Deutsche Wirtschaft wächst ordentlich

Das Frühjahrsgutachten der führenden deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute führt zu dieser „Gemeinschaftsdiagnose: Kräftiger Aufschwung dank günstigem Öl und schwachem Euro“. Dies sind für mich die wichtigsten Aussagen aus der heutigen Pressemitteilung jeweils mit Kommentar:

Die deutsche Wirtschaft befindet sich in einem kräftigen Aufschwung. Sie wird stimuliert von unerwarteten expansiven Impulsen, insbesondere dem Verfall des Ölpreises und der starken Abwertung des Euro.

Der Verfall des Ölpreises ist gut (zumindest für Deutschland und die anderen Ölimportnationen), die starke Abwertung des Euro hingegen nicht (s. u.).

Das Bruttoinlandsprodukt wird in diesem Jahr voraussichtlich um 2,1 Prozent steigen. Das 68-Prozent-Prognoseintervall reicht dabei von 1,4 bis 2,8 Prozent. Dabei ist der Konsum die Stütze des Aufschwungs.

Dies ist ein starker Anstieg in der Prognose gegenüber 1,2 % noch im letzten Herbstgutachten. Das große Prognoseintervall zeigt allerdings eine weiterhin vorhandene hohe Unsicherheit an.

Die Geldpolitik ist in den vergangenen Monaten insgesamt nochmals expansiver geworden.

Das kann man wohl sagen, insbesondere für die EZB.

In den fortgeschrittenen Volkswirtschaften dürfte die Finanzpolitik in diesem und im nächsten Jahr kaum noch restriktiv ausgerichtet sein.

Auch das trifft zu, wobei insbesondere die wenig zukunftsträchtigen zusätzlichen Ausgaben ein Problem sind bzw. dann werden, wenn die Steuern irgendwann weniger sprudeln und die Zinsen wieder steigen sollten.

Das Bruttoinlandsprodukt dürfte im ersten Quartal 2015 um 0,6 Prozent zugelegt haben.

Das ist recht deutlich und dürfte zum Anheben der Prognose für das ganze Jahr geführt haben.

Der private Konsum ist die Stütze des Aufschwungs. Er profitiert vom Ölpreisverfall, der die Kaufkraft der Verbraucher stärkt. Zudem wird er von steigenden Löhnen in Folge der guten Arbeitsmarktlage angeregt.

Das ist begrüßenswert.

Vor allem wegen der deutlich gesunkenen Importpreise steigt der Leistungsbilanzüberschuss in Relation zum Bruttoinlandsprodukt auf 8,5 Prozent.

Das ist hingegen nicht begrüßenswert, sondern ein großes Ungleichgewicht. Deutschland müsste mehr importieren oder zumindest echtes Kapital im Ausland bilden. Diesem Überschuss stehen jedoch vor allem Transfers und uneinbringliche Kredite einschließlich Targetsalden gegenüber.

[D]ie Zukunft der Währungsunion ist weiter unsicher. Schließlich dürften einige wirtschaftspolitische Entscheidungen hierzulande wie die Einführung des Mindestlohns die Investitionsbereitschaft der Unternehmen im Inland weiter beeinträchtigen.

Die Zukunft des Euro bleibt unsicher, bis er Vergangenheit ist. Die Einführung des Mindestlohnes war auch ein Fehler, der aber vermutlich nicht mehr korrigiert werden wird.

Die Beschäftigungsperspektiven sind weiter sehr günstig. Die Einführung des allgemeinen gesetzlichen Mindestlohns führt allerdings zu Rückgängen bei der geringfügigen Beschäftigung. Unter Berücksichtigung aktueller Daten ist unterstellt, dass sie im Prognosehorizont um 220 000 Personen sinkt.

Wegen des allgemeinen Beschäftigungsanstiegs ist das nicht so schlimm, trifft aber trotzdem gerade besonders Bedürftige und dürfte im nächsten Abschwung ein ernsthaftes Problem werden.

Die Verteuerung von importierten Waren und Dienstleistungen infolge der deutlichen Abwertung des Euro wird im Prognosezeitraum zunehmend an die Verbraucher weitergegeben.

