Starre Frauenquote kommt

Durch politische Spielchen, nämlich „Schwesigs Werk und Kauders Beitrag“, kommt jetzt tatsächlich eine schlechte Frauenquote für Aufsichtsräte, wie sie schon letztes Jahr grundsätzlich vereinbart wurde (siehe ‚Union und SPD für, AfD gegen Quoten‘). Ab 2016 müssen die gut 100 größten börsennotierten und mitbestimmten Aktiengesellschaften mindestens 30 % ihrer Aufsichtsratsmandate an Frauen vergeben. Ansonsten bleiben die Plätze leer. Die Quote gilt für Kapitalgeber- und Arbeitnehmervertreter zusammen, wobei ich noch nicht gelesen habe, wie im Zweifelsfall die (leeren) Quotenplätze zu verteilen sind. Ohnehin handelt es sich zusammen mit der quasiparitätischen Mitbestimmung um einen enteignungsgleichen Eingriff und eine offene Verletzung von Artikel 3 Grundgesetz, die hoffentlich vom Bundesverfassungsgericht wieder kassiert wird. Denn hier hat bei einer starren Quote ohne Ausnahme das Geschlecht absoluten Vorrang vor der Qualifikation.

Dabei werden sich schon Frauen finden, die die Mandate besetzen, indem erstens hinreichend fähige Frauen zahlreiche Mehrfachmandate erhalten. Zweitens dürften die Aufsichtsräte weiter entwertet werden und Loyalität vor Kompetenz gehen. Die Frauen dürfen dann nur anderswo gefasste Beschlüsse abnicken. Drittens könnte auch die Zahl der börsennotierten Unternehmen zurückgehen. In Norwegen hat es bei Einführung einer ebenso starren Quote von 40 % für alle börsennotierten Unternehmen einen massiven Rückgang derselben gegeben (siehe „A Nordic mystery“). Auch sonst hat die Frauenquote dort empirisch keine positiven Effekte gehabt, nicht einmal für die Gleichstellung und andere Frauen als die wenigen „Goldröckchen“, die jetzt mehrfach Aufsichtsratstantiemen kassieren.

Die übrigen rund 3.500 börsennotierten Unternehmen in Deutschland müssen sich übrigens wie auch die Bundesverwaltungen, Bundesunternehmen und Gerichte selbst verbindliche Quoten für Führungskräfte geben, was vor allem zu viel zusätzlicher Bürokratie führen wird. Bereits das Hochschulzukunftsgesetz hat auch den Universitäten in NRW härtere Quoten und noch größeren Verwaltungsaufwand gebracht. Die Lebens- und Arbeitsbedingungen verschlechtern sich leider Tag für Tag in diesem Land.

21 Gedanken zu „Starre Frauenquote kommt

  1. Dies bedeutet ja eine – zumindest vorübergehende – Diskriminierung der Männer bei Bewerbungen. Männer haben erst wieder eine Chance, wenn die Quote erfüllt ist. Und wenn keine Frau gefunden wird, bleibt die Stelle leer. Also ein quasi Berufsverbot für Männer.
    Welche Frau kann es mit ihrer Selbstachtung vereinbaren, nur wegen der Quote und nicht wegen ihrer Qualifikation die Position erhalten zu haben?

    • Die Quote gilt, wenn die Gremien neu zu besetzen sind. 70 % der Mandate dürfen also weiterhin von Männern besetzt werden (aber ob 30 % von Männer besetzt werden müssen, wage ich zu bezweifeln). Wenn man völlig von der Qualifikation und auch Motivation absieht, könnte man das sogar wie die parlamentarische Opposition für fortgesetzte Diskriminierung von Frauen halten. Tatsächlich gibt es jedoch viel weniger hinreichend qualifizierte und vor allem motivierte Frauen. Ein Aufsichtsratsmandat hätten vielleicht viele gern, aber nicht den anstrengenden Weg dorthin. Das ist so ähnlich wie bei den politischen Mandaten.

      • Über wie viel Frauen reden wir hier überhaupt? Ist das ein gesellschaftliches Problem?

      • Es ist ein politisches Problem, kein gesellschaftliches. Es geht um keine hundert Frauen, die jetzt Multiaufsichtsrätinnen werden dürften.

    • Durch Quoten wird nur die Freiheit angegriffen. Konsequenterweise muesste auf allen Unterndhmenswebenen eine Quote eingefuehrt werden um ausreichend „Material“ fur Top-Positionen zu haben. Wahrscheinlich ist es aber gedacht ausgediente und verdiente „Politikerinen“ gut zu versorgen! Vielleicht kommt als naechstes eine Politiker-Quote um Diskriminierung umzugehen?

  2. Deutschland steuert mehr und mehr auf eine Planwirtschaft nach kommunistischem Vorbild zu und der Irrsinn nimmt kein Ende.

