Streik für Tarifautonomie

Es findet gerade ein langer Bahnstreik statt von heute früh (im Güterverkehr schon seit gestern) bis erst einmal Montag. Weitere Streiks sind nicht ausgeschlossen und ein „Gericht lässt Lokführer weiter streiken“ bzw. verbietet den Streik nicht per Einstweiliger Verfügung. Das ist juristisch und auch politisch richtig, selbst wenn Streiks nerven und dieser ganz besonders. Es geht (noch) gar nicht um inhaltliche Tarifforderungen, sondern bislang allein ums Prinzip, und zwar ob dieselbe Beschäftigtengruppe in einem Unternehmen von verschiedenen Gewerkschaften wirksam vertreten werden kann. Meiner Ansicht nach (siehe auch ‚Freie Gewerkschaften‘) ergibt sich das direkt aus Aritkel 9 Abs. 3 Satz 1 Grundgesetz:

Das Recht, zur Wahrung und Förderung der Arbeits- und Wirtschaftsbedingungen Vereinigungen zu bilden, ist für jedermann und für alle Berufe gewährleistet.

Zu jedermann gehören auch Claus Weselsky und seine Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) und zu allen Berufen nicht nur die Lokomotivführer, sondern auch die Zugbegleiter. Bevor die Bundesregierung ein Gesetz dagegen einbringt, sollte sie noch den nächsten Satz im Grundgesetz lesen (siehe auch Gewerkschaft denkt bei Nahles-Plänen an ‚Unrechtstaat'“):

Abreden, die dieses Recht einschränken oder zu behindern suchen, sind nichtig, hierauf gerichtete Maßnahmen sind rechtswidrig.

25 Gedanken zu „Streik für Tarifautonomie

  1. Gesetzestext lesen – passt !
    Den Fehler habe ich als junger Student gemacht.
    „Art. 9 Abs. 3 GG schützt jedoch nach Auffassung des Bundesverfassungsgerichts nur den Kernbereich der Koalitionsbetätigung. Im Übrigen ist es Aufgabe des Gesetzgebers, entsprechende gesetzliche Rahmenbedingungen zu schaffen“ (www.Rodorf.de). Einer der ständig zu prüfenden Gesichtspunkte ist die „Waffengleichheit“ unter den Tarifpartnern in einer immer komplexer werdenden Gesellschaft.

    • Bei der Waffengleichheit geht es um die Mitel des Arbeitskampfes, nicht die vorgelagerte Frage, wer die Beschäftigten vertritt. Da ist das Grundgesetz eindeutig, dass Vereinigungen zu diesem Zweck frei gebildet werden dürfen (einschließlich negativer Koalitionsfreiheit, also dass niemand zum Beitritt in eine Gewerkschaft gezwungen werden darf).

    • Manchmal schimmert eben doch durch, dass Herr Henkel BDI-Präsident war. Juristisch halte ich seinen Vorschlag für zweifelhaft, doch ich bin kein Jurist. Was ich hingegen beurteilen kann, ist die große Gefahr für Betriebsräte, wenn sie in Tarifkonflikte hineingezogen werden.

  2. Davon abgesehen, dass die Große Koalition das Grundgesetz natürlich ändern kann (was ich ablehne), begehen Sie hier leider den Fehler, das Grundgesetz allzu wörtlich zunehmen. Alles, was im Grundgesetz steht, steht „unter Vorbehalt“. Dies gilt nur nicht für Art 1 sowie Art. 20, Absätze 1 bis 3, was sich aus der Ewigkeitsgarantie ergibt. Beispielsweise steht sogar das Recht auf Leben unter Vorbehalt. Wenn von Ihnen eine Gefahr für das Leben anderer ausgeht, dann dürfen Sie getötet werden. Ein Beispiel ist der sog. „Finale Rettungsschuss“. Auch Religions-, Rede- und Kunstfreiheit lassen sich durch einfache Gesetze einschränken, sofern diese selbst verfassungsgemäß sind. Ihre körperliche Unversehrtheit kann sogar ich als nichtstaatlicher Akteur unter bestimmten Bedingungen einschränken, nämlich im Falle von Notwehr. Der Punkt ist, dass ein Grundrecht nie so ausgeübt werden darf, dass dabei über Gebühr in die Rechte anderer eingegriffen wird. Nur die Würde des Menschen, ein reines Abwehrrecht, ist davon ausgenommen. Sie finden diese Tatsache in Artikel 2, wo steht dass im Endeffekt alle Grundrechte ihre „Schranken“ an (verfassungsgemäßen) allgemeinen Gesetzten und sogar einem dubiosen „Sittengesetz“ finden.

