Welt-Interview und Kontroverse

Ein Welt-Interview mit mir ist online. Überschrift und Vorspann hat die Zeitung wie üblich eigenständig erstellt, die Antworten sind jedoch von mir.

Ich bin gespannt, zu welchen Protesten das wieder führt. Mein gestriger Beitrag ‚Tories als potentieller Bündnispartner‘ war z. B. als schneller und unkontroverser Lückenfüller (mit Lucke-Verweis) gedacht, löste jedoch große Diskussionen und viel Widerspruch sowohl hier als auch bei Facebook aus. Ich hoffe allerdings und gehe auch davon aus, dass die Mehrheit in der Partei und vor allem unserer (potentiellen) Wähler gemäßigter ist als die lautesten Stimmen im Internet. Stramm rechte und auch Anti-EU-Parteien gibt es doch schon dutzendweise. Das Erfolgsgeheimnis der AfD kann nicht Radikalität, sondern nur Seriosität sein.

12 Gedanken zu „Welt-Interview und Kontroverse

  1. Zitat aus dem WON Interview – Vorspann: „Und er hat nichts gegen Rechte und Islam-Kritiker in seiner Partei – solange es keine Extremisten sind.“

    Schon klar – irgendwen wird es schon geben, der da noch rechte Tendenzen erkennt. Dennoch ist es eine klare Formulierung, die Sie, Herr Dilger, wohl auch so meinen?.

    Der gesamte WON Beitrag scheint mir eher wohlgesonnen- neutral als negativ – und irgendwelche „Rechtsbohrungen“ sind schon Alltag.

    • @Erwin Elsen: Sie verwechseln die Tatsache, ob jemand extrem ist, mit der Meinung, die andere dazu haben. Das sollten Sie nicht tun. Wer extrem ist, hat in der AfD nichts zu suchen. Wer hingegen nur als extrem hingestellt wird, obwohl er es nicht ist, warum sollte sich die AfD von dem trennen? Sie müssen begreifen, dass es sehr wohl einen Unterschied macht, ob die gemachte Meinung berechtigt oder unberechtigt ist, eine Menge Leute spüren diesen Unterschied genau.

      • @ T. Franke

        erhellen Sie mich bitte über unsere Meinungsunterschiede.

        Der Einspann legt Herrn Dilger in den Mund, dass er weder etwas gegen Rechte noch gegen Islamkritiker hat – solange es keine Extremisten sind. Betonung auf sind.

        Zutreffend ist wohl aber auch, dass kaum ein Medienbericht auskommt, ohne unsere ‚rechte‘ Gesinnung anzusprechen.

  2. Gefällt mir sehr gut, auch das schwierige Thema Islamkritik wird sehr präzise und wasserdicht auf den Punkt gebracht, und das in wenigen Worten. Dilger kann’s! Liebe NRW’ler, den müsst Ihr wieder wählen!

  3. “Und er hat nichts gegen Rechte und Islam-Kritiker in seiner Partei – solange es keine Extremisten sind.”
    Für „normale“ Menschen ist das ein ganz schlichter und unmißverständlicher Satz, der eine völlig legitime Position beschreibt. In dieser unserer Republik aber schrammt man damit hart an der Grenze des noch Hinnehmbaren entlang.
    Und genau das ist es, was angesagt ist: Die tabuisierten und weggedrückten Themen anzusprechen, auch die Tatsache der Rotverschiebung in der veröffentlichten Meinung.
    Wofür ist Freiheit denn sonst da?

    Reinhard „Hardy“ Rupsch, Münster

  4. Sie haben das Interview sehr souverän und überzeugend gehandhabt, wobei ich aber annehme, dass es nur mit Ihnen geführt wurde, um die Querelen innerhalb des Landesvorstands auf größerer Bühne publik zu machen. Ihre sehr vernünftigen Antworten haben dem aber Einhalt geboten.

