Subadditive Parteien

Viele haben eine additive Vorstellungen von Parteien und ihren Teilen. Wenn sich Teile zusammenschließen, dann addieren sich ihre Stimmgewichte. Wenn also z. B. Teil A für sich genommen vier Prozentpunkte bekäme und Teil B drei Prozentpunkte, dann bekommen sie zusammen sieben Prozentpunkte. Bei einer Teilung der Partei bleiben dann beide wieder unter der Fünf-Prozent-Hürde.

Der Zusammenhang muss aber nicht so einfach sein. Rein theoretisch kann eine Partei superadditiv sein, empirisch sind vermutlich die meisten Parteien subadditiv (für die Begriffe siehe Wikipedia). Superadditiv bedeutet, dass das Ganze größer ist als die Summe seiner Teile, also in dem Beispiel die vereinigte Partei nicht nur sieben, sondern acht Prozentpunkte erhält. Ein Grund dafür können Synergieeffekte bei Personen oder dem Programm sein, etwa wenn die Herren Lucke und Gauland gemeinsam mehr geschätzt werden als jeder für sich oder ein liberal-konservatives Programm attraktiver erscheint als ein nur liberales oder rein konservatives. Außerdem ist es möglich, dass die Fünf-Prozent-Hürde kleine Parteien darunter bestraft, während größere Parteien sicher darüber eher gewählt werden.

Allerdings ist der umgekehrte Fall wahrscheinlicher, dass Parteien subadditiv sind, also das Ganze kleiner ist als die Summe seiner Teile. Im Beispiel wäre das der Fall, wenn A und B zusammen nur fünf Prozent bekommen. Der Grund ist der, dass Anhänger von A sich von der größeren Partei nicht mehr hinreichend vertreten fühlen, was auch auf Anhänger von B zutreffen kann, die dann lieber eine andere Partei oder gar nicht wählen. Das gemeinsame Programm kann durch Kompromisse nichtssagend oder sogar widersprüchlich werden. Vielleicht stimmt auch der innerparteilich größere Teil den kleineren nieder, so dass sich dieser gar nicht mehr vertreten fühlt. Außerdem ist ständiger Streit möglich, der Wähler abschreckt.

Empirisch ließ sich beobachten, dass die Ausdifferenzierung des deutschen Parteienspektrums auf linker Seite dieser insgesamt mehr Stimmen gebracht hat. Die SPD für sich genommen war früher stärker, aber zusammen mit Grünen und Linken ist sie heute stärker als früher. Auf der rechten Seite gilt das ebenfalls. Die Union hätte mit AfD und FDP zusammen klar die Mehrheit, nur dass die beiden kleineren Parteien an der Fünf-Prozent-Hürde gescheitert sind.

Gerade wegen der Fünf-Prozent-Hürde kann es sich lohnen, dass kleine Parteien sich nicht aufspalten, sondern zusammenhalten oder sogar fusionieren. Selbst wenn mehrere Teile subadditiv sind, sind sie zusammen trotzdem größer als jeder alleine, wenn auch nicht größer als alle alleine zusammengezählt.

Allerdings muss selbst das nicht gelten, sondern ist sogar eine verschärfte Form der Subadditivität denkbar, bei der das Ganze kleiner ist als sein größer Teil allein. Denn wenn die Teile ganz schlecht zusammenpassen, vertreibt das mehr Wähler, als der Zusammenschluss bringt. Im Beispiel hätten A und B zusammen nur drei Prozentpunkte, A alleine jedoch vier.

Schließlich ist wohl entscheidend, welche Teile sich wie zusammenschließen. Wenn diese sehr gut zusammenpassen, ist Additivität oder sogar Superadditivität möglich. Subadditivität dürfte der Normalfall sein und verschärfte Subaddivität bei sehr schlecht passenden Verbindungen auftreten. Bei Betrachtung der Personen und Positionen scheint es mir so zu sein, dass insbesondere durch den öffentlichen Dauerstreit die Verbindung des rechten Flügels mit dem Rest der AfD verschärft subadditiv ist, also vor allem der Rest von einer Trennung profitieren würde. Die gemäßigten Konservativen und Liberalen sind zusammen vermutlich auch subadditiv, aber nicht in der verschärften Form, so dass eine gemeinsame Partei größer ist als jeder Teil und die Fünf-Prozent-Hürde nehmen kann.

38 Gedanken zu „Subadditive Parteien

  1. Allgemein sollte man überlegen ob 5% Hürden noch in der Höhe gerechtfertigt sind. Meiner Erachtens würden 3% Hürden auf Bundes- und Landesebene völlig ausreichen. Vielleicht sollte das Bilden einer Fraktion trotzdem erst ab 5% der Abgeordneten möglich sein. Die Gefahr einer Zersplitterung des Parlamentes sehe ich bei einer 3% Hürde nicht. Im Gegenteil der Gesetzgeber würde dafür sorgen, dass nicht mehr Hunderttausende von Wählerstimmen unter den Tisch fallen. Auch würde das Parlament dann mehr den Willen des Volkes entsprechen. Leider sehen die derzeitigen großen Partei keinen Sinn darin, da es für sie nur Konkurrenz bedeutet und die Koalitionsfrage erschwert.
    Am Beispiel der Vereinigung von DVU und NPD im Jahr 2011 zeigt sich exemplarisch das von ihnen beschriebene Szenario der Subaddivität. Erreichte die DVU in Bremerhaven zum Beispiel 2007 noch 5.3% und zog so in den Landtag ein, erreichte die NPD 5 Jahre später nur noch 2.3% in Bremerhaven. In Brandenburg erreichte die DVU 2004 noch ca. 6%, die NPD trat nicht zur Wahl an. 2009 traten dann die Partein gegeneinander an. Die DVU(1.2%) und NPD(2.9%) erreichten zusammen nur noch 4.1%. Im Jahr 2014 trat dann natürlich nur noch die NPD an, welche nur 2.2% erhielt. Allgemein würde ich bei einer möglichen Spaltung der liberal/konservativen Strömung die viel besseren Chancen geben, sich dauerhaft im Parteiensystem festzusetzen. Dabei glaube ich auch, dass man die jetzigen Werte von 6% auf Bundesebene erreichen könnte, da man noch viel mehr für das bürgerliche Lager attraktiv wäre und sich dort die meisten Wähler tummeln. Allgemein wird in Deutschland eine konstruktive Partei immer bessere Chancen haben als eine populistische Partei.