Für Deutschland mit den hohen Exportüberschüssen ist das genau die falsche Reaktion. Die Importe müssten hierzulande eigentlich billiger werden, was wegen des Euro nicht der Fall ist.

Die Inflation wird aber voraussichtlich mit 0,5 Prozent in diesem und 1,3 Prozent im kommenden Jahr deutlich unter der 2-Prozent-Marke bleiben.

Deflationsgefahren dürften damit gebannt sein.

Insgesamt ist die wirtschaftliche Lage in Deutschland recht gut, doch ohne Euro wäre sie noch viel besser. Selbst wenn das Wachstum in der eigenen Währung dann etwas geringer sein sollte, wäre diese Währung viel mehr wert und ginge es den Deutschen real besser.

21 Gedanken zu „Deutsche Wirtschaft wächst ordentlich

  1. „Die deutsche Wirtschaft befindet sich in einem kräftigen Aufschwung“. Alles ist relativ. Ein Wachstum liegt unstreitig vor; aber als „kräftig“ würde ich das nicht benennen wollen, wie es die Gutachter einmal mehr bezeichnen; allenfalls im Vergleich zu den übrigen Volkswirtschaften in der Euro-Zone „solide“ wäre nach meinem Dafürhalten angemessen. Ansonsten volle Zustimmung zu Ihrer differenzierten Analyse des Gutachtens. Vielen Dank.

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  3. Wenn der zu erwartende Aufschwung dann zu einer weiteren Steigerung des Steueraufkommens führt, sollte dies endlich einmal auch dazu genutzt werden, die kalte Progression zu korrigieren.
    Dies wäre auch ein Konjunkturprogramm und würde den Aufschwung durch die Steigerung der Binnennachfrage unterstützen. Ebenso wie Infrastrukturmaßnahmen wie z.B. die Reparatur unserer maroden Straßen. Aber es steht zu befürchten, dass diese Gelder schon anderweitig verplant sind, wenn wir hören, dass Schäuble die Griechen auch nach dem Ausscheiden aus dem Euro weiter unterstützen will. Anscheinend ist so etwas wie Harz IV für Euroländer geplant mit Deutschland als Sozialamt..

  4. Ein Wirtschaftswachstum dürfte je Bundesland unterschiedlich sein. Gibt es da detalierte Prognosen? Profitieren ehr Länder wie Bayern und Bad Würth. ? Stagniert es in den neuen Bundesländern?

    Der Mindeslohn führt nicht zu einer Konsumsteigerung. Das soll mir mal einer belegen. Die Mindeslohn Empfänger bekommen lediglich weniger aufstockend Hartz IV. Abr mehr Einkommen unter dem Strich haben die nicht.

    Unternehmer haben Aufgrund des Mindeslohn Preise angehoben. Ist also ein Wirtschaftswachstum Inflationsbereinigt, oder letztlich nur ein höherer Umsatz durch Preissteigerung ?

    Erhellend wäre auch eine Information, um wieviel der Import sich gesteigert hat, denn viele Importgüter gehören auch in den Konsumbereich.

    Nun sollte ja durch das Handeln der EZB auch dafür gesorgt werden, dass mehr Kredite für die Wirtschaft vergeben werden. Ist das geschehen ? Für das zu mehr Umsatz ? Wenn ja wie hoch ist der Anteil an der Prognose zu diesem Sachverhalt ?

    In meiner Branche sind solche Wirtschaftsteigerungen nicht wirklich festzustellen. Warum sollte auch mehr getrunken werden ? Oder warum sollt mehr gegessen werden ?
    Es dürften also andere Branchen profitieren.

    • Warum schauen Sie nicht selbst in das Gutachten oder zumindest die ausführliche Pressemittielung? Eine Aufschlüsselung nach Bundesländern erfolgt nicht. Es wird nicht behauptet, dass der Mindestlohn zu einer Konsumsteigerung führt, sondern er senkt im Gegenteil die Beschäftigung und die Investitionen (die beide insgesamt aus anderen Gründen trotzdem wächsen). Es geht um das reale, inflationsbereinigte Wirtschaftswachstum. Die Importe sollen 2015 real um 5,9 % steigen und 2016 um 5,8 %. Die Investitionstätigkeit nimmt zu, aber eher aus anderen Gründen. Nahrungsmittel können hochwertiger werden, doch mehr essen und trinken können die Deutschen kaum noch.

