Bundesregierung will die Eurozone nicht mehr um jeden Preis zusammenhalten

Anfang der Woche schrieb ich: ‚Griechenland wählt ein neues Parlament und hoffentlich den Euro ab‘. Die Bundesregierung bereitet sich jetzt auch darauf vor und vollzieht einmal mehr eine Kehrtwende. War sie bislang vehement für den Zusammenhalt der gesamten Eurozone und hat dafür sogar Zypern für systemrelevant erklärt, ist sie jetzt plötzlich für einen möglichen Austritt aus der Währungsunion: Bundesregierung hält Ausscheiden Griechenlands aus dem Euro für verkraftbar“.

Das ist natürlich vor allem der plumpe Versuch, die Wahl in Griechenland zu beeinflussen. Die Griechen sollen für die Politik von Frau Merkel und Herrn Schäuble stimmen, sonst drehen ihnen diese den Geldhahn zu. Warum eine (sinnvolle) Einstellung der Verschleuderung von deutschen Steuergeldern gleich mit einem Rauswurf aus dem Euro verbunden sein soll, ist allerdings nicht klar, zumal die Bundesregierung keinen direkten Einfluss auf die EZB hat, die für dieses Jahr schon das massive Aufkaufen von Staatsanleihen angekündigt hat. Im Prinzip könnte Herr Draghi alle Wahlversprechen von Herrn Tsipras locker finanzieren. Wahrscheinlich wird er es jedoch nicht tun, da die Bundesregierung auch ihm drohen könnte. Ein Austritt Deutschlands aus der Eurozone, das wäre wirklich etwas.

Viel realistischer ist jedoch etwas anderes, nämlich dass mit dem Ausscheiden Griechenlands wieder enorme Unruhe an den Finanzmärkten entsteht, die man mit Billionen Euro von ESM, EZB und Bankenunion bekämpfen will. Das bislang für undenkbar erklärte Ausscheiden eines Euromitglieds wird dazu führen, dass die verbleibenden noch enger und teurer aneinander gekettet werden sollen. Trotzdem begrüße ich ein Ausscheiden Griechenlands aus dem Euro. Es wird zeigen, dass und wie es geht. Vor allem wird es den Griechen bald besser gehen, so dass das Austreten Schule machen wird.

19 Gedanken zu „Bundesregierung will die Eurozone nicht mehr um jeden Preis zusammenhalten

  1. „Das ist natürlich vor allem der plumpe Versuch, die Wahl in Griechenland zu beeinflussen.“
    Ja. Meine Angst ist, dass die bluffen. Meine größere Angst ist, dass die Griechen darauf reinfallen.

    „Ein Austritt Deutschlands aus der Eurozone, das wäre wirklich etwas.“
    Ich kann nicht in Worte fassen, wie glücklich ich darüber wäre. Mit Schäuble aber nicht zu machen. Der Mann ist ein gnadenloser Grundgesetzhasser und Deutschlandabschaffer. Der setzt eher die Bundeswehr gegen die AfD (und Griechenland) ein, als dass er aus dem Euro rausgeht. (Aber wenn Frau vdL so weiter macht, werde ich mit der Bundeswehr schon fertig, die Griechen sowieso.)

    „Viel realistischer ist jedoch etwas anderes, nämlich dass mit dem Ausscheiden Griechenlands wieder enorme Unruhe an den Finanzmärkten entsteht“
    Die Auswirkungen sind bislang gering (obwohl die Märkte ja keine Unsicherheiten mögen), oder? Für mich ist das wie mit den Terroranschlägen. Heute dreht sich keiner mehr danach um, wenn in Sydney Geisel getötet oder im kanadischen Parlament herumgeballert wird. So ist das eben heutzutage. Es kann sein, dass die Märkte das eher gelangweilt zur Kenntnis nehmen und der niedrige Ölpreis stabilisierend wirkt. (Ein Szenario unter vielen.) Die Hauptlast für einen Ausfall Griechenlands tragen ja mittlerweile ohnehin die Steuerzahler. Eventuelle Belastungen etwa für Paris etc. könnten freilich die Situation in vielen Eurostaaten zusätzlich verschärfen und wieder einen Ansteckungseffekt verursachen.

