Eine Währung pro Staat

Erst kürzlich habe ich in The Economist den Beitrag „No country for old money“ gelesen. Er ist bereits vom 13. September 2014, also kurz vor dem Referendum in Schottland (siehe ‚Schottland vor der Entscheidung‘‚) erschienen, bei dem die Schotten sich mehrheitlich für den Verbleib in Großbritannien entschieden (siehe ‚Schotten bleiben Briten‘‚). Doch für den Fall der Unabhängigkeit wurde überzeugend dargelegt, dass dann Schottland eine eigene Währung gebraucht hätte (siehe auch ‚Kein britisches Pfund für ein unabhängiges Schottland‘). Das ist ein Beleg für meine These, dass die Währungsfrage an der staatlichen Souveränität hängt. Innerhalb von Großbritannien braucht Schottland offensichtlich keine eigene Währung, außerhalb aber doch. Der optimale Währungsraum ist also jeweils der souveräne Staat. Zugleich zeigt es, dass The Economist völlig verlogen für die Eurorettung eintritt. England und Schottland sind sich wirtschaftlich, sprachlich, kulturell und historisch viel näher als der Euroraum, doch schon bei ihnen hätte im Falle von zwei souveränen Staaten eine Währung nicht funktioniert. Wie soll dann eine Gemeinschaftswährung zwischen den völlig verschiedenen Euroländern klappen?

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16 Gedanken zu „Eine Währung pro Staat

  1. Ist es nicht im Prinzip so wie mit Bundesländer? Alles ist fast gleich, aber die wirtschaftliche Struktur und Leistungen zwischen z.B. Niedersachsen und Bayern liegen weit auseinander.

    • Wenn es so wäre, würde der Euro funktionieren. Es können durchaus verschieden reiche Menschen und Regionen eine Währung benutzen. Das Problem sind strukturelle und politische Unterschiede, die sich auch noch laufend verändern.

      • Klar funktioniert der Euro, wenn innerhalb des künftigen EU-Zentralstaats ein Länderfinanzausgleich nach deutschem Vorbild stattfindet.

        Herr de Grisogono hat völlig Recht:
        Es läuft auf das gleiche Prinzip hinaus, wie mit unseren Bundesländern – kommunistische Umverteilungs-Gleichmacherei zu Lasten der Regionen, ihrer Kultur und ihrer Menschen. Der Wettbewerbs- und Wohlstandskiller schlechthin!

  2. „Der optimale Währungsraum ist also jeweils der souveräne Staat.“
    Etwas kurzsichtig und gefährlich. Dann wären durch die Umwandlung der Eurozone in einen Staat ja alle Probleme gelöst.
    Das stimmt aber nicht. Wäre die Eurozone ein Staat, dann würde der mangelnde Respekt für den Staat – etwa das Einhalten von Bestimmungen, das Zahlen von Steuern sowie die Probleme mit Korruption – in wenigstens einigen Teilen Frankreichs, Italiens etc. weiter bestehen. Es würde dann also einigermaßen funktionale und gleichzeitig gescheiterte Bereiche nebeneinander geben, wobei erste letztere subventionieren würden. Dies führt dann zum Ruin der „besseren“ Bereiche – auch weil es sich nicht lohnt, etwas zu verbessern. In den USA ist es z.B. nicht so, dass die Leute in North Dakota im internationalen Vergleich sehr steuerehrlich sind, während in Texas die Wirtschaft durch Korruption, Regulierungswut und Vetternwirtschaft gelähmt wird. Auch in Deutschland liegen die Dinge nicht so, dass es mit Steuerehrlichkeit und Korruption in Bayern dramatisch besser aussieht als etwa in Schleswig-Holstein.
    Durch Europa gehen kulturelle Risse, welche auch etwas mit Arbeitskultur, Loyalität zum Staat und ähnlichem zu tun haben. Diese Risse laufen teilweise sogar durch Länder wie Belgien und Italien.
    Der „optimale“ Währungsraum ist daher nicht einfach ein souveräner Staat, da man die einfach erfinden kann (Süd-Sudan z.B.). Angezeigter wäre es, sich auf den Nationalstaat zu beziehen. Eine Nation weißt gewisse Kennzeichen auf, z.B. gemeinsame Kultur, ein gemeinsames Selbstverständnis und ein einigermaßen zusammenhängendes Gebiet. So etwas entwickelt sich geschichtlich und wird nicht von oben gewillkürt, was auch für die USA gilt. Über die willkürlich zusammengekleisterte, zerstrittene Eurozone kann man das unmöglich sagen, über Deutschland schon, denn ansonsten hätte das Land nicht Krieg und Teilung überlebt und würde im europäischen Vergleich einigermaßen gut funktionieren. Ein Eurozonenstaat würde dagegen scheitern, egal ob es eine Zentralregierung gibt oder nicht. Diese könnte die Probleme mit organisierter Kriminalität und Vetternwirtschaft etwa in Süditalien nicht weghexen, und auch nicht erklären warum andere dafür zahlen sollen. Es wäre ein Riese mit einem kaputten Bein, dem die Zwerge davon laufen würden. Ganz sicherlich kein optimaler Währungsraum.

