(Keine) Fahrerflucht

Vor ein paar Wochen meldete sich ein Mitarbeiter eines benachbarten Instituts bei mir im Büro und teilte mir mit, dass er mein Auto beim Rangieren mit einem Anhänger beschädigt hätte. Wir haben uns den Schaden an der hinteren Verkleidung meines Volvo angesehen. Es sah nicht sehr dramatisch aus, hat dann aber doch über 1.200 Euro gekostet, weil die Werkstatt gleich das ganze Teil ausgetauscht hat, statt die Stelle zu reparieren bzw. neu zu lackieren. Gäbe es noch echte Stoßstangen wie früher, wäre vermutlich gar nichts passiert. Jedenfalls bin ich dem Herrn dankbar, dass er sich gemeldet hat.

Dass das nicht selbstverständlich ist, wusste ich bereits aus leidvoller Erfahrung, doch es wurde letzten Samstag leider auch einmal wieder praktisch demonstriert. Ausgerechnet vor einem Babymarkt, in dem wir einen Buggy als dritten Kinderwagen kauften, schrammte jemand gegen die Tür und den Kotflügel hinten rechts, um sich dann zu verdrücken. Fahrerflucht ist eine Straftat. Doch laut Polizei ist sie leider häufiger als der vorherige Fall, dass sich jemand ehrlich meldet. Die Reparaturkosten dürften diesmal fast doppelt so hoch sein, also teurer als mancher Gebrauchtwagen. Zum Glück habe ich eine Vollkaskoversicherung. Das kostet mich jetzt also 300 Euro Selbstbeteiligung, eine Höherstufung und ziemlich viel Rennerei (zur Polizei und mehrfach zur Werkstatt, während sich die Sache mit der Versicherung telefonisch klären ließ).

19 Gedanken zu „(Keine) Fahrerflucht

  1. Ebenfalls ärgerlich ist, dass der Volvo nun ein Unfallwagen ist. Bei einen möglichen Verkauf muss man auch dort mit finanziellen Einbußen rechnen.

      • Doch, die Rechtssprechung ist eindeutig. Sobald ein Versicherungsschaden entstanden ist, müssen Sie „Unfallfahrzeug“ angeben.

        Aus dem Grund lassen Fahrzeughalter den Unfallschaden schätzen und in einer günstigen nicht Volvo-Vertragswerkstatt zu einem niedriegeren Preis reparieren.

        1. spart man letztlich eine Selbstbeteiligung und eine Wertminderung ist auch noch drin.

      • Es kommt auf den Schaden an. Ob eine Versicherung eingeschaltet wurde, ist irrelevant. Das spielt höchstens für die Beweisbarkeit eine Rolle.

  2. Sie erzählen :
    Ausgerechnet vor einem Babymarkt, in dem wir einen Buggy als dritten Kinderwagen kauften, schrammte jemand gegen die Tür und den Kotflügel hinten rechts, um sich dann zu verdrücken.

    und meinen : Ein Kratzer macht den Wagen noch nicht zu einem Unfallwagen.

    Richtig ist, dass eine Versicherung nicht eingeschaltet seien muß um einen Unfallwagen zu haben, doch spätestens wenn eine Versicherung eingeschaltet wurde, dann ist es ein Unfallwagen bei dem von Ihnen geschilderten Sachverhalt. Siehe :

    Nach einem kleinen Parkrempler ist der Kotflügel meines Leasingautos eingedellt. Muss ich melden, dass er gespachtelt wurde?
    „Ja, denn der Wagen wird dadurch zum Unfallauto. Übrigens findet das der Leasinggeber spätestens bei der Rückgabe selbst heraus.“

    http://www.autobild.de/artikel/ratgeber-recht-912017.html

    Ein Autokäufer findet das beim Verkauf auch raus. Den Ärger kann man sich ersparen.

    • Lesen Sie auch, was Sie da verlinken oder sogar zitieren? Bestimmte Schäden wie einzelne Kratzer oder auch eine ausgetauschte Scheibe machen eine Auto nicht zu einem Unfallwagen, auch wenn man die Versicherung einschaltet. Andere Schäden, etwa wenn Spachtelarbeiten erforderlich werden, schon, was sich auch feststellen lässt, selbst wenn keine Versicherung eingeschaltet wurde.

      • Nun einen Kratzer zu beseitigen für ca. 2400 Euro kann ich mir nicht ohne Spachtelarbeit vorstellen.
        War ja auch nur ein gut gemeinter Rat.

      • Es wird in meinem konkreten Fall wohl eine Neulackierung geben. Das muss ich bei einem Weiterverkauf angeben, aber es lässt sich ohnehin feststellen, ob ich nun meine Versicherung in Anspruch nehme oder nicht. Von daher finde ich Ihren Rat nicht hilfreich.

