Diskussionspapier zu Währungsfrage

Gestern habe ich nicht nur meine ‚Steuererklärung gemacht‘, sondern auch wieder ein Diskussionspapier fertiggestellt. Mein ‚Neuer Rechner‘ war da eher hinderlich als förderlich, dafür ist das Thema spannend: „Which Currency Is Best for Business in a Small Country?“

Eigentlich habe ich das für eine Tagung in einem kleinen Land (Mazedonien) geschrieben, zu der ich dann aber leider doch nicht fahren konnte. Allerdings arbeite ich mich jetzt vielleicht tiefer in Währungsfragen aus betriebswirtschaftlicher Sicht ein, um mich weiter beruflich damit zu beschäftigen. Im Übrigen handelt es sich wieder um ein echtes Diskussionspapier. Anregungen, Literaturhinweise und konstruktive Kritik sind sehr willkommen.

14 Gedanken zu „Diskussionspapier zu Währungsfrage

    • Dieses Machwerk mag Laien überzeugen, Francomacorisano.
      Zu denen gehöre ich zwar auch.
      Aber so viel Ahnung, dass ich diese beiden Marktschreier (und andere der „österreichischen“ Schule) widerlegen kann, habe ich denn doch vom Geldwesen. Vgl. dazu meinen Blott
      „Hat Autor nicht auch Grips beineben, kann Leser nicht recht glücklich sein. Eine Polemik gegen Monetär-Obskurantisten, die das Volk im Kerker der Geldirrtümer verschmachten lassen. Und welche „Gouverneure“ vom Monetär-Fetischismus der Austrians profitieren.“
      (http://beltwild.blogspot.de/2014/12/hat-autor-nicht-auch-grips-beineben.html)

      • Solange Geld nur bedrucktes Papier ist, das nicht mit dem entsprechenden Gegenwert hinterlegt ist, haben Regierungen und Notenbanken leider viele Manipulationsmöglichkeiten. Da genau diese Regierungen der Neuzeit seit den 70er Jahren gigantische Staatsschulden anhäufen, sind die Manipulationsvorwürfe nachvollziehbar! In diesem System sind die Regierungen die JUNKIES und die Banken die DEALER!

        Das Schlimme in diesem System des FIAT-Money ist, dass nicht der Tüchtige , sondern der Trickser belohnt wird! Ergebnis: Die Reichen werden reicher und die Mittelschicht blutet aus! Ich will keine AfD als reine Protestpartei, die „das System“ der Bundesrepublik Deutschland grundsätzlich in Frage stellt! ABER von der EZB wird das FIAT-Money-System ganz aktuell mit einer künstlichen Geldmengenausweitung inflationsgewünscht auf die Spitze getrieben. DIESES Betrugs-System möchte ich sehr wohl zerschlagen und Herrn Draghi idealerweise auf einer Anklagebank sehen. Bei diesem Thema bin ich gerne Revolutionär!

      • Wenn (angeblich) Gegenwerte hinterlegt sind, gibt es auch ganz viele Manipulationsversuche, wie die Geschichte lehrt. Wichtig sind nicht die Gegenwerte, sondern ob Geld hinreichend knapp gehalten wird, aber nicht zu knapp. Die Bundesbank war darin ziemlich gut, die EZB ist es aus verschiedenen Gründen eher nicht (oder wird es nicht sein). Von daher sollten wir gemeinsam die EZB bekämpfen. Wenn Sie danach auch noch gegen die Bundesbank sind, kämpfen Sie dann ohne mich weiter. Aber deswegen müssen wir uns jetzt nicht zerstreiten.

      • Wir müssen nicht über Idealzustände von Theorien diskutieren!
        Es ist richtig, dass es Deutschland unter der Geldpolitik der Deutschen Bundesbank SEHR GUT gegangen ist UND dass die EZB unser gemeinsamer Gegner sein muss! Ich gehe noch weiter. Für mich ist Draghi ein (Finanz-) Verbrecher, der sein Handwerk übrigens bei der übelsten aller Investmentbanken Goldman „SUCKS“ gelernt hat……..

  1. Beim flüchtigen Drüberschauen: Hört sich interessant an.
    Sehe freilich nicht, wie man eine (Banken-)Geldschöpfung durch die Geschäftsbanken unterbinden könnte, ohne Geschäftsbanken überhaupt zu verbieten bzw. ihr Geschäftsmodell grundlegend zu ändern.

