Riskante Wahlkampfstrategie

Wie viele Risiken soll man im Wahlkampf eingehen? Insbesondere durch das Besetzen strittiger Themen kann man Aufmerksamkeit und damit Stimmen gewinnen, aber auch viele Stimmen verlieren, also insgesamt das Risiko erhöhen. In der Regel sind wir Menschen risikoavers, wollen also bei gleichem Erwartungswert die Risiken minimieren. Doch um den Erwartungswert zu steigern, kann es nötig sein, gewisse Risiken einzugehen. Normalerweise ist ein mittleres Risikoniveau am besten. Ganz ohne Risiken kann man nicht viel gewinnen, doch zu hohe Risiken führen auch im Erwartungswert zu Verlusten. Das ist nicht nur bei der Geldanlage so, sondern z. B. auch im Wahlkampf.

Deswegen bin ich dafür, dass wir bei unserem Wahlprogramm und den jüngsten ‚Inhaltliche[n] Beschlüsse[n] für NRW‘ bleiben. Die Alternative für Deutschland hat klare Positionen z. B. zum Euro oder der direkten Demokratie, womit sie sich eindeutig von den etablierten Parteien unterscheidet, ohne es zu übertreiben und jedes strittige Thema, welches auch die eigenen Anhänger spaltet, zu besetzen. Leider sieht das mein eigener, vergrößerter Landesvorstand nicht mehr so, sondern ist jetzt mehrheitlich dafür, auch andere, brisante bis provokative Thesen zu vertreten. Das wird sicher Aufmerksamkeit bringen, doch ob dadurch wirklich mehr Stimmen gewonnen als verloren werden, bleibt abzuwarten. Es hängt natürlich auch davon ab, welche konkreten Themen wie besetzt werden. Ich werde weiter versuchen, dabei die größten Risiken zu verhindern, zumal auch die demokratische Legitimation für das Vertreten nicht beschlossener Inhalte gering ist.

Geduld ist oft die größere Tugend, doch im Wahlkampf wollen viele lieber spektakuläre Aktionen sehen. Aus meiner Sicht macht eine Hochrisikostrategie zumindest jetzt noch keinen Sinn, sondern höchstens kurz vor dem Wahlsonntag in sieben Wochen, wenn wir dann knapp unter 5 % liegen sollten. Dann kann man riskieren, von 4,5 % auf 3 % abzurutschen, wenn dafür die Chance besteht, umgekehrt auch über 5 % steigen zu können. Doch wenn z. B. 5,5 % zu erwarten sind, sollte man kurz vor der Wahl gar kein Risiko mehr eingehen, während mir jetzt eine riskante Wahlkampfstrategie sowohl zu früh als auch zu riskant erscheint.

31 Gedanken zu „Riskante Wahlkampfstrategie

  1. Der Vorstand sollte endlich mal Themen aufgreifen, die leicht verständlich sind und den einfachen Mann auf der Straße interessieren. Eine risikoreiche Strategie ist hierfür überhaupt nicht erforderlich.

    Hierzu drei Beispiele:

    1.) Steuerflucht durch Verzug ins Ausland am Beispiel von Franz Beckenbauer und Michael Schuhmacher.
    Für US Bürger gilt dagegen eine weltweite Steuerpflicht. Warum ist das nicht auch in Deutschland möglich. (Dr. Balke dürfte hierzu doch sicherlich eine Meinung haben)

    http://mobil.zeit.de/wirtschaft/2012-07/steuerpflicht

    2.) Bankenhaftung und Insolvenz.
    Wie sieht es mit der Einforderung einer gesetzlichen Garantie auf Sparanlagen bis 100.000 EUR aus? Der Argumentationsleitfaden der Parteikollegen aus Baden-Württemberg sieht in diesem Punkte etwas hartherzig aus. Oder soll demnächst eine 70 Jahre alte Rentnerin entscheiden, bei welchem Kreditinstitut ihr konservativ angelegtes Geld noch sicher ist.
    Was taugen in diesem Zusammenhang die Sicherungsfonds der Banken?

    3.) Mehrwertsteuersatz von 19% auf Babynahrung. Bei Hundefutter dagegen gilt der ermäßigte Steuersatz. Warum ist das so. Wir Familien möchten auch einen ermäßigten Steuersatz zahlen.

