EZB senkt Zinsen und Standards weiter

Erst vor drei Monaten hatte die EZB den Leitzins auf 0,15 % gesenkt und sogar Strafzinsen von 0,1 % auf Einlagen der Banken bei ihr eingeführt (siehe ‚DAX über 10.000 Punkte, da EZB Strafzinsen fordert‘). Nun senkt sie die Zinsen noch weiter, den Leitzins auf 0,05 % und den Strafzins (der ja negativ ist) auf 0,2 %. Außerdem sollen jetzt auch noch Unternehmensanleihen von der EZB direkt angekauft werden (siehe „Draghi hat geliefert“).

Das ist alles sehr bedenklich. Im Grunde steckt die Eurozone in der sogenannten Liquiditätsfalle. Die Zinsen können nicht mehr wirklich gesenkt werden, doch die Wirtschaft brummt nicht. Traditionelle Geldpolitik ist damit praktisch machtlos, insbesondere wenn die andauernde Wirtschaftskrise sich wieder bzw. weiter verschärfen sollte (siehe ‚Deutsche Wirtschaft schrumpft‘). Deshalb versucht man unorthodoxe Maßnahmen wie den direkten Aufkauf von Unternehmensanleihen durch die Zentralbank, die sich damit in das Geschäft von Geschäftsbanken einmischt und auch deren Risiken übernimmt. Viel nützen wird das nicht, zumal es nur an den Symptomen kratzt, statt die Ursache anzugehen, die der Euro selbst ist.

56 Gedanken zu „EZB senkt Zinsen und Standards weiter

  1. Was halten Sie von Frank Schäfflers Vorstellung, dass das Problem eigentlich im Geldsystem zu finden ist? Dass Banken aus dem Nichts Geld schaffen können…

    • Das halte ich nicht für das eigentliche Problem, schon gar nicht in der Eurozone. Die D-Mark hat gut funktioniert, während z. B. ein goldgedeckter Euro die jetzige Krise nicht lösen, sondern verschärfen würde.

      • Die entscheidenden Sätze in Frank Schäfflers Kommentar sind diese:

        „Draghis Politik zerstört die Marktwirtschaft, weil sie die Großen laufen lässt und die Kleinen es bezahlen müssen. Bis es nur noch Große gibt, die am Tropf der EZB oder des Staates hängen. Sie versuchen dann Einfluss auf die Politik zu üben, stellen noch mehr Lobbyisten ein, um den Tropf für sie erträglich zu machen.

        Wenn das alles nicht hilft, schließen sie sich zusammen, fusionieren oder werden von Größeren gefressen. Dann haben sie es geschafft. Sie sind systemrelevant, egal wie der Staat reguliert und überwacht. Sie sind in der Lage die Regierungen und die Steuerzahler zu erpressen – nach wie vor. Dieser Interventionsspirale setzt sich immer weiter fort und zerstört nicht nur die Marktwirtschaft, sondern am Ende auch den Rechtsstaat und die Demokratie.“

  2. Diese Maßnahme ist in meinen Augen ein Indikator dafür, dass es kein unbegrenztes Wachstum gibt. Irgendwann ist jeder Markt gesättigt bzw. kollabiert jedes ausschließlich auf Wachstum ausgerichtete System.

    Wenn wir verhindern wollen, dass die „Reset“-Taste einmal mehr durch Zerstörung (totale Wirtschaftskrise oder Krieg) gedrückt wird, ist Umdenken angesagt.

    Intelligente Lösungen sind gefragt. Die Welt verändert sich nämlich nicht von selbst.

    • Der Zusammenhang mit dem Wachstum ist hier genau umgekehrt: Der Euro verhindert moderates Wirtschaftswachstum in der Eurozone, während realwirtschaftliche Grenzen des Wachstums noch längst nicht erreicht sind. Man braucht da auch keine hochintelligenten neuen Lösungen, sondern nur etwas gesunden Menschenverstand. Ohne Euro war es besser und wird es auch wieder besser sein.

      • „Die D-Mark hat gut funktioniert“

        „Der Euro verhindert moderates Wirtschaftswachstum in der Eurozone, während realwirtschaftliche Grenzen des Wachstums noch längst nicht erreicht sind. Man braucht da auch keine hochintelligenten neuen Lösungen, sondern nur etwas gesunden Menschenverstand. Ohne Euro war es besser und wird es auch wieder besser sein.“

        Damit hätten wir schon ein halbes Parteiprogramm zusammen. Wir brauchen keinen 200-seitigen „Wälzer“.

      • Natürlich ist der Euro der Hemmschuh der europäischen Wirtschaft schlechthin. Jedenfalls was den innereuropäischen Handel angeht. Aber die glücklosen Euro-Protagonisten betrachten die EU ja ohnehin längst als einen Superstaat. Das unterscheidet deren Sicht von Ihrer und meiner Sicht.

        Dass es gerade deshalb (Euro-Erhaltung auf Biegen und Brechen) nicht funktioniert, zeigen die wirkungslosen Zinssenkungen.

      • Das Interview lese ich anders. Herr Kollege Sinn hält die Niedrigstzinsen zum jetzigen Zeitpunkt nicht für gut, weil sie keinen Spielraum lassen, wenn die Wirtschaft noch einmal bzw. noch mehr einbricht. Von den Anleihekäufen hält er schließlich gar nichts.

      • Ein System als solches ist natürlich nie von Haus aus auf wirtschaftlichen Niedergang ausgerichtet. Der kommt aber ganz von selbst, wenn das System an seine Grenzen stößt. Das können die realen Grenzen des Wachstums sein oder – wie im Falle des Euro – auch der Absturz in mittelbarer Folge unrealistischer Großmannsssucht.

