Beginn des 2. Weltkriegs vor 75 Jahren

Vor 75 Jahren, am 1. September 1939, begann der 2. Weltkrieg ganz ohne Kriegserklärung durch den Überfall von Hitler-Deutschland auf Polen. Es gab allerdings schon kriegerische Auseinandersetzungen von Japan mit der Sowjetunion und China. In den folgenden sechs Jahren starben schätzungsweise knapp 70 Millionen Menschen weltweit, davon die meisten in der Sowjetunion, die zweimeisten in China und an dritter Stelle in Deutschland. Trotz der riesigen Verluste stieg die Sowjetunion zusammen mit den USA zur Supermacht auf, während alle anderen Großmächte wie auch Europa insgesamt ihre bisherige Vormachtstellung verloren.

In gewisser Weise wiederholte Hitler den grundsätzlichen Ablauf des 1. Weltkriegs 25 Jahre zuvor (siehe ‚Beginn des 1. Weltkriegs vor 100 Jahren‘), nur noch viel grausamer, was beides zur totalen Niederlage beitrug, nach welcher die Sieger Deutschland allerdings besser behandelten und der wir unsere individuelle Freiheit und Demokratie verdanken. Der Zwei-Fronten-Krieg mit Angriff auf die Sowjetunion ohne Sieg über Großbritannien war ein schwerer militärstrategischer Fehler, wie auch die übermäßige und rassistische Brutalität einen Sieg über Stalin verhinderte, der eigentlich von den meisten Russen und anderen Sowjetvölkern gehasst wurde. Hitler erklärte außerdem noch von sich aus ohne zwingenden Grund den USA den Krieg.

Das Kriegsende am 8. bzw. 9. Mai 1945 ersparte Deutschland das Schicksal Japans, auf welches am 6. und 9. August 1945 zwei Atombomben abgeworfen wurden. Daraufhin erklärte Japan am 15. August seine Kapitulation. Die Unterzeichnung davon am 2. September 1945, also morgen vor 69 Jahren, gilt als offizielles Kriegsende.

Die Atomwaffen sind so schrecklich, dass es seither keinen 3. Weltkrieg gegeben hat und dieser wohl auch das Ende der menschlichen Zivilisation, wenn auch nicht zwingend der Menschheit, bedeuten würde. Unsere Welt ist leider trotzdem nicht friedlich, sondern es gibt weiterhin kleinere und eher neu asymmetrische Kriege sowie Terrorismus.

36 Gedanken zu „Beginn des 2. Weltkriegs vor 75 Jahren

  1. „nach welcher die Sieger Deutschland allerdings besser behandelten“
    Ich bin der Ansicht, das die Westverschiebung Polens eines der größten Verbrechen des letzten Jahrhunderts war, das vor allem Polen getroffen hat, was völlig bizarr war. Schließlich war Polen das erste Opfer des Krieges. Die Zerstückelung Deutschlands inklusive Massenverteibungen war ein Desaster und eine Kopie von Hitlers Verhalten gegenüber anderen Staaten, insbesondere der Tschechoslowakei, und unterscheidet sich von der Auflösung des Deutschen Kaiserreiches ansatzweise an ethnischen Grenzen. Sie reiht sich ein in die Zerstückelung Europas, denn ohne Not (die USA hatten Atomwaffen, die Sowjets nicht) wurde dem Psychopathen Stalin ein großer Teil Europas überlassen, inklusive der späteren DDR und eben Polens. Das bedeutete Armut, Folter und Tod für zig Millionen Opfer des Kommunismus, was durch das Notbündnis mit der Sowjetunion nicht gerechtfertigt war. Diese hätte schon zufrieden sein sollen, dass sie den Vernichtungskrieg überstanden hatte. Luftangriffe auf Kirchen und Kinder sind für eine freiheitliche Demokratie auch absolut inakzeptabel und eine Kopie von Hitlers Verhalten; außerdem waren sie sinnlos und die Waffen / das Geld wären besser gegen die Wehrmacht eingesetzt worden.
    Es ist eine Tatsache, dass all das auf den nie demokratisch legitimierten, wenn auch populären Diktator Hitler zurückzuführen ist. Trotzdem weiß ich nicht, ob man die Behandlung als deutlich besser würdigen sollte, zumal Frankreich sich wieder das Saarland genommen hat und damit liebäugelte, alle linksrheinischen Gebiete zu annektieren. In letzter Konsequenz wurde Deutschland als Folge des Zweiten Weltkrieges und der sich anschließenden Besatzung der Euro aufgenötigt, und zwar bewusst mit dem Ziel, Deutschland zu schaden. Sie wissen besser als ich, wem als Folge wie viel geschadet wurde.
    In Bezug auf die Personalie Stalin sollte man nie vergessen, dass der Herr sich zunächst mit Hitler verbündete, was alles über ihn aussagt.

