die deutschen Steuerzahler oder sogar alle Deutschen gemeint, wenn Herrr Schäuble oder auch Frau Merkel beschimpft werden, die deren Interessen mehr schlecht als recht vertreten. Auch wenn Sie persönlich anderer Auffassung sind, sind auch Sie jetzt für viele Europäer ein böser Deutscher, da der Euro Europa eben nicht vereint, sondern spaltet.

      Bei der Wette warten wir doch bitte bis Ende des Sommers. Es kann noch viel passieren, auch wenn meine Chancen in der Tat Montagmorgen deutlich gesunken sind.

    • „Faktisch sponsort Deutschland den Euro und die Eurorettungspolitik mit etwas Unterstützung von z. B. den Niederlanden oder Österreich. Italien ist ein Nettoempfänger und bei Frankreich ist das zumindest unklar.“

      Das ist mal wieder eine von Ihren Behauptungen, die durch nichts untermauert sind. Warum soll Italien ein Nettoempfänger sein während Österreich ein Nettozahler? Wenn man sich die bisherige Rettungspolitik (Economic Adjustment Programmes und EFSF) anschaut (anstatt Ressentiments zu verbreiten), dann waren Griechenland, Irland und Portugal (Netto)-Empfänger während alle anderen Euroländer inklusive Frankreich, Italien und Österreich Nettozahler waren.

      Und bitte jetzt nicht mit TARGET2-Salden kommen, in die Diskussion lasse ich mich nicht reinziehen.

      • Wenn Sie natürlich nur Teile des Ganzen betrachten wollen, finden Sie immer welche, bei denen Italien nichts empfängt. Das gelingt sogar mit Griechenland. Bei einer Gesamtbetrachtung hängt hingegen Italien ganz eindeutig am Tropf der EZB, nicht nur über Target-Salden.

        Was sagen Sie eigentlich dazu, dass Herr Juncker angebeblich fertige Grexit-Pläne in der Schublade hat? Sind diese auch unmöglich?

      • „Bei einer Gesamtbetrachtung hängt hingegen Italien ganz eindeutig am Tropf der EZB, nicht nur über Target-Salden…“

        Dachte ich mir, der geliebte „Tropf der EZB“.

        „Was sagen Sie eigentlich dazu, dass Herr Juncker angebeblich fertige Grexit-Pläne in der Schublade hat? Sind diese auch unmöglich?“

        Was soll ich dazu sagen? Unmöglich ist nichts, für Griechenland ist wäre es aber eine derartige Katastrophe, dass selbst Tsipras davor zurückgeschreckt hat.
        Herr Varoufakis hingegen war anscheinend dafür – er ist eben Ihnen durchaus nicht unähnlich – Null Verantwortung, kein Sinn für Realität, dafür aber alle ständig belehren.
        Noch weiß niemand wie man ein Grexit durchführen kann ohne eine Katastrophe auszulösen, nur solche Professoren wie Sie sind verantwortungslos genug das Gegenteil zu behaupten.

        Also weiterhin viel Spaß beim Addieren der Äpfel mit Birnen.

      • Die Katastrophe ist doch schon längst da durch den Euro, nur Sie verschließen die Augen und auch Ihr Herz davor. Jetzt weiß ich auch, warum Sie den Euro unbedingt erhalten wollen, nämlich weil Sie verschiedene Dinge (Äpfel und Birnen bzw. DM und Drachmen) nicht direkt addieren können. Doch keine Sorge, es gibt durchaus Computerprogramme, die das umrechnen können.

    • Wenn „das Ziel der Beschimpfungen eigentlich die Bundesregierung und ganz speziell Herr Schäuble waren“, warum sollen dann jetzt alle Produkte aus Deutschland boykottiert werden? Dabei wirft man Deutschland „Krieg mit ökonomischen Mitteln“ vor und hält uns für „economic terrorists“, siehe „Im Internet ist Deutschland schon wieder am Pranger“. Der von Ihnen bejubelte Euro und die Eurorettungspolitik sind also wirklich ganz hervorragend für Europa und die Völkerverständigung.

