Grexit oder fauler Kompromiss?

Im Grunde könnte ich jetzt täglich über das griechische Drama bloggen. Allerdings handelt es sich um eine ständige Wiederholung: Die ‚Griechische Regierung fordert immer mehr‘ und alle anderen europäischen Regierungen und Institutionen wollen zukünftig nur dann etwas geben, wenn die neue griechische Regierung sich an die Verträge und Vereinbarungen hält, die ihre Vorgänger eingegangen sind. Dabei ist klar, dass das nicht ewig so weitergehen kann. Selbst die „Notenbanker verlieren den Glauben an Griechenland“, obwohl sie jetzt noch einmal weitere Kredite im Umfang von 3,3 Milliarden Euro genehmigt haben nach 5 Milliarden erst letzte Woche. Entweder wird Ende des Monats oder Anfang März noch schnell ein fauler Kompromiss geschlossen oder der Grexit, also der Austritt Griechenlands aus der Eurozone inklusive offenem Staatsbankrott, ist unausweichlich.

Die Bundesregierung will ganz offensichtlich den faulen Kompromiss. Der würde darin bestehen, dass die griechische Regierung ein letztlich unverbindliches Bekenntnis zu ihren ohnehin bestehenden Verpflichtungen abgibt und dafür viele Milliarden Euro erhält. Eigentlich ist das ein gutes Geschäft für Griechenland, echtes Geld für falsche Worte zu bekommen. Warum zögert die Regierung dann noch? Sie könnte auf noch mehr Geld hoffen, hat dafür ihre Verhandlungsposition aber vermutlich bereits überreizt. Mangels Regierungserfahrung könnten sich die Herren auch wirklich an ihr Wort gebunden fühlen und deshalb nicht so stark verpflichten wollen. Weiterhin ist es möglich, dass sie ihren Wählern ein Zurückrudern inzwischen nicht mehr erklären können. Schließlich halte ich es für denkbar, dass der Grexit eigentlich schon beschlossene Sache ist und nur noch die Schuldfrage geklärt werden muss (idealerweise so, dass jeweils die andere Seite verantwortlich gemacht werden kann). In wenigen Tagen wissen wir, ob es doch noch einen faulen Kompromiss gibt und EU wie Eurozone so weiterwurschteln wie gewohnt oder ob es zum Grexit kommt, auf den ich bereits gewettet habe.

43 Gedanken zu „Grexit oder fauler Kompromiss?

  1. Ich sehe das ganz ähnlich wie Sie. Allerdings würde ich gerne etwas beleuchten, was zumeist ignoriert wird. Im Moment ist das zentrale Problem, dass die griechische Regierung das „Programm“ (= Kredite gegen Reformen) für „beendet“ erklärt hat, aber eine „Verlängerung der Kredite“ beantragen will. Das heißt, es soll weiter Kredite geben ohne die Reformauflagen. Dies ist eine Blendgranate, die tatsächlich schon Teil von gegenseitigen Schuldzuweisungen sein kann. Die griechische Regierung könnte behaupten, dass sie einen „Verlängerungs-Antrag“ gestellt hat, den Berlin dann zurückgewiesen hätte.

    Der Punkt ist jetzt dass das Programm sowieso Ende Februar ausläuft, Athen aber erst später neues Geld braucht. Man könnte nun versucht sein, einfach das Programm auslaufen zu lassen und dann im März den Antrag auf ein neues Programm inklusive Übergangsfinanzierung bis zur Aushandlung zu stellen. Dann würde Griechenland im Euro verbleiben, und man müsste für das neue Programm einfach dehnbare Formulierungen finden.

    Allerdings könnte es an den Charakteren scheitern. Der neue griechische Finanzminister ist ein akademischer Ideologe, der Europa mit einer neomarxistischen Ideologie überziehen will und jetzt, nachdem er bislang nur am Schreibtisch spielen durfte, endlich mal seine kruden Thesen in der Realität ausprobieren will. Auf der anderen Seite will Schäuble (wir kennen ihn) natürlich nicht einsehen, mal irgendetwas falsch gemacht zu haben, nachdem er selbst jahrelang anderen Ländern die ideologische Ausrichtung mitdiktiert hat. Einen ideologischen Streit daraus zu machen erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass keiner nachgibt.

