Kompromissbereitschaft als Tugend und Fluch

Frau Merkel erklärt ihr politisches Prinzip zu dem Europas: „Europa ist darauf ausgerichtet, und das ist auch der Erfolg Europas, einen Kompromiss zu finden“ (siehe „Merkel zu Kompromissen bereit“). Sie versucht einen solchen Kompromiss mit Griechenland in der Schuldenkrise zu finden, aber auch mit Russland hinsichtlich der Ukraine (siehe Der Aufstieg der Kanzlerin in die Weltdiplomatie“). Einerseits ist das löblich, da die Alternative zum Kompromiss die Kompromisslosigkeit ist. Im Falle Griechenlands würde das Staatsbankrott und Grexit bedeuten (was ich beides nicht so schlimm fände, die vielen Eurofans einschließlich der Kanzlerin aber schon), gegenüber Russland Waffenlieferungen an die Ukraine, eine Zunahme der Kämpfe und eine Ausweitung des Krieges über die Ostukraine oder sogar die gesamte Ukraine hinaus.

Andererseits ist es ein großes Problem, wenn die Kompromisssuche immer wieder neu beginnt, nachdem ein bereits gefundener Kompromiss aufgekündigt wurde, und zwar mit dem alten Kompromiss als Ausgangspunkt, so dass die eigene Verhandlungsposition immer schwächer wird. Deshalb ist Frau Merkel auch der Ansicht: „Allerdings beruhe die Glaubwürdigkeit Europas darauf, das Regeln eingehalten würden und man verlässlich zueinander sei.“ Doch waren die Hilfskredite für Griechenland gegen Reformversprechen nicht selbst schon ein Kompromiss? Hat es nicht zuvor schon ein Minsker Abkommen gegeben, welches nicht eingehalten wurde? Wie kompromissbereit ist also Frau Merkel gegenüber denen, die sich nicht an vereinbarte Kompromisse halten? Das könnte die Schicksalsfrage Europas oder zumindest ihrer Kanzlerschaft sein. Bis zur Beantwortung genehmigt die EZB 5 Milliarden Euro mehr Notkredite für Griechenland“ (demnächst vielleicht wöchentlich) und sprechen die Waffen in der Ostukraine weiter.

 

20 Gedanken zu „Kompromissbereitschaft als Tugend und Fluch

  1. „Hat es nicht zuvor schon ein Minsker Abkommen gegeben, welches nicht eingehalten wurde?“
    Das letzte Abkommen wurde glaube ich nicht von Putin persönlich mitausgehandelt; und es gab auch keine unmittelbare Drohung von Waffenlieferungen. Egal: In meinen Augen wird durch das jetzige Abkommen nur Zeit gekauft. Der zugrunde liegende Konflikt um die Ausrichtung der Ukraine wird allenfalls tangiert und es bestehen zahlreiche weitere Schwachstellen, etwa die Fragen der Grenzkontrolle und der Dezentralisierung der Ukraine. Falls die EU Putin mit einem Ende der Sanktionen ködert könnte er aber versucht sein, den neuen status quo fürs Erste zu akzeptieren, da er schon viel gewonnen hätte. Allerdings können Milizen auf beiden Seiten jederzeit die Waffenruhe brechen und es kann zu einer neuen Eskalation kommen. Hier ist auch ein Problem dass die Ukraine politisch radikale Freiwilligen-Battalions einsetzt.

    Was Griechenland betrifft:

    Da der Herr die Spielregeln ziemlich schnell gelernt zu haben scheint, könnte sich ein fauler Kompromiss wie hier beschrieben abzeichnen: http://www.bloomberg.com/news/articles/2015-02-12/greece-germany-said-to-offer-compromises-on-aid-terms

    Auf diese Weise bleibt uns Griechenland noch etwas länger erhalten, mitsamt den entsprechenden kreativen Ideen: „Der Chefvolkswirt der in Griechenland regierenden Syriza-Partei, John Milios, brachte unterdessen bei einer Veranstaltung in Belgien die Idee umfassender Anleihenkäufe durch die EZB ins Spiel. Nach seiner Auffassung könnte die EZB alle Anleihen der Euro-Zonen-Länder, deren Laufzeiten 2016 bis 2020 enden, erwerben. Die einzelnen Länder könnten von den Euro-Währungshütern dann ihre Schulden zurückkaufen, sobald ihr Wert bei unter 20 Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts liegt. Das würde den Volkswirtschaften der Euro-Zone Milios zufolge Anschub geben.“ (Reuters.)

