Reformationstag

Heute ist Reformationstag, weil Martin Luther vor 497 Jahren seine 95 Thesen in Wittenberg an die Kirchenpforte genagelt haben soll. Die Folgen waren dramatisch und haben Europa verändert. Auch die Parallelen zu heute sind unverkennbar. Die EU und vor allem die Eurozone sind ein Moloch, wie es seinerzeit die katholische Kirche war, die selbst der Reformation bedurfte. Die Eurorettungsmaßnahmen entsprechen dem Ablasshandel. Im Zuge der Reformation gewannen die europäischen Völker und Sprachen an Bedeutung, was auch jetzt wieder nötig ist. Hoffen wir nur, dass es diesmal friedlicher zugeht.

65 Gedanken zu „Reformationstag

  1. Hübscher Vergleich, frommer Wunsch. Ich hoffe nur, dass für die Erneuerung Europas die richtigen auf dem Scheiterhaufen landen und nicht an Stelle von Hexen Querdenker verbrannt werden.

    • Es sollte niemand auf dem Scheiterhaufen landen. Wenn die katholische Kirche damals von sich aus eingelenkt hätte (heute vertritt niemand mehr die von Luther kritisierten Positionen), dann wäre es auch nicht zur Kirchenspaltung gekommen. Das sollten die Eurokraten berücksichtigen, wenn sie wirklich dem Wohle Europas dienen wollen.

      • Es waren nicht die Katholiken, die die Hexenverfolgung auf die Spitze getrieben haben, sondern Jean Calvin und Martin Luther.

  2. Wer wird der Martin Luther der EU-Reformation sein? Seine Thesen kann man sich schon vorstellen – es brauchen in diesem Fall keine 95 zu sein:
    1. Zurück zu den Wurzeln der EU-Gründung.
    2. Durchsetzen und Beachten der getroffenene Vereinbarungen – Maastricht etc..
    3. Durchsetzung des Subsidiaritätsgedankens,
    4. Rückkehr zu nationalen Währungen, um den einzelnen Staaten wieder die Währungsflexibilität zurück zu geben.
    5. Abkehr vom Ziel der Vereinigten Staaten von Europa

    • Bernd Lucke würde sich gut als Reformator machen. Mit Ihren Thesen stimme ich überein. Vor allem geht es darum, zu den Wurzeln zurückzukehren (jetzt der europäischen Idee, seinerzeit des Christentums).

      • Sie meinen als ‚Reformator‘ und Hexenverbrenner, ganz nach seinem weltanschaulichen Vorbild Jean Calvin? Mir läuft es schon beim bloßen Gedanken daran kalt den Rücken herunter …

      • Das ist so ähnlich wie mit unserem kurzen Disput über moderne Formen der Sklaverei, den wir neulich hatten.

        Natürlich gehe ich nicht davon aus, dass Herr Lucke tatsächlich jemanden auf dem Scheiterhaufen verbrennen lassen würde. Aber sein offensichtliches Verständnis von Demokratie und Toleranz gegenüber Andersdenkenden kommt dem seiner religiösen Vorbilder Calvin und Luther schon sehr nahe. Das beweist doch alleine die Missachtung des § 11 (3) der gültigen AfD-Bundessatzung sowie die bis heute nicht erfolgte Bekanntgabe der Anträge auf Durchführung einer Urabstimmung.

        Alles triftige Gründe, ihm (Lucke) nicht länger blindlings zuzujubeln.

  3. Herr Dilger, dass Libertäre Steuern mit Ablasshandel durcheinanderbringen lasse ich noch durchgehen aber die EU als Moloch zu bezeichnen ist demagogisch. Ebenso könnte ich die AfD als Mob bezeichnen und ganz schnell Parallelen zur HoGeSa und Pro-NRW herstellen. Damit würde ich das Niveau Ihres Kommentars kaum unterbieten. Sie übergehen grob alle guten Eigenschaften dieser Gemeinschaft und stellen einen abenteuerlichen Vergleich zum Europa des 16. Jahrhunderts und der katholische Kirche her. Kommt dann bald auch der dreißigjährige Krieg und landet Herr Lucke aufgrund seiner Reden bald auf dem Scheiterhaufen?

    Es gibt Stimmen, ich lasse mich mal aussen vor, die der AfD aufgrund ihrer Verschwörungstheorien postulieren immer mehr Einhörner aber kaum noch Pferde zu sehen. Sie gehören meiner Meinung nach (noch) nicht dazu. Wenn Sie die EU ablehnen, ihr gutes Recht, dann bitte mit nachvollziehbaren Argumenten (die EU hat selbstverständlich viel Reformbedarf) und nicht mit plumper Hassrhetorik. Sie ziehen damit nur die Gestalten an, die Sie eigentlich mehr fürchten müssten als die EU und deren Befürworter. In absehbarer Zeit, wenn Sie dann aus der AfD ausgetreten sind, werden Sie wissen was ich meine. Vermutlich wissen Sie das schon jetzt.

    • Es geht Herrn Lucke und mir nicht um die Zerstörung der EU, sondern um deren Erneuerung durch Rückbesinnung auf die Gründungsidee, ein Europa der Vaterländer statt deren Vernichtung. Martin Luther wollte auch nicht die katholische Kirche spalten, sondern deren Fehler durch Rückbesinnung auf die Bibel abstellen. Dass es dann doch zur Spaltung kam, lag vor allem an der mangelnden Einsicht der Kirchenoberen. Darüber sollten Sie einmal nachdenken.

      • Herr Dilger, was hat uns ein „Europa der Vaterländer“ in der Vergangenheit gebracht? Möchten Sie dass ich Ihnen erkläre wieso Ihre „Vaterlandsliebe“ in der Vergangenheit dutzendemal gescheitert ist? Im Namen eines unreflektierten Patriotismus wurde die Welt mehrmals vergewaltigt. Nicht nur Sie können Parallelen zur düsteren Vergangenheit herstellen. Darüber sollten Sie ebenfalls nachdenken.

      • Ich meine die moderne europäische Idee als Reaktion auf den Zweiten Weltkrieg. Diese Idee hat uns langanhaltenden Friede und Wohlstand gebracht. Beides wird nun von der Überdehnung der EU und vor allem durch den Euro gefährdet.

