Große Koalition für Juncker-Kommission

Das „Europaparlament bestätigt Junckers EU-Kommission“, wie nicht anders zu erwarten war. Die Anhörungen der von ihm vorgeschlagenen Kommissare (siehe ‚Juncker stellt geplante EU-Kommission vor‘) hatte zuvor zu nur einer Änderung (der slowenischen Kandidatin) geführt. Die AfD hat geschlossen gegen diese Kommission gestimmt (siehe „Warum wir gegen die Juncker-Kommission gestimmt haben“ im Blog von Bernd Lucke), aber nicht nur sie. Die Zustimmung lag „nur“ noch bei 60,5 % (423 von 699 abgegebenen Stimmen), insbesondere durch die größten Fraktionen EVP (mit CDU/CSU) und S&D (mit SPD), während 29,9 % (209) gegen die Kommission stimmten und 9,6 % (67) sich enthielten. Die letzte Kommission hatte Anfang 2010 noch 70 % der Stimmen (488 von 697) erhalten bei 19,7 % Gegenstimmen (137) und 10,3 % Enthaltungen (72). Doch auch die Kommissionsarbeit wird vermutlich leider noch schlechter werden unter Jean-Claude Juncker im Vergleich zu José Manuel Barroso.

31 Gedanken zu „Große Koalition für Juncker-Kommission

  1. Folgender Artikel über das Abstimmungsverhalten der ECR dürfte interessant sein:

    http://www.heise.de/tp/artikel/43/43134/1.html

    Europaparlament winkt neue Kommission durch
    Peter Mühlbauer 23.10.2014
    AfD-Fraktion ECR geteilter Meinung
    Gestern stimmte das Europaparlament mit 423 zu 209 Stimmen und 67 Enthaltungen für Jean-Claude Junckers Quasi-Kabinett. Die Ja-Stimmen kamen vor allem aus den Reihen der Christ- und Sozialdemokraten sowie der Liberalen. Die neue Kommission setzt sich fast ausschließlich aus Politikern dieser Fraktionen zusammen, die gemeinsam über 478 Mandate verfügen.

    Die von den britischen Tories geführte und 71 Abgeordnete starke Fraktion der Konservativen und Reformer (ECR) enthielt sich überwiegend. 12 ECR-Abgeordnete – vor allem Tories – stimmten dafür und 20 dagegen – darunter auch die sieben deutschen AfD-Abgeordneten. Der ECR-Vorsitzende Syed Kamall meinte in einer Stellungnahme zum Abstimmungsverhalten seiner Fraktion, man werte die in zwei Hierarchieebenen gegliederte neue Struktur der Kommission als positiv und befürworte viele der Prioritäten, die Juncker setzen will, habe aber Bedenken gegen mehrere Kandidaten.

    Mit Nein stimmten unter anderem die Linksparteien, die britische UKIP, Beppe Grillos Movimento 5 Stelle, der französische Front National, die österreichische FPÖ, zahlreiche kleinere Parteien und der sächsische CDU-Politiker Hermann Winkler, der der aktuellen Russland-Politik der EU kritisch gegenübersteht. Sein Parteifreund Herbert Reul, der letzte Woche verlautbart hatte, er würde die nun als Verkehrskommissarin gewählte Esoterikerin Violeta Bulc am liebsten einweisen lassen, votierte dagegen für die neue Kommission.

    Nun müssen die alten Kommissare und deren Mitarbeiter bis zum 1. November ihre Büros an ihre Nachfolger übergeben. Die können sich dann entweder mit der Regulierung von Olivenölkännchen, Kuhfladen und Duschköpfen beschäftigen, oder die zunehmend EU-skeptischen EU-Bürger mit Vorschlägen überraschen, die man ihnen nicht zutrauen würde: Ein solcher Vorschlag wäre beispielsweise die Abschaffung der Zeitumstellung, die nicht zu weniger, sondern sogar zu mehr Energieverbrauch führt und extrem unbeliebt ist: In Bayern wird sie beispielsweise von einer Zweidrittelmehrheit abgelehnt, wie eine aktuelle Umfrage einer Krankenkasse zu dem am Sonntag erneut drohenden Ereignis ergab.

    Weiterhin unklar ist, wie der neue Kommissionspräsident Juncker das von ihm angekündigte 300 Milliarden Euro schwere Investitionsprogramm finanzieren will, ohne die Stabilität des Euro noch weiter zu verringern. Konkrete Pläne dazu arbeitet der Luxemburger angeblich gerade zusammen mit seinem Wirtschaftskommissar Jyrki Katainen aus. Bis zum Beginn der Weihnachtsferien sollen sie der Öffentlichkeit vorgestellt werden.