    • Der direkte Einbezug von Präsident Putin könnte tatsächlich einen Unterschied machen. Er gesteht damit aber auch das ohnehin Offensichtliche ein, nämlich dass er dort das Sagen hat. Die Separatisten allein sind viel schwächer als die ukrainische Armee, die ihrerseits keine Chance gegen die russische Armee hat. Der Konflikt ist keinesfalls gelöst, wird aber vielleicht eingefroren.

      Bezüglich Griechenland ist die noch einmal wiederholte Kompromissbereitschaft von Frau Merkel klar, weshalb sie auch die Verantwortung im Falle eines Scheiterns weiterreichen kann, und zwar an Herrn Tsipras. Falls dieser sich noch kompromissbereit zeigt, kann er viel herausholen. Doch vielleicht ist ihm das aus innenpolitischen oder auch persönlichen Gründen schon nicht mehr möglich, weil er viel zu viel versprochen hat. Er kann seine Versprechen unmöglich halten, doch ein Kompromiss würde als offener Wortbruch und Anpassung interpretiert (siehe die von Ihnen verlinkten Tweets), während Starrköpfigkeit gefeiert würde, zumindest kurzfristig bis zum Eintritt der Folgen.

      • Die rote Linie von Frau Merkel und der anderen Nordeuro-Regierungschefs besteht m.E. darin dass diese sich nicht in ihr Parlament stellen und weitere Finanzpakete einfordern wollen. Mittlerweile gibt es jedoch genügend Finanzierungsinstrumente, um eine demokratische Auseinandersetzung zu umgehen. Hier droht dem Euro keine Gefahr. In Griechenland könnten die Dinge anders liegen, denn es wurde ja gestern nichts beschlossen, außer dass man reden will (mit der Troika, die nicht so genannt werden darf). Tsipras‘ rasche Anpassung an das Brüsseler Treiben ist beunruhigend, hat aber eventuell damit zu tun dass er als Dauerwahlkämpfer keine Ahnung hat, wie er dort auftreten soll. Im Moment hat er sich nur blamiert.

        Zuhause könnten ihm sein Koalitionspartner, sein Parlament und natürlich sein Volk Probleme bereiten. Aber die Parlamentarier werden sich wahrscheinlich fürchten, ihr Mandat zu verlieren, und das Volk hat kaum Alternativen, insbesondere im linken Spektrum. (Natürlich könnte sich Syriza spalten wie die SPD/WASG/USPD.) Es ist schwierig zu sagen, wie sich das Ganze entwickeln wird, da die griechische Regierung unprofessionell und unberechenbar ist. Am Mittwoch hatten die Eurofinanzminister eine Einigung, die dann plötzlich keine mehr war. Wenn nach seinem Brüsseler Auftritt der Druck auf Tsipras wachsen sollte, könnten sich die Fronten verhärten. Und selbst wenn in den nächsten Tagen eine Einigung erzielt wird könnte diese unvermittelt scheitern. Solange jedenfalls Herumgedruckst werden kann dürfte die EZB Griechenland im Euro halten – was sehr ärgerlich ist. Für Spanien oder Italien wird das aber nicht funktionieren, da diese zu groß sind.

        Vielleicht geht der sozialistischen Athener Regierung aber unvermittelt doch das Geld aus, wenn keine rasche Lösung gefunden wird. EZB-Notkredite allein werden dann nicht reichen. Genügend Meilensteine der europäischen Geschichte im Guten wie im Schlechten waren einfach die Folge von Ignoranz, Inkompetenz und Missmanagement.

      • Frau Merkel hat keinerlei Problem, was auch immer durch den Bundestag zu bringen. Die Grenze ihrer Kompromissbereitschaft gegenüber Griechenland ist eine andere, nämlich die Wirkung auf Portugal, Spanien, Italien, letztlich auch Frankreich. Wenn sie gegenüber Griechenland erkennbar zu nachgiebig ist, werden diese Länder mehr fordern bzw. zuerst radikalere Regierungen wählen, weil das dann erfolgversprechend scheint. Insgesamt wird es dann aber so teuer, dass auch die hiesigen Wähler nicht mehr eingelullt werden können, wie gut es uns doch ginge und dass wir an den griechischen Zinsen noch verdienen würden.