    „und der wir unsere individuelle Freiheit und Demokratie verdanken“
    Was in der DDR und Osteuropa ohne Not spürbar länger gedauert hat, weswegen Ihr Beitrag wohl vor allem aus BRD-Sicht geschrieben ist. Ich bin den Amerikanern und den NATO-Partnern allerdings dankbar, dass sie für ihre Fehlentscheidungen Verantwortung übernommen haben und Kontinentaleuropa nicht im Stich ließen, z.B. im Falle Westberlins.

    „Hitler erklärte außerdem noch von sich aus ohne zwingenden Grund den USA den Krieg.“
    Soweit ich weiß hatten die Amerikaner die Briten ganz offen unterstützt, etwa mit Lieferungen. Leider weiß ich gerade nicht, ob zum Zeitpunkt der eher deklaratorischen Kriegserklärung Nazi-Deutschlands Verbündeter Japan bereits Pearl Harbor angegriffen hatte. Durch die Bündnispolitik mit Japan wäre das Deutsche Reich sowieso in den Konflikt mit den USA gezogen worden.

    Übrigens gibt es Historiker, die den Beginn des Zweiten Weltkrieges einige Jahre vorziehen, nämlich auf den Ausbruch offener Feindseligkeiten in Ostasien. Sie kritisieren die Fixierung auf den Polenfeldzug als eurozentristisch. Dem wird entgegengehalten, dass es vor dem Beginn von Kampfhandlungen in Europa kein „Welt“krieg war.

      • Der Abstract verheißt nichts Gutes. Churchill wurde überhaupt erst wieder am 3. September 1939 wegen des Einmarschs Hitlers in die Regierung berufen und am 10. Mai 1940 Premier. Völlig gescheitert war die Appeasement-Politik von Premier Chamberlain. Ihm glaubte Hitler nicht einmal die Garantieerklärung für Polen.

      • Man sollte das Buch ohne Vorurteile lesen (was ich machen werde), das von einem Amerikaner geschrieben wurde. Dann unterhalten wir uns wieder. Herr Dilger, sind wie alle auch über Jahrzehnte einseitig beeinflusst, da kann ich verstehen, dass es nicht leicht fällt.
        Churchill war mit Sicherheit kein Waisenknabe. Auch England sollte im Zusammenhang kritisch betrachtet werden. Die Verbrechen, die im Namen Hitlers begangen wurden, verleiten leider zum Schwarz-Weiß-Denken im Hinblick auf historische Vorgänge, z. B. bzgl. auf die Entwicklungen in beiden Lagern im Vorfeld eines Krieges. Wir können es ja aktuell in der Ukraine erleben, wie gelogen und betrogen wird und zwar von beiden Seiten, wobei eine Seite die andere noch an Unverfrorenheit noch deutlich übertrifft und damit meine ich nicht Putin.

      • Wenn nicht einmal die grundlegenden Fakten stimmen, kann die Analyse nicht viel bringen. Das hat mit einseitiger Beeinflussung nichts zu tun. Auch für den Ukrainekonflikt könnte man viel aus der Geschichte lernen, wenn man bereit ist, die Fakten zur Kenntnis zu nehmen.

      • Mein Gott Herr Dilger sind Sie voreingenommen! Welche Fakten sollen denn nicht stimmen? Unter uns, ich glaube kaum, dass Sie über den Umfang der historischen Kenntnisse eines Pat Buchanan verfügen. Lesen Sie doch die Details erst einmal.