    Andere politische Baustellen sind der Streit mit Russland, der in vielen Ländern die Energieversorgung gefährdet, und das Freihandelsabkommen TTIP, das zu einer Hinterrücks-Privatisierung des Gesundheitswesens und anderer Bereiche führen könnte.

    Zitat Ende.

    • Auch hier der Hinweis, dass solche Langzitate wie auch reine Verlinkungen bei diesem Blog unerwünscht sind. Bitte schreiben Sie beim nächsten Mal in eigenen Worten, was Sie für wichtig halten (das Abstimmungsverhalten der Tories?), um es dann ggf. mit einem Link zu belegen. Sie können sich daran orientieren, wie meine Blogbeiträge aufgebaut sind.

  2. Herr Juncker ist, nüchtern betrachtet, der ideale Mann für den Job. Nicht nur weil er ihn als Ergebnis einer Schwindelwahl hat – in der Woche nach der Wahl wussten 90% der EU-Bürger nicht wer das ist, 80% hatten keinen Schimmer dass sie die Ämterverteilung beeinflussen (Umfrage von Open Europe). Wer könnte ein besserer Kapitän für die Titanic sein als ein bekennender Lügner, der zu tief ins Glas guckt? Auch das ideale Gesicht ist er für die EU, buchstäblich. Schauen wir uns diese Miene an: leicht melancholisch, die Augen immer etwas zusammengekniffen und glasig-weggetreten, vor der Zeit gealtert und zerknittert – ein, Pardon, Polit-Fossil, perfekt geeignet für ein Polit-Museum aus dem letzten Jahrhundert, eingewickelt in ein Leichentuch aus Pessimismus und Vergangenheit. „Mr. Euro“, ließ er sich nennen. Das ist ein Synonym für „Mr. Failure“ oder „Mr. Unemployment“. Da sieht man, was für Ansprüche er an sich selbst hat.

  3. Es ist schon ein Kreuz mit den Rechtspopulisten, Nationalkonservativen, libertäre Volksesoteriker (suchen Sie Sich einen Begriff aus) in Europa. Hätte die (auch von mir kritisierte) EU-Kommissson eine satte Mehrheit bekommen dann hätten Sie vermutlich von postsowjetischen Zuständen gesprochen (Blockparteien). Ist die Mehrheit knapp dann fehlt halt der Rückhalt Europas („das ist ja noch weniger als letztes mal“). Der Hinweis dass die AfD „geschlossen“ (7 Sitze) gegen die EU-Kommissson gestimmt hat, ist ja geradezu eine Sensation. Wow.

    Ich zähle Sie ausdrücklich nicht zu den Rechtspopulisten. Nur, wie man sieht, sind Sie relativ isoliert. Den Takt geben andere in Ihrer Partei vor. Oder wo genau liegen die Überschneidungen zwischen Ihnen und Frau Storch oder Herrn Pretzell noch mal? Ja, schon klar, der böse Euro. Und weiter? Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen dass Sie diesen ganzen nationalistischen und rückständigen Stumpfsinn ihrer Parteikameraden mittragen oder heiligt der Zweck (Hauptsache gegen den Euro) wirklich jedes Mittel?

    • Haben Sie den verlinkten Artikel gelesen? Es hat doch nicht nur die AfD gegen diese Kommission gestimmt, sondern auch Linke, Grüne, FDP, so dass tatsächlich aus Deutschland nur noch die Große Koalition (und vielleicht Einzelabgeordnete) dafür war. 60 % sind auch gar nicht so wenig, aber für eine Große Koalition eben auch kein Ruhmesblatt.

      Was die AfD angeht, so haben die von Ihnen kritisierten Positionen keine Mehrheit. Warum sollte ich dann gehen und es erleichtern, dass sie eine Mehrheit finden? Sollte das irgendwann passieren, sehen wir weiter.

      • Herr Dilger, auch ich hätte gegen diese Kommission gestimmt. Den SZ-Artikel kannte ich übrigens schon. Mir geht es um die Interpretationsfähigkeit Ihrer Parteikameraden, die immer das gleiche Muster aufweist (entweder sind es „Blockparteien“ oder der fehlende „Rückhalt“, je nach Ergebnis). Wie auch immer. Ob die Kommissionsarbeit schlechter unter Jean-Claude Juncker wird, werden wir sehen. Ich traue ihm, sicher aus anderen Gründen als Sie, ebenfalls kaum zu die richtigen Entscheidungen für Europa zu treffen. Es wird leider mutlos weitergewurschtelt. 