    „Das bislang für undenkbar erklärte Ausscheiden eines Euromitglieds wird dazu führen, dass die verbleibenden noch enger und teurer aneinander gekettet werden sollen.“
    Ich bin auch sehr pessimistisch, was das betrifft. Allerdings stellt sich die Frage, ob man dann noch um eine Änderung der EU-Verträge herum käme, und ob es daran scheitern könnte. Großbritannien könnte das blockieren (auch Labour, wenn sie auf einer Volksabstimmung bestehen). Griechenland ebenfalls, wenn es in der EU verbleibt. Frankreich auch. Die Franzosen fürchten für den Fall von EU-Vertragsänderungen, dass diese der EU Haushaltskontrollrechte (Traum Schäubles) einräumen werden, und wollen das verhindern. Außerdem fürchtet Hollande eine Volksabstimmung, die er verlieren würde. Das hat er im Dezember zu Cameron gesagt, als er begründete, warum er Großbritannien nicht das Öffnen von EU-Verträgen erlauben würde. Vielleicht erreicht man schlicht den Punkt, wo es keinen gemeinsamen Nenner mehr gibt. Ich tippe darauf, dass man einfach die EZB als Rettungsanker bemühen wird, was in Deutschland die breite Mehrheit nicht begreifen wird.

    „Vor allem wird es den Griechen bald besser gehen, so dass das Austreten Schule machen wird.“
    Zu optimistisch. Die Situation würde, falls das nicht nach der Wahl ohnehin der Fall ist, ganz sicher eine linksextreme Regierung installieren. Herr Tsipras hat bei einer Vorstellung seiner Politik in London Entsetzen hervorgerufen („wie Kommunismus, nur schlimmer“). Ein Euro-Austritt wird wahrscheinlich nicht im Einvernehmen erfolgen (zu große Spinner auf beiden Seiten) und dann zum Staatsbankrott führen. Die SYRIZA wird kollabieren, weil sie ihre Ankündigungen (jeder arbeitet für den Staat und kriegt ganz hohe Löhne) natürlich nicht umsetzen kann. Herr Tsipras Lack wird schlagartig ab sein. Es wird Neuwahlen geben. Eine gute Chance haben dort die jetzigen Regierungsparteien, die sich dann schön altklug in Szene setzen können. Dann könnte sich die Lage stabilisieren, aber die griechische Regierung wird in Europa damit hausieren können, wie schrecklich der Euro-Austritt war, dass man das auf keinen Fall nachahmen sollte und dass Griechenland auch bitte den Euro zurück haben will.
    Gib einem Sozialisten Kontrolle über die Produktionsmittel, und er produziert Arbeitslosigkeit. Das wird dort nicht anders laufen. Den Verbesserungen durch den Euro-Austritt steht der Steinzeit-Kommunismus gerade der Partei, die den Euro-Austritt herbeiführen könnte, entgegen. Sie sollten sich also nicht darauf verlassen, dass es so einfach werden wird. Griechenland fehlen wirtschaftlich halbwegs kompetente Politiker, die gegen den Euro sind. Und selbst wenn sie da sind, müssen sie die Unterstützung erfolgreicher Parteien haben. Außerdem ist der angerichtete Schaden ja auch kolossal, und besteht etwa in Braindrain und Geburtenrückgang. Zukünftig wird man eben sage, da sei der Euro-Austritt dran schuld. Wetten, dass ARD und BILD schon die berichte vorbereiten?

    Weiteres Szenario: Keine Mehrheit im Parlament, Neuwahlen bis es die EU mag. EZB ködert mit großzügigen Anleihekäufen. Wir stehen dann schlechter da als vorher.