  2. Es gibt in anderen Ländern Wahlsysteme, bei denen sich verschiedene Parteien auf einen Kandidaten einigen, der dann über die verschieden Parteien, denen Stimmen zusammengezählt werden, gewählt wird. Dabei bleibt jede Partei selbstständig und es ist transparent, welche Partei wie viel Stimmen zur Wahl des Kandidaten beigesteuert hat. Nach deutschen Wahlrecht ist das aber nicht möglich.

    Man kann lange darüber diskutieren, ob das deutsche Wahlrecht „gerecht“ ist. In jedem Fall benachteiligt es kleine Parteien, zumal die Stimmen von Parteien, die an der 5%-Hürde scheitern, prozentual auf die anderen über-5%-Parteien aufgeteilt werden. Im Deutschen Bundestag gab es immer relativ stabile Mehrheiten, was uns z. Bsp. italienische Verhältnisse mit zahllosen Regierungswechseln erspart hat. Eine Frechheit dagegen ist es für mich, dass die Stimmen der Nichtwähler ebenfalls auf die über-5%-Parteien aufgeteilt werden. Ich finde, dass die Abgeordneten-Mandate der Nichtwähler unbesetzt bleiben müssten, womit unser Bundestag fast nur noch die Hälfte seiner Abgeordneten hätte.

    Sollte sich die AfD in zwei Parteien aufspalten, befürchte ich sehr, dass keine der beiden Parteien aktuell eine realistische Chance auf einen Parlamentseinzug auf Bundesebene hätte, zumal ich vermute, dass viele Leute der AfD-Basis keinem der beiden Flügel eindeutig angehören. Vielleicht würden einige Liberale zur FDP zurück kehren, bestimmt Teile der Nationalkonservativen die NPD von 0,5% auf 2% hieven, oder eine neue Splitterpartei auf diesem Niveau gründen. Die Mehrheit aber würde wahrscheinlich wieder mit der Faust in der Tasche CDU/CSU wählen (um Rot/Grün zu verhindern), oder aber (wieder) zu Nichtwählern werden.

    Wenn der unkontrollierte Asylzustrom allerdings nicht schnell in geordnete Bahnen gelenkt wird, die Ausländer-Kriminalität in Deutschland dadurch weiter ansteigt und wir durch als Flüchtlinge eingeschleuste oder aus Syrien zurück kehrende „Gotteskrieger“ einen größeren Terroranschlag erleben, könnte sich eine rechtsaußen-Partei, als Abspaltung der AfD in Verbindung mit Pegida und anderen Grüppchen schnell zu einer gefährlichen Protestpartei entwickeln. Von daher hat die jetzige AfD auch eine Katalysator-Funktion, die nicht zu unterschätzen ist. Wenn die AfD zerbricht, haben die gemäßigten Kräfte das Nachsehen!

  3. Während diese Analyse m.E. durchdacht und korrekt ist, möchte ich hier ein paar Dinge zu bedenken geben. Insbesondere halte ich nicht Inhaltliches für das Kernproblem. Vielmehr gibt es Fallstricke, teils bedingt durch die Struktur Deutschlands, die jeder neuen Partei zum Verhängnis werden können.

    A) Ihre Einteilung der politischen Lager scheint mir nicht ganz richtig. Die Stärke der Union hängt doch eng damit zusammen, dass diese SPD- und Grünen-Stimmen absorbiert. Ähnliches gilt mittlerweile für die FDP: Falls diese Partei in Bremen einen Stimmenzuwachs erfährt und die CDU ebenso (die AfD kann nicht anders), dann können die Stimmen eigentlich nur von Rot-Grün kommen, wobei insbesondere den Grünen ein dramatischer Verlust prognostiziert wird. Die Alternative wäre sinkende Wahlbeteiligung und gleichbleibender eigener Stimmanteil. Insofern würden gar keine Stimmen ins rechte Lager wandern. Vielmehr hätte sich eine bürgerliche Partei, die auch durch diese Ausdifferenzierung 2013 scheiterte, durch linke Anbiederung (nicht endgültig) berappelt.

