Fronleichnam abschaffen?

Beim ‚Gedenken an den Aufstand des 17. Juni‘ vorgestern wurde auch über die generelle Bedeutung von Feiertagen diskutiert. Aus meiner persönlichen Sicht, wobei ich keinem gläubigen Katholiken zu nahe treten möchte, ist Fronleichnam heute der absurdeste Feiertag, den wir haben (wenn auch nicht überall in der Republik). Dieser Feiertag wurde im 13. Jahrhundert eingeführt, als die nicht minder absurde Transsubstantiationslehre zum Dogma erhoben worden war. Seither muss jeder Katholik glauben, dass in der Heiligen Messe Brot und Wein in ihrer ganzen Substanz und ihrem Wesen zu Fleisch und Blut von Jesus Christus werden (in der Antike wurden Christen zum Teil als Kannibalen verfolgt, obwohl ihre Auffassung da noch gar nicht so krass war).

Auch der Termin von Fronleichnam ist relativ willkürlich, da eigentlich an das letzte Abendmahl an Gründonnerstag erinnert wird, dann aber ein entsprechender Feiertag wegen der Karwoche keinen Platz hat. Ich empfehle die Abschaffung, zumal Fronleichnam auch problemlos am darauffolgenden Sonntag gefeiert werden kann und gefeiert wird, wenn der Donnerstag kein gesetzlicher Feiertag ist. Die Abschaffung des Feiertags könnte auch ein Beitrag zur Ökumene sein, denn schon Martin Luther meinte: „Ich bin keinem Fest mehr feind … als diesem. Denn es ist das allerschändlichste Fest.“

57 Gedanken zu „Fronleichnam abschaffen?

  1. Der Bezug zu kirchlichen Feiertagen ist heute generell nicht mehr gegeben. Von daher können Sie Weihnachten, Ostern und Pfingsten gleich mit abschaffen. Aber die Menschen sind froh, dass es diese willkommenen Unterbrechungen des Arbeitsjahres gibt. Von daher haben traditionelle Feiertage durchaus ihren Wert und auch Berechtigung.

    • Die meisten Menschen feiern Weihnachten, auch wenn sich die Bedeutung verschoben haben mag. Das gilt ebenfalls für Ostern, während der Pfingstmontag tatsächlich immer wieder in die Diskussion gerät und in anderen Ländern auch kein Feiertag ist. Außerdem ist das Christentum weiterhin bedeutend in Deutschland, selbst wenn die Zahl der Gläubigen zurückgeht. Die von Ihnen genannten Feiertage sind die wichtigsten des Christentums, während Fronleichnam nur noch wenigen wichtig oder überhaupt in der Bedeutung bekannt ist.

      • Nicht einmal in meiner Wahlheimat, dem erzkatholischen Vorarlberg (westlichstes Bundesland Österreichs), ist der Karfreitag ein Feiertag.

  2. Über den Sinn oder Unsinn des katholischen Glaubens – die Wandlung ist nun einmal das katholische und identitätsstiftende Dogma schlechthin – darf man in Anbetracht der Religionsfreiheit nicht politisch diskutieren. Ausschlaggebend ist ausschließlich, ob der katholische Volksfeiertag mit seinen Prozessionen noch von solcher Bedeutung ist. Das darf in NRW sicherlich bestritten werden. Es gibt nur noch ganz wenige Dörfer, die das Fronleichnam als katholisches Volksfest feiern. Möglicherweise sieht dies jedoch in Bayern z.B. ganz anders aus.

    • Die Fronleichnamsprozession gehört mancherorts zur Folklore (Kultur) wie das andern oder sogar gleichen Ortes Aufstellen des Maibaums. Übrigens nicht nur in Bayern, sondern beispielsweise auch in Spanien und Lateinamerika. Man darf diesen Feiertag also nicht nur rein religiös sehen.

    • Über Glaubensinhalte sollte in der Tat nicht politisch diskutiert werden. Trotzdem sollte es in mir in meinem persönlichen Blog erlaubt sein, dazu eine persönliche Meinung zu äußern. Im Übrigen denke ich nicht, dass die Transsubstantiationslehre das wichtigste katholische Dogma ist. Diese Lehre ist erst im Mittelalter entstanden und hat einen philosophischen HIntergrund, der den meisten Menschen in der Antike oder auch jetzt in der Neuzeit eigentlich gar nicht verständlich ist. Hingegen ist richtig, dass dieses Dogma spezifisch für die katholische Kirche ist und sie von anderen christlichen Kirchen unterscheidet bzw. trennt.

      • Ich schrieb daher bewusst „politische“ Diskussion. Die Abschaffung des Feiertages als freier Tag ist eine politische Frage.

        Das Problem bei religiösen Fragen ist immer, dass Glaubensthesen immer Persönlichkeiten im innersten Treffen. Glaubensfreiheit ist daher auch ein sehr intimes Persönlichkeitsrecht. Schon politische Grundlagendiskussionen sind sehr schwierig zu führen, weil sie sehr persönlich sind. Sie betreffen die eigene Prägung, Philosophie, Glauben, Dogmen, pp.. Theologische Diskussionen kann man öffentlich gar nicht führen, weil Meinungsäußerungen immer polarisierend sind und regelmäßig als ehrverletzend und persönlichkeitsverletzend – auch wenn es so gar nicht gemeint ist – empfunden werden. Sie können mit ordentlichen Türken, Arabern, pp. durchaus über Kriminalitäts- oder Integrationsprobleme sprechen. Sobald Sie diesen aber sagen würden, der Koran wäre ursächlich oder gar schuld, dann wäre die Diskussion beendet und sie würden nie wieder ein Wort mit Ihnen wechseln. Deshalb bringen diese Koran-Diskussionen nichts. Deshalb bringt es auch nichts, über christliche Feiertage auf theologischer Ebene zu diskutieren. Weil diese Diskussionen, insbesondere in Bezug auf den Islam, erkennbar persönlichkeitsverletztend empfunden werden, kann man damit auch nicht großartig Wähler gewinnen, denn es schreckt ab, insbesondere wenn man das Gefühl hat, dass Diskussionen anders geführt werden könnten. Insbesondere kann man Missstände wie Kriminalität oder Assimilationsprobleme völlig frei von religiösen Bezügen diskutieren.