  7. Das Damoklesschwert eines Ausstiegs Griechenland`s aus der Eurozone wird fallen….
    Noch wird bei ihrem offenkundigen Versagen wie auch dem der EU um jeden Preis ein Konstrukt am Leben erhalten, dass als gescheitert anzusehen ist. Griechenland sieht sich aktuell 400 Milliaren Euro Schulden gegenüber, die es niemals zurückzahlen wird, weil es das mit seiner nicht wettbewerbsfähigen Wirtschaft, seinem Schlendrian und Inkompetenz, nicht kann.
    „Getettet“ wurde hier nicht Griechenland, sondern Banken, wie auch die Einleitung eines „Dominoeffektes“.
    Entscheidende Kriterien für einen unsinnigen Verbleib Griechenlands in der Eurozone sind fragwürdige geostrategische Interessen der USA und das Eingeständnis einer verfehlten Politik.

    • Geostrategische Interessen sind auch EU Interessen. Und diese Interessen sind nicht fragwürdig, sondern sehr logisch. Was wäre jetzt in Ost- und Südosteuropa gebe es keine EU Osterweiterung? Warschauer Pakt 2.0.
      Stabile NATO Strukturen bedeuten keine faulen Euro-Kompromisse, auch kein EU-Finanzministerium, keine EU-Regierung etc.

  8. Der Ex Finanzminister hatte ja gestern gesagt, dass man erwogen habe vor dem Referendum folgende Verhandlungspunkte ins Spiel zu bringen, um eine schnelle Einigung herbeizufuehren. Man wollte (a) eine unabhaengige griechische Zentralbank, (b) man erwog Schuldscheine auszugeben und (c) man drohte mit Kreditausfaellen an die EZB.

    Varoufakis konnte sich innerhalb der gr. Regierung nicht durchsetzen. Eine unabhaengige griechische Zentralbank bedeutet natuerlich Grexit, auch wenn man weiter den Euro hat.

    Das waere wohl der beste Weg, Griechenland macht es wie Montenegro, die auch den Euro haben. Aber sie sind nicht mehr formell in der Eurozone. Damit behalten die Griechen den Euro, und Schaeuble hat die Griechen nicht mehr als Teil der Eurozone.

    Damit kann Griechenland die monetaere Politik machen, die es braucht, um aus der Krise zu kommen, alles mit der Waehrung, die es nicht aufgeben will, dem Euro.

    Und uebrigends sind die 86 MRd nicht neues Geld, sondern hauptsaechlich Umschuldung, und bis zu 25 Mrd fuer Bankrekapitalisierungen der privaten Banken in Griechenland. Die Banken sollte man umstrukturieren so dass kein neues Kapital gebraucht wird. Wie immer bleibt nichts fuer Griechenland uebrig, ausser das was sie brauchen um Zinsen zu zahlen.

    • Direkt bleibt nichts für den griechischen Staat, indirekt schon, nämlich über die Banken, die dann auch weitere Gelder von der EZB abrufen können. Da profitieren auch die griechischen Bürger, die wieder Euro von ihren Konten abheben können, obwohl ihre Banken von sich aus nicht mehr solvent sind.

  9. Bei der „Rettung“ Griechenland gibt es an sich auf beiden Seiten nur Verlierer (auch und gerade auf der griechischen), allerdings darf man nicht vergessen von den knapp 90 Milliarden des dritten Pakets gehen erneut nur 11 Milliarden in den laufenden griechischen Haushalt der Rest dient dem Schuldendienst (vor allem gegenüber EZB und IWF ) und der Rekapitalisierung der Banken diese Kosten wären bei einem Grexit vermutlich auch angefallen. – Die beste Lösung wäre vielleicht gewesen Griechenland fiktiv 12 Stunden lang aus dem Euro austreten zu lassen, um es dann zu einem 25-30% niedrigeren Kurs sofort wieder eintreten zu lassen (die Auslandsschulden hätten mindesten um diesen Betrag reduziert werden müssen). Diese Abwertung hätte für etliche Jahre ausgereicht. allerdings hätten sich die Besitzer italienischen Anleihen dann sofort gefragt wann Ähnliches mit Italien passiert, den haken hätte es schon gegeben. Aber irgendeinen Notausgang dieser Art der das betreffende Land dennoch nicht ins bodenlose fallen läßt braucht man.- Die eigentlich Frage ist jetzt ob Hollande seinen eigenen Staatshaushalt für die Eurozone durchsetzt, natürlich zu Gunsten des französischen Wohlfahrtsstaates der (auch) auf deutsche Kosten finanziert werden soll.