    Geschäftsbanken können im gegenwärtig herrschenden Regime ja lediglich Primärkredite geben – und damit schöpfen sie automatisch (Banken-)Geld.
    Versicherungen z. B. vergeben Sekundär-Kredite aus bereits geschöpftem Geld. Weil die das Geld der Kunden einkassieren und eben DIESES Geld weiterverleihen.
    Banken könnten das theoretisch zwar auch tun; dann müssten sie aber eine Fristenkongruenz zwischen Einlagen und Krediten herstellen und würden dadurch eine ihrer wesentlichen Funktionen, nämlich die Fristentransformation verlieren. (Was die Vollgeld-Freaks m. E. übersehen: http://beltwild.blogspot.de/2014/06/ein-professor-der-vom-schlagschatz.html.)
    Ansonsten müssen die Geschäftsbanken zwangsläufig Geld (aus dem Nichts) schöpfen, weil die Ansprüche der Einleger ja jederzeit oder zumindest meist relativ kurzfristig,

    Ich gehe davon aus (wissenschaftlich ist das wohl noch mehr oder weniger umstritten), dass die (Neu-)Geldversorgung zumindest sehr weitgehend endogen ist, also von der Nachfrage (nach Bankkrediten) bestimmt wird. Und gerade das ist ja auch das Geniale am kreditär geschöpften Fiatgeld: Ein weitgehender Selbstregelmechanismus, bei dem sich die Menge der Geldschöpfung relativ elastisch an die Nachfrage, also den realwirtschaftlichen – und sonstigen – Bedarf, anpassen kann.
    Es erscheint also auch nicht wünschenswert, dies irgendwie zu unterdrücken.

    Ich verstehe allerdings auch nicht, was damit gemeint ist (S. 8; kopieren geht bei dem Dokument ja leider nicht 😉 ) nicht genügend (Devisen-)Reserven hätten, um das gesamte Bankengeld zu garantieren.
    Zentralbanken garantieren das Bankengeld doch ohnehin nicht? Allenfalls fungieren sie mal als lender of last resort.

    Die Banken schöpfen, quasi im Sinn einer umgekehrten Pyramide, auf einer schmaleren Grundlage von Notenbankgeld (Basisgeld, high powered money usw.) eine sehr viel breitere Schicht Bankengeld. (http://beltwild.blogspot.de/2014/04/banks-do-not-lend-reserves-or-deposits.html)
    Das funktioniert, weil zum einen die Interbanken-Transaktionen (die nur mit Basisgeld abgewickelt werden können) saldiert werden: Gegenläufige Ströme (Kunde A von Bank A überweist an Kunden bei Bank B; Kunde B vom Bank B überweist an Kunden von Bank A) werden einfach aufgerechnet; da muss kein Zentralbankgeld bewegt werden.
    Und zum anderen, weil sich die Geschäftsbanken untereinander Kredite geben (in normalen Zeiten; post-Lehman sah das anders aus); auch in diesen Fällen benötigt die „Defizit“-Bank kein Basisgeld. Nur wo das nicht der Fall ist, wird tatsächlich Basisgeld benötigt.

    Gut: Wenn sich die Nachfrage danach erhöht, dann kann die Notenbank ihr wohl nur insoweit entsprechen, als sie (noch freie) Devisenreserven hat. Post-Lehman kann das ein Problem werden; vielleicht als Kreditverknappung in einer wachsenden Wirtschaft auch sonst.

    Weitere Aspekte:
    – Das Currency board setzt, wenn ich das richtig verstehe, Leistungsbilanzüberschüsse voraus. Kann auf die Schnelle nicht beurteilen, ob das gut oder schlecht ist, oder welche Rückkoppelungseffekte insoweit denkbar sind.

    – Ein weiteres Problem könnte sich daraus ergeben, dass die Leistungsbilanzüberschüsse, die ja nicht notwendig (alle) in der Währung des Haupthandelspartners anfallen, zunächst in diese eingetauscht werden müssten. Überblicke auf die Schnelle nicht, ob das zu Schwierigkeiten führen könnte (zu den anderen Währungen flexible, zur Ankerwährung fixe Kurse: bereitet mir irgendwie Unbehagen).