  3. das ist eine Unverschämtheit.Ab dieser Meinung,welche ich nicht teilen kann,möchte ich keine Mails m,ehr haben.Werde sofort Freundschaften löschen.etc.Werde mir auch überlegen,wenn solche Leute bei der AFS so einen Mist kommentieren, die Mitgliedschaft bei der AFD zu beenden.

    • Meinen Sie den Eingangskommentar von Prof. Dilger oder eine der Antworten darauf? Was ist in Ihren Mist? Fronleichnam oder die Ansicht, darauf verzichten zu können? Sind sie gläubiger Katholik oder gläubiger Atheist?
      Unabhängig davon: Werfen Sie immer sofort die Brocken hin, wenn ihnen jemand nicht nach dem Mund redet? Sollten Sie verärgerter Katholk sein: Gottgefällig ist ein solches Verhalten bestimmt nicht. 😉

    • gute Güte, wenn das Ihr Beitrag zur Diskussionskultur in der Partei ist, dann sollten wir doch fürderhin auf Ihre Mitgliedschaft lieber verzichten.

  4. Herr Prof Dilger

    Haben sie keine anderen Sorgen als über die Abschaffung von Feiertagen nachzudenken.
    Man kann dadurch sicher die Produktivität steigern und damit den Gewinn eines Unternehmens,ansonsten macht es wenig Sinn einen solchen Unsinn zu bloggen.

    Das war noch höflich und ich erwarte gerade von IHNEN mehr als solche banalen Dinge in Diskurs zu bringen.

    Kritik mögen sie nicht sonderlich,das habe ich schon gemerkt.
    Aber mit solchen Beiträgen kann man sich nur absichtlich ins Abseits stellen.

    Es bringt meiner Meinung nach auch nichts,wenn wir unsere Zeit verschwenden und wirklich nur
    über nichtssagende Themen debattieren wie das Paarungsverhalten von Eintagsfilegen,den 17 Juni und die Abschaffung von Feiertagen.

    MT

    • Banal ist die Diskussion nicht, denn sie berührt sehr wohl ein Thema der AfD. Wenn wir über nationale Souveränität reden sowie über die Chancen und Probleme von Einwanderung, müssen wir auch über Identität reden. Dazu gehört durchaus auch die Frage, wie wir es mit dem Christentum halten wollen.
      Ich möchte das Feld hier nicht den neuen Hardcore-Atheisten der Giordano-Bruno-Stiftung überlassen und auch nicht denen, die den Islam in mit scheintoleranten Lenorspülgängen instrumentalisieren, um das verhasste Chrisitentum auszuhebeln. Was würde eine gottlose Gesellschaft letztlich bedeuten?

      • Ich bin zwar Agnostiker, als im Babyalter zwangschristianisierter Katholik bin ich aber dennoch für Toleranz i.S. Religion und Glauben. Also lasst doch den Katholiken (und auch anderen Glaubensgemeinschaften) ihre Feiertage – letztlich profitieren doch alle davon. Auch kulturell gesehen (abseits eines etwaigen Glaubensbekenntnisses)

        Selbst als Unternehmer bin ich nicht der Meinung, dass Feiertage Produktivitätskiller sind. Im Gegenteil: In der heutigen Dienstleistungsgesellschaft entstehen schätzungsweise 80% der Wertschöpfung in 20% der verbrachten Arbeitszeit. Der Rest der Zeit wird mehr oder weniger „unproduktiv“ zugebracht. Und ein gesunder, erholter Arbeitnehmer nutzt mir i.d.R. gefühlt zehn mal mehr, als ein überforderter, selbstgestresster „Workoholoic“.

    • Da ich hier jeden Tag blogge, geht es nicht nur um weltbewegende Themen, wobei ich vorher oft nicht weiß, woran sich dann eine große Diskussion entzündet (wie z. B. an diesem Beitrag) und was zu gar keinen Kommentaren führt. Wie auch sonst im Internet würde ich auch bei diesem Blog dazu raten, selektiv zu lesen und vor allem zu kommentieren. Wenn Ihnen etwas nicht wichtig ist, sollten Sie es besser ignorieren statt über die mangelnde Wichtigkeit zu klagen, was zu weiteren Kommentaren führt und dem Beitrag mehr Gewicht verleiht.

  5. Es ist sicherlich richtig, das solche religiösen Feiertage für die meisten Leute nicht mehr viel Bedeutung haben. Aber angesichts der politisch korrekten Alternativen welche uns dann unweigerlich ins Haus stehen würden, bin ich in dieser Beziehung jeglicher Änderung abgeneigt.

    Wenn überhaupt, würde ich als Liberaler eher einen ganz anderen Feiertag zur Abschaffung ins Auge fassen, nämlich den 1. Mai, wo SPD, Grüne und DGB Hand in Hand mit expliziten Kommunisten wie DKP und MLPD die rote Fahne hochhalten. Eingeführt übrigens von den Nationalsozialisten, wie so viele anderen ’sozialen Errungenschaften‘ welche heute von den ‚antifaschistischen‘ Sozialisten gepriesen werden.

    • Mit dem 1. Mai haben Sie meine hundertprozentige Zustimmung. Wie so viele Relikte aus der Zeit der Frühindustrialisierung (zu denen ich auch die Dinosaurierpartei SPD zähle) ist dieser „Feiertag“ heute übrig wie ein Kropf.

  6. Vielleicht sollte man es vor allem als öffentliche Demonstration für den Glauben zu sehen, zu der heute weit mehr Mut gehört als sich beim Christopher Street Day nackt ins Pose zu setzen. Über das Datum kann man reden.

  7. Christliche Feiertage sind per se auch deutsche Feiertage, auch wenn Deutschland natürlich kein christlicher Gottesstaat ist oder sein sollte. Das Christentum hat Deutschlands Geschichte und Wesen seit seinem Beginn geprägt (wenn auch nicht nur in guter Weise), von der Christianisierung der germanischen Stämme über die Reformation und den Dreißigjährigen Krieg bis hin zur Rolle der Kirche in der DDR. Das gezielte Abschaffen eines bereits bestehenden Feiertages ist daher für mich der Top-Down-Versuch einer Umdeutung der Natur des Landes.

