Kruse kommt und Kölmel bleibt

Beim Landesparteitag der AfD Hamburg ist mein Kollege, Herr Professor Jörn Kruse, Sprecher des Landesverbandes, zum Spitzenkandidaten für die Bürgerschaftswahl am 15. Februar 2015 gewählt worden (siehe „AfD zieht mit Spitzenkandidat Kruse in den Wahlkampf“). Meinen herzlichen Glückwunsch! Außerdem wünsche ich viel Erfolg bei der öffentlichen Wahl nächstes Jahr.

Beim Landesparteitag der AfD Baden-Württemberg stellten alle Vorstandsmitglieder einzeln die Vertrauensfrage. Landessprecher Bernd Kölmel, der auch Abgeordneter im Europaparlament ist, sprachen 60 % der Delegierten das Vertrauen aus, womit er im Amt bleibt (siehe „Kommen und Gehen bei der AfD“). Meinen Glückwunsch auch dazu!

Diese Möglichkeit, dass jeder einzeln die Vertrauensfrage stellt, hatte ich nicht gesehen und vermutlich gab es sie auch gar nicht in NRW, als ich vor knapp einem Jahr meinen Rücktritt als Landessprecher erklärte. Zumindest zwei Stellvertreter zeigten bis zuletzt keinerlei Kompromissbereitschaft und ließen sich lieber hart abwählen. Umgekehrt wollte Jörg Burger, dessen Rücktritt als Schatzmeister überhaupt erst den Landesvorstand richtig lahmgelegt hatte, dann unbedingt Sprecher werden, nur um wenig später erneut hinzuschmeißen. Doch die anderen Landesverbände geben Hoffnung, dass es auch in NRW wieder besser werden kann. Immerhin wollen wir 2017 gleich zwei Wahlen gewinnen.

15 Gedanken zu „Kruse kommt und Kölmel bleibt

  1. Braune Soße in Hamburg oder wie sind die Schill-Leute einzuschätzen? Und Prof. Kruse? Habe noch wenig von ihm gehört.

    • Persönlich kenne ich Herrn Nockemann nicht, doch er war immerhin schon einmal Senator. Die Schill-Partei war vielleicht komisch, aber keine „braune Soße“.

      P. S.: Herrn Kollegen Kruse kannte ich schon vor der AfD. Er ist sehr sympathisch und über jeden Zweifel erhaben.

    • Herr Professor Kruse ist ein wirklich sehr sympathischer und überaus besonnen wirkender Parteifreund.

      Dass in seinem Kielwasser jedoch überwiegend abgehalfterte Mitglieder aus Altparteien und dubiosen Randparteien antreten, finde ich kein gutes Signal.

      • Herr Kollege Kruse teilte mir mit, dass man natürlich immer Kompromisse machen müsse, er aber mit der Hamburger Liste überaus zufrieden sei. Vielleicht ist ihm in Hamburg beispielhaft gelungen, was ich in NRW vergeblich versuchte und was auch sonst meist noch nicht gut läuft, nämlich ein Einbinden aller Kräfte, um gemeinsam erfolgreich zu sein. Wäre z. B. Herr Renner mit seiner Position als Nr. 2 in NRW zufrieden gewesen, dann hätte er diese Position noch immer. So bewahrheitete sich das Sprichwort, wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte, der jedoch seinerseits nur auf Streit aus ist.

  2. In Hamburg sind wohl hinter Kruse einige Ex-Schill-Politiker gewählt worden.

    http://www.mopo.de/politik/alte-bekannte-in-der-afd-hamburg-das-comeback-der-schill-kumpel,5067150,28641396.html
    http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/hamburg-fruehere-mitglieder-der-schill-partei-auf-afd-liste-13190471.html
    Der umstrittene Eckleben hingegen ist gescheitert.

    Ob Kölmel eine gute Wahl ist, kann man auch anders sehen, angesichts der Häufung an missglückten Parteitagen, die er zu verantworten hat. haha

    Gegen den hessischen AFD Landesvorsitzenden gibt es wohl Rücktrittsforderungen,
    der hat Wohl Gelder der Linken-Stiftung erhalten oder wird von denen bezahlt.
    Wie schätzen Sie das ein?