      • Man darf die AfD nicht an Frau Storch und Herrn Pretzell messen: Es sind in der AfD auch genügend Transatlantiker und TTIP-Befürworter an vorderster Front (Henkel, Lucke, Starbatty, Kölmel?).

        Leider fühle auch ich mich weder durch braune Patrioten noch durch willfährige US-Vasallen nach CDU/CSU/FDP-Muster angemessen vertreten. Dass Erstere in der AfD mehrheitsfähig sind, bezweifle ich nach wie vor. Aber Herr Dilger hat mit seiner Aussage „Warum sollte ich dann gehen und es erleichtern, dass sie eine Mehrheit finden?“ auch so Recht – durch Parteiaustritt erleichtert man nämlich letzterem Personenkreis nur, aus der AfD endgültig eine CDU 2.0 bzw. einen wachsweichen neuen Mehrheitsbeschaffer für die Unionsparteien zu machen. Dafür bin ich der AfD nicht beigetreten.

      • @MM

        Wenn man andere als „willfährige US-Vasallen“ bezeichnet begibt man sich, zumindest sprachlich, selbst in die Nähe der braunen Patrioten.

      • @Meister 10.31 Uhr: Wenn Patrioten „braun“ wären (um Ihre unsägliche Wortwahl zu verwenden), dann wären dies auch der Großteil aller US-Amerikaner und Griechen, beispielsweise. Die Ersteren halten sich sogar für „Greatest Nation on Earth“, während Letztere auch noch nach 2500 Jahren davon ausgehen, dass Ihnen die Welt etwas schuldig ist, weil es mal vor 100 Generationen Platon und Co. gab. Herr Meister, gemessen an Ihren Maßstäben müsste Ihnen der US-Nationalismus gerade zu unerträglich sein. Im Vergleich zu vielen US-Republikanern ist die Nationalkonservativen in der AfD geradezu Linke.

        Herr Meister, was ich dagegen verstehen kann, ist, dass Sie Probleme mit willfährigen US-Vasallen (siehe auch TTIP und Transantlantismus) haben.

      • @Hummel: Sie irren in Ihrer Voreingenommenheit. Der von Herrn Meister hier eingeführte Begriff „willfährige US-Vasallen” wird durch sehr unterschiedliche Leute gebraucht, die aus einem weiten politischen Spektrum kommen, das von ganz links (dort sind die meisten Nutzer zu finden) bis ganz rechts reicht und auch Bürgerrechtsgruppen (siehe TTIP) umfasst. Natürlich, die Profiteure der Vasallenschaft nutzen diese Begriff nicht.

      • Antiamerikanisimus ist nicht das Einzige, wo sich ganz Linke und ganz Rechte einig oder zumindest sehr ähnlich sind. Dagegen ist die breite Mitte der Gesellschaft proamerikanisch und profitiert durchaus von den USA. Unter Freunden kann man auch Kritik üben, aber stets freundschaftlich und nicht total sowie verletzend. So würde man sich das auch unter Parteifreunden wünschen, doch leider gilt zu oft die Steigerung Feind, Erzfeind, Parteifreund.

      • @Alex Hummel, Chufu

        Nur um das klarzustellen:
        Ich bin weder rechts noch links und schon gar nicht braun. Braune sind übrigens von ihrem gesellschaftlichen Verständnis oft sehr, sehr links, wenn auch nicht so international ausgerichtet wie Linke.

        Dass wir wohl so einige braune „Kameraden“ in der AfD haben, ist leider nicht von der Hand zu weisen. Damit will ich aber z.B. nicht per se alle Positionen der „Patriotischen Plattform“ in Frage stellen. In Sachen TTIP und Demokratieverständnis fühle ich mich den von dieser Gruppierung artikulierten Standpunkte zum Beispiel viel näher als dem, was die Transatlantiker in der AfD gerade vorleben.

        Unterm Strich würde ich mir wünschen, dass sich die AfD endlich auf Inhalte konzentriert, die tatsächlich den Großteil der Mitglieder einen und nicht alle möglichen Gruppierungen ihre individuellen Standpunkte als „Parteimeinung“ ausgeben, obwohl es sich nur um ihre persönliche Meinung innerhalb der Partei handelt. Leider leben das aber selbst unsere höchsten Repräsentanten nicht gerade vor.

