Monetäre Staatsfinanzierung durch nationale Notenbanken

Exklusiv aus dem neuen SPIEGEL: EZB will Anleihekäufe nationalen Notenbanken überlassen“:

Jüngsten Planungen zufolge sollen die nationalen Notenbanken nur Papiere des eigenen Landes kaufen und halten. EZB-Präsident Mario Draghi stellte Bundeskanzlerin Angela Merkel und Finanzminister Wolfgang Schäuble (beide CDU) seine Überlegungen vergangenen Mittwoch in Berlin vor. Die Maßnahme soll verhindern, dass etwa Deutschland die Haftungsrisiken für andere Länder übernimmt.

Für wie dämlich hält eigentlich der Ex-Mitarbeiter von Goldman Sachs die Bundesregierung oder diese die Bundesbürger? Wenn jedes Land noch seine eigene Währung hätte oder eine Parallelwährung einführen würde, dann könnte tatsächlich jede nationale Notenbank ihren Staat so sehr finanzieren, wie sie oder auch er möchte, ohne dass es die übrigen Staaten etwas anginge. Doch mit dem Euro als gemeinsamer Währung sind alle Länder der Eurozone davon betroffen. Denn die geschaffenen Euro gelten überall gleich, während die verschiedenen Staatsanleihen offensichtlich nicht den gleichen Wert haben. Wenn ein Staat zahlungsunfähig wird, zahlen die anderen dafür. Wenn die Zahlungsfähigkeit stets durch immer mehr monetäre Staatsfinanzierung aufrechterhalten wird, landen die Euro auch in den übrigen Staaten. Folglich ist es überhaupt kein Vorteil, dass jede nationale Notenbank die Alleinzuständigkeit für den Aufkauf von Staatsanleihen des eigenen Landes erhalten soll, sondern ein Nachteil, weil eine gemeinsame Entscheidung des gesamten EZB-Rates zumindest noch ein Mindestmaß an Kontrolle und Transparenz beinhaltet, insbesondere wenn die Stimmrechte dort an die tatsächliche Finanzkraft angepasst würden.

Eine Obergrenze „von maximal 20 Prozent oder 25 Prozent der ausstehenden Staatsschuld eines Landes“ für den Ankauf durch die Notenbank ist kein echter Trost. Erstens dürfte diese Grenze bei Bedarf, der schnell entsteht, immer weiter erhöht werden. Zweitens bedeutet das faktisch, dass die Staatsschulden entsprechend erhöht und von der Notenbank finanziert werden, obwohl schon jetzt kaum ein Land die Maastricht-Kriterien erfüllt. Allerdings dürfte diese Finanzierung der Staatshaushalte mit der Notenpresse tatsächlich das Ziel der Deflationsbekämpfung erreichen, nur dass sie verboten ist und die Schulden über den Euro vergemeinschaftet.

Immerhin hat Herr Draghi schon einen nationalen Notenbanker überreden können:

Der Chef der niederländischen Notenbank, Klaas Knot, sprach sich im SPIEGEL dafür aus, die Durchführung des Programms den nationalen Währungsbehörden zu übertragen. „Würde jede Notenbank nur die Papiere des eigenen Staates erwerben, wäre die Gefahr geringer, dass es zu einer unerwünschten Umverteilung von Finanzrisiken kommt“, sagte Knot.

„Wir müssen vermeiden, dass über die Hintertür der EZB-Bilanz Entscheidungen getroffen werden, die den demokratisch gewählten Politikern der Euroländer vorbehalten bleiben müssen.“ Würde das von Draghi vorgeschlagene Programm von den nationalen Notenbanken durchgeführt und für das Risiko der neu angekauften Papiere das jeweilige Land geradestehen, würde die EZB deutlich machen, dass es „ihr ausschließlich um Geldpolitik und nicht um Finanzpolitik geht“, sagte Knot.

Leider ist genau das Gegenteil richtig.

103 Gedanken zu „Monetäre Staatsfinanzierung durch nationale Notenbanken

  1. Das das Haus Oranien-Nassau neben dem Vatikan einziges ernst zu nehmendes europäisches Schwergewicht der internationalen Hochfinanz sein dürfte, überrascht mich die Haltung von Herrn Knot nicht wirklich.

  2. Wenn Sie Mario Draghi einen „Ex-Mitarbeiter“ von Goldman-Sachs nennen (was ja inhaltlich stimmt), dann wollen Sie dadurch Empörung erzeugen. Allerdings sollten Sie die Metaebene dahinter nicht unterschätzen. Goldman-Sachs wird auch von Antisemiten missbraucht um eine angebliche Weltherrschaft „Jüdischen Kapitals“ aufzuzeigen. Und Mario Draghi wird dort gern als williger Helfer genannt. Ich sage nicht, dass Goldman-Sachs nicht kritisch betrachtet werden darf aber wenn Sie Mario Draghi kritisieren und dann eine Assoziation zu Goldman-Sachs schaffen, kann das missverstanden werden. Ich weiss, dass Sie kein Antisemit oder sonst was in dieser Richtung sind aber viele Ihrer „Parteifeunde“ sind das (nachweislich) schon und werden sich über Ihren Kommentar ebenfalls freuen. Ihre (in diesem Fall sogar berechtigte) Kritik an den Plänen der EZB hätten Sie auch ohne Kontext zu Goldman-Sachs formulieren können.

    • Der Einfluss von Goldman Sachs auf die Politik ist viel zu groß. Diese Feststellung hat mit Antisemitismus nichts zu tun, zumal Herr Draghi und die anderen mit dieser Investmentbank verbundenen Politiker meines Wissens nach keine Juden sind. In der AfD kenne ich übrigens kaum Antisemiten im Gegensatz zu vielen Islamgegnern, die jedoch meistens gerade projüdisch und -israelisch sind.

      • Immer wieder fallen AfD-Politiker, vielleicht nicht die erste Garde, mit antisemitischen Kommentaren auf. Im Netz und in Medien sind die Kommentare zu Hunderten (nachweislich) protokoliert. Ob das Verteilen von antisemitischen Karikaturen oder krude Thesen über den Holocaust. Klassische antisemitische Stereotypen werden zuhauf von Teilen der AfD bedient. Da helfen auch keine halbherzigen Bekundungen Ihrer Parteispitze. Zu behaupten, dass es in der AfD keine Antisemiten gibt, ist im allerbesten Fall naiv, Herr Dilger. Vielleicht glauben Sie ja wirklich an das Gute und das gestehe ich Ihnen auch gern zu aber Sie irren (gewaltig).

        Ich habe im übrigen den neuen Spiegel, so wie Sie vermutlich auch, gelesen. Sie werden dort (positiv) erwähnt. Was man über Lucke weniger behaupten kann. Meine von Anfang an instinktive Ablehnung gegenüber diesen Mann und seiner Partei haben sich (mal wieder) bewahrheitet. Der nächstes gruselige Höhepunkt ist heute Abend wenn PEGIDA und Gauland bei Jauch auftreten. Das wird lustig. Wer dann der AfD noch angehört kann nicht bei Trost sein. Treten Sie aus dieser Partei aus.

      • @Papapostolou

        Welche Partei schlagen Sie vor als Option? Ich gehe davon aus, Sie sind in keiner Partei. Klug und immer bequem, aber Sie koennen nichts bewirken, auch wenn es realistisch gesehen nur Peanuts sind.

        Ihre Beobactungen re. Antisemitismus etc. sind nicht aus der Luft gegriffen. Unter AfD-Mitgliedern verbirgt sich schon manche extreme und dumme Meinung. Deswegen betrachte ich s.g. Basis gefaehrlicher als liberal-konservative Spitzen, Lucke-Henkel-Starbatty und Glaube nicht, dass Besis zu viel Macht bekommen soll.
        Eine Gauland/Pegida -Partei kann man immer ohne Bedenken verlassen.

      • Jede, der im Bundesparlament vertretenden Parteien, sind besser als die AfD. Selbst die unempathische FDP ist eine bessere Wahl. Politik ist kompliziert und sollte immer behutsam und kompromissbreit vorgehen. Aufgeblasenheit, plumpe Simplifizierungen und Sektierertum so wie die AfD das betreibt, mögen simple Gemüter ansprechen (Ein kurzer Blick auf Facebook genügt ja), ernsthafte Politik entsteht dadurch sicher nicht. Herr Dilger versucht immer wieder durch nüchterne Kommentare (verzweifelt) dagegenzuhalten und glaubt in der AfD einen Verbündeten für seine Aversion gegen den Euro gefunden zu haben. Er wird scheitern.

      • Von Anfang an war klar, dass es die AfD sehr schwer haben wird. Sowohl die formalen als auch die faktischen Hürden für eine erfolgreiche Parteigründung sind sehr hoch in Deutschland, weshalb überhaupt nur die Grünen sich etablieren konnten (und dafür einen hohen Preis zahlten, wenn man sich die Ideale der Anfangszeit anschaut). Wenn meine hier im Blog vertretene Auffassung richtig ist, war die Strategie von Herrn Lucke falsch, mit dem rechten Rand zu flirten, denn die Hauptgefahr für neue Parteien liegt darin, in Extremismus und Chaos abzugleiten. Das droht der AfD jetzt ganz akut, doch noch gibt es Resthoffnung, insbesondere wenn Herr Lucke daraus etwas gelernt hat.

        Es ist auch zu bedenken, dass bestimmte wichtige Themen wie die Eurokritik von den etablierten Parteien nicht ernsthaft diskutiert werden und dort eigentlich keine Wahl mehr besteht. Selbst ein Eurobefürworter wie Sie sollte das damit verbundene Problem der mangelnden demokratischen Legitimation erkennen. Überwältigende Zustimmung für eurofreundliche Parteien wäre doch viel aussagekräftiger, wenn es dazu eine echte Alternative gäbe. Ein Volksentscheid könnte auch Legitimation bringen, doch man fürchtet wohl ernsthaft die Möglichkeit eines anderen Ergebnisses.