    In diesem Fall entsteht durch das Ausüben einen Grundrechts eine Grundrechtsverletzung auf Seiten anderer Menschen. Durch das Lahmlegen von Teilen der Infrastruktur werden die Rechte vieler Menschen beschnitten. Dazu zählen etwa das Recht auf Freizügigkeit (Sie dürfen hingehen, wohin Sie wollen), das Recht auf Berufsausübung, eventuell das Recht auf Bildung und auch das Recht auf Demonstrationsfreiheit. Wenn ein kleiner Teil der Bevölkerung derart massiv in die freie Entfaltung anderer Menschen eingreift, dann kann der Staat sehr wohl Regelungen treffen, um eine nicht mehr verhältnismäßige Störung des Wirtschafts- und Gesellschaftslebens zurückzuschrauben. Diese Regelungen müssen natürlich das, worauf Sie hingewiesen haben, ihrerseits verhältnismäßig berücksichtigen. Was ich bislang von Frau Nahles gehört habe scheint das nicht zu tun und handwerklich schlecht zu sein. Gleichzeitig ist ein wortwörtlich verstandenes Zitat aus dem Grundgesetz kein gutes Argument. Abreden und Maßnahmen sind natürlich keine gesetzgeberischen, denn diese können nicht selbst rechtswidrig, sondern „nur“ verfassungswidrig sein.

    Bei der Bewertung dieser konkreten Angelegenheit will ich mich zurückhalten, zumal ich auch die Tarifautonomie verteidige. Ihnen gebe ich die Empfehlung dass Sie, falls Sie (auch beruflich) des Öfteren mit dem Text des Grundgesetzes arbeiten wollen oder müssen, sich am besten einen juristischen Kommentar zum Grundgesetz anschaffen. Der müsste für deutlich unter 100 Euro zu haben sein, insbesondere wenn es sich um eine ältere Ausgabe handelt. Sie finden in so einem Kommentar (ein handliches Buch) wissenschaftliche Anmerkungen zu jedem Artikel, einschließlich der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts. Neuartige Fragestellungen lassen sich damit nicht immer lösen, es hilft aber dabei, ein Gefühl für die Grenzen des Erlaubten zu bekommen. Wenn Ihre Universitätsbibliothek eine juristische Abteilung hat, müssten Sie dort eigentlich einen solchen Kommentar finden und können mal hineinsehen. Ob das in dem konkreten Fall hilft, weiß ich gerade nicht. Sie dürften das Buch beim öffentlichen Recht / Verfassungsrecht finden, meist heißen solche Werke einfach „Grundgesetz“ oder nur „GG“, sind aber stets viel umfangreicher als das echte GG.

    Der reine Text ist bei deutschen Gesetzen leider nie besonders hilfreich. Im BGB wird Ihnen Schadensersatz zugebilligt, wenn ein „…sonstiges Recht“ verletzt wird, ohne dass dies ausgeführt wird. Zu diesen „sonstigen Rechten“ gehören solche, die nirgendwo ausgeführt aber bedeutsam sind, etwa das Recht auf einen Gewerbebetrieb oder das Persönlichkeitsrecht. Wer ein „Mörder“ im Sinne des Strafrechts ist, bleibt auch der Willkür überlassen („grausam“ – „sonstige niedriger Beweggrund“). Ich schreibe das nicht, um Sie zu belehren – das ist mir nicht gestattet und ich bin dazu nicht qualifiziert –, sondern um es Ihnen zu erleichtern, argumentative Klippen zu umschiffen. In jedem Fall sollten Sie es vermeiden, sich einfach auf gesetzliche Formulierungen zu stützen. Wenn Sie auf der Internetseite des Verfassungsgerichts einmal ein Urteil im Volltext lesen, werden Sie feststellen dass das Gericht zumeist längere Überlegungen anstellt, warum ein Grundrecht hinter andere Interessen zurücktreten muss oder warum nicht. Da in diesem Fall das Leben vieler Millionen Menschen negativ betroffen ist kann sich eine juristische Bewertung nicht darin erschöpfen, einfach den nackten Grundgesetztext anzuführen.