    Scheitern könnte das Ganze schon am Freitag, wenn die Syriza anfängt ihr „soziales Reformprogramm“ unilateral durchs Parlament zu bringen, also bereits das bisherige Programm offiziell zu entsorgen. Damit würde eigentlich jede Kompromiss- und Verhandlungsbasis mit Berlin zerstört.

    Sie sollten eine Tatsache nicht unterschätzen. Bei der Syriza handelt es sich um radikale linke Ideologen, die hier – im Verbund mit ihren Partnern im EU-Parlament – einen ideologischen Wandel in der EU durchsetzen wollen. Im Endeffekt soll Schäuble erklären dass er ein Depp sei und es deutsches Geld ab jetzt umsonst gibt. Deshalb stellt sich die Frage, ob Ideologen anders als rein rational kalkulierende Menschen an faulen Kompromissen überhaupt interessiert sind.

    • Das griechische Bankensystem braucht jede Woche etliche Milliarden. Eigentlich darf die EZB die Hilfskredite schon gar nicht mehr zulassen, tut es aber noch unter der zweifelhaften Annahme, die Reformprogramme würden fortgesetzt. Sobald die Verhandlungen offiziell für gescheitert erklärt werden, gehen der griechischen Volkswirtschaft die Euros aus, so dass die Wiedereinführung der Drachme unvermeidlich wird.

      Herr Schäuble ist hinsichtlich des Euro ein Ideologie, doch in diesem Konflikt muss er zumindest rhetorische Zugeständnisse von der griechischen Regierung erhalten oder den Grexit zulassen, weil ihm sonst die gesamte Eurozone um die Ohren fliegt.

      • Wolfgang Schäuble ist ein mit Medikamenten vollgepumpter alter Mann, der schon nur auf Grund des Überschreitens der Altersgrenze bereits seit mehr als sieben Jahren in Bayern nicht einmal mehr ehrenamtlicher Bürgermeister eines Einhudert-Seelen-Dorfes sein dürfte. Von seinem körperlichen Handicap einmal ganz abgesehen.

        Diesem verbitterten Greis, der noch dazu nur so vor fachlicher, organisatorischer und menschlicher Inkompetenz strotzt, eine derartige Verantwortung anzuvertrauen spricht leider Bände über Angela Merkels Marionetten-Regierung.

        Zur Erinnerung: https://www.youtube.com/watch?v=tJbD3MLdr5g

        Dass Schäuble den Grexit um jeden Preis verhindern will, liegt trotz gegenteiliger Bekundungen auf der Hand. Wie anders wäre zu erklären, dass Griechenland nun schon jahrelang derart mit Geld vollgepumpt wird, dass die Griechen im Grunde gar nicht mehr selbst irgendetwas erwirtschaften müssten, sondern auch von den gewährten Blankokrediten leben könnten?

        Der Grund: Griechenland ist der Grundstein für den Weg zum europäischen Zentralstaat.

      • Die EZB wird Griechenland niemals von sich aus das Geld abdrehen. Das wäre eine politische Entscheidung zum Ausschluss aus der Euro-Zone. So eine Entscheidung würde die EZB nur treffen, wenn ihr Berlin signalisieren würde dass es „eben vorbei ist“. Dass die EZB die ELA-Kredite wie Sie schreiben eigentlich gar nicht mehr gewähren darf legt nahe, dass ich da richtig liege.

        Schäuble hat sich bislang nicht besonders rational verhalten. Jetzt hat er die Griechen mit offenbar einem tatsächlichen (?) Kompromissangebot abblitzen lassen. Morgen ist aber noch Raum fürs Einknicken, wobei er dann vorher medienwirksam den harten Hund gegeben haben kann. Wichtig wird wohl, ob und was Tsipras morgen durchs Parlament bringt.