    Wo ist da das Risiko? Die Themen liegen doch auf der Straße!

    • Und so wird es weitere 3798 wichtige Themen geben von 3798 Parteimitgliedern.
      Ich bin derselben Meinung wie Prof. Dilger. Schuster bleib bei deinem Leisten und verzettele dich nicht. Der jetzige Mainstream Politiker beherrscht naturgemäß alle Themata und wird phrasengespickt auf sie eingehen.

      Wollen wir das?

      Außerdem sollte alles mit dem Bundesvorstand und den anderen Landesverbänden abgestimmt werden.

      Weiterhin sind die jetzigen Schwerpunkte, wie z,B. die Sozialpolitik („Alterssicherung und Familie“) ausbaufähig und mit einigen Ideen zu füllen.

      • „Außerdem sollte alles mit dem Bundesvorstand und den anderen Landesverbänden abgestimmt werden.“ dieser Teil ist aus meiner Sicht nicht generell richtig. Der Föderalismuß mag seine Tücken haben (siehe Bildungspolitik) er hat aber auch Stärken und daher ist es auch in Parteien eben nicht so das alle Landesverbände und der Bundesverband nur einheitliche Meinungen vertreten dürfen. Wir haben uns in NRW klar zum gegenwärtigen NRW Nichtraucherschutzgesetzt positioniert, das halte ich für richtig und finde auch nicht das wir auf die Meinung z.B. des Bayrischen Landesverbandes warten müssen.

        Zustimmen möchte ich Ihnen allerdings ausdrücklich zum Ausbau unserer Kernthesen. Da wäre es durchaus denkbar das die zum Teil noch schwammig formulierten Thesen mit mehr Substanz befüllt würden.

      • @Gabriele Walger-Demolsky

        Abstimmen im Sinn von informieren, nicht im Sinn von Erlaubnis einholen.

        Ich denke an folgendes Szenario: Herr Lucke wird am 17.8.13 in Hamburg (oder bei einer Talk Show) von einem findigen NRW Reporter gefragt:
        „Sie als Nichtraucher wollen gegen bestehende Gesetze angehen. Wollen Sie denn alles in Frage stellen?“

        Und er weiß gar nicht, worum es geht!

    • Zu den von Ihnen genannten Themen gibt es keine Beschlusslage der Partei und auch sie können leicht zu Kontroversen führen (wobei es natürlich noch viel brisantere Themen gibt). Deutsche könnten z. B. auf ihre Staatsbürgerschaft verzichten, um Steuern zu sparen, und sie dann relativ leicht zurückerlangen, wenn sie das wieder möchten. Um das zu verhindern, müsste unser Staatsbürgerschaftsrecht grundlegend geändert werden.
      Die Garantie von Spareinlagen bis 100.000 Euro halte ich für vernünftig, während Puristen auch von Rentern und Kindern eine Überwachung der Banken verlangen, die sie unmöglich leisten können. Frau Merkel versprach umgekehrt eine Garantie aller Bankeinlagen, was eine Umverteilung von unten nach oben darstellt.
      Das System der ermäßigten Mehrwertsteuersätze ist absurd. Statt weitere Ermäßigungen zu schaffen, könnte man aber auch einen einheitlichen, etwas niedrigeren Satz schaffen und die Bezieher kleiner Einkommen auch noch an anderer Stelle entlasten.

      • Ich möchte Prof. Dilger zustimmen: zu fast jedem Thema wird mehr als eine Ansicht vertreten werden.
        Ich habe aber ein ganz anderes Problem: in der interfamiliären Diskussion wird die mangelnde Sichtbarkeit der AfD beklagt, deshalb sei sie nicht wählbar. Auf die Entgegnung, sie werde von den einschlägigen Medien ignoriert wenn nicht gar „heruntergeschrieben“ und werde daher nicht ausreichend sichtbar, wurde argumentiert, in der heutigen Medienlandschaft sei es ein Leichtes, Aufmerksamkeit zu erregen, wenn man nur wolle. Hier sind wir wieder beim Thema Risikostrategie- ja oder nein?
        Ich denke, es wäre schon viel gewonnen, wenn die AfD-Landes- und Kreisverbände aktiver in die Öffentlichkeit träten als mir dies bislang der Fall zu sein scheint. Man könnte gar den Eindruck bekommen, die Partei befinde sich in der Sommerpause statt im BT-Wahlkampf!