    Die Debatte um die Abschaffung von Feiertagen zwecks wirtschaftlichem Nutzen halte ich, um ehrlich zu sein, für absurd, da allein durch den Mindestlohn ein größerer Schaden entsteht als durch einen bestimmten arbeitsfreien Tag im Jahr, der den Menschen etwas mehr Raum für die eigene Familie inklusive Nachwuchs ermöglicht. Ich gehe auch nicht davon aus, dass die Zahl der Feiertage noch reduziert werden wird, vielmehr dürften Gedankenspiele zur Abschaffung einzelner Feiertage nur zu deren Ersetzung durch andere führen. Das kann dann sogar dazu führen, dass der nicht unumstrittene Tag der Deutschen Einheit durch den Europatag als Nationalfeiertag ersetzt wird, wobei anlässlich dieses Ereignisses „Harmonisierung“ und der Euro – auch eine Religion – beweihräuchert werden dürften.

    Von dem Bewerten religiösen Gedankengutes kann ich nur abraten, weil man sich so auf sehr glatten Boden begibt. Viel krasser finde ich nämlich etwa die Vorstellung, dass man für das Massakrieren Unschuldiger einen Harem von Zwangsprostituierten in einer anderen Dimension gut geschrieben bekommt, wobei diese andere Dimension nicht nur ein Bordell, sondern auch ein Wirtshaus sein soll, denn dort soll der Wein in Flüssen fließen. Dass eine solche Gesinnung barbarisch, hirnverbrannt und vor allem gefährlich ist darf ich aber nicht sagen, denn das ist irgendwie rechts und im Zweifelsfall antiliberal. Zum Glück darf man das Christentum verulken und dessen Stellung in der Gesellschaft hinterfragen, was dann gemeinhin sehr liberal ist.

    PS: Als Katholik „muss“ man nichts glauben, zumal man die Kirche auch verlassen kann, ohne mit dem Tod bedroht zu werden.

    • Das Fronleichnamfest ist kein christlicher, sondern ein katholischer Feiertag. Die Katholiken halten damit ihre „Fahne“ hoch. Vor diesem Hintergrund sind die Prozessionen zu sehen. Aus dem gleichen Grunde wird das Fronleichnamfest in protestantisch geprägten Bundesländern nicht gefeiert.

      Theologische Einlassungen führen auf der politischen Ebene nicht weiter. Glauben ist nun einmal Glauben und erhebt im Regelfall nicht den Anspruch, einer naturwissenschaftlichen Analyse standzuhalten. Tatsächlich ist es aber so, dass der Katholik nur rechtgläubig ist, wenn er an die Wandlung glaubt. Das ist ein elementares Dogma, das seine Wurzel in der Auslegung des Pfingstereignisses findet. Die Katholiken glauben nun einmal daran, dass der heilige Geist erst einmal einmalig auf die Jünger Christi herabging. Mit dem Heiligen Geist erlangten die spirituelle Fähigkeiten und Erkenntnisse. Das geweihte Kirchenpersonal stehe in der ungebrochenen Nachfolge dieser Apostel. Der Heilige Geist übertrage sich durch Handauflegen über Generationen hinweg. Diese ungebrochenen Nachfolge im klerikalen Kreis ist eine theologische Grundsäule der und -voraussetzung zur Wandlung. http://de.wikipedia.org/wiki/Weihesakrament#Bischofsweihe Die Protestanten führen hingegen die Sakramente direkt auf das Wort Gottes zurück. Demnach könne jeder Gläubige auch direkt in den Genuss des heiligen Geistes kommen. So erklärt sich der hohe Stellenwert des Klerus in der katholischen Kirche, das Papsttum – welches ja schon klarstellt, was zu glauben sei – und aufwendige Volksfeste wie das Fronleichnamfest.

      Das Studium des Korans – z.B. der Reclam-Ausgabe – ergibt schon, dass sich der Koran für die Rechtfertigung von barbarischen Handlungen eignet. Es gibt Suren zum Djihad, die Anleitungen zum Mord und Totschlag geben. Während die Bibel ein Buch von (historischen) Erzähl-Büchern ist, ist der Koran an Sammelwerk von Imperativen. „Weil dies so und so war, tu dies und das“. Während die Bibel über Jahrtausende angewachsen ist, ist der Koran in kürzester Zeit zum Nutzen eines politischen Kaufmanns entstanden und später überarbeitet worden. Die unterschiedlichen historischen Entstehungsweisen erklären schon, warum der Koran stilistisch ganz anders aufgebaut und warum dieses Religionswerk deutlich problematischer ist. Aber wie schon geschrieben, solange der überwiegende Teil der Muslims sich rechtskonform verhalten, können theologische Ausführungen keine Relevanz in der politischen Diskussion haben. Anders wäre es dann, wenn die Mitgliedschaft zu einer Religionsgemeinschaft automatisch zu einer verfassungswidrigen und rechtsmissachtenden Haltung führen würde. ( Die Mitgliedschaft bei den Salafisten könnte z.B. in die Richtung gehen. )

      Aber, um auf das Ursprungsthema zurück zu kommen: Das Fronleichnamfest kann man politisch nur dahingehend würdigen, ob es noch ein Volksfeiertag ist. Wenn dem nicht so ist, dann kann man natürlich darüber nachdenken, ob der Feiertag nicht überholt ist. Man kann in dem Zuge darüber nachdenken, ob es bessere thematische Alternativen gibt, ob man ihn tatsächlich abschafft ( und z.B. einen Tag mehr Urlaub vorschreibt ) oder ob man ihn beläst, weil die Alternativen zweifelhafter wären.

      • Den direkten Zusammenhang zwischen Pfingsten und Fronleichnam sehe ich nicht. Fronleichnam steht eigentlich mit dem letzten Abendmahl in direkter Verbindung und würde an Gründonnerstag gefeiert, wenn das nicht in der Karwoche läge. Die Bedeutung des Klerus bis hin zum Papst ist eine weitere, aus meiner Sicht wichtigere Differenz zwischen katholischer und evangelischer Kirche.

