Drei Umfragen zu AfD und Griechenland

Kurz vor dem morgigen Bundesparteitag der AfD in Essen gab es durch Forsa im Auftrag vom stern eine „Große Umfrage zur AfD: Wer will Lucke, wer Petry?“ Von den befragten AfD-Anhängern sprach sich eine absolute Mehrheit von 56 % für Bernd Lucke als „Parteichef“ aus gegenüber 23 % für Frauke Petry, während immerhin noch 15 % beide gleichermaßen präferieren. Von daher könnte es morgen durchaus noch spannend werden.

Thematisch zählen 73 % der AfD-Anhänger „Ausländer, Flüchtlinge“ zu den größten Problemen in Deutschland und nur 48 % „Euro, Griechenland“. Auf Platz 3 landet der „Unmut über Politiker und Parteien“ mit 25 %. Der illiberalen Ansicht „Wer in Deutschland nicht arbeiten will, sollte zur Arbeit gezwungen werden“ (statt auf eigene Kosten faul sein) stimmen 27 % voll und ganz zu sowie 40 % weitgehend. Wirklich schlimm ist die volle Zustimmung von 15 % und die weitgehende von 33 % zu der absurden These „Was auch immer man über den Nationalsozialismus sagen kann: Damals aber hat man in erster Linie die Interessen der Deutschen vertreten“, denn im Gegenteil wurden die Interessen der Deutschen niemals vorher und nachher so schlecht vertreten wie vom NS-Regime. Ähnlich schlimm ist es, dass 24 % der erklärten AfD-Wähler ohne AfD rechtsradikale Parteien wählen würden (immerhin wählen sie diese jetzt nicht, drohen aber, die AfD in diese Richtung zu ziehen). 24 % würden CDU/CSU wählen, 23 % gar nicht und immerhin noch 11 % die FDP, gefolgt von 9 % für Die Linke, 5 % Piraten und 4 % SPD. 54 % sehen persönliche Machtkämpfe als Ursache des innerparteilichen Streits an und 42 % meinen, dass es um die richtige politische Ausrichtung ging. 58 % sind der Ansicht, dass dieser Streit dem Ansehen der AfD sehr schadet, laut 36 % etwas und nur für 6 % fast gar nicht. Schließlich bekunden im direkten Vergleich 35 % eine Präferenz für Barack Obama und 29 % für Wladimir Putin, während 36 % beide gleichermaßen (nicht) mögen.

Im „Deutschlandtend – 02.07.2015“ der ARD kommt die AfD bei der Sonntagsfrage (wenn am Sonntag Bundestagswahl wäre) auf 5 %. Mit Bernd Lucke sind 9 % der Befragten (repräsentativ für alle wahlberechtigten Bundesbürger) zufrieden. 37 % sehen eher Vorteile für Deutschland aus der EU-Mitgliedschaft, 19 % eher Nachteile und 42 % beide ungefähr gleich. Jeweils 45 % wollen, dass Griechenland (nicht) in der Eurozone bleibt, wobei die ablehnende Position nur von der AfD vertreten wird. 60 % finden das griechische Referendum am Sonntag richtig, während 36 % dagegen sind. 59 % lehnen ein neues Angebot der übrigen Eurostaaten an Griechenland ab, während 38 % dafür sind.

Beim „Politbarometer – 03.07.2015“ des ZDF kommt die AfD bei der Sonntagsfrage nur auf 4 %. 50 % meinen, dass die AfD am innerparteilichen Streit zerbrechen wird, 29 % sind der gegenteiligen Meinung und 21 % wissen es (so wie ich) nicht. Nur 27 % glauben, dass die AfD in den nächsten Bundestag einziehen wird, 61 % glauben das nicht und 12 % gestehen hier ihre Unwissenheit ein. Außerdem sind 63 % nicht der Ansicht, dass sich die AfD genug von rechtsextremen Inhalten und Personen abgrenzt, nur 12 % sehen eine hinreichende Abgrenzung und 25 % wissen es nicht.