      • Das habe ich doch schon geschrieben. Als Hitler Polen überfallen ließ, hatte Churchill überhaupt kein Amt. Er kam nur wegen dieses Überfalls wieder in die Regierung und dann an die Regierungsspitze. In dem von Ihnen verlinkten Text steht dagegen folgender Unsinn:

        Die Entscheidung über Krieg oder Frieden habe in Churchills Hand gelegen: Es sei Churchill gewesen, der Polen zu seiner provokativen Politik gegen das Reich ermutigte; es war Churchill, der in den Tagen vor dem 1. September der Diplomatie eine Absage erteilte und Hitlers Angriff auf Polen begünstigte, und es war Churchill, der mit Großbritanniens Kriegserklärung an das Deutsche Reich aus dem Regionalkonflikt Polen-Deutschland einen Weltkrieg machte.

    • Ich ziehe auch die Version 1932 vor. Bei dem Einfall japanischer Truppen in die Mandschurei kam es neben den rein militärischen Handlungen zu unvorstellbaren Greueltaten an der Zivilbevölkerung. Die Fixierung auf den Polenfeldzug kann bei oberflächlicher Sichtweise leicht zu einer verzerrten Wahrnehmung führen. Es könnte der falsche Eindruck entstehen, dass der außereuropäische Rest der Welt in den 1930er Jahren in Frieden und Eintracht gelebt hätte.

    • Danke für die Hinweise! Ich hätte deutlich machen sollen, dass es einen riesigen Unterschied in der Behandlung durch die Aliierten im Westen und durch die Sowjetunion gab. Die Vertreibungen mit graumsamen Exzessen und die Gebietsverschiebungen waren schwere Verbrechen, wie auch die Ostzone und dann die DDR alles andere als gut behandelt wurden. Wäre der ‚Attentatsversuch vom 20. Juli 1944‘ geglückt, hätte das vielleicht vermieden werden können.

      Vielleicht wurde der Euro im Rahmen der Verhandlungen zur Wiedervereinigung mündlich vereinbart, doch völkerrechtlich verbindlich war und ist das nicht (wie auch die angeblichen Zusagen, die NATO nicht nach Osten zu erweitern). Deutschland ist jetzt souverän und könnte nicht nur den Euro beenden, sondern sollte das auch.

      Dass man den Beginn des 2. Weltkriegs auch früher in Asien sehen kann, hatte ich angedeutet, allerdings ist dann das Datum nicht klar (1937 oder schon 1931). Der militärisch eher zweifelhafte Angriff auf Pearl Harbor fand am 7. Dezember 1941 statt, am nächsten Tag erklärten die USA Japan den Krieg. Aus Bündnistreue erklärte daraufhin Deutschland am 11. Dezember den USA den Krieg, was militärisch noch sinnloser bzw. nur von Nachteil war. Natürlich hatten die USA schon zuvor Großbritannien wie im 1. Weltkrieg unterstützt, doch US-Bevölkerung und Kongress wollten im Gegensatz zu Präsident Roosevelt keinen offenen Krieg

      • Es bleibt ohnehin unklar, weshalb Japan ausgerechnet die USA angriff und damit diesen schlafenden Riesen geweckt hat. Strategisch wäre es aus Sicht der Achsenmächte wesentlich klüger gewesen, die Sowjetunion anzugreifen und diese somit in einen Zwei-Fronten-Krieg zu verwickeln, der das Stalin-Regime wahrscheinlich zu Fall gebracht hätte. Der Angriff auf Pearl Harbor machte Stalin klar, dass er keine Reserven mehr für einen Kampf gegen Japan brauchte, und schickte seine sibirischen Einheiten an die europäische Front, wo die Wehrmacht längst mit einem der kältesten Winter des Jahrhunderts konfrontiert war und vor den Toren Moskaus – ähnlich wie schon Napoleon mehr als ein Jahrhundert zuvor – stecken blieb. Damit war der Weltkrieg rückblickend zuungunsten der Achsenmächte entschieden, denn die Substanz- und Zeitverluste konnten trotz der deutschen Sommeroffensive 1942 nicht mehr wettgemacht werden.

