Akademische Ratsstelle ausgeschrieben

Auch meine ‚Erneute Stellenausschreibung‘ führte nicht zum gewünschten Ergebnis. Der Markt für gute wissenschaftliche Mitarbeiter scheint leergefegt. Deshalb versuche ich jetzt einmal etwas anderes und suche eine Ebene höher eine promovierte Person für eine akademische Ratsstelle. Außerdem habe ich Geld aus meinem Budget geopfert, um dafür diese Stellenanzeige bei academics zu schalten. Ich hoffe auf viele gute Bewerbungen, habe sonst aber diesmal noch einen Plan B, um die Stelle auf jeden Fall zu besetzen. Immerhin sollen wir Budgetüberschüsse abbauen und nicht weitere ansparen. Im Übrigen suche ich auch wieder eine studentische Hilfskraft.

13 Gedanken zu „Akademische Ratsstelle ausgeschrieben

  1. Lieber Herr Dilger,

    bitte erklären Sie uns was konkret gemeint ist:
    „Immerhin sollen wir Budgetüberschüsse abbauen und nicht weitere ansparen.“

    Verstehe ich das richtig?
    Bedeutet es, dass einmal festgelegte Budgets auch verbraten werden müssen und unter keinen Umständen gespart werden soll?
    Oder habe ich Ihren Satz missverstanden?

    • Früher war es üblich, dass Haushaltsreste nicht übertragen werden konnten, also am Ende des Jahres verfielen oder sogar zu Kürzungen des Budgets im nächsten Jahr führten, da das Geld doch nicht gebraucht würde. Folglich gab es das Jahresendfieber, um alles Geld noch schnell auszugeben, egal wofür. Seit etlichen Jahren dürfen wir die Haushaltsreste ins nächste Jahr übertragen, was angesichts einer immer geringeren Grund- und unsichereren (oft erst zum Jahresende feststehenden) Programmfinanzierung durchaus sinnvoll ist. Doch wenn jeder auch nur ein Jahresgehalt für einen Mitarbeiter als Rücklage bildet, kommen natürlich insgesamt ziemlich große Summen zusammen, die Begehrlichkeiten auf allen Ebenen (Landesfinanzminister, Rektorat, Dekanat) wecken. Deshalb sollen wir die Überschüsse abbauen. Andernfalls droht man uns mit Kürzung oder Streichung. Es ist auch schwieriger, zusätzliche Gelder zu erhalten, wenn man noch welche auf dem Konto hat. Im Grunde wird auf kleiner Ebene wiederholt, was die große Politik vorlebt: Nullzinsen, Plündern der Sparer, Belohnen der Verschwender. Eigentlich müssten gerade die Ökonomen auf diese Anreizstruktur anders reagieren, doch das vernünftige Wirtschaften ist wohl zu tief in uns drin.

      • Lieber Herr Dilger,

        also als Steuerzahler kann ich es nur begrüßen, wenn keine Budgets verbraten oder gehamstert werden, sondern jede öffentliche Dienststelle nur so viel Geld ausgibt, wie sie tatsächlich braucht.

        Es hat doch nichts mit „sparen“ zu tun, wenn Sie Budgetüberschüsse „ansparen“. Das ist reinste Steuerverschwendung! Erkennen Sie das denn nicht selbst?

        Very strange …

      • Kann es sein, dass Sie sowohl von öffentlicher Verwaltung als auch der Arbeitsweise anderer Großorganisationen keine Ahnung haben? (Das würde auch viel von Ihrem Geschimpfe auf die AfD-Führung erklären.) Wer weiß woher, wie viel jede Dienststelle „tatsächlich braucht“? Ich bewirtschafte, wie als Privatperson übrigens auch, die Mittel, die ich habe. Wenn sie nicht reichen, versuche ich zusätzliche Mittel einzuwerben oder fahre nicht so nötige Aktivitäten zurück. Im Gegensatz zu einigen Kollegen spiele ich nicht das Spiel, möglichst viele Mittel einzuwerben, um damit die Einwerbung zusätzlicher Mittel finanzieren zu können, während angewandte Forschung oder auch Lehre nur noch der Finanzierung dienen. Dass die schwankenden Einnahmen und Ausgaben sich zum Jahresende genau ausgleichen, ist kaum zu erwarten (wenn man nicht durch sinnlose Ausgaben im Jahresendfieber nachhilft). Auch um implizite oder explizite Beschäftigungszusagen über etliche Jahre tatsächlich einhalten zu können, sind gewisse Reserven nötig.