        Herr Meister, was Schäuble betrifft haben Sie Recht, aber in diesem einen Fall ist das von Vorteil. Ein Opportunist oder sonst ein Politiker würde sich wahrscheinlich biegsamer geben und auch weniger Porzellan zerschlagen. Der Herr ist im Moment charakterlich und mentalitätsmäßig der richtige Mann am richtigen Platz. Stellt sich die Frage wie lange er es bleiben wird. Frau Merkel hält sich mal wieder merkwürdig bedeckt und war auch Tsipras gegenüber sehr freundlich. Wenn es zum Grexit kommt und die Folgen sich als unbeherrschbar erweisen – ich zweifle – dann könnte Frau Merkel Herrn Schäuble die Schuld gegeben. Dieser würde dann zurückgetreten werden und könnte seinen Ruhestand genießen. Für Frau Merkel wäre das eine gute Gelegenheit durch einen neuen Finanzminister (männlich oder weiblich) einen etwaigen Nachfolger (oder eine Nachfolgerin) für sich selbst auszugucken, falls sie da jemand anderes auf dem Schirm hat als Ursula von der Leyen. (Im Zweifelsfall wird es die franko- und europhile saarländische Ministerpräsidentin, die die AfD für verfassungswidrig hält und ihren eigenen Schuldenstaat am liebsten durch Fusion abschaffen will; mit Deutschland wird sie ähnliches im Sinn haben.)

      • @Peter V.:

        Dass Schäuble von Merkel zurückgetreten wird, glaube ich nicht.
        Einerseits wusste sie ebenso gut wie er Bescheid, wie es um Griechenland tatsächlich steht (http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2014/04/29/frau-merkel-herr-schaeuble-stecken-sie-mit-den-griechen-unter-einer-decke/).
        Zum anderen wird der verbitterte alte Tabletten-Junkie im Rollstuhl kaum „freiwillig“ auf seine steuerfreien Zusatzeinkünfte als ESM-Gouverneur verzichten (angeblich 680.000 € p.a.) – es sei denn, er beerbt vielleicht Hartmut Mehdorn als Flughafen-Baustellenchef. Fachkompetenz spielt in diesem Geschäft ja keine Rolle.

      • @Michael Meister: Also zunächst einmal sitzt Herr Schäuble nicht im Rollstuhl weil er so schlecht Auto fährt wie er mit unserem Geld umgeht, sondern weil ein Spinner einen Anschlag auf ihn verübt hat. Dass man dann Tabletten nimmt ist auch nichts Ungewöhnliches. Herr Gauck ist auch nicht mehr der Jüngste, bekommt aber verworrene, gar verfassungsrechtlich fragwürdige Aussagen ganz ohne Rollstuhl und Medikamentenbehandlung hin.
        Meine Spekulation zu Schäuble war spontan. Es ist eine Tatsache, dass Frau Merkel alles wegschmeißt, das hinreichend problembehaftet ist. Außerdem rechne ich anders als Herr Dilger leider nicht mit einem Grexit, da aus meiner Sicht Griechenland schon ziemlich klein beigegeben hat, etwaige morgige U-Kurven nicht miteinbezogen. Wenn es in diesem Monat noch scheitert, dann daran dass Schäuble und sein griechischer Kollege auf der jeweils eigenen Lesart und eigenen Aussagen beharren. Ich hoffe darauf, auch wenn ich so weit gehen würde ein abgekartetes Spiel zwecks jeweiliger Gesichtswahrung zu Hause nicht auszuschließen. Ob man den Spaß allerdings durchs griechische Parlament bringt, bleibt abzusehen. Das hängt wohl davon ab, wie es der griechischen Bevölkerung verkauft werden kann. Vielleicht ist das derzeit die Hauptsorge der Athener Regierung. Da gibt es einen Raum für Berliner Zugeständnisse und Verständnis – außer Schäuble und Merkel haben den Grexit schon beschlossen.
        Frau Merkel trägt als Kanzlerin überdies sowieso die politische Verantwortung für alles, was in ihrer Amtszeit geschieht. Dies schließt z.B. die Zustände bei der Bundeswehr mit ein. Ob das die Bevölkerung so wahrnimmt ist eine andere Frage.

      • @Peter V.:

        Guten Morgen,

        mir ist das Attentat auf Wolfgang Schäuble schon noch in Erinnerung (so jung bin ich ja nun auch nicht). Aber einen Anschlagsbonus halte ich für ein politisches Spitzenamt für genauso fehl am Platze wie eine Behindertenquote oder sonstige Quoten.

        Ministerien und Regierungsposten müssen m.E. mit entsprechend leistungsfähigen (auch gesundheitlich) Kandidaten nach Kompetenz besetzt werden.