      • Ich habe es vielleicht etwas undeutlich formuliert. Ich teile die Auffassung von Herr Sinn und somit auch ihre Interpretation. Aber es zeigt innerhalb der aktuellen EZB Politik eine, meiner Meinung nach fragwürdige, Kontinuität und ist in diesem negativen Sinne, also bisheriger Maßnahmen, nur folgerichtig. Ebenso ist der Aufkauf von Unternehmensanleihen folgerichtig nach den Prämissen, welche Draghi der EZB auferlegt. Die eigentlichen Ursachen bleiben dennoch unberührt.

      • Vielleicht können wir uns darauf einigen, dass Herr Draghi konsequent das Falsche tut. Aber was soll er als EZB-Präsident auch anderes machen? Der Euro ist das Problem und er ist dafür jetzt verantwortlich.

  3. Zur EZB fehlen einem die Worte. Herr Weidmann und einige andere haben natürlich gegen die Zinssenkung und die Anleihekäufe gestimmt. Es ist überhaupt nicht mehr erträglich, dass uns diese Draghis und co. weiterhin auf der Nase herumtanzen. Warum lässt die Bundesregierung das zu? Es bleibt für mich das wichtigste Thema, Deutschland muss die DM wieder einführen und die Kontrolle über seine Währung zurückerhalten. Dies muss auch die AfD jeden Tag wieder neu betonen.

    • Es kommt hierbei meist zu ungünstigen Verwechslungen. Die DM ist nicht primäres Ziel der Überlegungen. Primär ist, dass unterschiedlich starke Volkswirtschaften nicht die gleiche Währung haben können, ohne bereit zu sein, sich gleichen Gesetzen und Prinzipien zu unterwerfen und ein massives Solidaritätsgefühl einzufordern. Der Austritt aus diesem Währungsverbund bzw. dessen Auflösung ist gesetztes Ziel, nicht jedoch zwangsweise wie das „danach“ gestaltet wird, zumindest vorerst.

      • Was stellen Sie sich denn nach dem Euro vor? Es gibt nur einen plausiblen Endzustand, nämlich nationale Währungen, also faktisch auch die D-Mark, wobei der Name keine Rolle spielt. Über den Weg dorthin kann man diskutieren, doch alle Alternativen dazu (z. B. ein Nordeuro) kranken grundsätzlich an denselben Problemen wie der Euro. Währung und Souveränität gehören untrennbar zusammen.

      • Ich verstehe nicht warum

        a) Unterschiedlich starke Volkswirtschaften nicht die gleiche Währung haben können
        b) Währung und Souveränität untrennbar zusammengehören.

        Zumindest die Theorie der optimalen Währungsräume – und das ist die einzige ökonomische Theorie, meines Wissens, die es zu diesem Thema gibt, sagt nichts dergleichen.

      • Es gibt nicht wirklich „die Theorie der optimalen Währungsräume“, sondern eine Reihe von Kriterien mit mehr oder weniger plausiblen Begründungen. Vielleicht sollte ich mein Kriterium der (echten) Souveränität einmal genauer ausarbeiten, da es tatsächlich in der wissenschaflichen Literatur keine so große Rolle zu spielen scheint (weil es zu trivial ist?). Die Eurozone erfüllt übrigens kaum eines der diskutierten Kriterien. Warum juckt das Eurobefürworter wie Sie gar nicht? Nobelpreisträger Robert Mundell argumentierte schließlich eher umgekehrt, dass vielleicht selbst die USA kein optimaler Währungsraum sind, sondern dafür zu groß sein könnten und nicht hinreichend intern abwerten, was jedoch z. T. durch mobile Faktoren ausgeglichen wird.

      • Hier stimme ich mal Herrn Dilger zu : Es kann kein anderes Ziel als die Rückkehr zu den nationalen Währungen geben. Und das ist nur ein und zwar der erste Schritt zur Rückgewinnung Souveränität Deutschlands. Weitere Schritte müssen folgen. Das muss Herrn Lucke sonnenklar sein, sonst muss er sich eine neue Mitgliedschaft suchen.

      • Nun, im Wikipedia als Beispiel werden die Arbeiten von Mundel und den Nachfolgern als „Theorie optimaler Währungsräume“ bezeichnet, deshalb habe ich sie auch so genannt. Immerhin hat Mundell dafür den Nobelpreis bekommen, also dürfte seine Arbeit zumindest nahe an eine Theorie rankommen.

        Aber wie dem auch sein, die Kriterien, die Sie meinen, beinhalten weder die Anfoderung, dass die Teilnehmer der Währungsunion ähnliche Wirtschaftsstärke haben noch dass sie eine politische Union eingehen.

        Gefordet wird im wesentliche Folgendes (so sehe ich das zumindest):

        1. Eine Konvergenz der konjunkturellen Zyklen, um die Wahrscheinlichkeit der asymmetrischen Schocks zu verringern.
        2. Mechanismen bzw. Institutionen, mit denen asymmetrische Schocks, wenn sie doch auftreten abgefedert werden können: wie z.B. Kapital- und Arbeitnehmermobilität sowie Fiskaltransfers.

        Wichtig: Fiskaltransfers sollen eben NICHT permanenter Natur sein, sondern nur (zumindest teilweise) die Asymmetrien im Verlauf der Konjunktur ausgleichen – vereinfacht gesagt Länder im Aufschwung sollen an die Länder in Rezession zahlen unabhängig vom jeweiligen Wohlstandsniveau.