    Einschränkungen der Vertrags- und Organisationsfreiheit sind in Deutschland zahlreich, was kein Ruhmesblatt ist. Denken Sie an die Versicherungspflicht, einen Kontrahierungszwang für monopolartige Anbieter, die bizarren und leerlaufenden Antidiskriminierungsvorschriften (ein Werk der EU glaube ich) oder auch die Rundfunkabgabe. Das ist alles in Ordnung, solange es einem diffusen Allgemeinwohl dient. Mutmaßlich gilt das auch für den neusten Schwachsinn, Nutzungsgebühren für mit meinem Steuergeld gebaute Straßen.

    PS: Wenn Autofahren endlich unter Strafe steht dann wird es natürlich interessant, wenn es solche Streiks gibt. Wenn wir so weitermachen kriegen wir dann via EU nicht nur Geld von den Italienern und Griechen, sondern sogar von den Franzosen.

    • Ihre Belehrungen, denn darum handelt es sich faktisch, sind nur sehr partiell richtig. Natürlich gilt Artikel 9 Abs. 3 Satz 2 GG nicht für gesetzgeberische Maßnahmen, die aber in der Tat verfassungswidrig sind, wenn sie gegen Satz 1 verstoßen, ohne dem Verhindern einer größeren Verletzung anderer Grundrechte zu dienen. Was Sie in dieser Hinsicht anführen, sind jedoch keine Grundrechtsverstöße. Das Recht auf Freizügigkeit garantiert Ihnen eben keine pünktlichen (oder gar kostenlosen) Bahnfahrten. Beschränkungen der Ausübung des Streikrechts können unter bestimmten Umständen gerechtfertigt sein, nicht jedoch eine Beschränkung der Koalitionsfreiheit selbst. Von daher sollte immer zuerst ins Gesetz geschaut werden. Kommentare und Gerichtsurteile können das nicht ersetzen, sondern nur ergänzen.

    • Zitat:
      In diesem Fall entsteht durch das Ausüben einen Grundrechts eine Grundrechtsverletzung auf Seiten anderer Menschen. Durch das Lahmlegen von Teilen der Infrastruktur werden die Rechte vieler Menschen beschnitten. Dazu zählen etwa das Recht auf Freizügigkeit (Sie dürfen hingehen, wohin Sie wollen), das Recht auf Berufsausübung, eventuell das Recht auf Bildung und auch das Recht auf Demonstrationsfreiheit. Wenn ein kleiner Teil der Bevölkerung derart massiv in die freie Entfaltung anderer Menschen eingreift, dann kann der Staat sehr wohl Regelungen treffen, um eine nicht mehr verhältnismäßige Störung des Wirtschafts- und Gesellschaftslebens zurückzuschrauben.

      Wo werden denn hier bitteschön die Rechte vieler Menschen beschnitten:

      Recht auf Freizügigkeit? Nein, sie dürfen auch weiterhin hingehen, wohin sie wollen!
      Recht auf Berufsausübung? Nein, sie dürfen auch weiterhin ihren Beruf ausüben!
      Recht auf Bildung? Nein, sie dürfen sich auch weiterhin bilden!
      Recht auf Demonstrationsfreiheit? Nein, sie haben auch weiterhin das Recht an Demonstrationen teilzunehmen!
      Eingriff in die freie Entfaltung? Nein, sie können sich auch weiterhin frei entfalten!

      Wo kommen wir denn dahin, wenn elementare Normen der Demokratie einfach außer Kraft gesetzt werden?

    • So ist das halt mit der guten alten Demokratie – in der Theorie schreien alle danach und in der Praxis wird sie oft verteufelt!

      • Gerade deshalb muss man die Fahne für Demokratie, Recht und Freiheit hochhalten. Ich hoffe, die AfD tut das weiterhin. Ich werde es jedenfalls tun.

  3. „Es geht (noch) gar nicht um inhaltliche Tarifforderungen, sondern bislang allein ums Prinzip, und zwar ob dieselbe Beschäftigtengruppe in einem Unternehmen von verschiedenen Gewerkschaften wirksam vertreten werden kann.“
    Stimmt leider nicht ganz: Dass Claus Weselsky und seine Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) die Lokomotivführer vertreten darf ist unstrittig. Strittig ist, ob sich die Zuständigkeit der GDL auch auf Zugbegleiter, Catering-Mitarbeiter und anderes Zugpersonal erstreckt. Hier bestreiten sowohl die Bahn als auch die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG), ob sich diese sich auch mehrheitlich durch die GDL vertreten fühlen. Man könnte dies sicher durch Vergleich der Gewerkschafts-Mitgliederlisten herausfinden, wie die EVG vorgeschlagen hat. Aber die GDL folgt wohl lieber dem Motto „Wer schreit hat Recht“ und streikt.