      • Herr Papapostolou,
        die politische Welt ändert sich zusehends in ihrer Art der Kommunikation. Fast alle politischen Skandale und politische Begebenheiten der Welt in den letzten drei Jahren kamen durch neue Kommunikationseinrichtungen ausbreitend auf den Tisch. Die AfD ist in Deutschland die erste Partei gewesen, welche diese Art der Kommunikation propagiert hat. Dieses entmachtet immer mehr die Knutenpolitik der Altparteien und die auferlegten Kuschereien der Regierungsparteien zum Wohle des Wählers. Ihre Forderung, aus der AfD auszutreten, kann nur den Sinn haben, dass sie unsere Partei scheuen wie der Teufel das Weihwasser. Sie fürchten einfach, dass wir den Griechen die Geschäftsgrundlage entziehen. Ist der Euro einmal weg, schwinden ihre Aussichten. Ein Schuldenschnitt wäre sicherlich erst mal eine Lösung für sie, es würde das Problem der Griechen aber nicht lösen. Ein wichtiges Element fehlt Griechenland, das ist die Wettbewerbsfähigkeit. Ohne diese werden sie immer ein Schuldenstaat bleiben, auch wenn sie aus dem Euro verschwunden sind. Machen sie die To Potami in Griechenland mehrheitsfähig und stellen sie die Freiberufler unter Kontrolle. Die Griechen leiden in erster Linie durch die falschen Versprechungen von ND und Pasok. Folgen sie denen, die in Griechenland noch nicht als Lügner aufgetreten sind und stören sie sich nicht an diejenigen, die Mitglied der AfD sind.

      • Herr Dilger, Ihr Einwand dass die etablierten Parteien den Euro nicht hinreichend diskutieren ist nicht meine Beobachtung. Dass der Euro von Parteien, Gewerkschaften und Industrie verteidigt wird, liegt vielleicht auch daran dass vernunftbegabte Menschen oft zu ähnlichen Antworten kommen. Trotzdem empfinde ich eine Anti-Euro-Partei nicht als lästig oder gefährlich. Das ist völlig legitim und aus einer bestimmten Form der Liberalität sogar intellektuell nachvollziehbar. Aber muss eine Euro-Kritik immer plumpe Beschimpfung von EU, europäischen Nachbarn und Religionen nachziehen? Ich kenne europaweit keine einzige Anit-Euro-Partei, die liberal Ihre Politik ohne Ressentiments vertritt. Alle sind rechtslastig und ausländerfeindlich. Bringt Sie das nicht wenigstens mal zum grübeln, wieso das so ist?

        Im übrigen bin ich kein kompromissloser Eurobefürworter. Als Tausch zur Überwindung von Korruption und Nepotismus in Griechenland, würde ich dafür den Euro unverzüglich aufgeben. Auch wenn es ökonomisch falsch wäre.

      • Die Eurorettungspolitik wird diskutiert, der Euro selbst von den etablierten Parteien in Deutschland nicht mehr. Die FDP hat das getan, was ihr einerseits hoch anzurechnen ist, andererseits aber ganz wesentlich zu ihrem Niedergang beigetragen hat. Die meisten etablierten Politiker, insbesondere in der FDP, scheinen daraus den Schluss zu ziehen, dass eine solche Diskussion unbedingt zu vermeiden ist. Ich komme zu dem gegenteiligen Ergebnis: Die FDP würde heute mit 18 % im Bundestag sitzen und die AfD gäbe es überhaupt nicht, wenn sich die Parteiführung damals anders entschieden hätte.

        Europa ist ziemlich groß. Außerhalb der Eurozone gibt es doch etliche etablierte Parteien, die gegen den Euro sind, zumindest für ihr Land. In Großbritannien will keine Partei den Euro einführen, sondern wird eine vergleichbare Diskussion über den Verbleib in der EU geführt. Auch in Dänemark und Schweden tritt heute keine Partei mehr für den Eurobeitritt ein. In anderen Ländern kommt die Eurokritik nicht nur von rechts, sondern auch von links. Syriza war doch früher klar gegen den Euro und selbst in Deutschland Die Linke. Ich würde eine europaweite Bewegung gegen den Euro begrüßen. Denn das ist ein Thema, wo die europäischen Bürger ein gemeinsames Interesse gegen ihre Eliten in Politik und dem Finanzsektor haben.

      • Herr Krebs, ich habe keine Angst vor der AfD. Das hat ganz sicher auch nichts mit Griechenland zu tun. In den nächsten 100 Jahren wird eine reaktionäre und sektiererische Partei keine Chance haben. Die archaischen Vorstellungen der AfD sind nicht kompatibel mit der Zukunft einer offenen, freien und menschenfreundlichen Gesellschaft des 21. Jahrhunderts. Sie werden das alsbald bitterlich zur Kenntnis nehmen müssen. In einem Punkt haben Sie aber recht. Ich werde am Sonntag „To Potami“ wählen. Sie haben sich, wie ich sehe, jetzt doch ein wenig mehr mit Griechenland beschäftigt und auf plumpe Vorurteile verzichtet. Ich begrüsse das.

      • @A. Papapostolou:
        „Immer wieder fallen AfD-Politiker, vielleicht nicht die erste Garde, mit antisemitischen Kommentaren auf. Im Netz und in Medien sind die Kommentare zu Hunderten (nachweislich) protokoliert. Ob das Verteilen von antisemitischen Karikaturen oder krude Thesen über den Holocaust. Klassische antisemitische Stereotypen werden zuhauf von Teilen der AfD bedient.“
        Diese Beobachtung kann ich nicht bestätigen. Vielmehr habe ich den Eindruck, dass der AfD-Bodensatz, der sich fortwährend öffentlich bei Facebook entblödet, sehr islamophob eingestellt ist.

        @Alexander Dilger:
        „Wenn meine hier im Blog vertretene Auffassung richtig ist, war die Strategie von Herrn Lucke falsch, mit dem rechten Rand zu flirten, denn die Hauptgefahr für neue Parteien liegt darin, in Extremismus und Chaos abzugleiten. Das droht der AfD jetzt ganz akut, doch noch gibt es Resthoffnung, insbesondere wenn Herr Lucke daraus etwas gelernt hat.“
        Bernd Lucke hat nichts daraus gelernt. Seine Mission ist es, das Wählerspektrum rechts der CDU (egal wie weit rechts) und ein paar frustrierte Ex-FDP-Wähler zu binden, um der CDU einen möglichst starken Juniorpartner zur Seite zu stellen. Da sich inzwischen herausgestellt hat, dass wir Liberale im Vergleich zu den „Nationalkonservativen“ nur Spurenelemente sind, spielen wir in dieser Taktiererei keine Rolle mehr. Wann erkennen auch Sie das endlich, lieber Herr Dilger?

      • Auch diese ständig von Ihnen wiederholte Verschwörungstheorie ist Unsinn. Herr Lucke ist kein Agent der CDU, sondern versucht dieser Stimmen abzunehmen. Sein Hauptfehler ist wohl der Versuch, schnell Stimmen von überall gewinnen zu wollen. Das mag sogar zum Anfangserfolg beigetragen haben, doch jetzt haben wir völlig inkompatible Positionen und Personen in der AfD. Liberale können als die Klügeren einfach nachgeben oder endlich zu kämpfen beginnen.

      • @Alexander Dilger:
        „Liberale können als die Klügeren einfach nachgeben oder endlich zu kämpfen beginnen.“
        Wahrscheinlich sind wir zu wenige, um uns noch erfolgreich ins Spiel bringen zu können. Aber ich kämpfe gerne mit. Allerdings nicht für Falschspieler wie Bernd Lucke, der alles andere als ein Liberaler oder ein Demokrat ist, egal ob ihn uns die CDU oder der liebe Gott geschickt hat.

    • Ihre Empfindung dass die Eurorettungspolitik nicht diskutiert wird ist falsch. Sie wird nur nicht in Ihrem Sinne diskutiert. Die Grünen zum Beispiel lehnen die derzeitige Eurorettungspolitik ebenso ab wie ich. Auch Teile der SPD und der Linken (die wiederum sehen andere Ursachen). Aber eben aus anderen Gründen als Sie. Die unerbittliche Austeritätspolitik ist falsch und eben nicht der Euro.

      Die FDP ist nicht an der Eurorettungspolitik gescheitert. Sie ist an Kaltherzigkeit und Antipathie in der Bevölkerung gescheitert. Mit einem noch grösseren Unsympathen wie Schäffler läge die FDP heute bei einem halben Prozent.

      Die AfD hat heute nur Erfolg weil Sie reaktionäre Signale sendet, die ein Teil unserer Bevölkerung genau versteht. Ein gruseliger Mix aus Nationalismus und Ressentiments. Die radikale Eurokritik (geschlossene Grenzen, nationale Währung) passt in deren ideologisches Weltbild. Es mag nicht Ihr Weltbild sein aber wie wollen da widersprechen.

      • Ich habe doch geschrieben: „Die Eurorettungspolitik wird diskutiert“. Die von Ihnen abgelehnte Austeritätspolitik ist übrigens eine direkte Folge des Euro. Es wäre doch den Deutschen völlig egal, wie viele Drachmen Griechenland druckt und wie es sich in Drachmen verschuldet. Wenn Deutschland jedoch dieselben Euro verwendet und faktisch für die griechischen Schulden haftet, muss es diese auch irgendwie begrenzen.

        Ihre Analyse des FDP-Schicksals halte ich nicht für richtig. Ihre Wähler wollten nicht noch eine sozialdemokratische Partei, sondern sie erhielt 14,6 % der Stimmen bei der Bundestagswahl 2009 für die schlichte Forderung nach einem einfacheren und gerechteren Steuersystem. Davon hat sie nichts geliefert, sondern Herrn Schäuble das Finanzministerium überlassen und die Hotelsteuern verkompliziert. Mit dem Durchwinken jeder Form von Eurorettungspolitik wurden dann alle verbliebenen liberalen Grundsätze über Bord geworfen. Herr Schäffler hat seinerzeit gar nicht das Ende des Euro gefordert (und tut es auch heute nicht), sondern nur die Einhaltung des geltenden Rechts. Diese Forderung hätte die FDP-Führung ganz leicht übernehmen können, ja übernehmen müssen.

        Ich denke nicht, dass die AfD mit Positionen der Republikaner, von PRO NRW oder noch schlimmer erfolgreich sein wird. Schauen Sie sich die Stimmergebnisse dieser Parteien an. Eine seriöse konservative Partei hätte ernsthafte Chancen, weil die CDU dieses Feld geräumt hat, doch als Bürgerschreck kann man höchstens in den neuen Bundesländern punkten, weil es dort viel weniger bürgerliche Wähler gibt und DDR-Reaktionäre eine neue Heimat diesseits der Linkspartei suchen. Von daher wird die Hamburgwahl spannend. Ein Misserfolg dort dürfte die AfD ins Abseits führen, weil die Landesfürsten in Brandenburg, Sachsen und Thüringen das als Bestätigung ihres Kurses auffassen würden, der gerade dazu geführt hätte.