    • „Die beste Lösung wäre vielleicht gewesen Griechenland fiktiv 12 Stunden lang aus dem Euro austreten zu lassen, um es dann zu einem 25-30% niedrigeren Kurs sofort wieder eintreten zu lassen“
      Die in Griechenland unter der Matratze liegenden Geldscheine sind identisch mit den unseren. Wie ließe sich erkennen, dass diese weniger Wert sind als die unseren, wenn sie bei uns auftauchen?

      • Die Geldscheine lassen sich nicht abwerten und für eine Abwertung auf den Konten braucht man keinen Austritt aus der Eurozone. Wichtiger ist die Frage, ob auch alle Preise und Löhne entsprechend reduziert werden.

  10. Obwohl eher rechts stehend, bin gegen den GREXIT. Es ist offenscihtlich, dass Deutschland und Griechenland können keine gemeinsame Währung haben können. Die Frage ist, wer von beiden geht.

    Ein GREXIT würde viel Leid, noch mehr als jetzt, über das griechische Volk bringen.
    Es ist nun mal so, dass der Euro ein Fehler aller Euro-Staaten war und früher oder später abgewickelt werden muss. Der Preis für die Beibehaltung des Euros ist eine EU-Diktatur und diese wäre vielleicht in Deutschland dem Wähler vermittelbar, den anderen Völkern Europas aber GottSeiDank nicht.

    Wird der Euro abgewickelt, wäre es ab einfachsten alle Länder kehren gleichzeitig zu nationalen Währungen zurück. Dies aber ist unrealistisch. Es wird wohl so laufen, dass nach und nach einzelne Staaten austreten.

    Die austretenden Staaten werden mit erheblichen volkswirtschaftlichen Folgen konfrontiert werden. Die anderen auch, aber der austretenden Staat wird bei jedem Austritt die größere Last zu schultern haben.

    Deshalb sollten nicht wie jetzt angedacht, die schwächeren Länder zuerst austreten, sondern die wirtschaftlich stärkeren damit beginnen, den Euro zu verlassen. Zuerst also Deutschland, vielleicht zunächst mit einer Parallelwährung. Dies wird für Deutschland erhebliche Einbrüche in der Exportwirtschaft nach sich ziehen, aber wir können das leichter sozial abfedern, als Griechenland einen GREXIT.

    Allfällige Transferzahlungen an Griechenland im Falle eines GREXIT für humanitäre Zwecke würden in den berüchtigten schwarzen Kanälen versickern.
    Deshalb Deutschland zuerst raus dem Euro!

      • Was meinen Sie mit „explodiert“?. Verlöre dann der Euro massiv Wert gegen den Dollar oder folgte hohe Inflation?

        Ein schwacher Euro sei doch gut für den Export wird uns doch seit Jahren erzählt. Eine Euro-Explosion wäre doch gut für Staaten mit Aussenhandelsdefizit und Deutschland würde mit der DM seinen zu Recht kritisierten Aussenhandelsüberschuss durch eine de-facto massive Lohnerhöhung für die inländischen Beschäftigten abbauen.

        Welche Möglichkeit gibt es sonst aus, der Euro-Nummer raus zu kommen?

        Läuft das Euro-Projekt weiter so, ist klar was folgt:

        Martin Schulz schlägt jetzt schon mal eine EU-Regierung vor:

        Kleiner Mann im Großmachtwahn
        https://jungefreiheit.de/debatte/kommentar/2015/kleiner-mann-im-grossmachtwahn/

        Dieser EU-Superstaat wäre zutiefst undemokratisch. Dem sei Marine LenPen vor. Irgendwie scheinen die EU-Nomenklatura total zu verdrängen, dass die Wahrscheinlichkeit, dass Frankreich bald aus EU und Euro austritt, und GB aus der EU eine nicht geringe ist.

      • Stellen Sie sich vor, nur Griechenland behält den Euro und begleicht dann seine Schulden über die Notenpresse. Hyperinflation und völlige Abwertung wären die Folge. Während normale Inflation und Abwertung von Vorteil sind, gilt das für zu starke Ausschläge nicht. Immerhin wären dann aber die Schulden weg.

      • @Alexander Dilger:

        Implodiert, wollen Sie sicher sagen. Denn daß Deutschland mit seiner Wirtschaftskraft der Hauptgrund dafür war (und bleibt), daß wirtschaftlich schwächere Länder wie Frankreich und leider auch Griechenland auf der Einführung des Euros bzw. der Mitgliedschaft bestanden haben, liegt auf der Hand. Sollten wir den Euro verlassen, was ich inzwischen als den einzig gangbaren Weg sehe, hätten die anderen Ländern keinen ernsthaften Grund mehr, in der Gemeinschaftswährung zu verbleiben, mangels Masse.