        Obendrein kann eine Altersgrenze nicht schaden (die gibt es schließlich in vielen anderen – mit weit weniger Verantwortung versehenen – Jobs und sogar in der bayerischen Kommunalpolitik aus gutem Grunde auch).

        Wenn Schäuble tatsächlich nur die Marionette der Kanzlerin wäre, hätte diese ihn vielleicht schon längst „entsorgt“. Aber so weit scheint ihre tatsächliche Macht wohl doch nicht zu reichen …

        Bitte sehen Sie sich doch nur einmal an, wie gut Wolfgang Schäuble sein familiäres Umfeld seit Jahrzehnten mit politisch vergebenen Spitzenjobs versorgt: Mehr Amigo-Wirtschaft geht nicht!

  2. Also es wäre meiner Meinung nach schon ein bisserl viel verlangt von der neuen griechischen Regierung zu fordern den #Grexit via Amtsblatt vorab zu verkündigen. So funktioniert das leider nicht. Das würde Herr Hjalmar Schacht sicher auch gerne Herrn Prof. Dilger erklären.

    • Wenn die griechische Regierung den Grexit will, muss sie ihn irgendwann machen. Gerade wenn sie damit wartet, bis er völlig unausweichlich geworden ist, ist er nicht mehr überraschend möglich. Trotzdem könnte politisch diese Unausweichlichkeit ein Vorteil sein. Die eigenen Wähler werden glauben, dass die Regierung alles versucht habe. Interessant ist doch auch die überaus große Zustimmung zum Regierungskurs in der griechischen Bevölkerung. Das ist schon wie zu Beginn eines Krieg.

      • Da der Grexit den europäischen Zentralstaat zumindest symbolisch gefährden könnte, gewähren Merkel, Schäuble, Juncker, Hollande und Co. der amtierenden griechischen Regierung Narrenfreiheit. Egal was Gegenteiliges behauptet wird.

      • Es ist doch ein interessantes Lehrstück. Jedem ist klar, dass man nicht zweimal dieselbe Zeitung kaufen sollte, um zu vergleichen, ob ein Bericht wahr ist. Heute gilt oft, dass auch zwei verschiedene Zeitungen dasselbe schreiben, weil entweder wie hier die eine von der anderen abschreibt oder noch häufiger beide nur eine Agenturmeldung wiedergeben.

      • Es ist nicht einmal so, dass eine Zeitung von der anderen „abschreibt“.

        Praktisch alle Redaktionen werden nur noch von einer Handvoll Presseagenturen beliefert, die wiederum ihre Informationen direkt von den Pressestellen oder aus deren Pressekonferenzen beziehen. Zu erkennen am Kürzel über bzw. am Beginn eines Artikels (z.B. „dpa“).

        Eigenrecherche oder gar Hintergrundrecherche findet zumindest in der tagesaktuellen Berichterstattung so gut wie nicht mehr statt.

        Dies alles ist ein Verdienst der enorm gestiegenen Personalkosten in den Redaktionen einerseits (also mittelbar den Gewerkschaften zu verdanken) und der diesen Kosten diametral gegenüber stehenden „Geiz-ist-Geil“-Mentalität der Verbraucher andererseits.

        Wer für Quaslitätsjournalismus nichts ausgeben will, darf sich eben nicht wundern, wenn er nur noch „gleichgeschaltete“ Berichterstattung geliefert bekommt.

  3. Es wird einen Kompromiss geben, der eher semantischer Natur sein wird, um alle beide Seiten gesichtswahrend aus den Verhandlungen gehen zu lassen. Letztendlich aber geht es darum die Katastrophe zu vermeiden und Griechenland bis Sommer Zeit zu lassen sich zu konstituieren. Aus internationaler Sicht benimmt sich Deutschland wie ein Geisterfahrer. Ob USA, Großbritannien oder Japan. Selbst konservative Kommentartoren unterstützen Griechenland auf ihrem Weg. Zugegeben, die neue unerfahrenen griechische Regierung benimmt sich ein wenig rabaukig und tumb aber das wird sich geben. In wenigen Wochen ist der Spuk vorbei. Europa ist mehr als nur ein Streit von Kassenwärtern und Blockwarten.