  5. Derartige Prognosen wirken auf mich wie Kaffeesatzlesen. Sie berücksichtigen so viele Faktoren nicht und es findet auch einfach kein Umdenken in Bezug auf die Grenzen des Wachstums vor dem Hintergrund so grundlegender Veränderungen wie dem der Altersstruktur unserer Bevölkerung statt.

  6. Um die Folgen des Mindestlohns abzufedern, gehen Unternehmen ganz offensichtlich verschiedene Wege. Hier ein Beispiel aus einer Filialkette des Schuh-Einzelhandels (bundesweit zweitgrößter Player am Markt): Die Geschäftsleitung legt den Personalschlüssel für jede einzelne Filiale fest, also X Mann/Frau-Stunden. Nicht überraschend, dass in diesem defizitären Handelsbereich schon seit Jahren knapp und knapper kalkuliert wird. Zu Beginn des Jahres 2015 wurden keine Mitarbeiterinnen entlassen, stattdessen wurde deren Zeitkontingent gekürzt. Jede hat also nach wie vor das gleiche Einkommen, arbeitet dafür aber weniger Stunden. Wie werden nun die Stundenkürzungen aufgefangen? Verantwortlich dafür sind die Führungskräfte: durch perfekt abgestimmte Dienstpläne, bei denen nichts schiefgehen darf (Krankheit, Verspätungen und andere Abwesenheitsgründe), und indem sie selbst einspringen und zusätzlich zu ihren eigenen Arbeitsverpflichtungen die weniger qualifizierte Arbeit erledigen.
    Und nun volkswirtschaftlich betrachtet: Arbeitseinkommen sind nicht gestiegen (also auch nicht mehr Konsum möglich), Arbeitsbelastungen aber sehr (Gefahr von Burn-out, Frühverrentung).

  7. „Diesem Überschuss stehen jedoch vor allem Transfers und uneinbringliche Kredite einschließlich Targetsalden gegenüber.“

    Kann es sein Herr Dilger, dass Sie für immer im Jahr 2010 geblieben sind, als die Eurokrise begann. Sonst wäre Ihnen vielleicht aufgefallen, dass die Erde sich weitergedreht hat und dass inzwischen nur noch ca. 30% des deutschen Handelsüberschusses auf die Eurozone entfallen (im Jahr 2010 waren es ca. 58%). Oder was meinen Sie eigentlich mit „Diesem Überschuss stehen jedoch vor allem Transfers und uneinbringliche Kredite einschließlich Targetsalden gegenüber.“ Ohnehin ist mir nicht ganz klar wieso Kredite an Frankreich und Österreich (auf diese entfallen 85% des Eurozone-Überschusses bzw. 26% des Gesamtüberschusses) „uneinbringlicher“ sein sollen als die an USA und Grossbritanien (42% des Gesamtüberschusses). Oder irre ich mich, und die „Uneinbringlichkeit“ der Kredite hat bei Ihnen jetzt (ausnamsweise) nichts mit Euro zu tun? Und welche Transfers meinen sie eigentlich? Ich kenne keine außer vielleich den ca. 14 Mrd EU-Zahlungen, die aber wohl nichts mit Euro zu tun haben.

    „Selbst wenn das Wachstum in der eigenen Währung dann etwas geringer sein sollte, wäre diese Währung viel mehr wert und ginge es den Deutschen real besser.“

    Nun inzwischen haben wir ja ein Land, dass ihre Empfehlungen gewissermaßen in die Praxis umgesetzt hat – das wäre die Schweiz, die ihre Euro-Bindung Anfang des Jahres gelöst hat (wenngleich dies immer noch viel einfacher ist als eine Auflösung einer Währungsunion). Das Ergebnis – http://www.handelszeitung.ch/konjunktur/schweiz/iwf-waehnt-schweiz-als-wachstumsschlusslicht-768372. Aber die Schweizer verstehen wohl ihr eigenes Glück nicht, sie sollten vielleicht Sie fragen. Deflationsgefahren sind dort auf jeden Fall nicht gebannt, im Gegenteil – es sind keine Gefahren mehr sondern Realität (-0,9 Prozent im März mit sinkender Tendenz).

