Attentat von Sarajevo

Heute vor 100 Jahren wurden beim Attentat von Sarajevo Erzherzog Franz Ferdinand, der Thronprinz von Österreich-Ungarn, und seine Frau Sophie Chotek, Herzogin von Hohenberg, vom serbischen Nationalisten Gavrilo Princip ermordet. Obwohl es am 28. Juni 1914 noch nicht so aussah, war dies der Anlass, wenn auch nicht die Ursache dafür, dass es einen Monat später zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs kam. Davor war es in Europa lange relativ friedlich gewesen und auch die internationale Integration der Realwirtschaft war auf einem hohen Niveau. Dass es deswegen keine Kriege zwischen den europäischen Großmächten mehr geben könne, war jedoch eine gefährliche Illusion.

Auch heute sollten wir uns nicht täuschen lassen. Selbst in Europa ist der Friede brüchig, wie der Ukraine-Konflikt zeigt. Doch Europa ist zum Glück nicht mehr bedeutend genug, um zum Dritten Weltkrieg zu führen (während die beiden bisherigen Weltkriege vor allem europäische Kriege waren, die auf den Rest der Welt ausstrahlten), zumindest solange wir uns nicht auf das Abenteuer von Vereinigten Staaten von Europa einlassen. Die größte aufstrebende Macht ist nun China, was die USA herausfordert, so wie vor 100 Jahren Deutschland die Vormacht von Großbritannien gefährdete. Hoffen wir auf mehr Vernunft heute, die sich jedoch leider nicht von alleine einstellt.

12 Gedanken zu „Attentat von Sarajevo

  1. Guten Abend Herr Dilger,

    der erste Weltkrieg, der Anfang vom Ende einer großen Nation, zu diesem Zeitpunkt in der Welt u. a. wissenschaftlich führend!

    Ja richtig, das gefährdete Englands Weltmachtposition, die allerdings drei Jahrzehnte später trotz einer erneuten Niederlage des ursprünglichen Feindes von WK1 verloren ging!

    Nicht nur der zweite, auch der erste Weltkrieg wurde durch den Eintritt der USA entschieden. Allerdings aus weit weniger edlen Motiven. Vielleicht können Sie etwas zur finanztechnischen Motivation der USA in diesem Zusammenhang sagen!?

    • Durch die beiden Weltkriege hat sich Europa insgesamt stark geschwächt (mit Ausnahme von Russland), während die USA zur Supermacht aufstiegen. Wenn zwei (oder viele) sich streiten, freut sich der Dritte. Das gilt nicht nur zwischen Staaten, sondern z. B. auch in Parteien.

      Allerdings würde ich den offiziellen Kriegseintritt der USA bei beiden Weltkriegen nicht als allein kriegsentscheidend werten. Sie unterstützten jeweils schon vorher die Alliierten und insbesondere Großbritannien. Der konkrete Kriegseintritt 1917 war nicht finanztechnisch, sondern politisch-militärisch motiviert. Insbesondere der U-Boot-Krieg wurde als Aggression gegen die USA betrachtet. Deutschland legte sich in beiden Weltkriegen mit fast allen Mächten gleichzeitig an, was nie eine besonders gute Strategie ist.

      • Herr Dilger, ich muss schon sagen, es ist enttäuschend und langweilig. Nur politisch Korrektes von Ihnen. Sie sollten sich mal mit dem (wirklichen) Grund befassen, warum die USA in den 1.Weltkrieg eintrat. Ihnen fehlen offensichtlich die entsprechenden Informationen.

        Sie haben natürlich nicht Recht, in beiden Weltkriegen war die Kriegsteilnahme der USA entscheidend. Was meinen Sie wie lang die Sowjetunion ohne die massive materielle Hilfe der USA – der größten Wirtschaftsmacht – im 2.WK noch durchgehalten hätte? Zum 1.WK lesen Sie bitte die entsprechende britische Literatur, die müssten Sie ja als unverfänglich ansehen.

      • Sie enttäuschen hingegen nicht, sondern kommen immer mit Ihren antiamerikanischen Verschwörungstheorien. Im Übrigen sollten Sie genauer lesen. Ich habe vom offiziellen Kriegseintritt der USA gechrieben, während ihre materielle Hilfe jeweils schon vorher erfolgte.

  2. Inwiefern sehen Sie, Herr Dilger, bei den Vereinigten Staaten von Europa die größere Gefahr, dass diese in einen 3. Weltkrieg verwickelt werden oder von diesen ausgehen kann ?

    …Diejenige Macht, die die bisherige herausfordert ist ja nicht automatisch Verursacher oder Hauptverantwortlicher eines Krieges. Ich denke, das haben Sie auch nicht so gemeint.

    Gegen einen gewollten Krieg hilft wohl keine Vernunft, sondern nur Widerstand.

    Klicke, um auf LP09614_300614.pdf zuzugreifen

    Mit freundlichem Gruß
    Bernd

    • Auch Widerstand gegen Krieg sollte vernünftig sein, was ich bei dem verlinkten Text nicht so sehe.