    • Es gibt durchaus Reaktionen an den Finanzmärkten. So fällt der Euro und Bundesanleihen haben wieder nominal negative Zinsen, 5-jährige sogar erstmals. Bislang gibt es nur noch keine große Panik, vielleicht weil kaum jemand an einen Euroaustritt Griechenlands glaubt oder dieser wie von der Bundesregierung jetzt als begrenztes Ereignis gesehen wird. Interessant ist diese Betrachtung: „Competing Views: Grexit Would Be ‚Lehman Squared‘ vs. No Problem; Where to Point the Finger When it Blows“.

      Die EU-Verträge müssen nicht geändert werden, damit ESM, EZB und jetzt sogar die Bankenunion Unsummen verschleudern können. Dass eine Syriza-Regierung abgesehen vom Euroaustritt nicht toll wäre, versteht sich von selbst. Doch ich denke, dass ein einmal vollzogener Euroaustritt nicht so schnell umgekehrt werden wird, wie auch ein kompletter Zerfall der Eurozone keine Gemeinschaftswährung mehr für die nächsten 50 Jahre zulassen würde. Der Euro wird verschwinden, fragt sich nur, wann und wie das geschieht.

  2. Bei all Ihren falschen Analysen über Griechenland, Europa und dem Euro aber ausnahmsweise gebe ich Ihnen in einem Punkt 100% recht: Die, an Plumpheit, kaum noch zu überbietende Drohung an Griechenland, so zu wählen wie es Frau Merkel beliebt. Allerdings ändern sich in Griechenland politische Rahmenbedingung fast täglich, so dass eine Vorhersage, wer die Wahlen gewinnen wird, überhaupt noch nicht klar ist. Nach Papandreou’s neuer Partei, schließt sich als nächstes die DIMAR und die Grünen zu einem Bündnis zusammen. All das knabbert an SYRIZA. Jedenfalls steht die Drohung Merkels bereits mit grossen Lettern auf allen relevanten Onlinemedien in Griechenland und wird ihren Zweck sicher kaum verfehlen. Ich bin auf die nächsten Wahlprognosen gespannt.

    • Wo ist denn bitte Ihre inhaltliche Widerlegung meiner Analysen oder eine eigene Analyse von Ihnen? Leider haben Sie nur blinden Glauben an den Euro ohne Argumente zu bieten.

      Auf Wahlprognosen würde ich wenig geben. Entscheidend ist das Wahlergebnis und was dann passiert.

      • Sie belieben wohl zu scherzen, Herr Dilger. Allein Ihre „Analyse“ dass der Euro angeblich für den „Einbruch“ des Tourismus und den Export verantwortlich war oder ist, habe ich deutlich mit Zahlen, Fakten und Logik widerlegt. Sie zeigen doch gerade mit blinder Schadenfreude („Dass eine Syriza-Regierung abgesehen vom Euroaustritt nicht toll wäre, versteht sich von selbst“) dass es Ihnen völlig egal ist wer Griechenland reagiert solange das Land nur aus dem Euro austritt. Ihr Credo ist ein „Glaubenskrieg“, der sich nur um den Euro dreht. Damit verschiessen Sie Sich jedem noch so logischem Argument und blenden Fakten einfach nach belieben aus. Das ist Ihre Schwäche.

      • Sie haben überhaupt nichts widerlegt. Tourismus und Exporte sind in Übereinstimmung mit der ökonomischen Theorie („Logik“) stark eingebrochen. Allein die Zahl der Touristen, nicht der touristischen Umsätze, hat sich inzwischen wieder erholt. Die Eurofrage ist einfach die wichtigste in Griechenland und Europa. Eine Partei, die für den Euro ist, ist einfach nicht gut, egal, was sie sonst noch vertritt.

