Preisniveaustabilität und Inflationsziel

Vor einigen Tagen erreichte mich eine Anfrage eines hochrangigen AfD-Funktionärs, der sich hier selbst zu erkennen geben mag oder auch nicht. Auch andere Leser können hier gerne Themen vorschlagen und Fragen stellen. Die vorliegende Anfrage betrifft die Preisniveaustabilität, die das vertraglich vereinbarte Ziel der EZB ist, von dieser allerdings als ein Inflationsziel von knapp unter zwei Prozent operationalisiert wird. Die Deutsche Bundesbank hatte früher ähnliche Inflationsziele, während echte Preisniveaustabilität einer Inflation von null entspräche. Wenn eine Punktlandung nicht möglich ist, wäre eine symmetrische Schwankung von z. B. einem Prozent Inflation bis zu einem Prozent Deflation langfristig stabiler als eine stets positive Inflation, selbst wenn diese klein ist. Bei einer moderaten Inflationsrate von z. B. zwei Prozent pro Jahr verdoppelt sich das Preisniveau alle 35 Jahre.

Der Grund dafür, warum ein Inflationsziel von knapp zwei statt null Prozent angestrebt wird, liegt darin, dass die schädlichen Effekte von Inflation und Deflation sehr unterschiedlich und asymmetrisch sind. Auf perfekten Märkten ohne Transaktionskosten, auf denen sich alle Preise unverzüglich und friktionslos nach oben und unten anpassen würden, wären Inflation und Deflation belanglos, würde aber noch nicht einmal Geld benötigt.

Auf realen Märkten gibt es erstens Schwierigkeiten beim Senken von Preisen einschließlich Löhnen. Tarifverträge werden z. B. für eine bestimmte Laufzeit geschlossen, an deren Ende typischerweise Lohnerhöhungen gefordert und Lohnsenkungen nicht widerstandslos hingenommen werden. Eine Reallohnsenkung um ein Prozent ist dann bei einer Inflationsrate von zwei Prozent leichter möglich als bei Nullinflation, weil eine Nominallohnerhöhung um ein Prozent leichter akzeptiert wird als eine entsprechende Senkung um ein Prozent, obwohl dies real keinen Unterschied macht. Zu bedenken ist außerdem, dass auch bei stabilem Preisniveau viele einzelne Preise (und Löhne) steigen und andere fallen, was sich nur im Mittel ausgleicht.

Zweitens führt Deflation dazu, dass der Realzins mindestens die Höhe der Deflationsrate hat, da man durch das reine Horten von Geld entsprechend an Geldwert gewinnt. Inflation erlaubt hingegen in einer Krisensituation einen niedrigeren Realzins, der auch bei null oder sogar darunter liegen kann. Drittens wird bei etwas Inflation das Horten von Geld grundsätzlich unattraktiver und das Anlegen und Investieren von Geld attraktiver, was die Wirtschaft belebt. Dabei findet keine Enteignung der Sparer statt, solange der Nominalzins über der Inflationsrate liegt bzw. die Inflation antizipiert wurde. Außerdem können Kreditverträge geschlossen werden, die inflationsindexiert sind. Viertens macht Deflation es attraktiver, Käufe von Konsum- und Anlagegütern in die Zukunft zu verschieben, weil diese dann billiger sind, während Inflation umgekehrt heutige Geschäfte anreizt und dadurch die Wirtschaft belebt.

Insgesamt ist für die Realwirtschaft und deren Wachstum eine geringe Inflation besser als gar keine oder sogar Deflation. Für eine hohe oder ständig steigende Inflationsrate gilt das nicht, während eine hohe Deflationsrate gar nicht vorkommt. Kurzfristig ist das Preisniveau bei einer geringen Inflationsrate ziemlich stabil, während langfristig alle Preise steigen. Das geschieht jedoch hinreichend langsam, so dass sich jeder auf die Änderungen einstellen und die neuen Preise auch lernen kann.