      • Das Problem ist nicht die Bundestagsentscheidung an sich, das Problem ist eher die mediale Wirkung.Finanzierung durch ESM, EZB und z.B. Junckers Konjunkturpaket bemerken die Leute nicht. Eine Abstimmung im Bundestag würde die Leute dagegen viel eher daran erinnern, dass Deutschland Geld an Griechenland verliert, wobei heute a) die AfD existiert und b) immer mehr Leuten klar wird, dass das Geld verloren ist. Außerdem stünde die CDU bei einem Bundestagsentschluss quasi pro-Tsipras natürlich als große Verliererin dar. Sie würden öffentlich gegen ihren eigenen Kurs stimmen.
        Außerdem erwähnte ich die anderen Nord-Länder. In Finnland und den Niederlanden stünden glaube ich auch Abstimmungen an, und dort sind eurorealistische oder gar EU-feindliche Kräfte im Parlament In Finnland finden dieses Jahr Wahlen statt. Die haben kein Interesse daran, sich am Nasenring herumziehen zu lassen. Das gilt auch für den spanischen Regierungschef, der die Podemos am Hals hat. Der würde sich über ein Scheitern Tsipras‘ noch am meisten freuen. Das würde die Spanier abschrecken, es den Griechen gleich zu tun. Sie sprachen es an.

        Die Frage ist, ob Frau Merkel überhaupt nachgeben kann. Wenn sie der Erleichterung um 30% (woran sich das auch immer bemisst) zustimmt, dann wird die griechische Regierung ein paar Monate später anklopfen und 40% usw. wollen. Die Massenarbeitslosigkeit verschwindet schließlich erst, wenn Griechenland den Euro verlässt oder jeder einen Pseudo-Job auf Kosten der Steuerzahler hat.

      • Frau Merkel hat oft genug gezeigt, dass sie sich weder an Verträge noch Beschlüsse oder gar ihr Geschwätz von gestern gebunden fühlt. Die fernere Zukunft ist ihr auch egal, nicht aber die nähere und ihre eigene Bedeutung darin. Deshalb wird sie Griechenland etwas, aber nicht zu sehr nachgeben.

  2. Was fuer Frau Merkel ein Kompromiss bedeutet, ist eine Position aufzugeben. Es sind nie bei Ihr FAIRE Kompromisse! Z.B. Linksruck in CDU oder EnergIewende waren faule Kompromisse oder radikale Kursaenderungen. Dabei ist jemand immer beschaedigt, nur sie nicht.

    In der Ukraine hilft sie Putin und ignorert groesste Mehrzahl der Ukrainer. Ukraine wird sich Waffen besorgen muessen sonst ist kein Ende in Sicht. Wir werden sehen wie weit ist sie bei Griechenland noch bereit zu gehen. Sicherlich viel weiter als die deutsche Bevoelkerung oder die Partei.

    • „Ukraine wird sich Waffen besorgen muessen[,] sonst ist kein Ende in Sicht.“ Glauben Sie wirklich, dass die Ukraine mit mehr Waffen gegen die russische Armee gewinnen und den Konflikt militärisch beenden könnte? Da stimme ich ausnahmsweise Frau Merkel zu, dass das nicht funktioniert. Umgekehrt könnte Russland den Konflikt militärisch für sich entscheiden, hat aber offensichtlich gar kein Interesse daran.

      • „Glauben Sie wirklich, dass die Ukraine mit mehr Waffen gegen die russische Armee gewinnen und den Konflikt militärisch beenden könnte?“

        Grundsätzlich ist das durchaus möglich, wobei dafür zwei Voraussetzungen nötig sind:

        1. Eine vollständige Mobilisierung seitens der Ukraine.
        2. Massive Waffenlieferungen seitens des Westens

        Sie haben schon recht, dass die russische Armee, was die (moderne) Kriegskunst angeht weit besser aufgestellt ist, ihr EInsatz in der Ukraine ist aber gering. Es ist fraglich, ob Putin bereit wäre die Anzahl der Soldaten (und damit auch die Anzahl der eigenen Opfer) signifikant zu erhöhen, denn die russische Bevölkerung ist zwar begeistert dabei, wenn „der Kampf gegen den Faschismus“ auf dem Fernsehbildschirm ausgetragen wird, aber nicht wenn im gleichen Kampf eigene Söhne fallen könnten. Dann fragen sie sich vielleicht doch, ob sie diesen Krieg wirklich wollen.
        Das gleiche gilt allerdings auch für die Ukrainer, weshalb die Bedingung 1 sehr schwierig umzusetzen wäre (schon jetzt entziehen sich viele ukrainische Männer der Einberufung), die ukrainische Regierung kann aber immerhin mit einer real existierenden Gefahr argumentieren.