      • Herr Dilger, wenn 10 (!) Jahre nach Euroeinführung die Touristenzahlen zurückgehen und das auch noch im Jahr der grossen Demonstrationen (man erinnere ich an die brennenden Banken 2012) dann könnte es vielleicht daran liegen dass weniger Touristen ins Land kamen. Aber Sie wollen als Anti-Euro-Esoteriker lieber an das glauben an was Sie glauben wollen. Den „Einbruch“ haben Sie bis heute nicht belegen können ausser einen leichten Pro-Kopf Verlust bei den Touristenzahlen, auf den Sie Sich bis heute hilflos berufen.

        Viel interessanter ist Ihr Zitat:
        „Eine Partei, die für den Euro ist, ist einfach nicht gut, egal, was sie sonst noch vertritt.“

        Na dann kann ich ja jetzt beruhigt die Goldene Morgenröte wählen, stimmt’s Herr Dilger? Das Programm ist egal, die sind gegen den Euro. Hier zeigen Sie offen ihre Unfähigkeit zur Differenzierung und Ihre Unwilligkeit zu einer ehrlichen und politischen wie ökonomischen Aufarbeitung. Hauptsache der Euro ist weg.

        AfD – Ahnungslosigkeit für Deutschland. Da passen Sie 100% hin.

      • Bitte nehmnen Sie doch einfach diese Zahlen zur Kenntnis, statt immer nur das Gegenteil zu behaupten.

        Es gibt tatsächlich noch wichtigere Fragen als den Euro, weshalb ich keine extremistische Partei wählen würde (Syriza hat linksextremistische Teile, ist es insgesamt aber nicht). Mir wäre auch eine gemäßigte und bürgerliche eurokritische Partei am liebsten, doch die scheint es in Griechenland nicht zu geben und auch die AfD droht sich leider davon zu entfernen.

  3. Es müssten sich die Regierungsparteien erstmal bei der AfD und vor Allem bei Lucke entschuldigen für seine/unsere Auffassung zum Erhalt des Euros, die wir seit 2013 propagieren. Unser Beitrag an Populismus ist zu harter Wahrheit geworden. Was die Situation der Griechen angeht müssen diese doch verstehen, dass es untragbar ist, dass die EZB zu jedem Zeitpunkt das griechische Bankensystem einäschern kann. Da genügt es schon, europäische Staatsanleihen aufzukaufen, ohne die griechischen Papiere zu berücksichtigen. Frage ist, hat die Troika sich geirrt? Die Europäische Kommission ist ein Teil der Troika und somit muss sie auch auf die Versagerseite. Viva la AfD.

  4. Ein neues Jahr bringt neuen Schwung und eine Entscheidung der Griechen für Demokratie und soziale Sicheheit. Aus dem Euro auszuscheiden ist die einzige und wahre Möglichkeit, dem Niedergang der Sozialen Frage und der Aufopferung aller Werte zugunsten den Kapitalismus entgegenzutreten. Auch wenn manche meinen, Europa sei nur möglich, wenn eine einheitliche Währung für Recht und Freihiet stände, so muss ihm die Geschiche eines Besseren belehren. Nie hat eine gleiche Währung für den Bürger sondern nur für den Kapitalisten und seinen Helfershelfer in den Parlamenten dieser Strukturen Wohlstand gebracht. Wir müssen uns einer neuen und sozial gerechteren Struktur zuwenden, wenn wir nicht alle zu Sklaven der Geldmarktpolitik werden wollen. Das Volk mujss entscheiden, wenn es den Eindruck gewinnt, dass mit seinen erarbeiteten Werten Schindluder getrieben wird und die Sicheheit seiner Stuktur gefährtet ist. Auch das Grundgesetz der Deutschen zwingt dazu, sich gegen diese kriminelle Ausbeutungspolitik zur Wehr zu setzen. Freiheit für den Galuben an eine gerechte soziale demokratische Bewegung ist der Angelpunkt für die Deutschen und alle europäischen Partner.

