Ärger mit der BahnCard

Heute Morgen hieß es: „Deutsche Bahn will BahnCard 25 und 50 abschaffen“. Das wurde gleich dementiert und war wohl auch etwas übertrieben. Die Abschaffung sollte wahrscheinlich als eine Option im Aufsichtsrat diskutiert werden, wozu man angesichts der negativen Reaktionen jedoch nicht öffentlich stehen will. Weiterhin geplant sind jedoch Veränderungen am Preissystem und eine „Neue Bahncard soll die ICE-Flotte retten“. Allerdings scheint die Bahn einmal mehr in die falsche Richtung zu denken. Das Preissystem ist viel zu kompliziert und sollte deshalb nicht noch komplizierter, sondern viel einfacher werden. Durch die vielen Zugbindungen verschenkt die Bahn den Wettbewerbsvorteil, dass sie ständig fährt.

Die Abschaffung der BahnCard würde außerdem eher den Kunden als der Bahn nutzen, die gleich doppelt davon profitiert. So nutzen die meisten Kunden die BahnCard nicht genug, um auch nur deren Kosten wieder einzufahren, wie zwei Koautoren und ich in dem Beitrag „Buying without using – biases of German BahnCard buyers“ zeigten. Zugleich sinken die Grenzkosten für die Bahnfahrer, so dass sie eher mit der Bahn fahren als ohne BahnCard.

Diese wird man übrigens gar nicht so leicht wieder los. Letztes Jahr hatte ich mir eine BahnCard 25 gekauft und meiner Frau eine BahnCard 25 als Partnerkarte. Dieses Jahr bestellte ich am Schalter statt der Partnerkarte eine günstigere Zusatzkarte für meine Frau, da wir nun mit dem Baby die Voraussetzung dafür erfüllen. Die Bahn schickte uns die neuen Karten, aber eine höhere Rechnung, weil wir die Partnerkarte nicht fristgerecht gekündigt hätten, wobei sie zuvor einen Nachweis verlangte, ob die Voraussetzungen dafür überhaupt noch erfüllt seien. Aus den eigenen AGB der Bahn ergibt sich jedoch nicht, dass man die eine BahnCard 25 kündigen müsste, um eine andere beantragen zu können.

Ich rief die Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr e. V. an, lehnte jedoch nach Monaten, in denen wir die BahnCards nicht nutzen durften, den Schlichtungsvorschlag ab, die Preisdifferenz als Gutschein für Bahnfahrten erstattet zu bekommen. Jetzt nervt ein Inkassobüro, dem ich jedoch mitteilte, dass gar keine Forderung gegen mich besteht. Demnächst wird wohl eine Unterlassungserklärung für Ruhe sorgen müssen. Ich kenne das schon von einem früheren Fall, wo die Bahn meine frühzeitige Kündigung einer BahnCard verschlampt hatte, die ich beweisbar gefaxt hatte. Doch die Bahn vergrault offensichtlich lieber ihre Kunden, statt diese korrekt zu behandeln.

18 Gedanken zu „Ärger mit der BahnCard

  1. Ich plädiere gleichfalls für eine Vereinfachung ! Nämlich schon im Hinblick auf die Zahlungsmöglichkeiten bei Lösen eines Fahrscheines: es sollte zeitnah wieder Fahrkartenschalter an Bahnhöfen geben, an denen Fahrkarten nicht von Automaten, sondern von natürlichen Personen ausgegeben werden. Und es insbesondere wieder möglich ist, dass der/die Reisende in diesem Rahmen zuvor eine zuverlässige individuelle Beratung erfahren darf. Wobei der betreffende Bahnmitarbeiter tunlichst wieder auch direkt telefonisch erreichbar sein sollte. Dann würde es zudem in einem viel transparenteren Lichte erscheinen, wofür die Kosten des Bahnfahrens überhaupt sachdienlich und angemessen verwendet werden.

    • An größeren Bahnhöfen kann man noch Fahrkarten am Schalter kaufen, allerdings nicht für den Nahverkehr. Außerdem blicken die Angestellten häufig selbst nicht mehr durch, was zeigt, dass das Preissystem viel zu kompliziert ist. Die jüngsten Verlautbarungen deuten allerdings auf weitere Verschlechterungen statt Verbesserungen hin, wohl weil die Bahn ihren eigenen Markt nicht richtig versteht. Vor Jahren gab es schon einmal den gescheiterten Versuch, Bahntarife wie Flugtarife auszugestalten.