  2. Waffen schaffen keinen Frieden. Sie bergen nur die Gefahr, auch benutzt zu werden. Gerade das heurige Mahnjahr (der Ausbruch des ersten Weltkriegs jährt sich zum 100. mal, der Ausbruch des 2. Weltkriegs zum 75. mal) sollte unseren Politikern das eigentlich deutlich in Erinnerung rufen und sie dazu anhalten, die aktuellen Krisen entsprechend bedächtig zu lösen. Leider scheint jedoch genau das Gegenteil der Fall zu sein.

    • Lieber Herr Meister,

      wie wollen Sie gegenüber Mörderbanden bedächtig vorgehen, wenn Gefahr in Verzug ist? Da gibt es nicht mal mehr etwas zu verhandeln. Sie müssen am Ende froh sein, dass dann Ihr Kopf noch auf den Schultern sitzt. Das Böse wird nie aus der Welt verschwinden, es ist Teil des Menschen. Wir können nur versuchen, das Ganze so gut es geht zu kontrollieren. Freiheit kann daher in einem klar angesteckten Rahmen existieren, den der Bedarf an extenzieller Sicherheit vorgibt.

      Aber am Ende siegt immer das Schwert gegenüber dem Schild. Vielleicht hilft genetische Umprogrammierung, was natürlich eine schreckliche Dystopie wäre. Das Raubtier Mensch wird zum Schaf.

      • Lieber Herr Chufu,

        ich habe heute gelesen, dass IS inzwischen über Deutsche Flugabwehrraketen verfügt, die einst an Syrien geliefert wurden.

        Würden keine Waffen an Krisenländer geliefert, käme es gar nicht dazu, dass solche Mörderbanden wie IS(IS) sie sich beschaffen können.

        So einfach ist das im Grunde.

        Herzliche Grüße
        Michael Meister

      • Lieber Herr Meister,

        ja hoffen wir, dass ISIS nicht an das Material herankommt. Geld genug haben diese Leute ja. Das auf der Welt vorhandene Fissionsmaterial noch stärker überwacht werden muss, wird jetzt noch klarer. Mal abgesehen von der Gegenwart steht für eine etwas fernere Zukunft eine noch größere Gefahr ins Haus und das ist der heilige Gral aller Waffentechnologie, nämlich eine reine Fusionswaffe, die für die Zündung ohne Fissionssprengsatz auskommt und aus relativ einfach zubeschaffenden Materialien besteht.

        Ich habe noch im Zusammenhang mit dem aktuellen Krisenherd in der Ukraine einem für Sie vielleicht interessanten US-„Hochqualitäts-Link“ gefunden, der zu einer sachlichen Schau auf die Dinge einlädt.

        http://www.foreignaffairs.com/articles/141769/john-j-mearsheimer/why-the-ukraine-crisis-is-the-wests-fault

      • Lieber Herr Meister,
        vielen Dank für den aufschlussreichen Youtube-Link. Allein dadurch, dass das Kiewer Regime skrupellos genug ist die eigene (russischsprachige) Bevölkerung zu beschießen, hat es sich schon m. E. vollständig diskreditiert und ist keiner deutscher Unterstützung wert.

      • Natürlich nicht. Das macht den Bruch des Budapester Memorandums weit über die Ukraine hinaus so gefährlich. Denn es zeigt allen aufstrebenden Mächten, dass im Zweifel nur Atomwaffen respektiert werden, nicht Recht und Verträge.

      • An die ’nur‘ abschreckende Wirkung von Atomwaffen glaube ich nicht. Gerade in der heutigen Zeit nicht. Die Hemmschwelle einiger durchgeknallter Regenten ist inzwischen so niedrig, dass Atomwaffen ein extremes Risiko für die ganze Menschheit bergen. Das kann sehr ungut ausgehen.

      • Gerade deswegen ist es wichtig, die Verbreitung von Atomwaffen zu verhindern. Putin tut gerade das Gegenteil, indem er demonstriert, dass die Herausgabe der Atomwaffen gegen wertlose Versprechen ein Fehler der Ukraine war. Er unterstützt auch den Iran als aufstrebende Atommacht, so wie China Nordkorea unterstützt.

