Ökonomenblogparade zu Investitionsprogrammen und Marshallplänen

Nach meinem Beitrag für die ‚Ökonomenblogparade zur internationalen Wettbewerbsfähigkeit‘ beteilige ich mich heute noch schnell an der verlängerten „Ökonomenblogparade ÖBP im September: Investitionsprogramme und Marshallpläne“. Die Frage ist, wie sinnvoll Investitionsprogramme im eigenen Land und Marshallpläne für andere Länder sind.

Aus meiner Sicht hängt das sowohl von den Umständen als auch der Ausgestaltung ab. Öffentliche Investitionen einschließlich Ersatzinvestitionen sind in gewissem Umfang für Infrastruktur und andere öffentliche Güter ständig sinnvoll. Spezielle Investitionsprogramme bieten sich dagegen nur an, wenn entweder ein spezieller Investitionsbedarf besteht oder eine besonders schlechte konjunkturelle Lage herrscht. In der Krise müssen alle sparen – außer dem Staat. Er kann die Konjunktur durch zusätzliche Ausgaben beleben. Ein großes Problem ist dabei, dass ein sinnvolles antizyklisches Verhalten nicht doch prozyklisch wird, weil z. B. die Krisenmaßnahmen zu spät, im wieder einsetzenden Boom kommen oder ganz bewusst immer weiter Extraausgaben getätigt werden, um einen Boom weiter zu befeuern, der dann doch in einer umso größeren Krise endet.

Investitionsprogramme haben als Konjunkturprogramm den Vorteil, dass das Geld nicht einfach nur ausgegeben wird und dadurch die Konjunktur belebt, sondern mit den Investitionen ein Gegenwert mit späteren Erträgen (ggf. nichtmonetärer Art) entsteht. Dazu ist es allerdings nötig, dass sinnvolle Investitionen erfolgen und keine Fehlinvestitionen. Deshalb empfehle ich, in Krisenzeiten ohnehin geplante öffentliche Investitionen vorzuziehen bzw. einen bestehenden Investitionsstau abzuarbeiten, während in Boomzeiten die staatlichen Investitionen wie auch andere Staatsausgaben zurückgefahren werden sollten.

Bei Marshallplänen handelt es sich im Prinzip um Investitionsprogramme in anderen Ländern. Weil diesen Mittel von außen zufließen, ist der konjunkturelle Effekt größer als bei Maßnahmen im eigenen Land (während vom finanzierenden Land Mittel abfließen). Doch auch hier sollte darauf geachtet werden, dass die Gelder zur rechten Zeit für sinnvolle Projekte ausgegeben werden.

Die im Aufruf angesprochenen konkreten Pläne von SPD, DGB und Die Linke halte ich übrigens für wenig geeignet. Die geplanten Investitionen erscheinen nur bedingt sinnvoll, während die Besteuerungs- und Umverteilungskomponente überwiegt. Es scheint fast so, als würde nur eine halbwegs plausible Begründung für Sondersteuern und Vermögensabgaben gesucht.

4 Gedanken zu „Ökonomenblogparade zu Investitionsprogrammen und Marshallplänen

  1. Investitionsprogramme müssen auch irgendwie auf einen Nährboden fallen. Das wird mMn allzu häufig ausgeblendet. Als der Marshallplan durchgeführt wurde, war Deutschland immernoch ein Industrieland mit technischen Know-How, Stahl- und Kohleindustrie, was man für den Wiederaufbau brauchte, großem Investitionsbedarf und gut ausgebildeten Arbeitskräften in diesem Bereich. Es wurde quasi nur die Anschubfinanzierung, die wirklich fehlte, gestemmt, der Rest war da und als der Koreakrieg ausbrach, gaben die USA Weltmarktanteile auf dem Investitionsgütermarkt ab, wo Deutschland in die Lücke gestoßen ist, ein enormes Glück. Auf dem Reißbrett wird man das in Südeuropa nicht schaffen, welche Produkte sollen denn von dort herkommen? Welche (Welt-)Marktanteile müssen dann nach dort und wer gibt die ab?

  2. „Marshallpläne“ für Griechenland & Co. sind wie Goebbels‘ „Entrahmte Frischmilch“: Ein werbender Name für ein minderwertiges Produkt.

    Speziell für Griechenland hatte ich mich schon vor längerer Zeit in 2 Blotts mit der Forderung nach (fälschlich) so genannten „Marshallplänen“ kritisch auseinandergesetzt:
    „Staatsschulden Griechenland (europäische Schuldenkrise): Financial Times Deutschland propagiert Besitzstandswahrung für Kreditbetrüger!“ (http://beltwild.blogspot.de/2011/11/staatsschulden-griechenland-europaische.html)
    und
    „FAZ-Realist vs. SZ-Schreibtischretterin: Kommentar „Verschwendung in der Schuldenkrise“ von Rainer Hank zu „Wie Griechenland noch gerettet werden kann“ (Cerstin Gammelin, Süddeutsche Zeitung)“ (http://beltwild.blogspot.de/2012/02/faz-realist-vs-sz-schreibtischretterin.html)

  3. Pingback: Ökonomen­blog­parade zu Investi­tions­pro­grammen und Marshall­plänen | FreieWelt.net

  4. Pingback: Finale der Ökonomenblogparade „Investitionsprogramme und Marshallpläne“ | Wirtschaftswurm

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