Frank Schäffler ist für den Euro

Frank Schäffler war heute Abend beim Hayek-Club Münsterland in Münster zu Gast. Vortrag und Diskussion fand ich spannend, letztlich aber auch enttäuschend. Er hat viele Themen angeschnitten und für sein Buch „Nicht mit unserem Geld“ geworben. Dass er sich lieber weiter in der FDP engagiert, statt zur AfD zu kommen, fand ich nicht überraschend, also auch nicht enttäuschend.

Überrascht und enttäuscht hat mich jedoch, dass er sich nicht nur nicht gegen, sondern dezidiert für den Euro ausgesprochen hat. Er ist für eine atmende Eurozone, aus der einzelne Problemländer ausscheiden dürfen, aber in der auch neue Länder gerne gesehen sind, während sie insgesamt zusammenhält und die immer noch geltende No-Bail-Out-Klausel wieder beachtet. Den letzten Punkt finde ich sehr naiv und im Widerspruch zu seiner anschaulichen Beschreibung einer Interventionsspirale bei der Euroretterei. Es gibt immer mehr Interventionen und nicht weniger. Die No-Bail-Out-Klausel wurde gebrochen und man wird das wieder tun müssen, wenn man wie Herr Schäffler den Euro retten will.

Hintergrund ist seine Kritik am gesamten Geldsystem. Im Gegensatz zu mir hält er nicht die Gemeinschäftswährung Euro für das Hauptproblem, sondern die Kreditgeldschöpfung durch die Banken. Gleichzeitig kritisiert er jedoch auch die staatliche Bankenregulierung. Auf Nachfrage wollte er dann die Kreditgeldschöpfung den Banken auch nicht verbieten, doch in einem Marktgeldsystem würde sie auf wundersame Weise nicht mehr vorkommen. Jeder darf dann eine eigene Währung ausgeben, während die Kreditvergabe in einer anderen Währung doch häufig viel attraktiver bleiben dürfte.

Insgesamt bestätigte mich der Abend in meiner Entscheidung, letztes Jahr von der FDP zur AfD gewechselt zu sein. Herr Schäffler war und ist der prominenteste Eurokritiker in der FDP und das Scheitern des von ihm initiierte Mitgliederentscheides trug wesentlich zur AfD-Gründung bei. Doch wenn selbst er für den Euro ist, dann kann das mit der FDP definitiv nichts mehr werden.

27 Gedanken zu „Frank Schäffler ist für den Euro

  1. @ „Doch wenn selbst er für den Euro ist, dann kann das mit der FDP definitiv nichts mehr werden“

    Schön wärs, also tun wir doch bitte alles dafür, das es auch so kommt.

    • Das nächste Etappenziel ist die Wahl in Hamburg, wo sich die FDP durch ihre Spaltung selbst geschwächt hat. Wenn sie auch 2016 in Baden-Württemberg aus dem Landtag fliegt, dann dürfte es das mit diesen „Liberalen“ gewesen sein.

      • Probleme der FDP waren Westerwelle und Roessler sowie die Koalition mit CDU! Mit entsprechender Fuehrung und Programm ist ein Comebeck nicht ausgeschlossen. Fuer FDP ex-Mitglieder und Waehler wird auch AfD mit der Zeit nicht befriedigend wenn es so weiter geht.

        Hr. Meisters Hinweis ist nicht zu uebersehen. Zur Zeit ist nicht FDP, sondern die interne Probleme, fuer die AfD das groesste Risiko. Interesse des Kremls an AfD ist kein Wunder wenn man an viele Gaulands und Hampels, offene Briefe und andere Veranstaltungen denkt, so z.B. JA BW Aktion „ich bin fuer Putin weil…..“. Es zeigt sich wie AfD bei vielen Themen orientierungslos ist.

      • Herr Westerwelle hat der FDP doch erst große Erfolge beschert. Das Problem ist, dass ab 2009 nichts (Positives) mehr geliefert wurde, woran auch Herr Lindner maßgeblich beteiligt war. Das liegt natürlich auch an Frau Merkel, doch mit wem sollte denn sonst die nächste Koalition gebildet werden? Selbst wenn die FDP jetzt ein wunderschönes Programm vorlegen sollte, ist die Glaubwürdigkeit verspielt.

        Die AfD ist in der Tat vor allem durch interne Streitigkeiten bzw. das Kippen ins Unseriöse gefährdet. Wenn sie nicht so mit sich selbst beschäftigt wäre, könnte sie der FDP für immer das Wasser abgraben. Dass die rechteren Funktionäre daran nicht interessiert sind, zeigt bereits, dass es ihnen weniger um die AfD ingesamt geht als um ihren Platz darin.