    B) Man möge über mich lachen, aber ich sehe keine echten Flügelkämpfe in der AfD, sondern persönliche Animositäten, Eitelkeiten und leere Emotionen, die als pseudo-sachlicher Streit um politische Positionen getarnt werden.
    Die Formulierungen mögen nicht exakt zutreffen wenn Herr Stein in der ‚Jungen Freiheit‘ schreibt: „Ein liberal-konservativer Flügel gruppiert sich um Bernd Lucke (…). Ein zweiter eher nationalkonservativ-liberaler Flügel sammelt sich um Frauke Petry (…) sowie ein dritter um (…) Björn Höcke, der die Partei jedoch noch weiter nach rechtsaußen in eine politische Sackgasse führen möchte. Besonders bei der Höcke-Gruppe sind Hasardeure einer „Rechten“ am Werk, die keinen Ruf zu verlieren haben und denen es gleichgültig ist, ob sich die AfD durch einen Rechtsruck und die Aufgabe des liberalen Flügels an den Rand des diskutablen politischen Spektrums manövriert.“
    Aber was stimmt ist dass ich keine riesigen Gräben zwischen Lucke und Petry sehe. Herr Lucke will z.B. TTIP mit Opt-Outs (also nicht uneingeschränkt); Frau Petry will es faktisch gar nicht. Da muss man doch einen Kompromiss bei Formulierungen finden können. OK: Herr Gauland hätte am liebsten gar eine Zuwanderung aus bestimmten Regionen. Da müsste man ihm klarmachen können, dass von dort auch Christen und Atheisten kommen, und dass man im Punktesystem Wert auf Integrationsfähigkeit unabhängig von der Herkunft legen kann. Während man Höcke und seine Mitstreiter isolieren und aufs Abstellgleis schicken muss besteht beim Rest das Problem darin, dass zu viel Vertrauen zerstört wurde und zu viel über den jeweils anderen gesagt wurde. Deswegen bestreite ich auch, dass ein Mitgliederentscheid über Grundsatzpositionen (laut Herrn Geiger seltsamerweise auch Kopftuchverbote und Maulkörbe zur EU) das Problem lösen wird. Ich weiß nicht, was genau schief gelaufen ist, aber es muss schon lange vor dem Streit um die Anzahl der Sprecher passiert sein, da es diesen mitausgelöst hat.

    Letztlich suggerieren Herr Lucke und Frau Petry, sie ständen für fundamental verschiedene Positionen, was nicht stimmt. Es gibt programmatische Unterschiede, diese sind aber insbesondere unter den „Anhängern“ minimal. Die Leute hinter Lucke geben sich dem Irrglauben hin, Frau Petry würde die AfD in eine Rechtsaußenpartei verwandeln. Das stimmt denke ich nicht; Herr Höcke täte das. Dagegen werden die Petry-Anhänger mit der bizarren These mobilisiert, Lucke wolle die AfD völlig entkernen und zum CDU-Steigbügelhalter machen. Auch das ist falsch. Es geht schlicht um die Behauptung der eigenen Person und diffuse Gefühle. Indem beide mit den jeweiligen Befürchtungen von Teilen der Partei arbeiten sichern sie sich eine teils aus der Not geborene Anhängerschaft, die sie trotz Bauchschmerzen stützen wird.
    Eigentlich müssten beide und weitere Leute, die zu sehr in diese Kabale verstrickt sind, weg. Das ist aber unmöglich. Es ist so ziemlich niemand da, der den Platz einnehmen könnte, was übrigens Absicht ist: So hat der Anti-AfD-Troll Lachmann von der ‚Welt‘ (ein Sozialist übrigens) rechtzeitig Frau Trebesius als Lucke-Frau gegen Petry ins Spiel gebracht und sie damit vorsätzlich aus der Wahl genommen. Indem Leute sich demonstrativ durch das Unterzeichnen von Resolutionen auf irgendeine Seite schlugen wurde alles noch schlimmer. Die einzige Alternative wäre, dass beide gezielt verbal abrüsten, die Befürchtungen ihrer Anhänger zerstreuen und kooperieren. Da können wir hier nichts machen. Vielleicht kann nur die Angst vor dem Untergang helfen.

    Weil aber aus meiner Sicht nicht so sehr Inhaltliches das Problem ist sondern es v.a. um persönliche Selbstbehauptung geht, glaube ich nicht dass man die Probleme durch Abspaltung eines wie immer gearteten Teils lösen könnte. Was und wer dabei „gemäßigt2 ist wissen Sie wahrscheinlich selbst nicht. Der Höcke-Teil geht bei mir gerne als nicht gemäßigt durch, ist aber ziemlich klein. Bei den Lucke- und Petry-Teilen hält sich jede Seite für irgendwie „liberal“, „bürgerlich“, „konservativ“ und „moderat“; und das Problem sind letztlich Gesichter, die man nicht mag. Wenn Sie den Lucke- oder Petry-Teil abspalten würden (groteske Idee), so würde sich inhaltlich nur marginal etwas ändern, aber beide Teile würden dann in welcher Form auch immer ihre steilen Thesen der andere Seite an den Kopf werfen. D.h. eine Lucke-AfD würde die Petry-AfD unentwegt als rechtsextrem bezeichnen und von den Medien als Kronzeugin bemüht werden, während umgekehrt die Petry-AfD die Lucke-AfD nonstop als Mainstream-Apparatschiks titulieren würde. Eine Spaltung entlang dieser Linie würde den Streit nur gefährlicher machen, da sich dieselben Personen jetzt auch um Wähleranteile balgen würden.

    Selbst eine völlig neue Partei hätte ähnliche Probleme. Es läuft auf ein Personenproblem hinaus: Es ist kein charismatischer Mensch da, der alle einen kann und der mit „durchregieren“ von oben durchkommt. Möglich ist dass das am föderalen System Deutschlands liegt, das automatisch mächtige Landespolitiker hervorbringt. In Frankreich, den Niederlanden oder auch Großbritannien gäbe es für Höckes, Gaulands und Pretzells gar keine Stühle. Hinzu kommen die Unterschiede zwischen Ost- und West. Solange man keine Idee hat, wie dieses Phänomen in den Griff zu bekommen ist, sind Gedanken über Aufteilungen Spaltungen etc müßig.