      • Die “moderne europäische Idee” ist ein vereintes und kein “vaterländisches” Europa. Der Ruf eines “Europas der Vaterländer” ist nichts anderes als ein verkappter Wunsch nach geschlossenen Grenzen, Intoleranz und Nationalismus. Ihre AfD-Kameraden machen es uns doch jeden Tag vor was sie darunter verstehen. Die Ablehnung gegen jede (noch so kleine) Errungenschaft einer offenen Gesellschaft. Lesen wir beide nicht die gleichen gruseligen Kommentare in den sozialen Medien und Kommentarspalten bei Onlinezeitungen? Wo genau kann ich mal einen vernünftigen Beitrag dazu lesen, der mir ohne Demagogie die Idee eines “vaterländischen” Europas erklärt? Das moderne Europa vor Euro und “Überdehnung” (was immer das auch sein mag) war das Europa dass sich freiwillig immer enger binden wollte, Rückschläge mit eingeschlossen. Es gab nie ein Europa das stehenbleiben wollte. Da haben Sie offensichtlich was falsch verstanden.

      • Das Europa der Vaterländer war anfangs eine weit verbreitete Idee, die vor allem von Charles de Gaulle propagiert wurde. Das Bewahren von nationaler Souveränität, von Recht und Demokratie hat nichts mit „geschlossenen Grenzen, Intoleranz und Nationalismus“ zu tun. Sie finden z. B. auf Wikipedia eine vernünftige Erklärung, die sicher nicht demagogisch oder nationalistisch ist. Sich „immer enger binden“ zu wollen, ist dagegen keine gute Idee. Das Optimum an Bindung und Zusammenarbeit ist wohl kaum das absolute Maximum. Aus meiner Sicht wurde dieses Optimum spätestens mit dem Euro überschritten.

      • Sehr gut. Ihre Quelle widerlegt meinen Kommentar. Ein „Europa der Vaterländer“ muss nicht unbedingt für geschlossenen Grenzen, Intoleranz und Nationalismus stehen. Ich nehme das zurück. Das gilt allerdings nicht für 99% der AfD (Sie gehören zu dem 1%). Trotzdem, Punkt für Sie 🙂

      • Danke. Sie sehen allerdings die AfD zu negativ, vielleicht weil in sozialen Medien eine radikale Minderheit lauter ist als die gemäßigte Mehrheit.

      • vielleicht weil in sozialen Medien eine radikale Minderheit lauter ist als die gemäßigte Mehrheit.

        Und in den offiziösen Medien über jeden dieser Deppen gerne berichtet wird. Die AfD ist momentan die einzige Partei, in der man als normales Mitglied bundesweite Aufmerksamkeit auf sich ziehen kann. Man muss nur irgendwelche „rechten“ Sprüche klopfen.

      • Ist das wirklich so? Diese zunehmende Kritik an der Basis kann ich nicht so ganz teilen (vielleicht weil ich jetzt selbst einfaches Mitglied bin und als einziger eine Missbilligung über mich ergehen lassen musste, nachdem mir schon der Gebrauch des AfD-Logos verboten worden war). Die meisten Probleme, die auch von den Massenmedien aufgegriffen werden, gehen von Amts- und Mandatsträgern aus.

      • Ja, das ist wirklich so. Zuletzt der Fall eines Hamburger AfD-Mitglieds im Zusammenhang mit der Hooligan-Demo in Köln. Die Relevanz der Dame wurde dann noch mit „Gründungsmitglied“ angegeben.

        Ich habe auch noch diverse Artikel in „seriösen“ Tageszeiten in Erinnerung, wo sich Qualitätsjournalisten auf AfD-Veranstaltungen begaben und dann später genüsslich entsprechende Aussagen einzelner Mitglieder zitierten.

      • Ich denke nicht, dass einfache Mitglieder (einschließlich mir) diese Bedeutung haben. Wir sollten uns mehr damit beschäftigen, was unsere Amts- und Mandatsträger so tun und lassen. Dabei geht es nicht um reine Schmähungen oder Jubel, sondern um sachliche Kritik, die durchaus auch positiv ausfallen darf.

      • Es kommt immer drauf an, welche Bedeutung für wen. Für die Medien scheinen die einfachen Mitglieder jedenfalls von Bedeutung zu sein, wenn sie nur „rechts“ genug sind. Das könnte genau wie die Überbetonung von Facebook-Schreihälsen zu dem Bias beitragen, der von der AfD in der Öffentlichkeit entsteht. Allerdings gibt es natürlich auch Zeitgenossen, für die eine Partei, die nicht die von ihnen als sakrosankt angesehenen, „modernen“, „links-liberalen“ Positionen vertritt, zwangsläufig in die ganz rechte Ecke gehört und die sich durch entsprechend selektives Wahrnehmen dann auch ständig bestätigt sehen.

  4. Sehr geehrter Herr Papapostolou, ich verstehe nicht ganz, was Sie gegen einen gewachsenen Identifikationsraum einzuwenden haben, der den Menschen vor allem genau die Möglichkeiten bietet, die Prof. Dilger genannt hat: Souveränität, Recht, Demokratie.
    Außerdem: Wer nicht irgendwo verwurzelt ist, wer seine Wohnstätte nur noch irgendwo in einem unüberschaubaren Moloch hat, der ihn nicht mehr an für ihn wichtigen, ja wesentlichen Entscheidungen teilhaben lässt, der ihn politisch teilweise entmündigt, der ihm die Pflege von etwas Eigenem zugunsten eines großen,pseudoharmonisierten Ganzen (auf dessen Konturen er keinen Einfluss hat) bis auf Marginalien aus der Hand nimmt, der wird auch kein großes Verantwortungsgefühl verspüren.
    Kommen Sie jetzt bitte nicht mit dem Friedensprojekt. Ich sehe derzeit wenig, was auf dessen Funktionieren hindeutet.

    Und zum Stichwort „modern“ : Ist modern automatisch auch gut? Das ist das Gleiche wie mit dem Zeitgeist. Ist der immer geistvoll? Er ist vor allem menschlich und Menschen können sich erheblich irren. Oder aber andere Menschen für ihre Zwecke gefügig machen bzw. einen trägen Mainstream erzeugen, um dem dann womöglich noch die sogenannte Schwarmintelligenz zu bescheinigen.