    Wer jetzt sehenden Auges in dieser heiklen Situation auf einen GREXIT hofft, wohlwissend um all die bitteren Konsequenzen, disqualifiziert sich komplett als ernsthafter Gesprächspartner und sollte sich lieber eine rote Nase aufsetzen und in Düsseldorf Karnevalszüge kommentieren oder in die AfD eintreten.

    • Wer alle anderen für Geisterfahrer hält, ist meist selbst einer. Alle anderen Regierungen der Eurogruppe sind sich einig, dass Griechenland nicht einfach alle Verträge und Vereinbarungen einseitig aufkündigen und dafür auch noch zusätzliches Geld verlangen kann. Ihre Logik der Ausbeutung ist wirklich schlimm und unterstreicht die Wichtigkeit der AfD. Wer außerhalb der Eurozone sitzt, sollte sich dagegen mit Kommentaren zurückhalten oder selbst Geld geben. Wo ist denn das angelsächsische Hilfsprogramm für Griechenland? Die dortigen Banken wollen sich nur wie die griechischen Milliardäre schamlos an den hiesigen Steuerzahlern bereichern.

      • Also dass sich „alle anderen Regierungen der Eurogruppe einig sind“ ist doch wohl ein Witz. Es gab zuvor ein Papier, dass vom französischem Währungskommissar Herrn Varoufakis vorgelegt wurde, dass die griechische Regierung auch bereit war zu unterschrieben, und dass von Herrn Dijsselbloem unter heftigem Druck Deutschlands wieder einkassiert wurde. Die Mähr der „geschlossenen Reihen“ ist eine Erfindung hiesiger Medien. Vielmehr bedroht die deutsche Regierung alle seine Partner die harte Linie zu halten.

        Jedenfalls gab es mal ein „angelsächsisches Hilfsprogramm“. Das sorgt(e) dafür, Herr Dilger, dass Sie heute in einer Demokratie leben und nicht auf einer Apfelplantage arbeiten müssen. Bitte nicht vergessen.

      • Ihnen ist vermutlich bekannt, dass die misslungene Rettung des kleinen Griechenland bereits jetzt viel mehr gekostet hat als der ganze Marshallplan. Aber Sie wollen natürlich immer noch mehr. Doch wie wir schon feststellten, ist Ihnen das Schicksal Ihrer Landsleute dabei völlig egal, denen es nach einem Grexit besser ginge. Haben Sie auch noch griechische Staatsanleihen oder Geld auf dortigen Konten? Alle Regierungen mit Ausnahme der griechischen folgen dem deutschen Kurs, weil sie wissen, wer das alles bezahlt. Seit wann darf der Kreditnehmer einseitig die Bedingungen aufkündigen und neue für weitere Kredite diktieren?

      • @A. Papapostolou:
        „Jedenfalls gab es mal ein “angelsächsisches Hilfsprogramm”. Das sorgt(e) dafür, Herr Dilger, dass Sie heute in einer Demokratie leben und nicht auf einer Apfelplantage arbeiten müssen.“

        Wir leben nur in einer Scheindemokratie, Herr Papapostolou.

        In Wahrheit leben wir in einem feudalistischen Umverteilungsstaat, der seine Leistungsträger restlos ausblutet, ihnen ihre Lebenszeit durch Kaputtbesteuerung raubt und unterm Strich (unter Berücksichtigung aller Abgaben und auch indirekter Steuern) gerade mal etwa einen Zehnt zum Leben lässt, um mit ihrem Geld „systemrelavente Banken“ zu „retten“, seinen Feudalherren (Politiker, Banker und öffentlicher Dienst) sowie levantinischen Müßiggängern ein sorgenfreies Leben zu ermöglichen.

      • Die (wenn auch nicht wirklich einsehbaren) Kosten von „Athen“ (Griechenland) sind nichts, wahrscheinlich nicht mal „Peanuts“, gegen die, die „Spree“-Athen (der Berlinstaat) – nur „neu“ in den letzten 25 Jahren – verursacht hat: Alleine für die knappe Billion, die die staatsinduzierte Zwangsvollverpackung ganz Doitschlands in Styropor kostet (die s.g. „Wärmedämmung“), könnte man sehr lange ‚europäisieren‘. Für den Saug-Raub-Dreck der als „Wiedervereinung“ deklariert wurde, wahrscheinlich die nächsten zwei oder drei Jahrzehnte. Möglicherweise könnte man dafür auch noch zwei, drei Mal die „Energie“ ‚wenden‘. (Von den ungeheurlichen schleichmörderischen Verpestungen durch den erneuten Wechsel der basisgebenden Kultur vor West nach Ost will ich gar nicht erst reden: Diese sind wahrscheinlich nicht bezifferbar.)