    C) Die Kernwählerschaft der AfD, ziemlich unverändert von der Bundestagswahl bis heute, vertritt mehrheitlich Positionen wie: Unterstützung von PEGIDA (vor deren Selbstdemontage), etwa 80%; zum Vergleich CDU nur 55% – Ablehnung des Islams – Ablehnung von „mehr Flüchtlingen“ – grundsätzliche EU-Feindschaft etc. Wenn Sie an diesen Linien eine Spaltung durchspielen hätte der moderatere Teil die klar schlechtere Ausgangslage und könnte nur ungefähr ein Fünftel der Wähler abziehen, wenn überhaupt. Während es AfD-Wähler nun gewohnt sind als „rechts“ tituliert zu werden, hätte diese 20%-Abspaltung das Problem dass sie vom Mainstream als rechts (D-Mark und so), vom Nichtmainstream aber als angepasste Pöstchenjäger beschimpft würde. Damit verliert man die von der Politik enttäuschten Wähler und hat gleichzeitig nur eine geringe Aussicht, auf politische Sicherheit bedachte CDU/FDP-Wähler abzuwerben, erst recht wenn diese mit Rot-Rot-Grün bedroht werden.

    Vereinfacht gesagt würde bei einer Spaltung entlang dieser Linien der liberale Teil ganz klar den Kürzeren ziehen. Der rechtere Teil könnte sich vielleicht populistischer geben und mehr auf Themen wie Islam setzen (in Deutschland so unbeliebt wie in keinem anderen EU-Land). Als Parteineugründung hätte das keine Chance; aber wenn dieser Teil die Kontrolle über die Finanzmittel und Ressourcen der AfD bekäme sehe das anders aus, wenn auch vielleicht nicht sehr.

    – * –

    Wir sollten mit den Phantomgefechten über Inhalte aufhören. Sie führen zu nichts, schon allein weil Begriffe wie „liberal“ beliebig gebraucht werden können und z.B. in den USA etwas ganz Anderes meinen als hierzulande. Inhaltliche Fragen können durch Mitgliederentscheide – am besten über Einzelfragen, anders als der Geiger-Albtraum – geklärt werden, Personalfragen nicht. Es ist jetzt an der Partei, insbesondere an der Basis, Lucke, Petry und allen anderen klar zu machen dass sie ihr persönliches Gezänk entweder einzustellen oder nicht mehr hinter programmatischen Fassaden zu verbergen haben.

    Grob fahrlässig oder gar Sabotage ist es hingegen, einer Spaltung irgendwelche positiven Effekte anzudichten. Das ist wohl Wunschdenken und nimmt zudem den Druck, sich am Riemen zu reißen, von der Partei wie auch von den Akteuren. Die Minderheit, die sich aus inhaltlichen Gründen abspalten sollte (Höcke & Co.) wird es nicht freiwillig tun; personelle Unzulänglichkeiten sind dagegen sowohl im Lucke- wie auch im Petry-Lager gegeben und wie ausgeführt durch einen überflüssigen, schmerzhaften und wahrscheinlich tödlichen Spaltprozess nicht zu lösen.

    • Die Analyse in meinem Blogbeitrag gilt ganz allgemein. Weniger klar ist die Anwendung auf die AfD. Aus meiner Sicht sind die Teile subadditiv und ist die Gruppe um Herrn Lucke der schlafende Riese davon. Das ist schwer zu beweisen, solange man es nicht ausprobiert, aber es gibt folgende Evidenz: Die AfD ist mit Herrn Lucke als Aushängeschild groß geworden. Parteien rechts davon gibt es schon viele (nicht nur die rechtsextreme NPD, sondern z. B. auch Republikaner, Freiheit, PRO NRW, deren Unterschiede zum rechten Flügel der AfD noch niemand schlüssig erklären konnte), während eine bürgerliche Opposition zum Euro und dem Linksruck der Union fehlt. „AfD sackt nach Henkels Abgang unter Fünf-Prozent-Marke“, weil er insgesamt eben doch ein Plus und keine Belastung für die AfD war, auch wenn seine lauten innerparteilichen Gegner ständig das Gegenteil behaupten.

      Was folgt daraus? Die AfD bzw. Herr Lucke sollte den rechten Flügel entweder ganz absprengen oder in einigen ostdeutschen Landesverbänden einhegen. Dagegen muss den reinen Opportunisten wie Frau Petry und Herrn Pretzell vermittelt werden, wo die einzige langfristige Option für sie liegt, nämlich in einem Kompromiss mit Herrn Lucke. Wenn sie dazu nicht willens oder in der Lage sind, muss man sie entweder ebenfalls entmachten oder, falls das nicht mehr möglich sein sollte, allein in einer dann sterbenden AfD zurücklassen. Im Grunde ist es wie in der großen Politik: Wer etwas unbedingt will, sei es die AfD zusammen- oder Griechenland im Euro halten, der muss dann auch einen beliebig hohen Preis dafür zahlen. Wenn man hingegen klare Grenzen aufzeigt, dann kann man andere zur Einhaltung derselben bewegen, muss aber andernfalls auch zum Bruch bereit sein.

      • Daraus folgt eher, dass Sie billigst zusammengeschusterte Berichte kritiklos für sich vereinnahmen, wenn Ihnen die darin kolportierte Meinung passt. Über Henkels Rücktritt wurde online erstmals am späten Donnerstag berichtet, am darauffolgenden Freitag (24. April) stand es in den Zeitungen. Der von Ihnen verlinkte Artikel zitiert den „Stern-RTL-Wahltrend“.