      • Mir ist nicht klar, warum uns jemand wegen mangelnder Sichtbarkeit nicht wählen will, obwohl er uns schon gesehen hat. Ist das wieder diese paradoxe Angst, wir könnten nicht genug Stimmen bekommen, weshalb man uns keine Stimmen geben will?

        Natürlich kann man auch in den Massenmedien Aufmerksamkeit erregen, nur leider viel leichter negativ als positiv. Auf Bundes- und Landesebene ist es sehr schwer, die eigenen Botschaften zu platzieren, wenn sie nicht sehr extrem bzw. negativ sind, was dann mehr schadet als nutzt. Allerdings stimme ich zu, dass das auf Kreisebene oft anders ist, so dass wir dort noch viel aktiver werden sollten. Über das Internet lassen sich lokale Berichte dann auch leicht bundesweit verlinken. Daran kann sich auch jedes Mitglied beteiligen.

  2. Strittige Themen sind oft auch Themen, die nicht nur Wähler sondern auch die Partei spalten können. Ich möchte dabei nur an die unterschiedlichen Vorstellungen des Landesvorstands Berlin und des Bundesvorstands bezüglich der Entscheidung des Verfassungsgerichts zur Homo-Ehe erinnern, da war weder die eine noch die andere Haltung innerparteilich, demokratisch Ermittelt und beide Haltungen haben Widerstand hervorgerufen.

    Wenn es in komplexen Themen zu Schnellschüssen kommt halte ich das für grundlegend falsch. Große Themen wie Gesundheit, Außenpolitik, Innere Sicherheit u.Ä. müssen tatsächlich erst von Fachausschüssen erarbeitet werden und dann zur Vorlage kommen. Natürlich gibt es einfache Dinge, wie die o.g. Steuer Unsinnigkeit (Babynahrung vs. Hundefutter) derer könnte man sich ohne Gefahr und allein mit dem gesunden Menschenverstand annehmen, aber die bringen uns auch keine Stimme mehr.

    • Keine Aktion ohne Reaktion. Die Verfechter strittiger Ansichten können nicht ernsthaft erwarten, dass ihnen niemand widerspricht. Am Ende geben wir dann ein zerstrittenes Bild in der Öffentlichkeit ab, was schlechter ist als gar keine mediale Aufmerksamkeit. Am besten ist es natürlich, wenn wir mit unseren originären Themen punkten können, doch das haben wir leider nur bedingt in der Hand.

  3. Wie mir mein Straßenwahlkampf immer wieder zeigt, liegt unser Hauptproblem in dem viel zu geringen Bekanntheitsgrad bei der Bevölkerung. Insbesondere haben wir ein sehr hohes Potential bei den frustrieten Nichtwählern. Doch dazu müssen die uns erst einmal kennen! Durch dem Mainstream widersprechende Thesen können wir vielleicht die Schweigefront in den Medien durchbrechen und dem Wähler echte Alternativen anbieten. Und wir müssen in die Medien. Mein Favorit wäre neben dem Euro eine klare, mutige und sachorientierte Positionierung im Energiebereich. Die Strompreise haben sich in Deutschland seit Einführung des EEG ideologiebedingt mehr als verdoppelt. Eine deutsche Familien mit zwei Kindern muss für den Wahnsinnn heute schon 1000€/Jahr extra bezahlen. Privatleute zahlen heute in Deutschland doppelt so viel wie in Frankreich und dreimal so viel wie in den USA nur damit sich die Windanlagenbetreiber und die Photovoltaikanlagenbesitzer eine goldenen Nase verdienen. Denn dieser Strom ist technisch absolut wertlos, da volatil. Elektr. Energie ist großtechnisch nicht speicherbar! Diese Realität sollten wir mutig ansprechen! Damti können wir uns klar von der Einheitsmeinung von CDUSPDFDPGRÜNELINKE absetzen. Nach der Wahl muss das EEG sowieso von reformiert werden, da wir voll vor die Wand fahren. Niemand hätte vor 1000 Jahren das Vermögen seines Königreich in die Entwicklung eines FLugzeugrumpfes gesteckt in der Hoffnung, dass irgendwann mal der Verbrennungsmotor erfunden wird.
    Die Industrie und damit die Zukunft unserer Kinder wandert übrigens gerade ab, z.B. in die USA, da dort der Industriestrom knapp die Hälfte des deutschen kostet.
    Also nicht zögern, alle Themen die uns in die Medien bringen können und unseren Wertvorstellungen entsprechen sollten wir offensiv und furchtlos besetzen. Schade, dass die knappe Mehrheit der noch anwesenden Delegierten Angst vor dem Thema Beschneidungen hatte. Das hätte uns sicher mediale Aufmerksamkeit und auch Zuspruch gebracht. Hoffentlich gibt es bei den anderen Themen mehr Mut. Wie hat Brecht gesagt (den ich eigentlich sonst nicht sehr schätze): Wer kämpft kann verlieren, wer nicht kämpft hat schon verloren.
    Noch eine Anmerkung zu dem Erwartungswert: Risiken spielen für den Erwartungswert keine Rolle, wenn Sie gleichmäßig um ihn herum streuen, also hohe Verlustmöglichkeit aber gleichzeitig hohe Gewinnchance, nur die Varianz steigt.
    Ständen wir wirklich bei 6% und würden uns hinreichend viele Wähler kennen, würde ich der Risikominimierung, also einer geringen Varianz zustimmen. Doch das sehe ich leider dank dem Schweigen der Medien längst nicht so.