    Ich habe allerdings erhebliche Zweifel, dass es gelingen wird, einen europäischen Mainstream zu erzeugen. Allein die Deutschen sind vaterlandlose Gesellen genug, um sich treiben zu lassen.. In vielen anderen Ländern funktioniert die Gegenstromanlage recht gut;-)

    • Herr (?) Noack, der von Ihnen so genannte „gewachsene Identifikationsraum“ ist für jeden ein anderer. Für mich ist das Europa so wie für viele andere Menschen auch. „Verwurzelt“ bin ich in Gelsenkirchen als Geburtsort. Ich denke jeder ist das auf seiner Weise. Eine „Verwurzelung“ macht mich aber noch lange nicht zum Sektierer, Eigenbrötler oder geistigen Schrebergärtner. Ich begrüsse jederzeit neue Einflüsse. Kulturen und Menschen haben sich immer dann weiterentwickelt wenn sie auf andere Kulturen trafen. Gesellschaftliche Weiterentwicklung sorgt dafür das in Europa keine Kinder arbeiten müssen, Frauen gleiche Rechte besitzen und Minderheiten nicht verfolgt werden. Sie missverstehen das als Zeitgeist und Modernität. Der europäische Mainstream ist unsere abendländische (griechische) Kultur. Es waren zumeist, aus Ihrer Sicht, „vaterlandslose Gesellen“, die für den Austausch verantwortlich waren. Sie als Deutscher leben die Kultur meiner griechischen Vorfahren. Das sollte Ihnen bewusst sein. Hätten Sie auf Ihre germanische Kultur bestanden dann würden Sie heute noch Fellbehaftet Bären und Wölfe jagen. Im übrigen befürworte ich weder eine Schwarmintelligenz noch Volksentscheidungen. Ich bin bekennender Anhänger einer klassischen parlamentarischen Demokratie. Deutschland macht das gut.

      • Ist Ihnen bewusst, dass das Aufeinandertreffen von Kulturen häufig gewaltsam verlief? Damit es friedlich, kooperativ und produktiv verläuft, müssen bestimmte Bedingungen erfüllt sein. Die Eurozone lebt gerade nicht mehr die Werte der antiken und neuzeitlichen Aufklärung. Der Euro zersetzt Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Wohlstand. Schließlich sind die heutigen Griechen nur noch zum geringsten Teil Nachfahren der antiken Hellenen.

      • Vieles davon kann ich ohne Weiteres unterschreiben. Aber entspricht es der tatasächlichen Entwicklung der EU? Das kulturelle Europa geht dabei doch gerade eben baden! Hier wächst nichts, hier soll den Menschen durch Zwangs-„Harmonisierung“ etwas im Galopp übergestülpt werden.
        Und was die Modernisierung betrifft: Dazu brauchen wir keinen Euro und keine Glühbirnenregelung.
        So, die Sonne scheint:-)

      • Herr Dilger, die heutigen Hellenen sind mit Homer und Platon so sehr verwandt wie die Deutschen mit Gutenberg und Luther. Vermutlich aber wenig. Natürlich kann man in Europa kaum von homogenen Völkern sprechen. In Hellas waren Perser, Römer, Osmanen und Venezianer. In Deutschland, in Mitteleuropa, durchliefen noch mehr Völker das Land. Bei uns im Ruhrgebiet gab es zum Beispiel sehr viele Polen. Der beste deutsche Fussballverein wurde von Polen gegründet.

      • Sie bringen da die Zeiten durcheinander. Man kann hinterfragen, wie sehr die heutigen Deutschen noch mit den alten Germanen verwandt sind. Die Verwandtschaft mit Gutenberg und Luther ist jedoch wesentlich größer, auch wenn es zwischenzeitlich mehrere Ein- und Auswanderungswellen gegeben hat. Vergleichen Sie einmal die antiken griechischen Statuen und anderen Darstellungen mit heutigen Griechen.

      • Ich soll bitte was? Die antiken griechischen Statuen mit heutigen Griechen vergleichen? Warum fragen Sie nicht gleich wieso alle Griechen nicht wie König Leonidas von Sparta bei dem Film 300 aussehen. Die Darstellung Luthers oder Gutenbergs hat physiognomisch auch nur bedingt mit einem heutigen Deutschen zu tun. Und heutige Deutschen haben nichtmal mehr mit den Deutschen des 18. und 19. Jahrhunderts noch viel gemein. Das ist auch nicht weiter tragisch weil es, wenn man nicht gerade auf einer Südseeinsel lebt, ein ganz normaler Prozess ist. Besonders in Europa. Ich bringe da gar nicht durcheinander.

    • Absicht oder Dummheit?

      Ich warne bereits seit Anfang April 2013 vor den nicht absehbaren Folgen des Facebook-Wahns und habe unseren Bundessprechern schon seinerzeit dringend davon abgeraten Facebook als „offizielle“ Diskussionsplattform zu nutzen.

      Jedermann kann dort jeden noch so unterirdischen Beitrag mitlesen. Aber unser Bundesvorstand ignoriert hartnäckig, was § 11 (3) der gültigen Bundessatzung vorsieht – nämlich eine parteiinterne Vernetzungsplattform.

      Über so viel Torheit und Ignoranz ach so kompetenter Möchtegern-Politiker kann man wirklich nur den Kopf schütteln.

      • Ja und nein. Auf der einen Seite wäre ohne facebook die Mobilisierung der Wähler wahrscheinlich nicht so erfolgreich gewesen, auf der anderen Seite sieht man gerade mal wieder die hässliche Kehrseite der Medaille. Wir brauchen dringend ein gutes Parteiprogramm, auf das man verweisen kann und mit dem man gegebenenfalls auch Mitglieder belangen kann. Lieber ein paar spitzfindige Anträge weniger als eine tragfähige Grundeinigkeit, die alle vernünftigen Kräfte einbindet. Ich habe große Sorge, dass gerade Leute erfolgreich mobil machen, die das Parteiprogramm von den derzeit gültigen Leitlinien abbringen und die den BuVo chassen wollen. Auch dabei hilft Facebook – in Form der geschlossenen Gruppen. Dem muss man entgegenwirken, indem man es öffentlich macht und in den Ortsverbänden darüber redet. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die große Mehrheit der AfD-Mitglieder den aktuellen Parteivorsitzenden gegen rechte Ellenbogen-Aufsteiger ohne Nachweis besonderer Lebensleistungen austauschen möchten. Das wäre nämlich das sichere Ende der AfD als seriöser Partei der politischen Vernunft.
        Was sich in den letzten Tagen dazu erfahren habe, lässt jedenfalls die Alarmglocken läuten, sonst würde ich es hier nicht ohne weiteres posten.

