Lächerliche Zinsen für schädliche Griechenlandhilfe

Nun wird uns wieder vom Bundesfinanzministerium erzählt und über die Massenmedien die frohe Kunde verbreitet: „Bund kassierte aus Athen 360 Millionen Euro Zinsen“. Es handelt sich dabei jedoch um einen Zeitraum von fünf Jahren (2010 bis 2014) und Zinsen für riesige Summen. Deutschland haftet für knapp 80 Milliarden Euro allein wegen Griechenland, wobei die bei der EZB schlummernden Risiken noch nicht berücksichtigt sind. Im Gegenzug werden in den kommenden Jahren selbst vom Finanzministerium nur noch rund 20 Millionen an Zinszahlungen pro Jahr erwartet. Realistischer wären Verluste in tausendfacher Höhe, die nur deshalb noch nicht in der Bilanz auftauchen, weil immer neue Kredite gewährt und die Laufzeiten der vorhanden Kredite immer weiter verlängert werden (siehe auch „Griechenland-Kredite: Kein gutes Geschäft für Deutschland“).

Dabei sind die staatlichen Rettungsprogramme eigentlich nur noch nötig, um Griechenlands Rettung mit der Druckerpresse“ aufrechtzuerhalten, denn die Zentralbank füllt Athener Finanzlücke“ über den Umweg der Geschäftsbanken. Täglich fließt rund eine Milliarde Euro ab. Dabei hat die normale Bevölkerung gar nichts davon, denn „So geht es den Griechen wirklich“: schlecht. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) sank um 22 %, die Staatsschuldenquote stieg trotz eines ersten Schuldenschnitts auf 176 % des BIP. Die Arbeitslosigkeit stieg auf über 25 %, für Jugendliche und junge Erwachsene bis 25 Jahre sogar auf über 50 %. Das Durchschnittseinkommen sank um 33 % und die Armutsquote verdoppelte sich fast auf 20 %. Das sind die tollen Erfolge des Euro und der teuren Eurorettungspolitik.

15 Gedanken zu „Lächerliche Zinsen für schädliche Griechenlandhilfe

  1. In Griechenland werden immer nur die kurzfristigen Auswirkungen betrachtet.

    Seit 2000 bis 2013 stieg das griechische Pro-Kopf-BIP aber um knapp 82 %, das Deutsche um leicht über 82 % – also nahe gleich. (Quelle Fischer Almanach 2015 und darauf aufsetzende eigene Berechnungen)

    Zieht man dann noch in Erwägung, dass die Aufnahme von Schulden und Konsum dieser Geldmittel das BIP nicht erhöhen, wohl aber die Ausgaben. während Deutschland noch spart, also weniger konsumiert – dann ist ganz klar, wer profitiert hat.

    Vielleicht sollte man sich mal insgesamt anschauen, wie sich der Euro seit Bestehen auf die einzelnen Länder auswirkt.

    Jetzt ist natürlich das Pro-Kopf nur eine ungenaue Messgröße. Der Median wäre schon genauer, aber auch der wertet nicht wirklich alle unterschiedlichen Gegebenheiten.

    Wohl aber gehen die Griechen (als Beispiel) immer noch weit früher in Rente, als die Deutschen und haben fast das doppelte Rentenniveau.

    Hier sollte die AfD einmal ansetzen – hier sollte mal mit echten Zeitreihen gearbeitet werden.

    Die AfD hätte unendlich viel zu tun – aber – die Mitglieder haben zunehmen keine Lust mehr Zeit und Geld einsetzen, wenn andere sich nur ihren eigenen Vorteilen widmen.

    • Vermutlich habe Sie das nominale BIP pro Kopf berechnet. Relevant ist jedoch das reale BIP pro Kopf. Dieses ist in Griechenland von 2000 bis 2013 gefallen (um 4 %, während es in Deutschland um 14 % stieg), wie Eurostat ausweist. Demnach wurde der Höchstwert bereits 2007 erreicht und ist der Wert seither um über 25 % gefallen.

      • Ich habe so meine Zweifel, ob eine BIP Berechnung Griechenland und Deutschland auf gleichen Faktoren beruht ( Gesundheitswesen Umsätze, Konzernsitze mit Steuerverschiebungen, Rüstungsindustrie).

        Richtig interresant wird es, wenn man dich mal mit den Statistiken aus dem im link
        beschriebenen Buch beschäftigt.