        Dazu heißt es auf der Internetseite der Stern-Illustrierten: „Datenbasis: Das Forsa-Institut befragte vom 20. bis 24. April 2015 im Auftrag des Magazins stern und des Fernsehsenders RTL 2506 repräsentativ ausgesuchte Bundesbürger, die durch eine computergesteuerte Zufallsstichprobe ermittelt wurden. Die statistische Fehlertoleranz liegt bei +/- 2,5 Prozentpunkten.“

      • Ein Ereignis vom 23. April kann doch durchaus eine Befragung beeinflussen, die vom 20. bis 24. April stattfand. Kritisieren Sie jetzt, dass der Effekt noch unterschätzt wird, da die anfangs Antwortenden das Ereignis nicht kannten?

      • Ich halte die Rechnung wie viele Parteien rechts von der CDU stehen schlicht für irreführend. Kommt es doch nicht auf deren schlichte Zahl an, sondern auf die Wähler die sie einbinden können.

        Tatsächlich sollte das Spektrum rechts von der Mitte gut 40 % betragen, und davon bekanntlich bestenfalls 10 % rechtsextrem sein.

        Das beschreibt das unmittelbare Potential – und das könnte zur mindestens der Hälfte von der AfD abgegriffen werden.

        Das FDP Potential wurde immer durch Leihstimmen verwässert – und das eine Mal, wo sie 15 % generierte wurden keine Versprechen eingehalten.

        Rechnungen einer Spaltung in eine Ost XXX, die dort sicherlich 15 % Potential hätte unter Mitnahme hochaktiver Westdeutscher Mitglieder – in NRW sind das etwa heute schon 40 % – würde sicherlich auch im Westen zu mindestens 3 % führen.

        Zusammen also locker 6 %.

        Eine reine Bernd Lucke Partei sahen wir nur im Landtagswahlkampf Niedersachsen, die dort zusammen mit den Freien Wählern auf 1,1 % kam.

        Spannend wäre es auch, wenn erhebliche Teile der Afd zur FDP wechseln würden. Immerhin muss diese in den Bundestag kommen, wenn sie die parteinahe Stiftung weiter mit Steuergeldern gepäppelt sehen will – immerhin 48 Millionen.

        Und – man kann heute eher in der FDP eine Abkehr vom Euro erwarten als von einer Lucke-AfD.

        Es bleibt also spannend – die kommenden Parteitage werden es zeigen in NRW wie im Bund

      • Die AfD hat immer noch ein Potential von über 20 Prozent. Die Frage ist, wie man dieses möglichst stark in reale Stimmen umsetzen kann. Rechtspopulistische Parteien können das höchstens kurzfristig, wie oft genug zu beobachten war. Im Übrigen sind zur Landtagswahl 2013 in Niedersachsen die Freien Wähler gerade nicht unter Führung von Herrn Lucke angetreten, sondern mit ihm als einem von mehreren vorderen Kandidaten. Das ist doch genau das, was Sie und andere Lucke-Gegner jetzt für die AfD wollen – mit erwartbaren 1,1 Prozent oder noch weniger dann ganz ohne ihn.

      • Man darf auch nie vergessen, dass die Institute einmal die wirklich wahrgenommene Stimmung messen und zum anderen eine Projektion ermitteln, in welcher längerfristige Überzeugungen und auch taktische Überlegungen der Wähler mit eingerechnet werden. Das heißt, dass eine Partei in der Stimmung beide male bei 5% steht, in der einen Woche die Projektion aber 6% vorhersieht und in der anderen Wochen dann 4%.

    • Was diese ganze Flügelitis, Resolutionitis, Mitgliederentscheiditis etc. anbelangt: wir sollten uns den Unsinn sparen! Schon gar nicht eine aus meiner Sicht destruktive ‚Richtungsentscheidung‘ erzwingen, sondern bis November ein gutes, für alle Parteimitglieder verbindliches Parteiprogramm bauen.

      Das dann im Wesentlichen ein bürgerlich-konservatives sein muss. Kein vorwiegnd marktliberales, ebensowenig ein vorwiegend nationalliberales. Denn das sind Randaspekte, die den ihnen gebührenden Platz von 2-5% erhalten dürfen, mehr nicht.

      Es wird u.a. von Starbatty des öfteren ddie Analogie gebracht vom Vogel, der mit beiden Flügeln schlagen muss, um fliegen zu können. Dem halte ich entgegen: beim Vogel sind 95% der Masse und 100% des Hirns in der Mitte zwischen den Flügeln versammelt. So ungefähr trifft das auch auf die AfD zu.

      Daher werde ich mich an keiner „Resolution“, aber an allen dieser unsinnigen Mitgliederentscheide beteiligen. Und jeden mit Ablehnung bescheiden.

      Die AfD wird gerade zerlegt, und zwar nicht vom politischen Gegnern. Sondern von ihrer Führung auf Bundes- und manchen Landesvorstandsebenen. Es zeigen sich umfassende Defizite diverser hoher Funktionäre in Sachen Teamfähigkeit, Führungs- und Sozialkompetenz, Kompromissfähigkeit, kritischer Selbstreflektion und was der Skills und Soft-Skills mehr sind, die für Personen in Führungsverantwortung großer Organisationen unabdingbar sind.

  4. Ein sehr theoretischer Gedankenansatz. Nichtbeachtet haben Sie die unterschiedlichen stärken der kleinen Parteien in den Bundesländern. So sind einige kleine Parteien nur in wenigen Bundesländern vertreten.

    Der aber viel wesentlichere Punkt, ist der Mensch Faktor. Funktionäre müßten uf Posten verzichten. Vertrauen müßte neu erarbeitet werden.

    Spätestens bei dem Thema Parteivermögen wird es chaotisch. Welche Buchhaltung ist stimmig. Wer läßt vor einer Fusion zu, dass sich in die Karten geguckt wird. Wie soll eine Fusion umsetzbar sein, wenn noch staatliche Zuwendungen erfolgen. Fusion setzt vorraus, dass eine Partei gelöscht wird.