Für 49 % der Befragten sind Euro und Europa jetzt das Hauptproblem. Hier sind 52 % der Ansicht, dass Griechenland nicht im Euro bleiben sollte, während 41 % für einen Verbleib sind. 85 % lehnen weitere Zugeständnisse an Griechenland ab, nur 10 % sind dafür, bei der AfD 3 % und der Union 4 %. 57 % glauben, dass sich die Griechen mehrheitlich nicht hinter ihre Regierung stellen werden, also am Sonntag mit Ja abstimmen, 32 % glauben das Gegenteil. 27 % fürchten, dass ein Bankrott Griechenlands Deutschland (sehr) stark wirtschaftlich schaden würde, 67 % glauben das (wie ich auch) nicht. 64 % glauben trotz allem, dass der Euro langfristig eine erfolgreiche Währung sein wird, 31 % wissen, dass das nicht so ist. 29 % sehen außerdem in der Eurokrise eine Gefahr für den Fortbestand der EU und 67 % sehen das nicht so.

20 Gedanken zu „Drei Umfragen zu AfD und Griechenland

  1. „Von daher könnte es morgen durchaus noch spannend werden.“
    Es gibt beunruhigende Meldungen, dass ostdeutsche Landesverbände Mitgliedern auf Parteikosten die Anreise ermöglichen. Das mag rechtlich noch OK sein, ist aber ein Warnzeichen.

    „Thematisch zählen 73 % der AfD-Anhänger “Ausländer, Flüchtlinge” zu den größten Problemen in Deutschland und nur 48 % “Euro, Griechenland”.“
    Nächste Woche könnte dies anders aussehen. Wobei dies auch vom Ausgang der Vorstandswahl abhängt.

    „Der illiberalen Ansicht “Wer in Deutschland nicht arbeiten will, sollte zur Arbeit gezwungen werden” (statt auf eigene Kosten faul sein)…“
    Die Frage ist doch irreführend und wurde ganz sicher falsch verstanden. Es ist ja absurd auf Staatskosten Leute zum Arbeiten zu zwingen, die von ihrem Vermögen leben und Steuern zahlen. Die Zustimmenden werden in erster Linie an Empfänger von staatlichen Leistungen gedacht haben, was ja Hartz IV entspricht.
    Überhaupt sind die Fragen von SPD-Güllners Forsa und dem Stern, der von Anfang an gegen die AfD und Herrn Lucke gekämpft hat, manipulative Suggestivfragen. Sie tun dem Euro doch nur einen Gefallen, wenn Sie diesen Aspekt in der Bewertung nicht berücksichtigen und dieses Zeug ungefiltert weitervebreiten.
    Hinzu kommt, dass die AfD-Wählerschaft ja leider in letzter Zeit abgeschmolzen ist, wogegen dieses Wochenende etwas getan werden kann.

    „Mit Bernd Lucke sind 9 % der Befragten (repräsentativ für alle wahlberechtigten Bundesbürger) zufrieden.“
    Herr Lucke bekleidet gar kein nennenswertes öffentliches Amt. Ich bin daher über den eher hohen Wert überrascht, da die meisten Leute seine Tätigkeit gar nicht vor Auge haben und bewerten können. Man kann dies so deuten, dass Herr Lucke mehr Sympathie genießt als die AfD.

    „Jeweils 45 % wollen, dass Griechenland (nicht) in der Eurozone bleibt,“
    Auch wieder eine manipulative Fragestellung. In der nationalen deutschen Politik geht es nur darum, ob Deutschland dafür zahlt. Natürlich haben viele Leute grundsätzlich nichts gegen eine griechische Euromitgliedschaft. Fragt man aber, ob sie auch dafür zahlen wollen, sieht es anders aus. Natürlich ist das naiv; es demonstriert wie schlecht viele unserer Mitbürger die Lage verstehen und dass die Massenmedien das Problem nicht gut kommunizieren.

    „64 % glauben trotz allem, dass der Euro langfristig eine erfolgreiche Währung sein wird“
    Das bläst ins selbe Horn. Für die D-Mark haben wir nicht extra „Gebühren“ zahlen müssen; beim Euro muss man das, was völlig bizarr ist. Natürlich fragen die nicht: „Wollen Sie zahlen um eine Währung zu haben, die vielleicht man so erfolgreich ist wie die D-Mark es ohne Extrafinanzierung war?“

    „29 % sehen außerdem in der Eurokrise eine Gefahr für den Fortbestand der EU und 67 % sehen das nicht so.“
    Das ist doch interessant. Sofern die Leute nicht bedingungsloses Vertrauen in eine für die EU „positive“ Beendigung dieser Krise haben, weichen sie hier deutlich von Frau Merkels Mantras ab.