    • Es geht genau darum, was ich in meinem Satz ausdrücke, nämlich „ob dieselbe Beschäftigtengruppe in einem Unternehmen von verschiedenen Gewerkschaften wirksam vertreten werden kann.“ Dass verschiedene Beschäftigtengruppen von verschiedenen Gewerkschaften vertreten werden können, ist zumindest bei der jetzigen Auseinandersetzung nicht der Punkt. Die Bahn bestreitet nicht, dass die GDL die Lokomotivführer vertreten darf, sondern will nicht, dass sie auch für Zugbegleiter und anderes Personal verhandelt, wo die EVG vermutlich einen höheren Mitgliederanteil hat. Sie fürchtet, dass es erst zu verschiedenen Tarifverträgen für dieselben Beschäftigtengruppen kommt und sich dann die aggressivere GDL durchsetzt.

  4. Sogenannte Spartengewerkschaften,also kleine Gewerkschaften haben natürlich Macht.
    Dieses auszuhebeln,indem man nur noch Tarifverträge mit einer übergroßen Einheitsgewerkschaft ( meist sehr eng mit der SPD verbunden ) zulassen will,halte ich für nicht gut.

    Das es auch Wettbewerb bei den Gewerkschaften geben sollte,das ist das Eine.

    Nebenbei gesagt,kann man Demokratie nicht so zusammenfassen,bis es am besten passt.

    Und es muß auch kein Vorteil für alle sein,wenn nur eine Gewerkschaft das Sagen hat !

    • Konkurrenz belebt das Geschäft, auch zwischen Gewerkschaften oder in der Politik. Allerdings sollte daraus möglichst keine Feindschaft entstehen und der Umgang immer fair bleiben (was leider gerade in der Politik oft nicht der Fall ist).

  5. Ich habe mir heute genau angehört, wie Weselsky gesprochen hat, als er sagte, dass der Streik morgen 18 Uhr beendet sein würde. Mir lief ein Schauer über den Rücken, als ich die kurz abgehackten Worte hörte, die Freuenz seiner Stimme und seine unruhigen Augen. Er hat nicht den Verstand, die Dinge weitfächrig zu analysieren. Der M.ann muss weg.

    • Mir liefe eher der Schauer über den Rücken, wenn Krebsche Kriterien verallgemeinert würden. Wären Ihre Augen etwa nicht unruhig, wenn die versammelten Medien tagelang völlig gegen Sie hetzen würden „der Bahnsinnige“?

    • Wenn der Gewerkschafts-Vorsitzender der GDL berechtigte Forderungen für eine exponierte Berufsgruppe wie die der deutschen Lokomotivführer in Tarifverhandlungen überzeugend darstellte und vertritt, aber auch Fairness dem Arbeitgeber gegenüber walten ließe, könnte sein Auftreten ein anderes sein. Seine wortgewaltigen Statemans dürften sich wohl mit offensichtlicher Unsicherheit wie Folge seiner demonstrativen Haltung als Ergebnis öffentlichen Drucks begründen lassen. Wohl wissend, dass er hier wohl auch aus persönlichem Machtstreben zu weit gegangen ist.