    „Ich habe das Geld gebraucht”
    http://www.blu-news.org/2014/09/24/ich-habe-das-geld-gebraucht/

    Landessprecher Dr. Nickel muss gehen!
    http://www.blu-news.org/2014/09/30/landessprecher-dr-nickel-muss-gehen/

    http://de.pluspedia.org/wiki/Gunther_Nickel

    • Herr Kölmel wurde gestern nicht gewählt, sondern ihm wurde von der Mehrheit das Vertrauen ausgesprochen, so dass er bis zum regulären Ende seiner Amtszeit im Amt bleibt. Das bedeutet auch, dass mögliche bisherige Fehler politisch nicht mehr relevant sind, sondern sich der Landesverband auf die Zukunft konzentrieren will. Immerhin gibt es 2016 eine Landtagswahl im Ländle.

      Herr Kollege Nickel hat als Wissenschaftler Drittmittel von der Rosa-Luxemburg-Stiftung beantragt und erhalten, womit eine Mitarbeiterin bezahlt wurde. Das war vor der AfD und ist nicht ehrenrührig.

      • Interessanter Vorgang. Die Beschreibung auf blue-news macht in ihrer eher schlichten Polemik neugierig. Gunther Nickel schreibt also an einem Buch über Peter Hacks! Der wiederum war nun aber keinesfalls ein tumber Betonkopf von stalinschem Format. Zugegeben, er wurde von der roten Nomenklatura offiziell hoch geehrt – das ist richtig. Man muss aber dazusagen, dass er auch von den Gegenern das Systems als hochwidersprüchlicher, streitbarer Intellektueller durchaus geachtet war. Sein Weltbild war eine faszinierende (für mich immer noch in weiten Teilen unverständliche) Mischung aus klassischem bürgerlichem Humanismus und marxistischer Ideologie. So wusste man nie, ob die Herrschenden ihn umarmen, oder ob er mit ihnen im Clinch liegt. Das letzteres häufig der Fall war, ist verbürgt. Er hat sich für maßgebliche Größen, wie Heiner Müller oder Christoph Hein eingesetzt, hat so manchem Bonzen völlig ungehemmt die Leviten gelesen (von denen einige aber seine geschliffene und pointierte Sprache erst gar nicht verstanden haben) und blieb dem offensichtlich repressiven System bei aller Klarheit im Kopf eben doch bis zuletzt trotzig verbunden. Wenn es sich nicht lohnt, über einen derart unorthodoxen Linken ein Buch zu schreiben – über wen den bitte sonst? Über den Brecht gibt es Literatur bis zum Abwinken und immer liest man nur unterwürfige Huldigungen. An Hacks und seiner Widersprüchlichkeit kann sich ein kluger Kopf hingegen abarbeiten. Ich finde es daher geradezu köstlich, dass sich ein AfD-Landesvorsitzender ausgerechnet auf Hacks kapriziert. Kann doch nur helfen, wo unsere Gegner verbissen versuchen, uns in stereotype Schubladen zu stecken. In der Politik wird ja gern schwarz-weiss gemalt, in der Literatur darf die Welt komplizierter sein. In den 90ern, hatte ich mal die Gelegenheit, Reiner Kunze zu fragen, wie er sich die Unterstützung der PDS durch Stephan Heym erkläre. Antwort von Kunze: „Ist mir auch ein Rätsel, ändert aber nichts daran, dass Heym ein großer Schriftsteller ist.“

        Abgesehen davon – Biermann war auch mal Kommunist, hatte dann aber im Realexistierenden eine enorm steile Lernkurve. Das hat sicher auch damit zu tun, dass der sich nicht – wie Hacks – als Faust in seiner Studierstube einschloss.

        Was vom Skandale übrigblieb? Dr. Nickel hat Geld von der Luxemburg-Stiftung für sein Buchprojekt über einen anerkannten deutschen Dramatiker abgezweigt. Das finde ich prima – so ist der Zaster gut verwendet und die Linken können mit dem Teil ihres Budgets keinen Unsinn mehr anstellen. An blue-news besten Dank für den Tip, sobald das Buch raus ist, werde ich es mir kaufen.

      • Ich will mir nicht anmaßen, die Interna des Nachbar-Landesverbandes Baden-Württemberg wirklich beurteilen zu können. Herr Kölmel ist in meinen Augen jedoch der typisch aalglatte Ex-CDU-Beamte in Bernd Luckes Gefolgschaft und bislang nicht gerade durch großartige politische Aussagen aufgefallen.