  3. Einen Kaskoschaden können Sie nicht so ohne weiteres nach Gutachten oder Kostenvoranschlag abrechnen. Die Versicherung hat das Recht, den Schaden zu begutachten. Beim Kaskoschaden können Sie nur das abrechnen, was tatsächlich gemacht wird.
    Wir machen das jeden Tag.

  4. Begangene Unfallflucht ist übel, von der Polizei unterstellte Unfallflucht aber umso mehr.

    Folgendes war passiert: Meinen Wagen parkte ich wegen Parkplatznot ca. 1 km entfernt ordnungsgemäß. Danach parkte jemand neben mir so dichtauf, dass er nur noch über die Beifahrerseite aussteigen konnte. Spät in der Nacht meinten zwei Polizistinnen festgestellt zu haben, dass das andere Auto durch mich Schäden erlitten hätte. Ich (Frau) wurde deshalb über die Polizeizentrale zum „Unfallort“ gerufen und der Unfallflucht beschuldigt. Ich musste mein Auto wegsetzen, damit sie überhaupt erst einmal feststellen konten, was ich ! verursacht haben sollte. Natürlich ergab sich im Verlauf der Aufklärung, dass a) das andere Auto nach mir geparkt wurde und b) die vorhandenen Schäden durch mich nicht verursacht waren, gar nicht verursacht sein konnten. Wie ich aber von diesen beiden „Tussies“ in Wort und Ton „angemacht“ wurde, kann hier gar nicht 1:1 wiedergegeben werden.

    Seit der Nacht misstraue ich der Polizei zutiefst: Ohne Rückruf in die Zentrale werde ich nie wieder einer Aufforderung, mich an einen bestimmten Ort zu begeben, Folge leisten; nie wieder werde ich alleine erscheinen; nie wieder werde ich unbefangen mit Vertretern der Polizei umgehen oder ihnen in irgendeiner Weise behilflich sein.

    • Auch die Polizei macht Fehler. Sie können das aber nicht mit einer Straftat gleichsetzen. Im Übrigen empfiehlt es sich tatsächlich, möglichst einen neutralen Zeugen (nicht direkt verwandt und nicht verheiratet) dabei zu haben.

  5. Natürlich gilt das Fahrzeug nun als Unfallwagen und ist bei einem Verkauf auch als solches anzugeben. Da der Schaden gering (wenngleich teuer) ist empfehle ich, Fotos vom unreparierten Zustand zu machen und Interessenten beim Verkauf vorzulegen. Das bremst unagemessen hohe Forderungen nach einem Preisnachlass erheblich. Ich rate das aus Erfahrung.

  6. „Gäbe es noch echte Stoßstangen wie früher…“

    Es konnte mir noch niemand erklären, WARUM es keine Stoßstangen mehr gibt und was der VORTEIL des Autofahrers dabei ist?!? Genau DAS macht mich zum Konservativen, denn ich will NICHT, dass etwas verändert wird, was sich bewährt hat!

    Ich vermute, dass nur Autowerkstätten einen Vorteil von der Abschaffung der Stoßstange haben, denn jetzt wird aus jeder leichten Berührung schon ein Schaden und das macht zusätzlichen Umsatz (der bei Vollkasko ja sowieso von der Versicherung bezahlt wird).

    • Man könnte sich natürlich auch selbst informieren anstatt zu meckern

      http://www.gutefrage.net/frage/warum-haben-die-autos-heutzutage-keine-richtigen-stossstangen-mehr
      https://de.wikipedia.org/wiki/Sto%C3%9Fstange_(Karosserie)

      Moderne Stoßfänger aus Kunststoff fangen die Energie eines Aufpralls besser ab, sind sicherer für weiche Verkehrsteilnehmer, deutlich aerodynamischer, verhacken sich nicht miteinander und (wären sie nicht lackiert) halten sie sogar leichtes Touchieren besser aus als die alten, verchromten Teile.

      • Die heutigen Stoßfänger sind aber lackiert und auch von der Größe her nicht aufeinander abgestimmt. Warum gibt es sie z. B. aus Gummi oder zumindest mit Gummiüberzug?

      • Mein Argument war das es sehr gute Gründe für die moderne Stossfänger gibt.

        Das Lackieren von Stossfänger und auch Rückspiegel finde ich auch dämlich. Der „normale Autokäufer“ wünscht das aber. Früher waren die ja unlackiert, dann gab es die in Wagenfarbe gegen Aufpreis und jetzt meist als Standard lackiert. Den Leuten ist Aussehen halt wichtiger als einfache Reparierbarkeit.

  7. Pingback: Neuen Volvo seit einem Jahr | Alexander Dilger

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