      Ich stelle hier einmal Arbeitsbedingungen dar, um die es dem GDL-Chef in den laufenden Verhandlungen auch geht.
      Lokführer arbeiten autark. Sie unterliegen bei erforderlich höchster Selbstdisziplin und Zuverlässigkeit einem sehr unregelmäßigen Wechseldienst mit allen nur denkbaren Nachteilen für ihre Gesundheit, Familie und Freundeskeis. Rund um die Uhr, an sieben Tagen in der Woche (41Sdt.) und das bei weniger Entgelt nicht Beamteter, wie überdurchschnittlich hoher Scheidungsquote, als es sich so manch einer überhaupt vorstellt. Viele auswärtige Übernachtungen in einem Hotel tun dabei ihr Übriges.
      „Ganz normale“ Arbeitszeiten für Lokführer: 00: 52- 09:37 Uhr, 04:02-15.56 Uhr, 10:02-21:09 Uhr, 09:58 bis anderntags11:00 Uhr bei auswärtiger Übernachtung, oder 20:12- 07:59 Uhr auch an Sonn- und Feiertagen, stehen nicht zur Diskussion. Dienstschichten mit ihren unterschiedlichen Arbeitszeiten erhalten einige Lokführer von einem Disponenten ihrer „Lokleitung“ nur für 3-4 Tage im voraus. Die meisten fahren innerhalb einer Fahrplanperiode in einem „Schichtenplan“, wenige arbeiten in einem sogenannten „Sonderdienst“ bei fast täglich wechselnden Arbeitszeiten und Anforderungen. Das macht eine Regelung ihrer Freizeitwünsche nicht immer einfach. Bei rund um die Uhr aufrecht zu erhaltender Konzentration den Fahrplan auf die Minute bei Geschwindigkeiten von bis zu 300 km/h einzuhalten, hat der Lokführer – der alleine in seinem Führerstand sitzt – aber auch einen Beruf, in dem absolut eigenverantwortlich gearbeitet wird. Hierbei geniest er eine gewisse Freiheit, um die ihn so mancher Arbeitnehmer beneiden dürfte. Bei gelegentlichen „Fahrzeug-“ und/oder Signalstörungen, die unter Zeitdruck abgearbeitet werden, wie bei einem „Unfall mit Personenschaden“ (PU) sind Stresssituationen unvermeidbar. Statistisch gesehen erlebt jeder Lokführer in seinem Arbeitsleben 2 PU. Ich hatte übrigens weit mehr, was vorkommen kann. Bei Bedarf sind eine psychologische Betreuung und jegliche Hilfe bei seinem Wiedereinsatz seitens des Arbeitgebers gewährleistet. „Unregelmäßigkeiten in seinem Betriebsablauf“ sollte er sich allerdings nicht leisten. Dann wird er dafür nicht nur zur Rechenschaft gezogen, sondern machmal auch „an die Wand genagelt“.

      Um die Sicherheit im Eisenbahnbetrieb wird natürlich nicht verhandelt.
      Mehrmals jährlich wird sein Anforderungsprofil in Fortbildungsunterrichten mit „Lernerfolgskontrollen“, sowie Lehrgängen mit Verwendungsprüfungen weiterer von ihm zu fahrender Baureihen (BR) und in Simulator-Prüfungen festgestellt.
      „Überwacht“ wird ein Lokführer einige Male im Jahr ohne vorherige Ankündigung von seinem Arbeitgeber, wie auch vom Eisenbahnbundesamt (EBA).

      Erwähnenswert ist aber auch, dass sich die Personalführung bei der DB AG mit dem neuen Vorstand unter der Führung von Herrn Dr. Rüdiger Grube schon zu meiner Zeit spürbar verbesserte, als sie es noch unter Hartmut Mehdorn war. Der nämlich hat die DB AG scheinbar systematisch runter gewirtschaftet und fühlte sich dabei noch dem Unsinn ausgesetzt, an die Börse gehen zu wollen. Er konnte sicher rechen, hatte aber von einem so verzahnten Eisenbahnverkehrsunternehmen wie der DB offensichtlich zu wenig Ahnung. Aus unterschiedlichen Gründen geht so mache Zugverspätung daher immer noch auf sein Konto.

      • In der aktuellen Tarifauseinandersetzung geht es überhaupt nicht um die Lokführer. Die GDL streikt, um auch andere Beschäftigtengruppen der Bahn zu vertreten.

        Werden Lokführer eigentlich noch lange benötigt? Die meisten Züge fahren doch schon jetzt vollautomatisch und die Lokführer dienen nur der Überwachung, können aber häufig ohnehin nichts tun, wenn es doch einmal kracht.

  6. Die Rechtslage ist unstreitig. Die relativ wenigen Lokführer haben mit ihrer, auch in eigenen Reihen nicht immer nur auf Zustimmung stoßenden Arbeitsniederlegungen, nun einmal eine Schlüsselposition für Verkehr und Wirtschaft. Das ist aber keine neue Erkenntnis, wirkt sich aber erst aktuell mit massiven Ausfällen von Zügen über einen größeren Zeitraum aus.

    Die DB AG hat den Forderungen dieser Gewerkschaft dem Grunde nach ja bereits zugestimmt.
    Nun überzieht sie aus reinem Machtstreben mit ihrer weiteren Forderung eines eigenen Tarifvertrages für Zugbegleiter, von denen die meisten aber durch die Eisenbahnverkehrsgesellschaft (EVG) vertreten werden. Die GDL sollte, bei allen berechtigten Forderungen für ihre Mitglieder, aber auch moralische Grenzen erkennen. Die Aufhebung eines staatlichen Transportmonopols für den Personenfernverkehr führte bei der DB in diesem Geschäftsbereich zu nennenswert nachlassendem Fahrgastaufkommen und so Geschäftseinbrüchen infolge eines konkurrierenden Fernbusnetzes bei geringerem Preisniveau.
    Prinzipiell dürfte es nicht möglich sein, dass verschiedene Gewerkschaften ein und die selbe Berufsgruppe vertreten. Und in früheren Zeiten war das auch nicht so. Wenige dieser Zugbegleiter, wie auch Restaurant-Fachkräfte, sind seit kurzer Zeit nur deshalb in der GDL, weil es ihr auch nur um Macht und „Moneten“ geht.