      • Sie vergessen bei Ihrem Vergleich, dass die AfD erhebliche Sympathien als Neugründung gegen die Euro-Rettungspolitik erhielt in einer Zeit vor der Bundestagswahl 2013. Lucke war kaum bekannt, die AfD wurde ständig in allen Systemmedien auf und ab als „rechtspopulistisch“ bezeichnet und dennoch war der Zulauf enorm. Nun erleben wir, dass sich die politische Landschaft allmählich ändert. Der Rückhalt in der Bevölkerung für einen islamkritischen, vor allem aber asylmissbrauchskritischen Kurs ist gegeben. Bundesweite Umfragen zeigen zwei Drittel bis drei Viertel Zustimmung unter AfD-Anhängern. Die erste bayerische Mitgliederbefragung (Bayern ist ein altes Bundesland) spricht Bände. Zudem haben wir das Führungspersonal. Die Voraussetzungen sind gegeben, jetzt muss man es nur noch wollen.

      • “Die Eurorettungspolitik wird diskutiert”. Stimmt, das habe ich überlesen. Sorry. Dass die nicht umgesetzten Steuererleichterungen den Untergang der FDP beschleunigte, ist auch richtig. Und überraschender Weise haben Sie ebenso mit Ihrer Analyse zur Hamburg-Wahl recht. Sehen Sie es mir nach, dass ich der AfD, trotz unseres harmonischen Sonntags, trotzdem kein Glück wünsche. Um so schneller verschwindet diese Partei wieder von der Bildfläche.

      • Ja, Herr Arno, ganz schlimm diese postdemokratischen Medien, die von unseren „machtgeilen Politikern“ (Zitat Lucke) kontrolliert werden. Da bin ich ja froh dass anständige Deutsche (selbstverständlich die Kameraden der AfD) mit ihrem gesunden Volksempfinden endlich „aufwachen“ und all diesen komischen Islamasylmigrantenirgendwas den „deutschen Marsch“ blasen. Die Lügenpresse lügt aber auch so was von.

        Tja, das wars dann wohl mit der sonntäglichen Harmonie. Schade. Aber so ist so ist das eben bei der AfD. Andere müssen daran verzweifeln, nicht ich.

      • Herr Papapostolou, sind Sie gegen Scharia, Paralleljustiz, islamische Theokratie, Zwangsehe, Polygamie, Beschneidung und Schächten in Ihrem Heimatland Griechenland? Sind Sie der Ansicht, dass die bestehenden griechischen Asylgesetze eingehalten werden sollten? Wenn Sie eine dieser Fragen mit ja beantworten, dann frage ich Sie, wieso Sie solche Bestrebungen in der Bundesrepublik mit Begriffen aus dem Dritten Reich belegen?

      • Zuvor haben Sie erwähnt, dass Sie in Griechenland wählen.

        Wer zu uns kommt, um hier zu arbeiten und zu leben, möglicherweise auch um eines Tages in sein Herkunftsland zurückzukehren, der tut dies, um sich und seiner Familie ein besseres Auskommen und besseres Leben als im Herkunftsland bieten zu können. So jemand sollte auch Dankbarkeit gegenüber seinem Gastgeberland empfinden, das ihm dies ermöglicht.

      • Herr Papapostolou, mich würde interessieren, ob Sie nur in Griechenland wählen oder auch in Deutschland, und zwar auf Bundesebene. Der ZEIT-Herausgeber hatte rechtswidrig bei der Europawahl zweimal gewählt, in Deutschland und in Italien. Eine doppelte Wahl zu nationalen Parlamenten ist vielleicht sogar erlaubt, aber im Grunde für die europäische Demokratie noch schlimmer, weil Sie dann doppelt in den wichtigeren Gremien repräsentiert werden.

      • Ich nehme Ihren Dank an Ihr Gastgeberland zur Kenntnis, Herr Arno. Sie sollten aber ebenfalls zur Kenntnis nehmen dass wir in einem demokratischen Rechtsstaat mit freier Presse leben. Wer meint, dass es hier nur eine „Systempresse“ gibt und das Land islamisiert sieht, lebt in einer gefährlichen Parallelgesellschaft. Zeigen Sie gegenüber unserer Demokratie und den hier lebenden Menschen gefälligst mehr Respekt.

      • Ich brauche bestimmt nicht mehr Respekt gegenüber einem Griechen zu zeigen, der hier alle Vorteile in Anspruch zu nehmen scheint und auf der anderen Seite kaum eine Gelegenheit auslässt, um über sein Gastgeberland herzuziehen.

      • Eine doppelte Wahl zu nationalen Parlamenten ist mit einer doppelten Staatsbürgerschaft erlaubt, bei der Europawahl, wie mittlerweile bekannt, nicht.

        Ich werde bedauerlicherweise (doch) nicht wählen können weil ich aus beruflichen Gründen (Zeit) nicht nach Griechenland fliegen kann. Griechenland lässt ärgerlicherweise (noch) keine Briefwahl aus dem Ausland zu. Ich habe meinen alten Vater überredet „To Potami“ zu wählen und seiner alten Liebe „Pasok“ abzuschwören. Er hat, obwohl seit 40 Jahren Pasok-Wähler, einsichtig eingewilligt.

      • Es war auch schon vorher bekannt, dass niemand bei einer demokratischen Wahl doppelt wählen darf. Wahrscheinlich hielt Herr di Lorenzo die Europawahl ganz einfach nicht für demokratisch… Dass doppelte Staatsbürger bei zwei verschiedenen nationalen Wahlen mitwählen dürfen, ist innerhalb der jeweiligen Länder weniger problematisch als auf europäischer Ebene. Die betreffenden Personen werden in der EU doppelt vertreten, was zur ungleichen Stimmbedeutung je nach Land noch hinzukommt.

      • Der Moloch EU ist eindeutig zu groß. Das sieht man schon an solchen Erscheinungen wie der doppelten Versendung von Wahlkarten.

        Giovanni di Lorenzo ist dabei kein Einzelfall. Auch ich hätte bei den beiden letzten Wahlen zum Europaparlament doppelt wählen können, da mir sowohl 2009 als auch 2014 sowohl meine österreichische Wohnsitzgemeinde als auch meine deutsche Herkunftsgemeinde jeweils Wahlunterlagen zukommen lassen haben (ich habe aber selbstverständlich jeweils nur einmal gewählt).

        „Betroffen“ ist offenbar jeder EU-Europäer, der entweder mehrere EU-Staatsbürgerschaften besitzt oder Wohnsitze in mehreren EU-Ländern hat.

        Echte Demokratie ist eben nur in überschaubaren Regionen möglich. Schon das ist ein Grund zu einem Europa der Regionen zurückzukehren und sich sowohl vom geplanten europäischen Zentralstaat, als auch von Super-Republiken mit deutlich mehr als 10 Mio. Einwohnern abzuwenden.

        Regionalisierung ist der einzig richtige Weg, der uns Demokratie und Frieden in Freiheit garantieren kann.

      • Herr Meister, Ihr Vorschlag ist doch kein Widerspruch. Ich bin ebenso wie Sie für eine Regionalisierung in einem vereinten Europa. Genau das ist doch die (richtige) Idee. Oder wollen Sie bei Ihrer „Regionalisierung“ auch 3000 unterschiedliche Währungen und mit ebenso vielen aussenpolitischen Zielen? Eben. Denn ansonsten könnten wir uns genauso gut 7.000 Jahre in die Vergangenheit katapultieren und wieder anfangen das jeweils reichere Dorf in der Nachbarschaft anzugreifen. Ich sehe, Sie sind noch nicht (ganz) verloren.

      • @A. Papapostolou:

        Ich war noch nie für einen europäischen Zentralstaat. Ein EWR oder eine EG eigenständiger Regionen genügten mir vollauf. Eine erzwungene Gemeinschaftswährung ist aber wohl auch in einem Europa der Regionen eine Utopie. Wozu auch?

        Im Übrigen geht mir die Deutschtümmelei einiger AfD-Anhänger genauso auf die Nerven wie die latente Arroganz vieler Ihrer Landsleute. Griechenland hat nicht mehr viel zu bieten, was eine derart hochnäsige Haltung noch rechtfertigen könnte. Aber vielleicht verbindet Hellenen wie Teutsche ja ein nationaler Minderwertigkeitskomplex?

      • Nationalismus ist immer reiner Minderwertigkeitskomplex. Bei Deutschen, weil sie so spiessig, kleinbürgerlich und weniger kosmopolitisch sind als z.B. Franzosen oder Briten. Und bei Griechen, die seit 2000 Jahren nur noch schnarchen und ausser der Vergangenheit Ihnen nichts geblieben ist. Verstehen kann man beide. Irgendwie.

      • Ihr Geschichtsverständnis ist lückenhaft. Die Franzosen sind quasi die Erfinder des Nationalismus und auch heute noch sehr nationalistisch, aber stolz darauf und nicht so verklemmt wie Deutsche. Die Briten waren eher stolz auf ihr Empire, zumal Großbritannien eben keine Nation ist, sondern mehrere umfasst. Die Deutschen waren nicht besonders nationalistisch, sondern lebten in vielen kleinen Staaten und einem übergreifenden Reich mittelalterlichen Typs, bis Napoleon sie auf den Geschmack brachte. Dann gab es eine nationalistische Überreaktion, während jetzt das Pendel in die andere Richtung zu weit ausschlägt. Es fehlt hier an gesundem Patriotismus oder auch nur Verfassungspatriotismus, so dass man den besten deutschen Staat aller Zeiten einschließlich Demokratie und Volksvermögen auf dem europäischen Altar opfern möchte. Nicht nur die Deutschen, sondern alle europäischen Völker werden das bitter bereuen, wenn es sich nicht noch verhindern lässt.

      • Herr Dilger, mein Kommentar über Deutsche und Griechen haben keine besondere historische Komponente. Sie beziehen sich auf die Gegenwart. Sie müssen auch nicht stimmen, da es sich um, wie gesagt, persönliche Beobachtungen handelt. Eigentlich recht banal.

