Festschriftbeitrag zum Euro

In den letzten Tagen bin ich zu Beiträgen für zwei wissenschaftliche Festschriften eingeladen worden. Diese werden von akademischen Schülern zur Pensionierung oder einem (höheren) runden Geburtstag eines Professors herausgegeben. Da es sich um Überraschungen handeln soll, kann ich (noch) nicht schreiben, um wen es geht. Doch für eine der beiden habe ich als Arbeitstitel „Welche Unternehmen profitieren vom Euro?“ vorgeschlagen. Leider trifft das, zumindest kurzfristig in Deutschland, auf ziemlich viele zu, weshalb von dieser Seite kaum mit Widerstand gegen den Euro gerechnet werden kann. Es müssten die Beschäftigten, aber auch Transferempfänger erkennen, dass der Euro für sie gleich in mehrfacher Hinsicht (niedrigere Löhne, Renten und andere Sozialleistungen, Nullzinsen, dafür höhere Steuern und Importpreise) schädlich ist. Befördert diese Erkenntnis vielleicht auch, worauf ich kürzlich wieder angesprochen wurde, ein „Anti-Euro-Buch?“

11 Gedanken zu „Festschriftbeitrag zum Euro

  1. Der Euro ist nur Mittel zum Zweck, um einen europäischen Zentralstaat zu erzwingen. Ein Buch das sich mit dem Euro befasst, muss m.E. diesen Aspekt besonders beleuchten.

    Dass exportorientierte Unternehmen kurzfristig vom Euro profitieren, mag zutreffen. Langfristig werden die gesamtwirtschaftlichen Folgen eines europäischen Zentralstaats hierzulande aber auch viele größere Mittelständler ereilen, so dass zum Schluss beinahe nur Großkonzerne, der Staat, ihre abhängigen Beschäftigten und ein zunehmendes Versorgungsprekariat übrig bleiben werden.

    Was Mittel- und Nordeuropa wirtschaftlich einst stark gemacht hat – ein starker Mittelstand – ist dann Geschichte.

    • Niemand will einen europäischen Zentralstaat, viele jedoch einen europäischen Bundesstaat statt Staatenbund. Rein ökonomisch lässt sich nicht viel dagegen sagen, doch politisch wäre dieser eine Katastrophe.

      • „Niemand will einen europäischen Zentralstaat“ ?
        An dieser Aussage habe ich meine erheblichen Zweifel. Frau Merkel und Herr Schäuble arbeiten doch auf Hochtouren an den Vorbereitungen für den europäischen Zentralstaat. Der Euro war die Grundlage. Die Umverteilung des Geldes als Folge des Euro ebnet den Weg. Die politische Katastrophe ist kaum noch aufzuhalten …

      • Selbstverständlich weiß ich, was ein Zentralstaat ist. Deutschland gehört formal nicht dazu, ist praktisch aber auf dem besten Wege einer zu werden. Nicht anders verhält es sich mit der EU.

  2. Es ist sehr schwer, die „normale“ Bevölkerung davon zu überzeugen, dass der Euro für sie schlecht ist, weil das System eine sehr perfide Gestalt angenommen hat.

    Die Leute reagieren dann negativ auf den Euro, wenn sie ihn als einen unmittelbaren Kapitalverlust wahrnehmen. Das war gegeben als die „Rettungspakete“ durch den Bundestag gegangen sind. „Deutschland gibt Griechenland 100 Milliarden“, das versteht jeder. Vorgänge in der EZB und EU-Kommission kann aber kaum ein Mensch verfolgen oder nachvollziehen. Deshalb mögen Politiker diese Institutionen so sehr, man genießt dort praktisch Narrenfreiheit. Wenn die EZB Schrottanleihen kauft, dann merken das die Leute allenfalls über den niedrigen Euro, der aber in der Wahrnehmung durch den niedrigen Ölpreis kompensiert werden kann. Auch die Niedrigzinsen sind psychologisch weniger schwerwiegend wie eine sichtbarer Zahlung von Geld. Wenn Sie jemanden anrufen und sagen: „Hallo, deutsche Sparer verlieren xy Milliarden jedes Jahr“, dann guckt der auf sein Konto und meint: „Hmmmmm… Is immer noch genauso viel da…“