      • Luther hätte mit dem Fronleichnam kein Problem, wenn es nur um das Gedenken an das letzte Abendmahl gehen würde. Die Aufmachung, nämlich der prunkvolle Priester unter dem Dach, die Monstranz mit der Hostie hochhaltend, durch die Messdiener flankiert, das Kirchenvolk nachfolgend, untermauert dass der Leib Christie realexistierend aufgrund von Wandlung durch den Klerus präsent ist. Es untermauert(e) den Machtanspruch des Klerus. Es ist somit indentitätsstiftend und Symbol des Unterschiedes zur protestantischen Kirche. http://www.zdf.de/ein-guter-grund-zu-feiern/was-ist-fronleichnam-5425224.html Es ist allerdings einzuräumen, dass die katholische Kirche das Fronleichnam-Fest wohl eher nur noch als reine Traditionsfeier betreibt. Aber die Aufgabe des Privilegs, als einzig „wahre“ Kirche die Wandlung vollziehen zu können, wird ( noch ) nicht aufgegeben. Deshalb gibt es ja den Disput mit der Ökomene und dem gemeinsamen Abendmahl.

    • @Thomas Vorländer: In Ihrem ersten Passus bringen Sie es auf den Punkt. Die Abschaffung christlicher Feiertage bedeutet ein Stück mehr Selbstentwurzelung. Die Diskussion um St. Martin, den Nikolaus und die christliche Symbolik in der Weihnachtsbeleuchtung hat bereits gezeigt, welche Kräfte hier am Werk sind. Letztlich haben die Initioatoren es darauf abgesehen, die kulturellen Konturen Deutschlands aufzulösen. Ich wundere mich schon, dass Prof. Dilger hier mit am Strang zieht, wenn auch aus anderen Motiven.

      • Lieber Herr Noack, Sie bringen es wiederholt auf dem Punkt. Die Ansätze des Herrn Prof. Dilger sind teilweise recht befremdlich.

  8. 28 Urlaubstage, 108 Samstage und Sonntage, durchschnittlich 17 Arbeitstage Krankenstand, durchschnittlich 12 Feiertage an Arbeitstagen (lokale Feiertage, wie z.B. das Augsburger Friedensfest etc nicht eingerechnet). Von den 365 Tagen im Jahr arbeitet der durchschnittliche Beschäftigte noch 200 Arbeitstage zu 8 Stunden. Für durchschnittlich 165 Tage im Jahr bezahlt der Arbeitgeber jedoch trotzdem Lohn, teilweise Urlaubsgeld, Kammerbeiträge und Berufsgenossenschaft, Sozialversicherung, laufende Fixkosten, Steuern etc.
    Die AfD hat dafür, anders als die FDP, überhaupt kein Konzept, wie Arbeitgeber zur Sicherung der Arbeitsplätze und der weiteren ökonomischen Entwicklung endlich entlastet werden können.
    Die Selbständigenquote ist deshalb in unserem Land besonders niedrig.
    Dafür aber war die AfD auch gegründet worden, und zwar von einer ganzen Reihe von Unternehmern und Selbständigen. Viele haben die AfD mittlerweile enttäuscht wieder verlassen. Mit dem Zustrom von Rentnern, Beamten und abhängig Beschäftigten hat die AfD dieses Ziel völlig aus den Augen verloren. Auch deshalb ist die AfD keine wirkliche Alternative. Sie vertritt den gleichen Senf, wie die Altparteien auch.

    • Sehr schöne Steilvorlage und wohl aus genau diesem Grund hat Herr Prof. Dilger die Diskussion sicher auch gestartet.

      Wie ich oben schon erwähnte ist der einzigste Grund den man haben könnte Feiertage abzuschaffen,der die Produktivität oder besser die Gewinnmarge für Untenehmen zu steigern.

      Herr Heine – und genau deshalb haben die Bürger die FDP in Grund und Boden gestampft.

      Ihr Zitat:. “ Mit dem Zustrom von Rentnern, Beamten und abhängig Beschäftigten hat die AfD dieses Ziel völlig aus den Augen verloren.“

      Mein Rat : Treten sie wieder in die FDP ein.

      Ohnehin stelle ich mir die Frage ob es klug war Liberale und Konservative in einer Partei unterzubringen.Es sieht jedenfalls im Moment so aus,das die Schnittmengen eher gering,die Gegensätze unüberbrückbar sind.

      Und es sieht so aus,als ob die Liberalen schrittweise aus der AFD verdrängt werden,was ich nicht weiter kommentieren muß und will.

      Ihr Zitat siehe oben zeigt sehr deutlich welche Interessen sie haben,
      diese reichen maximal bis zum eigenem Kontoauszug und dann ist auch wirklich Schluß bei Ihnen.

      • Hallo Herr MM (warum eigentlich anonym?),

        es geht nicht um die Steigerung von Produktivität, sondern darum, daß die unter Industrienationen einmalig üppig bemessene Zahl an „Nichtarbeitstagen“ die KM-Unternehmen belasten. So ist der durchschnittliche Krankenstand 2013 der höchste seit 1988. In den KMU ist er nach wie vor recht niedrig, trotzdem müssen die kleinen und mittelständischen Unternehmen dafür genauso hohe Lasten tragen. Wir sollten alle dabei die Wettbewerbsfähigkeit im Auge behalten, insbesondere im Vergleich mit unseren schärfsten globalen Wettbewerbern. Fronleichnam hätte als Feiertag sicher seine Berechtigung, wenn er als bundesweit von der überwiegenden Mehrheit der Bürger als religiös-kultureller Feiertag gefeiert würde. Aber das ist nicht der Fall. Stattdessen ist Fronleichnam mehr oder weniger ein willkommener Feiertag, der traditionell am Donnerstag stattfindet, und damit der Auslöser für hohe Krankenstände ausgerechnet am darauffolgenden Freitag, einem sog. „Brückentag“.