        P.S

        Eurobefürwörter sind diejenigen die den Euro befürworten. Ich gehöre in dem Sinne nicht dazu, als ich, so wie Sie, der Meinung bin, dass die Euroeinführung unter gegebenen politischen und ökonomischen Voraussetzungen ein Fehler war. Wenn man also diese Einführung ohne Kosten rückgängig machen könnte, würde ich das befürworten. Anders als Sie jedoch bin ich der Meinung, dass diese Kosten immens sind (das haben wir ja schon mehrmals diskutiert), weshalb die Reformen, die aus dem Euro einen (annähernd) optimalen Währungsraum machen, vorzuziehen sind.

      • Der ursprüngliche Aufsatz von Robert Mundell hieß „A Theory of Optimum Currency Areas“, während es die Theorie dazu nie gegeben hat. Asymmetrische Schocks sind nur ein Problem bei einer Währungsunion, unterschiedliche Konjunkturzyklen oder auch nur verschiedene Wachstumsraten sind weitere. Gut funktionierende und integrierte Märkte würden helfen. Bei perfekten Märkten wäre eine Währungsunion irrelevant, doch bräuchte man dann eigentlich noch nicht einmal Geld. Wenn Länder nicht nur konjunkturell, sondern strukturell schwächeln, braucht man entweder dauerhafte Transfers oder harte Strukturreformen, zu denen jedoch die Möglichkeiten bei einer Währungsunion und die Anreize angesichts von Transfers sinken. Eurobefürworter sind schließlich alle, die jetzt den Euro befürworten, unabhängig von ihrer Einstellung seinerzeit bei Einführung des Euro. Ich habe mehr Verständnis für Männer wie Hans-Olaf Henkel, die aus Schaden klug wurden, als für Sie, der ex post nicht mehr für die Einführung ist, aber die Konsequenz der Fehlerkorrektur scheut.

      • Guten Tag Herr Hummel, Ihr Vorschlag der Schaffung eines optimalen Währungsraumes zur Rettung des Euros läuft m.E. auf die vollständige Zerstörung der europäischen Nationalstaaten hinaus. Gegen dieses Ziel kämpfe ich mit meiner ganzen Kraft! Übrigens, hinter der Einführung des Euros verbirgt sich letztlich dieses Ziel. Der Euro ist daher nur ein Werkzeug zur Umsetzung dieses verbrecherischen Planes, den die sogenannte europäische Elite geschmiedet hat.

      • Dass eine aufgezwungene Gemeinschaftswährung oder auch „nur“ starre Wechselkurse nicht funktionieren können, wenn die Wirtschaftskraft export- und importorientierter Staaten so unterschiedlich ist, sollte sich doch inzwischen eigentlich schon herum gesprochen haben …

      • Guten Tag Herr Chufu!

        Sie haben völlig Recht, tatsächlich habe meinen Plan zuerst den europäischen Verbrechern (auch bekannt als die Weisen von Zion) zur Abstimmung vorgelegt und sie haben mich instruiert ihn in desem Forum zu veröffentlichen.

      • Das trägt jetzt nicht wirklich zur Diskussion bei. Interessanter finde ich die Frage, ob Sie für Vereinigte Staaten von Europa sind oder meinen, dass sich die nötigen Eurorettungsmaßnahmen auch mit weitestgehend souveränen und demokratischen Nationalstaaten durchsetzen lassen.

      • Nö, das war ehrlich gesagt auch gar nicht als Diskussionsbeitrag gement – mir fehlt die Fähigkeit ernshafte Diskussionen auf dem Niveau Herrn Chufus zu führen.

        Zu ihrer Frage – wenn die Vereinigten Staaten von Europa demokratisch organisiert sind, wäre ich nicht dagegen, ich glaube jedoch, dass die Bevölkerungsmehrheiten in allen Ländern der EU dagegen sind, daher werden die Vereinigten Staaten nicht kommen.

        Ob sich die nötigen Eurorettungsmaßnahmen durchsetzen lassen weiß ich leider genauso wenig wie alle anderen, denn das ist eine politische Frage, ich glaube nur, dass diese Maßnamen technisch gesehen keine politische Union erfordern und auch keine permanenten Transfers, die in Deutschland so gefürchtet sind. Was ich aber weiß ist, dass der größte Widerstand aus Deutschland kommt (kein Wunder aufgrund der Tatsache, dass Deutschland zumindest in eigener Wahrnehmung der alleinige Kostenträger ist) somit wäre es vor allem eine Frage der deutschen Innenpolitik. In diesem Sinne wäre die beste Eurorettungsmaßnahme vermutlich der alleinige Austritt Deutschlands, als (Wahl)Deutscher würde ich mir das aber nicht wünschen, denn in diesem Fall würde Deutschland auch die vokswirtschaftlichen Kosten alleine schultern, und diese wären, wie wir ja mehrfach diskutiert haben, beträchtlich.

      • Haben Sie schon einmal daran gedacht, dass der europäische Einigungsprozess und die Eurorettungsmaßnahmen immer weiter vorangetrieben werden, obwohl in den meisten Ländern die Mehrheit inzwischen dagegen ist? Deshalb werden die Menschen auch nicht gefragt, schon gar nicht zu konkreten Maßnahmen, sondern höchstens ganz allgemein, ob sie z. B. ihrer Regierung vertrauen, die sich als Garant gegen Brüssel aufspielt, zugleich dort aber die relevanten Entscheidungen trifft? Bereits heute sind die Europäische Union und mehr noch die Eurozone in wesentlicher Hinsicht nicht mehr demokratisch. Es könnten also durchaus Vereinigte Staaten von Europa kommen, nur nicht offen auf demokratischem Wege, wie auch sie selbst intransparent und undemokratisch wären.