    Ein Buch, dass sich an die Bevölkerung richtet und über die Fehler des Euros aufklärt, müsste mehrere Voraussetzungen erfüllen:
    – Geringer Preis und leicht zu verbreiten, etwa über E-Book-Download
    – Plakativer Titel („Wie wir alle beklaut werden“ oder so.)
    – Anschauliche Erklärungen. Der Leser müsste sich dabei klar als Opfer erkennen können.
    – Wieso das alles unnötig ist und wie es anders geht.
    – Welche Strategien benutzt werden, um vom Gegenteil zu überzeugen, wieso diese nicht zutreffen und welche Interessen dahinterstehen.
    – Welche Parteien und Politiker sich schuldig machen. Hier muss klar auf die CDU gezielt werden, denn diese suggeriert, sie beschütze das Geld der Leute.
    – Geschichte. Wie es mit der D-Mark war und die undemokratischen Anfänge des Euro. Wie es weiterging, etwa das Schummeln von Griechenland in den Euro, das Desaster der „Rettungspolitik“ etc. Hintergründe wie die Sanierung von französischen Banken via Griechenland usw.
    – Wie die Alternative aussieht. Z.B.: Stellen Sie sich vor, der Euro wäre nie eingeführt worden. Ihr Vermögen hätte sich durch Zinsen wie folgt vermehrt usw.
    – Sozialpolitische Aussagen sind wichtig, denn die „ziehen“ eher als allgemeine Wirtschaftsbetrachtungen.
    – Das gilt auch für den Staat, also was mit dem verlorenen Geld hätte gemacht werden können.
    – Welche Schwierigkeiten eine Auflösung des Euro mit sich bringt und wie damit umzugehen ist. Das kann viel Arbeit sein.
    – Wie die Zukunft im Euro aussieht. Dieses Negativbeispiel steht dann allen vorgenannten Problemen gegenüber. Drei Modelle sind hier ein langes Siechtum mit sich ausbreitender Verarmung, ein autoritärer europäischer Staat mit Deutschland als entrechteter, sich abarbeitender Provinz sowie ein unkontrollierter Zusammenbruch des Euros und der EU.
    – Zum Abschluss die Vision eines Europas ohne Euro, mit befreundeten, miteinander Handel treibenden Völkern, und vor allem mit Wohlstand und Demokratie. Dieses Europa ohne asoziale Euro-Zwangsjacke sollte der jetzigen EU genauso gegenübergestellt werden wie Russland und China. Ein Europa, das sein Geld nicht zur Rettung einer schlechten Währung, sondern zur Bekämpfung von Hunger und humanitären Katastrophen einsetzt. Das ist wichtig, die Anti-Euro-Botschaft sollte unbedingt positiv und hoffnungsvoll besetzt werden. Implizite Aussage: Der Euro macht Europa schwächer und die Welt zu einem schlechteren Ort.

    Die drei Kerne dieses Buches müssten also sein: Wie schlecht der Euro für den Leser ist, wie negativ er für Deutschland ist und wie positiv ein Europa ohne Euro wäre. Da würde alle halbwegs Aufgeschlossenen erreichen und sogar eine Brücke zwischen „nationalen Egoisten“ und im Grunde „pro-europäisch“ Eingestellten schlagen. Es sollte klare „Feindbilder“ geben, primär die Eurokoalition in Berlin, damit das „die machen das schon“ die Leute nicht wieder einlullen kann. Auch die EZB muss als Gefahr identifiziert werden, damit diese weniger ignoriert wird (und außerdem ist die EZB ja auch der Euro).

    Es gibt schon genügend Bücher gegen den Euro, auch von prominenten Autoren wie Sarrazin. Ein neues Buch müsste besondere Qualitäten haben, die ich oben nur skizzieren konnte. Am besten sollten mehrere Personen daran arbeiten, da es einerseits viel Arbeit ist und andererseits ein möglichst breites Spektrum an Lesern überzeugt werden soll. Es wäre auch gut, Menschen ohne wirtschaftswissenschaftliche Bildung einzubeziehen. Es sollte nicht nur eine Einzelmeinung, wie das Europroblem zu beenden ist, enthalten sein, um die Breitenwirkung zu erhöhen.

