Deflation muss nicht schlimm sein

Die „Verbraucherpreise gehen erstmals seit 2009 zurück“ in der Eurozone, und zwar um 0,2 Prozent im Dezember im Vergleich zum Vorjahr. In Deutschland gibt es zwar noch eine Miniinflation von 0,2 Prozent, doch auch das ist weit vom Inflationsziel von (knapp unter) 2 Prozent der EZB entfernt, die demnächst mit dem massiven Aufkauf von Staatsanleihen beginnen will, wenn dieser nicht noch vom Europäischen Gerichtshof verhindert wird.

‚Deflation ist nicht gut‘, hatte ich kürzlich geschrieben und begründet (siehe auch ‚Preisniveaustabilität und Inflationsziel‘). Nun ist die Deflation da, doch sie muss gar nicht so schlimm sein. Das ist kein Widerspruch, sondern hängt mit ihrer Ursache zusammen. Es gibt momentan keinen flächendeckenden Preis- oder gar Lohnrückgang (in Deutschland tritt sogar gerade der Mindestlohn in Kraft), sondern vor allem die Energiepreise (bzw. der Rohölpreis, an dem auch die Preise für andere Energieträger hängen) fallen so stark, dass sie den gesamten Verbraucherpreisindex drücken.

Für Ölimporteure wie Deutschland und die übrigen Länder der Eurozone ist das ein großer Vorteil. Wir bekommen ein wichtiges Konsumgut und zugleich einen wichtigen Inputfaktor für die heimische Produktion billiger, während die hiesigen Preise und Löhne gar nicht sinken. Deshalb wird auch niemand den hiesigen Konsum einschränken oder aufschieben, sondern im Gegenteil mit der zusätzlich gewonnenen Kaufkraft ausdehnen, wie auch das Bedienen von Krediten leichter statt schwer fällt. Schließlich ist die Deflation nicht wie 2009 die Folge einer schweren Krise, sondern das Ergebnis externer Faktoren.

Für übertriebene Deflationsängste gibt es also momentan trotz Deflation in der Eurozone keinen Grund, zu großer Euphorie allerdings auch nicht. Der Euro ist weiterhin eine schwere Belastung für die Realwirtschaft in den südlichen Ländern der Eurozone und ein großes finanzielles Risiko für die nördlichen Länder, insbesondere für Deutschland. Ich hoffe auf die Weisheit nicht der EZB, sondern der Griechen (siehe ‚Griechenland wählt ein neues Parlament und hoffentlich den Euro ab‘).

50 Gedanken zu „Deflation muss nicht schlimm sein

    • Ein nominaler Zinssatz von null muss nicht zwangsläufig zu Deflation führen. Momentan ist der reale Zinssatz negativ. Teilweise sind sogar die nominalen Zinsen negativ, was einer Prämie für das Halten von Bargeld entspricht.

  1. In Weisheit der griechischen Politiker habe ich wenig Vertrauen; genauso wenig wie in europäische Politik. Wird nicht über weitere „cuts“ und noch mehr Hilfen für Griechenland überlegt?

    Unsere Abnehmer, vermute ich, sind durch Ölpreis- Rückgang betroffen (ich denke nicht an Russland) und unsere Konkurrenten profitieren wie wir von Ölpreis. Ist es nicht mit geringeren Exporten zu rechnen? Ob dann die Binnennachfrage (hängt auch von Vertrauen der Konsumenten ab) unsere Exportverluste ausgleichen kann und wird, ist für mich nicht offensichtlich? Vielleicht übersehe ich etwas?

    P.S. Scheinbar sind durch Mindestlöhne schon Taxifahrten zwischen 8% und 40% gestiegen! Arbeit wird teurer. Warenkorb wird dadurch wahrscheinlich weniger negativ beeinflusst als Gegeneffekt durch einen niedrigeren Ölpreis?

    • Über unsere Politiker kann man wirklich verzweifeln (leider auch zunehmend in der AfD). Deswegen brauchen wir Volksentscheide, um direkt über Sachfragen entscheiden zu können.

      Einige Abnehmer sind vom Ölpreisrückgang negativ betroffen, andere positiv. Wegen der direkten Kostenersparnis ist der Gesamteffekt für Deutschland positiv. Hinzu kommt noch, dass Deutschland gerade in solchen Produkten exportstark ist (Autos, Maschinen, Chemieartikel), die ihrerseits durch einen niedrigen Ölpreis attraktiver werden.