  2. Euro unter conditio sine qua non
    Ähnlich wie hier beschrieben hat sich Schäffler in einem Interview in Focus Money 48-2014 geäußert. Die von ihm genannten unverzichtbaren „Umgebungsvariablen“ schließen eine Gemeinschaftswährung derzeit praktisch aus. Die Argumentation mag ähnlich irritierend sein wie frühere Äußerungen von Prof. Lucke, die dieser unter den Vorbehalt der damals anstehenden Haushaltsentwürfe und Reform-Konzepte in Frankreich und Italien stellte und deren vertragskonforme Realisierung nunmehr zunehmend in Frage gestellt ist. Mir scheinen die Differenzen mehr politisch-taktischer Natur zu sein. Vielleicht ist es für einen Politiker besser, die Dinge auf den Punkt zu bringen- jedenfalls innerhalb der AFD.

    • Unter ganz anderen Umständen wäre ich vielleicht auch für den Euro. Es geht aber darum, ob er in der gegenwärtigen Realität und absehbaren Zukunft sinnvoll ist, was ich definitiv ausschließe. Politiker fahren leider meist besser damit, wenn sie keine klaren Aussagen treffen, weil sie dann niemanden verprellen und sich alle Möglichkeiten offenhalten.

      • Dieser Mangel an klaren Aussagen macht Politiker aber leider zu austauschbaren Marionetten, von denen niemand weiß wofür sie im Ernstfall tatsächlich stehen. Nicht zuletzt deshalb nimmt die Poltikverdrossenheit der Bürger ständig zu.

  3. @Prof. Dilger
    Teile Ihre Bewertung Schäfflers. Zu inkonsistent, zu (vermeintlich) große Würfe, die wiederum nicht vollständig durchgerechnet sind. Interessant auch, daß sein Erststimmen-Wahlkampf zur BTW in OWL nicht verfing. Zwar hätte ich nichts gegen ihn und/oder seine Vorstellungen in der AfD – so viel Spannweite, auch ins Libertäre, genauso wie ins Nationalkonservative könnte ich persönlich locker aushalten. Fraglich jedoch, ob das die Gesamtpartei könnte. Hinterherlaufen würde ich ihm jedenfalls nicht. Wie sehen Sie das?

    In Hamburg werden die Bäume für uns nicht in den Himmel wachsen. Win paar der Faktoren seien kurz angerissen: 1. Keine Wechselstimmung in der Stadt, nur partielle Unzufriedenheit, daher für alle Oppositionsparteien etwas schwierig. 2. Hamburg hatte mit Statt- und Schill-Partei bereits zwei bürgerliche Neugründungen in der Bürgerschaft und sogar im Senat. Beide scheiterten. Daher ist auch die mediale Resonanz noch vorsichtiger, oder gar feindlicher als z.B im konservativen Sachsen. 3. Der Verband selbst ist eher liberal, was allerdings das Aufsammeln von Proteststimmen und dezidiert Konservativen etwas schwierig macht, während die staatstragende Mitte in Hamburg eigentlich vollständig durch SPD, CDU und die FDP-Trümmer besetzt ist. Ebenso hat die FDP hier nicht so viel zu „vererben“. 8% wären ein toller Wert. Momentan spielt der LV aber eher um 5%. Die heiße Wahlkampfphase wird die Richtung anzeigen und, nicht zu vergessen, der jeweilige Bundestrend wird 1-2% Plus oder Minus ausmachen. Aber für die Bürgerschaft sollte es am Ende reichen.
    Etwas mehr Sorge bereitet mir Bremen, wo es zu keiner Einigung mit Timkes BiW gekommen ist, und man sich nun in sich überschneidenden Wählersegmenten womöglich gegenseitig kanibalisert.

    @Meister
    Was genau können Sie denn nun schon wieder nicht nachvollziehen? Den geschäftlichen Erfolg? In ein paar Wochen 2,1 Mio Umsatz? Oder die 2 Mio plus an Ausschöpfung der staatlichen Parteien Teilfinanzierung. Oder das es jetzt insgesamt 5 Mio werden? Oder das die BTW Verwaltung das alles für rechtmäßig hält? Was gibt es genau zu meckern, zu nörgeln, nicht nachzuvollziehen?

    • AfD in Bremen haette genug anzubieten, innere Sicherheit, Einwanderung, Asylrecht, Wirtschaftspolitik etc. Leider werden in Bremen viele „soft issues“ der Gruenen und SPD dagegen AfD sprechen!