    • Im Gegensatz zu Ihnen verfolge ich die Eurokrise die ganze Zeit und habe ich auch kein simplizistisches Verständnis, dass mit jedem einzelnen Land die Zahlungsbilanz ausgeglichen sein müsste. Zu den enormen deutschen Leistungsbilanzüberschüssen muss es eine Gegenposition geben, aber die deutsche Regierung kann durchaus von deutschen Unternehmen und Arbeitnehmern erwirtschaftete Exporterlöse in den USA oder China nach Griechenland transferieren. Dass es in den Euroraum kaum noch Handelsüberschüsse gibt, weil die meisten Volkswirtschaften dort hinreichend geschwächt wurden, ist auch ein zusätzliches Argument gegen den Euro und nicht für ihn. Die Schweiz befindet sich in einer ganz anderen Lage als Deutschland und muss auch nicht die Aufwertung gegenüber Griechenland fürchten, sondern insbesondere gegenüber Deutschland. Wenn es wieder die D-Mark gäbe, würden alle davon profitieren, auch die Schweizer und sogar Sie persönlich, auch wenn Sie das nicht verstehen wollen.

      • „Im Gegensatz zu Ihnen verfolge ich die Eurokrise die ganze Zeit und habe ich auch kein simplizistisches Verständnis, dass mit jedem einzelnen Land die Zahlungsbilanz ausgeglichen sein müsste.“

        Muss ich jetzt diesen Satz verstehen? Ich weiß nicht warum Sie eigentlich meinen nur Sie sind in der Lage (und willens) sich zu informieren, zur Euro-Krise und zu anderen Themen, aber ob Sie es glauben oder nicht, ich tue es auch. Und wer hat eigentlich davon gesprochen, dass „mit jedem einzelnen Land die Zahlungsbilanz ausgeglichen sein müsste“. Ich nicht und Sie auch nicht.

        „Zu den enormen deutschen Leistungsbilanzüberschüssen muss es eine Gegenposition geben, aber die deutsche Regierung kann durchaus von deutschen Unternehmen und Arbeitnehmern erwirtschaftete Exporterlöse in den USA oder China nach Griechenland transferieren.“

        Selbstverständlich könnte sie das. Sie könnte auch mit den Überschüssen Raketen finanzieren und diese dann ins All schießen. Beides würde sich allerdings in einer stark steigenden Staatsverschuldung zeigen, wir beobachten aber das genaue Gegenteil. Es geht aber nicht darum was die Bundesregierung könnte sondern darum was sie tut. Was Griechenland konkret angeht, in 2014 hat Griechenland genau 8,3 Mrd EUR vom EFSF bekommen (Kredite keine Transfers), davon entfallen auf Deutschland ca. 2,2 Mrd. Das sind ca. 1% des deutschen Handelsüberschusses von 2014. Welchen Sinn hat also ihre Aussage?

        „Die Schweiz befindet sich in einer ganz anderen Lage als Deutschland und muss auch nicht die Aufwertung gegenüber Griechenland fürchten, sondern insbesondere gegenüber Deutschland.“

        Inwiefern ist die Lage eine andere? Das verstehe ich nicht. Wenn eine Währung aufwertet verschlechtert sich die Wettbewerbsfähigkeit der Exportindustrie, das gilt für Deutschland genauso wie für die Schweiz.

        P.S

        Könnten sie vielleicht doch sagen, welche Transfers sie eigentlich meinen. Würde mich wirklich interessieren.

      • Leider verstehe ich Ihre Argumentation nicht, wenn Sie jetzt meine Antwort zurückweisen. Sie hatten doch behauptet, dass Exportüberschüssen gegenüber bestimmten Ländern Kredite an genau dieselben Länder gegenüberstehen müssten, oder nicht? Ich habe hingegen keine Aussage über den deutschen Staat getroffen, zu dem ohnehin neben dem Bundeshaushalt auch die Bundesbank gezählt werden müsste, sondern über die hiesige Volkswirtschaft insgesamt.