    • Sehr geehrter Herr Papapostolou,

      mit Ihrer unverschämten Art und Ihren Beleidigungen gehen Sie mir gehörig auf den Keks.

      Sie müssen die Meinungen von Vertretern der AfD nicht teilen.
      Aber z.B. Frau von Storch „nationalistischen und rückständigen Stumpfsinn“ zu unterstellen ist nicht unterstes Niveau, sondern gar keins.

      Halten Sie sich einfach an die CDU.
      Da zählt nur und ausschließlich eine Meinung, die von AM.
      Wer es dort wagt nur auch mal Nachzudenken oder zu Diskutieren – von einer anderen zu vertretenden Meinung spreche ich noch nicht mal – wird degradiert oder gleich ganz entsorgt.

    • Was genau verstehen Sie unter „rückständigem Stumpfsinn“? Patriotismus (nicht zu verwechseln mit Chauvinismus), kulturelle Indentifikation? Die Verteidigung des Wohles von Kindern (http://www.univie.ac.at/bildungswissenschaft/papaed/forschung/x1_FWF_Eingewoehnungsphase_in_KinderKrippe.htm) ? vor dem Hintergrund der Annahme, dass Menschenmütter und Menschenkinder keine von der Entwicklungsgeschichte abgeschnürten Wesen sind?
      Ist Ihrer Meinung nach nur gut, was der heutige Zeitgeist hervorbringt? Der Zeit-„Geist“ ist ein menschliches Produkt – ohne Qualitätsgarantie.

      • Wenn Frau Storch Homosexualität für eine Krankheit hält dann entspricht das einem rückständigen Weltbild (Mittelalter vermutlich). Wenn Sie behauptet dass homogene Völker durch Migration ausgelöscht werden dann ist ist das stumpfsinniger Rassismus. Es tut mir leid dass ich dafür keine passenderen Attribute gefunden habe. Im übrigen geht es hier nicht um Zeitgeist sondern um gesellschaftlichen Fortschritt. Ohne diesen würden Kinder heute noch arbeiten (vor 100 Jahren war Kinderarbeit ganz normal in Deutschland), Homosexuelle in Gefängnissen sitzen und Dunkelhäutige wären weiterhin Sklaven.

      • So lange ist es noch gar nicht her, dass Homosexualität als Krankheit gesehen wurde und/oder gesellschaftlich geächtet war sowie (partiell) strafrechtlich verfolgt wurde. Dagegen ist Kinderarbeit in Deutschland schon seit über 100 Jahren verboten (außer in bestimmten Familienbetrieben). Echte Sklaverei im Gegensatz zu Leibeigenschaft hat es in Deutschland gar nicht gegeben. Schließlich führt umfangreiche Migration ohne Integration zu großen Problemen. Das hat gar nichts mit Rassen, sondern mit kulturellen Differenzen zu tun. In gewissem Umfang können diese belebend sein, doch wenn sie zu groß sind, kommt es zu Spannungen.

      • @ A. Papapostolou 17:15 Uhr:

        Sicherlich gab es auf einigen Gebieten in den letzten 200-300 Jahren, auch oder sogar hauptsächlich durch die enorme technische Entwicklung der Produktivkräfte, die erst die „Befreiung“ ganzer Bevölkerungsgruppen ermöglichte, wichtige Verbesserungen für die Menschen. Sie nannten einige Beispiele. Mittlerweile müssen wir aber aufpassen, dass der Bogen durch infolge der hohen Produktionsproduktivität frei gewordenen, anderweitig nicht mehr für sinnvolle Aufgaben einsetzbaren „Intelligenzler“ (Politologen, Soziologen und andere Gesellschafts-Ingenieure Ihres Schlages) durch ein Zuviel an „gesellschaftlichen Verbesserungen“ nicht überspannt wird.

        Denn ich sehe die Gefahr, dass wir durch Menschenverbesserer, Sozialisten oder wie immer man diese Leute nennen mag, kurz Ihre Freunde, in nicht allzu ferner Zukunft bei gesellschaftlichen Zuständen landen werden, wie sie die Romane und gleichnamigen Filme „1984“ (George Orwell) und „Schöne neue Welt“ (Aldous Huxley) so eindrücklich beschreiben. Das zu verhindern, ist auch unser Ziel. Die Sicherung der Existenz des vom EU-Einheitsgroßreich bedrohten Nationalstaates ist für mich dabei ein Baustein für die Wahrung von persönlicher Freiheit und kultureller Indentität.