  2. Das natürliche Resultat, wenn in der Öffentlichkeit vor allem Petry, Gauland oder Höcke tonangebend sind…

    Auch eine Analyse der Bremen-Wahl zeigte die starke Veränderung der Wählerklientel binnen weniger Monate. So ist der Anteil der Selbständigen, die AfD wählten, gegenüber der Europa-Wahl von 6 auf 2 % (Zahlenangaben ohne Gewähr) abgestürzt usw.

    Hoffen wir, dass Essen die Wende bringt, sonst ist die AfD erledigt. Vielleicht sieht man sich heute oder morgen!

  3. All die Umfragen zur AfD sollten mit äußerster Vorsicht behandelt werden. Ich persönlich würde gar nichts auf sie geben. Denn hinter der Stern-Umfrage steht natürlich die Frontstellung dieses Mediums (und der meisten anderen) gegen die AfD, und ich bin überzeugt, daß subtil (oder mehr) an ganz vielen Schräubchen gedreht wurde. Um es platt zu sagen: Da wird gelogen, daß sich die Balken biegen. Dasselbe gilt auch für das ZDF-Politbarometer, das stets interessengetrieben ist.

    Von daher ist KEINE der von Ihnen genannten Zustimmungen „schlimm“. Und wenn 24 % der erklärten AfD-Wähler ohne AfD rechtsradikale Parteien wählen würden, dann würde ich gern wissen, welche Parteien denn. Es gibt doch außer dem links-rot-grün-schwarzen Einheitsbrei keine rechtsradikale Partei. Wenn im Bundestag mit 90% Entscheidungen gefällt werden und selbst bei Griechenland-Debatten nur ganz wenige Abgeordnete im Parlament zugegen sind (und dabei geht es irgendwo doch um GANZ viele Milliarden Euro – oder?), dann zeigt das doch den Zustand dieser unserer degenerierten Demokratie an.

    Die großen Themen Islam, Einwanderung und gewendete Energie werden nicht wirklich in der Öffentlichkeit diskutiert. Vielleicht gäbe es eine Chance hierzu, wenn die AfD derartige Themen aufgriffe.

    • Sie liegen völlig richtig. Dass viele der Mitdiskutanten (vom Typ Weckruf) in diesem Blog diese Probleme nicht als solche erkennen, spricht Bände über diese Leute, die man wahrlich in der AfD nicht braucht. Was soll man mit Realitätsverweigeren anfangen, die doch auch Teil des BRD-Establishments sind? Jawohl, es stimmt, wer diesen „Qualitätsmedien“ (besser doch Lügenmedium) immer noch ein Wort glaubt, dem ist nicht zu helfen.

  4. Die haben alle Fehler gemacht,weil sie alle gegen und nicht miteinander Politik betreiben.

    Die AFD hätte,wären alle etwas gemäßigter in ihren Vorstellungen,Äußerungen und Ansichten gewesen – locker über 10 % dauerhaft im Parteienspektrum für sich beanspruchen können.

    Das ist ärgerlich,ätzend und einfach nur dumm !

    Man kann keine Schlacht gewinnen,wenn sich die eigenen Kommandeure ersteinmal selber mit der Artillerie gegenseitig in Grund und Boden schießen.

  5. So Herr Prof. Dilger, das war es dann. Habe mir gerade den Niedergang der AfD im Phoenix-Livestream angetan. Ich könnte ja jetzt sagen: „Ich habe es gleich gesagt, und bereits vorher meine Konsequenzen gezogen“, wäre aber nicht fair.

    Hoffe Sie haben das Austrittsschreiben schon fertig…

    Beste Grüße

    JML

  6. Es ist gut, dass Frau Petry zur Parteivorsitzenden gewählt wurde. Wir brauchen eine christlich-konservative und nicht-grüne Ökopolitik. Es ist eine vordringliche Aufgabe, keine Afrikaner in Europa anzusiedeln, um dem Bevölkerungsrückgang zu begegnen. Stattdessen müssen z. B. Deutsche im klimatisch günstigen Südspanien angesiedelt werden. In Deutschland braucht eigentlich niemand zu leben. Es ist sinnvoll, Faktor-X-Technologien (z. B. 1-l-Autos) zu fördern. Zudem können z. B. Krampfadern mit der Linsermethode ohne Operation zerstört werden. Es darf kein Geld mehr ausgegeben werden für Gottesdienste in Kirchen. Stattdessen müssen Mystik und Geistheilung gemäß C. G. Jung gefördert werden.