18 Gedanken zu „Preisniveaustabilität und Inflationsziel

  1. Ein hervorragender Beitrag!

    Es ist durchaus sinnvoll, eine Inflationsrate von bis zu zwei Prozent anzustreben, auch wenn das Staatsgeldkritiker auf die Palme bringt. Eine reale Geldentwertung ist dann nicht gegeben, wenn der Nominalzinssatz auf Erspartes höher als die Inflationsrate ist. Sowohl aus einzel- als auch aus volkswirtschaftlicher Sicht ist es unsinnig, sein Geld „unter dem Kopfkissen“ aufzubewahren. Für den Einzelnen lohnt sich das erst dann, wenn die Nominalzinsen negativ wären. Um die Hoffnungen mancher südeuropäischen Politiker auf negative Zinsen realistisch werden zu lassen, ist deshalb eine Abschaffung des Bargeldes notwendig. Erste Überlegungen dazu gibt es ja bereits. Dies ist eine der Gründe, weshalb sich die AfD klar dagegen ausspricht!

    Im Übrigen rühmen sich die Euromantiker ja damit, dass die Inflationsrate (vielleicht auch wegen hedonischer Preisbereinigung?) seit Einführung des Euros deutlich niedriger ist als zu DM-Zeiten. Dies sei ein Zeichen von Wertstabilität. Sie verschweigen aber, dass es – siehe oben – nicht allein auf die Inflationsrate ankommt. Zu DM-Zeiten hatten wir dank hoher Nominalzinsen jederzeit positive Realzinsen (und zudem Realeinkommenszuwächse). Beschäftigte und Sparer profitierten somit trotz höherer Inflation weit mehr als heute.

    • Um noch einmal eine konkrete Frage an Prof. Dilger zu stellen: Was halten Sie von der hedonischen Preisbereinigung, also davon, die Weiterentwicklung von Produkten ihrer Teuerung gegenzurechnen? Einfaches Beispiel: Laptops verteuern sich um 20 Prozent, doch deren Rechnungsleistung ist gleichzeitig um 10 Prozent gestiegen. Deshalb liegt die wahre Inflation nur bei 10 Prozent.

      Ich weiß nicht, welchen Stellenwert die hedonische Preisbereinigung bei der Berechnung unserer Inflation hat. Meines Wissens wird sie aber angewendet, was ich aus folgenden Gründen für groben Unfug halte:

      1. Die Verbesserung von Produkten rechnerisch zu bestimmen, gleicht einem Willkürakt, auch deshalb, weil es viele subjektive Faktoren gibt (etwa die Optik). Was ist mit dem Geschmack und Vitamingehalt von Obst oder Gemüse? Konsequent zu Ende gedacht, nimmt die hedonische Preisbereinigung absurde Züge an.

      2. Eigentlich müssten auch verkürzte Lebenszyklen von Produkten als zusätzliche Teuerung einfließen, was aber nicht geschieht, weil die Lebenszyklen neuer Produkte im Vorhinein nicht bekannt sind und dies darüber hinaus der mutmaßlichen Intention zuwiderläuft, die Inflation künstlich kleinzurechnen. Beispiel: Wenn ein neues TV-Gerät nur noch fünf statt zehn Jahre funktionstüchtig ist, müsste der Preis für die Inflationsberechnung eigentlich verdoppelt werden.

      3. Warum sollten Produkthersteller den technischen Fortschritt einpreisen, was implizit unterstellt wird? Lassen sich die Verbesserungen auf eigene Forschungsanstrengungen zurückführen (endogen), dann sind die Forschungskosten doch generell im Preis eines jeden Produkts, ob alt oder neu, enthalten. Denn die eigene Forschungsabteilung ist ein beständiger Kostenfaktor für das Unternehmen. Fällt hingegen der Fortschritt sprichwörtlich vom Himmel (exogen), gibt es kostenmäßig erst recht keine Rechtfertigung für eine Preiserhöhung. Im Gegenteil, bei vollständiger Konkurrenz muss das auf Lager produzierte Vorgängerprodukt für einen günstigeren Preis verkauft werden.

      Auch wenn das dritte Argument nicht ganz richtig sein sollte, da ich kein Betriebwirt bin – aus meiner Sicht ergibt die hedonische Preisbereinigung keinen Sinn.