      • Erinnern wir uns wie es Terroristen vor ein Paar Monaten schlecht ging. Dann kamen „humanitaere“ Konvois aus Russland, dann gab es Minsk1 und wo sind wir heute?

        Juengere Geschaeftsleute am Nachbartisch: “ Merkel geht nackt in die Verhandlungen!!!“. Gut beobachtet. Ich glaube nicht, dass Ukraine Russland in einem offenem Krieg besiegen kann. Aber weder Russen noch Terroristen koennen sich zu viele Verluste erlauben! Putin taktiert, ein offenen Krieg will er trotzdem nicht fuehren. Deswegen sind Waffen fuer Ukraine wichtig! Solange Terroristen Erfolge haben, werden sie nicht stoppen. Sie verlangen schon jetzt Neutralitaet fur ganze Ukraine.

        Sonst gibt es nichts zu verhandeln. Die Grenzen in Europa duerfen nicht durch Militaergewalt veraendert werden! Es gibt sogar Schwachkoepfe die schagen vor ein Kuestenstreifen von Rostow bis Krim fuer Russen frei zu geben.

      • Sie sollten den Terroristen-Begriff nicht inflationär gebrauchen. Es handelt sich um Separatisten in einem Bürgerkrieg. Sie handeln militärisch mit ausländischer Unterstützung, nicht terroristisch. Herr Putin will keinen offenen Krieg, solange er seine Ziele auch anders erreichen kann. Wenn nicht, wissen wir nicht, was passiert. Einen offenen Krieg würde die Ukraine sicher verlieren, außer wenn sich der Westen hineinziehen lässt. Doch dann droht der Dritte Weltkrieg, den keiner will.

    • Die Waffenlieferungen sind rein symbolisch. Die Ukraine hat genügend Waffen, sie hat aber innere Probleme. Die ukrainische Heerführung besteht aus Generalen mit sowjetischer Ausbildung und zweifelhafter Loyalität. Es gibt Korruption und riesige logistische Schwierigkeiten. Die Regierung in Kiew ist unprofessionell und hat teilweise den Janukowitsch-Beamtenapparat gegen sich. Sie will die USA/NATO ins eigene Land holen, um Russland abzuschrecken.

      Wenn Russland bereit ist einen Krieg in der Ukraine zu führen dann ist es aussichtslos, den direkten Konflikt vor der russischen Haustür zu suchen. Eine Eskalation könnte Putin sogar in die Hände spielen; er könnte einen Angriff auf russisches Gebiet herbeifantasieren und offen in die Ukraine einmarschieren, um eine „Pufferzone“ durchzusetzen. Es soll sich bitte keiner einbilden Obama würde in der Schlussphase seiner Amtszeit und im beginnenden US-Wahlkampf Krieg gegen Russland (!) führen, wenn er gleichzeitig den IS am Hals hat.

      Was die russische Bevölkerung betrifft so würde ein (inszenierter) Angriff aus der Ukraine auf russisches Gebiet reichen, um die zu mobilisieren – erst recht im Jubiläumsjahr des Sieges über Nazideutschland.

      PS: Frau Merkels Schutzpflicht betrifft Deutschland und nicht die Ukraine, welche nicht zur NATO und EU gehört. Ich muss sie hier ausnahmsweise in Schutz nehmen, denn eine militärische Eskalation in Europa ist nicht im Sinne der deutschen Zivilbevölkerung. Das werden im Extremfall auch jene merken, die jetzt danach rufen

      • Prof.Dilger
        Ich teile Ihre Meinung nicht. In der Ukraine haben wir keinen Bürgerkrieg. Russland greift Ukraine an und führt ein Krieg auf fremden Boden. Russische Soldaten und Söldner annektieren Krim durch Gewaltandrohung. In Ostukraine werden Unruhen mit russischen Offizieren, Söldner und regulären Truppen inszeniert. Es folgt russische Invasion eines unabhängigen Staates. Alle Aktionen sind in Russland geplant und finanziert, russische Staatsbürger mit schweren Waffen kämpfen und sterben in der Ukraine auf Befehl aus Moskau. UN verurteilte Russland wegen Völkerrechtsverletzungen.