    • Herr Papapostolou, da sie „To Potami“ wählen, positionieren sie sich ja auch eindeutig als jemand der die Nationalstaaten abschaffen will, denn ich lese da “ Die EU sollte unser Land werden“ „föderales Europa, dem wir unsere Befugnisse übertragen“. Ich werde diesen -Verzeihung – EuropaSuperstaatFanatismus nie verstehen – weder intellektuell noch emotional. Ich sage es jetzt sehr böse und drastisch zugespitzt, damit wandelt man auf den Spuren eines Napoleon, eines Hitler . Auch die haben sich daran versucht, wenn auch mit schlimmeren Mitteln.

      Was soll dieser Superstaat bringen? , Mir persönlich ist jedes Staatsgefühl fremd – ich halte es da mit Schopenhauer, der sinngemaß sagte, nur ein armer Tropf könne stolz auf sein Land sein. ABER, was ich an Eurolandfanatismus erlebe, ist doch kaum anders als übertriebener Nationalismus , den ich genauso absurd finde.
      Das sie in Griechenland das anders sehen, ich vermute dies hängt damit zusammen, dass sie von „außen“ von ihrer korrupten Politelite befreit werden wollen. Das ist aber naiv und wird nicht funktionieren.

      • ps: doppelt absurd wird es , wenn sie doppelt wählen wollen (auch wenn sie es jetzt aus Zeitgründen nicht tun) – da sehe ich ein echtes demokratiedefizit. warum dürfen sie 2fach wählen , andere nur einmal. – auch das ist etwas , was ich nicht verstehe und schon darum die doppelte staatsbürgerschaft ablehne.
        insofern finde ich es schon interesant, wie sie hochmoralisch argumentieren, aber gerne alles aus allen welten mitnehmen wollen.

      • Vielleicht funktioniert es sogar, aber Fremdherrschaft ist schlimmer als Selbstbestimmung, wie gerade die Griechen aus ihrer Geschichte gelernt haben sollten.

      • Griechenland braucht einen Plan und neue Eliten. Seit der Krise hat sich die Zivilgesellschaft positiv und radikal verändert. Die Griechen, auch wenn das hier bestritten wird, sind bei weitem selbstkritischer als Sie es noch vor 10 Jahren waren. Das ist meine Hoffnung. “To Potami” ist eine neue Partei, die fast nur aus Intellektuellen, Wissenschaftlern und verschiedenen frischen zivilgesellschaftlichen Gruppen besteht. Ich weiss nicht ob Sie funktionieren oder Erfolg haben werden. Ich gebe ihnen aber gern eine Chance. Sie sind menschenfreundlich, aufgeschlossen und haben die richtigen Fragen gestellt. Hauptsache die alten nepotistischen Parteien verschwinden (endlich). Für den Anfang wäre das schon mal ok. Was daran “naiv” sein soll müssen Sie mir erklären. Und wenn hier in Deutschland intelligente Menschen wie Alexander Dilger und auch Michael Meister auf plumpe, denkfaule und völkische Parteien reinfallen dann habe ich ebenso das Recht mich zu irren. So funktioniert nun mal Demokratie.

        Ihr Vergleich mit Hitler und Napoleon ist deplatziert. Ein vereintes Europa wird es nur gemeinsam und friedlich geben. Ich übrigens kann mir später auch vorstellen (Achtung Sauerstoffmaske anziehen) Marokko, Israel oder die Türkei in die EU aufzunehmen. Von einem “Eurolandfanatismus” ist da (zumindest bei mir) keine Rede. Alles gut.

      • Herr Meister und ich fallen doch nicht „auf plumpe, denkfaule und völkische Parteien“ herein, sondern wir sind seit Frühjahr 2013 aktiv dabei und versuchen, den Kurs der AfD positiv zu beeinflussen, auch wenn ich zugeben muss, dass ich damit bislang nicht sehr erfolgreich war, sondern die faktische Entwicklung seither recht negativ war verglichen mit dem Ausgangspunkt. Îm Großen gilt das aber auch für die EU und die Eurozone. Dass Sie deren Probleme systematisch ausblenden, spricht nicht gerade für mehr Einsicht und Selbstkritik. Eine EU als reine Freihandelszone könnte theoretisch die ganze Welt aufnehmen, doch bei einem Superstaat zeigt ihr Wunsch nach Aufnahme undemokratischer Staaten, wohin die Reise geht.

      • @A. Papapostolou:

        Ich glaube nicht, dass sich in der griechischen Auffassung und Mentalität in den letzten 10 Jahren wirklich so viel geändert hat. Ja, einige Griechen mögen aufgewacht sein, da die Alarmglocken seit Jahren schrillen, aber macht sie das bereits zu anderen Menschen?

        Was einen Handels- und Wirtschaftsraum, der das gesamte Mittelmeer umspannt angeht, hege ich für den Gedanken durchaus auch gewisse Sympathien. Aber eben als Wirtschaftsraum und nicht als Superstaat. Oder wie stellen Sie es sich vor ausgerechnet Israel mit (moderaten) muslimischen Staaten wie der Türkei und Marokko unter ein Dach zu bringen?

        Herr Dilger sieht wie auch ich viele Dinge in der AfD kritisch. Insbesondere den tumben Rechtsruck. Aber man wird sehen, wo die Reise dieser noch jungen Partei hingeht.

      • PS: Im übrigen sind Menschen natürlich nicht in der Lage „alles“ zu verstehen. Das erwartet auch niemand von Ihnen. Wären wir in der Lage alles zu richtig zu verstehen, gäbe es keine AfD.

      • „Wären wir in der Lage alles zu richtig zu verstehen, gäbe es keine AfD.“ Stimmt, dann müsste man den Euro nicht kritisieren, weil es ihn gar nicht gäbe.

      • Herr Meister, es geht nicht darum ob Sie oder ich Veränderungen bei einzelnen Griechen bemerken. Da machen Sie Sich das zu einfach. Hier geht es um sozialwissenschaftliche Veränderungen innerhalb von Gruppen und Menschen. Die veränderte Haltung der Griechen zu Politik und Gesellschaft in den letzten 5 Jahren lässt sich nunmal empirisch messen. Deshalb gibt es Forschung.

        Ich bin 4-6 Wochen im Jahr in Griechenland. Und jedes Restaurant, jedes Café ist dort ein politischer Treffpunkt. Das war immer schon so in Hellas. Dort konnte ich ebenfalls ein starkes bis radikales Umdenken bei vielen Griechen feststellen. Manchmal auch erschreckendes. Die Krise hat alles verändert.

        Auslandsgriechen, übrigens, sind seit je her abgeklärter und frustrierter über Griechenland. Dazu bedurfte es keiner Krise. Ich habe die Krise, wie viele andere auch, schon seit 15 Jahren kommen sehen. Mit dem Euro hat das definitiv nichts zu tun.

      • Natürlich hat die Krise ebenso wie der vorhergehende Boom mit dem Euro zu tun. Es ist eher umgekehrt, dass die tiefergehenden gesellschaftlichen Probleme in Griechenland mit der Krise wenig zu tun haben, weshalb auch alle anderen südeuropäischen Euroländer mit ganz anderen Gesellschaftsstrukturen in der Krise sind. Zuerst kommt die richtige Diagnose, erst danach kann man sich an passende Lösungsvorschläge machen.

      • Herr Dilger, ich habe eine sehr kritische Haltung zum derzeitigen Kurs der EU. Ich könnte ganze Aufsätze darüber schreiben. Über falsche Entscheidungen, über Intransparenz, fehlgeleitete Machtstrukturen, über ein stimmloses oft planloses Europaparlament und mehr. Sie müssen zwischen meinem Wunsch nach einem vereinten Europa und der gegenwärtigen EU-Politik schon unterscheiden. Der Weg ist noch lang und ein zurück zu Nationalstaaten ist keine Alternative.

        Natürlich sind die tiefgreifenden gesellschaftlichen Probleme Griechenlands älter als die aktuelle Krise. Genau das habe ich ja geschrieben. Die Diagnose hat auch endlich in Griechenland begonnen. Und die Krise hat das erst ermöglicht. Auch das habe ich hier schon öfters erwähnt. Das Land braucht jetzt einfach Zeit und Hilfe aber sicher keine Abspaltung von Europa und dem Euro.

        Ihre AfD ist doch schon längst abgedriftet. Das war sie schon von Anfang an. Die letzen Wirtschaftsliberalen verlassen doch schon das Schiff. Gauland, Petry, Höcke und Pretzell sind (mal mehr, mal weniger) offene Rechtsradikale. Nichts anderes. Und Ihr angeblicher Hoffnungsträger Lucke ist auch alles andere als ein Liberaler. Sie machen Sich doch nur noch (vermutlich aus Sturheit) was vor.

      • Ihr Wunsch nach einem vereinten Europa macht angesichts der realen Verhältnisse alles nur noch schlimmer. Wie stellen Sie sich denn ein demokratisches Europa mit Marokko vor? Haben Sie daran auch nur einen Gedanken veschwendet oder finden Ihre Wünsche im unpolitischen Vakuum statt? Die Eurokrise haben Sie auch überhaupt nicht verstanden, wie wollen Sie dann Ratschläge zu deren Lösung geben? Bitte belehren Sie mich auch nicht weiter über die AfD, insbesondere wenn Sie meine Ausführungen darüber komplett ignorieren.

      • Ja, das stimmt. Ich belehre Sie über die AfD weil Sie trotz (kleinerer) Selbstkritik die tatsächlichen Entwicklungen Ihrer Partei immer noch arg herunterspielen. Das muss Ihnen natürlich nicht gefallen.

        Weiter unten aber offenbaren Sie neben Ihrer Wirtschaftsliberalität auch eine merkwürdige und sehr verklärende (nationalkonservative) Analyse über das deutsche „Nationalgefühl“ („Ging auch ab und zu mal schief“, soso). Gut, in der Hinsicht, das ist mir ja auch längst aufgefallen, gibt es ideologische Überschneidungen mit der „Ihrer“ AfD. Im übrigen können wir ja zur Zeit herrlich mit ansehen wie ein verklärendes Nationalgefühl, wie bei den Russen, ein ganzes Volk zu Blinden macht. Wir sollten zusehen unsere Kinder zu selbstbewussten, menschenfreundlichen und standhaften Demokraten zu erziehen. Ein „Nationalgefühl“ bedarf es dazu ganz sicher nicht. Sie leben noch im Gestern.