    • Als Gegengewicht wären Herr Schäffler und vor allem seine Anhänger in der AfD immer noch gut, doch er wird nicht kommen. In Hamburg ist bereits der Einzug in die Bürgerschaft als großer Erfolg zu werten. Ich halte diesen für gut erreichbar, aber noch nicht sicher. Bremen wird in der Tat noch viel schwerer. Dass der Goldumsatz von der Bundestagsverwaltung anerkannt wird, ist als großer Erfolg zu werten, nicht zuletzt des Bundesschatzmeisters aus Bremen. In der Zukunft wird man sich eben etwas Neues ausdenken müssen.

    • @AfD rockt Deutschland:
      Ich finde es einfach völlig verquer, „Wirtschaftskompetenz“ für sich in Anspruch zu nehmen und dann Umsatz mit Gewinn zu verwechseln. Obendrein habe ich aus verschiedenen Quellen gehört, dass die AfD beim Goldhandel selbst sogar draufbezahlt (obwohl unser AfD Gold entgegen Luckes Behauptungen nicht preiswerter ist als bei den Banken) und dieses ganze Pseudogeschäft somit auschließlich dem Abgreifen der Parteienfinanzierung mit dubiosen Methoden dient. Ich empfinde das alles als eine einzige Doppelmoral, die – mal ganz vorsichtig formuliert – unseren ursprünglichen Ansprüchen nicht gerade gut zu Gesicht steht.

  4. Schäffler hätte nach der verlorenen Abstimmung in der FDP selbst die Initiative ergreifen können und eine neue Partei gründen können, ja müssen. Dass er es nicht getan hat, hat gezeigt, dass er ein politisches Leichtgewicht ist, das man nicht weiter beachten muss. Handeln nach dem Loriot-Prinzip: „“Nehmen Sie das eventuell zurück?“ – „Nee!“ – „Na, dann ist die Sache für mich erledigt.“

    • Es stimmt, dass Herr Schäffler nach dem Mitgliederentscheid eine neue Partei hätte gründen können. Auch ein frühzeitiger Beitritt zur AfD hätte etwas bewirkt. Ein paar Hundert aufrechte Liberale machen in der immer noch riesigen und verkrusteten FDP keinen Unterschied, in der AfD hätten sie diesen gemacht. Auch jetzt könnten sie etwas bewirken, aber Herr Schäffler wird nicht kommen. Eine neue Partei macht hingegen gegenwärtig überhaupt keinen Sinn, sondern würde die Liberalen nur noch weiter zersplittern (denken Sie an die Neuen Liberalen).

      • Liberale Stichworte wie Freiheit, Enteignung der Rentner und Sparer, kalte Progression, Abschaffung des Solidaritaetszuschlages, um nur ein Paar zu nennen sind heute aktueller denn je! Diese Probleme werden bei AfD zoegernd angesprochen ( Ausnahme: Herr Henkel- kalte Progression!). Manche beschaeftigen sich lieber mit Familie Rothschild oder Einkreisungsaengsten Russlands statt offensiv fuer Buerger zu agieren.

      • @Ivan de Grisogono:
        Wer will denn die Rentner und Sparer „enteignen“?
        Das sind keine liberalen und auch keine libertären Ziele. Kalte Progression ebenso wenig.

        Der heuchlerische „Solidaritätszuschlag“ und weitere verdeckte und versteckte Steuerarten gehören allerdings schon aus Transparenzgründen reformiert, um die tatsächliche Höhe der Staatsquote im auch bei vielen Ultrakonservativen salonfähigen Umverteilungssozialismus wenigstens sichtbar zu machen.

        Wollen Sie uns den Zusammenhang mit den Familien Rothschild, Rockefeller, Oranje-Nassau und den wenigen anderen gerne erklären oder halten auch Sie das für Verschwörungstheorie?

  5. Das ist doch nicht korrekt wiedergegeben. Was ist der Euro? Eine europäische Währung, und zwar die einzige im Euro-Währungsraum, also staatlich monopolisiertes Geld, das von einem planwirtschaftlichen Institut (EZB) ausgegeben wird. Daß Schäffler FÜR diesen Euro ist, ist einfach die Unwahrheit. Schäffler ist für freien Währungswettbewerb, wie ihn etwa Hayek in der „Entnationalisierung des Geldes“ beschrieben hat. Und wenn es einen freien Wettbewerb ohne Monopol gibt, dann kann man natürlich auch den Euro behalten, der sich dann am Markt gegen konkurrierende Währungen bewähren muß. Daß das derselbe Euro sein würde, der uns heute Sorgen bereitet, kann man allen Ernstes nicht behaupten.