        Begriff Terroristen (oder Banditen) entspricht russ. Terminologie und ist in diesem Fall treffend. Pro-russische Terroristen auf der Krim und in der Ostukraine verletzen Menschenrechte und Grundsätze der Rechtsstaatlichkeit. Es handelt sich um Staats-Terror bzw. um Besatzungs-Terror oder Terror-Krieg.

        Für mich sind die Handlungen des russischen Staates und (Para)Militärapparats auf ukrainischem Territorium, ohne Rücksicht auf Zivilbevölkerung, Handlungen von Terroristen! Sehr informativ ist auch sich über einzelne Personen zu informieren, die für Russland in Ukraine agieren.
        Überwiegend dubiöse Charaktere mit „Vergangenheit“. Verbrechen solcher Charaktere haben wir in neure Zeit in Tschetschenien, Jugoslawien etc. gesehen.

  3. Wie bei der Euro Einführung wurden in Hinterzimmern vollkommen andere Dinge als „Entgegenkommen“ vereinbart.

    Was in Minsk alles als „Verhandlungsmasse“ angeboten wurde, wissen wir noch nicht.
    Gleiches gilt in Brüssel.

    Ich sag s mal platt. Merkel erklärt, ich kann nicht mehr nachgeben, Frankreich mach du mal, ich biete dir dafür..xxxx.

    Es wird einen Kompromis geben, da bin ich mir sicher. Noch wird man den Euro halten wollen, weil die „Beerdigung“ des Euro noch nicht geregelt ist.

    Die Grenze zu Russland, die Nachbarländer werden immer ein Spielball der Mächte sein. Auch in Friedenszeiten. Wichtiger ist eigentlich, dass die Bevölkerung mal intensiv aufgeklärt wird, was ist die Ukraine ? Griechenland haben viel besucht und kennen die Strände, die Gastronomie seit 60 Jahren. Die Ukraine ist uns doch vollkommen fremd. Nur wer die russische Sprache versteht kann sich wenigsten autonom etwas informieren. Vielleicht ist gerade dies ein Vorteil der Ostbewohner. Vielleicht sollten wir mal mehr auf die hören.

    Ich kenne nur den Ukrainer der im Fernsehen „Milkyway“ anbietet und blutige Boxkämpfe zelebriert. Ukrainer die im Rotlichviertel ähnlich ihre Meinung vertreten und Mädchen als Handelsware sehen. Ukraine ist aber doch viel mehr. Was wissen wir…nix. Nur was uns die Medien erzählen und das wahrlich immer wieder neutral, oder doch ?

    • Die meisten Ukrainer wissen glaube ich selbst nicht so recht, was ihr Land eigentlich ist, seitdem es in der heutigen Form existiert. Ich für meinen Teil habe schlicht Schwierigkeiten mit einer Regierung zu sympathisieren, welche Leute wie auf dem Bild mit von mir bezahlten Waffen versorgt, und kann auch historisch begründete russische Angst nachvollziehen:

      Man stelle sich vor, die Bundesregierung würde eine paramilitärische Truppe aus Neo-Nazis aufbauen und nach Polen schicken, zwecks NATO-Gebietsschutz.