    Und vom Economist sollte man nichts erwarten, der zählt zur gnadenlos europhilen Politblase in London, welche auch solcherlei fabriziert:
    http://www.thetimes.co.uk/tto/opinion/columnists/article4233442.ece

    • Eine gemeinsame Währung zwingt die Mitglieder ihres Währungsverbundes zwangsläufig früher oder später zum gemeinsamen Zentralstaat. Das ist auch das eigentliche Ziel des Euro.

  3. So ist es – jedem Land seine Währung. Eine gemeinsame Währung setzt einen gemeinsamen Staat voraus, der Euro den europäischen Zentralstaat. Der Euro wurde uns ‚geschenkt‘, um unter ein Dach zu zwingen, was nicht zusammengehört. Das hat (vereinfacht gesagt) schon beim Umtausch der DDR-Mark in D-Mark funktioniert. Die deutsche „Einheit“ war die Blaupause für einen europäischen Zentralstaat. Das mögen deutschtümmelige „Patrioten“ nicht gerne hören, ist aber unabdingbare Vorgeschichte dessen, was wir gerade erleben.

    • Die deutsche Wiedervereinigung hat eine künstliche Teilung beseitigt, während der Euroraum ein künstlicher Zusammenschluss ist (und ein Eurosuperstaat erst recht künstlich wäre), der nicht funktioniert.

      • Eine Frage der Sichtweise, lieber Herr Dilger!

        Wie ich bereits mehrfach betont habe, fühle ich mich als Bayer (eigentlich sogar Franke) Österreichern und selbst Niederländern viel näher als Berlinern oder Sachsen.

        Der künstliche Zusammenschluss deutschsprachiger Regionen erfolgte allerdings bereits durch Napoleon und nicht erst durch die „Deutsche Einheit“ von 1990.

      • Ich darf mich beiden Kommentaren von Herrn Meister ausdrücklich anschließen. Im ersten zieht er (m.E.) die richtigen Bezugspunkte, zum zweiten kurz hier: Der Berlinstaat ist – bei Lichte betrachtet – eindeutig wesentlich viel bekämpfenswerter als selbst der einer Zentral-EU: Der Grund liegt in der KULTUR, wesentlichen Unterschieden bei den Werten, den Umgangsweisen, durchaus auch der täglichen Handlungs- und Umgangs-„Kultur“, genauso, wie den sehr unterschiedlichen Auffassungen dazu, welche Rolle der (eben inzwischen wieder bürgerzwingenden, -brechenden und schleichmordenenden) Staat spielen soll: Es ist die andere (i.m.A. nicht deutsche, dafür doitschere), die zweite ‚deutsche‘ ‚Kultur‘ (die in sich basisfrei, nicht selbsttragfähig ist, wie immer schon) (mit „DDR“ hat das nebenbei eher wenig zu tun), die jetzt wieder den Ton angibt: Mit ganz sichtbar schlechten, zerstörerischen, bürgerfeindlichen Ergebnissen. Den Rückwärtskrieg dagegen wird man wohl – gleichmethodig – führen müssen, jdf. den Leuten meiner Generation wird das zunehmend klarer: 25 Jahre geht der neuaufgelegte Mist nun schon, Neu-Bürgerfeind-Staatsanbeter-Heuchelprotestantismus-Raubsaugpreussen lebt erneut, entsprechend behördenfeudal, bürgerfeindlich und zukunftslos geht es zu: In den nächsten Jahren wird es darum gehen das – ein für allemal und diesmal dann endgültig – abzustellen. Herrn Meister ist das jetzt wahrscheinlich zu viel: Aber der (noch nie funktionierende) Nordostkonzeptionisten-Dreck muss eindeutig neu weg. Dabei geht es um die Kultur, die am Ort, Strukturen hängt, nicht um die Leute oder einzelne davon. Nebenbei nicht unerhebliches AfD-Problem diese Frage, unreparierbar falsch aufgestellt, auch hier, das schon Personenfrage, dem währungsexpertigen Großstrategen sei Dank: Kopfschuss, maximaler Schaden.

