Anzeige in der FAZ

Heute ist eine ganzseitige Anzeige in der FAZ erschienen von einem „Freundeskreis der Alternative für Deutschland“ (leider habe ich keine Verlinkung darauf finden können). Das ist grundsätzlich positiv. Wenn die Massenmedien nicht von sich aus über uns berichten wollen, können bezahlte Anzeigen helfen, die Bekanntheit der Partei weiter zu steigern. Das lässt sich auch vor Ort in lokalen Zeitungen mit weniger Geld durchführen. Allerdings ist dabei zu bedenken, dass die offiziellen Positionen der Partei im Wahlprogramm stehen (daneben gibt es noch ‚Inhaltliche Beschlüsse für NRW‘), während dieser selbsterklärte Freundeskreis z. T. ganz eigene Forderungen erhebt:

Wir wollen die Zahl der Bundestagsabgeordneten auf 250 bis 300 verringern.

Wir wollen das Abgeordneten-Mandat zeitlich begrenzen.

Wir wollen die Steuerlast senken[.]

Wir wollen den Bundesrechnungshof und die Landesrechnungshöfe stärken.

Wir wollen, dass alle deutschen Kommunismus-Opfer im einstigen DDR-Gebiet ihr Recht bekommen[.]

Wir wollen die Weisungsgebundenheit der Staatsanwälte durch die Justizminister aufheben.

Wir wollen die Rundfunk- und Fernsehgebühren um 50 Prozent senken.

Das kann man alles diskutieren, doch Beschlusslage der Partei ist es nicht. Bitte machen Sie selbst immer deutlich, wo Sie offizielle Positionen der Partei und wann Sie ’nur‘ die eigene Meinung vertreten.

25 Gedanken zu „Anzeige in der FAZ

  1. Dem kann ich mich nur anschließen, denn so gut gemeint es war, so bedrohlich ist es, wenn eigene Meinungen nicht klar von offiziellen AfD-Positionen abgegrenzt werden. Im Endeffekt kann ja so jeder der AfD etwas andichten.
    Ich halte Zeitungsanzeigen allerdings grundsätzlich für eine gute Idee. 15% der Deutschen haben angeblich gar keine Erfahrung mit dem Internet. Dabei unterstütze ich Ihren Vorschlag, auch Anzeigen in der Lokalpresse zu schalten. Die Ziele der AfD könnten hier mit einer Verdeutlichung der unangenehmen Alternativen kombiniert werden. („Wir sind gegen eine Bankenunion und gegen eine Vergemeinschaftung der Einlagensicherung“ – „Wir sind gegen eine etwaige gemeinsame europäische Arbeitslosenversicherung“.)
    Was diese Angelegenheit betrifft, so lässt sie sich hoffentlich ohne Streit klären, denn das wäre ein „gefundenes Fressen“ für gewisse parteipolitisch nicht ganz neutrale Journalisten. Etwas bedenklich finde ich, dass die FAZ ohne nähere Prüfung (?) die Anzeige des „Freundeskreises “ abdruckt. Ich könnte mich ja auch als Freundeskreis der SPD ausgeben (und mal schreiben, was diese Partei mit unserem Geld vorhat). Die entsprechenden Gepflogenheiten sind mir aber nicht vertraut.
    Ich sage das als jemand, der die hier gelisteten Forderungen zumindest im Großen und Ganzen mitträgt.

  2. Sicherlich ist es bedauerlich, dass die Anzeige nicht in allen Punkten den aktuellen und offiziellen Beschlüssen entsprach. Insgesamt fand ich die Anzeige sehr gut und übersichtlich gestaltet und die zusätzlich aufgeführten Punkte diskussionswürdig. Einzelne Positionen sind wünschenswert und sinnvoller als z.B. die Forderung zur Aufhebung des strikten Rauchverbots. Hervorzuheben ist der finanzielle Einsatz im 5-stelligen Bereich. In der FAZ werden jedoch Leser angesprochen, die die Partei aus der täglichen Nutzung der Zeitung kennen und denen die Positionen bekannt sein dürften. Regionale CDU und SPD-lastige oder Massenblätter, die den Normalbürger und -wähler ansprechen, dürften einen besseren Werbeeffekt versprechen.