        Gerade habe ich mir die Kapitalbilanz im jüngsten Monatsbericht der Bundesbank angesehen. Leider erfolgt dort keine Aufschlüsselung nach Ländern, doch die meisten Kapitalexporte erfolgen in Form von langfristigen Schuldverschreibungen, wozu auch griechische Staats-, Bank- und Unternehmensanleihen gehören. Jedenfalls sind die Kapitaleinkommen daraus lächerlich niedrig. Die Finanzinstitute transferieren ebenfalls erhebliche Summen, dazu kommen Fianzderivate. Interessant finde ich außerdem den (fiktiven) Anstieg der Auslandsverbindlichkeiten der Bundesbank in Höhe von 41 Milliarden Euro wegen des Bargeldabflusses. Im Vergleich zu nationalen Währungen entspricht das einer Quersubventionierung der anderen Euroländer.

        Die Schweiz ist viel kleiner als Deutschland, außerdem ist ihr Finanzsektor im Verhältnis zur Realwirtschaft viel größer. Auch geringere Aufwertungen beeinträchtigen natürlich die Exporte und steigern die Importe, doch das ist bei einem exorbitanten Exportüberschuss durchaus sinnvoll. Sollte dieser tatsächlich verschwinden und Deutschland irgendwann einen Importüberschuss aufweisen, könnte immer noch im Währungsmarkt interveniert werden. Der Euro selbst wirkt wie eine Dauerintervention in die falsche Richtung.

      • „Sie hatten doch behauptet, dass Exportüberschüssen gegenüber bestimmten Ländern Kredite an genau dieselben Länder gegenüberstehen müssten, oder nicht?“

        OK, jetzt habe ich verstanden, was Sie meinen. Nein, das habe ich nicht gemeint, aber möglicherweise konnte man das aus meinen Ausführugen ableiten.

        Jetzt habe ich allerdings die Zahlen der Bundesbank zur Zahlungsbilanz für 2014 (http://www.bundesbank.de/Redaktion/DE/Downloads/Veroeffentlichungen/Statistische_Beihefte_3/2015/2015_03_zahlungsbilanzstatistik.pdf) und 2010 (http://www.bundesbank.de/Redaktion/DE/Downloads/Veroeffentlichungen/Statistische_Beihefte_3/2011/2011_03_zahlungsbilanzstatistik.pdf).

        Es ergeben sich für 2014 folgende Fakten: im Jahr 2014 hat Deutschland netto für insgesamt ca. 296 Mrd Euro ausländische Investitionen getätigt. Diese wurden zu einen aus einer Leistungsüberschuss von ca. 220 Mrd Euro und zum anderen aus den ausländischen Investitionen in Deutschland von ca. 49 Mrd Euro. Die restlichen 27 Mrd Euro sind zum einen aus einer Veränderung der Auslandsposition der Bundesbank von ca. -44 Mrd Eur und zum anderen aus „statistisch nicht aufgliederbaren Transaktionen“ von ca. 21 Mrd Euro (und irgendwo unter dem Teppich sind noch 4 Mrd, man muss nur wissen wo).

        Von den besagten 296 Mrd Euro sind ca. 100 Mrd Euro oder 34% im Euro-Währungsgebiet investiert worden, der überwiegende Teil in Frankreich, Luxemburg und Niederlanden (Seite 39 des Berichts).

        Zum Vergleich Zahlen aus 2010: insgesamt ca. 388 Euro netto investiert, darunter 284 Mrd Euro oder 74% im Euro-Währungsgebiet.

        Wie gesagt, die Erde hat sich seit 2010 weitergedreht.