    • Und wo findet sich diese „neue und sozial gerechte Struktur“? In Moskau, Havana, Caracas oder Peking? Ist eine erfolgreiche, praktizierte (soziale) Marktwirtschaft kein Beweis?

      • Der Euro ist ein Zeichen zwangsfinanzierten Umverteilungs- und Großkonzern-Sozialismus. Er dient weder einer echten „Marktwirtschaft“ noch dem Kapitalismus im ursprünglichen Sinne.

  5. Ein bedeutender Kampf für die Gerechtigkeit wird Klarheit in die Systeme bringen. Jedes Horten von Vermögen und die Gier nach Gewinn wird sich relativieren. Auch Iwan oder Pedro oder Giscard oder die anderen Europäer können nur gemeinsam existieren, wenn sie sich gegenseitig unterstützen und Formen finden, die eine gleiche und gereche soziale demokratische Grundordnung unterstützen. Also nehmt einander an und verzichtet auf Krieg im Kapitalismus. Jeder soll seinen Beitrag leisten und soll wissen, dass er nur gewinnen kann.

    • Es steht doch überhaupt kein Krieg, nicht einmal ein Wirtschaftskrieg, in der EU oder Eurozone an. Allerdings bin ich dagegen, alles anzugleichen. Jedes Volk soll, wie darin auch jedes Individuum, selbst über sein Schicksal entscheiden dürfen. Wer sparen will, soll das tun, wer jetzt lieber konsumiert, auch, aber jeweils nicht auf Kosten anderer. Es sollte nicht alles angeglichen und zwangsweise umverteilt werden, sondern nur Hilfe zur Selbsthilfe bei echter Not geleistet werden.

  6. EURO, GREXIT – aus realsatirischer Sicht

    Falls die Griechen den „Heilsversprecher mit den leeren Taschen und dem ganz großen Mundwerk“, Tsipras, tatsächlich zum Regierenden wählen sollten, dann wird er mit seinen Geldgebern aus EU, EZB und IWF verhandeln müssen, mit dem Ziel, dass er zur Finanzierung seines Staatshaushaltes weiterhin die (monatlichen) milliardenschweren überlebenswichtigen Alimente bekommt.
    Außer Merkel und Schäuble tönen die EURO-Fanatiker aus allen politischen Ecken: Kein Ausstieg Griechenlands; ihre Gründe:
    1.) …weil in den Verträgen zum EURO nur der Einstieg, nicht aber der Ausstieg vorgesehen ist (welch eine fahrlässige Anmaßung!);
    2.) …weil die Griechen ihre Verträge mit der EU (ihre „Reform-Versprechen“) etc. einhalten m ü s s e n, sonst …sonst… (weiter wissen die EURO-Fanatiker dann nicht);
    3.) …weil man den Griechen „natürlich“ weiter entgegen kommen muss, man ist ja EU-Gutmensch: Der EU-Steuerzahler bezahlt, aber der ist träge und merkt nichts, oder zu spät!

    Wie weit könnte man den Griechen z u s ä t z l i c h entgegenkommen? Das ist schwer, denn:
    — Ein Großteil ihrer Schulden (über 100 Mrd.€) hat man ihnen bereits geschenkt.
    — Der „Beginn“ der Tilgung der derzeitigen (ständig wachsenden!) Staatsschulden (um 300 Mrd. €) wurde zunächst auf 2020 verschoben, dann gibt es wohl wieder 10 Jahre Aufschub usw. Was ist das etwas anderes als eine reale Schenkung? – Die Fiktion, es seien Kredite, wird nur in den Büchern der Gläubiger (ca. 75% der Griechenanleihen sind bei der EZB) aufrecht erhalten!
    — Zinszahlungen auf die gestundeten Schulden werden nur geleistet, weil für diese Beträge
    n e u e Schulden gemacht werden. – Schäuble: „Deutschland verdient an den griechischen Schulden“, was rein formal richtig ist, aber die Zinszahlungen werden von EU/EZBIWF geleistet, für die auch Deutschland mithaftet. Die Gläubiger zahlen sich also (über Umwege) selbst die Zinsen, nicht die Griechen jedenfalls nicht!!
    — Zur Finanzierung des laufenden Staatshaushaltes benötigt und bekommt Griechenland seit Jahren laufend zusätzliche Kredite (= Alimente).