        Ich bin übrigens Mitglied der FDP. Meine Partei ist deshalb nicht mehr gewählt worden, weil die FDP in Regierungsverantwortung die Versprechen von vor der Bundestagswahl 2009 nicht einhielt und damit das Vertrauen der Wähler verspielte. Mit der Forderung nach einer von Vernunft getragenen, marktliberalen Wirtschaftspolitik, der wir unseren Wohlstand verdanken, haben die Wahlniederlagen nichts zu tun.

      • Lieber Rolf,

        bitte „MT“ nicht mit mir („MM“) verwechseln.

        Ich bin i.S. Belastung der Selbständigen und KMU sowie der Besorgnis erregend rückläufigen Selbständigenquote natürlich völlig bei Dir und habe ja auch bereits auf dem Bundesparteitag der AfD in Berlin (14.04.2013) sowie bei vielen anderen Gelegenheiten versucht, die Problematik zu thematisieren.

        Allerdings ändern daran ein paar Feiertage hin oder her kaum etwas. Grundproblem ist eine von Umverteilungsempfängern dominierte Staatspolitik. Dieser ganze Moloch Staat muss von Grund auf reformiert werden.

        Im Falle der „Lohnnebenkosten“ beginnt das schon mit der irreführenden Pseudo-Aufteilung in einen „Arbeitnehmeranteil“ und einen „Arbeitgeberanteil“. Damit soll nur die tatsächliche Höhe der Abgabenquote verniedlicht werden und sonst gar nichts.

        Fair wäre, auch den anhängig beschäftigten Menschen ihr reales Bruttogehalt je tatsächlich erbrachtem Arbeitstag ganz einfach auszuzahlen und sie die Verantwortung für sich selbst auch selbst übernehmen zu lassen. Aber das will unser Verwaltungs- und Beamtenstaat ja nicht, denn dadurch könnte ja der Großteil seiner Apparatschiks überflüssig werden …

        Da nur leider auch Deine FDP von Beamten unterlaufen ist, wird auch sie nichts Ernsthaftes unternehmen, etwas am bestehenden Zustand zu ändern.

        LG
        Michael Meister

    • Die Arbeitgeber zahlen normalerweise keinen Lohn für Samstage und Sonntage (ggf. ersetzt der Sonntag einen Werktag als Arbeitstag, wofür dann Zuschläge fällig werden wie auch an einem gesetzlichen Feiertag). Dafür zahlt er den Lohn weiter im Urlaub, (teilweise) bei Krankheit und eben an Feiertagen. Wie der Mindestlohn in dieser Hinsicht ausgestaltet werden soll, weiß ich noch gar nicht.

  9. Aus welchem Grund Feiertage abschaffen? In einer globalisierten Welt sollten wir uns evtl. an Indien orientieren. Jede Religion ist dort mit Feiertagen bedacht, die zusätzlich zu den gesetzlichen Feiertagen arbeitsfrei sind.

    • Wenn das so ist -> wir brauchen mehr Einwanderung.

      Aber mal ernsthafter,wir brauchen keine abgeschaften Feiertage.
      Ich bin ein verfechter für eine steuerliche Entlastung im Mittelstand,gerade im Dienstleistungssektor ist der Steuersatz viel zu hoch.

      Das ist aber nicht umsetzbar wenn die Politik das Geld schneller ausgeben will,als es reinkommt.

      Also müßte ersteinmal die Geldverschwendung gedrosselt werden bevor man darüber nachdenkt,wie man wen entlasten kann.

      Und da sehe ich eher gegenteiliges als gute Ansätze.

      • Herr MT, an welche Sparposten denken Sie? Bein den Sozialausgaben, den größten Posten wird es schwer. Damit rütteln Sie aber an den Grundfesten der Bundesrepublik, die sich zu ja ewigen Sozialstaat verpflichtete.

  10. Sehr geehrter Herr Professor!

    Ihre Meinung:

    Dieser Feiertag wurde im 13. Jahrhundert eingeführt, als die nicht minder absurde Transsubstantiationslehre zum Dogma erhoben worden war.

    bleibe Ihnen unbenommen — nur ist sie historisch schlichtweg falsch. Als Dogma definiert wurde sie erst vom Tridentinum (s. hier), also im 16. Jh.. Als herrschende kirchliche Lehrmeinung existierte sie hingegen jedenfalls spätestens seit dem Streit um die Lehren Berengars (also 11. Jh.).

    Mit der Aussage, daß dieses Dogma „absurd“ sei, werden Sie allerdings Katholiken (ich meine damit: gläubigere Katholiken als mich) ziemlich vor den Kopf stoßen — die Transsubstantiation ist eben eines der „Kerndogmen“ der Katholiken, etwa vergleichbar dem „sola scriptura“ der Lutheraner, das genau genommen (da das N.T. bekanntlich nicht vom Himmel gefallen ist) mindestens ebenso „absurd“ ist. Von der Absurdität so ziemlich aller anderer Dogmen (wenn man sie genauer durchdenkt) zu schweigen …

    In merito: christliche Feiertage abzuschaffen, die hierzulande seit 750 Jahren gefeiert werden (wenigstens im katholischen Teil), ist schon irgendwie ein Akt der mutwilligen Identitätszerstörung! Da landet man schnell beim Begehren — schließlich ist so ein Feiertag ein „wohlerworbenes Recht“ des ausgebeuteten, werktätigen Proletariats! — nach einem neuen Feiertag als Ersatz, der dann aber (wir können wetten!) keiner aus der christlichen Tradition sein wird, sondern (auch da können wir wetten) einer aus der islamischen. Mit einem Wort: Umvolkung durch die Hintertür.

    Wenn man schon „liberal“ vorgehen möchte, dann müßte man konsequent Leistungszeit bezahlen lassen, und Nichtleistungszeit (Krankheiten, Feiertage etc.) eben das Privatvergnügen des jeweiligen Menschen sein lassen. Ist ja für mich als Selbständigen auch nicht anders! Wenn eine Sache fertig ist, wird sie mir bezahlt — ob ich zwischendurch krank war, in der Fronleichnamsprozession mitging, oder nächtens die WM verfolgte und daher tagsüber nicht arbeitsfähig war, ist jedem meiner Klienten schnurzegal.