      • Facebook mobilisiert keine nennenswerten Wählerzahlen. Die Reichweite wird hoffnungslos überschätzt und obendrein postet hier in erster Linie nur eine kleine Gruppe zeitreicher, nicht gerade für die AfD repräsentativer Spinner.

        Wahlen werden in den klassischen Medien mit ihren noch immer sehr hohen Reichweiten entschieden und nicht bei Facebook.

        Wer sich nicht einmal die Mühe macht, sich mit Reichweitenzahlen zu befassen und diese zu vergleichen, der kann das natürlich nicht wissen. Erinnert mich alles fatal an Norbert Blüm´s „die Rente ist sicher“ – der hat sich offenbar auch nie mit der demographischen Entwicklung befasst. Echte Fachkompetenz eben …

        Hinzu kommt das Problem, dass die Facebook-Admins und Moderatoren der AfD offenbar einzig nach dem Kriterium „Wer hat Zeit?“ ausgewählt wurden. Wie anders ist zu erklären, dass hier noch immer insbesondere Zugänge aus „Freiheit“ und „ProNRW“ die Zügel in der Hand haben sollen?

      • @ MM, @Noack:

        1. Das Parteiprogramm ist nicht (allein) entscheidend, sondern welche Themen von der Parteiführung in der Realität vorgebracht und umgesetzt werden!!! Da sehe ich große Defizite. Man knickt viel zu schnell vor der angenommenen öffentlichen Meinung und von falsch eingesetzten Begriffen wie „rechts“ ein und lässt sich treiben.

        2. Es ist zwar gut, beruflich sehr erfolgreiche Leute in den Reihen zu haben (die sollten aber eigentlich keine Zeit für Parteiarbeit haben), aber ich würde deshalb aber keine Polittalente, die vorher nicht so erfolgreich waren, ausschließen. Es könnte sein, dass in den beiden Bereichen (berufliches System und Politik) unterschiedlichen Fähigkeiten gefragt sind. Entscheidend ist für mich die richtige Gesinnung.

        3. Wir müssen uns als AfD auf jeden Fall nach außen auch geschlossener zeigen (und nach innen – nicht öffentlich – die Diskussionskultur pflegen) und gegen über den uns politisch feindlich gesinnten Gruppen als ein Block zusammenstehen.

        4. Herrn Gauland spricht mir aus dem Herzen, wenn er sagt, dass der Markenkern der AfD der deutsche Patriotismus, die Hinwendung zum Vaterland, ist. Davon leitet sich alles weitere ab. Auch die Rückkehr zur eigenen Währung und Souveränität sowie die Beschneidung bzw. starke Modifikation der EU. Wer aber damit Probleme hat (ich denke hier z. B. an Herrn Wilhelm), ist m. E. in der AfD nicht gut aufgehoben. Dieser Kern wird durch andere Punkte ergänzt, die notwendig sind, um den Einfluss auf politische Entscheidungen, die Freiheit und die Selbstverantwortung des einfachen Bürgers zu stärken und die Eroberung des Staates durch Parteien einzudämmen (was alles nicht mit liberalen Ideen zu verwechseln ist).

      • Lieber Chufu,

        zu 4.)
        Ich bin der AfD bereits im März 2013 beigetreten. Von „deutschem Patriotismus“ als Markenkern war damals keine Rede. Die Ziele waren eher wirtschaftspolitisch und schienen von gesundem Menschenverstand geprägt.

        Es ist nun wirklich an der Zeit zu klären, ob die AfD zu einem deutschtümmeligen und islamophoben Patriotenhaufen verkommen soll (dafür gibt es m.E. eigentlich schon genügend Angebote, z.B. NPD, Pro- und REPs) oder eine säkulare und weltoffene Partei sein will, die Platz für liberale und libertäre Ansichten bietet. Sollte Letzteres von der Mehrheit der Mitglieder nicht mehr gewünscht sein, werde ich die AfD verlasen.

        LG
        MM

      • Das ist der Punkt. Wir sollten nicht mehr so tun, als könne Unvereinbares in der Alternative für Deutschland miteinander vereinbart werden. Es ist eine Klärung und Entscheidung nötig, wozu es durchaus zivilisierte und demokratische Mittel gibt.

      • @MM: Ich muss Ihnen mal, bei aller temporären Sympathie, dazwischen grätschen. Sie schreiben ab und zu wirklichen Blödsinn. Warum es soll es bald 70 Jahre nach dem 2.Weltkrieg nicht möglich sein, die Liebe zum eigenen Land und einen sich daraus ableitenden deutschen Patriotismus, in einer normalen liberal-konservativen Volkspartei zu leben? Wieso kommen Sie wieder mit der Nazi-Keule? Sie sind ja schlimmer als unsere Gegner. Schon der Begriff „Deutschtümelei“ ist in dem Zusammenhang verräterisch. Spricht irgend jemand von Franzosen- oder Griechentümelei?

        Übrigens, ich bin ähnlich lange wie Sie Mitglied, und zwar aus den Gründen, die Herr Gauland nennt, die ich aber bei meinen Kontakten in der Partei überall vernahm. Mein Eindruck ist auch, dass die in der Basisarbeit engagierten Mitglieder – so mein Eindruck – sehr oft aus meiner „Fraktion“ kommen, während sich dem Status quo verbundenen Altparteisoldaten, aufgrund deren einschlägigen Erfahrungen, möglichst schnell in vordere Positionen katapultieren, was mit der Zeit zu korrigieren ist.

      • Die Frage ist doch, ob Sie und Ihre Kontakte tatsächlich an „einer normalen liberal-konservativen Volkspartei“ interessiert sind. Falls ja, wo ist dann das Problem bzw. was haben Sie dann gegen normale Liberale und Konservative? Falls nein, was wollen Sie dann in der AfD? Sie sind immer noch die Antwort schuldig, warum Sie sich nicht in PRO NRW engagieren. Wenn ich richtig informiert bin, ist die Partei nicht rechtsextrem, sondern „nur“ islamophob bzw. islamhassend wie Sie.