    Eine gelungene Fusion ist die der WASFG und PDS. Was für ein Kraftakt.Ohne diese Fussion wäre dieLinke im Westen immer noch nicht in Parlamenten.

    Idealerweise würde sich die AfD auf einen Parteivorsitzenden einigen, der bisher keine Funktionen inne hat, wenig bekannt ist. Die jetzigen Funktionäre müßten sich also auf einen „noch Unbekannten“ einigen und selbst entsprechend verzichten..

    Luck wird Sprecher der AfD West und Petry für Ost. Der Voirstand führt die Partei, ohne Sprecherfunktion. Ein Vorstand, der mehr oder minder im Hintergrund der Öffentlichkeit die Partei weiter aufbaut.

    So könnten die bekannten Gesichter der AfD in Parlamente einziehen, ohne das eine Vorstandsarbeit zur Belastung wird. Ebenso können unterschiedliche politische Positionen
    erarbeitet werden, ohne das ein LVO oder BuVo durch Rücktritte aus Frust immer wieder zu nachwahlen aufrufen muß.

    • Eine Fusion steht doch momentan gar nicht zur Debatte. Mit wem auch, der FDP??? Die aktuelle Frage lautet, ob die Teile oder auch nur ein Teil allein besser dastehen als gemeinsam. Dabei ist eine echte Spaltung mit zwei Rechtsnachfolgern nicht möglich, sondern ein Teil könnte die AfD verlassen. Wenn alle in der AfD bleiben, muss man ein neues Arrangement finden, welches den öffentlichen Dauerstreit beendet oder zumindest begrenzt.

  5. Scheinbar stellen Wirtschaftsfeindlichkeit und Antiamerikanismus den viel tieferen Graben als innere Sicherheit und extremen Nationalismus dar.
    Eine Spaltung ist per se nicht erwünscht aber soll nicht um jeden Preis verhindert werden. Es gibt Positionen die nicht verhandelbar sind, s.g. rote Linie. Zu viele Stimmen berufen sich auf- und vertreten- Verschwörungstheorien. Ein Rückkehr zu Grundausrichtung wäre eine saubere Lösung aber so etwas ist nicht mehr realistisch.

  6. Eine additive Vorstellung wird erst dann möglich, wenn im November das Parteiprogramm auf den Markt kommt. Nur in Afrika, Neu-Guinea und Amazonien ist es noch möglich eine Frau zu heiraten, die man am Tag der Hochzeit zum erstenmal sieht.

    • Gibt es keine Möglichkeiten in Asien auch?

      Wunsch nach Abwahl Prof. Luckes, durch eine vermutete Minderheit, wird kein Rücksicht auf additive Risiken nehmen. Dieser Wunsch wird auch schon schriftlich zwischen den Sezessionisten kommuniziert.

      A propos Programm! Hoffentlich kurze, klare Formulierungen, Kernaussagen kompatibel mit Parteiausrichtung. Ziel des Programms darf es nicht sein alle Mitglieder zufriedenzustellen und in überlangen Sätzen Kompromise zu verstecken. Je unklarer formuliert wird, desto weniger Chancen hat diese Partei.

  7. Ach grau ist alle Theorie! Die Ursachen dafür, dass AfD wie FDP bei der BTW die 5% Hürde nicht schafften liegen auf der Hand. Die aus der FDP in die AfD übergetrenenen Mitglieder nahmen ihre Wähler mit bekanntem Ergebnis mit.

    Wenn man dagegen an einem Strang gezogen hätte, dann wäre uns allen das Damoklesschwert rot rot grün erspart geblieben. Ganz praktisch gesehen, kann jeden Tag ein Herr Gabriel daher kommen und die Groko aufkündigen. Grüne und Linke stehen schon lange bereit und wenn Gysi Wirtschaftsminister wird, wird die gesamte Linke euphorisch ihre Stimme dem um die Kanzlerschaft kandidierenden Gabriel geben.

  8. Wie ist das, in Deutschland dürfen Parteien nicht auf einer gemeinsamen Liste zu Wahlen antreten? Was ist denn das für eine unfaire Regelung.
    Normalerweise ist das doch in anderen EU-Ländern erlaubt. Bei Linken ist das doch sehr beliebt, Einheitsliste in Dänemark oder Linksblock in Portugal. In Wien bei den Landtagswahlen im Herbst treten KPÖ und Piratenpartei gemeinsam an.

  9. Diese recht abgehobene Überlegungen im luftleeren Raum übersehen eins:
    Die FDP ist wieder da!
    Jeder Wähler, der zwischen der FDP und einer (wirtschafts-)liberalen AfD mit gestutztem rechten Flügel schwankt, wird FDP wählen, weil er so die Chance für eine CDU/FDP Koalition sieht.

    Was, konkret Herr Dilger, würden Sie einem Wähler antworten, der fragt: „Warum soll ich Euch wählen und nicht FDP? “

    Die AfD kann nur mit einem gleichberechtigten rechten Flügel überleben!

    • Haben Sie sich schon einmal gefragt, warum die FDP wieder einen gewissen Aufwind erlebt (in der jüngsten Umfrage liegt sie jedoch wie die AfD bei 4 %)? Eben weil der rechte Flügel die AfD für liberale Wähler unattraktiv macht. Den liberalen Wählern folgen dann die (gemäßigt) konservativen, die zur Union zurückkehren, bis die AfD eine rechte Splitterpartei sein wird wie andere auch. Eine bürgerliche AfD könnten hingegen enttäuschte FDP- und CDU/CSU-Wähler wählen, weil sie gegen den Euro und den Linksruck von diesen Parteien eintritt. Diese Wähler wollen aber auch keinen Rechtsruck, sondern die bisherige Mitte weiter vertreten sehen.