    Warum nicht dasselbe auch für Dienstnehmer (die eben, um den durchaus sinnvollen Unterschied von Dienst- und Werkleistung beizubehalten, keinen bestimmten Erfolg, sondern eine bestimmte Tätigkeitszeit schulden)? War schließlich im guten alten römischen Recht nicht anders („Sphärentheorie“).

    Polemik gegen den Fronleichnamstag halte ich hingegen bloß im günstigsten Fall für eine Spiegelfechterei, in weniger günstigen für die ersten Anzeichen von Selbstaufgabe unserer Kultur. Wer Feierrituale wegrationalisiert, weil sie ihm „absurd“ erscheinen, rührt an Dinge, die man besser nach dem alten Spruch „quieta non movere“ aus sich beruhen läßt.

    • Sehr geehrter Herr „LePenseur“,
      ich finde Sie haben Recht. In mancher Hinsicht haben Angestellte Privilegien, die überdacht gehören.

      Ach noch etwas zum Liberalismus. Von dem ich habe ich hier gelernt, dass Identität und Tradition bei den Liberalen nicht allzu viel zählen (aber wohl bei den meisten Mitgliedern in der AfD!), was sie mir die Liberalen suspekt machen Das ist doch ein himmelweiter Unterschied zu den Konservativen.

      Ja, da fällt mir noch ein weiterer großer Unterschied ein, der zeigt, dass die Liberalen doch auch gehörig nach links tendieren (das könnte wohl der Grund sein, warum in den USA „liberals“ = „Linker“ gilt), nämlich, die Liberalen wie die Linken gehen in erster Linie von der Gleichheit der Menschen aus, die Konservativen aber von der Verschiedenheit.

      Damit meinen auch Liberale wie Linke, dass alle Menschen die gleichen Rechte haben müssten. Das denken die Konservativen nicht, dort ist viel mehr die Tendenz vorhanden, individuelle Rechte (sagen wir mal über grundlegende Menschenrechte hinaus) leiten sich aus einer natürlichen Ordnung, von Leistung und anderen Eigenschaften ab.

      Chufu

  11. Ich hoffe doch sehr, auch Konservative befürworten keinesfalls „individuelle Rechte“. Sonst müsste man sie ja zu Gegnern des Grundgesetzes zählen.

    • Herr Chufu machte schon vorher deutlich, dass er nicht auf dem Boden des Grundgesetzes steht. Linke sind für Gleichheit in jeglicher Hinsicht, Liberale für Gleichheit vor dem Gesetz (einschließlich gleichem Stimmrecht in der Demokratie) und Rechte sind für Ungleichheit (wohl wegen eines naturalistischen Fehlschlusses aus der natürlichen Ungleichheit heraus).

      • Die Beiträge von Chufu zeugen gewiss von einer konservativen Haltung, aber diese so mir nichts, Dir nichts, noch dazu in einem öffentlichen Forum nicht auf dem Boden des Grundgesetzes zu verorten, ist eine Unterstellung, die juristische Konsequenzen haben könnte.
        Überhaupt: Muss dieses undifferenzierte, holzschnittartige Schubladendenken schon wieder sein?
        Nicht alle Linken sind ideologisch verbohrt. Es gibt auch liberale Fundis, die am liebsten bestimmte Gesetze aufweichen würden, um Freiheiten zu legitimieren, die anderen Menschen durchaus schaden. Und warum schreiben Sie pauschal „Rechte“? Damit übernehmen Sie die Masche der Medien. Ihre Definition trifft lediglich auf eine extreme Geisteshaltung zu. (Die Ableitung bestimmter Vorrechte aus bestimmten Gegebenheiten kommt übrigens auch bei extrem Linken vor).

        Chufu meinte, vermute ich jedenfalls, das Gegenteil von dem, was Sie bei den Linken ja bemängeln: Es gibt Verschiedenheit und diese sollte nicht um jeden Preis eingeebnet werden. Beispiel: angemessene Wertschätzung von Begabungsunterschieden und Leistung. Wer in den letzten Tagen die FAZ und die Welt gelesen hat, hat mitbekommen, wie sehr das Abiturniveau gesunken ist, weil Unterschiede eben nicht genug gewürdigt werden. Das zu kritisieren, hat mit rechtsextremem Gedankengut nichts zu tun. Was mich an Chufus Aussage allerdings schon auch irritiert, ist die Formulierung „natürliche Ordnung“. Was genau ist damit gemeint?

      • Chufu hat sich gegen das Sozialstaatsprinzip und auch gegen Demokratie im Sinne des gleichen Wahlrechts ausgesprochen. Beides gehört zum unveränderbaren Kern des Grundgesetzes. Wir sollten die Dinge auch einmal beim Namen nennen und hier nicht der PC oder PI huldigen. Rechts ist auch nicht rechtsextrem, wie Sie hier fälschlich unterstellen und Chufu selbst richtig erkannt hat. Gleichheit vor dem Gesetz ist schließlich keine Gleichmacherei, da (gute) Gesetze durchaus sachlich gerechtfertigte Differenzierungen erlauben oder sogar erfordern.

      • Vielleicht sollte man noch hinzufügen, daß der katholische Feiertag Fronleichnam in nicht wenigen Gegenden Deutschlands zu einer nicht zu unterschätzenden, nur kurios zu nennenden Wettbewerbsverzerrung führt.

        In der einen Gemeinde kann Feiertag sein, was in der Nachbargemeinde Arbeitstag ist. Das führt dazu, daß Einwohner der einen Gemeinde den Feiertag zum Einkauf in der Nachbargemeinde nutzen. Die geschlossenen Geschäfte der katholisch geprägten Gemeinde haben dann schon mal das Nachsehen.