        Wie sollen denn europaweite Eurorettungsmaßnahmen durchgeführt werden, wenn sie nicht europaweit politisch getragen werden? Das setzt jedoch faktisch eine politische Union voraus, bei der eben nicht mehr jedes Land und Volk souverän entscheiden kann und darf. Es sind natürlich auch permanente Transfers nötig, auch wenn sich diese anfangs in Garantien und Krediten verstecken lassen. Wenn Deutschland als Zahlmeister austreten sollte, bricht der Euro natürlich sofort zusammen. Volkswirtschaftlich wäre das ein Gewinn, auch wenn die beretis aufgelaufenen Verluste schlagartig offenbar würden.

      • Sehr geehrter Herr Hummel,

        Sie schreben:“ mir fehlt die Fähigkeit ernshafte Diskussionen auf dem Niveau Herrn Chufus zu führen.“.

        Ehrlich gesagt, ich bin völlig Ihrer Meinung!

      • Natürlich sehe ich, dass weitere europäische Einigung imzwischen abgelehnt wird, und finde es persönlich bedauerlich. In demokratischen Ländern läßt sich (wenn man von Verschwörungstheorien mal absieht) ziemlich schwierig auf Dauer eine Politik gegen den Mehrheitswillen machen, deshalb glaube ich auch nicht, dass die verenigten Staaten von Europa kommen.

        Ich muss aber auch sagen, dass es aus meiner Sicht eine sehr verkürzte (obwohl für ein AfD Mitglied ganz natürliche) Vorstellung von der demokratischen Regierungsform ist, dass die Regierenden bei jeder (auch wichtigen) Entscheidung „Menschen fragen“ müssen. Oft (und gerade in einer representativen Demokratie) ist es gerade so, dass die Regierenden eigentlich unpopuläre Entscheidungen treffen (müssen) und die Menschen dafür im nachhinein auf reiner Vertrauensbasis gewinnen.

        Ansonsten, wie schon gesagt – ich bin der Meinung, dass permanente fiskalische Transfers für die Stabilisierung der Währungsunion nicht nötig sind, sondern nur Ausgleichszahlungen, die abhängig von der jeweiligen Phase des Konjunkturzyklus in beide Richtungen fließen. Beispielsweise wäre Deutschland, rückwirkend gesehen, von 1999-2007 der Empfänger, und danach der „Zahlmeister“. Mir ist auch nicht klar, woraus Sie die Notwendigkeit permanenter Transfers ableiten, aus der schon erwähnten Theorie der optimalen Währungsräume folgt diese Notwendigkeit m.E. nicht. Für die Installation dieser Ausgleichsmechanismen sind natürlich gewisse vertraglichen (Zahlungs)Verpflichtungen nötig, wie bei jedem anderen internationalen Vertrag auch in dem Deutschland eingebunden ist. Eine politische Union schließt aber wesentlich mehr ein.
        Schließlich sehe ich nicht, warum der Euro zusammenbrechen sollte, wenn Deutschland austritt – das haben Sie zwar schon ein Paar mal behauptet, aber ohne Begründung.

      • EU und Eurozone sind eben keine demokratischen Länder, so dass in ihnen durchaus Politik gegen den Mehrheitswillen gemacht werden kann und leider auch gemacht wird.

        Ich bin für eine Ergänzung unserer repräsentativen Demokratie durch Elemente der direkten Demokratie, insbesondere in Form von Volksentscheiden. Doch selbst wenn Sie dagegen sind, sollten Sie nicht eine Aushöhlung der Verfassung gutheißen. Normale politische Entscheidungen können die Repräsentanten von sich aus treffen und rechtfertigen sich dafür bei den nächsten Wahlen. Für eine Abschaffung der Souveränität und damit einer Entwertung aller zukünftigen Wählen würde das so nicht gelten.

        Es ist doch politisch völlig ausgeschlossen, dass Deutschland Transfers empfängt statt gewährt. Dass Verträge über substanzielle (Nicht-)Zahlungen nicht eingehalten werden, haben wir doch eindrucksvoll erlebt.

        Außerdem hatte ich durchaus (kurz) begründet, warum der Austritt Deutschlands zum Zusammenbruch des Euro führt: Dann fehlt der Zahlmeister. Faktisch müsste ein anderes Land zahlen, doch z. B. Frankreich würde das nie tun wollen und vielleicht nicht einmal können. Abgesehen davon ist ein Austritt Deutschlands auch politisch ausgeschlossen.

      • Asymmetrische Schocks und unterschiedliche Konjunkturzyklen leuchten mir ein, dagegen verstehe ich nicht inwiefern unterschiedliche Wachstumsraten und strukturelle Schwächen von Bedeutung sind. Vielleicht können Sie das genauer ausführen bzw. auf Quellen verweisen (ich habe von diesen Punkten in Verbindung mit einer Währungsunion noch nie gelesen).

        Nach meinem Verständnis entstehen die Probleme in einer Währungsunion (wie wie das auch erlebt haben), wenn durch asymmetrsiche Schocks und/oder nicht (ausreichend) gekoppelte Konjunkturzyklen die Preisniveaus sich auseinanderentwickeln, was sich im Rahmen einer Währungsunion nicht durch Ab- bzw. Aufwertungen korrigieren läßt. Dagegen bedeuten die unterschiedlichen Wachstumsraten bzw. strukturellen Schwächen dass die einzelnen Teile der Währungsunion sich langfristig real unterschiedlich stark entwickeln, die Rückwirkung auf die monetäre Seite (Preisniveau) und damit auf die Währungsunion erschließt sich mir nicht.