    • „Sehe freilich nicht, wie man eine (Banken-)Geldschöpfung durch die Geschäftsbanken unterbinden könnte, ohne Geschäftsbanken überhaupt zu verbieten bzw. ihr Geschäftsmodell grundlegend zu ändern.“ Geschäftsbanken müssen nicht verboten werden, doch ihr Geschäftsmodell verändert sich natürlich ohne Kreditschöpfung. Allerdings geht es explizit um ein kleines Land, welches tatsächlich ganz auf eigene Geschäftsbanken verzichten oder diese stark kontrollieren könnte. Im umgekehrten Fall, wenn der Bankensektor viel größer ist als die Realwirtschaft, kann es leicht Probleme geben.

      Eine Fristentransformation wäre für die einzelnen Kredite weiterhin möglich, wenn die Kreditschöpfung insgesamt untersagt würde. Es gäbe nur insgesamt weniger Kredite bzw. würde die Zentralbank das Kreditvolumen steuern, wobei diese im Falle eines Currency Boards ihrerseits ziemlich passiv wäre. Wenn die Zentralbank das Bankengeld nicht garantiert, sondern eine Pleite aller Banken zugelassen wird (wie in Island), dann muss die Kreditvergabe natürlich nicht beschränkt werden bzw. beschränkt sie der Markt von allein, da dann Bankengeld viel unsicherer ist als echtes Zentralbankgeld und damit auch weniger wert.

      Ein Currency Board setzt keine Leistungsbilanzüberschüsse voraus, da Kapitalimporte möglich sind. Der Umtausch zwischen Devisen ist kein Problem. Die Anbindung an eine Währung (z. B. den Euro) führt natürlich zu Schwankungen hinsichtlich aller anderen, die nicht ebenfalls an diese eine Währung angebunden sind.

  2. „Ein Currency Board setzt keine Leistungsbilanzüberschüsse voraus, da Kapitalimporte möglich sind.“
    Nach meinem Verständnis müssten sich Kapitalimporte aber doch in der Leistungsbilanz niederschlagen – außer, des handelt sich um Kredite?
    Und die müssten natürlich irgendwann zurückgezahlt, und bis dahin verzinst werden (außer bei einer Ponzi-Finanzierung wie in Griechenland 😉 ).
    Was für mich bedeutet, dass der m. E. erforderliche Leistungsbilanzüberschuss in diesem Szenario lediglich von ex ante ins ex post verlegt ist.

    • Die Kapitalbilanz ist erst einmal von der Leistungsbilanz unabhängig. Die Verknüpfung findet über die Zahlungsbilanz statt. Kapitalimporte müssen nicht aus Krediten bestehen, es kann sich z. B. auch um Direktinvestitionen oder den Kauf von Aktien handeln. Krediten müssen auch nicht an den Staat oder die Zentralbank gehen, sondern können auch von Privatpersonen und Unternehmen aufgenommen werden. Schließlich können Kredite mit dem Geld von neuen Krediten zurückgezahlt werden, solange die Verschuldung nicht explodiert, also viel schneller wächst als die Realwirtschaft.

  3. „Solange Geld nur bedrucktes Papier ist, das nicht mit dem entsprechenden Gegenwert hinterlegt ist, haben Regierungen und Notenbanken leider viele Manipulationsmöglichkeiten.“
    Das erzählen Ihnen Philipp Bagus und Andreas Marquart, die den Laien ja auch völlig ungeniert weismachen wolle, dass es ein staatliches Geldmonopol gebe, dass wir („schlechtes“) „Staatsgeld“ hätten, aber („gutes“) „Privatgeld“ brauchen.
    In Wirklichkeit haben wir eine Mischform aus (weniger) „Basisgeld“ der Notenbanken und (mehr) „Bankengeld“ der Geschäftsbanken.
    Klar haben Zentralbanken enorme Manipulationsmöglichkeiten. Aber die sind juristisch nicht unbeschränkt; und der größere Teil der Geldmenge wird eben von den (privaten) Geschäftsbanken geschöpft.