      Die Inflationszahlen sind von Dezember. Der überhöhte Mindestlohn ist noch nicht enthalten und sollte zumindest in Deutschland die Inflation im Januar wahrnehmbar steigern. Dagegen hat der Ölpreis nicht mehr viel Spielraum nach unten, während die deutschen Verbraucher ohnehin viel mehr an Steuern als für das Rohöl zahlen.

    • Bei Griechenland befürchte ich monatelange Verhandlungen, während denen immer weiter Geld nachgeschossen wird. Schließlich wird es dann wahrscheinlich aufgrund instabiler Lage Neuwahlen geben, bei denen die Syriza irreparablen Schaden nehmen könnte, weil nicht die magische Verbesserung eintrat. Sehen Sie sich Herrn Hollande an, der wurde gegen Frau Merkel gewählt und steht jetzt in den Umfragen katastrophal da.

      Es wäre am besten wenn Griechenland die dümmsten und inakzeptabelsten Forderungen stellen würde. Wenn es eine Koalition mit einer gemäßigten Partei gäbe, wäre das in Gefahr. Tsipras hätte eine Ausrede für Zugeständnisse (keine eigene Mehrheit) und Merkel würde erzählen dass eigentlich ja ganz viele Griechen „pro-europäisch“ gewählt haben.

      Außerdem besteht bei einem weiteren Koalitionspartner die Gefahr, dass dessen Abgeordnete aus allen möglichen Motiven die Seiten wechseln. Insbesondere, wenn de Partei zu wenig Erfahrung mit dem Aussuchen von Kandidaten hat. Wir wissen alle, dass es da zu unschönen Szenen kommen kann.

  2. Die Griechen sind für den Umbau ihres Landes bereit. Sie sehen mittlerweile ein, dass sie selbst für die Misere in ihrem Land verantwortlich sind. Nicht Frau Merkel, Deutschland oder der Euro sind schuld sondern die alte korrupte politische Elite, die sich Griechenland zur Beute gemacht hat(te). Vor 10 Jahren habe ich aufgrund der verzerrten und selbstverliebten Selbstwahrnehmung vieler Griechen oft ungläubig den Kopf geschüttelt. Das hat sich Gott sei Dank durch die Krise geändert. Eine harte Währung ist gut für das Land. Die Griechen werden sich daran abarbeiten müssen und mehr Selbstdisziplin üben. Ein Land dass hochwertigen Tourismus, hochwertige Lebensmittel und die grösste Handelsflotte der Welt besitzt, braucht langfristig den Euro. Sie, Herr Dilger, wollen das einfach nicht verstehen. Sie beweisen immer wieder dass Sie weder die Menschen noch das Land kennen sondern nur stur einem ideologischem Gespenst nachjagen.

    PS: Ihre Einschätzung zur Deflation ist richtig. Aber die Analyse ist auch nicht allzu schwierig gewesen. Am Ende verschweigen Sie typischerweise, weil es vermutlich nicht in Ihrem Weltbild passt, dass neben einem niedrigen Ölpreis auch ein schwacher Euro ebenso konjunkturfördernd sein kann.

    • Sie widersprechen sich hier direkt selbst: „Eine harte Währung ist gut für das Land.“ „Am Ende verschweigen Sie typischerweise, weil es vermutlich nicht in Ihr[] Weltbild passt, dass neben einem niedrigen Ölpreis auch ein schwacher Euro ebenso konjunkturfördernd sein kann.“ Was wollen Sie nun, eine harte oder eine weiche Währung? Beides zugleich ist nicht möglich. Richtig ist hingegen, dass Griechenland eine viel weichere Währung benötigt und Deutschland eine härtere. Richtig ist auch, dass „die alte korrupte politische Elite, die sich Griechenland zur Beute gemacht hat(te)“, die Hauptschuld an den Problemen trägt (einschließlich des Betruges, um in die Eurozone zu gelangen). Warum plädieren Sie dann aber dafür, weiterhin diese Elite zu wählen? Demokratie dient vor allem dazu, schlechte Herrscher abwählen zu können. Syriza ist vielleicht nicht besser, aber zumindest anders und zwingt die alten Eliten zur Erneuerung.