        Ein vereintes Europa wird so schnell nicht geben. Ich rede über eine Laufzeit von 50 Jahren. Bis dorthin kann sich in Marokko oder der Türkei noch viel tun (Eine optimistische Entwicklung gibt es zur Zeit in Tunesien zu beobachten). Zur Zeit ist das aber sicher kein Thema.

      • Ich spiele gar nichts herunter, sondern Sie spielen Probleme herauf, indem Sie z. B. jeden für rechtsradikal erklären, dessen Meinung Ihnen nicht passt. Wenn Sie Anführungszeichen verwenden und damit ein Zitat suggerieren, dann sollte das auch so geschrieben worden sein. Wir haben in Europa immer noch Nationalstaaten. Das hat mit Nationalismus nichts zu tun, auch wenn Ihnen das nicht passt. Allein diese Staaten sind demokratisch. Warum wollen Sie die Demokratie zerstören? Bitte beantworten Sie diese Frage, statt anderen Vorwürfe zu machen.

      • Sie fragen mich allen ernstes warum ich die Demokratie zerstören will? Sie halten das vermutlich sogar für eine rhetorische Frage. Ebenso könnte ich fragen wieso Sie Europa vernichten wollen. Das sind aber Ihre apokalyptischen Gespenster, die Sie noch besiegen müssen. Damit habe ich nichts zu tun.

        Meine Einschätzung über die politischen Haltung der o.a. Personen hat nichts mit „meiner Meinung“ zu tun sondern mit einer analytischen Auseinandersetzung der Positionen Ihrer Parteikameraden. Archaisches Familienbild, offene Fremdenfeindlichkeit, PEGIDA, Homosexuelle etc. Wo soll ich aufhören? Alles stramm rechte Positionen, die uns Ihre AfD ohne Anstand als „gesunden Menschenverstand“ und „Mut zur Wahrheit“ verkauft. Noch plumper kann man menschliche Intelligenz kaum beleidigen. Und Sie fallen da noch drauf rein.

        Mit den Anführungszeichen haben Sie natürlich recht. Ich werde mich bemühen das besser zu machen. Mein letzter Versuch war zugegebenermaßen (ein wenig) gemein.

      • Sie fragen doch dauernd, wenn auch nicht explizit, warum ich Europa vernichten will. Darauf antworte ich auch dauernd, dass der Kontinent selbst ohnehin nicht zur Diskussion steht, ich aber im Gegensatz zu Ihnen die Europäische Union als Bund demokratischer Staaten bewahren will. Sie wollen hingegen erklärtermaßen die demokratischen Einzelstaaten abschaffen, ohne erklären zu können, was an ihre Stelle treten soll. Die geringe demokratischte Legitimation, die die EU oder auch die EZB überhaupt haben, haben sie allein von den Nationalstaaten.

        Es ist nicht jede rechte oder auch einfach nur blöde Position gleich rechtsradikal.

    • @Herr Papapostolou, und woher kommt ihre Wut auf die Nationalstaaten?

      Woher ihr geradezu missionarischer Eifer ein Einheitseuropa zu beschwören und ihr Wissen das es dazu keine Alternative gibt? Und jeder der daran Mißfallen äußert ist ein Rechtspopulist oder gleich ein Nazi , wahlweise auch Salonnazi ?

      Ich erinnere an die Referenden in Frankreich und den NL – beide gescheitert .
      Alles „Nazis“ diese Wähler, stellen sich ihrem „Glück “ einfach in den Weg

      Europa als Superstaat mag ja eine Idee sein, die manche fasziniert, mich schreckt das nur ab. Nein wir müssen wieder zurück zu einer EG der 90er Jahre, zu Solidaität und Selbstverantwortlichkeit.

      Schweiz, Kanada, Australien , Norwegen allen Länder ohne diesen Wahn, alle auf ihre Art erfolgreich und lebenswert.

      • Niemand der sich gegen ein vereintes Europa stellt ist ein Nazis oder ähnliches. Wie kommen Sie darauf? Wenn Herr Dilger die Europäische Union als ein Bund von Nationalstaaten bewahren will dann ist das sein gutes Recht. Trotz seiner brüchigen Argumentation (Euro) kann ich das intellektuell nachvollziehen. Er kann trotzdem ein guter Europäer werden (wenn er zuvor die AfD verlässt).

        Rechtsradikale Rhetorik findet woanders statt. Darauf habe ich mit Personen
        wie Gauland, Petry (und besonders) Höcke und Pretzell aufmerksam gemacht. Das hat aber nichts mit der oben stattfindenden Diskussion zu tun.

        Gerade die Anhänger der AfD, die immer so emsig auf die political correctness schimpfen, müssen sich daran gewöhnen, dass das Auslassen der political correctness dann bitte schön für alle gelten muss. Wenn ich einen Rechtsradikalen sehe, dann nenne ich ihn auch so und nicht „rechter Wutbürger“, „Rechtspopulist“ oder „Wähler mit gesundem Menschenverstand und dem Mut zur Wahrheit“.

      • Ich bin auch gegen Political Correctness von rechts wie links. Sie dürfen gerne Rechtsradikale als rechtsradikal bezeichnen. Doch was ist Ihr Kriterium, an dem Sie Rechtsradikale erkennen? Frau Petry und Herr Gauland sind ziemlich rechts bzw. reaktionär, aber doch nicht rechtsradikal. Bei Herrn Höcke kann ich es nicht beurteilen, während Herr Pretzell überhaupt keine politischen Überzeugungen hat.

      • @Alexander Dilger
        „Frau Petry und Herr Gauland sind ziemlich rechts bzw. reaktionär, aber doch nicht rechtsradikal.“

        Frau Petry hat gestern Nachmittag eine Pressemitteilung zum Rücktritt von Lutz Bachmann (‚Pegida‘) verschicken lassen, noch bevor dieser seinen Rücktritt überhaupt bekannt gegeben hat: http://www.spiegel.de/politik/deutschland/lutz-bachmann-afd-verwirrt-mit-pressemitteilung-a-1014227.html
        Das wirft meines Erachtens schon ein paar Fragen auf …
        Zudem ist es nicht das erste mal, dass Frau Petry und ihr Landesverband (AfD Sachsen) mit erstklassigen Kontakten zur rechtsradikalen Szene „glänzen“. Ein gewisser Stallgeruch ist da schon länger zu vernehmen.

      • PEGIDA ist doch auch nicht rechtsradikal (im Gegensatz zu manchen Ablegern andernorts) und Herr Bachmann muss gerade deswegen gehen, damit das so bleibt.

      • Die Grenzen zwischen rechts-reaktionär und rechtsradikal sind fliessend. Schaut man verschiedene Aussagen betreffender Personen an dann ist alsbald die unappetitliche Haltung sehr schnell zu erkennen. Mittlerweile, und das ist immer öfters zu beobachten, codiert die neue Rechte auch ihre Rhetorik. Bei Petry und Gauland sind die Signale trotzdem zu verstehen. Höcke macht sich überhaupt keine Mühe mehr. Es sympathisiert offen mit rassistischen Gruppen wie der „Identitäre Bewegung“ und redet zum Beispiel stumpfsinnig über „Ethnopluralismus“ (schönes Codewort). Und wenn Pretzell, wie Sie sagen, überhaupt keine politischen Überzeugungen hat dann ist er sogar der schlimmste von allen. Denn reaktionäres Wirrwarr gibt er trotzdem von sich. Warum dann – aus Jämmerlichkeit?

      • Herr Pretzell handelt rein opportunistisch. Wenn er rechte Sprüche raushaut, vermutet er dort innerparteilich Stimmen, wenn er sich einmal wieder als Liberaler geriert, sieht er diese als durchaus noch vorhanden in der AfD an. Ich hoffe, dass irgendwann alle erkennen, was davon zu halten ist.

      • @Alexander Dilger:
        „PEGIDA ist doch auch nicht rechtsradikal (im Gegensatz zu manchen Ablegern andernorts) und Herr Bachmann muss gerade deswegen gehen, damit das so bleibt.“

        Wie viele Rechtsradikale in der ‚Pegida‘ durchschnittlich aktiv sind, vermag ich nicht zu beurteilen. Bei der letzten ‚Bagida‘-Veranstaltung in München sollen unter den knapp 1.000 Teilnehmern aber mindestens 150 polizeibekannte Nazis gewesen sein. Das sind m.E. 15% zu viel, um sagen zu können, dass dieser ‚..GIDA‘-Ableger NICHT erkennbar rechtsradikal unterwandert sei.

        Außer Frage steht außerdem, dass die Gründer dieser ‚..GIDA‘ – Organisationen sehr häufig ganz eindeutig dem rechtsradikalen Spektrum entstammen. Nicht nur Herr Bachmann.

        „.. GIDA“ steht nun einmal für „.. gegen die Islamisierung des Abendlands“. Egal ob da nun „Patriotische Europäer …“, „Leipzig …“, „Bayern …“ oder was auch immer davor steht. Die Dachmarke ist dieselbe und „nomen est omen“.

      • Ich habe doch geschrieben, dass die Ableger sehr problematisch sind. Sie sind übrigens nicht zuletzt deshalb erfolglos, was den tollen AfD-Strategen, die die Partei noch weiter nach rechts verschieben wollen, zu denken geben sollte. In Dresden war ich nicht selbst dabei, doch was man so liest, verhält es sich dort trotz des Namens etwas anders.

      • @Alexander Dilger:
        „Ich habe doch geschrieben, dass die Ableger sehr problematisch sind.“
        Nur die Ableger? Initiator des „Originals“ war schließlich Lutz Bachmann, der sich spätestens gestern zur Genüge entblößt hat.

        „… was den tollen AfD-Strategen, die die Partei noch weiter nach rechts verschieben wollen, zu denken geben sollte.“
        Es gibt in der AfD eben mehr „Strategen“, die die AfD als Geschäftsmodell verstehen, das seine Wähler möglichst zahlreich, egal woher, zu rekrutieren hat und nicht an Inhalten interessiert sind, als Strategen, denen es tatsächlich um politische Inhalte geht.

