Wie sind negative Nominalzinsen möglich?

„In Deutschland sind Negativzinsen salonfähig“ geworden, da nun mit der Commerzbank die erste deutsche Großbank Strafzinsen für große Geldeinlagen nimmt. Hintergrund sind die Negativzinsen der EZB (siehe ‚DAX über 10.000 Punkte, da EZB Strafzinsen fordert‘ und ‚EZB senkt Zinsen und Standards weiter‘), die jetzt an einige institutionelle Anleger weitergereicht werden. Gute bzw. ertragbringende Kunden sind ebenso wie Privatanleger zumindest bislang nicht betroffen.

Wie sind negative Nominalzinsen überhaupt möglich? Nullzinsen sind langfristig problematisch (siehe ‚Welt ohne Zins‘), können aber kurzfristig von der Zentralbank durchgesetzt werden, die auch Banken negative Zinsen aufdrücken kann. Durch akute Angst vor dem Auseinanderbrechen der Eurozone war der Nominalzins von einjährigen Bundesanleihen auch schon einmal negativ, weil insbesondere Südeuropäer nicht sicher sein konnten, dass ihre Euro in einem Jahr noch (dieselben) Euro sind und Bundesanleihen sicherer erschienen als Geld. Doch warum sollte jetzt jemand seiner Bank Strafzinsen zahlen, statt Bargeld zu halten, welches „nur“ real, aber nicht nominal an Wert verliert?

Solange es Banken gibt, die keine Strafzinsen nehmen, sollten die betroffenen Anleger dorthin wandern. Da die Banken jedoch ihrerseits Strafzinsen an die EZB zahlen müssen, ist diese Abwanderung kein Nachteil und könnte gerade der Wettbewerb zu negativen Zinsen überall führen. Bargeld hat jedoch andere Nachteile, die negative Zinsen überwiegen können, solange diese nicht zu hoch sind. So wie man für andere Bankleistungen Gebühren zahlt, so könnte man auch für die Vorteile von Geld auf dem Konto etwas bezahlen. Überweisungen gehen dann z. B. schneller. In gewisser Weise ist Giralgeld liquider als Bargeld, insbesondere wenn es um sehr große Summen geht. Zugleich ist Giralgeld sicherer, während Bargeld sicher verwahrt werden muss, was mit Kosten verbunden ist, ohne jedes Risiko ausschließen zu können.

18 Gedanken zu „Wie sind negative Nominalzinsen möglich?

  1. Die Abschaffung von Bargeld, die ja die Voraussetzung für die flächendeckende Durchsetzung von Negativzinsen ist, bietet dem Staat natürlich eine bequeme Möglichkeit der Kontrolle der Zahlungsströme. Anonyme Barzahlungen sind unmöglich. Die Versteuerung jedes Geldflusses ist gesichert. Diese Ansicht vertritt auch der US-Ökonom Kenneth Rogoff
    http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2014/11/19/us-oekonom-zentralbanken-sollen-bargeld-abschaffen/
    Ein angenehmer Nebeneffekt für den Staat.
    Auch in Deutschland gehen die Vorbereitungen dahin:
    http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2014/01/11/schnelle-geldkarten-banken-planen-fuer-das-ende-des-bargelds/

  2. Guten Morgen Herr Dilger, ich würde mich freuen, wenn Sie mich in Bezug auf die Geldmenge aufklären könnten. Meines Wissens wird die Geldmenge insbesondere durch die Vergabe von Krediten durch die EZB erhöht. Darlehen müssen stets zurück geführt werden. Wie kommt es, dass die Banken auf so viel Geld sitzen, dass sie dieses bei der EZB parken müssten ? Eigenes Geld ist es ja offensichtlich auch nicht. Haben diese Banken einfach zu viel Darlehen aufgenommen, weil der Zins so niedrig ist ? MfG Reinhard Wilhelm

    • Es kann sein, dass dieselbe Bank sich günstig Gelder geliehen hat, die sie jetzt ungünstiger anlegen muss. Allerdings sind die Fristen nicht gleich und das geparkte Geld hat für die Bank einen Optionswert. Häufiger dürfte der Fall sein, dass das Geld von anderswo kommt. Strafzinsen werden doch gerade an die Großanleger weitergereicht, die nur viel Geld bei einer Bank kurzfristig auf dem Konto haben und auch sonst der Bank nicht viel bringen.

  3. Seit 3 Wochen ziehen ich mein Geld nach und nach aus den Banken ab. Mein Telefon steht nicht mehr still. Nun dürft ihr nicht denken, dass ich unüberschaubare Beträge auf den Bankkonten liegen habe. Es macht mir aber Freude, zu sehen, wie die Banken versuchen, mir hier jetzt Anlagetipps zu geben. Deren Grundargument ist stets, dass der Negativzins nur für Einlagen über 250.000 Euro gilt. Bezeichnend war heute der Kommentar in unserer Tageszeitung von einer Bank. Dieser Bankkommentator bezeichnete sich selbst als Experte, und er sagte auf die Frage, wann denn die Spareinlagen der Kleinsparer negativ bezinst werden folgendes: „Der kleine Sparer soll sich keine Sorgen machen, das wird noch einige Jahre dauern.“ An dieser Antwort erkennt man die Tragweite und den Diskussionshorizont. Schade, dass ich das meinen Eltern nicht mehr erzählen kann, die hätten so etwas nie für möglich gehalten.

    • Ich denke nicht, dass die wirklich kleinen Sparer negative nominale Zinsen zu spüren bekommen werden. Sie würden tatsächlich ins Bargeld flüchten und die Banken können mit ihren Ersparnissen anders kalkulieren. Dass der Realzinssatz negativ ist, sind die kleinen Sparer hingegen schon gewohnt, ohne die nötigen Konsequenzen zu ziehen.

  4. Während Bargeld Eigentum des rechtmäßigen Besitzers ist, ist dies bei Giralgeld nicht der Fall. Hier hat man nur eine Forderung der Bank gegenüber. Das wissen die wenigsten. Insofern ist in diesem Punkt Giralgeld nicht sicherer. Die AfD sollte dieses Thema jetzt in nächster Zeit nach vorne bringen um vorbeugend die Bevölkerung darauf hinzuweisen, wie wichtig es ist, dass möglichst viel mit Bargeld bezahlt wird. Je weniger dieses verwendet wird, desto leichter wird es sein, dieses abzuschaffen. Ich halte dies für die Schicksalsfrage, ob wir demnächst wirkliche Sklaven des Systems sind oder freie Menschen bleiben. Bestrebungen der Abschaffung gibt es in Schweden, die hier besonders „fortschrittlich“ sind. In einzelnen Südländern wie z.B. Italien sind Barzahlungen bereits auf bestimmte Beträge begrenzt.

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