      • Bei Computern und ähnlichen elektronischen Geräten wie Mobiltelefonen steigt die Leistung viel stärker als der Preis, der teilweise sogar sinkt. Dass es heute viel bessere Produkte gibt als vor zehn Jahren, kann doch bei der Inflationsberechnung nicht völlig vernachlässigt werden, auch wenn die genaue Preisbereinigung schwierig ist. Wer Deflation fürchtet, sieht hier eine Ursache dafür, dass die Inflationsrate überschätzt statt unterschätzt wird. Veränderte Produktlebenszeiten müssten ebenfalls berücksichtigt werden, allerdings nicht linear (am Anfang sind neue Produkte mehr wert und schreiben sich überproportional ab). Schließlich geht es bei der Inflationsberechnung nicht darum, wie Produzenten ihre Preise setzen sollten, sondern wie sich die reale Kaufkraft der Verbraucher verändert.

      • Ich bleibe zwar dabei, dass ich keine theoretische Rechtfertigung für die (vom Statistischen Bundesamt erst seit 2002 durchgeführte) Preisbereinigung sehe (denn meine reale Kaufkraft steigt nicht, wenn mein Laptop schneller rechnet oder mein Handy neue Funktionen hat), danke Ihnen aber dennoch für die Einschätzung!

      • Die Berücksichtigung höherer Leistungsfähigkeit muss sich natürlich am tatsächlichen Nutzerverhalten orientieren, nicht an rein technischen Verbesserungen. Doch wenn Sie wie ich ganz neue Funktionen Ihres Smartphones nutzen, die alte Mobiltelefone gar nicht hatten, hat tatsäch der Inhalt des Warenkorbs einen höheren Wert. Ganz offensichtlich ist das dann, wenn Sie für einen weit geringeren Preis noch das alte Leistungsbündel (also z. B. ein Telefon nur zum Telefonieren) erwerben können.

  2. Es gab ja einmal eine Neudefinition. Anfangs hieß das Ziel 0-2% Inflation, nun wird von knapp 2% Inflation geredet. Finden Sie diese Neudefinition richtig?

    Ich frage mich auch immer, warum die EZB selbst das Ziel definiert. Müsste es nicht eigentlich in den Verträgen selbst konkretisiert werden?

    • Von Anfang an hat der EZB-Rat „Preisstabilität als Anstieg des harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI) für das Euro-Währungsgebiet von unter 2 % gegenüber dem Vorjahr“ definiert. Es ist Ihre Interpretation, dass dies ein Inflationsziel von 0-2 % impliziert. Der EZB-Rat ergänzte später, dass „mittelfristig eine Preissteigerungsrate von nahe 2 % angestrebt wird“, wobei die Geldmengenstrategie schon vorher auf knapp 2 % abzielte. Die Bundesbank hatte von 1986-1996 ein implizites (über das Geldmengenwachstum) Inflationsziel von 2 %, welches dann die letzten zwei Jahre bis zur Euroeinführung auf 1,75 % abgesenkt wurde.

      Faktisch werden knapp 2 % Inflation momentan übrigens nicht erreicht. Die Eurozone insgesamt hat aktuell eine Inflationsrate von 0,7 %. In Deutschland liegt sie bei 1,3 %. Griechenland hat Deflation von 1,3 %. Das ist übrigens ein weiterer Nachteil vom Euro, dass Inflationsziele nur im Durchschnitt erreicht werden können, nicht aber für jedes einzelne Land.

      Die Vertragsstaaten haben das Ziel der Preisniveaustabilität nicht näher konkretisiert (was sie könnten, wenn sie wollten). Knapp 2 % scheinen zumindest ökonomisch vertretbar. Die vom IWF in die Diskussion gebrachten 4 % könnten hingegen wohl kaum noch als Preisstabilität bezeichnet werden.

      • „Die Vertragsstaaten haben das Ziel der Preisniveaustabilität nicht näher konkretisiert (was sie könnten, wenn sie wollten).“ – Klar, meine Frage zielte auch darauf, ob es nicht besser wäre, wenn das Ziel gesetzlich konkretisiert würde, was in der EU allerdings eine komplizierte Vertragsänderungsprozedur voraussetzt.