      • Urteilt man nach dem, was man in den (was allerdings nicht für alle AfD-Mitglieder repäsentativ ist!), kann man zum Schluss kommen, dass die Sehnsucht nach etwas grundsätzlich Neuem nicht besonders stark ausgeprägt ist. Die einen scharen sammeln sich auf der patriotischen Plattform und weigern sich, auch nur einen Zentimeter über deren Kirchturmspitze hinauszuschauen . Die anderen träumen von einer neuen FDP, gründen geschlossene Transatlantiker-Gruppen und behandeln weitgehend undifferenziert ALLES, was rechts von ihnen steht, wie einen schlechten Geruch. Beides empfinde ich als konspirative Hinterzimmerpolitik, die nur davon zeugt, dass man eigentlich nur die eigenen Ansichten toleriert. Die AfD wird vor allem als Alternative zu dem verstanden, was man selbst nicht will und soll entsprechend zurechtgebogen werden.

        Sicher wird die AfD nicht alle Bürger beherbergen können. Henkel hat schon recht, dass die AfD kein allzu buntes Sonntagsnachmittags-Wunschkonzertpotpourri sein darf, wenn sie Erfolg haben will. Sie braucht Konturen. Das heißt aber keineswegs, dass man sich nach altem Muster so einengen und festzurren muss, dass man am Ende entweder eine nach rechts hin erweiterte Neuauflage der alten CDU/CSU ist oder eine neue Wirtschaftspartei aufmacht. Die Wählerwanderungen zeigen, dass viele Bürger nach einer echten Alternative suchen und keinen alten Wein in neuen Schläuchen haben wollen. Sie scheinen in der Mehrzahl durchaus kompromissbereit, denn anders ist es nicht erklärbar, dass von halb rechts bis fast ganz links nahezu gleiche Wählerströme zur AfD geflossen sind. Hier muss man ansetzen. Ich glaube, dass Folgendes vereinbar wäre, wenn man es denn wollte:

        1. Wir brauchen sowohl katzbuckelfreie Bindungen an den Westen bzw. die USA, als auch gute Beziehungen zu Russland (das man ebenso wenig an der Person Putins festmachen darf, wie man die USA auf jenen vergleichsweise kulturbefreiten Cowboy reduzieren darf, dessen Fehler sich bis heute auswirken) .
        Wenn eines am Ende allen schadet, dann ist es ein neuer kalter Krieg. Deutschland muss selbstbewusst genug werden, um sich vor niemandes Karren spannen zu lassen. Wenn man die neuen Diskussionen innerhalb der AfD verfolgt, könnte man allerdings Pickel kriegen. Putinversteher resp. Amerikahasser gegen Putinhasser resp. Sich Transatlantiker nennende Amerikafreunde. Allein die Terminologie ist grauenhaft, denn sie hat sich bereits zu einem wirksamen Kampfvokabular entwickelt.

        2. Islamhasser resp. Patrioten mit und ohne chauvinistische Einfärbung contra Differenzierungsbemühte mit und ohne Gutmenschentouch – auch diese Spaltung muss nicht sein.
        Wir werden uns in Deutschland wie auch in ganz Europa mit Muslimen arrangieren müssen – je weniger Kinder wir selbst auf die Welt setzen, umso mehr. Es ist daher dringend erforderlich, die Einwanderung besser zu regeln. Es ist aber auch dringend erforderlich, den hier dauerhaft lebenden Muslimen klar zu machen, dass es nur einen Koran gibt, und der enthält solche und solche Anweisungen. Das Problem ist seine Auslegung, und hier sollten wir ganz klare Forderungen stellen: Wer hier leben möchte, für den gilt ohne Wenn und Aber unsere Gesetzgebung und nicht die Scharia. Auch kann eine gelungene Integration nicht nur bedeuten, dass das deutsche Recht befolgt wird. Wenn man zusammen leben und arbeiten möchte, ist z.B. die Weigerung, sich zusammen an einen Tisch zu setzen, weil im Essig ein halber Tropfen Wein sein könnte (das habe ich vor einiger Zeit erlebt), ein Symptom gesellschaftlicher Verweigerung. Also:
        Die AfD müsste, statt sich mit prolligen Hooligans zu verbrüdern, aktiv den Schulterschluss mit aufgeklärten Muslimen im Land suchen, ihnen helfen, sich gegen Fundamentalisten, aber auch gegen die lange Nabelschnur Erdogans zu behaupten. Dann werden diese Muslime für ihre neue Heimat da sein und diese bereichern. Auch kulturell.

        3. Deutsche müssen ihr Land lieben und ehren dürfen, so wie es in aller Welt natürlich ist. Hier geben ich Frauke Petry recht: Die Erinnerung an die dunkelsten Jahre unserer Geschichte darf niemals verblassen, aber sie darf nicht zu einer Art Religion werden, werden, die jeden freien Atemzug erstickt und die jede Erinnerung an das Gute in der deutschen (Kultur-)Geschichte ausschließt. Eins meiner Kinder hat in der Schule einen solch moralinsauren Lehrer gehabt, der seine Nie-wieder-Deutschland-Gesinnung auf die Schüler übertragen wollte.
        Das nicht minder unangenehme Gegenteil drückt sich im Fahnenwald deutscher Schrebergartenkolonien aus oder kotzt sich, Entschuldigung, auf den Seiten von p.i. und leider auch auf einigen AfD-Facebookseiten aus.

        Wir sollten einen Weg zwischen Selbsthass und Selbstüberhöhung ebnen. Unsere Gutmenschen setzen sich immer so vehement dafür ein, dass man jedem Migranten die Möglichkeit gibt, seine kulturellen Bindungen, seine Wurzeln, seine Identität zu wahren. Das gleiche Recht muss aber auch für alle Menschen mit deutschen Wurzeln gelten, ohne dass man sie sofort als braun oder mindestens als Mottenkistenware bezeichnet. Ich bin aus Bayern und sehne mich hier im Flachland nicht selten nach Almwiesen und Kuhglocken, nach einem schönen Biergarten mit Blick auf den Watzmann und einem lederbehosten Zitherspieler im Hintergrund. Das als rückwärst gewandte Deutschtümelei zu bezeichnen, verbitte ich mir, zumal ich gern reise und eine kulturell alles andere als homogene Familie habe. Identität und Verwurzelung sind überhaupt kein Gegensatz zu Weltoffenheit und Neugier.
        Unsere EU-affinen Politiker meinen indes, sie bräuchten den Menschen nur die Schablone „Europa“ aufzudrücken, und flugs würden alle Italiener, Spanier, Portugiesen und Norweger ihre Eigenheiten, Traditionen und Mentalitäten mit Begeisterung nach den Vorgaben des neuen Großraumprojekts umformen. Es ist naiv, das zu glauben und zeugt von anthropologischer Ahnungslosigkeit.

