Griechen bekommen früher höhere Renten mit fremdem Geld

In Griechenland sind die Renten im Durchschnitt höher als in Deutschland, während der durchschnittliche Renteneintritt sechs Jahre früher stattfindet (siehe ‚Geldgeber halten griechische Renten für zu hoch‘). Das zeigt, dass die ganze Eurorettungspolitik ein völlig verfehltes Umverteilungsprogramm darstellt. Es müssen nicht nur die Bürger ärmerer Euroländer wie den baltischen Staaten für die durchschnittlich reicheren Griechen zahlen, sondern auch die deutschen Rentner schneiden schlechter ab als die griechischen, während die Bundesregierung direkt und indirekt unzählige Milliarden nach Griechenland transferiert. Die deutsche Regierung sollte sich nicht einmischen, wie das griechische Rentensystem ausgestaltet ist, dieses aber auch nicht alimentieren, sondern sich lieber um die hiesigen Sozialsysteme kümmern. Allein durch die Auflösung des Euro und die Aufwertung der DM würden die Deutschen einschließlich der Rentner real mehr bekommen, was ihnen seit anderthalb Jahrzehnten vorenthalten wird.

13 Gedanken zu „Griechen bekommen früher höhere Renten mit fremdem Geld

  1. Haben Sie ihre Theorien mal mit Ihren Kollegen aus der Volkswirtschaft diskutiert?

    Könnten Sie am Beispiel der Schweiz erläutern, inwiefern sich die dortigen Rentner über die Aufwertung des Franken gefreut haben?

    Wie wirkt sich eine Abwertung des Euro auf einen Rentner aus, der von seiner Lebensversicherung die monatliche Rente in Euro ausgezahlt bekommt?

    Wenn nach einer Aufwertung der DM die Henkels dieser Welt mäßige Lohnabschlüsse fordern, um die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands zu erhalten, und diese auch umgesetzt werden, wieso freuen sich dann die Rentner, deren Rente an die Nettolöhne gekoppelt ist?

    • Auch bzw. gerade die Rentner in der Schweiz haben von der Aufwertung profitiert, weil die Kaufkraft einer gegebenen Summe Geldes dadurch steigt. Dagegen sind Rentner und andere Transferempfänger am stärksten von Inflation bedroht. Nun ist die Inflation in Deutschland und der Eurozone insgesamt wegen der Krise sehr niedrig, doch zumindest die deutschen Importpreise könnten noch viel niedriger sein. Der Effekt überwiegt den von moderaten Lohnabschlüssen, die wir ohnehin schon haben.

  2. Sehr geehrter Herr Dilger,

    auch wenn die DM wieder eingeführt werden sollte und aufwertet, die Rentner in Deutschland erhalten im Gegensatz zu anderen europäischen Staaten die niedrigste gesetzliche Rente.
    Das Rentenniveau liegt derzeit bei ca 48 % – 50% des Lebensarbeitseinkommens. Dieses soll auch noch auf 43% abgesenkt werden.
    Schaut man z.B. in die Niederlande, sind es dort 70%, in der Schweiz sogar bis zu 80% des Einkommens an gesetzlicher Rente.

    Auffällig hierbei, in diesen Ländern gibt es eine Mindestrente für alle, die beitragsfinanziert (Schweiz) bzw. steuerfinanziert (Niederlande) ist, und ausnahmslos alle Einkommen zur Finanzierung dieser herangezogen werden. Zusätzlich als 2. Säule greift dann die gesetzliche Rentenversicherung für abghängig Beschäftigte, die von Arbeitgebern und Arbeitnehmern je zur Hälfte finanziert wird.

    In Deutschland hingegen wird die gesetzliche Rente nur von den abhängig Beschäftigten und von Arbeitgebern je zur Hälfte finanziert. Erschwerend kommt hinzu, dass die als Betriebsrente deklarierten Direktversicherungen zur Absenkung der gesetzlichen Rente beitragen, da diese sich einkommensmindernd auswirken, Durch diese Einkommensminderung werden ebenfalls die Beiträge in die Sozialversicherungen gemindert. Sowohl Arbeitnehmer als auch Arbeitgeber führen ergo geringere Beiträge in die gesetzliche Rentenversicherung ab. Diese Direktversicherungen werden jedoch ausschließlichlich von den Arbeitnehmern bezahlt.

    • Die Trennung von Arbeitgeber- und Arbeitnehmeranteil der Sozialversicherungsbeiträge ist Augenwischerei. Die Arbeitgeber müssen alles bezahlen und die Arbeitnehmer bekommen alles von diesen Zahlungen abgezogen.

      • Jein, da der AG Anteil nicht zum zu versteuernden Bruttoeinkommen der AN gehört und sich auch gewinn- und somit ebenfalls steuermindernd beim AG auswirken.