  3. Völlige Zustimmung zu Prof Dilgers Beitrag.
    Privatmeinung muß als solche kenntlich gemacht werden. Leider versuchen einige ihre Privatmeinung verstärkt als AfD Position zu verkaufen, auch wenn es null Beschlüsse dazu gibt.
    Auch wenn die in der Anzeige genannten Forderungen aus meiner Sicht löblich bis überlegenwert sind, geht sowas nicht. Egal ob Anzeige oder offene Briefe an Erzbischof XYZ.

  4. Ich sehe diese Anzeige sehr kritisch.

    Die meisten Leser kennen die Positionen der AfD zu vielen Themen (leider noch) nicht. Die Anzeige war so aufgemacht, dass sie sehr leicht mit einer offiziellen Anzeige der AfD zu verwechseln war.

    Was dem Leser auffällt, sind die Extrempositionen. „Eyecatcher“ waren hier vor allem die Entschädigung von Kommunismus-Opfern (nach 60 Jahren) oder die alleinige Entscheidungsgewalt der Mutter für Kinder bis zum 12. Lebensjahr. Beides sind Reizthemen, die dem Leser daher leicht im Gedächtnis bleiben, und beides entspricht nicht dem Standpunkt der AfD.

    Ich würde mir daher eine stärkere Distanzierung der AfD – Spitze von dieser Anzeige wünschen.

  5. Ich finde das schon etwas ungeschickt. Da wird mit dem Namen der AfD geworben und noch munter alle möglichen Forderungen unter diesem Deckmantel aufgelistet, das finde ich nicht in Ordnung!
    Denn im Wahlprogramm steht davon weit weniger als die Hälfte!
    Wo steht die Verringerung der Abgeordnetenzahl, wo steht bei uns etwas über Kommunismus-Opfer aus der DDR? Menschenskinners…

    Wenn jetzt jeder unter irgendeinem Deckmäntelchen (Freunde der AfD, AfD-Unterstützer, Befürworter der AfD, AfD-Sympathisanten etc. pp.) seine eigenen Meinungen als Parteilinie ausgibt, endet das im Chaos.

    Wenn ich genauer darüber nachdenke, bin ich stinksauer…

    Mich würde brennend interessieren, ob das mit „oben“ abgesprochen war.

  6. Pingback: Anzeige in der FAZ eines “Freundeskreises der AfD” | Presseschau

  7. Ich finde die Forderungen soweit okay, aber ich finde es muss ganz klar Pflicht sein das die Personen zu 100 Prozent sagen müssen das diese Meinung nicht gleichzeitig die Meinung der Partei darstellt, sondern dies Vorschläge sind die uns zugetragen werden, womit wir uns dann auseinander setzen würden, aber keine derzeitige Partei Linie ist.

    Obwohl ich noch mal sagen muss das diese Forderungen eigentlich in Ordnung sind.

  8. Pingback: die AfD und Spenden

  9. Dank dem schnellen und freundlichen Intervenieren eines AfD-Mitglieds konnte ich die Genderama-Meldung immerhin zeitnah zurechtrücken. Den Väteraufbruch habe ich auch informiert; ich hoffe, es spricht sich schnell genug herum.

  10. Ich bin heute auch über die Anzeige gestolpert und muss sagen das mich das sehr verstört. Es sollte dringendst eine Klarstellung der Leitung der Alternativen für Deutschland diesbezüglich veröffentlicht werden. Unglaublich ist das es sich bei den angesprochenen Themen um persönliche Meinungen handelt die so in der Form im Namen der AfD nicht veröffentlicht werden dürften. Ehrlich gesagt, ich bin stinksauer darüber, das sich diese Anzeigen nun wiederholen.

    • Dieser „Freundeskreis“ ist nicht die Alternative für Deutschland, die meisten seiner Forderungen stehen nicht im Wahlprogramm und wurden auch sonst nicht von der Partei beschlossen. Diese Richtigstellung können Sie gerne verbreiten, mehr lässt sich so kurz vor der Wahl nicht tun. Hoffen wir, dass diese Anzeigen nicht mehr Stimmen kosten, als sie vielleicht bringen, einfach weil die Alternative für Deutschland erwähnt wird.

      • Danke schön, Herr Dilger, für die schnelle Antwort. Habe ein bisserl im Netz herumgestöbert und bin zu dem selben Schluss gekommen wie Sie auch. Die morgige Wahl ist jetzt erstmal der wichtigste Punkt, und dann die Tage danach. Da die Resonanz auf die gestrigen Anzeigen im Netz ziemlich gering ist denke ich das sie mehr nützen als schaden werden.
        Auf ein sensationelles Blaues Wunder!