  2. Ich plädiere für ein kostenloses Grundversorgungsangebot der Bahn unter folgenden Prämissen:

    – Rückverstaatlichung des Personenverkehrs (die Bahn ist m.E. ein Stück Infrastruktur, das schon auf Grund des gewachsenen Netzes nicht mehr wirklich wirksam privatisiert werden kann).

    – Nahverkehrszüge und Regionalexpress gratis bei Bedienung aller Strecken und Nebenstrecken.

    – IC und ICE zu vernünftigen Preisen, alternativ als Flatrate (Bahncard 100).

    – Konsequente Privatisierung des Güterverkehrs (die Bahn kann es einfach nicht!)

    Nein, ich bin weiß Gott kein Kommunist. Aber das wäre sinnvolle Verwendung von Steuermitteln, die allen Bürgern dient und zudem die Umwelt entlasten hälfe, da die Bahn dann viel besser angenommen würde.

    • Durch eine konsequente Trennung von Netz und Betrieb könnte es eine vollständige Privatisierung und mehr Wettbewerb im Personenverkehr geben. Das Netz bleibt dann wie die Straßen im Staatsbesitz und wird allen Bahnbetreibern zu gleichen Konditionen angeboten. Eine gewisse Subventionierung könnte volkswirtschaftlich sinnvoll sein, doch ein völlig kostenloses Angebot führt zu Problemen.

      • Das sehe ich nicht so. Der Betrieb von Nebenstrecken wäre sowohl für den Netzbetreiber als auch für private Betriebsanbieter unlukrativ.

        Viele Täler, die zu Zeiten als Deutschland noch ein produzierender Industriestaat war, schon auf Grund des Güterverkehrs bestens von der Bahn erschlossen waren, können heute nicht mehr angefahren werden, weil die Bahn (als potentieller Netzbetreiber) ihre Infrastruktur aufgegeben hat. Gerade solche Trassen wären aber insbesondere für Pendlerzüge hochinteressant.

      • Es ist doch heute schon so, dass der Regionalverkehr stark subventioniert wird. Das hat übrigens z. T. paradoxe Folgen. Früher haben die Regionalzüge auf den ICE gewartet, heute haben sie Vorrang vor ihm. Denn ihre Verspätungen führen zu Vertragsstrafen, Verspätungen des Fernverkehrs nicht.

      • Die Bahn ist doch das Paradebeispiel eines misslungenen Versuchs der „Privatisierung“ öffentlicher Infrastrukturaufgaben.

        Noch nie war so viel Güterverkehr auf den Straßen wie heute. Und es wird täglich mehr.

        Was spräche dagegen, den Personenverkehr eben gerade nicht zu privatisieren und Regional- und Interregiozüge gratis anzubieten?

  3. Mein Vater war Abteiungsleiter im Reisebüro für Bahn und Schiff.
    Er hat die sich seinerzeit die Gastarbeiterzüge ausgedacht,mit denen Spanier,Italiener usw im Urlaub nach Hause fuhren konnten.

    Er hat also Ahnung und wie er sagt selber extreme Mühe,jetzt einen Fahrplan rauszusuchen um kostengünstig in den Urlaub zu kommen.

    Das ist so gewollt,damit es so unüberschaubar wird,das man grundsätzlich immer zu teuer bucht.

    Wir leben aber in Zeiten einer maximalkapitalistischen BRD GmbH und Co Kg in denen sogar Hubschrauber für die Armee geleast,vermietet und rückgemietet werden.

    Da darf es nicht verwundern,das die Bahn,eigentlich ein Volkseigentum,ihren eigentlichen Zweck gar nicht mehr erfüllen darf,sie soll Geld erwirtschaften und sonst gar nichts.

    Richtig wäre,Nahverkehr so günstig wie möglich zu gestalten und dieses mit der DB Cargo,also der Fracht gegenfinanzieren.Die Bahn soll natürlich ein Plus erwirtschaften.
    Aber die eigentliche Aufgabe der Bahn ist nicht die Gewinnmaximierung,sondern eben als Volkseigentum den notwendigen Nahverkehr für die Bevölkerung sicherzustellen und zwar preiswert und nicht mit Serice – Centern,die gar keine sind,den Kunden möglichst viel Geld aus der Tasche zu ziehen.

    Eine Bahnrefom im Sinne der Bürger und im eigentlichem Sinne,was die Bahn immer sein sollte,ist sicher notwendig.