        Im Übrigen trifft dieses dann nicht nur auf Deutschland zu, sondern auf alle Staaten, in denen AG und AN Anteile getrennt ausgewiesen werden.

      • Als Hintergrund dieser „Arbeitgeber“ Pflichtbeiträge in Staaten mit Sozialversicherungen könnte man anführen, dass kein Arbeitgeber freiwillig die Bruttolöhne der Arbeitnehmer erhöhen würde, wenn Beiträge zu den Sozialversicherungen von diesen alleine getragen werden müssten.

        Als negativ Beispiel kann man hier gleich Deutschland anführen. Mit Einführung der sog. Riesterrente wurden die Rentenbeiträge gesenkt. Theoretisch hätten die Bruttolöhne der Arbeitnehmer um den Betrag erhöht werden müssen, mit dem die abhängig Beschäftigten die Riesterrente von 4% bzw. steigend auf 8 % des Bruttoeinkommens finanzieren sollen um die sinkenden gesetzlichen Renten auszugleichen. Genau das Gegenteil ist aber eingetreten.

  3. Es sind ja nicht nur die Renten.
    Auch die Mindestlöhne sind in Europa teilweise tiefer als in Griechenland.
    In Portugal beträgt der Mindeststundensatz 2,92 € und in Polen 2,31 €, während er in Griechenland 3,35 € hoch ist. Stand 1.1.2014 (http://de.statista.com/infografik/2080/mindestlohn-in-europa/)
    Sind die Griechen arm?
    Bei der Statistik zur Armutsgefährdung, also dem Jahreseinkommen, was man als Alleinlebender mindestens erzielen muß, um nicht als armutsgefährdet zu gelten, liegt Griechenland bei 5910 €. Darunter liegen 10 andere europäische Staaten wie Slowenien mit 5589 €, Portugal mit 4386 € und die Tschechische Republik mit 2878 €. Die Schlußlichter bilden Lettland und Litauen mit ca. 1500 €. (http://de.statista.com/statistik/daten/studie/1169/umfrage/einkommensgrenzen-fuer-armutsgefaehrdung-in-europa/)
    Es wird sicherlich schwer sein, diesen Staaten gegenüber zu begründen, warum sie Griechenland alimentieren sollen. Keiner von denen hat je gejammert (bis jetzt) und sie haben teilweise beachtliche Sanierungserfolge zu verzeichnen.

  4. Pingback: Griechen bekommen früher höhere Renten mit fremdem Geld | FreieWelt.net

  5. Das ist eine Riesenungerechtigkeit, die kaum jemand bestreiten wird.

    Innerhalb Deutschlands verhält es sich allerdings auch nicht anders. Rentner in den neuen Bundesländern bekommen durchschnittlich weit mehr Rente als Westrentner, obwohl sie überwiegend nichts oder nur für sehr kurze Zeit in das Rentensystem einbezahlt haben und obendrein die Lebenshaltungskosten im Osten deutlich unter denen in den alten Bundesländern liegen. Ist das gerecht?

    Überall wo Umverteilungssozialismus stattfindet, herrscht blanke Ungerechtigkeit.

  6. Das ist richtig.
    Ich sah einmal einen Beitrag über einen KFZ Mechaniker,den die Polizei in einem abgemeldetetn PKW wohnend aufgegriffen hatte.

    Der war zwar nie arbeitslos und hätte mit einer Rente in DM durchaus auskommend leben können.
    Nur eben in Euro ist das bekanntlich nur noch die Hälfte und davon konnte der keine Wohnung mehr bezahlen.

    Über Kommata will ich da mal nicht streiten.

    Anderes Problem.

    Neben dem Euro,einer schrittweisen Senkung des Rentenniveaus,miserablen Anlegemöglichkeiten kommt noch als viertes Gespenst die Besteuerung der Renten.

    Bei einem Sparbetrag von 100 Euro prognostiziert die Genaralli zur Zeit eine Rente von 129 Euro nach 24 Jahren Einzahlung.Dieses Zusatzeinkommen voll versteuert ergibt weniger als den eingezahlten Betrag von 100 Euro !

    Das darf jeder mal grob überschlagen,ab dem 97ten macht man endlich Plus.
    Ich habe das gekündigt und lediglich die noch sehr gute Betriebsrente behalten.
    Im Moment liegt mein Geld einfach nur auf dem Konto einfach besser als woanders.

    Das ist doch alles für den Arsch was die machen,auch mit den Griechen.

    • Seien Sie froh, dass Sie die private Altersvorsorge wenigstens abwählen können. Die standesrechtlichen Berufe müssen Altersvorsorge über die Versorgungswerke in renditeschwachen Kapitalanlagen vornehmen, egal ob sie das wollen oder nicht.

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