        Ich hoffe, es gelingt bald, dass die AfD zu einem konstruktivem Meinungsaustausch findet und neue politische Maßstäbe setzt, die das alte Lagerdenken ablösen. Vorher wird man sich vermutlich noch einiger Mitglieder entledigen müssen. Passen wir auf, dass es nicht die falschen trifft. Sie wissen, was ich meine.

      • @G.Noack
        „Ich bin aus Bayern und sehne mich hier im Flachland nicht selten nach Almwiesen und Kuhglocken, nach einem schönen Biergarten mit Blick auf den Watzmann und einem lederbehosten Zitherspieler im Hintergrund. Das als rückwärst gewandte Deutschtümelei zu bezeichnen, verbitte ich mir, zumal ich gern reise und eine kulturell alles andere als homogene Familie habe. Identität und Verwurzelung sind überhaupt kein Gegensatz zu Weltoffenheit und Neugier.“

        Liebe Frau Noack,
        gerade mit Ihrem Hintergrund sollten Sie verstehen, warum mir die ewige Deutschtümmelei so mancher unserer Parteifreunde so auf den Zeiger geht. Ich komme auch aus Bayern, lebe aber seit beinahe neun Jahren in Vorarlberg, habe oberfränkische, oberpfälzische, schlesische und Wiener Ahnen, habe mehr als drei Jahre in Südamerika und mehrere Jahre im nicht deutschsprachigen europäischen Ausland gelebt. Der Kunststaat „Deutschland“, wie ihn insbesondere viele unserer Landsleute und Parteifreunde aus den neuen Bundesländern so gerne sähen, vermittelt mir beim besten Willen kein Heimatgefühl.

        Herzliche Grüße
        MM

      • Hallo MM: Die Plattformer gehen mir auch massiv auf den Zwirn. Und ja, ich fühle mich auch in vielen Gegenden der Welt wohl und lasse mich auch gern kulturell bereichern. Aber ich halte trotzdem beim Fußball zu Deutschland:-)
        Aber eigentlich wollte ich etwas anderes zum Ausdruck bringen. Die Zwangs-EU-isierung einerseits und das Verbot jeglicher Form von Verwurzelung durch die Politiker und Journalisten, die die Meinungs- und Deutungshoheit zu haben glauben, sind der falsche Weg.

      • @G.Noack:

        Soweit liegen wir ja gar nicht auseinander. Echte Verwurzelung gibt es m.E. nur regional. Genau wie echte Demokratie nur in überschaubaren Gliederungen funktionieren kann. Denken Sie doch nur an die Schweizer Kantone.

        Der Kunststaat Deutschland hat nach meiner Auffassung keine wirkliche gemeinsame Identität seiner „Völker“ und ist mit mehr als 80 Mio. Einwohnern ein Monstrum, das der EU in Bürgerfeindlichkeit und Käuflichkeit seiner Bundespolitiker (Beeinflussbarkeit durch Lobbyiisten) kaum nachsteht.

      • @ Noack:

        „Es ist aber auch dringend erforderlich, den hier dauerhaft lebenden Muslimen klar zu machen, dass es nur einen Koran gibt, und der enthält solche und solche Anweisungen.“

        Oh, das ist aber ganz schön anmaßend. Sie stellen Sich also quasi vor, eine deutsche Koran-Behörde interpretiert den Koran und legt dessen offizielle Deutung fest. Das ist gerade zu lächerlich. Damit werden Sie absehbar scheitern, das werden die Moslems wohl kaum hinnehmen.

      • @Chufu 8.41: Nö, WIR müssen gar nichts.
        Aber Imame, die in Deutschland predigen wollen, müssen sich dieser Frage stellen und verpflichtet werden, sich an unsere Gesetze zu halten. Das hat Prof. Lucke zu Recht gefordert.

        Zweitens möchte ich nicht dauernd zu hören bekommen, das und das und das sei nicht islamisch und der und der und die seien gar keine richtigen Moslems, weshalb man sich durch ihre Aktionen auch nicht berührt fühle. Hier muss die Politik unmissverständlich widersprechen. Es gibt nur einen Koran; dort haben auch die Taten des IS eine Verankerung. Jedes Schulkind im Orient lernt die politisch-juristische Seite des Islam kennen: Gott hat die Gesetze geschaffen und diese sind für alle Zeiten nicht verhandelbar. Wer gegen sie verstößt, wird in der Hölle schmoren.
        Insofern ist es müßig, zwischen den Islam vom sogenannten Islamismus abzugrenzen. Der Schlüssel liegt bei den Muslimen selbst. Denen, die in Deutschland bleiben wollen, können wir selbstverständlich abverlangen, dies zu reflektieren, denn es gibt genügend Suren, die mit unserer Rechtsordnung nicht in Einklang zu bringen sind. Das hat mit Arroganz, wie Sie meinen, nichts zu tun.

        Apropos Arroganz: Wir haben uns im Orient viel zu viel eingemischt. G.D. Bush hat in ebenso dummer wie völkerrechtswidriger Manier den Irak überfallen, wir versuchen immer wieder, die muslimischen Staaten mit unserer Vorstellung von Demokratie zwangszubeglücken. Das steht uns nicht zu und es wird auch nicht gelingen. Erst wenn die Mehrheit der Menschen in den betreffenden Ländern es selbst will (siehe Tunesien) sind grundlegende Änderungen erwartbar.