    „Da genau diese Regierungen der Neuzeit seit den 70er Jahren gigantische Staatsschulden anhäufen, sind die Manipulationsvorwürfe nachvollziehbar!“
    Habe die Zahlen nicht parat, aber die Tendenz geht eher zur Senkung der Staatschulden – und zur Erhöhung der privaten. (Wofür sich auch realwirtschaftliche Gründe anführen lassen: Vgl. Colin Crouch zum „privatised Keynesianism“ – http://wrap.warwick.ac.uk/28891/1/WRAP_Crouch_privatised_Keynesianism.pdf).
    Die US-Immobilienkrise wurde durch die Überschuldung privater Gläubiger ausgelöst; auch das passt nicht ganz zu Ihrer Behauptung (bzw. der von Bagus/Marquart), dass „die Regierungen die JUNKIES [sind] und die Banken die DEALER!“

    „Das Schlimme in diesem System des FIAT-Money ist, dass nicht der Tüchtige , sondern der Trickser belohnt wird! Ergebnis: Die Reichen werden reicher und die Mittelschicht blutet aus!“
    Das erzählen uns Bagus/Marquart; aber stimmt das denn auch? Sind Bill Gates, Mark Zuckerberg, die Aldi-Brüder vom Tricksen reich geworden? Ohne eigene Leistung?

    Richtig scheint mir allerdings zu sein, dass das Finanzsystem tatsächlich Buchgewinne ermöglicht ohne realwirtschaftliche Leistung.
    Ich bin mir nicht ganz sicher, welche Mechanismen dahinter stecken; das müsste m. E. systematisch untersucht werden. (Woran aber natürlich die Finanzindustrie kein Interesse hat, und die weitgehend mit ihr verbandelte angelsächsische Mainstream-Wirtschaftswissenschaft auch nicht.
    Ich vermute, dass das nicht zuletzt mit der (angelsächsischen, mittlerweile aber auch bei uns eingeführten) „Mark-to-market“-Bilanzierung zu tun hat.

    Nur ist es ein Witz, wenn speziell der Professor (in Spanien; dort braucht man, glaube ich, keine Habilitation für diesen Job) Philipp Bagus sich über Inflationsgewinnler ereifert (angeblicher Cantillon-Effekt; den gibt es zwar im Prinzip, aber der hängt nicht einfach von der Geldmenge ab, sondern wesentlich von der Umlaufgeschwindigkeit und der Produktionselastizität in der Realwirtschaft), aber die Deflation verharmlost. Tatsächlich würden bei einer Preisdeflation die Geldbesitzer als Deflationsgewinnler zu Lasten der ehrlichen und hart arbeitenden Unternehmer und Arbeitnehmer leistungslos Kaufkraftgewinne einsacken! (http://beltwild.blogspot.de/2014/11/ich-bin-gewiss-kein-freund-der.html)
    Einer verliert eben immer: Bei der Inflation der Geldeigentümer (und derjenige, dessen Einkommen nicht oder nur nachhinkend angepasst wird, also z. B. ein Rentner wie ich) und bei der Deflation der Sacheigentümer bzw. der Produzent von realwirtschaftlichen Gütern.

    Seien Sie nicht allzu vertrauensselig, francomacorisano, wenn Ihnen ein Strukturvertriebler (lt. dieser Amazon-Rezension: http://www.amazon.de/gp/aw/cr/rR39ANU6LJKMLYJ) wie Andreas Marquart sensationelle Erkenntnisse über das Geldwesen andrehen will!
    (Auch wenn andere in der AfD leider ebenfalls an den Lippen dieses Geld-Gurus hängen: http://www.zivilekoalition.de/chronik/artikel/?tx_ttnews%5Btt_news%5D=89&cHash=a93f74be8f46cf4449d1726c4990e032)

    „….. von der EZB wird das FIAT-Money-System ganz aktuell mit einer künstlichen Geldmengenausweitung inflationsgewünscht auf die Spitze getrieben. DIESES Betrugs-System möchte ich sehr wohl zerschlagen und Herrn Draghi idealerweise auf einer Anklagebank sehen.“
    Ich möchte Don Draghi weniger auf der Anklagebank sehen, als vielmehr in der Versenkung verschwinden sehen! 😉
    Im Rahmen der Eurotz-Währung kann man durchaus rationale Gründe für das Handeln von Don Draghi anführen, nämlich Leistungsbilanzdefizit der Krisenländer senken.
    Nur sind wir Deutschen dabei die Dummen.
    Die Europäische Währungsunion muss zerschlagen werden bzw. Deutschland muss aussteigen.
    Das ist es ja wohl auch, was Prof. Alexander Dilger will.

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