    • @Dr. Blex wenn man Themen aufgreift sollte man immer auch beachten welche Gegener man sich damit auf den Plan ruft. Mut könnte auch Furchtlosigkeit sein und die liegt manchmal nah bei der Dummheit.

      • mein Kommentar galt natürlich ausschließlich der aus meiner Sicht glücklicherweise abgelehneten Beschneidungsdebatte zum jetzigen Zeitpunkt.

    • Kritik am EEG halte ich für sehr gut und sie steht auch im Programm. Nicht gut wäre hingegen jetzt eine Position zur Atomkraft oder der Frage, ob es menschengemachten Klimawandel gibt. Ebenso halte ich das Beschneidungsthema im Wahlkampf für falsch. Zum Glück ist der Parteitag meiner Einschätzung gefolgt. Mediale Aufmerksamkeit an sich kann nicht das Ziel sein. Ich könnte sofort ein Millionenpublikum erreichen – wenn ich der Partei sehr schade. Wir müssen die Alternative für Deutschland mit ihren Kernthemen bekannt machen, nicht mit strittigen Nebenthemen.

      • Im Bezug auf die Beschneidungsdebatte haben wir wohl unterscheidliche Ansichten. Hinsichtlich der Kritik am EEG teile ich voll Ihren Standpunkt, der auch der Erfahrung der gemeinnützigen Stromverbraucherschutzorganisation NAEB entspricht, in der ich seit Jahren aktiv mitarbeite. Dann brauchen wir also mutige Aussagen zum EEG! Das dürfte im Sinne unseres NRW-Arbeitskreises Wirtschaft, Untergruppe Energie sein, in der ich ebenfalls mitarbeite.

  4. Sollten unbedachte Schnellschüsse von im Moment noch übereifrigen Mitgliedern des neu gewählten Vorstandes zu Lasten meiner ! Partei beschlossen worden sein …
    Bochum bittet um Nachdenken , Überdenken und wohlüberlegte Aktionen.
    Herr Dr. Dllger ist wohl nicht bereit den “ Kummerkasten “ zu öffenen , er ist ja auch eher ein Geheimniskrämer 😉 Aber … er steht für die AfD ! Das weiss ich ( ich glaube es ! ) als
    Ijhr Wolfgang Demolsky

    ( und den Überschwang der Übereifrigen kenne ich auch , brauche den aber nicht Wir wollen siegen … ein unmoderner Begriff , aber so bin ich . Das wissen aber alle 😉 … )

  5. Leider wird beim Euro vor der Wahl nichts mehr anbrennen. Kreativität und griffige Themen sind daher gefragt.
    lokalkompass.de sollte von uns stärker genutzt werden, um positive Inhalte ins Web zu tragen.
    Die Überschrift ( die richtig zu setzen ist sehr wichtig!) der lokalen Leitartikel erscheint übrigens nach der Veröffentlichung an prominenter Stelle in der google Suchmaschine und ist allen Nutzern des www. zugänglich, die dann beispielsweise Alternative für Deutschland oder AfD als Suchbegriff vorgeben, wenn dieser Begriff in der Überschrift vorgegeben wurde.
    Auch kann man sich hier mit Angriffen des politischen Gegners argumentativ auseinandersetzen und entsprechende Kommentare zu deren Veröffentlichungen schreiben. Hier geschieht derzeit eindeutig zu wenig!