    • Natürlich habe ich das korrekt wiedergegeben. Waren Sie gestern bei der Veranstaltung und haben Sie dort etwas anderes gehört? Herr Schäffler WILL in dieser konkreten Situation den Euro behalten und nicht zur D-Mark zurückkehren. Dass er sich außerdem WÜNSCHT, unser Geldsystem möge insgesamt ganz anders werden, ändert daran nichts. Im Übrigen gilt Vertragsfreiheit und Sie können bereits heute in beliebiger Währung Ihre Geschäfte abwickeln, wenn Ihr Vertragspartner mitspielt.

  6. Herr Dilger, warum waren sie denn enttäuscht von den Aussagen der Werbeveranstaltung von Herrn Schäffler? Das Buch ist doch schon Mitte September auf dem Markt, da mussten seine Ansichten doch gestern schon bekannt gewesen sein. Wenn er für den Erhalt des Euros ist, dann muss er doch auch erklärt haben, wie man ohne gegenseitige Hilfe der Schuldenübernahme und ohne Wechselwirkung des Eurokurses die Staatsschulden bekämpft. Soll es denn eine Alleinschuld der Banken sein ohne das Monster Euro anzutasten? Der Junker hatte das in Luxemburg im Griff, als EU Kommissionspräsident geht das nun leider nicht mehr.

    • Mir war das in der Form bislang nicht bekannt. Ich lese regelmäßig seine Kolumnen, doch sein Buch habe ich nicht gelesen.

      Die Schuldenkrise will er durch Insolvenzen lösen. Das finde ich grundsätzlich in Ordnung, doch die betreffenden Gläubiger dürfte das nicht freuen.

  7. Das Problem der Schäffler-Leute ist der fast religiöse Glaube an das Marktgeld, das angeblich alle Währungsprobleme löst. Obwohl in der Fachwelt nicht recht ernst genommen, ist es in den letzten Jahren immer mehr zur Zauberformel der „Libertären“ in der FDP geworden. Es wird immer mehr zur Illusion, dass man mit der FDP irgendwann noch einmal Staat machen kann.

      • Natürlich dominieren auch in Geschäftsbeziehungen die übliche Währungen. Jedenfalls innerhalb eines Währungsraums. Wenn ich allerdings einen Vertrag mit einem Schweizer Unternehmen schließe, habe ich als Unternehmer aus dem Euro-Raum die Qual der Wahl, ob ich dieses lieber in Euro oder Schweizer Franken abwickele. Seit Sommer 2011 ist der Franken zwar nicht mehr so volatil, da der Kurs des Euro von den Schweizern durch Euro-Käufe gestützt wird, sobald der Euro unter 1,20 CHF zu fallen droht, aber in dn Vorjahren ging es ganz schön drunter und drüber. Zwischen 2006 und 2011 war zwischen 1:1 und 1:1,70 so ziemlich jeder Kurs möglich.
        „Bitcoins“ sind allerdings selbst für mich als bekennenden Libertären keine ernst zu nehmende Alternative. Dann schon lieber Hosenknöpfe.

  8. @ Meister

    Ich werde es Ihnen gerne erklären weil ich mich missverständlich geäußert habe.
    a. Bei Stichwörter wie „Enteignung der Rentner und Sparer, kalte Progression, Abschaffung des Solidaritätszuschlages“ geht es selbstverständlich um Abschaffung der Misstände! Auf diesen Gebieten zeigt AfD wenig Profil.

    b. Bei Rotschild ging es um eine Karikatur die in ostdeutschen AfD Verbänden ein Thema wurde. Sicherlich ist es Ihnen entgangen weil Sie sich mit dieser Region nicht beschäftigen!

    • @Ivan de Grisogono:
      zu a) Das ist mir zu unpräzise. Was wollen Sie einfordern? Welche Missstände meinen Sie genau?
      zu b) Ich kenne die Karikatur nicht. Können Sie diese hier vielleicht posten bzw. verlinken und den Hintergrund erläutern?

      Schöne Grüße
      MM

      • Ich denke nicht, dass dieser Unsinn in meinem Blog weiterverbreitet werden sollte. Bitte tauschen Sie sich ggf. direkt untereinander aus. Danke.

  9. Pingback: Politik der EZB und Abschaffung des Euro | Alexander Dilger

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