    Was diese links-rechts-Einteilung betrifft, so halte ich diese im 21. Jahrhundert für überkommen. Richtiger wäre eine Unterscheidung in kollektivistisch und damit autoritär vs. Freiheit des Einzelnen. Linke Parteien sind typischerweise kollektivistisch und damit bevormundend. Im rechten Bereich sieht man, dass rechtsextreme Parteien („Volksgemeinschaft“) auch kollektivistisch und damit autoritär bis totalitär sind. Rassismus und Nationalismus sind per se kollektivistisch. Die CDU ist in den letzten Jahren immer mehr links-kollektivistisch geworden. Die von der AfD besetzte Lücke ist die des Individualismus (eigene Freiheit und Eigenverantwortung) und damit auch des Liberalismus. Das sich das mit konservativen Einstellungen und friedensorientierter Außenpolitik verbinden lässt, zeigt Ron Paul in Amerika.

    „Ich hoffe allerdings und gehe auch davon aus, dass die Mehrheit in der Partei und vor allem unserer (potentiellen) Wähler gemäßigter ist als die lautesten Stimmen im Internet. Stramm rechte und auch Anti-EU-Parteien gibt es doch schon dutzendweise. Das Erfolgsgeheimnis der AfD kann nicht Radikalität, sondern nur Seriosität sein.“

    Das wiederum finde ich etwas ungünstig formuliert.

    Es ist nicht „radikal“ und „stramm rechts“, die EU ganz abzulehnen, sondern im Gegenteil seriös und konsequent. Jetzt werden Sie die Augen verdrehen, aber was ist denn, wenn dieser Reformwunsch in der EU der 28 Staats- und Regierungschefs scheitert? Sollen wir dann ewig darauf warten, dass die anderen doch noch nach unserer Pfeife tanzen? Tatsache ist: Die EU von 2013 ist nicht das Projekt Adenauers und de Gaulles (Europa der Vaterländer). Sie ist anti-rechtsstaatlich („Verträge sind einzuhalten“), anti-demokratisch (siehe BVerfG-Kritik am Europaparlament mit seinem Stimmenungleichgewicht, gleichzeitig kommen über 70% unserer Gesetze letztlich aus Brüssel) und anti-liberal (Gängelsozialismus á la Grüne). Darüber hinaus erklärt die EU sich selbst für unantastbar, und das können wir nicht in aller Konsequenz mittragen.

    Beim Spitzenpersonal der AfD gab es von Anfang an so ein „das wird schon“-Bewusstsein. In den Bundestag käme man sowieso, die Leute sind ja alle vernünftig, und der Rest ist ein Selbstläufer. Das ist hier auch so. Es ist aber gerade keine Selbstverständlichkeit, dass auch nur ein Tory ins Europaparlament kommt (das britische Mehrheitswahlrecht kann das tatsächlich bewirken) – und was dann, wenn man anderer Optionen ausschließt? –, es ist keine Selbstverständlichkeit dass die AfD rein kommt und erst recht ist es keine Selbstverständlichkeit dass die Regierungen Europas dann die Wunsch-EU der AfD basteln. Erst recht, wenn diese sich auf Teufel komm raus an die EU kettet. Cameron findet ja nur Gehör weil er mit dem Austritt droht.

    Ich finde es nicht richtig, berechtigte aber eben auch konsequente EU-Kritik nur den Nationalisten Europas zu überlassen. Es ist auch falsch, Europa mit der EU gleichzusetzen. Wenn die EU sich als reformunfähig erweist, dann kann als ultima ratio Deutschland ja auch zusammen mit anderen Ländern austreten und eine neue, kleinere und eben bessere EU gründen. So wie der Norddeutsche Bund dem Deutschen Bund gefolgt ist, wobei der Vergleich etwas unangebracht ist. Das können die Euro-Nordländer sein, Schweden, Großbritannien, vielleicht auch Polen, und wer weiß, wenn die Bedingungen attraktiv genug sind sogar die Schweiz, Norwegen und Island. Leider ist so ein Szenario praktikabler als Frankreich, Italien etc zu einer umfassenderen, liberaleren EU-Vertragsänderung zu bewegen. Und so ein Szenario ist schon als Druckmittel wertvoll.

    Es ist nicht „stramm rechts“, ein neues, besseres Europa auch außerhalb der EU denken zu können, wenn es gar nicht anders geht. Ein EU-Austritt hat dann nichts mit Hass zu tun, sondern mit Vernunft; und nichts mit Xenophobie, sondern mit dem Willen nach Freundschaft und einer freiheitlichen demokratischen Gesellschaft.