    • Also ich kann meist zwischen Satire und Unsinn noch unterscheiden.
      Meist,aber nicht immer.

      Jedenfalls war dieser Beitrag nett geschrieben.

  7. Die AfD Bundesseite auf FB hat innerhalb einer Stunde nach der Wahl Petrys schon ca. 50.000 Likes verloren. Ich bin gespannt wie es mit der AfD und dem Luckelflügel weitergeht.

      • Ach was… unsere Wähler werden dankbar sein, dass sie jetzt auch eine besser zu ihnen passende AfD-Mitgliedschaft bekommen.

  8. Jetzt, nach dem Wahlerfolg der Nationalkonservativen, erwarte ich Ihren Austritt; denn als guter Demokrat koennen Sie ja wahrscheinlich absehen, wohin die Reise dieser Partei geht. Auch wenn die Position der FDP in punkto Euro mit Ihrer nicht uebereinstimmt (fuer die Partei ist der politische Symbolismus der Gemeinschaftswaehrung nun mal – for better or worse – zu wichtig), wuerde ich mich freuen, wenn Sie einen moeglichen Wiedereintritt in Erwaegung ziehen koennten.

    Von dort aus laesst es sich auch besser den Niedergang der AfD verfolgen, welche sich nun in „Rechtsalternative“ umbenennen kann.

  9. Nach dem ersten Tag des Mitgliederparteitages in Essen ist die AfD für mich erledigt. Wie sich u.a. in Aschaffenburg und in Siegen gezeigt hat, wird die AfD auf solchen Parteitagen von ausgesprochenen Proleten dominiert, an deren Benehmen während der Redebeiträge von Dr. Lucke der Versammlungsleiter mehrfach appelliert hat. Die entsprechenden Gruppierungen sind auch in NRW zu Hause. Dort werden fehldeutbare Aussagen zu TTIP, zum Islam, zur Außenpolitik der USA und Putins dankbar bejubelt. Liegt es daran, dass die AfD die geschätzten 3-4Tausend Beitragsschuldner nicht verfolgt und zu viele „Sozialtarife gewährt hat ? Wenn es für Dr. Lucke heute noch einen Hoffnungsschimmer gab, hat er Chancen mit seinem Sprecher-Bericht jedenfalls mutwillig verspielt. Ein Punkt aus dem Bericht von Dr. Petry ist mir noch aufgefallen- das weitgehende Fehlen von Strategie-Besprechungen im Bundesvorstand, welches das vielstimmige Konzert der Mitglieder des Bundesvorstandes erklären würde- kein Wort von Lucke dazu.

    • „Wenn es für Dr. Lucke heute noch einen Hoffnungsschimmer gab, hat er Chancen mit seinem Sprecher-Bericht jedenfalls mutwillig verspielt.“ Nein, es hätte nichts gebracht, sich beim Pöbel einzuschleimen. Lucke stand zu seinen Überzeugungen und hat Rückgrat bewiesen. Ich fand es auch klasse, dass er einen schwulen Türken als Generalsekretär vorgeschlagen hatte. Das mag eine bewusste Provokation gewesen sein, wobei Herr Yordulmaz wirklich ein super Typ ist, aber alles andere hätte die Hängepartie nur um wenige Wochen oder Monate verlängert. Nun sind wir auch ein Stück weit befreit!

  10. 1992 hat der britische Prime Minister John Major erklärt, er glaube nur an Umfragen, die erselbst gefälscht habe, – und gewann die Wahl zum bitischen Unterhaus. Renate Köcher, Meinungsforscherin in Deutschland, hat zugegeben, daß sie und ihre Kollegen Meinungsumfragen gefälscht hatten.

    Im Übrigen kann man Ergebnisse durch die Art der Befragung steuern. Jeder der sich im Rahmen seines Studiums einmal mit der „Methodik der empirischen Sozialforschung“ beschäftigt hat, weiß das. Auch viele Journalisten wissen das, verschweigen es aber ihren Lesern. Lügenpresse darf man das dann aber nicht nennen!

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