        An anderer Stelle schrieb ich heute:

        ‚Seit 144 Jahren

        Es gibt in Deutschland – wenn man genau hinschaut seit 144 Jahren, bedauerlich faktisch seit 70 Jahren – eine Art links-rechts fusionierten heuchelprotestantisch-staatsanbeterischen (immerhin inzwischen weitestgehend ‘purifizierten’ Nationalsozialismus), der sich von 25 Jahren im Berlinstaat neu gekrönt hat. Das ist alles.

        “Der Sozialismus ist die denkbar weiteste Ausdehnung der liberalen Methode auf alle modernen Herrschafts- und Abhängigkeitsverhältnisse.” “Wir gehören zur Gesamtbewegung des Sozialismus als deren politisch rechtsstehender Flügel.” “Weil wir den Sozialismus politisch stärken wollen, sind wir für Vaterland, Kaisertum und Flotte.” Friedrich Naumann jeweils. (Siehe auch “National-sozialer Katechismus, eine alles andere, als unwichtige Schrift des gleichen, “liberalen” Autors: https://archive.org/details/nationalsozialer00naum ) Die Mutterpartei dieser links-rechts-preußischen, wiewohl antiwestdeutschen Bewegung, die SPD, wird dem, wie gehabt, im wesentlichen alles andere, als im Wege stehen. (Genausowenig wie die nach obigem Autor benannte Parteistiftung.) Zumal nicht als parteiübergreifend-vielparteilich sozialdemokratische Bewegung (fast im Sinne “Sozialdemokratischer Zukunftsbilder” (siehe dort), insofern galt und gilt weiterhin:

        “Es ist möglich, daß unsere Politik einmal zugrundegeht, wenn ich tot bin. Aber der Staatssozialismus paukt sich durch. Jeder, der diesen Gedanken wieder aufnimmt, wird ans Ruder kommen.” – Otto von Bismarck

        In diesem Sinne: Prost! Auf Ex-Westdeutschland. Immerhin und trotz allem: Eine kleine Zwischenblüte. Übereindeutig vergangen. Genießt die Erinnerung daran, liebe Mitvervolkte: Der Nordostkonzeptionismus will und wird sich – ganz überdeutlich, hauptorts-”kultur”-gemäß – an Euch neu zu Tode siegen.‘

        Nicht ganz nebenbei, gerade auch weil es hier auch jeweils um AfD und ‚Presse‘ geht, wurde hier veröffentlicht: http://www.zeit.de/freitext/2015/02/19/bossong-freiheit/ In der Frankfurter Allgemeinen Berlinstaats- und AfD-Zeitung wäre das (im Gegensatz zu früher) nie (mit derzeit jdenfalls nur sehr geringer Wahrscheinlichkeit) passiert.

        Noch weniger nebenbei: Die AfD ist eine Fehlgründung, die sich im wesentlichen aus einer Person (den Defiziten, bzw. sehr falschen (auch Selbst-) Einschätzungen dieser und denen) hinterstehend-fördernder Kreisen ergibt und erklärt.

        Und was genau Herrn Dilger und Herrn Meister mit dem (nach Eigenangabe) „mit Spreewasser getauften“ verbindet (und seinem Drang die bürgerzerstörende Berlinstaatlichkeit nochmal zu totaliseren): Werde ich dann hoffentlich in den nächsten Jahren hier lernen und erfahren.

        Ich (man sehe mir das nach) verstehe das nämlich nicht.

      • @Rupert Brasch:

        Mich Bernd Lucke verbindet mich ehrlich gestanden außer dem gleichen Parteiausweis so gut wie nichts. Doch Lucke alleine ist für mich auch nicht die AfD, so sehr er sich als Calvinist dazu (ganz im Sinne der doppelten Prädestination) vielleicht „berufen“ fühlen mag.

        Noch habe ich die Hoffnung, dass sich aus der AfD doch noch eine „Partei des gesunden Menschenverstands“ entwickeln könnte aber nicht aufgegeben.