        Dabei ist mir auch klar, dass es nicht optimal ist, dass das Land gegen (allerdings inzwischen sehr niedrige) Zinsen Kredite aufnimmt, nur damit das Geld bei unteren Einheiten zinslos auf den Konten liegt. Doch im Grunde könnte das Land oder auch die Universität dieses Problem selbst lösen, indem die Verrechnung geändert wird. Die Budgets könnten immer erst ausgezahlt werden, wenn sie tatsächlich verausgabt werden. Alternativ könnten sich Land oder Universität bei den eigenen Untereinheiten zinslos finanzieren. Es könnte sogar ein interner Kreditmarkt eingerichtet werden, bei dem ein interner Zins, der durchaus negativ sein kann, Angebot und Nachfrage zum Ausgleich bringt. Werden die Mittel hingegen einfach einkassiert, führt das zu Frustration und zukünftig wieder dem Jahresendfieber.

      • Was Sie hier beschreiben, schreit doch alles nur so nach Privatisierung!

        Die öffentliche Hand haut das Geld an allen Enden raus, dass es nur so kracht. Der „Steuerbürger“ wird nicht einmal gefragt, welche der „Leistungen“ des Staates er haben möchte und welche nicht. Es wird einfach feudal drauf los verbraten, was zur Verfügung steht, nur um nicht nächstes Jahr weniger verbraten zu sollen.

        Ihrem Vorschlag entnehme ich zwar durchaus eine Spur Vernunft, aber gelöst wird das Problem, dass staatliche „Leistungen“ ziemlich abgekoppelt von tatsächlichem Bedarf erbracht werden und dadurch Milliarden und Abermilliarden einfach verschwendet werden, auch nicht.

      • Wie löst Privatisierung das Problem, welches auch jede private Großorganisation hat? Eine reine Marktlösung könnte das Problem reduzieren, doch Großorganisationen haben oft Vorteile gegenüber dem Markt (sonst würden sie sich dort nicht von selbst bilden), z. B. Größenvorteile. Doch selbst kleine Unternehmen und Unternehmer direkt am Markt kommen doch nicht ohne Rücklagen und Kapitalpuffer aus.

        Schließlich wird im politischen Prozess durchaus darüber entschieden, wie viel Geld der Staat insgesamt ausgibt und wie er es verteilt. Dabei kann auch das Versprechen von Steuersenkungen Stimmen bringen, wie die FDP 2009 gezeigt hat. Wer seine Versprechen nicht einhält, bekommt dafür dann die Quittung, was doch auch zu begrüßen ist.

      • Richtig, deswegen werden Unternehmen oder auch Staaten auch nicht immer größer, sondern haben eine optimale Größe, bei der marginale Größenvor- und nachteile sich genau ausgleichen.

      • In einer echten Marktwirtschaft sollte das so sein und würde auch so funktionieren.

        Da der real existierende Umverteilungs-„Sozialstaat“ aber an allen Enden und Ecken reguliert und eingreift, gibt es „systemrelevante“ Unternehmen, die von den Feudalisten (die von diesen Großunternehmen trefflich geschmiert werden) viel, viel gleicher behandelt werden als andere („too big to fail“ usw., usf.).

    • Soll das ein Witz sein? Bremer Vulkan ging pleite und die ständige Weiterleitung aller Barmittel an die Zentrale trug zum Niedergang aller Niederlassungen bei. Im öffentlich-rechtlichen Bereich stellt sich die Insolvenzproblematik allerdings anders dar. Mein Institut hat ohnehin keine Barmittel und mir ist es egal, auf welchem Konto mein Budget verwaltet wird.

      • Es geht nicht um dass was der Konzern gemacht hat, sondern um die IDEE der Commerzbank, unterschiedliche Budget (Subenvtionen) für die Teilbereiche eines Konzern zeitnah einzusetzen und damit noch zu erwartende Subventionen ( Budget) zu finanzieren. So wie bei Ihnen, noch nicht verbrauchtes Budget und ein anderer braucht noch etwas Budget, wird aber nächstes Jahr über haben.

        Wenn es nicht krimminell gemacht wird, müßte es gut funktionieren, zumal eine Universität sicher überschaubarer ist als ein weltweiter Konzern mit unterschiedlichen nationalen Bilanzregeln.

      • Dazu muss aber an einer Universität gar kein Geld überwiesen werden. Es genügt eine Verrechnung der Konten. Die Leitung könnte auch verhindern, dass die Ungleichgewichte zu groß werden.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s