        Noch absurder wird es dann, wenn der gar nicht so seltene Fall (z.B. in Bayern eintritt), daß Beschäftigte eines Unternehmens mit Standort in einem katholischen Ort Einwohner der nicht-katholischen Nachbargemeinde sind. Dann bezahlt kurioserweise der Unternehmer mit Standort in der katholischen Gemeinde mit seinen an einem Feiertag ausbezahlten „Löhnen“ den Einkauf seiner in der nicht-katholischen Gemeinde wohnenden Beschäftigten, die an diesem Tag natürlich den Feiertag genießen, während absurderweise der Unternehmer mit Standort in der nicht-katholischen Gemeinde Umsatz macht – womöglich mit Beschäftigten aus der katholischen Gemeinde, die nicht in den Genuß des Feiertags kommen, obwohl sie vielleicht sogar katholischen Glaubens sind und die Prozession mitmachen wollen.

        Und das sind keine konstruierten Fälle, sondern von mir als Arbeitgeber in einer betroffenen Gegend an einem früheren Standort in Bayern selbst erlebt.

      • Lieber Herr Noack,

        ich danke für Ihren guten und verständnisvollen Beitrag.

        Ich gebe zu, meine Wahl des Ausdruckes „natürliche Ordnung“ war nicht sehr gelungen. Ich meine damit, wie Sie es bereits vor weg antizipieren, dass es in der Wirklichkeit durch Begabung und Leistung Unterschiede bzw. Verschiedenheit gibt, die zu respektieren sind und sich auswirken sollten und daher nicht durch Zwangsmaßnahmen (staatliche Umverteilung, Steuern, gesellschaftliches Klima bzgl. Leistungsträger usw.,) einzuebnen sind. Darf man denn heute noch von Dummheit und Faulheit sprechen, ohne angegriffen zu werden?

        Ich meine damit z. B. auch, Versuche aufzugeben, natürliche Unterschiede beispielsweise der Geschlechter zu leugnen und mit ähnlichen staatlich geförderten Zwangsmaßnahmen der Gleichmacherei zu belegen, anstatt die Familie als natürliches Ordnungsprinzip zu fördern.

        Mein Vorschlag der Stimmengewichtung war eine rein theoretische Überlegung, indem Sinn, ob es zur Rettung der Herrschaftsform der Demokratie (!) sinnvoll sein könnte, Einflussfaktoren auf den Wert einer Stimme wie messbare Beiträge zur Gesellschaft und Nation zuzulassen und damit den Stimmen der Begabten, der Sicheinsetzenden, der Hartarbeitenden und der Intelligenten mehr Gewicht zu geben (mehr Einfluss von Verstand anstatt von Unverstand). Ein rein theoretischer Beitrag, wohl wissend, dass er nicht umsetzbar ist. Man lese dazu beispielsweise Friedrich Schiller!!!

        Ich denke aber, dass es zulässig sein sollte, über Verbesserungsmöglichkeiten des aktuellen politischen Systems nachzudenken (es gibt nichts auf was ewig unverändert Bestand hat), beispielsweise wie diese Nation in ihrer Sustanz (gegenüber den existierenden Bedrohungen) erhalten werden kann, aber auch wie wirklich mehr direkter Einfluss der Bürger erreicht werden kann. Beides sind wesentliche Ziele der AfD. Die Prinzipien der politischen Repräsentation und der Vertretung durch Parteien scheinen – gelinde formuliert – nicht optimal, sonst würden die Vorschläge für mehr direkte Demokratie und andere Alternativen nicht immer wieder hochkommen. Und die Ergebnisse aktueller Politik als Maßstab genommen, sind eine Katastrophe.

        Chufu

      • Das ist doch ein wesentlicher Grund, warum die AfD gegründet wurde. Allerdings denke ich nicht, dass die Demokratie völlig verschwindet, es ist „nur“ die Gewaltenteilung und der Vorrang der Parlamente. Die Regierungen machen jetzt über Europa die Gesetze. Die AfD sollte dagegen ankämpfen, statt einfach nur selbst an die Regierung zu streben. Außerdem brauchen wir zivilisierten Meinungsstreit nicht nur in der Politik insgesamt, sondern auch in der AfD. Denn die beste Politik steht nicht einfach fest, sondern darüber muss diskutiert und darum muss gerungen werden.

      • @Rolf Heine:
        Diese regionalen Besonderheiten machen Europas kulturelle Vielfalt eben aus. Bei mir im Dreilaändereck D-A-CH ist das ganz normal. Jedes Land profitiert mal davon, dass bei einem anderen Nachbarn Feiertag ist. Wo ist das Problem?

  12. Herr Chufu,

    Eigentlich dachte ich nicht an die Sozialausgaben,sondern an Politik mit dem Scheckbuch oder an Verschwendungen wie den Jäger 90 jetzt Eurofighter 20 Jahre lang zu entwickeln.

    Aber auch bei den Sozialausgaben lässt sich einsparen.
    100.000 Sinti & Roma auf Businesstour in Deutschland kosten sicher viel Geld.
    Dann doch besser EU – Überlegungen anstellen wie Rumänien seinen Lebensstandart verbessern kann.

    Was die Bundeswehr in Afghanistan soll,außer das es politisch so gewollt ist aber nichts bringt ist auch ein Kostenfaktor.

    Die Liste ist also sehr lang,das man die Milliarden nicht wie Kamelle aus dem Fenster werfen muß.

    • Deutschland braucht eine beträchtliche Wehrfähigkeit, die Zeiten werden nicht besser sondern leider wesentlich gefährlicher und unsicherer werden. Wer weiß, was wir noch abwehren müssen.

      Ist es nicht besser das Geld in höchst anspruchsvolle Technologiearbeitsplätze zu stecken (z. B. Wehrtechnik) als in Leute, die es versaufen oder damit Flachbildfernsehgeräte kaufen? Es gibt kein Anrecht auf ein kostenloses gutes Leben, es muss verdient werden!