      • So, so, Sie haben „von diesen Punkten in Verbindung mit einer Währungsunion noch nie gelesen“. Sie selbst hatten doch auf Wikipedia verwiesen, aber den Artikel zur „Theorie optimaler Währungsräume“ dann wohl selbst nicht gelesen. Denn dort wird (im letzten Satz) auf den „Balassa-Samuelson-Effekt“ verwiesen. Es geht (beim Samuelson-Effekt) darum, dass bei unterschiedlichem Entwicklungszustand auch die Inflationsraten verschieden sind. Das ist systematisch so und kann über Jahrzehnte andauern, spricht aber ganz klar gegen eine einheitliche Währung mit einheitlicher Geldpolitik.

      • Doch natürlich habe ich den Artikel gelesen, sonst würde ich nicht auf ihn verweisen, aber den letzten Satz habe ich übesehen, und entschuldige mich dafür 🙂

        War aber trotzdem neu für mich. Ich glaube aber nicht (trotz Wikipedia) dass unterschedliche Inflationsraten im Fall von Balassa-Samuelson ein Problem darstellen müssen. In diesem Fall sind ja die höheren Inflationsraten dadurch bedingt, dass im weniger entwickelten Land zwar die Löhne schneller steigen (und damit auch die Inflation höher ist) als im höher entwickelten, da aber die Produktivität im gleichen Maße steigt, verliert das weniger entwickelte Land nicht an Wettbewerbsfähigkeit. So geschehen z.B in China während seines Dollar-Pegs (auch eine Art Währungsunion könnte man sagen, obwohl ohne gemeinsame Zentralbank). Warum sollte es in unterschiedlichen Teilen der Währungsunion nicht unterschiedliche Inflationsraten geben dürfen?

      • Im weniger entwickelten Land steigt die Produktivität nur für die handelbaren Güter entsprechend stark, nicht für die vielen lokalen Güter. Deshalb gibt es doch die höhere Inflationsrate. Wenn Ihnen die Inflation egal ist, müssen Sie natürlich auch unterschiedliche Inflationsraten nicht stören. Doch die Zielgröße insbesondere der EZB ist gerade die Inflationsrate, für die sich dann nur noch ein irrelevanter Durchschnittswert anpeilen lässt, während einige Länder deutlich darüber liegen und andere unter Deflation leiden. Wenn eine Währung an eine andere gekoppelt wird, ist das übrigens keine Währungsunion und jeden Tag reversibel.

      • Ich meinte, dass die Teilnehmerstaaten inkl. Deutschland demokratisch sind. EU und Eurozone sind überhaupt keine Länder, auch keine demokratischen. Deutschland bleibt insofern sovereign, als es z.B. jederzeit aus der EU austreten kann (ich würde es nicht gut finden). Innerhalb einer politischen Union wäre es anders, dort ist ein Austritt meistens zumindest juristisch schwierig.

        Wieso sie meinen, dass es politisch ausgeschlossen ist, dass Deutschland Zahlungen erhält, ist mir nicht klar. Das hängt ja wohl von der konkreten Ausgestaltung der entsprechenden Verträge ab. Wenn man, nur als Besipiel, ein Ausgleichsfond für die Kurzzeitarbeitslosigket (nicht Langzeitsarbeitslosigkeit) beschließen würde, dann würde Deutschland in der Rezession Geld erhalten und im Aufschwung zahlen, wie die anderen auch.

        Und warum eine funktionierende Währungsunion einen Zahlmeister braucht, verstehe ich schon mal gar nicht. Ganz im Gegenteil, wenn sie einen Zahlmeister braucht, dann funktioniert sie nicht. Und ich vermute eben, dass die der Euro ohne Deutschland funktionieren könnte, weil sich andere Länder auf eine funktionierende Union, mit z.B. fiskalischen Ausgleichsmechanismen, einigen könnten (sicher bin ich mir aber auch nicht). Auf jeden Fall würde eine Euro-Währungsunion ohne Deutschland sofort abwerten und damit ihre Wettbewerbsfähigkeit Deutschland gegenüber wiederherstellen, die Unterschiede innerhalb des Rests sind aber nicht so groß.

      • „EU und Eurozone sind überhaupt keine Länder, auch keine demokratischen.“ Ganz richtig, doch sie nehmen den demokratischen Staaten immer mehr Rechte, Kompetenzen und auch Gelder ab. Dabei ist die demokratische Legitimation z. B. von der EU-Kommission höchst indirekt und unrepräsentativ. Es wird auch die Gewaltenteilung faktisch aufgehoben, wenn die Regierungen die Gesetze machen.

        Juristisch könnte man allerlei vereinbaren, doch politisch ist es unvorstellbar, dass Deutschland Nettoempfänger der EU wird. Die EU und vor allem die Eurozone brauchen faktisch einen Zahlmeister. Schön, dass Sie mir damit zustimmen, dass die Währungsunion nicht funktioniert. Ohne Deutschland würde sie völlig zusammenbrechen. Welchen Nutzen hätte überhaupt ein Weicheuro? Leitwährung in Europa wäre ohnehin wieder die relativ starke DM. Im Übrigen sind die Unterschiede zwischen Griechenland und Frankreich oder gar Österreich durchaus bedeutend.

      • Deutschland ist in absoluten Beträgen zwar der „größte“ Zahlmeister der EU, aber weiß Gott nicht der einzige. Gemessen je Kopf der Bevölkerung zahlen zumindest Schweden, Dänemark und Luxemburg deutlich mehr, Schweden und Dänemark sogar gemessen am BIP: http://www.bpb.de/nachschlagen/zahlen-und-fakten/europa/70580/nettozahler-und-nettoempfaenger
        Der Unmut dürfte also zumindest in diesen Ländern, aber beispielsweise auch in Großbritannien, den Niederlanden und Österreich entsprechend sein.

      • Wenn man jetzt die Polemik beiseite läßt, dann haben Sie auf meine Frage warum eine funktionierende Währungsunion einen Zahlmeister braucht mit der Behauptung geantwortet, dass eine Währungsunion (also auch eine funktionierende) einen Zahlmeister braucht – ein Zirkelschluß.