      • Mein Argument ist doch gerade, dass die Strategie, die AfD rechtsaußen aufzustellen, viel mehr Wähler kostet als bringt. Entweder sehen die Damen und Herren das nicht oder es ist ihnen egal, weil sich ihre innerparteiliche Position verbessert und die neuen Wähler vor allem im Osten kommen und die bisherigen im Westen gehen.

      • Herr Dilger, ein differenzierter Blickwinkel ist gut aber hier ist der Sachverhalt eindeutig. Natürlich sind Anhänger der PEGIDA, bei den Organisatoren besteht kein Zweifel, im Durchschnitt Rassisten, Rechtsradikale und meinetwegen (im besten Fall) denkfaule Frustrierte. Die anderen GIDAs mögen schlimmer sein, was die Sache für PEGIDA aber nicht besser macht. Wenn 70 Jahre nach WK2 wieder ein Mob auf die Straße geht und gegen eine Religion hetzt und dabei „Asylindustrie“ und „Lügenpresse“ schreit dann frage ich mich wo Sie noch Spielraum für (Ihr) Verständnis sehen. Ich habe mir viele offizielle Reden der PEGIDA in Dresden angehört und mir stundenlang den umgeschnittenen (NDR) Panorama-Bericht über die Demonstranten angeschaut. Das sind die gleichen Gestalten, die seit Jahren mit ihren Hassbotschaften alle Kommentarspalten im Netz bevölkern. Für mich war klar, dass die irgendwann auch auf die Strasse gehen. Und mittlerweile fühle mich auch bedroht. Ich möchte mir aber nicht ausmalen was unsere türkischstämmigen Mitbürger dabei fühlen. Dieser Blick kommt mir im öffentlichen Diskurs sowieso zu kurz.

        Dass die AfD auf den PEGIDA-Zug in plumpster Weise mit aufspringt, bestätigt meine klare Haltung zu dieser Partei. Das neue Strategiepapier Ihres Bundesvorstands, dass eindeutig Stellung bezieht (Eurokritik kommt erst an 5. oder 6. Stelle), ist übrigens ebenso an Jämmerlichkeit nicht zu überbieten. Wer jetzt nicht unverzüglich mit Händen über den Kopf schreiend die AfD verlässt, dem ist nicht mehr zu helfen.

        PS: Den Aufruf der FAZ „Ich bin Dresden“ fand ich übrigens widerwärtig. Das hatte nichts mit einem angeblichen Recht auf Demonstration zu tun. Wobei man bei der FAZ fairerweise zwischen Feuilleton (Eindeutig gegen PEGIDA) und der politischen Redaktion (Verständnis für PEGIDA) unterscheiden muss.

      • @Alexander Dilger:
        „Mein Argument ist doch gerade, dass die Strategie, die AfD rechtsaußen aufzustellen, viel mehr Wähler kostet als bringt. Entweder sehen die Damen und Herren das nicht oder es ist ihnen egal, weil sich ihre innerparteiliche Position verbessert und die neuen Wähler vor allem im Osten kommen und die bisherigen im Westen gehen.“

        Lieber Herr Dilger,

        ich bin zwar kein Parteienforscher und hatte mir von der AfD eigentlich ganz andere Impulse für die Politik erwartet, als nun von ihr gesetzt werden, aber unterm Strich ist es mir ehrlich gesagt völlig egal, ob die „Damen und Herren“ aus dem Bundesvorstand und den Landesvorständen „nur“ durchwegs blind, dumm wie Bohnenstroh (beides halte ich für eher unwahrscheinlich) oder völlig ignorant sind. Das Ergebnis ist leider immer dasselbe und es stellt sich einem ernsthaft die Frage, ob es noch irgend einen Sinn macht, seine kostbare Zeit überhaupt der AfD zu widmen.

        Have a nice day! 🙂

      • „Das Ergebnis ist leider immer dasselbe und es stellt sich einem ernsthaft die Frage, ob es noch irgend einen Sinn macht, seine kostbare Zeit überhaupt der AfD zu widmen.“ Für Sie mit Ihren Ansichten ist das Ergebnis wirklich jetzt schon eindeutig: Was auch immer realistischerweise passiert, die AfD ist nicht (mehr?) Ihre Partei. Für mich gibt es hingegen noch Resthoffnung, weshalb ich zumindest noch die beiden nächsten Bundesparteitage abwarte.

      • @A. Papapostolou:
        „Den Aufruf der FAZ “Ich bin Dresden” fand ich übrigens widerwärtig. “

        Einfallslose Clone eben. Fehlt nur noch, dass sich die ersten Blitzmerker mit Schildchen hinstellen „Ich bin Rothschild“:
        http://www.shortnews.de/id/1139452/charlie-hebdo-satiremagazin-von-juedischer-bankiersfamilie-rothschild-uebernommen
        http://www.neopresse.com/politik/medienbericht-rothschild-familie-uebernahm-charlie-hebdo/
        Aber halt … mit Politik hat die Familie Rothschild natürlich nichts zu tun.
        *Ironie off*

      • @Alexander Dilger:
        „Es ist klar, aus welcher (rechten) Ecke das kommt.“

        Es ist immerhin ein Foto von Herrn Lucke dabei.
        Ein Mitglied des Bundesvorstands teile mir heute auf Anfrage mit, dass dazu heute noch eine „korrigierende Stellungnahme des BuVo“ käme. Bin mal gespannt …

      • Das Papier ist leider doch vom ganzen Bundesvorstand. Hat es jemand im Wortlaut, um den Relativierungsversuch beurteilen zu können?

      • @Alexander Dilger (wg. Beitrag von heute 18:31 Uhr)
        „Was auch immer realistischerweise passiert, die AfD ist nicht (mehr?) Ihre Partei. Für mich gibt es hingegen noch Resthoffnung, weshalb ich zumindest noch die beiden nächsten Bundesparteitage abwarte.“

        Ich hege auch noch einen Funken Resthoffnung. Diese Resthoffnung schöpfe ich allerdings aus mir persönlich bekannten Parteifreunden meines näheren Umfeldes hier in Bayern und auch außerhalb, jedoch weiß Gott nicht aus dem öffentlichen Bild das die AfD und ihre Möchtegern-Führer zur Zeit abgeben.

        In erster Linie unterscheidet unsere Sicht auf die AfD (neben ein paar inhaltlichen Dingen) aber wohl unsere Einstellung zu Herrn Lucke. Nur weil ich Bernd Lucke nicht für glaubwürdig halte, muss ich aber noch lange nicht von Bord gehen. Diese ganze Ausrichtung auf eine Person war mir, wie bereits gesagt, von Anfang an suspekt.

      • Sie begreifen es immer noch nicht. Ihre oder meine Meinung von Herrn Lucke ist überhaupt nicht relevant, sondern wer ihm nachfolgen würde. Gefragt ist hier ein komparatives, kein absolutes Urteil.

      • @Alexander Dilger:
        „Das Papier ist leider doch vom ganzen Bundesvorstand. Hat es jemand im Wortlaut, um den Relativierungsversuch beurteilen zu können?“
        So eben ist eine Beschwichtigungs-Mail der AfD-Bundessprecher eingegangen. Die dürften Sie auch bereits erhalten haben. Natürlich sind mal wieder an allem die bösen, bösen Medien schuld, die einen alten Schmierzettel von der Klausurtagung des Bundesvorstands im November in Regensburg als Vorlage verwendet haben sollen. Wie arm ist das denn?
        Wer´s glaubt, wird selig. Noch alberner geht es ja wohl kaum noch.

        „Sie begreifen es immer noch nicht. Ihre oder meine Meinung von Herrn Lucke ist überhaupt nicht relevant, sondern wer ihm nachfolgen würde. Gefragt ist hier ein komparatives, kein absolutes Urteil.“
        Leider begreifen Sie nicht, dass Bernd Lucke nicht der oder das ist, wofür sie ihn immer noch halten. Wenn es nach mir ginge, sollte Konrad Adam den Vorsitz übernehmen, bis ein glaubwürdiger jüngerer Kandidat gefunden ist. Jörn Kruse wäre einer, dem ich mein Vertrauen geben könnte. Das habe ich aber auch schon mehrmals hier vorgetragen. Lucke und Petry haben fertig, die stellvertretenden Bundessprecher und Beisitzer glänzen auch nicht gerade. Also am besten alle austauschen, Bernd Lucke zum Ehrenvorsitzenden ohne Befugnisse und Konrad Adam zum Alterspräsidenten wählen.

      • Wir müssen das nicht ständig wiederholen, doch Sie haben überhaupt keine Ahnung, was ich über Herrn Lucke denke und weiß. Ihre Personalvorschläge haben auch keinerlei Realisierungschancen. Wenn Herr Lucke antritt, wird er sicher gewählt. Deshalb gab es doch das ganze Theater um die Einerspitze. Als Ko-Vorsitzende hat Frau Petry die besten Chancen, insbesondere wenn sie sowohl Herrn Lucke als auch Herrn Gauland bei Laune hält.

      • Lieber Herr Dilger,

        ich kann mir mein Bild über Ihr Bild von Herrn Lucke ja nur aus Ihren hiesigen Beiträgen machen. Dass Sie ihn auch nicht durchwegs kritiklos sehen, das ist mir zwar bewusst, aber meine Meinung über Herrn Lucke hat schon ihre Gründe. Auch ich war mal ziemlich begeistert von Bernd Lucke. Damals konnte ich allerdings noch nicht einschätzen, wie wenig ernst zu nehmen Herrn Luckes Äußerungen sind, die er – wie ich inzwischen weiß – laufend relativiert.

        Menschen die nicht zu ihrem Wort stehen und leugnen, was sie behauptet haben, sind nun mal nicht vertrauenswürdig und genießen bei mir keine Sympathie. Von anderen Dingen wie Diffamierungskampagnen gegen manche Parteimitglieder (von denen man sonst halten mag was man will) einmal ganz abgesehen.

        Frauke Petry kann meinetwegen „bei Laune halten“ wen sie will. Ich brauche keinen Bundesvorstand, der eine Unterhaltungsdame zum Ausbalancieren braucht und so hoch ist Frau Petry´s Unterhaltungswert nun auch nicht.

        Warum halten Sie so verbissen an diesem Panoptikum der ersten Stunde fest?
        Glauben Sie wirklich, dass wir keine besseren Leute an Bord haben?
        Ich denke, Sie unterschätzen das noch unentdeckte Potential unserer vormals parteilosen Mitglieder gewaltig. Nichts ist alternativlos!

