Juncker förderte Steuervermeidung

Dass es „Steuerschlupflöcher für multinationale Konzerne in Luxemburg“ gibt, ist schon lange bekannt, doch jetzt gibt es konkrete Informationen, auch über Deutsche Konzerne und die Steuer“, die sie vermeiden. Seine Steuerdeals holen Juncker ein“, denn der jetzige EU-Kommissionspräsident trägt als langjähriger Ministerpräsident Luxemburgs die politische Verantwortung dafür, dass diese Form der systematischen Steuervermeidung in Luxemburg legal ist und durchgewunken wurde. Aber auch die EU und die Bundesregierung tragen Mitverantwortung dafür, nicht wirkungsvoller gegen die Steuervermeidung von Großkonzernen vorzugehen.

Als Liberaler bin ich für niedrige, aber vor allem für faire Besteuerung, wogegen hier eklatant verstoßen wird. Eine ganz grundsätzliche Lösung, die auch einen starken Anreiz für die hohe Verschuldung von Unternehmen beseitigen würde, wäre die Besteuerung von Zinsen an der Quelle, also beim Schuldner. Momentan müssen Unternehmen ihre Gewinne versteuern, doch können Zinszahlungen als Kosten von der Steuerschuld abziehen. Eigentlich wird die Steuer dann bei den Gläubigern fällig, doch wenn diese im Ausland sitzen und z. B. ein Steuersparmodell aus Luxemburg nutzen, bleiben Zinsen größtenteils unversteuert, so dass auch das Verschieben und Verschleiern von Gewinnen lohnt.

7 Gedanken zu „Juncker förderte Steuervermeidung

  1. „Momentan müssen Unternehmen ihre Gewinne versteuern, doch können Zinszahlungen als Kosten von der Steuerschuld abziehen.“

    Das stimmt so nicht. Dauerschuldzinsen (gilt insbesondere beispielsweise für langfristige Gesellschafterdarlehen) werden bei der Ermittlung der Gewerbesteuer (auch so eine deutsche Steuerspezialität) sogar den Einkünften zugeschlagen, obwohl der Zinsempfänger die Zinsen versteuern muss. Derartige Zinsen werden also sogar doppelt besteuert.

    Aber das wird Konzerne nicht jucken. Sie führten ihre Gewinne ohnehin an Holdings in Steueroasen ab, von denen sie diese dann als kurzfristige Betriebsmittelkredite zu völlig überhöhten Zinsen zurück erhalten.

    In die Röhre schaut in Deutschland immer der Mittelstand.

    • Das ist eine Besonderheit der Gewerbesteuer, die aus meiner Sicht ohnehin abgeschafft gehört. Allerdings benötigen die Kommunen dann Ersatz, über den sie auch selbst entscheiden dürfen.

      • Die Kommunen könnten die Einkommensteuer ihrer Bewohner erhalten. Das würde auch zu mehr Steuertransparenz beitragen.

  2. Die Mentalität der Luxemburger ist übrigens nicht geprägt, von Offenheit und Transparenz. Ich habe fast 25 Jahre in Luxemburg gearbeitet. Im letzten Jahr ist er als Ministerpräsident zurückgetreten, und dann nicht wiedergewählt worden. Es wird sich in den nächsten Monaten zeigen, wie stark sein Wille noch sein wird, den EU Vorsitz zu behalten. Auch die frühere EU Kommissarin Viviane Reding wird die Strippen ziehen wollen. Es ist mir bislang aber ein Rätsel, wie man Juncker auf den Sitz heben konnte, da die Steuerpolitik der Luxemburger weiterhin angreifbar sind. Ich hoffe, dass hier mal jemand den Mund auftut.

    • Was auch immer man von Claude Juncker so hält … aber wenn wir ernsthaft für ein Europa souveräner Staaten plädieren wollen, dann dürfen wir uns auch in die Steuerpolitik des souveränen Staates Luxemburg nicht einmischen. Ob uns diese gefällt oder nicht. Das „Problem“ muss dann schon woanders angepackt werden, nämlich an der Wurzel.

      • Hallo Herr Meister,
        gerne möchte ich ihren Kommentar aufgreifen und sagen, dass souveräne europäische Staaten zum mindesten keine gemeinsame Währung haben dürften. Wenn sie mir sagen, dass eine steuerliche Einmischung nicht geduldet werden dürfte auf Grund der Souveränität, dann sage ich ihnen, dass wir uns auch nicht wegen den Schulden einmischen dürfen.

      • Lieber Herr Krebs,

        in diesen Punkten bin ich selbstverständlich völlig bei Ihnen!

        LG
        Michael Meister

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