        Zitat: Das Nettovermögen der Masse der deutschen Haushalte ist niedriger als in jedem anderen Euroland

        info.kopp-verlag.de/hintergruende/deutschland/christian-wolf/verheimlichte-realitaet-und-sichere-zukunft-arm-aermer-aleman.html

        Was mir in dem Kommentar an Information fehlt, ist die Frage, was zahlt Deutschland an Zinsen für das ausgeliehene Geld, für das es Zinsen nun bekommt. Bisher habe ich dazu noch keine Informationen finden können.

        Könnte es nicht sein, dass gleiche Zinslast für Deutschland entsteht und somit dieser Zinsertrag eine Nullnummer ist ?

      • Das mit dem niedrigen Nettovermögen deutscher Haushalte liegt vor allem an institutionellen Faktoren, die die ausgewiesenen Werte und nicht die tatsächliche Situation der Haushalte oder gar der gesamten Volkswirtschaft betreffen. Ein Beispiel sind die Staatsschulden, die in anderen Ländern höher sind und von den Haushalten gehalten werden, die dafür weniger Steuern zahlen. Eigentlich kann man das gegeneinander aufrechnen, sollte es aber auch bei Rettungspaketen für andere Staaten berücksichtigen: Warum sollen die normalen deutschen Steuerzahler dafür aufkommen, dass die griechischen Milliardäre kaum Steuern bezahlen? Umgekehrt gibt es in Deutschland relativ hohe Renten- und Pensionsansprüche, die nicht zum Haushaltsvermögen gezählt werden, welches in anderen Ländern stärker für die Alterssicherung gebildet wird. Schließlich gibt es in Deutschland vergleichsweise wenig Hausbesitzer.

        Bei den genannten Zinszahlungen für Deutschland geht es um die Gelder, die insbesondere die KfW an den Bundeshaushalt weiterreicht für dessen Kreditgarantien. Bislang haftet der Bund nur, hat also keine eigenen Zinskosten. Diese Risikoprämie ist aber im Vergleich zum Risiko lächerlich niedrig.

      • Richtig – natürlich habe ich das nominale BIP genommen – und da dieses sich auf die gleiche Währung bezieht, erscheint mir das auch zulässig.

        Natürlich bewegt sich bei stark steigenden Konsumausgaben die Inflation schneller, als in Regionen, in denen eisern gespart wird. Das gilt selbst innerdeutsch trotz einer einheitlichen Inflationsberechnung.

        Natürlich stimmt Ihre Angabe für den Zeitraum ab 2007.

        genau deshalb möchte ich eben längere Zeitreihen betrachtet sehen, denn wenn ich ihren Angaben folge – und es nach 2007 einen Abfall um 25 % gab – über die ganze Periode aber nur einen Abfall um 4 %, dann sind folgerichtig die Leistungen bis 2007 um 21 % gestiegen. Und das real – während sie in Deutschland fielen.

        Und inwieweit der Deutsche Realzuwachs bei den Bürgern ankommt?

        Man sollte nicht vergessen, dass man von der Prostitution bis zum Rauschgifthandel alles Mögliche ins BIP eingerechnet hat – jetzt sind aber die wenigsten Deutschen Dealer oder Zuhälter.

      • Ihre kleine Übung in Prozentrechnung ist nicht „folgerichtig“, sondern übersieht den relativen Charakter von Prozentangaben. Von 2000 bis 2007 gab es in Griechenland nach den Daten einen Anstieg des realen BIP pro Kopf um 29 %, von 2007 bis 2013 dann einen Abfall um fast 26 %, was über den ganzen Zeitraum einem Rückgang von 4 % entspricht. (Klarer wird das vielleicht bei einem Extremszenario, wenn sich ein Wert verdoppelt, also um 100 % ansteigt. Um wieder den Ausgangspunkt zu erreichen, darf er nicht um 100 % fallen, denn dann ist nichts mehr da, sondern nur um 50 %.) In Deutschland gab es von 2000 bis 2007 keinen Rückgang, sondern einen Anstieg um 10 %. Bis vor kurzem ist allerdings das Medianeinkommen in Deutschland nicht gestiegen.