  6. Sehr geehrter Herr Dilger,

    insgesamt teile ich Ihre Auffassung. Es gibt drei große Gefahren, die sich aus der Erweiterung der Wahlkampfthemen auf weitere strittige Themen ergeben.
    Die erste Gefahr ist, dass die strittigen Themen argumentativ schwach nach außen vertreten werden und die AfD sich verdächtig macht, doch nur eine opportunistische Partei ohne Rückgrad zu sein. Dies gilt umso mehr, da die AfD zur Zeit ihren Fokus auf systemrelevante Veränderungen hat. Sowohl hinsichtlich der Währungsunion als auch hinsichtlich der Direkten Demokratie geht es um grundlegende Änderungen an Systemen. Das weitere Thema, was sich schon abzeichnet ist das Thema Immigration und Demografie. Auch hier geht es um ein Grundlagenthema, nämlich um die Zusammensetzung der Bürgerschaft von heute und von morgen. Die Leute, die die AfD wollen, wollen ja gerade eine Partei, die tiefgreifende Veränderungen mit viel Bedacht durchführt und Deutschland wieder zukunftsfähig macht. In dieses Bild würde es nicht passen, wenn die AfD aus Opportunitätsgründen auf einmal plakative, aber recht schwache Standpunkte besetzen würde, die dem zweiten oder dritten Blick nicht standhalten würden. Gerade im Hinblick auf den Euro versuchen die etablierten Parteien der AfD zu unterstellen, sie würde nur einen opportunistischen Kurs fahren. Aber gerade der kritische Wähler stellt fest, dass die AfD diese Themen nicht oberflächlich abdeckt, sondern argumentativ sehr stark ist. Zahlreiche aktive Mitstreiter treten argumentativ beeindruckend stark in der Öffentlichkeit auf.
    Die zweite Gefahr besteht darin, dass sich die Partei intern zerreist, einfach weil Ansichten nicht mehr von innen heraus durch Diskussionen gewachsen sind und weil plakative Einzel-Thesen nicht in einer großen Anschauung eingebettet sind. Wenn es z.B. um Fiskalpolitik geht, dann kann man nicht einfach an der Umsatzsteuer herumdoktern, wie es z.B. die FDP mit der Gastronomie gemacht hat, sondern dann müssen erst Leitsätze gebildet werden, die die Maßstäbe vorgeben und erst im Anschluss können Einzelfragen diskutiert werden. Es stellt sich dann z.B. die Frage, wie die Fiskalpolitik mit der Familienpolitik ineinander greifen kann. Einerseits stellt sich die Frage nach der Einfachheit des Steuerrechts und andererseits die nach der Familienförderung. Diese gegenläufigen Interessen müssen im Gesamtwerk austariert sein.
    Schließlich besteht die Gefahr, die Sie beschrieben haben, nämlich dass die Anhängerschaft zerrissen wird. Wie oben schon beschrieben, legt die potentielle Wählerschaft Wert darauf, dass die Standpunkte substantiiert vertreten werden. Irgendwelche Schnellschüsse dürften vorrangig die anvisierten Stammwähler abschrecken.
    Ich würde – an dem Punkt teile ich Ihre Ansicht – eher nicht und tendentiell davon abraten, auch im Falle weniger Prozentpunkte bis zur Fünf-Prozenthürde, die Risikostrategie zu fahren. Wird die Fünf-Prozenthürde dann doch nicht genommen, dann endet die Strategie wegen des Image-Verlustes im Desaster. Selbst im Falle des Erfolges wird manch ein Wähler der AfD dieses opportunistische Verhalten übel nehmen.
    Ich gehe sogar einen Schritt weiter und vertrete – sicherlich zum Entsetzen vieler AfD-Mitstreiter – die Auffassung, dass es kein Beinbruch ist, wenn die AfD die Fünf-Prozenthürde nicht schafft, aber sich im Inneren weiter festigt, Ihr Profil schärft und das nächste große Thema ( m.E. das größte und bedeutsamste Thema schlechthin ) : Immigration und Demografie – oder die Rettung der deutschen Sozial- und Wohlstandssysteme ( soweit dies noch möglich ist ) in den Griff kriegt. Dann wäre die AfD inhaltlich hervorragend aufgestellt. Die große Zeit der AfD kommt sowieso erst ab dem Zeitpunkt der Schuldenschnitte, der damit verbundenen Steuererhöhungen und der Zunahme der chaotischen Zustände innerhalb Europas. Außerdem wird das Demografie-Problem immer drängender. Beide Faktoren werden dazu führen, dass über die Leistungsempfänger-Seite nachgedacht werden muss und dass auch das Thema Immigration äußerst relevant wird.
    Schließlich stimme ich Ihnen in einem Punkte auch nur bedingt zu. Sie schreiben richtigerweise, dass die AfD sich durch die Themen Euro und Direkte Demokratie von den anderen Parteien abgrenzt. Das ist aber unvollständig. Die AfD grenzt sich insbesondere von den etablierten Parteien durch den personellen Bestand ab. Verächtlich wird die AfD gerne mal als Professorenpartei bezeichnet. Ich sehe darin ein Lob, dies gilt umso mehr, da auch die weiteren Partei-Aktiven überdurchschnittlich gebildet und geistig beweglich sind. Mir gefällt es im übrigen auch, dass viele Elternteile sich in dieser Partei aus Sorge um ihre Nachkommen politisch engagieren. Gerade diese personelle Zusammensetzung grenzt die AfD von den anderen Parteien substantiell ab.