  4. Wie eben angemerkt wurde, muss das thema „Sommerzeit“ dann auch mal zum Thema gemacht werden. Da muss erst mal die Frage geklärt werden, ob die EU dafür zuständig ist, oder die einzelnen Mitgliedsstaaten. Hierüber streiten sich die Geister. Der zuständige Kommissar lehnt die Verantwortung ab. Ich glaube aber schon, dass die EU einen Vorschlag zur Zeitumstellung machen könnte, wenn sie denn wollte. Bei uns in Deutschland lehnt eine große Mehrheit die Zeitumstellung ab, das würde für uns bedeuten, dass der Tag nicht schon um 16:00 beendet wäre. Hier würde sich für die AfD ein hohes zusätzliches Wählerpotential ergeben.

      • Wie auch immer, eine Variante ist auszuwählen und beizubehalten. Keine Umstellung mehr.

      • Na das ist doch klar, wie ich es gemeint habe. Wenn ich schreibe, dass der Tag noch nicht um 16:00 beendet sein sollte, dann bin ich für die ewige Sommerzeit. Die ewige Winterzeit hatten wir im letzten Jahrtausend bis zum letzten Jahrhundert. Ich kann mich noch gut erinnern, wie freudig erregt man war, das bis 23:00 endlich noch die Sonne schien. Ja, es stimmt, wir hatten das Thema ja schon. Wir sollten es aber in unserer Parteiprogramm schreiben.

      • Dazu hier noch eine nette Umfrage: 71 % der Deutschen sind gegen die Zeitumstellung. Knapp 60 % wollen die ewige Sommerzeit. Die Begründung für die angeblich gesündere Winterzeit halte ich auch für ein Gerücht: Was habe ich von der Helligkeit morgens im Sommer, wenn ich schlafe? Im Winter ist es hingegen ohnehin morgens dunkel, wenn ich aufstehe.

    • Ich bin mir nicht so sicher, dass tatsächlich 60% die ewige Sommerzeit wählen würden, sondern glaube, dass vielen Befragte einer Verwechslung aufsitzen. Die Normalzeit entspricht dem biologischen Rhythmus eher als die Sommerzeit (jedenfalls auf unseren Längengraden).

      Grundsätzlich stellen sich aus meiner Sicht zwei Fragen:
      1.) Für welche Zeitzone entscheiden wir uns im Falle der Abschaffung der Zeitumstellung? MEZ oder MESZ? Nicht für Jeden beginnt der Arbeitstag erst um 9:00 Uhr oder noch später – denken Sie alleine an die mehr als 11 Millionen Schulkinder in Deutschland!
      2.) Muss wirklich ganz Mittel- und Westeuropa zu einer Zeitzone zusammengefasst sein?
      Berlin liegt mit 13º24′ Ost exakt 54 Minuten östlich der GMT, da geht die der GMT um eine Stunde vorauseilende MEZ natürlich in Ordnung. La Coruña in Spanien liegt mit 8º24′ West etwa 34 Minuten westlich der GMT und hinkt Berlin geographisch gesehen gute 1,5 Stunden hinterher. Das lässt sich m.E. nicht mehr wirklich sinnvoll in dieselbe Zeitzone fassen. Spanien wäre mit der GMT sicher besser bedient als mit der MEZ oder gar mit der MESZ. Frankreich und Großbritannien ebenso.

  5. @A.Papapostolou: Ich kann gut nachvollziehen, wenn sich jemand nicht auf Frau v.Storch einlassen möchte. Aber man sollte bei der Wahrheit bleiben – oder ist mir etwas entgangen? Ich finde jedenfalls nirgendwo einen Beleg, dass Frau v.St. gesagt hat, Homosexualität sei eine Krankheit. Dass sie die traditionelle Familie schützen und mit Privilegien versehen will, ist klar und dafür gibt es gute Gründe, die trotz Zeitgeist, Fortschritt oder wie immer Sie es nennen wollen, ihre Berechtigung haben. Zweitens finde ich nichts von „homogenen“ Völkern.(Welches europäische Volk soll denn homogen sein?) Frau v.St. richtet sich meinem Informationsstand zufolge gegen die Einflüsse des bäuerlich-traditionell gelebten und des politischen Islam, der – man kann es drehen, wie man will – mit unserer demokratischen Rechtsordnung nur bedingt bzw. gar nicht vereinbar ist.
    Weiterhin verstehe ich sie so, dass sie die Kinderarmut und Kinderfeindlichkeit der Deutschen beklagt und auch deshalb Familien stützen möchte.
    Gut, man muss nicht zu ihren Fans gehören, aber was Sie schreiben, ist erstens übertrieben, zweitens inhaltlich verzerrt und drittens intolerant.