    Im Grunde haben die Griechen die Staatsschulden bereits jetzt „faktisch geschenkt“ bekommen, und sie erhalten zusätzlich schon heute ihre (monatlichen) Alimente, was könnten sie dann noch mehr wollen??!!

    Das einzige, was Tsipras zu all diesen Geschenken zusätzlich erhalten könnte:
    Nachdem er sein Volk mit den versprochenen Wohltaten überschüttet haben wird, reicht die Rechnung sofort an die EU weiter – die EU zahlt dann ohne Murren und Knurren. – Zusätzlich verzichtet die EU auch noch „formal“ auf die Schulden der Griechen (Schuldenschnitt auf Null, Totalverlust für die Gläubiger) und zahlt weiterhin die verlangten Alimente.

    Die komplette Perversion des Grundgedankens der EU und des EURO!!

    Merkels unerwartete „Alternative“ vom 04.01.2015:
    Wenn aber die ehedem „alternativlose“ Merkel tatsächlich die EU und die EZB dazu bringen sollte, die Griechen-Alimente auf Null zu setzen, dann ist der GREXIT da.
    Denn ohne diese Alimente ist der griechische Staat illiquide! – Wenn er dennoch seine Beamten, Rentner etc. bezahlen wollte, dann ginge das nur in einer Währung, die er selber drucken könnte: die DRACHME!

    So einfach geht GREXIT !

    Wenn dann die EU (der wahren Idee der europäischen Gemeinschaft folgend!) mit einer Art „Marshall-Plan“ (= wenige 10 Mrd. €) der griechischen Wirtschaft direkt zu Hilfe käme (also nicht den Banken!), dann flösse das Geld direkt in die eigenständig sich entwickelnde Wirtschaft. Griechenland könnte aufblühen; Staatsausgaben werden (der griechischen Tradition folgend) bei Bedarf aus der Druckerpresse bezahlt. Den Griechen geht es gut, weil sie nach ihrer traditionellen Art wirtschaften können – bis zur nächsten Staatspleite, die sie dann aber selber (mit freundlicher Unterstützung ihrer europäischen Freunde) regeln, – wie schon oft gehabt. – So geht´s auf griechisch, das ist griechische Folklore!!

    Welche Folgen?

    1.) Es wird wahrscheinlich sehr heftige Turbulenzen an den Finanzmärkten geben.
    2.) Bedeutsamer: Die Regierungen andere Länder könnten erkennen (und zwar sowohl im Fall des GREXIT, als auch im Fall der Beibehaltung des EURO – inclusive des Empfangs von Alimenten), dass es Lösungen ihrer Finanz-Probleme gibt, die für ihr Volk weniger schmerzhaft sind, als die Umsetzung der von der EU verlangten „Reformen“ (= Organisation ihres Staatwesens nach deutschem Vorbild, nach deutschen Stabilitätskriterien).
    3.) Diese Länder könnten den „Griechischen Weg“ gehen (egal, welche der beiden Alternativen), was dann letztlich zur Auflösung des EURO führen würde.

    Ein langer, ereignisreicher Weg, aber dann hätten wir wieder ein Europa mit Nationalwährungen. In diesem Europa könnten sich die Regierungen um wichtigere Themen kümmern als um die heute omnipräsente Rettung des EURO.

    Sollte sich im „Lichte der Gesssichte“ (Kohl) herausstellen, dass Tsipras (ungewollt) auf diese Art zum „Wahren Retter der eigentlichen Europäischen Idee“ wurde?

    Denn: Mit diesen unsäglichen EURO wird Europa gespalten. – Ohne EURO kann es sich vereinigen!

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