        Wir haben allerdings ein Recht darauf, in unserem eigenen Land auch nicht die Spur der Scharia bzw. die 1:1- Übertragung von Koransuren, die die Zeit Mohammeds abbilden, zuzulassen. Das muss deutlich gemacht werden und hier versagen die etablierten Parteien komplett. Ich wiederhole es nochmal: Wir müssen uns überlegen, wie man diejenigen Muslime ansprechen und zu Verbündeten machen kann, die Islam zwar weiterhin mit Gottgefälligkeit übersetzen, aber in einer Form, die weder in die letzte Ritze des Alltags hineinregiert, noch die Verfolgung von vermeintlich Ungläubigen fordert, noch Koransuren über die politische Rechtsordnung unseres Landes stellt.

        Immerhin sind wir momentan an einem Punkt angelangt, wo eine gewalttätige muslimische Minderheit die friedliche muslimische Mehrheit an die Wand spielt, die muslimische Mehrheit in Deutschland aber zum größeren Teil eher halbherzig Stellung bezieht. Die Hooligans-Demo, so bescheuert sie war, hat leider gezeigt, wie schnell man vom Thema wegkommt, wenn es möglich ist, mit dem Finger auf Deutsche zu zeigen. Ein Teufelskreis, der beides schürt: Islamophobie auf deutscher Seite ebenso wie Diskriminiertheitsgefühle auf muslimischer Seite. Hier muss und kann man einhaken.

        Das so zu sehen, finde ich ebenfalls nicht arrogant, Arrogant ist es, wenn Herr Erdogan Muslimen in Deutschland vorschreibt, was für sie gut ist und was nicht. Inakzeptabel ist es, wenn ein Imam in einer Berliner Moschee zum Dschihad anstachelt. Inakzeptabel ist es, wenn man jemanden der Islamophobie bezichtigt, der hier die Grenze zieht. INAKZEPTABEL IST ES ABER AUCH, wenn jemand alle Muslime in einen Topf wirft, sich selbst als grundsätzlich höherwertigen Menschen betrachtet und gar nicht erst bereit ist, Unterschiede zu erkennen und zu überdenken. Leute, die so denken, habe ich nicht in meinem Freundeskreis und möchte ihnen auch nicht in der Afd begegnen, ganz egal, auf welcher PLATTFORM!

      • @ Der von Ihnen verlinkte Aufsatz bringt es auf dem Punkt und trifft zu! Man erkennt, die Patriotische Plattform ist dringend notwendig.

      • Warum wechselt die PP nicht geschlossen zu PRO NRW? Das wäre doch eine Win-Win-Win-Situation (für die PP, PRO NRW und die AfD). Irgendwann wird Herr Lucke nicht umhin kommen, die Grundsatzfrage zu stellen: Sie oder ich? Sollte wider Erwarten die PP gewinnen, machen wir eine neue, wirklich bürgerliche Partei auf. Denn daran fehlt es, während es sehr rechte und rechtsextreme Parteien schon mehr als genug gibt.

      • Eine sehr berechtigte Frage, lieber Herr Dilger!

        Bei gleicher Gelegenheit könnten die Pseudodemokraten dann auch gleich eine eigene Partei nach dem erfolgreichen Vorbild Frank Stronachs („Team Stronach“, 1 Mitglied) gründen. Diese könnte sich dann z.B. „Team Hans-Olaf“ oder „Team Bernd“ nennen.

      • Nun, die Grünen haben ihre Junge-Grüne, die Die Linke hat ihre Antifa, die NPD / Die Rechte ihre Kameradschaften und die AfD soll nunmehr ihre Hooligans haben ? Nun, ich verbinde mit „Konservativ“ und Tugenden eigentlich etwas anderes als sich mit Schlägern zu verbünden. Schlägertruppen unterhalten in der Tat ausschließlich extremistisch ausgerichtete Gruppen. Wenn die PP meint, das sei das neue Niveau der AfD, dann sollte sie in der Tat in die ProNRW auswandern. Sie ist weder konservativ, noch liberal, sie ist einfach nur ( von mir aus patriotische ) Gosse.

  5. Vielleicht könnte man diese Diskussion mal auf einen gemeinsamen Nenner bringen, damit die Fragen der Schuld mehr zielgerichtet sind. Den „human factor“ schließe ich mal bewusst aus, da es einfacher ist, die personenbezogenen Argumente auszuschließen.
    Ohne Parteiprogramm gibt es ja keine Referenzen für Amts- und Mandatsträger. Mit dem Verpöunungsgrad zu agieren scheitert an den nicht festgesetzten Grenzen eines Parteiprogrammes. Wir haben ja noch nicht mal ein temporäres Parteiparteiprogramm. Die Haltlosigkeit der Amts- und Mandatsträger sind demnach der Willkürlichkeit, der Zufälligkeit oder der Scheinbarkeit ausgesetzt

    • Glauben Sie wirklich, dass ein Parteiprogramm die Probleme lösen würde? Das haben zwei Wahlprogramme und die Leitlinien auch nicht geschafft. Im Übrigen hat die AfD ein Parteiprogramm, es stammt allerdings vom 6. Februar 2013 und ist kaum jemandem bekannt.

      • Alle Probleme lösen vielleicht nicht. Aber es wäre zumindest mal eine verbindliche Richtschnur. Auch für Partei-Granden wie Herrn Gauland und Herrn Henkel.

      • Bitte erklären Sie mir, wo sich Herr Henkel gegen die bisherigen Wahlprogramme und Leitlinien geäußert haben soll. Tatsächlich ist es doch umgekehrt, dass wir leider laute Funktionäre haben, die sich ständig anders äußern und dafür auf die Meinungsfreiheit berufen. Doch für ihre Kritiker, die auf die Beschlusslage hinweisen, soll die Meinungsfreiheit nicht gelten.

      • Ich führe es darauf zurück, dass Sie beim Bundesparteitag in Erfurt nicht persönlich dabei gewesen sind, dass Sie die dortige Beschlusslage anders interpretieren als ich.

      • Lieber Herr Dilger,

        leider soll es auch in der AfD vorkommen, dass in den Protokollen manchmal etwas anderes drin steht, als vor Ort beschlossen wurde.

        Gerade was den Themenbereich TTIP/CETA angeht, muss man sich schon sehr wundern, wie aus der ablehnenden Haltung des Parteitags plötzlich nach Henkelscher Lesart Zustimmung der AfD wird.