  3. Völlig in Ordnung so. Unternehmen, die so blöd sind in Deutschland zu bleiben, sollen dafür auch ordentlich bestraft werden. Dummheit muss wehtun. Wem hohe Strompreise, staatlich geregelte Löhne und staatlich geregelte Preise in Verbindung mit hohen Steuern gefallen – bitte sehr. Hat schon immer sehr gut funktioniert.
    PS: http://www.breitbart.com/Breitbart-London/2014/11/26/Scientific-Proof-That-Public-Debate-Is-Dominated-By-Stupid-People

  4. Eine Quotenregelung ist nicht zielführend.
    Nun werden Spitzenposten wohl auch mit weniger Qualifizierten besetzt werden.

    • @ Manfred Luck: Nö, das ist nicht zwingend die Konsequenz. Man könnte ebenso gut behaupten, ohne Frauenquote leidet die Qualität, weil die Herren der Schöpfung vor allem dem eigenen Geschlecht den Vorzug geben;-)

      Die Quotenregelung hat nämlich leider eine Vorgeschichte und bei der war Qualität eben nicht immer das ausschlaggebende Einstellungskriterium. Ich kann mich noch gut daran erinnern, dass in der Generation meiner Eltern Frauen in höheren Positionen als „Blaustrümpfe“ diffamiert wurden.

      Dennoch – mit Quotenfrauen (einer neuen Art der Diffamierung) löst man natürlich kein Problem.

      • Aber das stimmt doch einfach nicht, dass Männer (hierzulande und heutzutage) dem eigenen Geschlecht den Vorzug geben. Es gibt auch keinerlei seriöse Studie, die das belegen würde. Das wird einfach (fehlerhaft) daraus geschlossen, dass in höheren Positionen Frauen unterrepräsentiert sind, wofür es jedoch zahlreiche andere Gründe gibt. Sehr aufschlussreich ist z. B. die Grafik im Artikel, den Herr Vorländer verlinkt hat. Schauen Sie sich die psychatrischen Anstalten, Gefängnisse und Friedhöfe an, um zu sehen, wie Frauen auch am unteren Ende der Verteilung unterrepräsentiert sind.

      • Wie Herr Dilger andeutete: ich werde Frauenquoten in dem Moment ernstnehmen, in dem Frauen auch unter Häftlingen, Obdachlosen, Müllmännern (ich meine -personen!), und ähnlichen männlich dominierten Bevölkerungsgruppen gleiche Repräsentation einfordern… einstweilen ist das einfach nur ein parasitärer cash grab von ohnehin überprivilegierten Frauen.

  5. @ Prof. Dilger: Och, haben Sie meine Ironie im ersten Passus bzgl. der Argumantation von M.L. nicht mitbekommen? 😉

    Der zweite Passus bezog sich auf die Vergangenheit, die allerdings Anlass zur Kritik gab. Ich sollte aber hinzufügen: Diese liegt schon eine ganze Weile zurück, denn es hat sich tatsächlich enorm viel geändert. Mit nicht selten skurrilen Folgen, z.B. wenn eine wichtige Stelle lange Zeit vakant blieb, weil eine Frau jahrelang gegen einen männlichen Bewerber klagte.

    Ansonsten sehe ich wie Sie viele Gründe für eine nicht gleiche Stellenbesetzung unabhängig von der Frage nach der Qualifikation. So war mir z.B. die Nähe meiner Kinder mir einfach zu wichtig, um z.B. Verteidigungsministerin zu werden…

    • In der Vergangenheit, selbst noch in der Anfangszeit der Bundesrepublik Deutschland, gab es tatsächlich Diskriminierung gegen Frauen. Heute gibt es höchstens noch Diskriminierung gegen Mütter. Dagegen hilft jedoch keine Frauenquote, sondern sind reale Veränderungen nötig. Außerdem gibt es viele andere Länder auf der Welt, wo Frauen nicht nur diskriminiert, sondern brutal unterdrückt werden. Dagegen hilft aber auch keine Frauenquote in deutschen Aufsichtsräten, von der ohnehin keine hundert Frauen profitieren werden.

      • Ich nehme an, dass diese Ansicht in der AfD Konsens ist und keine großen Diskussionen auslösen wird. Und man darf sogar auf Unterstützung hoffen, jedenfalls durch die Medien, die sich noch hin und wieder das eigenständige Denken leisten und nicht nur Mietmäuler bestimmter Parteien sind:

        http://www.cicero.de/frauenquote-die-frauenquote-ist-enteignung/58554

        „Das Problem liegt in der latenten Verwechslung von Gleichberechtigung mit Gleichstellung. Gleichberechtigung meint Chancengleichheit. Gleichstellung meint jedoch etwas Anderes: nämlich die Herstellung von Gleichheit unter Missachtung der Chancengleichheit. Man kann nicht für beides sein: Entweder man ist für Gleichberechtigung oder man ist für verordnete Gleichstellung. Wenn man für die Verordnung von Gleichstellung ist, sollte man das allerdings auch offen sagen und sich nicht hinter einer verschwurbelten Gerechtigkeitsrhetorik verstecken. Mit Gerechtigkeit hat verordnete Gleichstellung nichts zu tun. Sie ist ungerecht.