    Ich bitte das zu bedenken.

    PS: Was die Wähler betrifft, so können viele (ich sage nicht „die Mehrheit der“) Leute leider nur in holzschnittartigen Mustern denken. Da gibt es nur totale Euro-Auflösung und totale Transferunion und nichts dazwischen. Ich denke daher auch, dass die AfD eher an Zustimmung gewinnen würde, wenn sie eine echte Alternative zur Mitgliedschaft in „dieser“ EU präsentieren würde (laut einer Gallup-Untersuchung Ende Mai wollen über 30% der Deutschen aus der EU raus, und raus heißt raus), aber ich kann mich da täuschen. In jedem Fall muss immer deutlich gemacht werden, dass ein Bekenntnis zu „Europa“ eben gerade nicht exakt die EU in ihrer jetzigen Form meint. Einige Leute nehmen die AfD nämlich sonst nicht als Alternative war. Die AfD muss nicht nur für den Professor begreiflich sein, sondern auch für etwas simplere Gemüter. Und da reicht die Aufmerksamkeitsspanne dann nur ein paar Sätze weit.

    Ich schreibe das als jemand, der die EU eben nicht aus ideologischen Gründen an sich ablehnt und sich daher eben auch ein Bündnis mit den Tories wünscht, aber ich sehe auch mögliche Probleme –sowohl bei der Vermittlung wie auch bei der Umsetzung. Es ist, finde ich, gegenüber den Wählern, die uns ihr Vertrauen schenken, unseriös, keinen Plan B in der Tasche zu haben.

    • Fraktionen sind keine Bündnisse. Eine Fraktion hat gegenüber einem einzelnen Abgeordnete weitergehende Rechte. Außerdem gibt es noch Fraktionsgelder. So erklären sich wohl einige merkwürdige Fraktionszusammensetzungen. Es gibt allerdings eine Außenwirkung. Wenn man seriös darstehen will, dann geht man besser nicht in eine Fraktion, die zwilichtig erscheint…

    • Anders als beim Euro bezweifle ich im Fall der EU, dass „raus“ tatsächlich „raus“ heißt. Ich will damit sagen, die Frustration mit der EU, oder „dieser“ EU, ist sicher beträchtlich, aber ob bei Abwägung aller Vor- und Nachteile – und nicht mal schnell am Telefon als Antwort auf eine Umfrage – tatsächlich 30 Prozent einen aktiven Austritt aus der EU befürworten würden, bezweifle ich doch sehr. Die politische Sprengkraft einer solchen Entscheidung Deutschlands ist kaum zu übersehen, und zwischen der Haltung, „wären wir doch besser nicht drin“ (wo ich die 30 Prozent vielleicht sogar noch glauben würde) und der Haltung „wir treten jetzt aus“ besteht ein gewaltiger Unterschied. Wenn der Frust so groß wäre, würden Parteien, die das propagieren, kaum an der 0,5-Prozentmarke oder noch darunter herumdümpeln. Es mag sein, dass der AfD mit ihrer derzeitigen Haltung der eine oder andere Wähler aus diesem Spektrum verlorengeht, aber das dürfte auf Kosten des Verlusts von weit mehr Wählern gehen, die man mit einem völligen Anti-EU-Kurs verliert.

      Ich hoffe auch, wie Herr Dilger, dass die Schreihälse im Internet die Minderheit sind. Ich bin diesbezüglich aber auch ganz zuversichtlich.

  5. Mir hat das Interview gut gefallen. Es ist leider wahr, dass Überschrift und Vorspann auch diesesmal wieder manipulativen Charakter haben. Es wird einfach nichts unversucht gelassen, die Partei im selben Satz mit „rechts“ und möglichst auch „NPD“ zu erwähnen. Sobald in einem Interview eine Frage in dieser Richtung auftaucht – und das passiert eigentlich immer – liefert der Interviewte eine Vorlage dafür, ganz egal, wie er reagiert. Herr Lucke hat das ja in Sachen Handelsblatt deutlich zu spüren bekommen. Ich wüsste nicht, wie Sie in diesem Interview das hätten vermeiden können. Ich befürchte, dass der Europawahlkampf in dieser Hinsicht noch sehr schmutzig werden wird.