    • Es ist keine sinnvolle Preispolitik, die Preise so intransparent zu gestalten, dass fast niemand den günstigsten Preis findet. Dann sollte man diese Billigpreise gar nicht anbieten. Ich zahle lieber fair etwas mehr, als mich jedes Mal verschaukelt zu fühlen.

  4. Bahnreform in 3 Schritten.

    Nahverkehr so kostengünstig wie möglich ( Minus )
    Fernverkehr kostenneutral mit einem leichtem Plus
    Güterverkehr kostendeckend um den Nahverkehr damit abzudecken.

    Unter dem Strich natürlich ein Plus für die Bahn,allerdings kein maximales.
    Das ist nicht Sinn der Bahn,sie ist Volkseigentum und soll nur die Menschen beförden.
    Zum Beispiel zur Arbeit.

    • Ihr Plan würde leider kläglich am mangelnden Logistik-Organisationsvermögen der Bahn für den Güterverkehr scheitern.

    • Die Bahn soll Menschen und Güter befördern. Das hat positive externe Effekte für Autofahrer und die Umwelt. Gewinnmaximierung ist ohnehin kein sinnvolles Ziel für öffentliche Betriebe. Eine Privatisierung müsste hingegen zu Wettbewerb führen. Ein privates Monopol wäre keine Verbesserung.

      • Die Autobahnen waren noch nie so voll von Güter befördernden Lkw wie heute. Tendenz: Stark zunehmend. Von einer „Entlastung“ durch die Bahn ist auf den Fernstraßen wirklich nichts zu spüren.

      • Eine Privatisierung führt zu mehr Wettbewerb,das ist richtig.
        Allerdings fragen sie mal die Angestellten wie das umgesetzt wird.

        Nein,die Bahn sollte im Staatsbetrieb verbleiben,mit klarem Auftrag – sie ist Volkseigentum.

  5. Ein Eisenbahn-Verkehrsunternehmen (EVU) wie die DB AG zu „privatisieren“ war eine Folge des „Schengen-Abkommens“, dessen Rechnung ebenso wenig wie die des privaten Personenfernverkehr mit Bussen über Autobahnen aufgehen wird. Das auch Güter heute größtenteils ökonomisch wie ökologisch sinnvoller nicht auf der Schiene, sondern über die Autobahn befördert werden ist politisch gewollter Unsinn. Dahingehend habe ich vor vielen Jahren mal einen Verbesserungsvorschlag mit Berechnungen von Transportleistungen im Schienenverkehr eingereicht, in dem ich nachgewiesen habe, dass Güter wirtschaftlicher auf der Schiene transportiert werden und warum Fernbusse nicht zugelassen werden sollten.
    Mit nicht nachvollziehbaren Argumenten ist der aber, wie erwartet, abgelehnt worden.

    Und ein Herr Mehdorn war es, der in seiner damaligen Eigenschaft als Vorstandsvorsitzender der DB diesem Unternehmen großen Schaden zugefügt und so vor die Wand gefahren hat. Neben seinem Bestreben, mit der DB AG an die Börse gehen zu wollen, setzte er sich auch für zwei kurze Referenzstrecken (Dortmund-Düsseldorf und München Hbf-Franz – J.Strauss Flughafen) mit dem Transrapid ein. Für dieses Projekt unterstützte H. Mehdorn Kostenbeteiligungen wie Konkurrenz im eigenen Haus. (…) Dazu habe ich dem damaligen Verkehrsminister Stolpe etwas geschrieben, der den Transrapid dann zur Geschichte werden ließ.
    Übrigens haben schon zwei subventionierte, private EVU dem Steuerzahler viel Geld gekostet, sind aber erwartungsgemäß in die Pleite gefahren und haben sich bereits wieder vom Markt verabschiedet. Eine „Privatisierung“ brachte eben doch unvorhersehbare Umstände mit sich, die bei der guten alten Deutschen-Bundesbahn besser funktioniert haben.

    • Beim Schengen-Abkommen geht es um den Abbau von Grenzkontrollen, nicht die Privatisierung des Bahnverkehrs. Die DB ist jetzt eine Aktiengesellschaft, aber nicht privatisiert, sondern 100 % in Staatsbesitz. Etwas liberalisiert wurde der Regionalverkehr. Wenn die Personenbeförderung auf Teilstrecken ausgeschrieben wird, gelten dafür europarechtliche Vorgaben (Nichtdiskriminierung von EU-Wettbewerbern).

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