      • Ich muss mich über Ihre Aussage schon wundern. Sie setzen einen relativ schwachen Euro mit einer auf Jahre und vermutlich Jahrzehnte weichen Drachme gleich? Von einer Differenzierung halten Sie wenig wenn es denn nur Ihrer (schwachen) Argumentation dient. Als Ökonom, der Sie sind, erwarte ich mehr Präzision.

        Im übrigen plädiere ich nicht dafür, die alten Eliten wiederzuwählen. Ich habe das auch schon früher hier in Ihrem Blog geschrieben, dass ich „To Potami“ (Der Fluss) wählen werde. Die Partei, übrigens, die nach der Wahl eine Koalition mit der Syriza eingehen wird um sie vor allzu grossen Dummheiten abzuhalten. Herr Dilger, die Unterscheidung zwischen alten und frischen Eliten findet nicht in der Frage Pro- oder Kontra Euro statt. Es sind weit essentielle Fragen, die die Griechen umtreibt. Das wissen Sie genau und ich habe das hier schon gefühlte 100mal geschrieben.

        PS: Wie ich hier eindeutig belegen konnte, hat auch Deutschland mit falschen Bilanzen (Aufbau Ost), so wie viele andere Länder auch, sich in den Euro betrogen. Griechenland hat zugegebenermaßen besonders plump betrogen. Griechenland hat jetzt genug dafür gebüßt. Ihre Moralkeule können Sie wieder einpacken.

      • Ich setze doch nicht Euro mit Drachme gleich, sondern unterscheide im Gegensatz zu Ihnen zwischen stark und schwach. Natürlich ist auch und gerade für Griechenland der Euro die essentielle bzw. sogar existenzielle Frage schlechthin. Dass Sie das leugnen, disqualifiziert Sie eigentlich als seriösen Diskussionspartner. Sie könnten zumindest versuchen, FÜR den Euro zu argumentieren, doch vermutlich fällt Ihnen da auch kein Argument ein. Dass Sie Deutschland einen vergleichbaren Betrug wie Griechenland unterstellen, ist einfach lächerlich. Der hiesige Fehler der rot-grünen Regierung war es, Griechenland trotz der klaren Nichterfüllung der Kriterien trotzdem durchzuwinken. Dabei steht die Moral gar nicht im Vordergrund, sondern die wirtschaftliche Effizienz. Die Euro hat Griechenland ruiniert und Sie wollen das fortsetzen, statt sich zu schämen.

      • „Die Partei, übrigens, die nach der Wahl eine Koalition mit der Syriza eingehen wird um sie vor allzu grossen Dummheiten abzuhalten.“
        Da wird man sich großartig zerstreiten können. Ich wünsche der Syriza eine eigene Mehrheit, statt diese europhilen Möchtergern-Europäer als Klotz am Bein zu haben. Es ist eine historische Wahl. Sie sollten die Gelegenheit nutzen, um dem Land in dieser schwierigen Phase wenigstens stabile Verhältnisse zu geben. Sonst sollten Sie sich nicht wundern, wenn Sie in einem Jahr wieder mit Herrn Samaras dastehen. Die EU hat ein enormes Talent darin, demokratisch gewählte Regierungschefs aus dem Amt zu jagen.

        „Das wissen Sie genau und ich habe das hier schon gefühlte 100mal geschrieben.“
        Sie sind mit Ihrer 5%-Partei genauso wenig repräsentativ für „die Griechen“ wie Herr Dilger für „die Griechen“ oder „die Deutschen“. Was Sie hier in hinreichendem Maße schreiben ist Ihre moralische Überheblichkeit und Verachtung für Intellekt und Bildung anderer.

        „Wie ich hier eindeutig belegen konnte, hat auch Deutschland mit falschen Bilanzen (Aufbau Ost), so wie viele andere Länder auch, sich in den Euro betrogen.“
        Dass ein Land, dem der Euro vor und während der Wiedervereinigung aufgezwungen wurde, sich nach der Wiedervereinigung in den Euro betrogen haben soll, belegt nichts als eine simplifizierende, germanophobe Fantasiewelt.

        „Griechenland hat jetzt genug dafür gebüßt.“
        Das entscheiden nicht Sie. Wenn es nach mir ginge würde kein Volk in dem Maß für die Entscheidungen einer kleinen „Elite“ „büßen“. Aber es geht eben auch nicht nach mir.