    • Bei den Gefahren stimme ich zu, wobei ich Ihre Betonung der ersten, bei neuen Nebenthemen nicht die nötige argumentative Tiefe aufzuweisen, besonders interessant finde.

      Auch wenn wir die Fünf-Prozent-Hürde nicht nehmen sollten, machen wir natürlich weiter, zumal die Euro- und Schulden-Probleme ja nicht verschwinden, sondern nach der Wahl akut zunehmen werden. Trotzdem ist ein Einzug in den Bundestag eine viel bessere Ausgangslage, so dass wir die nächsten 48 Tage stark dafür kämpfen sollten.

      In meinem Beitrag ging es um die Themen, doch natürlich unterscheidet sich die Alternative für Deutschland auch beim politischen Personal von den Altparteien. Wir haben echte Fachleute und Personen mitten aus dem Leben statt Politprofis zu bieten. Zugleich ist das Risiko größer, dass einzelne Problemfälle durchgerutscht sind. Insgesamt werden wir die bunteste und kompetenteste Fraktion im Bundestag stellen.

  7. Ich halte die Konzentration auf unseren Markenkern für überaus sinnvoll. Man lese nur einmal die Parteiprogramme der „Altparteien“ durch. Gähnende Langeweile und endlose
    „Sprechblasen“!
    Auch ich bin der Auffassung, dass unser Land in einer existenziellen Krise steckt, und dass zur Zeit unsere Zukunft und unser erworbener Wohlstand auf dem Spiel steht.Dann macht es Sinn, genau darauf hinzuweisen, und zu anderen Politikfeldern unsere Prinzipien mitzuteilen, ohne den Zwang zu spüren, jede Frage im Programm zu beantworten, auch wenn sie niemand gestellt hat.
    Andere Parteien streiten zur Zeit um Nebensächlichkeiten, um von der Eurokrise und von der AfD abzulenken. Dem sollten wir uns nicht anschließen .
    Christian Bill, Gelsenkirchen