        Das sind also die Fakten, jetzt können Sie vielleicht erklären, wie man aus diesen Fakten (Stand 2014) die Aussage ableitet: „Diesem Überschuss stehen jedoch vor allem Transfers und uneinbringliche Kredite einschließlich Targetsalden gegenüber.“

        „Interessant finde ich außerdem den (fiktiven) Anstieg der Auslandsverbindlichkeiten der Bundesbank in Höhe von 41 Milliarden Euro wegen des Bargeldabflusses. Im Vergleich zu nationalen Währungen entspricht das einer Quersubventionierung der anderen Euroländer.“

        Ich weiß nicht, warum Sie von einer Quersubventionierung sprechen. Fakt ist: die Deutschen benutzen tatsächlich mehr Bargeld als andere Europäer und u.a. nehmen sie dieses Geld auch gerne ins Ausland (als Touristen aber auch als Geschäftsreisende) mit. Dieser Vorgang entspricht den von Ihnen so geliebten Targetsalden. Wenn Sie da eine Quersubventionierung unterstellen, müssen Sie schon nachweisen, dass der Saldo-Bargeldabfluß signifikant kleiner ist als die besagten 41 Mrd EUR.

      • Für den Euroraum stehen da tatsächlich 100 Milliarden Euro. Davon flossen 46 Milliarden Euro nach Frankreich, welches man zu den Südländern zählen mag oder nicht. Viel interessanter ist jedoch die noch größere Summe von fast 49 Milliarden Euro, die nach Luxemburg geflossen ist. Glauben Sie wirklich, dass dieses Kapital real im kleinen Luxemburg investiert und nicht über Fonds etc. weitergereicht wurde? Wohin, kann ich anhand der Zahlen allerdings auch nicht sagen. Dasselbe gilt für den Großteil der 98 Milliarden Euro, die nach Zentralamerika geflossen sind. Damit ist bereits die Hälfte irgendwo, während die EZB-Positionen noch gar nicht erfasst sind.

        Bei dem Bargeld geht es vor allem um Abflüsse aus dem Euroraum, während Bargeldabhebungen in anderen Euroländern gerade nicht erfasst würden (sondern die Targetsalden senken). Traditionell wurde die DM gerne ausgeführt, was sich auf die Euro aus Frankfurt übertragen hat, was der Bundesbankanteil an der EZB nicht hinreichend abbildet.

      • Das heißt also die einzige Begründung für Ihr Behaupten der „uneinbringlichen Kredite“ ist Ihr fehlendes Wissen darüber wo genau die Kredite geflossen sein könnten. Nicht sehr überzeugend. Was die Transfers angeht, haben Sie meine Frage ja jetzt schon zum zweiten Mal ignoriert, woraus ich schließe, dass auch ihnen angesehen von den EU-Transfers und ggf. der Entwicklungshilfe keine anderen Transfers bekannt sind, schon gar keine Eurozone-spezifische Transfers.

        Was die Bundesbank-Positionen inkl. der Target-Salden angeht, diese haben sich, wie ich schon gesagt habe 2014 um 44 Mrd EUR verringert.

        „Bei dem Bargeld geht es vor allem um Abflüsse aus dem Euroraum…“

        Ehrlich gesagt kann ich diese konkreten 41 Mrd nicht finden, vielleicht können Sie mit die Seite im Dokument sagen, wo sie stehen. Ihrer Logik kann ich aber nicht folgen. Wenn ich ihre Interpretation recht verstehe, sind diese 41 Mrd der Bundesbank-Anteil an den Auslandsverbindlichkeiten der EZB, die aus den Bargeldabflüssen in die Länder außerhalb der Eurozone entstehen. Soweit so gut. Was hat es nun mit dem Bundesbananteil am Kapital der EZB zu tun? Wird der Anteil an Bargeld-Verbinlichkeiten aus dem Anteil am Kapital abgeleitet? Glaube ich zwar nicht, aber nehmen wir das mal an. Dann müsste man doch den Anteil VERRINGERN damit die Verbindlichkeiten der Bundesbank geringer werden. Ist es das, was sie mit „nicht hinreichend abbildet“ meinen?