      • Nein, Herr Papaapostolou, Griechenland hat nicht genug gebüßt! Darum geht es überhaupt nicht. Griechenland soll eigene Aufgaben selbst erledigen, aber außerhalb Eurozone! Und am besten sofort. Eurozone soll keine Wohlstandverteilungsmaschine werden; ohne Vertrauen ist es nicht sinnvoll zu investieren. Und dieses Vertrauen muß Griechenland selbst schaffen. Nicht mit einem Herrn Tsipras oder wem immer. Sondern mit Wirtschaftsdaten und verdienten Bonität!

    • „…auch ein schwacher Euro ebenso konjunkturfördernd sein kann.“

      Das hat er nicht „verschwiegen“. Herr Dilger hat im Gegenteil den Euro als zu hart für die Südländer dargestellt und bzgl. der Nordländer auf hohe finanzielle Risiken verwiesen, die alle etwaigen privatisierten Gewinne auch aus meiner Sicht nicht wettmachen.

      Offensichtlich biegen Sie sich die Dinge zurecht.

      Außerdem ist die Frage nicht ob eine Währung hart oder weich ist, sondern ob ein Land die richtige Währung hat. Alle Länder, die wettbewerbsfähiger sind als Deutschland, haben eine eigene Währung, und wenn sie diese Währung schwächen wollen, dann können sie das.

      Infam, dass Sie Herrn Dilger Kurpfuscherei unterstellen, aber von Ihnen nichts Neues. Ihnen geht es ja nur darum, andere zu beschimpfen, was komplett niveaulos ist und alle möglichen Fragen aufwirft. (Bei aller Kritik an Herrn Dilger habe ich ihn nie auf seinem Metier kritisiert.) Genauso krude ist es zu suggerieren, Herr Dilger sei allein mit der Meinung oder, natürlich, quasi Teil einer wider besseren Wissens handelnden Verschwörung.

      • Entspannen Sie Sich, Herr Vorländer. Ich beleidige Herrn Dilger nicht. Seine Vorwürfe, dass ich ein „nicht integrierter Ausländer“ sei oder zur „korrupten griechischen Elite“ gehöre, empfinde ich ebenso nicht als Beleidigung. Wir führen eine nur schonungslose Diskussion. Mehr nicht.

  3. Ich nehme Ihnen das durchaus ab dass sich in Ihrer Welt alles nur um den „zerstörerischen“ Euro dreht. Auch Ihre Empörung, alles andere auszublenden und beleidigt nicht mehr weiter diskutieren zu wollen, ist ebenso glaubhaft. Aber genau diese Verblendung ist ja Ihr Problem, nicht meins. Wenn Sie wirklich glauben dass ein ineffizienter und korrupter Staat und eine gierige Elite nicht die essentiellen Probleme Griechenlands sind sondern der Euro dann kann wahrscheinlich kein vernunftbegabter Grieche über Ihre „Windmühlen“ mit Ihnen diskutieren, verheerter „Don Dilger“.

      • Im ernst? Sie glauben in Zeiten der Drachme war alles gut? Und Sie glauben ebenso dass ich zur „korrupten und gierigen Elite“ dazugehöre? Was genau sind sind Ihre Belege? Ihr Gefühl?

      • Niemand behauptet, dass mit der Drachme alles gut war. Sie haben vorher schon suggeriert, dass ein Euroausstieg nichts bringen würde, weil er nicht alle Probleme löst. Das ist natürlich Unsinn. Gehen Sie nie zum Zahnarzt, weil er nicht alle Ihre Probleme lösen kann, noch nicht einmal alle gesundheitlichen?

        Natürlich gehören Sie zu einer Elite, wenn auch vielleicht bislang nicht zur politischen. Ihre große Euroeuphorie trotz der massiven Probleme für die normale griechische Bevölkerung zeigt auch, dass Sie mit deren Lebenswirklichkeit wenig zu tun haben. Dass angeblich eine Mehrheit der Griechen für den Euro ist (eine Volksabstimmung dazu durfte es ja nicht geben), ist auch keine Entschuldigung dafür, die eigenen Landsleute für dumm zu verkaufen. Sie selbst könnten die Zusammenhänge durchaus verstehen, wenn Sie nur wollten.