      Beim Euro werden die Leute, die in Europa das Sagen haben, nie einen Ausstiegsmechanismus einbauen, solange sie nicht dazu gezwungen werden. Man wird am Euro festhalten bis zum bitteren Ende, denn dieses Projekt basiert auf seiner Unumkehrbarkeit. Das Ziel der EU war von Anfang an mehr und mehr Machtkonzentration in Brüssel und schließlich ein EU-Superstaat. Die Schöpfer der EU machten in guter oder böser Absicht nach dem Zweiten Weltkrieg die Demokratie und den Nationalstaat als Quelle aller europäischen Probleme aus. Das ist Unsinn, denn es hat in Europa nie ein demokratischer Nationalstaat einen anderen demokratischen Nationalstaat angegriffen. Trotzdem entwickelten sie einen perfiden Plan: Durch wirtschaftliche Verzahnung sollte eine alternativlose Zentralisierung erzwungen werden, da der Ausstiegspreis zu hoch wäre, und da die Demokratie dementsprechend sinnlos sei sollten unantastbare Technokraten das unantastbare Projekt verwalten. Ein Ausstieg aus dem Euro, allein oder gemeinsam, beendet dieses Prinzip der Unumkehrbarkeit. Damit wäre die Vision der EU-Gründerväter von einem alternativlosen Technokratenregime (das auch in der Troika zum Ausdruck kommt) gescheitert und die nationalstaatliche Demokratie hätte gesiegt. Die Leute in Brüssel werden das nie zulassen, denn damit beerdigten sie ihr Projekt und sich selbst. Das meint Frau Merkel mit „scheitert der Euro, scheitert Europa“.

      Der Euro wird scheitern, weil er viel zu groß geworden ist und es der EU vorher nicht gelang, alle auf den kleinsten gemeinsamen Nenner zu bringen. Verfolgt die EU das Ziel weiter, wird die finanzielle Belastung für die Nordländer zu groß werden, denn wie soll das Geld denn erwirtschaftet werden wenn alle auf dem griechischen Niveau sind. Frau Merkels Versuch, im Sinne des großen Plans das Niveau anzuheben, ist fehlgeschlagen. Einem unkontrollierten Euro-Ende steht ein kontrolliertes Aus gegenüber, bei dem durch Abwahl der bisherigen Eliten oder dem Ausüben von massivem Druck auf diese ein Schlussstrich gezogen wird. Der Erz-Eurokrat hat genau das auf dem Schirm und will sich deshalb die Stimmen mit seinem Konjunkturprogramm kaufen. Auch die quantitative Lockerung der EZB passt in dieses Bild. Die Leute im Norden sollen nicht merken, dass sie beklaut werden, und die Arbeitslosigkeit im Süden soll verschwinden. Ob das klappt steht zu bezweifeln. Eine Euro-Abwicklung wird aber nie mit Leuten vom Schlage Schulz und Juncker möglich sein, nur gegen sie.

      Verhandelt hat man in Brüssel da gestern wohl nicht so viel, weil man nur zehn Minuten über das Thema gesprochen haben will. Der Gipfel war auch ungewöhnlich kurz.

      • Diese Jungs auf dem Bild sind unter 20 und wissen nichts ausser dass sie gegen Putin sind. Sie suchen sich ein Bild zu provozieren und zu zeigen dass sie gegen Kommunisten sind. Viele Hitlers Verbuendete im Osten waren keine Nazionalsozialisten sondern Gegner der Bolschewisten! Es sind wunderbare Propaganda-Bilder die uns ablenken sollen , sonst nichts.

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  5. Das Minsk II Abkommen ist kein Friedensvertrag, erstmal ist es ein Kompromiss ohne Endlösung, der zum Inhalt hat, die Regulierung der Waffenruhe und der Abzug schwerer Waffen. Gerne möchte ich hier aber noch einmal meine Visionen, die während der Krim Annexion entstanden ist, darlegen. Die Ukraine muss gespalten werden. Aus den Volksrepubliken Donezk und Luhansk muss ein selbstständiger Staat entstehen mit eigener Regierung und eigenen Gesetzen. Dieser Staat entscheidet dann selbst über seine politische Bestimmung und über seine eigenen Grenzkontrollen. Vertraglich wird sich dieser Staat an Russland binden wollen, und die Ukraine wird fester Bestandteil der NATO werden, dieses ist sowieso das Ziel der Ukraine. Mit Donezk und Luhansk als selbständigem Staat bleibt ihnen das „Schicksal“ NATO erspart. Damit wären die Konflikte gelöst, die jeweiligen Wirtschaftsbeziehungen würden zu Wohlstand führen, auf beiden Seiten, wenn man annimt, dass die Bodenschätze gleichzeitig verteilt sind.

      • Garry Kasparow Tweet am 12.02.

        „Minsk II is an attempt to buy peace for Ukrainian blood & land, & IMF money. But you can never buy peace from Putin, only rent it briefly.“

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