  3. Stimmt. Da hat Kölmel sich durchgesetzt. Kritiker aus dem Vorstand wurde das Vertrauen entzogen und er wurde gestützt. Eine Stärkung für den liberal-konservativen Flügen im Ländle und politisch ein gutes Zeichen.
    Ob Kölmel als Person ausreichend Format für einen Landes-Vorsitzenden besitzt, darüber lässt sich streiten.
    Was ist mit Prof. Zeller, Prof. Asch und Prof. Meuthen?

    Bei Nickel ist wohl das Problem, dass sein Buch erst im Dezember 2014 im ganz linken Eulenspiegel Verlag erscheint. Also er wahrscheinlich auch jede Menge Veranstaltungen in den kommenden Monaten machen muss. Teilweise wird er da auf andere Eulenspiegel Autoren wie Gysi oder Wagenknecht treffen.
    Das hat schon ein Geschmäckle oder finden Sie nicht?
    Ist es Usus, dass man als Professor Gelder von politische Stiftungen erhält?
    Wer finanziert denn Ihre Bücher oder andere Veröffentlichungen? Haben Sie auch mal Gelder bei politischen Stiftungen beantragt (außer der FDP) und gibt es da zeitliche Überschneidungen zu Ihrer AfD-Tätigkeit?

    • Herr Professor Zeller bleibt auch Landessprecher, obwohl er für den Euro ist.

      Was spricht gegen Veranstaltungen mit Herrn Gysi oder Frau Wagenknecht?

      Es ist inzwischen Usus, dass Professoren Drittmittel einwerben. Ich selbst habe allerdings noch kein Geld von einer politischen Stiftung bekommen und nur einmal als Student vergeblich ein Stipendium bei der Friedrich-Naumann-Stiftung beantragt. Wahrscheinlich war ich dort damals schon zu unbequem, obwohl es noch gar keinen Euro gab.

      • Also ich kann dass schon verstehen, dass die Mitglieder da wütend sind. Viele sind doch ziemlich konservativ

        Und wenn dann die Wahlkämpfer von der Antifa terorisiert wurden und gleichzeitig ein Landesvorstand Ende 2014 ein Buch rausbringt, was von Mitteln der Linkspartei gefördert wurde?
        Ich find das bedenklich!

        Wenn ich mir angucke, was diese Stiftung noch so alles finanziert:

        Diskussion / Vortrag
        Mit Kai Budler, Journalist für blick nach rechts, Rechter Rand, taz u.a., Erfurt
        Montag, 06.10.2014 | 19:30 Uhr bis 21:30 Uhr
        Rassismus/Neonazismus
        Rechtsruck in Deutschland? Etabliert sich die AfD nach den Landtagswahlen?
        Reihe: Neue Entwicklungen der extremen Rechten

        Freitag, 10.10.2014 19:30 Uhr bis Sonntag, 12.10.2014 18:00 Uhr
        Tagung / Konferenz
        Mit Andrea Röpke (Journalistin und Autorin), Heiko Koch (Autor, Teamer und Dozent), Oi Polloi (Anarcho-Punk aus Edinburgh), R.S.O. (Schurkenska aus Göttingen), Enraged Minority (Street-Punk aus Freiburg), Autonome Antifa 170 (Dortmund), Anarcho-​Syndikalistische Jugend Göttingen / Südniedersachsen, Bündnis Rassismus im Fokus u.v.m.
        Rassismus/Neonazismus
        Siempre Antifascista Festival 2014
        „Remembering means Fighting!“
        mit dabei:
        Kampfsportworkshop

        Diskussion / Vortrag
        Mit Andreas Kemper
        Mittwoch, 15.10.2014 | 20:00 Uhr bis 22:00 Uhr
        Europa / EU
        Rechte Euro-Rebellen
        Alternative für Deutschland?

        Tagung / Konferenz
        Samstag, 01.11.2014 | 11:00 Uhr bis 20:00 Uhr
        DGB Haus, Essen
        Gesellschaft
        Marx is Muss!
        Herbstkonferenz NRW

        Wie schon bei unserem bundesweiten Marx is‘ Muss Kongress in Berlin bietet marx21 auch in Nordrhein-Westfalen viel Raum für kontroverse Debatten und theoretische Bildung. Insgesamt werden auf unserer Herbstkonferenz sieben Workshops und Veranstaltungen zu den unterschiedlichsten Themen stattfinden.