      • Herr Dilger, ich habe niemals gesagt oder suggeriert dass ein Euroausstieg „nichts bringt“. Mein Standpunkt ist dass ein Euroausstieg für Griechenland schädlich und kontraproduktiv ist. Wenn Sie von Exit-Polls nichts halten dann ist das Ihre Sache aber alle ernsthaften griechischen Umfrageinstitute belegen dass 75% der Griechen am Euro festhalten wollen. Die meisten Griechen sehen im Euro und der EU eine Chance und verachten, so wie ich auch, die alten Eliten und ihre Drachme. Nur zu Ihrer Information: Viele reiche Griechen haben ihre Euros schon ins Ausland gebracht und warten, so wie Sie, verheißungsvoll auf die Rückkehr der Drachme damit das Ausbluten in Griechenland weitergeht. Sie unterstützen in Wahrheit die alten Eliten, nicht ich. Ich stamme aus einer griechischen Arbeiterfamilie im Ruhrgebiet.

      • Griechenland blutet jetzt aus, zugleich kostet das insbesondere Deutschland dreistellige Milliardenbeträge. Wie ich schon schrieb, hat es vermutlich noch nie in Friedenszeiten eine verlustreichere und dümmere Politik gegeben.

  4. Wir haben doch schon gelernt, dass der Euro als Gemeinschaftswährung eine negative Einrichtung ist. Die Mechanismen sind ja mittlerweile bekannt. Wer sie kennt weiß auch, dass Griechenland nicht die Rolle spielt, diese Mechanismen zu beenden. Der wichtige Punkt für alle Länder, die in der Gemeinschaftswährung sind, ist, der Wert ihrer eigenen Währung den Wirtschaftsleistungen anzupassen. Ein weiter wichtiger Punkt ist die Eigenverantwortung der Währung. Bei einer Gemeinschaftswährung lege ich mich schon mal gerne in den Liegestuhl und lasse die Sonne wirken. Diese beiden Dinge sind aber die Voraussetzung für die Befriedung eines Staates.
    Wollten wir die Griechen aus dem Euro haben, müssen erst mal die Europäischen Verträge geändert werden. Deshalb ist es sinnvoll, dass sie es selber tun. Sie sparen sich dadurch ca. 250 Milliarden Euro, die für den Aufbau Griechenlands eine gute Basis ist. Tun sie es nicht, kann ich nicht erkennen, welche Werkzeuge sie benutzen möchten, um das Dilemma zu beseitigen.
    Nun weiß ich nicht, Herr Papapostolou, ob sie mir dieses mal anständig antworten werden. Ich fürchte, sie werden das nicht können. Deshalb gebe ich ihnen schon mal vorab auf den Weg, dass man sich mehr als zweimal halbtot lachen kann.

    • Herr Krebs, Sie bekommen eine anständige Antwort wenn Sie Ihre Polemik, wie letztes Mal abstellen. Ihre dumpfen Vorurteile gegenüber Griechen muss ich mir nicht gefallen lassen.

      Wo Sie die 250 Milliarden Euro hernehmen wollen, die für den „Aufbau“ genutzt werden, müssen Sie mir mal genauer erklären. Indem Griechenland die Schulden nicht tilgt, sind nicht automatisch 250 Milliarden Euro da.

      Griechenlands Problem ist eben nicht (nur) ökonomischer Natur. Das Problem ist struktureller und gesellschaftlicher Natur. Das haben die Griechen mittlerweile selbst erkannt. Und der Wandel ist schon längst im Gange. Ob dass Herr Dilger, seine AfD oder Sie dabei zu Kenntnis nehmen oder nicht, spielt keine Rolle. Die AfD lebt längst schon in einer ausserweltlichen Parallelwelt, die niemand wirklich mehr ernst nehmen kann.

      • Allein die Staatsverschuldung von Griechenland beträgt rund 320 Milliarden Euro. Dass Griechenland sie nie wird zurückzahlen können, ändert nichts an der Tatsache, dass es diese Schulden selbst übernommen hat und jetzt die Rückzahlung schuldet. Griechenland und zunehmend die ganze Eurozone leben in einer Schuldenblase, die zwangsläufig platzen muss. Je eher, desto besser. Ist Ihnen schon einmal aufgefallen, dass alle Vorhersagen der etablierten griechischen und deutschen Politiker sich nie erfüllt haben, die der Ökonomen und AfD hingegen schon?