        Zu TTIP/CETA wären unsere Vorturner m.E. gut beraten, sich an die programmatischen Aussagen des EU Wahlprogramms sowie an die entsprechenden Aussagen in den Leitlinien der AfD zu halten, denn das sind die
        maßgeblichen Aussagen der Partei zu diesem Thema. Alles was Herr Henkel derzeit so von sich gibt, ist hingegen seine Einzelmeinung.

        Dass Bernd Lucke die Parteiposition zu TTIP beispielsweise auf dem bayerischen Landesparteitag in Ingolstadt (vor zwei Wochen) nur noch sehr vage vertreten hat, ist für die meisten Mitglieder äußerst unverständlich, da es nicht dem Mehrheitswillen der Mitglieder entspricht.

        Viele Kreis- und Bezirksvorsitzende werden sich daher wohl in näherer Zukunft dafür einsetzen, dass die Gültigkeit der von den Mitgliedern erarbeiteten Grundsätze bekräftigt wird und die sich daraus zwangsläufig ergebende ablehnende Position zu TTIP/CETA auch aus Sicht ihrer Gliederung erklärt wird.

        Derartige Grundsatzpositionen können doch nicht nach Gutdünken von einzelnen Mitgliedern der Parteispitze neu ausgelegt werden!

      • In den Leitlinien steht überhaupt nichts zu TTIP. Im Europawahlprogramm wird nur abgelehnt, dass die Verhandlungen geheim stattfinden, nicht TTIP selbst. Von CETA ist in beiden Dokumenten überhaupt keine Rede. Wo weichen die Herren Henkel und Lucke von dieser Beschlusslage ab? Trifft das nicht eher auf ihre Kritiker einschließlich Ihnen zu?

      • Das allgemeine Stimmungsbild in der AfD gibt keine Zustimmung zu TTIP und CETA her. Das kann man doch nicht einfach ignorieren. Egal wie man selbst zu TTIP und CETA steht.

        Leider sind gerade die „Leitlinien“ ein Paradebeispiel dafür, dass auf dem Parteitag gefasste Beschlüsse redaktionell nicht richtig wiedergegeben werden. Ob absichtlich oder unabsichtlich, das kann dahin gestellt bleiben. Honi soit qui mal y pense …

      • Ein Stimmungsbild ist aber nicht die Beschlusslage. Es gibt keinen AfD-Beschluss grundsätzlich gegen TTIP oder gar CETA, sondern nur gegen Geheimverhandlungen. Folglich ignoriert nicht der Bundesvorstand, der im Übrigen selbst Beschlüsse fassen kann, Parteitagsbeschlüsse, sondern seine Kritiker tun dies.

      • Lieber Herr Dilger,

        oberstes Parteiorgan ist der Parteitag und nicht der Bundesvorstand.

        Welche Beschlüsse der Bundesvorstand auch immer fassen mag und wie auch immer diese zustande kommen – er kann sich nicht dauerhaft über den Willen der Mitglieder hinwegsetzen.

        Das Chaos ist so schon groß genug. Sehen Sie sich nur den heutigen Leitartikel der Onlineausgabe DIE WELT Kompakt an: http://www.welt.de/print/welt_kompakt/debatte/article133917911/Die-Unerzogenen.html

        Ich frage mich: Ist die öffentliche Zurschaustellung des Richtungsstreits unserer Bundesvorstände Hans-Olaf Henkel und Alexander Gauland nur eine geschickte Inszenierung um die höchstmögliche Aufmerksamkeit der Medien möglichst lange auf die AfD zu ziehen (so etwas erhöht immerhin die Bekanntheit und hält die Partei im Gedächtnis der Menschen) oder ist die Parteispitze jetzt schon weitgehend genauso verroht wie manche Extremisten an der Parteibasis?

        Wäre es nicht endlich an der Zeit, einen reinen Programmparteitag abzuhalten, um Klarheit darüber zu erhalten, welche politischen Positionen in der AfD wenn schon nicht Konsens, so doch wenigstens mehrheitsfähig sind und welche nicht?

        Aber all das scheint unsere Bundessprecher, allen voran Selbstüberschätzer Bernd Lucke mit seinem vermeintlichen Heiligenschein, nicht zu interessieren.

        Wenn der Bundesvorstand glaubt, weiterhin ignorieren zu können, was unter den Mitgliedern der AfD mehrheitsfähig ist und was nicht, dann versinken wir 2015 im vollkommenen Chaos.

      • Natürlich ist der Bundesparteitag ein höheres Gremium als der Bundesvorstand (noch höher sind übrigens Urabstimmungen zu gewichten). Doch wo es keine anderslautende Beschlusslage gibt, kann der Bundesvorstand oder auch jedes einzelne Vorstandsmitglied von sich aus aktiv werden. Es ist jedoch ungünstig, wenn dann Gegenteiliges massenmedial verkündet wird. Hier sollte der Bundesvorstand kurzfristig etwas beschließen und der Bundesparteitag mittelfristig.

      • Das Problem i.S. TTIP/CETA und auch i.S. Ukraine-Konflikt scheint mir zu sein, dass die Beschlüsse in Erfurt wirklich nicht sauber genug protokolliert wurden. Aus welchen Gründen auch immer. Aber das spricht ja an sich schon Bände.

        Grundsätzlich unterliegt ein Abgeordneter natürlich seinem Gewissen und ich bin alles andere als ein Freund des Fraktionszwangs. Aber wenn ein Abgeordneter eine andere Meinung vertritt, als die Mehrheit der Parteimitglieder, dann muss er diese abweichende Meinung auch als seine persönliche Meinung kenntlich machen und darf nicht für sich in Anspruch nehmen, dass seine Position die einzig wahre sei (wie es Herr Henkel gerade tut) und Andersdenkende „Unvernünftige, Unanständige und Intolerante“.

        Das öffentliche Theater zwischen Herrn Henkel und Herrn Gauland will ich gar nicht mehr kommentieren. Das finde ich nur noch zum Fremdschämen. Wie den AfD-Goldhandel übrigens auch (siehe auch http://pedblog.institut-fuer-politische-bildung.de/?p=272 ).

  6. Mir stellt sich die Frage, warum sich die Herren von der Patriotischen Front eigentlich nicht bei den Reps, ProNRW oder der NPD aufgehoben fühlen?

  7. Pingback: Drei Gedanken zur Reformation | Alexander Dilger

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