      • Sie verstehen es wirklich nicht. Es ist doch auch völlig egal, was Sie oder ich von Frau Merkel denken, sie bleibt trotzdem Kanzlerin. Deshalb möchte ich Sie bitten, im Folgenden diese sinnlose Kritik an Herrn Lucke & Co. einzustellen. Ich werde sie sonst nicht mehr freischalten, wenn kein neuer Inhalt damit verbunden ist.

      • @Alexander Dilger

        Was Sie in Ihrem Blog freischalten und was nicht, bestimmen Sie.

        Meine Meinung zu Herrn Lucke und den anderen Mitgliedern des Bundesvorstands bilde ich mir aber trotzdem selbst. Wenn Sie etwas Erhellendes dazu beizutragen haben – nur zu!

        Ab und zu blinzelt zwari an Ihrem Horizont auch ein wenig Kritik durch, wirklich Neues kommt von Ihnen allerdings auch nicht.

        Im Übrigen gilt: Ich lasse mich nicht verbiegen.

      • Sie sollen sich durchaus Ihre eigene Meinung bilden und dürfen die hier auch kundtun. Immer wieder dasselbe (sei es von Ihnen oder meine Erwiderung darauf) ist aber dann irgendwann doch langweilig bis nervig. Es gab auch schon Beschwerden und ich muss neben den aktiven Kommentatoren auch auf die passiven Leser Rücksicht nehmen. Danke für Ihr Verständnis!

  3. Also das den Bürgern zu erklären dürfte schwer werden. Das ganze System begreift doch Otto Normalbürger nicht mehr.

    Alle Anleihen werden von Banken aufgelegt und dann refinanziert bei der EZB.

    Die EZB darf bald nur einen Teil der Anleihen kaufen, so der Hinweis des EuGH. Die meisten schon.

    Die Staatsbanken können schon jetzt die Erlaubnis bekommen, auch Anleihen zu kaufen.

    Um nun sowohl dem Hinweis des Bverfg und dem EuGH zu folgen, sagt man..ok. Staatsbanken ihr kauft die Anleihen nach euren politisch gewollten Bedingungen.

    Danach übernehmen wir die Anteile von euch. Richtig ?

    Ändert sich was an dem bisherigen Weg ? Nein, die Euroflutung wird kommen.

    Es gibt noch einen Punkt den ich nicht verstehe. Es wurde eine Verschuldungsquote von 3 % mal vereinbart.

    Damit sollte eine Spanne der Nationalen Verschuldungsunterschiede von wenigen % erreicht werden. Beispiel einige bei 3 % andere bei 1,5 % also eine Spanne von wenigen %

    Aktuell liegt die Spanne aber deutlich höher. Hat Deutschland nicht nun auch die Aufgabe im gemeinsamen Konsenz wieder an die 3% zu kommen, so wie Griechenland und andere auch , so dass beide Spanne wieder nur wenige % werden.

    Haben die Länder mit zuwenig Verschuldung eine Teilschuld für die Verschuldungsgrade der anderen Länder ?

    Ich will es mal verdeutlichen an einem Beispiel:

    18 Mieter in einem Haus. Einige Mieter heizen wenig, haben dafür wenig Heizkosten. Andere müssen dafür mehr heizen um die Wärme im Haus zu erreichen. Dafür brauchen die mehr Geld, die anderen weniger. Der Mieter BRD sagt als Rechtfertigung, unser Backofen (Export?) heizt.

    Also..sagt die Mietervereinigung, Backofen weniger nutzen.

    Also ist die o.a. Euroflutung genau das Ziel: BRD Export runter ?

    • Ihr Beispiel verstehe ich nicht so ganz. Staatsverschuldung ist ein anderes Thema als der Außenbeitrag. Durch den Euro gibt es einen Zusammenhang zwischen den deutschen Exportüberschüssen und den Defiziten anderswo in der Eurozone. Bei verschiedenen Währungen würde die DM aufwerten und die Drachme abwerten. Da das nicht geht, steigen die deutschen Überschüsse und die griechischen Defizite immer weiter. Bis vor kurzem war der Außenbeitrag der Eurozone insgesamt übrigens einigermaßen ausgeglichen. Inzwischen sind die deutschen Überschüsse so groß, dass die Eurozone insgesamt einen Exportüberschuss hat. Zugleich fällt der Euro aus geld- und anderen politischen Gründen. Das ist alles eine ungute Entwicklung, die nicht ewig so weitergehen kann.

      • Heizen in dem Beispiel für Neuverschuldung, Griechenland braucht viel Geld zum heizen, BRD wenig, da der Export (Backofen) für gleiche Wärme (ähnlicher Wohlstand) sorgt.

        Wenn alle Euro Länder eine Neuverschuldung von 3 % des BIP hätten, müßte Deutschland mehr Schulden machen als im Moment. Griechenland weniger, oder?
        Um diese neuen Schulden bezahlen zu können müßten hier Steuern erhöht werden, dadurch würden Produkte teurer und es würde weniger exportiert. Hingegen könnte Griechenland billiger als jetzt produzieren.

        Wenn man die aktuelle Neuverschuldung graphisch darstellt, liegt Deutschland bei 1,5 % oder so, Griechenland bei 7 % und Frankreich so bei 3%.

        Wenn die Väter des Euro aber nur eine Spanne von Null – 3 % vereinbart haben, wobei Null ja ehr theoretisch ist, also eine Spanne von 2 % gewollt war, ist dann die aktuelle Spanne zwischen Deutschland und Griechenland, oder Portugal nicht das Problem ?

        So wie wir Griechenland zurück auf 3 % haben wollen, müssen wir dann nicht auch wieder so an 3 % Neuverschuldung?

      • Die Maastricht-Kriterien besagen nicht, dass jedes Land eine Neuverschuldung von 3 % pro Jahr anstreben soll. Das sollte die absolute Obergrenze sein. Hinzu kommt das Kriterium von 60 % Gesamtverschuldung. Auch Deutschland liegt darüber und müsste demnach zuerst Schulden abbauen bzw. stark wachsen. Es gibt auch nicht den von Ihnen suggerierten Zusammenhang zwischen der Verschuldung verschiedener Länder. Kann es sein, dass Sie das mit der durchschnittlichen Inflationsrate der Eurozone verwechseln, die sich aus den einzelnen Inflationsraten der Euroländer zusammensetzt? Schließlich müssen nicht gleich die Steuern erhöht werden, wenn ein Staat neue Schulden macht. Umgekehrt können zum Zeitpunkt der Schuldenaufnahme die Steuern niedriger sein als ohne Schulden. Bei negativen Zinssätzen kann der Staat sogar noch an seinen Schulden verdienen.

  4. Ausdehnung der Geldmenge und Interventionen der Notenbank sind Lucke „willkommen“:

    [Für die ungefähr 1 1/2 Leute, die sich überhaupt noch für Fakten interessieren] „Kritisch sieht Lucke immerhin, dass die Schweiz erst lange Zeit einen Mindestwechselkurs fährt und dann den Kurs schlagartig völlig freigebe. Eine zeitlich gestreckte Aufwertung über einen „managed float“ hätte er für sinnvoller gehalten. „Und das wäre auch meine Empfehlung bei einem eventuellen Euro-Austritt Deutschlands“, fügte der AfD-Chef hinzu. Die mit den erforderlichen Interventionen der Bundesbank einhergehende Ausdehnung der Geldmenge wäre ihm angesichts des derzeitigen Deflationsrisikos dann sogar willkommen.“ (Schweizer Franken und der Euro: Wie die Schweiz die AfD entzaubert – Handelsblatt/Wirtschaftswoche: http://www.wiwo.de/politik/deutschland/schweizer-franken-und-der-euro-wie-die-schweiz-die-afd-entzaubert/11242254.html ) Mir ist wirklich rätselhaft, wie man in diesem Mann auch nur in Ansätzen so etwas, wie „Expertentum“ zu diesen Themen erkennen kann.

    • Diese Aussagen entlarven Bernd Lucke in der Tat als Stümper auf seinem angeblichen Fachgebiet. Hätte die Schweizer Nationalbank den Wechselkurs schrittweise freigegeben und das auch noch jeweils angekündigt, hätten die Finanzoligarchen dieser Welt ohne jedes spekulative Risiko hierauf setzen können und dem internationalen Währungssystem den Rest geben können.

      • Nicht nur „Finanzoligarchen“, sondern jeder könnte auf verbindlich angekündigte Wechselkurssprünge setzen. Das wäre eine Arbitragemöglichkeit, mit der man risikolos Geld verdienen könnte, so dass der Einsatz von beliebig viel Geld lohnen würde. Deshalb müssen solche Anpassungen überraschend und/oder ohne hinreichende Sicherheit erfolgen.

      • Otto Normalverbraucher kann keine beliebig hohen Beträge für Wechselkursgeschäfte einsetzen, sondern nur die ihm zur Verfügung stehenden liquiden Mittel zuzüglich etwaiger freier Kreditlinien.

      • Wenn Millionen Menschen das tun, kommen auch ganz ordentliche Summen zusammen. In der Realität bleibt jedoch immer das politische Risiko, dass die Politiker ihre gemachten Zusagen nicht einhalten. Ich erinnere an das Versprechen von Herrn Schäuble 2012, dass es keinen Schuldenschnitt in Griechenland geben würde.

      • So ist es. Auf Politik und Staat ist für Normalverbraucher kein Verlass.

  5. Ich gebe Ihnen Recht, ich meinte die Inflationsrate und die damit evtl. einhergehende Nuverschuldung durch weniger Export, weniger Steuereinnahmen.

    Ich habe mir letztes Jahr bei You Tube mehrer Vorträge von Prof. Dr. Heiner Flassbeck angehört.
    Irgendwie erscheint mir das plausibel, deckt sich aber nicht mit den Aussagen der Akademiker der AfD. Oder doch ?

    Wenn also massive Lohnerhöhungen hier im Land notwendig und richtig wären nach Prof.Flassbeck und die AfD seine Thesen stützt, warum fordert man dann nicht diese Lohnerhöhungen in Wahlkämpfen. Oder irrt Prof Flassbeck ?