      • Ihnen Herr Dilger ist mittlerweile alles egal. Sie hauen mit der Faust auf dem Tisch und wischen alle Unterschiede und alle Differenzierungen hinfort. Bei Ihnen gibt es ab sofort nur noch „alle“ Ökonomen und die „allwissende“ AfD. Dabei tun Sie so als ob „alle“ Ökonomen Ihre Meinung wären und die AfD irgendwas verwertbares zur Krisenbewältigung beigetragen hätte. Mir ist keine ernsthafte Expertise von Lucke vor der Eurokrise bekannt. Und die Ausführungen Ihrer „Professoren-Partei“ werden von ernsthaften Ökonomen entschieden widersprochen. Selbst der Ihnen ideologisch nahestehende Prof. Sinn widerspricht der AfD in mehreren Punkten in Sachen Euro. In Ihren Augen vermutlich auch nur ein bezahlter Büttenredner der Bundesregierung. Bemühen Sie Sich nicht.

        Dass mit den 320 Milliarden Euro und dem Zurückzahlen sollten Sie übrigens Herrn Krebs erklären und nicht mir. Ich selbst halte einen 100% Schuldenschnitt für Wahnsinn.

      • Sie vermischen doch starke mit schwacher Währung und wollen mit dem Euro alle Länder trotz der großen realen Unterschiede gleich behandeln. Ich bin für Differenzierung. Es sind nie alle Wissenschaftler bzw. im konkreten Fall Ökonomen einer Meinung. Es gibt aber doch eine „herrschende Meinung“, die sich gegen die konkrete Europolitik richtet (nicht zwingend gegen den Euro selbst, weil es da auch noch um politische Fragen geht). Sie haben nicht einen einzigen unabhängigen Ökonomen benennen können, der dafür ist. Herr Sinn ist über das Ifo Institut von der Bundesregierung finanziell abhängig und Herr Schäuble hat ihm skandalöserweise auch schon einmal offen deshalb gedroht. Doch zumindest ist er im Gegensatz zu Ihnen für einen Euroaustritt Griechenlands, den selbst Herr Schäuble seit ein paar Tagen nicht mehr für den Weltuntergang hält. Zumindest auf den Opportunismus von Politikern ist doch immer noch Verlass, weshalb Sie die ganzen Treueschwüre für den Euro nicht für bare Münze nehmen sollten.

      • Herr Dilger, Griechenland spart sich aufgrund einer unerbittlichen Austeritätspolitik zu Tode. Viele Ökonomen, die Sie vermutlich aber zu unrecht als Ihre Verbündeten sehen, kritisieren diese moralisierende mit fatalen Maßnahmen in einer von Deutschland dominierten Eurokrisenpolitik. Der US-Wirtschaftsminister Timothy Geithner (Sein Buch: Stress Test: Reflections on Financial Crises) war geschockt von den Deutschen, die Griechenland „bestrafen“ wollten. Viele (sehr viele) Ökonomen kritisieren diese Eurorettungspolitik genauso wie Sie, das stimmt, aber aus ganz anderen Gründen und diese kommen dann auch zu ganz anderen Ergebnissen. Das wissen Sie doch genau. Die meisten europäischen Ökonomen sagen dass wir ein mehr Europa und ein engeres Europa brauchen. Sie sind mit Ihrer Haltung ein absoluter Aussenseiter. Ihre Befürworter kommen aus der Nationalökonomie, die eine Randerscheinung darstellt. Allerhöchstens ehemalige Hinterbänkler wie Frank Schäffler, der nichtmal Ökonom ist, stehen auf Ihrer Seite. Ach ja, und die „AfD-Proffessoren“. Aber diese beschäftigen sich mittlerweile lieber mit dem PEGIDA-Mob oder mit sich selbst.

      • Herr Schäffler steht nicht auf meiner Seite. Er will gar nicht nationale Währungen zurück, sondern eine Goldwährung, die dann auch weltweit gelten könnte. Amerikanische und insbsondere britische Ökonomen können umsonst kluge Ratschläge geben, weil ihre Länder gar nicht im Euro sind. Die Austeritätspolitik dient doch nicht zur Bestrafung Griechenlands, sondern weil Deutschland nicht noch mehr bezahlen will. Zur Erinnerung, weil Sie es so gerne verdrängen: Die griechischen Staats- und Bankschulden sind jetzt größtenteils in öffentlicher Hand, d. h. insbesondere die deutschen Steuerzahler werden dafür aufkommen müssen. Sie hätten gerne noch mehr Gelder auf fremde Kosten. Das ist vielleicht sogar verständlich, während Herr Schäuble einer der größten Verbrecher nicht der deutschen, aber der bundesdeutschen Geschichte ist. Diese Eurozone kann keinen Bestand haben und wird es deshalb auch nicht.