        Eine pastorale CDU 2.0 brauche ich allerdings ebenso wenig wie eine Plattform für preußische Nationalstaatsanhänger oder scheinadelige Junker, die immer noch nicht begriffen haben, dass der Kunststaat „Deutschland“ zwei Weltkriege verloren hat (wodurch die ostpreußischen Latifundien ihrer Urahnen nun mal unwiederbringlich verloren gegangen sind) und der Adel in Deutschland und Österreich bereits vor 96 Jahren ganz offiziell abgeschafft worden ist.

      • Herr Dilger, was bezwecken Sie eigentlich jedes mal damit, mir persönliche Motive (Staatsanleihen oder Geld) für meine politische Haltung vorzuwerfen? Sind das also ihre Superargumente gegen den Euro? Wenn ja, rate ich Ihnen diese ebenso geheim zu halten.

        Mittlerweile, so wie es aussieht, folgen nicht mehr alle Regierungen dem deutschen Kurs. Und zu Ihrer Information: Italien und Frankreich zahlen und haften zusammen mehr als Deutschland. Sie sollten langsam die Deutschlandfahne von Ihrem Balkon nehmen und Ihre peinliche Deutschtümelei beenden.

      • Was ist denn Ihre politische Haltung? Ihre sachlichen Argumente sind jedenfalls keine. Italien haftet faktisch für gar nichts, sondern hängt selbst am Tropf der EZB. Bei Frankreich ist es zumindest unklar. Rein formal haftet sogar selbst Griechenland.

    • @Red-Nose-Papapostolou

      Die langfristige Alternative zum Grexit, der ja nur der Beginn der Auflösung des Euroraums wäre, heißt Vereinigte Staaten von Europa. Ich habe erhebliche Zweifel, dass das die Mehrheit Ihrer griechischen Landsleute tatsächlich wünscht.

      • Weder die Mehrheit der denkenden Griechen aber noch weniger Europäer! Vielleicht ist Herrn Tsipras noch nicht klar, aber Karneval ist vorbei!

      • Herr Tsipras und Herr Varoufakis können sich gerieren wie die Lausbuben ‚Max und Moritz‘ von Wilhelm Busch.

        Das ist völlig irrelevant, da die Entscheidung über die Zukunft Griechenlands und auch des Euro ohnehin nicht in Athen, sondern in Berlin, Frankfurt und Brüssel fällt.

        Egal ob Max und Moritz dabei anwesend sind oder nicht und welche „Forderungen“ bzw. „Anträge“ sie zuvor gestellt haben oder auch nicht.

        Mehr Sorgen bereitet mir da die „Entscheidungskompetenz“ unseres unberechenbaren Finanzministers und seiner Kollegen von der EU-Politmafia.

      • Hallo Hr. Dilger
        Bitte mal kurz gucken auf http://www.afd-opr.de ob das so okay ist. (Ist gleich der erste Artikel)

        Sie stehen als Autor in der „Infozeile“. Der Name in der Überschrift „Gastkommentar von Alexander Dilger“ ist auch verlinkt. Und unter dem Artikel ist dann auch nochmal auf ihren Blogartikel verlinkt,

        MfG Frank Damköhler

      • Okay. Wenn Sie wollen, kann ich Ihnen auch einmal einen echten Gastkommentar (also exklusiv oder zumindest zuerst für die Seite) schreiben.

      • „Okay. Wenn Sie wollen, kann ich Ihnen auch einmal einen echten Gastkommentar (also exklusiv oder zumindest zuerst für die Seite) schreiben.“

        Ich will immer 😉
        „Eklusiv“ muss es garnicht mal sein. Ich bin da schlichtweg in der Situation, dass ich alles nehme was ich bekommen kann – speziell in diesem ganzen Bereich Wirtschaft/Euro/Allgemeinpolitik.
        Da erweist sich mein Kreiverband leider als Totalausfall, wenn es darum geht – statt dem üblichen „Meckern“ auf den Kreistreffen, auch mal sachliche Beiträge für die Homepage beizusteuern.

    • Die Seite von Herrn Damköhler aus seinem eher kleinen Kreisverband nutze ich, wie viele andere auch, besonders gerne, wenn es um statistische Auswertungen geht – besonders auch zu Wahlen.