      • Bislang gibt es auf der EU-Ebene nicht wirklich Gesetze, sondern völkerrechtlich verbindliche Verträge, deren Änderung alle EU-Länder (nicht nur die der Eurozone) zustimmen müssten. Um die ohnehin herrschende Praxis festzuschreiben, scheint mir das nicht nötig. Ein zu hohes Inflationsziel von z. B. 4 % ist meiner Ansicht nach mit dem jetzigen Vertragstext, der Preisniveaustabilität vorsieht, nicht vereinbar. Preisniveaustabilität als ein Inflationsziel von 0 % festzuschreiben, schiene mir jedoch auch nicht sinnvoll, so dass ich an dieser Stelle alles so lassen würde, wie es ist. Viel wichtiger ist die Frage, wie man mit den Brüchen des Maastricht-Vertrages umgeht.

  3. Ich möchte noch hinzufügen, dass die Defation auch deshalb so gefürchtet ist, weil die Zentralbanken keine Instrumente haben (oder zu haben glauben) um diese zu beenden. Der Grund ist, dass der von der festgelegte Leitzins (logischerweise) nicht unter 0% fallen kann. Bei eine zu hohen (oder steigenden) Inflation hilft dagegen immer eine Leitzinserhöhung (das denken zumindest die Zentralbanken).

    Konsequenz: lieber einen etwas höheren Abstand zu 0%-Grenze halten (wie z.B 2%), um nicht versehentlich in die Deflation reinzurutchen, denn ist man erst einmal drin, hat man ein Problem – siehe Japan.

  4. Lieber Herr Dilger,

    ich gewinne im Augenblick den Eindruck, dass die Bestimmung der Inflationsrate anfällig für Manipulationen ist.

    Aspekte, die für eine Manipulation anfällig sind:

    – Der geometrisch gewichtete Warenkorb, bei dem teurer werdende Produkte automatisch in der Gewichtung abnehmen
    – Der hedonische Faktor (Wertsteigerung durch Qualitätsverbesserungen), der bei bestimmten Produkten (PCs) starken und z.T. unrealistischen Einfluss hat, aber bei Qualitätsverschlechterungen (Billigflieger, schlechterer Service bei der Bahn, …) nicht angepasst werden
    – Herausrechnung von „Einmal“ – Effekten

    Der allgemeine Eindruck ist ja durchaus, dass die Geldentwertung deutlich größer ist als die offiziellen Inflationszahlen, und die oben genannten Effekte können dazu durchaus beitragen.

    Was halten Sie davon? Wer ggf. Interesse an einer künstlich niedrig gerechneten Inflationsrate haben könnte, ist ja prinzipiell klar – jeder, der mit diesem Argument viel Geld in den Markt pumpen möchte.

    • In Argentinien werden die Inflationszahlen manipuliert, was aber auch jeder weiß. In Deutschland gibt es keine Hinweise darauf. Die ‚gefühlte‘ Inflation war in der Tat höher, weil gerade Dinge und Dienstleistungen, die man bar bezahlt, bei der Euroeinführung stark im Preis stiegen (z. B. Restaurantbesuche). Große Ausgabenblöcke wie Mieten und Versicherungen wurden jedoch einfach mit dem offiziellen Kurs von 1,95583 DM pro Euro umgestellt.