    Eine ganz andere Frage ist, inwieweit sich die Parteibasis der AfD mit den Ansichten von Frau v.Storch indentifiziert: Ist es eine Minderheit, der man aber mindestens die Daseinsberechtigung zusprechen möchte, wie sie Minderheiten auch in anderen Parteien genießen? Oder ist der Rückhalt viel größer? Die AfD hat verschiedene Strömungen. Eine eher wird durch Frau v. St. repräsentiert. Ich persönlich nehme sie allerdings kaum wahr.

  6. @Chufu: Mit „Brave new world“ haben Sie ein Stichwort gegeben, über das man inzwischen bezogen auf viele gesellschaftliche Prozesse reden kann. Das „Soma“ wirkt.

      • Lieber Herr Meister, das ist richtig von Ihnen erkannt (auch wenn Sie teilweise immer noch falsche Schlussfolgerungen daraus ziehen). Es ist unglaublich wie schnell das vor sich geht. Wie verschiedenen war das Leben in den 80- und 90-ziger Jahren zu dem von heute!

        Andere Mittel, den von Ihnen geschilderten Zustand zu erreichen, sind die politisch gewollte, ungebremste Zuwanderung und naürlich die EU als neue maßgebliche, oberste staatliche Ebene. Übrigens, ein Parteifreund, Dr. Dieter Spethmann (ehemaliger Thyssen-Chef), hat dazu sehr interessante Texte verfasst.

        http://www.eurospethmann.de/neuetexte.htm

  7. Zum Thema Zeitumstellung bzw. der Frage, welche Zeit nach einer eventuellen Abschaffung ganzjährig gelten sollte, könnte die Entscheidung erleichtert werden, wenn man sich das Geschehen in Russland um die dort geltende Uhrzeit in den letzten Jahren einmal vor Augen führt. 2011 wurde die als lästig empfundene zweimalige Umstelllung durch den damaligen Präsidenten Medwedjew abgeschafft und durch ganzjährig geltende Sommerzeit ersetzt, wobei gleichzeitig die Zahl der Zeitzonen in Russland von elf auf neun reduziert wurde. Die Folgen waren desaströs: Es kam nicht nur zu vermehrten Klagen der Bürger über Schlafprobleme und dadurch verursachte ständige Mattigkeit und Unkonzentriertheit, sondern darüber hinaus zu einem sprunghaften Anstieg von Depressionen bis hin zu Selbstmordfällen. Die Konsequenz daraus hat die Duma bzw. Präsident Putin in diesem Jahr gezogen: Die ganzjährige Sommerzeit wurde per Gesetz wieder zurückgenommen und durch das ganze Jahr über währende Normalzeit (sog. „Winterzeit“) ersetzt. Auch wurde die Zahl der Zeitzonen wieder auf elf erhöht. Am 26. Oktober dieses Jahres wurde dann gemeinsam mit den EU-Ländern die Uhr einmalig zurückgestellt. Im Gegensatz zur bisherigen EU-Regelung wird sie jedoch am letzten März-Wochenende im kommenden Jahr dort nicht mehr vorgestellt werden.
    Mag man über Russland denken, wie immer man möchte, und ich betone, dass ich alles andere als ein Freund derzeitiger russischer Politik im Allgemeinen bin. Doch wo das Land Recht hat, hat es Recht: Es hat aus seinem Debakel gelernt und den Nutzen daraus gezogen. Verbleibt nur zu hoffen, dass man dieser konstruktiven letzten Maßnahme Russlands auch in der EU bald folgen wird und dass eine unüberlegte und eventuell mit „heißer Nadel gestrickte“ Einführung ganzjähriger Sommerzeit, etwa wegen vermeintlich „längerer Helligkeit am Abend“, vom Tisch ist. Denn es wäre doch geradezu hirnrissig,
    einen Fehler, den Russland soeben korrigiert hat, bei uns nunmehr überhaupt erst zu begehen! (Wer sich näher für das Thema interessiert, möge sich einmal das Ende September im Hanser Verlag München neu erschienene Buch „Wake up! – Aufbruch in eine ausgeschlafene Gesellschaft“ des Wissenschaftsjournalisten und Neurobiologen Peter Spork vornehmen.)

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