    Zugleich ist es möglich, Unternehmen von einem Ende des Euros zu überzeugen. Hier ist es zunächst praktischer, einen Nordeuro anzustreben, da dies weniger abschreckend ist als die Mark. Es muss sehr genau erklärt werden, dass und wie einer Aufwertung entgegengewirkt werden kann. Des Weiteren müssen die Alternativen aufgezeigt werden. Nämlich dass Deutschland um des Zusammenhalts der Eurozone Willen Wettbewerbsfähigkeit genommen wird. Das macht die Große Koalition ja bereits. Den Unternehmen muss klar gemacht werden dass sie, wenn sie den Euro mögen, gleich nach Frankreich oder Italien gehen können, denn früher oder später sieht es hier genauso aus. Das Entstehen einer Transferunion wird Unternehmen über höhere Steuern und Abgaben ebenfalls belasten. Das gilt erst recht, wenn es ein Eurozonen-Sozialsystem und Vergemeinschaftung von Schulden gibt. Auch sollte man die Möglichkeit einer Eurosteuer ins Gespräch bringen, zukünftige Aufwendungen für den Erhalt des Euros sollen also von denen finanziert werden, die vom Euro angeblich so viel haben. Zuletzt sollte darauf hingewiesen werden, dass der Euro sozialistische und extremistische Strömungen begünstigt. gerade Unternehmen, die primär n Europa aktiv sind, sollten sich fragen ob sie die Verwandlung Europas in ein riesiges sozialistisches Bollwerk, mit einem französischen Kommunisten als EU-Kommissionspräsident und einer RRG-Koalition in Berlin wirklich lieber haben wollen als wenigstens eine teilweise Auflösung der Eurozone. Ein Euro-Europa wird in jedem Fall wettbewerbsfeindlicher und sozialistischer sein als ein Europa ohne Euro. Seine Unternehmen werden in der globalen Welt den Löffel abgeben. Frau Merkels Versuch, die Dinge zum Besseren zu wenden, ist an Italien und Frankreich gescheitert. Die EU-Kommission und das EU-Parlament können mit ihrer Begeisterung für Quoten, Regulierung und Umverteilung auch nichts Positives erreichen.

    Wie viel Bücher im Medienzeitalter erreichen können, ist allerdings fraglich und nicht bestimmbar. Ich weiß nicht, ob irgendein Sarrazin-Buch oder etwas Sonstiges Deutschland wirklich verändert hat. Erfolgreiche politische Kommunikation besteht im Wesentlichen darin, sich eine kurze, nachvollziehbare und leicht verständliche Botschaft zu überlegen (egal ob falsch oder wahr) und diese immer wieder zu wiederholen. Etwa „Euro ist Frieden!“ (Freiheit ist Sklaverei, Unwissenheit ist Stärke usw.) Wenn man es überall liest, dann glaubt man es. Für die AfD oder gegen den Euro gerichtete Kräfte ist das aber schwer, denn sie sind zahlenmäßig und finanziell unterlegen. Jedoch muss man nur so viele Leute erreichen, dass man als Bedrohung wahrgenommen wird und dementsprechend Druck ausüben kann.

    Trotzdem kann ein gutes Buch natürlich eine Hilfe sein, etwa auch im Straßenwahlkampf oder um Bekannte zu überzeugen, was ja nichts ist wofür „Deutschland schafft sich ab“ geschrieben wurde. Von daher kann es tatsächlich sein, dass man damit die Anti-Euro-Basis in der Bevölkerung erweitern könnte.

    • Vielleicht sollten Sie ein Buch in Ihrem Sinne herausgeben. Ich würde mich auch mit einem Beitrag daran beteiligen, doch mein eigenes Buch hätte sicher nicht den Titel „Wie wir alle beklaut werden“ und auch einen anderen Fokus. Ein Buch allein verändert ohnehin nicht die Welt oder gar kurzfristig die Politik von Frau Merkel. Wie Sie richtig feststellen, braucht man dazu einfache Botschaften. Doch dann verstehe ich nicht, wieso Sie sich gegen klare Eurokritik der AfD aussprechen. Natürlich lässt sie sich nicht 1:1 umsetzen, doch wenn sie nicht einmal klar gefordert wird, welche Botschaft kommt denn dann an?

  3. Die Probleme, die durch den Euro entstanden sind, zu beschreiben und seine Abschaffung zu fordern ist sicherlich der erste Schritt. Um glaubwürdig die Abschaffung zu fordern und die Alternativlosigkeit des Weiterso zu widerlegen, müssen die Konzepte zur realen Durchführung der Abschaffung vorgestellt und diskutiert werden. Die Konsequenzen und Risiken müssen schonungslos offengelegt werden. Nur so wird die Sache rund.

    • Allgemeines Geschimpfe auf den Euro gibt es schon genug, ebenso Beschreibungen der Krise bis heute. Ich würde hingegen die Zukunft bzw. mehrere alternative Zukünfte in den Blick nehmen. Darauf könnte dann in der weiteren Eurodiskussion verwiesen werden.

  4. Es konstituiert sich jetzt das AfD Mittelstandsforum. Ob und inwieweit deutsche Unternehmen, insbesondere Mittelständler, vom Euro überhaupt profitieren, werden wir u.a. dort genauer thematisieren und auch empirisch untersuchen.

    • Ich war bei der Gründungsveranstaltung in Würzburg dabei. Wenn Hajo Müller den Kurs so fortführt, wird dieses Mittelschichtsforum ein Stammtisch für Middle-Management, Lehrer, Krankenschwestern und öffentlich Bedienstete aber niemals ein Mittelstandsforum für mittelständische Unternehmer.

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