        Vielleicht könnten Sie begründen (unabhängig vom konkreten Fall des Euro und EU) warum sie dieser Meinung sind.

        Oder meinten sie vielleicht, dass eine Währungsunion grundsätzlich schon ohne Zahlmeister funktionieren kann, aber speziell Euro nicht.

        Dann wäre die Frage logisch, was Euro so speziell macht (im Vergleich zu einer hypothetischen Währungsunion ohne Zahlmeister), dass sie unbedingt einen Zahlmeister braucht und ob man diese Eigenschaft icht abstellen kann, ohne gleich die Währungsunion mitabzustellen.

        Kurz zum Thema Inflationsraten: ich wüsste nicht, warum die EZB ihr (durchschnittliches) Inflationsziel nicht so einstellen kann, dass jedes Land die Inflationsrate hat, die dessen Produktivitätsentwicklung entspricht, bei weniger entwickelten Ländern also höher und bei höherentwickelten niedriger. Die Produktivitätsunterschiede innerhalb der Eurozone sind jedenfalls niedriger als zwischen den US-Staaten.

      • Sie hatten gefragt, „warum der Euro zusammenbrechen sollte, wenn Deutschland austritt“. Das hatte ich mit der Zahlmeisterfunktion Deutschlands begründet. Warum eine solche Währungsunion einen Zahlmeister benötigt, ist eine andere Frage. Folglich liegt auch kein Zireklschluss vor, sondern droht höchstens ein infiniter Regress, falls Sie immer weiter fragen sollten.

        Rein theoretisch braucht eine Währungsunion keinen Zahlmeister, insbesondere wenn die Partner hinreichend ähnlich und vertragstreu sind. Im konkreten Fall des Euro wird jetzt jedoch empirisch beobachtbar ein Zahlmeister benötigt, was sich auch theoretisch erklären lässt. Große Teile der Eurozone sind, insbesondere wegen des Euro, hoffnungslos überschuldet und auch nicht mehr wettbewerbsfähig. Da sie monetär nicht abwerten können und das real zu lange dauert, aber auch die eigenen Schulden nicht beliebig mit der Notenpressen beglichen werden können, muss jemand mit Transfers oder zumindest Garantien für die Schulden aushelfen. Ansonsten sind etlich Staaten offen insolvent und verlassen die Währungsunion, die damit nicht unverändert fortbestehen kann, sondern höchstens in geschrumpfter Form.

        Die Produktivitätsunterschiede sind nicht wichtig, sondern die unterschiedliche Produktivitätsentwicklung sowohl zwischen Ländern als auch Sektoren. Ein einzelner Zinssatz kann dann die verschiedenen Inflationsraten höchstens zufällig richtig einstellen, nicht aber systematisch. Hinzu kommen dann noch die verschiedenen Konjunkturzyklen und asymmetrische Schocks. Momentan ist die Inflation doch z. B. in den höherentwickelten Ländern höher als in den wirtschaftlich weniger entwickelten, in denen allerdings auch die Produktivität zu schrumpfen droht, was die Ungleichgewichte weiter verschärft statt verringert.

      • Gut, dann stellen wir also fest, dass man eine funktionierende Währungsunion auch ohne Zahlmeister aufbauen kann?

        Weiter in den infiniter Regress hinein 🙂 :

        Sie meinen die Voraussetzung für eine „zahlmeisterlose“ Währungsunion (eine solche wäre für Deutschland wohl in Ordnung) wäre, dass die Mitglieder „hinreichend ähnlich“ sind (vertragstreu lassen wir beiseite, jeder Vertrag setzt voraus, dass die Parteien vertragstreu sind, außerdem ist Vertragstreue keine ökonomische Kategorie). Sie sagen ja selbst, dass Produktivitätsunterschiede (und damit Wohlstandsunterschiede) keine Rolle spielen. Was ist es also, dass die Eurozone-Mitglieder so „unähnlich“ macht, dass die Währungsunion zwischen ihnen nicht funktionieren kann, ihrer Meinung nach, ohne dass einige Mitglieder permanente Transfers leisten (also Zahlmeister sind)?

      • Planwirtschaft kann theoretisch auch funktionieren, nur sind in der Praxis meistens die Bedingungen dafür nicht erfüllt.

        Der Euro ist doch offensichtlich für die Südländer auch von Nachteil, obwohl sie nicht die Zahlmeister sind.

        Vertragstreue ist höchst relevant in diesem Zusammenhang. Bei Wirtschaftsakteuren innerhalb eines Rechtsstaats wird üblicherweise darauf nicht näher eingegangen, weil der Staat die Einhaltung der Verträge garantiert (in der Praxis übrigens auch nicht so simpel). Zwischen Staaten fehlt ein solcher Garant (gilt nicht nur für den Maastricht-Vertrag, sondern z. B. auch das Budapester Memorandum). Also ist das, was Sie einfach so voraussetzen, empirisch häufig nicht erfüllt, sondern Verträge müssen selbstdurchsetzend sein, also ihre Einhaltung muss auch ex post für alle Vertragsparteien von Vorteil sein, nicht nur ex ante.