    • Zitat: Griechenlands Problem ist eben nicht (nur) ökonomischer Natur. Das Problem ist struktureller und gesellschaftlicher Natur. Das haben die Griechen mittlerweile selbst erkannt. Und der Wandel ist schon längst im Gange. Ob dass Herr Dilger, seine AfD oder Sie dabei zu Kenntnis nehmen oder nicht, spielt keine Rolle. Die AfD lebt längst schon in einer ausserweltlichen Parallelwelt, die niemand wirklich mehr ernst nehmen kann.

      Wen wundert es, solche Worte aus dem Munde eines „Betroffenen“ zu lesen?
      Denn schließlich sind es ausgerechnet die Empfängerländer der EU, die die jetzige Euro-Währungsunion am stärksten verteidigen.

    • Für Deutschland stimme ich zu, für andere Länder der Eurozone aber nicht. Griechenland hat eine ernsthafte Deflation mit allen damit zusammenhängenden Problemen. Das ist doch eines der starken Argumente gegen eine solche Gemeinschaftswährung, dass die Lage in den verschiedenen Ländern unterschiedlich ist und differenzierte Reaktionen erfordern würde.

  5. Der Inhalt des Beitrages war,das sie an wichtigen Themen nicht vorbei tuschieren sollen und sich damit auch auseinandersetzen sollen.

    Das muß jetzt nicht freigeschaltet werden,das war als Pin gemeint.

  6. Wir sollten uns keinen Illusionen hingeben und endlich zur Kenntnis nehmen, dass die Zeit scheinbar immer währenden Wachstums vorüber ist. Ein Blick auf die Alterspyramide hilft es zu begreifen.

    Gefragt sind jetzt realistische Konzepte für das Postwachstum.

    Als ersten Schritt schlage ich vor, Herrn Dr. Schäuble endlich in den „wohlverdienten Ruhestand“ zu schicken.

    • Es ist da zu unterscheiden zwischen dem Wachstum der gesamten Volkswirtschaft, per Kopf und pro Beschäftigtem. Wegen der Demographie dürfte die deutsche Volkswirtschaft insgesamt demnächst kaum noch wachsen. Doch wie in Japan schließt das ein weiteres Wachstum pro Kopf nicht aus. Noch wichtiger ist ein weiteres Wachstum pro Beschäftigtem, um die zunehmende Zahl an Rentern und Pensionären versorgen zu können.

      • Eine auf gewohntem Kaufkraft- und Kosum-Niveau unlösbare Aufgabe.

      • Das sehe ich nicht so. Mit der Auffassung, die Wirtschaft müsse nicht mehr wachsen, wir brauchen auch keinen technischen Fortschritt mehr und das EEG wird schon für die nötige Energieversorgung sorgen, werden wir natürlich alle verarmen.

      • Weder die Ressourcen der Erde (insbesondere förderbare Rohstoffe) noch die Lebensarbeitszeit der menschlichen Individuen sind beliebig vermehrbar.

        Wachstum ist nur so lange möglich, wie es uns nicht an die Grenzen der Tragfähigkeit und Belastbarkeit bringt.

        Insbesondere darf man nicht übersehen, dass der Energie und Rohstoffbedarf der Entwicklungs- und Schwellenländer gewaltig zugenommen hat und noch weiter zunimmt. Und zwar selbst dann, wenn die Geburtenraten dort bereits rückläufig sind, da die Ansprüche der Menschen in betreffenden Ländern mit einhergehendem Geburtenrückgang zugleich überproportional steigen.

  7. Die Zeit des steten Wachstums ist ganz bestimmt irgendwann vorbei.
    So wie es aussieht,in den nächsten Jahren.

    Es kann kein stetes Wachstum in einem räumlich begrenztem Raum wie der Erde geben.
    Das kann man austricksen mit Werten,die man erschaft wie Papiergeld.
    Dahinter ist aber nix,außer Papier oder Elektronik.

    Man kann auch nicht einen Masssenimport von Arbeitskräften unendlich lange durchziehen.
    Das hilft,über einen Zeitraum und dann ist auch diese Karte ausgespielt.

    Ich war noch nie ein Freund von Wirtschaftswachstum.
    Es verbraucht Resourcen,schadet der Umwelt und implodiert sowieso irgendwann,weil es gar nicht dauerhaft so geht.