      • Explosion bezieht sich auf die Möglichkeit, dass die (virtuelle) Druckerpresse angeworfen wird und Hyperinflation entsteht. Ohne Deutschland ist der Euro so oder so Geschichte. Aber auch der wahrscheinlichere Austritt Frankreichs dürfte zu dessen schnellem Ende führen. Allein deswegen wäre ein Wahlsieg von Marine Le Pen wohl doch nicht so schlecht.

      • „Wie grenzen Sie denn inländische von ausländischen Verbindlichkeiten ab?“

        Die inländischen Verbindlichkeiten sind die Schuldverträge, die nach dem Recht des fraglichen Landes abgeschlossen worden sind.

        „Ich kommentiere grundsätzlich nicht bei anderen Blogs.“

        [Irrelevante Ausführungen zu einem anderen Blog gelöscht, AD.]

        Und hier bei mir, war das auch ein Doppelgänger von Ihnen: https://saldenmechanik.wordpress.com/2013/11/16/die-radikalisierung-eines-afd-professors/.

        Also manchmal frage ich mich echt was in Ihnen vorgeht?

        „Allein in diesem Diskussionsstrang…“

        Na für mich sind es keine Unterstellungen sondern schlicht Tatsachenfeststellungen, aber ich gebe zu, das ist Ansichtssache

        P.S

        Die Dame, die ich meinte, heißt also Beate Reszat.

      • Grundsätzlich heißt nicht nie, sondern dass es begründete Ausnahmen gibt. Sie hatten damals völlig haltlose Vorwürfe gegen mich erhoben. Das tun Sie weiterhin und ich überlege, auch Sie als Troll zu sperren, da von Ihnen leider schon lange keine sachlichen Diskussionsbeiträge mehr kommen.

    • Wieso denn, weil Sie es so gerne hätten? Natürlich, ohne Deutschland bricht nicht nur der Euro, sondern die ganze Welt zusammen.

      Ansonsten hat Herr Benzell absolut Recht, das Land, das aus dem Euro ausscheidet trägt die Anpassungslasten und diese sind niedriger, wenn die Währungs anschließend aufwertet als umgekehrt, obwohl auch nicht zu verachten. Voraussetzung ist natürlich dass man eine „normale“ Umstellung durchführt ohne Ihre haarsträubenden Ideen, aber da man Sie nicht fragen wird, besteht die Gefahr nicht.

      • Sie wollen doch die Wahrheit gar nicht sehen und z. B. die ökonomischen Grundlagen der EZB nicht diskutieren.

        Was halten Sie denn für eine normale Umstellung? Mir ist eigentlich egal, wie vom Euro auf wieder auf nationale Währungen umgestellt wird, weshalb ich ein paar verschiedene Vorschläge gemacht habe. Sie haben sich an einem Detail von einem Vorschlag aufgehängt, weil es nicht in Ihre kleine Programmiererwelt passte.

      • Eine normale Umstellung ist eine bei der das ganze Bargeld sowie alle inländischen Verbindlichkeiten (inkl.Bankkonten, Kredite, (Staats)-Anleihen) etc. 1 zu 1 umgestellt werden.

        Was die Diskussion der ökonomischen Grundlagen der EZB angeht …, die vorangegangenen Target2-Diskussionen (an denen ich mich damals nicht bet
        eiligt habe, auch weil ich nicht genügend Wissen hatte) haben mich eines gelehrt – bei dieser Diskussion kommt nichts vernünfiges raus, sondern die Beteiligten reden die ganze Zeit aneinander vorbei und bleiben am Ende bei ihrer Meinung.
        Sie selbst haben (damals noch als Wirtschaftsphilosoph), wenn ich mich richtig erinnere, eine zeitlang eine Dame damit genervt (den Namen habe ich leider vergessen), bis diese Sie unmißverständlich darum gebeten hat sie in Ruhe zu lassen. Wozu also? Sie haben sich ja ihre Meinung (oder besser ihren Vorurteil) schon gebildet, und zwar dass die ganze Welt auf Kosten von Deutschland lebt, und werden sowieso davon nicht abweichen.

      • Der Hauptstreitpunkt damals war doch die Abgrenzung von ausländischen Konto- und Depotbesitzern, die Sie in kurzer Zeit für unmöglich hielten. Was ist jetzt der Unterschied zur „normalen Umstellung“?