      • Meiner Ansicht nach müssen alle ABC-Waffen, allen voran die Atomwaffen verboten und vernichtet werden.

        Nicht nur Atomwaffen in den Händen Russlands, des Iran oder Nordkoreas stellen eine Gefahr dar. Die derartigen Waffen in den Händen Israels, Indiens und Pakistans sind nicht minder gefährlich. Von der Vorstellung, dass diese gar in die Hände des IS oder noch weiterer religiöser Fundamentalisten geraten könnten, einmal ganz abgesehen.

      • Lieber Herr Meister,

        ich halte Herrn Dilgers Meinung, dass Putin helfe Atomwaffen zu verbreiten (z. B. an den Iran), für völlig abwegig. (Bemerkung: Das ist nicht als irrationaler Putin-Hass). Davon hat Putin überhaupt keinen Nutzen, ist sein Land ja selbst terroristischen Gefahren ausgesetzt. Anstatt Putin aus naheliegenden, einseitigen Interessen der USA zu verteufeln, sollten vielmehr der Westen, Russland und China bei der Bekämpfung des Terrors, der aus islamischen Regionen dieser Welt kommt, zusammenarbeiten. Bislang zeigten sich zum Glück die Terroristen ziemlich unfähig im Hinblick auf die Verwendung von Nuklearmaterial als Terrorwaffe (sei es zum Beispiel in der einfachsten Form als dreckige Bombe). Jetzt wo der islamisch begründete Terror mit ISIS (IS) über bedeutende Ressourcen verfügt kann sich das leider ändern.

      • Im Gegensatz zu Ihnen nehme ich die Fakten zur Kenntnis und analysiere diese leidenschaftslos. Im Übrigen hatten Sie doch groß angekündigt, diesem Blog den Rücken kehren zu wollen. Auf Ihr Wort ist leider wenig Verlass. Allerdings verstehe ich, dass es schwer ist, von diesem Blog zu lassen. Mir geht es ebenso.

      • Lieber Chufu,
        lieber Herr Dilger,

        die Vorstellung, dass Material zum Bau einer „dreckigen Bombe“ in die Händer der IS oder anderer unberechenbarer Organisationen fallen könnte, ist natürlich der absolute Albtraum.

        In meinen Augen haben Atomwaffen überhaupt keine Berechtigung, da sie immer ein unkalkulierbares Risiko darstellen, egal in wessen Hand sie sich heute befinden. Nicht anders verhält es sich mit Atomkraftwerken. Die real damit verbundenen Risiken übersteigen jedes Vorstellungsvermögen.

        Daher kann sich die Menschheit m.E. nicht früh genug von der gesamten Atomtechnologie verabschieden.

        LG
        Michael Meister

      • Das scheint mir eine sehr deutsche Wunschvorstellung zu sein. Hier schaltet man die im internationalen Vergleich besonders sicheren Atomkraftwerke ab, weil es in Japan einen Tsunami gegeben hat (und man den Atomstrom weiter aus den Nachbarländern beziehen kann). Doch selbst die Japaner halten an der Atomkraft fest und im Weltmaßstab wird sie ausgebaut. Wer sollte ein Verbot von Atomwaffen überwachen und durchsetzen? Das Wissen ist in der Welt und wird nicht wieder verschwinden. Im besten Fall gelingt es, die Verbreitung von Atomwaffen einzuhegen.

      • Ach Herr Dilger, unter anderem haben mich ein erstaunliche Einsichten von Prof. Wilhelm, mit denen ich nicht rechnete und der interessante Austausch mit Herrn Meister noch ein Mal in Ihr Forum zurückgebracht. Da kann ich sogar Ihre oft einseitigen Einlässe ertragen. Übrigens, Sie müssen sich nicht bemüßigt sehen, wenn ich Herrn Meister anschreibe, an seiner Stelle zu antworten.

      • Ihnen ist schon klar, dass immer noch im Raume steht, dass Sie hier wegen Ihrer Themenverfehlungen und Beleidigungen ganz gesperrt werden? Sie können sich gerne mit Herrn Wilhelm, der kein Professor ist, und Herrn Meister privat austauschen oder Ihren eigenen Blog eröffnen.