    Ich bin derzeit noch kein Parteimitglied, denke aber über einen Beitritt nach, weil ich der Meinung bin, dass das mit der Währungsunion so nicht weiter gehen kann. Ich erlaube mir trotzdem, Herr Dilger, mit einer Anregung an Sie heranzutreten (an anderer Stelle bin ich leider nicht durchgedrungen). In Diskussionen fällt mir immer wieder auf, dass nicht verstanden wird, inwiefern tatsächlich die Währungsunion die Ursache der Probleme ist, und nicht die Bankenkrise oder die Austertitätspolitik oder die Südländer, die einfach nicht sparen wollen. Dieses „daran ist doch nicht der Euro schuld“ ist eine regelmäßige Antwort, selbst unter Politikern; es war auch in den Talkrunden bisher immer dasselbe. Auf der Webseite der Bundespartei gibt es doch diese Fragen-und-Antworten-Kategorie, in der die Parallelwährungen abgehandelt werden. Ich glaube, es wäre eine gute Idee, wenn man einen ähnlichen Fragen-und-Antworten-Katalog erstellen würde über die Zusammenhänge Währungsunion – Wirkung der einheitlichen Geldpolitik – verzerrte effektive Wechselkurse und Wettbewerbsprobleme – Zahlungsbilanzkrise usw usf. Ich stelle mir in etwa den Inhalt von Matthias Elbers „Euro-Desaster“ vor, nur natürlich viel kürzer und noch stärker auf ein Laienpublikum ausgerichtet. Dann wäre das an zentraler Stelle abrufbar und hätte den Stellenwert, der ihm eigentlich zukäme. Ich glaube, dass das wirklich hilfreich wäre, denn solange die Leute das nicht verstehen, befürchte ich, dass man mit der Aufklärung nicht wirklich weiterkommen wird.

  6. Freiheit, Frohsinn und Gemütlichkeit. Das reicht doch. Hindernisse sollten wir einfach zur Seite legen. Zum Beispiel Steuererhöhung, Maut, Tories und andere Entartungen. Solidarität erfolgt nur mit Zuschlag, Gemütlichkeit allerdings auch, und genau das ist das Problem.

  7. Lieber Herr Dilger, danke für diese offenen und ehrlichen Argumente. Ich wünsche mir diese Klarheit bei allen Mitgliedern und Freunden der AFD. Grenzen setzen aber Toleranz üben. Sie haben mir aus der Seele gesprochen.

  8. Diejenigen in Deutschland (und das sind mittlerweile sehr viele), die Deutschland als souveränen Staat von der Landkarte tilgen und dafür ihre nationalen, mitunter geradezu chauvinistisch anmutenden Gefühle lieber auf ein europäisches Großreich konzentrieren wollen, werden weiterhin jeden Anlass suchen, Andersdenkende zu verteufeln.
    Dazu gehört auch, den Islam zu instrumentalisieren, d.h. mit seiner Hilfe das eigene verhasste Wurzelwerk zu verdrängen. Andernfalls kann die große Toleranz gegenüber bestimmten, unser Grundgesetz berührenden kulturellen Unverträglichkeiten kaum zu interpretieren sein.
    Dazu gehört es, den Begriff „Heimat“ und damit auch heimatliche Traditionen in einen schlechten Geruch zu bringen. Was freilich nicht für Zuwanderer gilt, denn ihre Traditionen und Bindungen an die Heimat helfen uns ja bei der Überwindung unserer Bodenhaftung.

    Wer so verquer denkt und plant, hat allerdings von der menschlichen Natur nicht viel begriffen.
    Er verhindert nicht – wie er vorgibt- rechtsextremes Gedankengut, er schürt es. Irgendwann wird, wenn es so weitergeht, auch Deutschland einen Geert Wilders bekommen. Die Anhänger scharren laut mit den Hufen.

    Für die AfD wünsche ich mir, dass sich auf ihr Kernthema konzentriert. Zu einer vernünftigen Europapolitik gehören automatisch auch Überlegungen bezüglich einer sozial verträglichen Einwanderung. Fremdenhass und undifferenzierte Islamkritik haben damit jedoch nichts gemein. Prof. Dilger hat dies in seinem Interview glasklar dargestellt hat. Danke dafür.

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