    • Herr Kollege Flassbeck geht von der Prämisse aus, dass der Euro eine tolle Sache wäre und erhalten werden müsste. Ohne Möglichkeit zur Auf- und Abwertung benötigen die Euroländer andere Ventile. Transfers sind eine Möglichkeit, Lohnanpassungen eine andere, zumal Lohnveränderungen und Inflationsrate sehr stark korrelieren, weil Löhne zugleich der wichtigste Kostenfaktor und Quelle der Nachfrage sind. Lohnerhöhungen sind aus verschiedenen Gründen leichter als Lohnsenkungen, so dass es dann tatsächlich besser wäre, wenn die deutschen Löhne steigen, als dass man in Südeuropa die Löhne zu senken versucht. Hiesige Lohnerhöhungen würden ähnlich wie eine Aufwertung der DM wirken. Um sich tatsächlich breiter wie eine kleine Volkspartei aufzustellen und einen sozialen Flügel zu entwickeln, sollte die AfD also weiterhin die Euroabschaffung fordern und hilfsweise eine Erhöhung des hiesigen Lohnniveaus. Ich vermute allerdings, dass die meisten Mitglieder und Funktionäre das nicht so sehen.

  6. @ Alexander Dilger

    ich befürchte ehr, es gibt nicht die DEUTSCHEN im Sinne von anderen Nationen. Der Versuche eine Deutsche Nation mit einem Nationalgefühl zu schaffen gelang ca 15 Jahre lang.

    Danach wurde durch die Völkerwanderung (Vertrieben, Flüchtlinge) aus den ehemaligen Reichsgrenzen in der BRD ein Volksgemeinschaft neue entwickelt. Aber ein Nationalgefühl sollte sich nicht entwickeln. Durch die Wiedervereinigung wurde erneut die mühsam gebildete BRD Volksgemeinschaft gemischt. Wieder war ein Nationalgefühl nicht gewünscht. Eine Volkszugehörigkeit bedingt.
    Bedingt, weil auch die seit 1965 die hier angesiedelten Fremdarbeiter zu integrieren waren. Zunächst hauptsächlich aus Europa, aber eben Fremde mit einem eigenen Nationalstolz.

    Ich habe immer wieder Politiker gefragt : Wie wollen Sie aus einem Stolzen Türken,Araber, Russen einen sich schämenden DEUTSCHEN machen ? Wenn das gelingt, gelingt Integration. Wenn nicht eben nur ein friedliches Miteinander wie mit den Japanern in Düsseldorf.

    Ist es nicht so, dass durch das Vorleben von Nationalstolz in den Nachbarländern hier einige genau dies vermissen und auch fühlen wollen ?

    • Welche 15 Jahre meinen Sie? Meiner Ansicht nach stieg das deutsche Nationalgefühl spätestens 1806 stark an und wurde der deutsche Nationalstaat 1871 geschaffen. 1914 oder spätestens 1933 ging die Sache schief und 1945-49 zerbrach Deutschland in zwei Staaten (unter Verlust vieler weiterer Gebiete), während das Nationalgefühl einen Tiefpunkt erreichte. 1990 kam es zur staatlichen Wiedervereinigung, während das Nationalgefühl weiterhin gestört ist, sowohl bei denen, die gar keines zu haben meinen und wie Linke und Grüne „Nie wieder Deutschland!“ skandieren, als auch bei jenen, die sich ganz nationalistisch geben, um ihre Verunsicherung zu überspielen. Ein „firedliches Miteinander wie mit den Japanern“ ist doch schon einmal etwas. Idealerweise werden Einwanderer nicht zu „sich schämenden“ Deutschen (wofür sollten sie sich schämen?), sondern zu selbstbewussten Bürgern der Bundesrepublik Deutschland wie die hier Geborenen auch. Die größte Gefahr droht gerade heute übrigens nicht von einem übersteigerten Nationalgefühl, sondern von dem Verlust der Souveränität an einen undemokratischen Eurosuperstaat.

      • Ich meinte die Zeit von 1930 – 1945.
        Selbstbewußte Bürger, die je nach Bildung sich als Patrioten bezeichen? Das was die linke politische Gruppe dann kommentiert mit NAZI ?

        Herr Dilger, Ihre Aussage :Die größte Gefahr droht gerade heute übrigens nicht von einem übersteigerten Nationalgefühl, sondern von dem Verlust der Souveränität an einen undemokratischen Eurosuperstaat. …sieht eben nur der Bildungsadel.
        Warum gab es bisher keinen nennenswerten Widerstand gegen Euro oder EU, ausser eine immer geringere ahlbeteiligung? Europa ist den Menschen sowas von abstrakt und abgehoben, da kümmert sich niemand drum, erst enn einen die Glühlampen weggenommen werden, schrecken einige hoch, letztlich aber nimmt man eben Sparlampen und fühlt sich besstätigt, alles Irre in Brüssel.

        Wenn mir von dem Bundesvorstand der Grünen mitgeteilt wird, dass ich BIO Deutscher bin, wie bitte soll dann ein Gemeinschaftssinn mit ihm als Plastik Deutschen umgesetzt werden ? Hybriddeutsche ?

        Nach dem Ergebniss dessen was wir an Politikern haben, gewählt von einem Teil der Bevölkerung, komme ich zu der Überzeugung, dass ein Volk ohne Nationaleridentität und auch Vaterlandsliebe unfähig ist Politiker zu wählen für die nach dem GG vorgeschlagene Demokratie.

        Es gibt umfangreiche Literatur die eine politische Willensbildung aller Bürger kritisch sieht, da die Masse der Mitmenschen nicht dazu in der Lage ist komplexe Dinge zu begreifen. Sachthematisch ja, aber die Folgen für andere Sachgebiete eben nicht.
        Also Herr Dilger, der Brüsseladel macht was er will. Widerstand zu spät und daher sinnlos.

      • Der Nationalsozialismus hat doch nicht die deutsche Nation geschaffen, sondern diese zerstört. Die Wiedervereinigung war eine neue Chance für einen demokratischen Rechtsstaat auf deutschem Boden, die jetzt aber am Eurowahn zu scheitern droht. Dass die etablierten Parteien alle diesem Wahn verfallen sind, kann wohl auch mit der bis heute geringen Verankerung von Demokratie, individueller Freiheit und ökonomischem Sachverstand in Deutschland erklärt werden. Viele Mitbürger, selbst in der AfD, freuen sich doch, wenn andere für sie entscheiden und sie Verantwortung gegen eine Gebühr abgeben dürfen. Trotzdem lohnt der Widerstand, und sei es nur als Zeichen, um nach dem Zusammenbruch des Euro noch Glaubwürdigkeit zu besitzen.

  7. Möchte gerne mal wieder zum Thema kommen „Staatsanleihen“ kommen, wo die EZB heute entscheidet. Ob die Deflation verhindert wird ist zwar anzunehmen, es ändert aber nichts an den Problemen der Krisenländer. Auch wenn in den letzten Monaten suggeriert wurde, dass seit 2010 die Verschuldung dieser Länder gesunken sei, ist sie in Wirklichkeit weiter gestiegen. Draghi hat nur noch diesen einen Pfeil im Köcher, um den Euro zu retten. Die EZB druckt jetzt frisches Geld und bekommt damit Schuldscheine der einzelnen Länder, die dann das frische Geld erhalten. Der Dollar sackt dann unter 1.10 Euro, vor einigen Wochen hatten wir noch 1.40 Euro. Viele „Nochnichtrentner“ müssen jetzt durch die „Nullzinsenpolitik“ mehr Geld zurücklegen. Die weiteren Risiken sind die 30% Haftung der Bürger für die massenhafte Staatsanleihen. Die Frage für mich lautet, zu welchem Zeitpunkt werden wir erkennen, dass der Ankauf von Staatsanleihen nicht das optimale Werkzeug war.

    • Alea iacta est!

      Super-Mario (Draghi) hat die Schleusen geöffnet.
      Wohl dem, der sein Geld in Schweizer Franken oder US$ angelegt hat …

      Damit dürfte die Krise nun endgültig eskalieren.

      • 1 Million Euro in 500 Euroscheinen wiegt 1 kg. Nun bekommen wir innerhalb von 19 Monaten in Worten : Eintausend zweihundert tausend TONNEN neue 500 Euroscheine. Also 50 Sattelzüge.

        Wieviel hatten wir bisher an Geldvermögen ? Wieviel % sind das nun mehr ?

        Irgendwie ist das doch WAHNSINN.

        Woher glaubt die EZB eigentlich, dass das Geld in der realen Wirtschaft landet. Die Banken können doch auch mit dem Geld weltweit spekulieren, oder? Also Kredit geben ausserhalb der Eurozone oder nicht ?

      • Das Geld wird doch nicht wirklich gedruckt und unters Volk gebracht. Es könnte ins Ausland fließen, aber eher nicht in Form von Bankkrediten.

    • Der Dollar sackt nicht, sondern steigt relativ zum Euro (kürlich bekamen Sie noch 1,40 Dollar für einen Euro, heute sind es keine 1,14 Dollar mehr). Die Haftung liegt im schlimmsten Fall übrigens nicht bei 30 %, sondern bei 100 %. Der ganze Euro ist eine Katastrophe. Innerhalb desselben ist eine bessere Politik aber gar nicht so einfach.

  8. Herr Dilger, ich schrieb über ein „Nationalgefühl“ oder umgangssprachlich Vaterlandsgefühl. Sie hingegen reflektieren auf das Staatsgebilde. Von 1930 – 1945 wurde durch Propaganda und Gewalt ein Vaterlandsgefühl geschaffen. Nur so war dieser Wahnsinn möglich.

    Vorher gab es das nicht und bis heute auch nicht wieder. Begründet habe ich es weiter oben.

    • „Der Versuche eine Deutsche Nation mit einem Nationalgefühl zu schaffen gelang ca 15 Jahre lang.“ Das trifft doch beides auf den Nationalsozialismus nicht zu. Das deutsche Nationalgefühl entwickelte sich vor allem im 19. Jahrhundert, in dem auch 1871 der deutsche Nationalstaat geschaffen wurde. Dem Nationalsozialismus ging es weniger um Deutschland, sondern vor allem um sich selbst und seinen Rassenwahn. Das Ergebnis war entsprechend die Zerstörung Deutschlands und des Nationalgefühls, nicht deren Blüte.

  9. Pingback: EZB beschließt massive Anleihenkäufe | Alexander Dilger

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s