      • Die Umstellung der Bargeldverbuchung wird auf S. 96-98 im von mir bereits angeführten Monatsbericht erklärt. 2014 lagen die Abflüsse bei 28 Milliarden Euo (S. 98), währen die 41 Milliarden die Veränderung der Gesamtposition der Bundesbank darstellen (S. 93). Der Nachteil für die Bundesbank ergibt sich durch folgende Regelung (S. 98), wenn man einen vergleichbaren Abfluss von DM unterstellt:

        Überemission an Banknoten: Sie errechnet sich aus der tatsächlichen deutschen Banknotenemission (508 ½ Mrd € Ende 2014) abzüglich der Banknotenemission gemäß Verteilungsschlüssel. Dem Betrag nach belief sich die Überemission auf 268 Mrd €. Sie wird außenwirtschaftsstatistisch als Auslandsverbindlichkeiten aus Einlagen anderer nationaler Zentralbanken bei der Bundesbank ausgewiesen.

      • NACHTRAG:

        Bargeldabhebungen in anderen Euroländern gerade nicht erfasst würden (sondern die Targetsalden senken):

        Das ist falsch (siehe hier: http://www.bundesbank.de/Redaktion/DE/Pressemitteilungen/BBK/2015/2015_03_12_geschaeftsbericht_2014_bilanz.pdf). Target2-Saldo Ende 2014 460 Mrd EUR (Unter Akiva „Forderungen inerhalb des Euro-Systems->sonstige Forderungen), Bargeld-Verbindlichkeiten 260 Mrd EUR (Unter Passiva „Verbindlichkeiten innerhalb des Euro-Systems->Verbindlichkeiten aus der Verteilung des Euro-Banknotenumlaufs“.

      • Inwiefern spricht das gegen meine Aussage? Wenn Sie Bargeld ins Urlaubsland mitnehmen, ist das hier ein Bargeldabfluss. Wenn Sie das Geld in Griechenland aus dem Automaten ziehen, ist das in Deutschland kein Bargeldabfluss, sondern führt zu einer Verbuchung über das Targetsystem.

      • „Wenn Sie Bargeld ins Urlaubsland mitnehmen, ist das hier ein Bargeldabfluss. Wenn Sie das Geld in Griechenland aus dem Automaten ziehen, ist das in Deutschland kein Bargeldabfluss, sondern führt zu einer Verbuchung über das Targetsystem.“

        Oh, dann habe ich die Aussage falsch verstanden. Ich dachte sie meinten Bargeldabflüsse aus Deutschland in andere Euro-Länder würden vom Target-Saldo abgezogen. So wie Sie das jetzt formulieren ist es korrekt.

        Jetzt aber zurück zu unseren gestohlenen 28 Mrd (immerhin nicht mehr 41). Was genau finden Sie am Ablauf denn falsch bzw. ungerecht? Wenn ich das Dokument richtig verstehe, hat die deutsche Bundesbank seit der Euro-Einführung insgesamt 508 Mrd. Euro Bargeld emittiert. Genau diese werden in ihrer Bilanz als Verbindlichkeiten ausgewiesen, allerdings an zwei Stellen, einmal als (aus dem Verteilungsschlüssel errechneter) inländischer Banknotenumlauf von ca. 241 Mrd Euro und einmal als „Verbindlichkeiten aus der Verteilung des Euro-Banknotenumlaufs“ – das ist der Bargeldabfluss – von ca. 267 Mrd Euro. Diese 267 Mrd Euro sind dementsprechend eine Auslandsverbindlichkeit der Bundesbank und mindern somit das Nettoauslandsvermögen. Der Ablauf entspricht m.E genau dem aus den Target2 – Abrechnung. Meinen Sie etwa dass der tatsächliche inländische Banknotenumlauf in Wirklichkeit höher ist, so dass die Auslandsverbindlichkeit niedriger ausfallen müsste. Das mag sein, allerdings scheint die Bundesbank anderer Meinung zu sein, ich zitiere aus dem Monatsbericht:

        „Für Deutschland fällt der (geschätzte) Banknotenumlauf im Inland geringer aus
        als der Banknotenumlauf gemäß Verteiungsschlüssel“

    • So ein Schmarrn. Von der Währung in der bezahlt wird, hängt doch wiederum die Kaufkraft des Verkäufers, Herstellers bzw. Dienstleisters und mittelbar auch die seiner Mitarbeiter ab.

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