      • Mir scheint es, dass Sie in der Alternative für Deutschland falsch aufgehoben sind (falls Sie überhaupt dazu gehören), sondern eine Alternative zu Deutschland suchen.

      • Oh, die bessere Alternative zur DDR 2.0 die gibt es durchaus:
        Ein Europa autonomer Regionen!

      • „Oh, die bessere Alternative zur DDR 2.0 die gibt es durchaus:
        Ein Europa autonomer Regionen!“ – Michael Meister

        Sehr richtig!

      • „Mir scheint es, dass Sie in der Alternative für Deutschland falsch aufgehoben sind (falls Sie überhaupt dazu gehören), sondern eine Alternative zu Deutschland suchen.“ – Alexander Dilger

        Jenseits der (im Grunde ausführlicheren) Fragen, ob Sie nicht selbst eine Alternative jdf. zu dieser Alternative für Deutschland suchen (jdf. dieser, der derzeitigen, sich weiter abzeichnenden) und dass ich als Deutscher (der ich sehr gerne bin) eindeutig eine Alternative zum bürgerschleichmordenden, preussisch-behördenfeudalen Anti-Bürger-Berlinstaat suche (der deutsche Bürger/ die Bevölkerung zum Nachteil eben dieser (selbst zum eigenen) – hochverlogen bis maximalverheuchelt – mind. seit bald 150 Jahren klein, runter und kaputt quält) darf ich Ihnen an dieser Stelle vielleicht trotz unterschiedlicher Standpunkte meinen (ausdrücklichen) Respekt aussprechen.

  4. Eine richtige Analyse, sehr geehrter Herr Dilger. Die „Gemeinschaftswährung“ kann man getrost als kommunistisches oder auch als diktatorisches Experiment oder Relikt werten, welches jedenfalls versagt hat. Die jeweilige Perspektive spielt dabei überhaupt keine Rolle. Sie kann daher bereits im Ansatz nicht funktionieren. Denn sie verstösst im Wesentlichen gegen ein Naturgesetz, welches sich erfreulicherweise grundlegend im internationalen Völkerrecht widerspiegelt: nämlich dem Freiheitsdrang der Völker, ihrem Drang nach (Über-) Leben, ihrem Durst nach Wettbewerb und Frieden und ihrem natürlichen Streben nach Bewahrung ihrer natürlichen Traditionen, individuell mehr oder weniger im Einklang mit dem Drang nach Erneuerungen und Wohlstand.

  5. In Glasgow gibt es etliche Pubs, da können sie garnicht mit englischen Pfund zahlen. Der Wirt wird ihnen sagen: „No Sir, we are Scottish“. Deshalb akzeptieren sie dort nur schottische Pfundnoten. In England ist es aber genauso. Wenn sie dort mit schottischen Pfunden in die Geschäfte gehen, wird man es nicht akzeptieren. Wenn sie aber mal in Dortmund auf die Bank gehen, wird es eine Woche dauern, bis sie schottische Pfundnoten für ihren Euro bekommen. Ich bin auch der Meinung, dass Schottland als unabhängiger Staat gut funktioniert hätte ohne den Euro. Sie haben das Öl und das richtige Wasser zum Whiskey und zur Unabhängigkeit wäre der Euro ein falsches Werkzeug, da er nicht unabhängig macht.

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