      • @Herrn Dilger:

        „Das scheint mir eine sehr deutsche Wunschvorstellung zu sein. …“

        Mag sein, dass Ihnen das so vorkommt. Aber ich sehe es vom philantropen Standpunkt eines Humanisten und nicht nur mit dem Wissen um die negativen Eigenschaften des homo sapiens.

        Schließlich sollten gerade wir Deutsche in derartigen Fragen unsere Geschichte nicht völlig ausblenden (damit meine ich nicht die jüngere deutsche Geschichte, sondern unseren Ruf als Volk der „Dichter und Denker“).

        Was den Wahnsinn der Atomenergie angeht – nur weil andere noch dümmer sind, müssen wir noch lange nicht daran festhalten. Allerdings halte ich es auch für absolute Blasphemie, Atomstrom aus Frankreich und Tschechien zu importieren.

        LG
        Michael Meister

      • Das ist auch meine Meinung, so makaber das auch klingen mag, siehe Kuba-Krise 1962. Viele meiner Altersgenossen, die alt genug sind und diese Zeiten miterlebt haben sind der gleichen Meinung. Das Gleichgewicht des Schreckens (der Atomwaffen) hat mir jedenfalls damals ein Gefühl der Sicherheit gegeben. In dieser Phase gab es auch erstaunliche Fortschritte in Richtung Annäherung an die (west) europäischen Nachbarländer mit denen Deutschland zwanzig Jahre vorher noch Krieg führte. Die Erklärung ist so simpel wie unumstößlich – bei einem Atomkrieg müssen auch die Großkopfeten ins Gras beissen! Sie können sich zwar in Ihren atombombensicheren Bunkern in den Hochgebirgen Ihrer Heimatländer vielleicht noch 3-4 Monate länger halten als die Normalbevölkerung, aber irgendwann müssen sie heraus in eine völlig verstrahlte Umgebung, in der menschliches Leben nicht mehr möglich ist. Falls doch jemand überlebt, kann er mit Faustkeil und Pfeil und Bogen wieder ganz von unten anfangen. Auffällig ist, wie uns seit der atomaren Abrüstung von unseren Eliten die konventionelle Kriegführung wieder schmackhaft und hoffähig gemacht werden soll! Alles ganz easy und seit Neuestem auch clean – per Joystick aus 8000km Entfernung. Das Grauen trifft nur ein paar Soldaten und bedauernswerte Zivilisten, die Entscheider und Strippenzieher können ihr Luxusleben derweil weiterführen und haben nichts zu befürchten. Da liebäugelt doch so mancher viel leichter mit Militäroperationen, als wenn er selbst die totale Vernichtung befürchten muss.

  3. Man muss aber achtgeben, dass die Gedenkerei nicht dazu genutzt wird, heutige politische Ansichten zu legitimieren. Unser Präsident sollte immer im Namen des Volkes reden und sich nicht auf die Westerplatte stellen und die Partnerschaft mit Russland zu kündigen. Ich bin durchaus dafür, dass man den Kriegen gedenken sollte. Dazu kann man einen Tag oder ein Jahr frühzeitig proklamieren, und jeder kann ihn sich so gestalten, wie er möchte. Aber bitte kein Fernsehen, keine Kränze tragenden Politiker und keine Schaureden und sonstiges Gehabe.