      Da steckt eine Menge an unentgeltlicher Arbeit drin – und die können wir Alle zumindest symbolisch aufwerten, in dem wir zu regelmäßigen Gästen auf der Seite werden – und – den Link dorthin verbreiten.

  4. Keine Frage, der Kompromiss ist längst besprochene Sache. Zuständige Politgrößen eines gewissne Alters sollten eigentlich Altersweise sein, aber was haben sie schon zu verlieren?

  5. Ich finde die Kritik von Alexander Dilger an Herrn Papapostolou etwas irritierend. Vor allem weil es eine glatte Lüge ist zu behaupten Griechenland hätte schon mehr als einen Marshall Plan von Deutschland bekommen. Da ist Prof. Albrecht Ritschl aber ganz anderer Meinung. Und der kennt sich damit besser aus als uns notorischer Besserwisser Herr Prof. Alexander Dilger. Ich würde wirklich empfehlen Herr Prof. Alexander Dilger sie rüsten rhetorisch etwas ab und machen nicht gleich alle Leute zur Schnecke und Schmarotzern nur weil sie nicht ihrer Meinung sind und einen griechisch klingenden Nachnamen haben.

    • Bei Wikipedia steht zum Marshallplan: „Das 12,4-Milliarden-Dollar-Programm wurde am 3. April 1948 vom Kongress der Vereinigten Staaten verabschiedet und am selben Tag von US-Präsident Harry S. Truman in Kraft gesetzt; es sollte vier Jahre dauern. Im gesamten Zeitraum (1948–1952) leisteten die USA bedürftigen Staaten der Organisation for European Economic Co-operation (OEEC) Hilfen im Wert von insgesamt 13,12 Milliarden Dollar (entspricht im Jahr 2013 rund 127,1 Milliarden Dollar).“ Die verschiedenen Rettungsmaßnahmen für Griechenland sind um ein Vielfaches höher. Was ist an diesen Fakten gelogen?

    • Marshall-Plan oder 2.WK haben mit Verschuldung Griechenlands nichts zu tun. Es sind pseudo-Argumente um vom Thema abzulenken. Griechenland ist ein Opfer von sich selbst und wird es wieder werden, diesmal durch Tsipras and Co. Solide Politik ist durch Ideologie und Lügen nicht zu ersetzen. Man kann nur hoffen, dass EU-Politiker zusammenhalten gegen eine linke 5.Kolonne.

      • Nicht zu vergessen: von 90000 FAZ-Leser sind nur 16% gegen Grexit!

    • Vielen Dank, Herr Ewald, für Ihren Beistand. Die historische Rolle Deutschlands in den letzten 100 Jahren als grösster Schuldensünder ist unbestritten. Die hilflosen Versuche Alexander Dilgers diese zu ignorieren oder umdeuten offenbaren nur seine Ahnungslosigkeit. Das kann man ihm nicht übel nehmen. Dadurch wirken seine Kommentare alle Griechen als Schmarotzer darzustellen nur umso jämmerlicher. Dazu habe ich wiederholt alles gesagt. In einem Punkt möchte ich Herrn Dilger aber in Schutz nehmen. Ich hatte bisher, in unserer harten Auseinandersetzung, nie das Gefühl dass er beleidigend oder (besonders) persönlich wurde oder er meinen griechischen Namen zum Anlass plumper Anfeindungen nahm. Andere hier im Forum sind um das vielfache schlimmer. Ich komme damit schon zurecht. Meistens war es sogar so, dass ich mit harter Rhetorik den Schlagabtausch mit Herrn Dilger als erster suchte. Seine Reaktionen sind dann meistens dünnhäutig oder aufbrausend. Das ist ok. Soviel Fairness muss sein.

      • Lieber Herr Papapostolou. Nur damit wir uns alle nicht missverstehen. Ich schätze Herrn Alexander Dilger auch sehr. Einer der wenigen ordoliberalen Ökonomen in Deutschland, der sich nicht zu den 3 Affen macht „Ich höre, sehe und sage nix“ außer meiner ökonomischen Gebetsbuch-Liturgie. Insofern ist alles gut und wir können einfach weiter debattieren.

  6. Pingback: Fauler Kompromiss verschiebt Grexit | Alexander Dilger

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