  5. Das Leben für deutsche Bürger hat sich gewaltig verteuert. Das liegt aber vorrangig an der Abgaben- und Auflagenpolitik. Wenn die Bundesregierung Feinstaubplaketten, Verschrottungen von Heizsystemen einführt, Auflagen für das Bauen und Vermieten, PKW-Produktionen, pp. vorschreibt und erhöht, dann wird das Leben ganz konkret sehr viel teurer für jeden Einzelnen. Im Einzelfall verschiebt sich sie Aktualität nach hinten, aber irgendwann ist die teure Aktualtität da. Das schöne für die Regierungen ist, dass mit jeder teuren Vorschrift auch das Steueraufkommen wächst. Muss der Bürger inzwischen für einen durchschnittlichen VW Golf 35.000 EUR hinblättern, dann hat sich das Umsatzsteueraufkommen gegenüber einem früheren Golf, der einmal 35.000 DM gekostet hat, – auch wegen der zwischenzeitlichen Umsatzsteuererhöhung – verdoppelt. Konnte man vor 30 Jahren noch für ca. 200.000 DM ein Einfamilienhaus errichten, so liegt man heute mindestens zwischen 250.000 bis 300.000 EUR für ein solches Eigenheim. Dass das Steueraufkommen wächst, liegt so auf der Hand. Hinzu kommt die kalte Progression. Jeder Inflationsausgleich in der Lohnverhandlung erhöht das Steueraufkommen überproportional. Sprudelnde Steueraufkommen resultieren leider nicht daraus, dass die Regierungen irgendwo einen Goldesel oder eine Goldader aufgetan hätten, sondern sie resultieren schlicht daraus, dass sie erfolgreich den Bürger zur Kasse bitten. Wenn man berücksichtigt, dass laut Zensus 2011 nur jeder zweit Bundesbürger, einige davon aber auch als ABM, Aufstocker, Arbeitnehmer eines subventionierten Betriebes oder als kostenintensiver Bediensteter des Staates ( mittelbar oder unmittelbar ), dessen Mehrwert für den Bürger äußerst fraglich ist, arbeitet, dann wird deutlich, dass es eine Bevölkerungsschicht besonders hart trifft, nämlich die der Bürger, die ihre Einkünfte für den Lebensunterhalt selber erwirtschaften. Diese stellt schon und zunehmend eine Minderheit dar. Steuererleichterungen, z.B. die Abschaffung der kalten Progression, ist als leichtes politisches Geplänkel längst vom Tisch, aber auf dem Tisch liegen die Verteuerungen der Krankenversicherungskosten. Die weiteren Verteuerungen werden noch diskutiert werden, wenn die EP-Wahl gelaufen ist. Es wird dann mit Sicherheit noch die EU-Steuer und wahrscheinlich die Maut ( wieder ) kommen.

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  9. Herr Dilger schreibt: „Transaktionskosten, auf denen sich alle Preise friktionslos nach oben und unten anpassen würden, (…) würde aber noch nicht einmal Geld benötigt.“

    Das bedeutet, dass die Phänomene „Inflation“ und „Deflation“ das Ergebnis dieser „Friktion“ sind. Der Friktion selber muss eine gleichbleibende Tendenz zugrunde liegen, sonst würde daraus kein stetiger Anstieg der Preise resultieren. Sie beruht darauf, dass – z.B. durch Ausbeutung natürlicher Ressourcen, Wissensvorsprung, o.ä. – überhöhte Preise erzielt werden können und für die daraus resultierenden Gewinne keine Investitionsmöglichkeiten vorhanden sind. Es entsteht Totkapital, das in unvorstellbarer Menge auf schwarzen (und etwas geringerer Menge weissen) Konten lagert. Es ist davon auszugehen, dass eine erdrückende Korrelation zwischen steigenden Preisen und steigenden Privatvermögen besteht.

    Die Massnahmen von EZB und Co zielen vordergründig darauf ab, den Geldfluss „in Schwung“ zu halten und die Wirtschaft „anzukurbeln“. Eine Belebung entsteht dadurch nicht. Allenfalls erreicht sie damit bei einfacheren Gesellschaftsschichten eine Verschleierung; sicher jedoch eine Verwässerung des Problems, d.h. die Allgemeinheit zahlt, in dem sich ihre Lebenskosten erhöhen und Ersparnisse abgewertet werden.

    Wollen die Hüter der Währungssysteme weiter Herr der Lage bleiben, werden sie sich wesentlich potentere Instrumente ausdenken müssen, als nur an der Zinsschraube oder am Geldhahn zu drehen. Andernfalls laufen sie Gefahr, Opfer der eigenen Thesen zu werden.

    • Die Friktionen führen dazu, dass Geld als allgemeines Tauschmittel sinnvoll ist. Inflation und Deflation sind dann jedoch Geldphänomene und nicht direkt von den Friktionen abhängig (außer wenn sie so groß sind, dass das Geld seine Tauschmittelfunktion verliert). Inflation hängt eher von der Lohn- als der Vermögensentwicklung ab. Momentan will die EZB Deflation bzw. zu geringe Inflation bekämpfen. Ein Mittel könnten Lohnerhöhungen sein, für die die EZB allerdings nicht zuständig ist.

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