        Dieser Blog ist in sich abgeschlossen. Auf jeden Fall ist es unlogisch, bei einem Blog Kommentare zu posten und dann darum zu bitten, in Ruhe gelassen zu werden (oder sich gar darüber zu beschweren, man würde am Pranger stehen). Wenn Sie Ihre Kommentare einstellen, haben Sie Ihre Ruhe.

        Im Übrigen kann ich meine Meinung begründen, was Ihnen nicht möglich zu sein scheint, weshalb Sie mit böswilligen Unterstellungen arbeiten. Aber eine Verteidigung des Euro wird natürlich auch jeden Tag schwerer.

      • „Der Hauptstreitpunkt damals war doch die Abgrenzung von ausländischen Konto- und Depotbesitzern, die Sie in kurzer Zeit für unmöglich hielten. Was ist jetzt der Unterschied zur “normalen Umstellung”?“

        Na genau der, dass es bei der normalen Unstellung keine Abgrenzung gibt. Alle inländischen Verbindlichkeiten werden 1 zu 1 umgestellt unabhängig von der Identität des Gläubigers (also des Konten- bzw des Depotbesitzern).

        „Auf jeden Fall ist es unlogisch, bei einem Blog Kommentare zu posten und dann darum zu bitten, in Ruhe gelassen zu werden (oder sich gar darüber zu beschweren, man würde am Pranger stehen).“

        Das mag sein, aber was hat es mit mir zu tun? Weder habe ich darum gebeten in Ruhe gelassen zu werden (das war die Dame vor 3 Jahren und da haben Sie bei ihr kommentiert) noch fühle ich mich an den Pranger gestellt.

        „Im Übrigen kann ich meine Meinung begründen, was Ihnen nicht möglich zu sein scheint, weshalb Sie mit böswilligen Unterstellungen arbeiten.“

        Ich kann meine Meinung durchaus auch begründen, sehe ich allerdings keinen Sinn darin, weil das, so wie man Target2-Diskussionen eben kennt, nur damit enden würde, dass man einander vorbeiredet. Am Ende ist man dann genauso schlau wie am Anfang.

        Aber Ihre Begründung würde ich schon gern hören, man lern ja nie aus.

        P.S

        Was war noch einmal die böswillige Unterstellung?

      • Wie grenzen Sie denn inländische von ausländischen Verbindlichkeiten ab?

        Ich kommentiere grundsätzlich nicht bei anderen Blogs.

        „Was war noch einmal die böswillige Unterstellung?“ Allein in diesem Diskussionsstrang: „Wieso denn, weil Sie es so gerne hätten? Natürlich, ohne Deutschland bricht nicht nur der Euro, sondern die ganze Welt zusammen.“ „Ihre haarsträubenden Ideen“. „Sie haben sich ja ihre Meinung (oder besser ihren Vorurteil) schon gebildet, und zwar dass die ganze Welt auf Kosten von Deutschland lebt, und werden sowieso davon nicht abweichen.“

  11. @Alexander Dilger:

    Bei unserem Sturmgeschütz der Demokratie habe ich gerade eben diesen interessanten Artikel gefunden:

    http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/griechenland-so-nah-war-der-grexit-a-1043782.html
    „Als Panagiotis Lafazanis, Energieminister und Anführer des linken Syriza-Flügels, in der Nacht zum Mittwoch seine Anhänger zu einem Treffen hinter verschlossenen Türen zusammenrief, betraten die Eingeladenen das Athener Hotel still und leise durch die Seiteneingänge.

    Das klandestine Treffen hatte zwei Ziele: Die Syriza-Hardliner wollten erstens eine gemeinsame Linie für die Parlamentsabstimmung über das Spar- und Reformprogramm besprechen. Und zweitens den Plan B für einen Austritt Griechenlands aus dem Euro, den sogenannten Grexit diskutieren. Viele Syriza-Mitglieder hatten in der Vergangenheit darüber geredet – bisher aber niemals in der Öffentlichkeit.“

    Sehen Sie, wie schnell so etwas gehen kann (könnte)?

  12. Der Sozialismus hatten einen Systemfehler:
    Er möchte immer Geld ausgeben, das noch gar nicht verdient wurde.
    Wenn das zu Problemen führt, ist immer der „böse Kapitalismus“ schuld…….

  13. Pingback: Austritt aus der Eurozone auf Zeit | Alexander Dilger

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