      • Weil die Lügenpresse nach dem Ende von Schwarz-Gelb jetzt wieder auf pro FDP umschwenkt. Wer sich von der links-grünen Journaille hertreiben lässt, wie das ausgerechnet bei Ihnen als zumindest formellen Ex-FDPler der Fall zu sein scheint, hat schon verloren und wird nichts für Deutschland zum besseren wenden.

      • Sie wenden nichts zum Besseren, wenn Sie die AfD jetzt dorthin drücken wollen, wo schon viele erfolglose Parteien sind, in die Sie viel besser passen würden. Bitte erklären Sie mir, was Sie gegen die Republikaner oder PRO-Parteien haben. Ich weiß es wirklich nicht.

      • Man sollte die Analyse der möglichen Wählerwanderungen nicht so sehr statisch sondern mehr dynamisch sehen: Der rechte Flügel der AfD mit seinen dumpfen Parolen in Facebook schreckt auf jeden Fall bürgerliche Wähler ab. Eine „Neue liberale Alternative“ kann nicht nur Wähler der FDP, sondern auch Wähler der CDU gewinnen, wenn für die breite Masse deutlich wird (was bisher nicht der Fall ist), dass Merkels Europolitik die Krise letztlich nur verlängert und damit für Deutschland teurer gemacht hat. Eine vom rechten Rand erlöste AfD bzw. Neue liberale Alternative kann dann wesentlich glaubwürdiger auftreten als zur Zeit die AfD mit zwei nahezu unversöhnlichen Lagern.

      • Die AfD hat am Anfang genau diese Positionen vertreten und war damit erfolgreich. Für eine neue Partei müsste zuerst geklärt werden, wie sich nach ersten Erfolgen der Zustrom an Radikalen, Chaoten und Opportunisten verhindert lässt.

      • Ich habe nichts gegen REP, AUF und PRO. Wobei ich BIW noch besser finde und definitiv in Bremen wählen würde. Ulfkotte finde ich klasse. Hingegen würde ich eine AfD der Weichspüler und Opportunisten, der Neoliberalen und Transatlantiker, allesamt vaterlands- und rückgratlos, unter keinen Umständen wählen. Sie können sich von der Lügenpresse hertreiben lassen und stehen bei „viel Erfolg“ irgendwann vielleicht so da wie Westerwelle heute.

      • Wenn Sie so ehrlich sind und zugeben, nichts gegen diese Parteien zu haben, warum arbeiten Sie nicht bei einer von ihnen mit? Was ist gewonnen, wenn die AfD auch noch so wird? Im Übrigen steht die AfD prozentmäßig in den Umfragen dort, wo auch die FDP heute steht, während sie unter Westerwelle über 14 % schaffte. Eine ehrliche liberale Partei hat nämlich durchaus Chancen, die eine weitere rechtspopulistische Partei nicht bietet.

      • Natürlich versuche ich, meine begrenzten Ressourcen bestmöglichst einzusetzen. Ich wähle und spende entsprechend. Was parteiinterne Mitarbeit angeht, dürfte eine AfD im Richtungsstreit davon am meisten profitieren. Meiner Überzeugung nach hat jeder Deutsche in seinem Bereich einen Beitrag für Deutschland zu leisten. Ich überlege mir häufig, was ich noch tun kann.

      • Im Prinzip läuft es darauf hinaus, dass wir unsere Kräfte gegeneinander statt gemeinsam für Deutschland einsetzen. Wäre es nicht effizienter, wenn Frau Petry und Herr Lucke sich irgendwie einigen oder sogar losen würden, wer die AfD weiter führt und wer ohne weiteren Streit das Feld räumt? Jeder hat doch auch noch andere Möglichkeiten, Sinnvolles zu tun.

    • Nachtrag:
      Der Wähler der FDP weiß, dass die FDP Chancen hat, einen Teil ihres Programmes als Regierungspartei umzusetzen. Und die neue FDP wird alles tun AfD Wähler einzufangen, etwa indem sie Euro-Kritiker wie Frank Schäffler vorne dran stellt.
      Glechzeitig wird die CDU, egal wie mittig sich die AfD gibt, betonen, nie mit der „rechtslastigen“ AfD zusammen zu arbeiten.

      Die AfD muss auf die NICHT-Wähler als Zielgruppe setzen und dazu eben eine große innere Spannung aushalten. Nur so hat die AfD Chance etwas zu verändern im Land. Wenn Lucke dies nicht schafft, nicht integrieren kann, dann halt ein anderer

      • Wenn die FDP „Euro-Kritiker wie Frank Schäffler vorne dran stellt“, dann haben wir eine neue Situation. Danach sieht es momentan aber überhaupt nicht aus. Also könnte die AfD viele liberale Wähler gewinnen bzw. halten, aber nicht mit Ihren Rezepten. Herr Lucke ist durchaus integrativ, doch was soll er denn machen, wenn seine Gegner ihn dauernd angreifen und Herrn Henkel aus dem Vorstand mobben? Im Resultat ist die AfD nicht etwa gestärkt, sondern unter fünf Prozent gesunken. Wenn sie Ihrem Rat folgt und jetzt auch noch Herrn Lucke entsorgt, wird sie bald unter fünf Promille sinken.

      • „Innere Spannung aushalten“? Sie meinen, Positionen aufgeben um Wählerstimmen wie im Osten zu maximieren? Also, rein populistisch agieren? Bundesweit ist es kein Rezept mit Aussicht auf Erfolg.

      • Wer annimmt, dass die Nichtwähler zum großen Teil politische Thesen von Gauland, Höcke und Petry vertreten, irrt gewaltig.