        Mit freundlichen Grüßen
        Hardy Muc

    • Auch wenn Herr Kemper erklärter Gegner der Alternative für Deutschland ist, interessieren diese Mutmaßungen vielleicht. Mir fällt übrigens auf, dass seine radikalfeministische, männerfeindliche Position gar nicht so weit von der stockkonservativen entfernt ist, da beide von Vätern wenig halten.

      • Herr Kemper ist ewiger Dauerstudent und fälschender Wikipedia-Autor wo er mit vielen Sockenpuppennamen u.a. – Schwarze Feder- feministische Inhalte durchboxt. Ein armer Wicht eigentlich.

  11. Pingback: Diskussion zur FaZ- Anzeige für AfD | Michelvoss's Blog

  12. Bitte auch noch seitens der AfD das unsäglich väterfeindliche Zitat „“alleinige Entscheidungsgewalt der Mutter für Kinder bis zum 12. Lebensjahr. „“ offiziell dementieren. Danke und toi toi toi für die Wahl morgen!

    AfD wählen!
    😉

    • Wie stellen Sie sich ein offizielles Dementi vor? Ich hatte schon erklärt, dass das nicht von der Alternative für Deutschland beschlossen wurde. Es widerspricht sogar unseren Grundsätzen als Rechtsstaats- und Grundgesetzpartei, da es in dieser Form nicht mit dem Grundgesetz vereinbar ist.

      • Sehr geehrter Herr Prof. Dilger,

        Sie hatten die „z. T. ganz eigenen Forderungen“ in einer abschließenden Liste aufgeführt. Der von uns kritisierte Punkt „Bei den heute so vielen Ehescheidungen soll bei Auseinandersetzungen über das Wohl des Kindes bis zu dessen 12. Lebensjahr die Mutter die ausschlaggebende Stimme haben.“ ist in der Liste nicht enthalten. Der naive Leser muss also davon ausgehen, dass Sie diesem Punkt nicht widersprechen. Sie haben ja auch nicht „z.B.“ geschrieben oder so. Hier besteht also nach wie vor Handlungsbedarf. Außerdem sollte eine offizielle Stellungnahme nicht nur vom Landesvorstand NRW bzw. von Ihnen persönlich kommen, sondern vom Bundesvorstand. Warum dies seit 25.08.2013 bis heute nicht geschehen ist, lässt tief blicken. Entweder ist Ihnen das Thema egal oder Sie liebäugeln sogar mit dieser Forderung. Ansonsten würde es der AfD nicht so schwer fallen, einfach mal zu sagen, dass Väter und Mütter endlich gleichberechtigt werden sollen.

        L G D e n n i s .

      • In der Liste standen nur die Überschriften, die nicht dem Programm entsprechen. Die Überschrift „Wir wollen für Familie und Ehe, was das Grundgesetz in seinem Artikel 6 vorgibt.“ entspricht dem AfD-Programm als Rechtsstaatspartei. Der Satz „Bei den heute so vielen Ehescheidungen soll bei Auseinandersetzungen über das Wohl des Kindes bis zu dessen 12. Lebensjahr die Mutter die ausschlaggebende Stimme haben.“ unter dieser Überschrift widerspricht hingegen dem Grundgesetz und damit auch dem AfD-Programm. Dass Sie hier das Gegenteil suggerieren, ist nicht in Ordnung.

      • Herr Hartmut Wolters vom Väteraufbruch hätte halt gerne das Dementi neben den anderen Punkten aufgezählt. Verständlich, aber streng-genommen eigentlich nicht nötig.

  13. Ich würde mich nicht wundern, wenn diese unsägliche Anzeige der AfD den Einzug in den Bundestag versaut hätte. Ich habe jedenfalls deutlich bemerkt, wie sich dadurch unter Genderkritikern, Väter- und Männerrechtlern ein Stimmungswandel gegen die AfD ereignet hat, der durch die nicht gerade vehemente Distanzierung der Partei nicht wiedergutgemacht werden konnte. Zu diesem „Freundeskreis“ möchte ich sagen: wer solche Freunde hat, braucht keine Feinde mehr.

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