        Produktivitäts- und Wohlstandsunterschiede sind durchaus relevant für eine Währungsunion. Sie verhindern z. B. Ihre Idee, dass je nach konjunktureller Lage auch einmal die anderen Länder für Deutschland zahlen würden. Sie führen auch zu dem Samuelsoneffekt, also einer dauerhaften Ungleichheit der Inflationsraten, die dann noch von verschiedenen konjunkturellen Zyklen und asymmetrischen Schocks überlagert wird. Nur wenn die verschiedenen Wirtschaften meistens im Gleichklang laufen, kann auf Wechselkurse, Transfers oder Zwang verzichtet werden. Für den Umgang mit Ungleichgewichten braucht es jedoch irgendein Instrument, welches in der Eurozone fehlte. Jetzt haben wir die eigentlich vertraglich ausgeschlossene gemeinsame Haftung mit Transfers sowie zunehmend den Versuch, doch zwischenstaatlichen Zwang auszuüben, bis es einem Volk zu bunt wird.

      • @Herrn Dilger:
        „Jetzt haben wir die eigentlich vertraglich ausgeschlossene gemeinsame Haftung mit Transfers sowie zunehmend den Versuch, doch zwischenstaatlichen Zwang auszuüben, bis es einem Volk zu bunt wird.“

        Sollten die Schotten kommende Woche für die Unabhängigkeit von Großbritannien stimmen, werden bald weitere Regionen folgen, denen es zu bunt wird. Da nehme ich jede Wette an!

        Kandidaten gibt es genug: Katalonien, Baskenland, Lombardei, Veneto, Piemont, Emiglia Romana, Südtirol, Vorarlberg, Bayern, Baden-Württemberg usw., usf. …

      • Eigentlich geht es hier um die Eurozone. Großbritannien gehört gar nicht dazu. Bei der EU wird es dann richtig unübersichtlich. Angeblich müsste ein unabhängiges Schottland erneut die Mitgliedschaft beantragen, wogegen dann England ein Veto einlegen könnte, bis es demnächst selbst die EU verlässt, weil die EU-freundlichen Schotten beim Referendum darüber fehlen. Ist dann Schottland in der EU, könnte es auch den Euro anstreben, weil es aus dem britischen Pfund geflogen sein wird.

      • Dass es hier im Faden zunächst um die Eurozone ging, ist mir schon bewusst. Aber wie Sie es ja auch selbst skizzieren, kann man diese Themen (Unabhängigkeit einzelner Regionen von Staaten, Souveränität von Staaten innerhalb der EU und Eurozone) gar nicht mehr voneinander trennen. Unterm Strich könnte auch die ganze EU am Euro zerbrechen.

  4. Schön, dass Sie für jedes wirtschaftliche Problem die Antwort kennen – Euro abschaffen. Egal was es ist – Inflation, Deflation, Stagflation, Rezession, Immobilienblasen – man schafft den Euro ab und alles wird wieder gut.

    Die Frage ist nur, nur so theoretisch, was tut man, wenn kein Euro da ist um es abzuschaffen.

    Nehmen wir Schweden – steckt in den letzten Monaten immer wieder in einer Deflation, der Leitzins ist inzwischen bei 0,25% – die Zentralbank kann also (nach Ihrer Logik) nichts mehr tun. Sollen die Schweden jetzt die Krone abschaffen?

    • Sie sollten es besser wissen, insbesondere da Sie diesen Blog schon länger lesen. Abgesehen davon, dass auch Schweden von einer Abschaffung nicht der Krone, sondern des Euro profitieren würde, kann ein einzelnes Land natürlich sehr viel tun. Neben der Geldpolitik gibt es z. B. noch die Fiskalpolitik, bessere Bankenregulierung, realwirtschaftliche Reformen etc. In der Eurozone klappt das dagegen alles nicht, wie man nicht nur empirisch beobachten, sondern mit der fehlenden Staatlichkeit auch theoretisch gut erklären kann. Wie rechtfertigen Sie Ihr Eintreten für die hohe Arbeitslosigkeit und exorbitante Jugendarbeitslosigkeit in Südeuropa, wo Ihnen schon die hiesigen Finanzen egal sind?

    • Sie wissen aber, dass Schweden immer noch die Krone hat, oder? Ist nicht so ganz ersichtlich aus ihrer Antwort. Warum soll es dann von einer Abschaffung des Euro profitieren?

      Was ich mit meinen Kommentar sagen wollte war folgendes: die Probleme gegen die die EZB gerade ankämpft sind keine typisch europäischen Probleme sondern sind in dieser oder ähnlichen Form in anderen Ländern aufgetreten und teilweise gelöst (UK, USA) oder auch nicht (Japan) worden. Deswegen kann der Euro kaum die auschließliche Ursache der Probleme sein, auch wenn er, das ist wohl klar, deren Lösung in seiner heutigen Form erschwert.

      Ansonsten, gerade weil das Blog schon länger lese und kommentiere werden Sie meine Meinung wohl kennen:

      Selbstverständlich trete ich nicht für die hohe Arbeitslosigkeit, wo auch immer, schon gar nicht für exorbitante, und auch nicht gegen die hiesigen Finanzen ein. (wer tut das schon).

      Ich schätze aber die Kosten einer Reform der Währungsunion, die diese funktionsfähig machen, und damit die Probleme lösen (fiskalische Ausgleichsmechanismen, Bankenunion etc. etc) weit geringer ein als die Tabula Rasa der Abschaffung derselben. Vielleicht auch deswegen, weil ich, anders als viele ihrer Parteifreunde nicht der Meinung bin, dass alle Vorschläge, Maßnahmen usw. unserer europäischen Nachbarn und europäischer Institutionen ausschließlich darauf ausgerichtet sind Deutschland und seinen Bewohnern (also auch mir) Geld aus der Tasche zu ziehen und deshalb immer ohne Diskussion von vornherein abzulehnen sind.

      • Natürlich ist mir bewusst, dass die Schweden im Gegensatz zu den Deutschen über die Euroeinführung abstimmen durften und 2003 mehrheitlich dagegen waren. Dabei wäre Schweden eigentlich vertraglich zum Eurobeitritt verpflichtet, doch zum Glück ist man dort demokratischer gesinnt.