      Vereinigte Staaten von Europa könnten militärisch bedeutsam sein. Das scheint für viele, z. B. unseren Bundespräsidenten, ein Grund für diese zu sein. Für mich ist es ein klarer Gegengrund. Deutschland sollte lieber ein wirtschaftlicher Riese und militärischer Zwerg bleiben, der durch klüge Bündnispolitik sicher und friedlich bleibt.

      Die Kriegsschuldfrage ist weniger wichtig als die Machtstruktur, die Kriege begünstigen oder hemmen kann. Klare Verhältnisse begünstigen den Frieden, große Veränderungen und Instabilität den Krieg. Gegenseitige Abschreckung funktioniert besser bei zwei Supermächten als bei drei oder mehr. Wenn wir wirklich langfristig denken, wird es Dutzende Atommächte geben.

  3. Dasc Attentat von Sarjewo war in der Tat nur der Auslöser, nicht die Ursache des Ersten Weltkriegs.In diesem Land gehört es ja mittlerweile zum politischen Stil, Preußen des Militarismus zu zeihen, während die andere Seite arglos gewesen sei und von kriegslüsternden Deutschen regelrecht überfallen wurde. Die eigentliche Frage ist indes, was vor Sarajewo war. Dazu gibt es einen sehr interessanten Bericht aus der St. Petersburger Börsenzeitung, einem offiziösen Blatt der russischen Regierung, ich glaube von Anfang Juni 1914, welchen ich im Augenblick leider nicht zur Hand habe. Aber was nicht ist, das kann ja noch werden……………………

    Das bedeutet übrigens nicht, daß ich die Zustände im wilhelminischen Kaiserreich kritiklos gut finde. Das tat Friedrich Naumann, der Gründer der Fortschritts-Partei, ja schließlich auch nicht. Nur sollte eben was wahr ist, auch wahr bleiben. Das meinte sogar die sozialdemokratische geführte Nachkriegsregierung, welche 1922 alle Dokumente veröffentlichte.

  4. Wohlstand ist immer noch der beste Garant für Frieden in der Welt.

    Ein reiches Europa bedeutet allerdings insofern keinen garantierten Frieden,wenn die Armut vor der Haustür steht und auch Europa kann ganz schnell umkippen.

    Es scheint mir wichtig,anderen Staaten wie im Nahen Osten oder oder oder zu helfen das sie ein vernünftiges Konzept für eine funktionierende Volkswirtschaft entwickeln können.

    Wie schnell das aus den Fugen gerät sieht man am arabischen Frühling,der sich in einen düsteren Herbst entwickelt hat.

  5. Alexander Dilger:
    „Allerdings würde ich den offiziellen Kriegseintritt der USA bei beiden Weltkriegen nicht als allein kriegsentscheidend werten. Sie unterstützten jeweils schon vorher die Alliierten und insbesondere Großbritannien. Der konkrete Kriegseintritt 1917 war nicht finanztechnisch, sondern politisch-militärisch motiviert. Insbesondere der U-Boot-Krieg wurde als Aggression gegen die USA betrachtet. Deutschland legte sich in beiden Weltkriegen mit fast allen Mächten gleichzeitig an, was nie eine besonders gute Strategie ist.“

    Lieber Herr Dilger,
    Sie als Ökonom sollten doch wissen, weshalb die USA in den ersten Wetkrieg eingestiegen sind.
    Die Lusitania war 1915, als Passagierschiff zur Tarnung mißbraucht, mit Waffen und Munition nur so vollgestopft worden, weshalb sie nach der Torpedierung auch hervorragend sank. Nur hatte die „German Imperial Ambassy“ in New York vor dem Auslaufen Flugblätter mit der Überschrift „WARNING“ verteilen lassen. Die „bösen deutschen Militaristen“ wollten gar keine Zivilisten töten. Aber das zählte bei der schon damals herrschenden Kriegseintrittspropaganda nicht.

    Die Geldsäcke der Ostküste, – und ich dachte wirklich, das wüßten Sie, Herr Dilger -,
    bangten um die Rückzahlung ihrer französischen und britischen Kriegsanleihen, deren Rückzahlung sie nur dann für möglich hielten, wenn die Entente-Mächte den Krieg gewinnen würden. Wall Street und die US-Finanz-Aristrokratie wollten den Kriegseintritt der USA. Das ganze Gerede von Demokratie war nur vordergründig. Frauen und faktisch auch Neger durften doch damals in den USA nicht wählen! Es gibt kaum eine Nation, die uns mehr vorgeheuchelt hat als die USA. Wußten Sie, daß Thomas Jefferson, welcher uns heute als einer der Väter der Demokratie vor die Nase gehalten wird, circa 200 Sklaven hatte?

    • Ihre Erklärung ist keine. Erstens tritt kein Land wegen ein paar Kriegsanleihen in einen Krieg ein, der viel teurer ist. Vor allem erklärt es zweitens nicht, warum zuvor französische und britische statt deutsche Kriegsanleihen gekauft worden waren.

      Das Frauenwahlrecht wurde auch in Deutschland erst nach dem Ersten Weltkrieg eingeführt, während Schwarze in den USA bereits wählen durften, auch wenn es faktische Beschränkungen insbesondere in den Südstaaten gab. Die Sklaverei war seit dem Bürgerkrieg abgeschafft. Zuvor gab es sie auch in anderen Demokratien, angefangen bei den alten Griechen.

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