        Der Verfassungsschutz sieht das Ziel der Arbeit in der Schaffung einer „kommunistischen Gesellschaftsordnung“ mittels einer Revolution.[1]

        Die bayerische Landesbehörde für Verfassungsschutz stuft marx21 als offen extremistische Vereinigung ein.[4] Das Bundesamt für Verfassungsschutz stuft marx21 als linksextreme Vereinigung und aktivste trotzkistische Organisation ein.[5][6] Es bezichtigt marx21 außerdem des Entrismus.[6]

        Samstag, 15.11.2014 bis Sonntag, 16.11.2014 | ganztägig
        Staat/Demokratie
        Versammlungs- und Polizeirecht
        2-tägiges Fachseminar, jeweils von 10 – 17 Uhr.
        im Zusammenhang mit praktischen Hinweisen und kleineren Übungen dargestellt werden. Dabei soll auf relevante, angrenzende Rechtsgebiete eingegangen werden; insbesondere auf das Polizeirecht NRW
        sowie das einschlägige Versammlungsstrafrecht.
        Die Fortbildung richtet sich an politisch Aktive, die in der linken, antifaschistischen Bewegung aktiv sind und soll den praktischen Umgang mit möglichst vielen rechtlichen Aspekten rund um Versammlungen auch anhand praktischer Bsp. schulen und dabei die Spielräume und Handlungsmöglichkeiten, aber auch (rechtlichen) Grenzen, aus Sicht von VersammlungsleiterInnen und –teilnehmerInnen herausarbeiten.
        Handlungsmöglichkeiten der AnmelderInnen zu Vorgesprächen bei der Versammlungsbehörde oder von LeiterInnen während Demonstrationen werden erläutert; daneben auch der Umgang mit Polizeieinsatzkräften vor, während und nach dem Demonstrationsgeschehen.

        Dienstag, 18.11.2014 | 19:30 Uhr

        Europäische Politik
        Rechte Europakritiker – eine Herausforderung für die Linke?
        Vortrag und Diskussion mit Thilo Janssen, wissenschaftlicher Mitarbeiter in der GUE/NL im europäischen Parlament.

        14. November, 17 Uhr
        Reiche Gleichheit

        Nach dem Sozialismus ist vor dem Sozialismus
        Diskussion am Vorabend der siebten Peter-Hacks-Tagung
        mit Sahra Wagenknecht, Gustav Seibt, Friedrich Dieckmann
        Gesprächsleitung: Rayk Wieland

        Was kostet die Kunst, und wer kann sie sich leisten? Kann Vergesellschaftung auch individuellen Reichtum schaffen? Und wie sollte eine Gesellschaft beschaffen sein, in der Gleichheit mehr ist als die Verteilung des Mangels?
        Ausgehend von Überlegungen des Dichters Peter Hacks wird über Kunst und die Mach- und Wünschbarkeit von Sozialismus gesprochen.

        Also da werden Veranstaltungen finanziert und gefördert, die sich offen gegen die AfD richten.
        Dann werden da auch Linksradikale im Kampfsport geschult.
        Und es werden auch Aktivitäten von Marxisten, die der Verfassungsschutz als offen extremistisch einstuft gefördert.

        Hätten Sie Herr Dilger bei dieser Stiftung Gelder beantragt?

        Ich hatte selbst im Wahlkampf mit der Antifa zu kämpfen.
        Und ein AfD Landesvorstand bringt im Dezember ein Buch raus dass von den Linksradikalen mitfinanziert wurde. Ich find das nicht ok und verstehe, wenn sich da die Parteifreunde in Hessen ärgern tun.

      • Ich kann wie Sie verstehen, „wenn sich da die Parteifreunde in Hessen ärgern tun“, aber wirklich schlimm finde ich es trotzdem nicht, wenn jemand die Steuergelder, die über die Stiftung verteilt werden, einem sinnvolleren Zweck zuführt als linksextremer Propaganda.

  4. glückwunsch an prof kruse und listenplatz 1.
    (die anderen kenne ich bisher nicht weiter)

    aber mit prof kruse hat die hamburger afd einen hervorragenden und über alle zweifel erhabenen kandidaten nominiert. überhaupt scheint mir der hamburger landesverband ein sehr gut geführter . keine chaostage wie in manch anderen verbänden und (jedenfalls ) bis jetzt nicht allzu viele schrille „freaks“ , die jeden bürgerlichen wähler abstoßen.

  5. was muss man da heute über Kruse lesen? Asprachen mit den Schill-Zöglingen? Sogar gezielt in die Partei geschleust hat man Ex-Schillianer!?

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