  13. Lieber Herr Professor Dilger, Sie (Ex-Katholik) fordern, Fronleichnam durch den Feiertag 17. Juni zu ersetzen, kritisieren dabei die Fronleichnam zugrunde liegende katholische Wandlungslehre. Aus der Sicht der erzkonservativ-evangelischen Legalisten (politisch Linksliberalen) darf der Staat weder kirchliche noch politische Feiertage festlegen noch wie Feiertage zu begehen sind. Toleranz ist bekanntlich nicht, irgendetwas für inhaltlich vertretbar zu halten, sondern der Gewaltverzicht auch gegenüber dem Verhasstem, Verachteten, Friedlich-Freiheitlich-Bekämpften. Der Staat hat nur die Freiheit, (auf eigene Kosten, etwa Lohnverzicht) zu feiern zu sichern, etwa von Katholiken (Fronleichnam), Gewerkschaftlern (1. Mai), Homosexuellen (Christopher Street-Day) Anhängern der deutschen Einheit (3. Oktober), wie auch die Freiheit derjenigen, die die katholische Religion, den DGB, die Homosexualität, die deutsche Einheit ablehnen bis verabscheuen, ihre Gesinnung an solchen Tagen etwa durch Gegendemonstration oder stiller oder Betriebs- bzw. Ladenöffnung zu zeigen. Das hilft übrigens auch gegen die weitere Erhöhung der Zahl der Feiertage, die alle möglichen Gruppen fordern, ganz offiziell schon Moslems.

    Schönes Wochenende! Ulrich Motte

    • Feiertag wie Urlaubstag mit Gehaltsverzicht ist ohnehin die beste Lösung. So kann jeder abhängig Beschäftigte selbst entscheiden, was ihm wie „heilig“ oder unheilig ist. Gute Idee!

      • Genau so ist es, Michael. Warum sollen Arbeitgeber für das religiöse Hobby ihrer Arbeitnehmer bezahlen? Das ist ein Anachronismus. Lieber höhere Löhne aufgrund des zusätzlichen Arbeitstages – und dann kann jeder selbst entscheiden.

    • Ich fordere nicht „Fronleichnam durch den Feiertag 17. Juni zu ersetzen“. Der 17. Juni hätte meiner Ansicht nach nicht durch den 3. Oktober als Feiertag ersetzt werden sollen, doch das ist über 20 Jahre her. Jetzt würde es mehr Sinn machen, z. B. den 9. November statt den 3. Oktober zu feiern. Sie plädieren hingegen dafür, alle gesetzlichen Feiertage abzuschaffen und dafür ein Recht auf unbezahltes Fernbleiben von der Arbeit an persönlich wichtigen Tagen einzuführen, was im betrieblichen Alltag übrigens gar nicht so einfach zu organisieren wäre.

  14. Sehr geehrter Herr Professor Dilger, ich habe Ihre Antwort auf Chufus Einlassung genau gelesen. Wenn Sie so freundlich wären und noch einmal nachschauen würden, wer hier „rechts“ undifferenziert genutzt hat („naturalistischer Fehlschluss“) Ich nicht, ich habe diese nachlässige Art der Nutzung vielmehr moniert. Sie drehen den Spieß jetzt um. Wieso? Präzisieren Sie Ihre Aussage einfach (wie bereits geschehen) und gut ist.
    Was die PI bzw. PC betrifft: Beide gehen mir, Verzeihung, am Allerwertesten vorbei.

  15. Pingback: Evangelischer Kirchentag in Dortmund | Alexander Dilger

  16. Aks „Veitrag zur Ökumene“? Im Gegenteil: Eine Beibehaltung des Feiertags “ des hochheiligsten Leibrs Christi“ könnte die vermeintlichen „Nachfahren“ Luthers daran erinnern, dass auch sie gemäß den eigenen Bekenntnisschriften „glauben, lehren und bekennen“, dass der wahrhaftige Leib und das wahrhaftige Blut unseres Herrn und Heilandes Jesus Christus den Gläubigen gereicht werde, denen, die glauben zu Heil und Segen, denen, die nicht glauben aber zum Gericht. (Ob ich das persönlich jetzt glaube, ist irrelevant, das ist die offiziell geltende Lehre in den Landeskirchen, die die Bekenntnisschriften zur Lehrgrundlage haben und de ihre Prediger darauf ordinieren.)

    Luther haben Sie da heute gewiss nicht mehr auf ihrer Seite …

    • Das belegt doch nur, dass auch Ihnen der Unterschied zwischen Transsubstantiation und Realpräsenz nicht mehr geläufig ist, um den seinerzeit blutige Konfessionskriege geführt wurden.

      • Mir ist der Unterscheid schon klar. Ihnen auch? Sie spekulieren doch auch nur. Es gibt keinen Grund, Fronleichnam zu kritisieren … und auf Luther können Sie sich eben nicht berufen, denn für Luther galt: Realpräsenz ist Respräsenz. Und diese theol. Sicht haben die evangelischen Kirchen unter dem Dach der EKD aufgegeben. Luther wäre also eher bei den Katholiken (und er schreibt das ja an mehreren Stellen explizit „Ich wolle mit dem Papst eitel Leib und Blut haben, als mit den Schwärmern bloßes Brot.“ Und eben das hat mein bei einem „Feierabendmahl“ oder einem bloßen Gemeinschaftsmahl. Schade, dass Sie Luthers Abendmahlsschriften nicht mehr ganz parat zu haben scheinen:-D oder nicht begriffen haben 😦 Dann sollten Sie allerdings zu derartig komplexen theol. Auseinandersetzungen besser schweigen.

      • Auch Sie möchte ich daran erinnern, dass dies kein theologischer Blog ist. In dem Beitrag ging es um eine politische Frage, nämlich welcher Feiertag am ehesten abgeschafft bzw. gegen einen anderen getauscht werden könnte. Selbst wenn Sie jetzt meinen, dass die Transsubstantiationslehre Sie völlig überzeugt, wird sie doch von 99,9 Prozent der Menschen nicht mehr verstanden (siehe „Brot und Wein: Was bedeutet mir die Feier von Eucharistie und Abendmahl? Ergebnisse der Umfrage“, S. 3).

      • Umso dankbarer bin ich, dass Sie eine Diskussion zulassen: Mir ging es nur darum, dass Luther – auf den Sie sich ja zu berufen können meinten – heute eher bei den „Papisten“ stünde und er eben nicht als Kronzeuge für eine Abschaffung des Fronleichnamsfestes angeführt werden kann. 🙂

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