        Die Gruppe der Nichtwähler ist schwer in politische Lager einzuordnen. Mehrheitlich sind es vom Parteiensystem enttäuschte und Mitmenschen, denen Politik vollkommen egal geworden ist.

        Bei der AfD gibt es zaghafte Versuche, die Nichtwähler anzusprechen, jedoch ohne hinreichendes Konzept. Mehr noch, die AfD ist im Politdschungel der Parteien/Medien gefangen mit einer unzulänglichen Führung.

        Die AfD ist in allen Bundesländern von „RECHTEN“ als neue aktrative Partei entdeckt worden. Sie sind aber eine Minderheit, die man entsprechend mit wenigen Funktionsposten ausstatten sollte.

        Hier in Hamburg finde ich die AfD in der Bürgerschaft erfrischend aktiv. Leider wird das von den Medien nicht genügend erkannt, bzw. den Nichtwählern gezeigt.
        Es fehlt eben auch hier das Konzept, den Bürger zu erreichen. Aber, ich bin schon positiv überrascht. Hingegen ist der Landesverband selbst ehr unscheinbar, die kommunalen Fraktionen noch mehr. Irgendwie gibt es die garnicht^^.

        Die moralischen Ansprüche an Funktionäre in der AfD sind geprägt von einem Gutmenschentum, dass im realen Leben so nicht mehr wirklich vertreten ist.

        Wer ex Unternehmer, geschiedene, oder „Fremdgeher“ , ja auch arbeitslose Fachkräfte, verschuldet Mitmenschen als ein „no go“ sieht, will diese Gruppe
        Mitmenschen nicht. Entsprechend auch nicht aus dem Lager der Nichtwähler, oder?

        Eine alternative Volkspartei müßte eben einen Umgang mit allen Lebensbiographien hinbekommen, dann würde der Anteil der Nichtwähler geringer.
        Wie gesagt, das Konzept fehlt, wie man dies geschickt hinbekommt.

        So ist die AfD zu einer ganz gewöhnlichen Partei geworden, mit ganz normalen verfall Erscheinungen nach ersten Erfolgen. Wie bei der Schill Partei und bei den Piraten, als die ersten Führungskräfte in Parlamenten ihren Sitz fanden, wurden die Parteien mehr oder minder führungslos und gerieten ausser Kontrolle.

        Mir ist bis heute von der AfD nicht erklärt worden, warum man einen Lucke nach Brüssel schickt. Wer soll denn dann mal im Bundestag sitzen?

        Strategisch vollkommen falsch angefangen, sich in Parlamenten ein zu nisten.
        Kruse müßte nun im Hambutrg einen anderen LVO aufbauen, ohne ihn und die Bürgerschaftsfunktionäre, gleiches in den neuen Bundesländern.

        Ebenso müßten Personen für den Bundestag ausgesucht werden und aufgebaut werden, eben Mitglieder die nicht in „Funktion“ sind.

        Ich sehe daher die AfD bei ihrem jetzigen Strategiekurs als gescheitert. Wenn in Bremen 4 % erreicht werden, würde es mich schon wundern.

  10. Pingback: Subadditive Parteien | FreieWelt.net

  11. Offen gesagt halte ich den Begriff „liberal-konservativ“ für eine Chimäre. Es gibt zwar zwischen beiden politischen Richtungen gewisse inhaltliche Überschneidungen, die auch für eine Kooperation zwischen einer konservativen und einer liberalen Partei, ob das nun eine Koalition oder eine Tolerierung einer Minderheitsregierung der einen durch die andere ist, ausreichen. Die programmatischen Unterschiede und die dahinterliegenden weltanschaulichen Voraussetzungen sind jedoch zu groß um beide Strömungen dauerhaft in einer Partei zu vereinigen. Eine solche Partei muss meines Erachtens mittelfristig entweder im programmatischen Nirwana landen, womit sie überflüssig wie ein Kropf wäre, oder sich in endlosen internen Flügelkämpfen aufreiben. So oder so wird so einer Partei kein Erfolg beschieden sein.
    Dagegen bin ich nach wie vor der Überzeugung, dass eine Partei wie die Dänische Volkspartei, die Schwedendemokraten oder Ukip auch in Deutschland locker 8 – 15% einfahren könnte. Das zeigen die Zustimmungsraten zu PEGIDA oder Herrn Sarrazin und meines Wissens herrscht auch in der Politikwissenschaft Konsens darüber, dass dieses Potential vorhanden ist. Dagegen spricht auch nicht, dass es bis jetzt ähnliche Parteien, ob nun Republikaner, Freiheit oder Schill-Partei, nicht geschafft haben. Diese Parteien sind meiner Meinung nach nämlich nicht an ihrer Programmatik, sondern an in allererster Linie an mangelnder Professionalität, Disziplinlosigkeit und den Defiziten ihres Führungspersonals gescheitert. Meine Hoffnung ist, dass es innerhalb der AfD jetzt schnell zu einer Klärung kommt, bei der sich der konservative Flügel durchsetzt, dann Ruhe einkehrt und Frau Petry vielleicht doch noch unsere Pia Kjaersgaard wird. Allzu groß ist diese Hoffnung allerdings nicht mehr.

    • Sie haben hier einen anderen Begriff von „konservativ“ als ich. Für mich ist Herr Lucke konservativ, nicht aber Herr Höcke & Co. Letztere haben langfristig bundesweit kein Potential. An „mangelnder Professionalität, Disziplinlosigkeit und den Defiziten ihres Führungspersonals“ gibt es doch auch da keinen Mangel.

  12. Pingback: Zur bundesweiten Ausdehnung der CSU | Alexander Dilger

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