        Die Eurokrise hatte ihren Anlass in der Immobilien- und Bankenkrise in den USA, doch die Ursachen gehen viel tiefer. Entsprechend haben die meisten Länder einschließlich USA die Krise längst hinter sich gelassen, die Eurozone aber nicht. Doch selbst wenn die aktuelle Krise irgendwann vorbei sein sollte, kommt der nächste exogene Schock bestimmt, vielleicht auch schon vor diesem Ende. Der Euro verhindert erstens Auf- und Abwertungen und zweitens eine einheitliche politische Antwort. Es werden Kollektivgutprobleme geschaffen statt gelöst.

        Ohne Eurosuperstaat wird die Währungsunion nicht funktionieren. Doch die wirtschaftlichen und vor allem politischen Kosten dafür wären prohibitiv. Also unternimmt man kleinere untaugliche Versuche, die natürlich die Deutschen viel Geld kosten und in Südeuropa Millionen Arbeitsplätze.

  5. Könnte ein Land in der EU Zone seine Währung abwerten, könnten sie ihre Produkte billiger verkaufen, und die Nachfrage würde im In- und Ausland steigen. So fesseln sie sich mit einer gemeinsamen Währung selbst. Zu Unrecht schimpfen wir ständig über die Griechen. Ich kann es auch begründen, warum Deutschland der Hauptverursacher dieses Dilemmas ist, und sie, Herr Professor Dilger, können das auch.

    • Es stimmt schon, dass Deutschland (bzw. seine Bundesregierung) der Haupttreiber dieser Effekte ist. Daher wäre die AfD m.E. gut beraten, sich nicht auf opportunistischen Kuschelkurs mit der CDU zu begeben, wenn sie ihre ursprünglichen Ziele ernsthaft verfolgen will.

    • Nun, ihre Darstellung ist noch etwas unvollständig. Denn alle Nehmerländer, die es von Anfang an gab, sind selbstverständlich mit Schuld am Dilemma. Eine Abwertung der Währung bringt auch eine Kostensteigerung für Importe mit sich und im Fall Griechenland sind das nicht nur produktionsrelevante Güter, deren höhere Kosten dann auch weitergegeben werden müssten, sondern besonders die Kosten für Lebensmittel, da auf deren kargen Fels nicht besonders viel wächst. In aller Folge würde sicherlich die Anzahl der Arbeitslosen sinken, weil die Nachfrage eigener Produkte im Inland steigt, jedoch wird sich (wieder) ein hohes Zinsniveau einstellen, was ähnlich hoch liegen wird wie während der Voreurophase. Hinzu kommt der Schuldendienst alter und neuer Schulden und eine Entschlankung der staatlichen Behörden und Verwaltung. Folglich werden alle genannten Gründe dazu führen, dass die südliche Peripherie ähnliche wirtschaftliche Zustände zu erwarten hat, wie sie ihnen aus der Zeit vor dem Euro bekannt ist und weshalb sie nicht freiwillig aus dem Euro austreten werden. Zu sagen, eine Abwertung bringt alles in Ordnung ist fatal. Griechenland bspw. wird in alte wirtschaftliche Verhältnisse zurückfallen, was einen wirklich extremen Wohlstandverlust bedeutet. Dies ist aber für ein Land niederiger wirtschaftlicher Stärke einfach normal. Besonders Griechenland hätte bei einem Austritt aus dem Euro die schlimmste Zeit noch vor sich, sicherlich auch in politischer Hinsicht. Dennoch bin ich für einen Austritt aus dem Euro, wie auch immer dies realisiert werden kann.

      • An der Begründung des Euro haben natürlich alle Länder ihren Anteil gehabt. Die ersten Jahre haben die Südländer (scheinbar) profitiert, während Deutschland als kranker Mann Europas galt. Nun geht es Griechenland & Co. aber viel schlechter, als es ihnen Euro gegangen wäre oder gehen würde. Abwertungen bringen natürlich nicht alles in Ordnung und können echte Reformen nicht ersetzen, doch sie würden aus der schweren Krise führen, was die ganzen kostspieligen Eurorettungsmaßnahmen offensichtlich nicht vermögen.

      • Es macht wenig bis gar keinen Sinn, über die „Schuld“ am Entstehen des Euro zu diskutieren, denn wir haben ihn nun mal und das ist Fakt.

        Viel entscheidender ist doch die Frage, wie aus heutiger Sicht und mit Blick in die Zukunft damit umzugehen ist. Und da sehe ich nun mal Frau Merkel, Herrn Schäuble auch die SPD in einer Sackgasse, aus der sie nicht mehr heraus finden.

        Daher kann es nur eine Lösung geben:
        Weg mit der CDU, weg mit SPD, weg mit der GroKo!

      • Wir sollten nicht auf eine absolute Mehrheit der AfD warten, sondern schon vorher Einfluss insbesondere auf die Union, aber auch die SPD nehmen. Trotzdem wird Deutschland wohl nicht Vorreiter bei der Euroauflösung, aber könnte zumindest weniger Widerstand leisten, wenn andere austreten wollen, sowie weniger Mittel zur sinnlosen Eurorettung aufwenden.

      • Das wird mit den Rittern der Sackgasse (CDU/CSU/SPD/GRÜNE/FDP) nicht gelingen.

        Fraglich, ob es auf dem parlamentarischen Weg überhaupt erreicht werden kann.

        Zu gerne werden ursprüngliche Ideale auf dem Altar des persönlichen Vorteils (politische Karriere) geopfert. Unsere eigenen Europaabgeordneten liefern dafür doch bereits das beste Beispiel.

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