    Mich erinnert das immer an Wallenstein,der die Silberthaler verdünnen ließ.
    Dummerweise zahlten die Bürger ihre Steuern mit diesem Geld zurück.

    Stetes Wirtschaftswachstum klappt nicht !

    • Natürlich kann wirtschaftliches Wachstum nicht unendlich lange weitergehen, aber doch noch etliche Jahrzehnte oder sogar Jahrhunderte. Es geht um wertmäßiges Wachstum, welches nicht einen immer größeren physischen Ressourcenverbrauch voraussetzt. Computer und andere elektronische Geräte sind besser, wenn sie leistungsfähiger und zugleich kleiner werden. Auch der medizinische Fortschritt setzt nicht immer mehr Materielles voraus, eher im Gegenteil, sobald ein gewisses Wohlstandsniveau erreicht ist. Die wesentliche Triebfeder ist des Wirtschaftswachstums ist der technische Fortschritt, erst danach Kapitalakkumulation, während Bevölkerungswachstum pro Kopf gar nichts bringt.

      • Bevölkerungswachstum endet in Gesellschaften, in denen sich ein gewisser Wohlstand einstellt ohnehin rapide. Das muss nicht mehr bewiesen werden.

        Aber durch die im Postwachstum schrumpfende Bevölkerung nimmt nach Ablauf des Arbeitslebens der letzten geburtenstarken Jahrgänge die Leistungsfähigkeit einer Volkswirtschaft (und mit ihr das Wirtschaftswachstum) rasant ab. Eine Situation, auf die sich die großen ehemaligen Industrienationen nicht vorbereitet haben und die selbst 45 Jahre nach Eintritt des „Pillenknicks“ noch immer von unserer Politik ignoriert wird, als ginge es immer so weiter wie in den 1950er bis 1990er Jahren in der alten Bundesrepublik Deutschland.

      • Ich wiederhole mich ungern, doch es ist von entscheidender Wichtigkeit, die Ebenen zu differenzieren. Wenn die Zahl der Erwerbstätigen schrumpft, wächst die gesamte Volkswirtschaft viel langsamer oder schrumpft ebenfalls. Das muss aber nicht zwingend auf die einzelnen Menschen durchschlagen. Japan hat seit zweieinhalb Jahrzehnten eine kränkelnde Wirtschaft und inzwischen auch eine schrumpfende Bevölkerung. Pro Kopf war das Wachstum jedoch höher als in den USA, deren Bevölkerung durch Zuwanderung und höhere Geburtenraten immer noch relativ stark wächst. Für das Wachstum pro Kopf muss man sich jedoch auch anstrengen. Die Reformen der aktuellen Bundesregierung gehen alle in die gegenteilige Richtung.

      • Natürlich sind die Gegebenheiten nicht überall genau gleich.

        Aber auch die Japaner haben ihren demographischen Wandel nicht wirklich im Griff, zumal die Zeiten des Superwachstums in Japan auch vorbei sind.

        Welche Lösung sehen Sie für eine völlig überalterte Gesellschaft? (Deutschland gehört diesbezüglich zu den am frühesten und dann am schwersten betroffenen Ländern)

        Der schöne Traum der Volkswirte von der fortwährenden Produktivitätssteigerung funktioniert nur so lange, wie es einen genügend großen Nachfragemarkt und keinen globalen Verdrängungswettbewerb gibt.

        Das sehe ich in nicht all zu ferner Zukunft aber nicht einmal mehr für die deutsche Automobilindustrie, die im Übrigen selbst mit ihrer Produktion und auch Wertschöpfung (Steuern!) – wie viele andere Branchen auch – längst die Republikflucht ergriffen hat …

      • Die Nachfrage ist doch überhaupt nicht das Problem. Alte Menschen haben viele Bedürfnisse. Es könnte an Arbeitskräften fehlen, um all diesen Bedürfnissen nachzukommen. Wichtiger ist noch die Frage der Finanzierung, damit aus den Bedürfnissen ein zahlungsfähiger Bedarf wird. Unser Renten- und Gesundheitssystem ist da nicht gut aufgestellt, aber auch die Kapitalanlagen sind nicht die besten, zumal der Staat schon jetzt das Geld zum Fenster hinauswirft, nicht nur, aber auch und vor allem für die sinnlose Euroretterei.

  8. Pingback: EZB beschließt massive Anleihenkäufe | Alexander Dilger

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