  4. Pingback: Die Bedeutung des Wettbewerbs in Wissenschaft und Hochschule | Alexander Dilger

  5. @„Vielleicht sehen Sie sich diesen Kinofilm aus dem Jahre 1983…..“

    Lieber Herr Meister,
    den Film kenne ich. Er war 1983 ein wesentliches propagandistisches Handwerkszeug der unzähligen Friedens- und Anti-Atomkraft-Bewegungen, aus denen später die Partei der Grünen hervorgegangen ist. Die schwärmerischen Ziele dieser Menschen fand ich wirklichkeitsfremd und habe sie nie so richtig verstanden, ich hatte vielmehr den Eindruck, dass sie überwiegend während des Geschichtsunterrichtes in ihren Schulen geschlafen oder sich auf dem Schulhof einen Joint angezündet haben. Unsere Welt war niemals aus sich heraus friedlich und wird es vermutlich auch niemals sein. Es gibt leider kein imposantes Hollywood-Epos über die Feuerstürme von Hamburg, Dresden oder Wuppertal, die im Zweiten Weltkrieg bei „konventioneller“ Kriegführung systematisch entfacht wurden, sonst würde ich Ihnen den Link senden. Für die Betroffenen spielt es keine Rolle – verbrannt ist verbrannt, ob Atombombe oder Phosphorkanister. Ich bleibe bei meiner Meinung, dass die Kriegslust schwindet, wenn sich die Entscheidungsträger und Eliten nicht mehr selbst in Sicherheit wiegen und ohne großes Risiko Millionen anderer in einen grausamen Tod schicken können.

    • Lieber Herr Werle,

      in einem stimme ich Ihnen zu: „Für die Betroffenen spielt es keine Rolle – verbrannt ist verbrannt, ob Atombombe oder Phosphorkanister.“

      Als Humanist und Philantrop betrachte ich jedoch jede Art von Rüstungswettlauf als brandgefährlich. Zudem verschlingt die Aufrüstung irrwitzige Summen. Einen wirklichen Nutzen hat davon nur die Rüstungsindustrie, die sich zur Zeit natürlich wieder einmal richtig kräftig die Hände reibt.

      Einer unserer Parteifreunde schrieb heute früh in seinem Newsletter:

      „Egal wie die Sache ausgehen wird, ob Krieg oder nicht Krieg mit Russland, die lachenden Dritten werden die Rüstungskonzerne sein. Insofern zielt die Panikmache gegen Putin nur darauf ab, dass die Bevölkerung massive Aufrüstungsprojekte widerstandslos durchwinken wird. Im Grunde genommen erleben wir hier gerade eine geniale Marketing-Show der Rüstungskonzerne. Allein Polen will in den nächsten Jahren 30 Mrd. Euro in seine Armee investieren, um sich vor Russland zu schützen. Nach dem NATO-Treffen werden die Regierungen in den Mitgliedsländern ihren Verteidigungsetat massiv aufstocken. Gelder, die dann an anderer Stelle natürlich fehlen werden! Nebenbei bemerkt, Deutschland belegt Platz 3 bei den weltweiten Waffenexporten!“

      Dem ist aus meiner Sicht nichts hinzuzufügen.

      Herzliche Grüße
      Michael Meister

      • In der Ukraine führt Russland bereits Krieg, doch zu einem Krieg mit der NATO wird es deshalb nicht kommen.

        In der Antike und auch im Mittelalter war es übrigens durchaus üblich, dass die Herrscher ihre Heere selbst anführten, z. T. wortwörtlich ganz vorne. Das hat von Kriegen nicht abgehalten, allerdings waren die Zeiten und die Einstellungen zum Krieg ganz anders als heute. Der entscheidende Unterschied beim 3. Weltkrieg wäre, dass einfach nichts übrig bliebe, wofür sich zu kämpfen lohnt. Das hat eine befriedende Funktion. Bei zu vielen Atommächten gilt das leider nicht mehr. Es könnte dann aber auch zu einem regionalen Atomkrieg kommen, der nicht in einen Weltkrieg mündet.

      • Lieber Herr Dilger,

        auch ich gehe nicht davon aus, dass es so weit kommen wird, dass der Ukraine-Krieg zu einem Weltkrieg eskaliert.

        Zahlreiche unschuldige Menschenleben und Unmengen an Ressourcen wird der Konflikt trotzdem kosten. Auch die NATO-Staaten und allen voran die EU werden zumindest finanziell teuer mitbezahlen. Insbesondere für das Wettrüsten eines neuen kalten Krieges.

        Sehr interessant ist in diesem Zusammenhang übrigens auch folgendes Beispiel für „gelebte Meinungsfreiheit“ im neuen ukrainischen Parlament: https://www.youtube.com/watch?v=egSxF3SIwtc

        Herzliche Grüße
        Michael Meister

  6. Pingback: Vor 80 Jahren befahl Hitler den Angriff auf Polen | Alexander Dilger

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