    Als mir, als ein beamteter ehemaliger Lokführer des Fernverkehrs, vor etwa 35 Jahren die oftmals fragwürdigen Machenschaften – beider – Gewerkschaften mit ihren „roten Parteibüchern“ klar wurden, bin ich ersatzlos ausgetreten. Einige Male schon haben diese, wegen eines „Furzes“ der ihnen quer saß, gegeneinander geklagt. Mich würde es nicht wundern, wenn der GDL-Vorsitzende Claus Weselsky in nicht all zu ferner Zukunft von der Bildfläche verschwindet. Er überzieht maßlos.

  7. Zuerst ging es der GDL um Tarifverhandlungen für die Lokführer, deren Forderungen dem Grunde nach von der DB zugestimmt wurde. Erst danach ist von ihr in eigener Tarifvertrag für ZUB und Restaurant-Besatzungen nachgeschoben worden. Das die Lokführer dafür streiken, ist kompletter Unsinn.

    Diese werden, ich mir mir da sehr sicher, noch für eine sehr lange Zeit gebraucht.
    Sie nehmen im Fahrbetrieb optische wie akustische Signalisierungen auf, setzen diese ggf. um und überwachen augenscheinlich entgegenkommende Züge, Streckenverhältnisse und Fahrleitungen.
    Züge des Fernverkehrs, nicht aber die des Nahverkehrs und S-Bahnen, fahren auf „Ausbaustrecken“ Vmax 200km/h, ein ICE auf „Schnellfahrstrecken“ Vmax 300km/h in einem sogenannten Linienzugbetrieb (LZB) bei einer automatischen Fahr-und Bremssteuerung (AFB) Wahlweise kann diese abschaltet und manuell gefahren werden. Bei beiden Fahrweisen ist die Bedienung einer Sicherheitsfahrsteuerung (Sifa) in einem etwa 25 Sek. Rhythmus zwingend erforderlich, sonst wird von dieser eine Zwangsbremsung eingeleitet. Die Sifa überwacht auf „einmännig besetzten Fahrzeugen“ die Aufmerkamkeit der Lokführers und begründet sich mit der Eisenbahn Bau-und Betriebsordnung, die Gesetzeskraft hat. Elektronische Zugleittechnik benötigt prinzipiell keine ortsfesten Signale und lässt eine höhere Frequentierung der Strecke bei Geschwindigkeiten von bis zu 300 km/h zu. Sie arbeitet ähnlich dem Tempomat Ihres Kfz, beeinflusst aber auch die Geschwindigkeiten nachfolgender, wie entgegenkommender Züge, die in Gefahrensituationen beiderseitig vom Lokführer „zwangsgebremst“ werden können. (LZB-Nothalt Auftrag) Seit etwa 2 1/2 Jahren wird auch bei der DB auf das „European Train Control System“ (ETCS) umgerüstet, ist aber technisch wesentlich aufwendiger und kostenintensiver. Da haben „Unsere“ sich wohl von Frankreich mal wieder über den Tisch ziehen lassen. Die deutsche LZB ist ausgereift und eine feine Sache.

    Auch für plötzlich auftretende Hindernisse (Personen, Fahrzeuge oder Fremdkörper) im Gleisbereich gibt es Regeln. „Nothaltauftrag“ von anderen Zügen, Fahrdienstleitern oder Transportleitungen über Zugfunk, wie auch einem Nothaltauftrag (Kreissignal) von „Jedermann“ bei Gefahr in Verzuge. Manchmal sieht es aber „düster“ aus. Das stimmt schon.
    Unfälle können bei Bremswegen von bis zu 2700 Metern auf kreuzungsfreien Schnellfahrstrecken bei Vmax bis 300 km/h in aller Regel nicht verhindert werden. Es sei denn, dass diese rechtzeitig von einem entgegenkommenden Zug gemeldet werden können.

  8. Pingback: Streik gegen die Bürger | Alexander Dilger

  9. Pingback: Bundestag beschließt Tarifeinheitsgesetz | Alexander Dilger

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s