        Aber geht es überhaupt um eine Gleichstellung? Ist die Frauenquote nicht nur ein Etappensieg radikaler Feministinnen? Wenn man den folgenden Artikel,

        http://www.cicero.de/salon/geschlechterkorrekte-sprache-bayerischer-rundfunk-aechtet-maennliche-endung/58535

        der unter dem ersten zu finden ist, liest, kann man sich nur noch an den Kopf fassen. Radikalster Feminismus in Verquickung mit bescheuertstem durchideologisiertes Gutmenschentum ist derst auf dem Vormarsch, dass man nur noch auf die Kräfte der Natur hoffen kann, die sich dem entgegenstellen.
        Und darauf, dass die AfD Gelegenheiten wahrnimmt, Leute, die einen solch hirnrissigen Schmarrn absondern, am Nasenring durch die Manege zu ziehen. Auch hier dürfte auf viel Unterstützung zu hoffen sein. Ja, ein Nebenthema, aber eines, das zunehmend nervt und spätestens dann ernst zu nehmen ist:

        http://sichtplatz.de/?p=1436

      • Die AfD wird offensichtlich gebraucht. In wichtigen Themen sind sich auch (fast) alle einig. Leider können sich manche bei spaltenden Themen nicht zurückhalten. Die vernünftige Mehrheit sollte sich das nicht länger gefallen lassen.

      • Das könnte Millionen Müttern und Vätern tatsächlich helfen. Allerdings führt es gerade nicht in höchste Führungspositionen. Die erreicht man nicht mit 32 und auch nicht mit 40 Stunden Arbeit in der Woche, da die Konkurrenz mindestens die doppelte Zeit arbeitet.

  6. Man fragt sich – unabhängig von allgemeinen Freiheits-, Eigentums- und wirtschaftlichen Erwägungen – im Übrigen ernsthaft, wie eine solche Quote mit unserem Grundgesetz in Einklang zu bringen sein soll.

    Bei Art. 14 GG sind schon ernsthafte Zweifel angebracht. Immerhin ist das Recht der Eigentümer schon durch die hälftige Zusammensetzung des Aufsichtsrates mit Arbeitnehmern enorm eingeschränkt. Nun erfolgt ein weiterer Eingriff, indem noch vorgeschrieben wird, wie die restlichen 50% der Anteilseigner zu besetzen sind. Mit (unternehmerischer) Freiheit und dem Recht auf Privateigentum hat das ganze nichts mehr zu tun, eher mit Planwirtschaft, bei der der Staat die Unternehmen in ihrer Entscheidungsfreiheit einschränkt und unzulässig in das Privateigentum Dritter eingreift.

    Noch schwieriger wird es im Hinblick auf Art. 3 GG. Starre Quoten, die nicht auf Herstellung der Chancengleichheit, sondern auf Herstellung von Ergebnisgleichheit gerichtet sind, sind mit dem Grundgesetz unvereinbar, und sie stehen nach der Rechtsprechung des EuGH auch mit dem Unionsrecht in Widerspruch. Mehrfach betont der EuGH, dass Regelungen einer Frauenquote dem Ziel einer Herstellung und Gewährleistung der tatsächlichen Chancengleichheit dienen müssen. Sie dürfen über dieses Ziel nicht hinausgehen. Es ist deshalb unzulässig, eine Frauenquote nur mit Blick auf ein bestimmtes Ergebnis festzusetzen (hier also eine bestimmte Sitzverteilung im Aufsichtsrat zu erreichen), ohne die Beziehung zur Herstellung der Chancengleichheit zu bezwecken und plausibel darzutun. Um welche Chancen sollte es auch gehen, wenn man ein Aufsichtsratsmandat erhält? Die Chance, ein weiteres in einem anderen Konzern zu erhalten? Dies wird – vermutlich faktisch, wie dargetan – sogar der Fall sein, ändert aber nichts daran, dass hier nur Ergebnisgleichheit hergestellt werden soll.

    Eine Quote ist auch noch aus einem weitern Grund hochgefährlich: einmal damit angefangen kann man gespannt sein, welche Gruppe als nächste Sitze in Aufsichtsräten oder ähnliche Sonderrechte, wo auch immer, verlangt.

    Zu den Entscheidungen des EuGH: EuGH, Slg.1995, I-EUGH-SLG Jahr 1995 I Seite 3051 = NJW 1995, NJW Jahr 1995 Seite 3109 – Kalanke; Slg.1997, I-EUGH-SLG Jahr 1997 I Seite 6363 = NJW 1997, NJW Jahr 1997 Seite 3429 – Marschall; Slg.2000, I-EUGH-SLG Jahr 2000 I Seite 1875 = NJW 2000, NJW Jahr 2000 Seite 1549 – Badeck; Slg.2000, I-EUGH-SLG Jahr 2000 I Seite 5539 = NJW 2000, NJW Jahr 2000 Seite 2653 – Abrahamsson.

  7. Horst, zeig Dich als Avant­gar­dist, lass Dich umschulen. Allerdingt ist hier eine Haftpflichtversicherung sehr teuer.

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