  2. Der Grexit scheint näher zu rücken:
    Gestern hat der EZB-Rat die ELA-Grenze nach 5 Milliarden und 3,5 Milliarden nun nur noch um 0,5 Milliarden erhöht. Heute hört man, dass Tsipras den Kommissionspräsidenten Juncker „dringend“ sprechen muß, was dieser aber ablehnte (http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/eurokrise/griechenland/finanznot-in-griechenland-tsipras-richtet-hilferuf-an-juncker-13467018.html) Die Kasse sei angeblich leer und Lehrergehälter hätten nicht bezahlt werden können. Das Kartenhaus der großzügigen Wahlversprechen scheint gerade in sich zusammen zu stürzen. Willkommen in der Realität! Man kann gespannt sein, was von der Aussage der Finanzminister zu halten ist, dass weitere Gelder erst fließen, wenn Reformen angelaufen sind.
    Doch wie sind die Auswirkungen auf die Euro-Zone, wenn Griechenland wirklich ausscheidet?
    Steigt der mit viel Mühe heruntergeprügelte Eurokurs wieder wie ein Ballon, wenn Ballast abgeworfen wurde? Schwache Länder wie Frankreich und Italien dürfte dies nicht freuen, da sie sich vom möglichst schwachen Euro einen wirtschaftlichen Aufschwung erhofft haben. Dieser war aber zuletzt trotzdem nicht zu sehen.
    Man darf weiterhin gespannt sein, ob die Realitäten der Eurozone nun endlich zur Kenntnis genommen werden und entsprechend gehandelt wird oder das Problem weiterhin auf die lange Bank geschoben und der Blick durch ein paar läppische Zinsen (in Relation zum eingesetzten Kapital) vernebelt wird.

    • Zumindest kurzfristig dürfte der Eurokurs nicht steigen, sondern weiter einbrechen, wenn es zum Grexit kommt. Man wird auch die Hilfsgelder enorm ausdehnen, um eine Ansteckung weiterer Euroländer zu vermeiden. Die Märkte werden austesten, ob nicht noch ein Land gehen muss oder sogar der ganze Euro auseinanderbricht. Aus meiner Sicht wäre es ohnehin besser, die gesamte Eurozone geordnet aufzulösen. Aus politischen Gründen ist damit gegenwärtig nicht zu rechnen, doch ein Grexit wird immer wahrscheinlicher. Es gibt offensichtlich überhaupt keinen vernünftigen Plan, weder von griechischer noch deutscher oder sonstiger Seite, wie es in vier Monaten mit Griechenland im Euro weitergehen könnte. Folglich kann man den absehbaren Grexit auch gleich vorverlegen.

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  4. Syriza-Politiker: Eurozone ist ein Experiment

    Der Syriza-Politiker Kostas Chrysogonos hält die Eurozone für ein „Experiment“. Eine Währungsunion könne nicht ohne den gleichzeitigen Verbund mit einer politischen und wirtschaftlichen Union funktionieren, sagte Kostas Chrysogonos im Gespräch mit dem Hessischen Rundfunk (HR-Info) „Dafür gibt es kein historisches Beispiel.“ Auf die Frage, ob die Deutschen ihr Geld jemals zurückbekommen, findet Chrysogonos deutliche Worte: „Es kommt gar nicht in Frage, dass Griechenland seine Staatsschulden zurückbezahlt. Das liegt jenseits der Möglichkeiten der griechischen Wirtschaft.“ Er hält auch nichts von
    einer umfassenden staatlichen Sparpolitik: „Austerität ist kein Mittel, um die öffentlichen Schulden zurückzuzahlen.“

    Seit den Europawahlen 2014 sitzt Kostas Chrysogonos für die heutige griechische Regierungspartei Syriza im Europaparlament. Der 54-Jährige ist Professor für Verfassungsrecht an der Aristoteles-Universität in Thessaloniki. Er hat in Deutschland gelebt und studiert.

    • Da die politische und wirtschaftliche Union nicht erreicht und auch nicht gewollt ist, ist das Experiment gescheitert. Dank an Herrn Chrysogonos, dass er das so deutlich sagt.
      Da die Wahrheit nun einmal ausgesprochen ist, müssen die Geldgeber Eurogruppe, IWF und EZB (ELA) unbedingt und alternativlos sofort alle Zahlungen sperren. Ansonsten ist dies Insolvenzverschleppung und Veruntreuung.

    • Die Diagnose stimmt. Schade dass Herr Chrysogonos den nächsten logischen Schritt, Grexit, nicht kommentiert.

  5. Der Euro ist heute auf 1.08 Dollar gefallen. Vor einem Jahr lagen wir noch bei 1.40 Dollar. Gibt es dazu einen Zusammenhang mit Griechenland. Wenn ja, dann frage ich mich, wie ein kleines verschuldetes Land solch einen Einfluss auf die Weltwirtschaft ausüben kann.

    • Natürlich gibt es einen Zusammenhang mit Griechenland. Es ist aber nicht allein dafür verantwortlich. Die ganze Eurozone ist marode. Schwächelnde Wirtschaft mit Nullzinsen und Geldschwemme lassen eben eine Währung fallen, was hier viele auch noch begrüßen, obwohl es insbesondere für Deutschland völlig falsch ist.

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