  8. Ein kleiner Nachtrag zu meinem obigen Beitrag:
    Die AfD sollte sich zu dem Streit um die Zulassung von Mercedes-PKW in Frankreich positionieren. Nachdem Frankreich sich mit dem sozialistischen,marktfeindlichen Vorhaben,
    Deutsche Exporte zu begrenzen, nicht durchsetzen konnte, wird jetzt versucht, mit unlauteren Tricks den Markt abzuschotten.In einem EU-Land zugelassene Fahrzeuge sind in allen Mitgliedstaaten zugelassen. Daran kann und darf ein angeblich umweltschädliches Kühlmittel für Klimaanlagen nichts ändern, erst recht nicht, wenn das angeblich umweltfreundliche Kühlmittel feuergefährlich sein sollte.
    Die Bundesregierung und die Altparteien lassen offenbar den deutschen Konzern im Stich, um eine-allerdings notwendige- Konfrontation mit Hollande und seinem wettbewerbfeindlichen Gebahren zu vermeiden. Der EU-Umweltkommissar stellt sich auf die Seite Frankreichs. Von den Wettbewerbshütern der EU, die in Sachen Deutschland sonst immer sehr eifrig sind, ist plötzlich nichts mehr zu sehen.Das wäre eine Schlagzeile Wert!

  9. Mal eine kurze Anmerkung zum Thema „Präsenz zeigen“. Auf unserer eigenen AfD Nrw Seite (www.nrw-alternativefuer.de) stammt der letzte Eintrag vom 15.07.! Heute haben wir den 5. August!
    Wenn wir noch nicht mal auf unserer eigenen Seite Präsenz zeigen, wirkt dies gar nicht gut.
    Herr Prof. Dilger, Sie können doch gut Texte/Botschaften verfassen, warum steuern Sie nicht mal einen Text auf unsere AfD-Nrw Seite bei?

    • Klicken Sie mal auf „Presse“, dort ist der letzte Eintrag vom 3. August. Doch ich muss zugeben, dass die Landeshomepage immer noch nicht rund läuft. Das ist ein Grund dafür, einige Mitteilungen zum Landesverband hier in diesem persönlichen Blog zu bringen. Inzwischen haben wir die Zuständigkeit im Landesvorstand neu geregelt, was hoffentlich Besserung bringt.

  10. Man sollte sich auch mal die Schwächen der NRW-Landesregierung angucken. Die liegen eindeutig beim Umgang mit den Beamten (Beamte rufen zu Wahlboykott gegen SPD auf) und bei der auf Verkehrssünder statt auf Einbrecherbanden focussierten Innenpolitik von SPD-Mann Ralf Jäger.

  11. Ich weiß dass das jetzt spät kommt, aber ich will hier anmerken dass Medienpräsenz aus unerfindlichen Gründen wichtig ist. Wenn ich mal versuchen darf, das zu beweisen:

    http://boerse.prognosys.de/charts/btw-de-2013

    Bitte unter obigem Link auf Reiter „AfD“ klicken. Man sieht hier dass die AfD einen sehr großen Sprung nach oben gemacht hat als der Bundesvorstand Mitte Juli mit einer programmatischen Erweiterung an die Öffentlichkeit trat. Dabei scheint es gar keine Rolle zu spielen, ob es „gut oder schlecht“ war. Die AfD profitiert davon, irgendwie in den Medien präsent zu sein. Der Effekt baut sich dann wieder ab, weil andere Themen quasi die Erinnerung an die AfD „verdrängen“. Das spielt eine Rolle, da die AfD ja zu einem nicht unerheblichen Teil Wechsel- und Nichtwähler ansprechen muss, um erfolgreich zu sein.
    Ich schließe mich aber Ihrer Ansicht dahingehend an, dass ich auf bewusste Provokationen und Scharfmacherei verzichten würde. Insbesondere eine thematische Erweiterung ohne Parteitagsbeschluss würde in mehrerer Hinsicht mehr schaden als nutzen. Was wirklich zählt ist die Aufmerksamkeit der Medien, und die wird ein einzelner Landesverband ohnehin in diesen zeiten nicht erringen können.
    Anraten würde ich daher, kurz vor der Wahl nochmal medial in die Offensive zu gehen. Das wird dann in der heißesten Wahlkampfphase sehr schwer sein, da sich die AfD gegen die anderen durchsetzen muss. Was ich mir vorstellen könnte wäre ein offener Brief, der in einer Anzeige in einigen Zeitungen abgedruckt werden könnte. Dieser sollte von Personen, etwa Ökonomen, die die AfD unterstützen, aber nicht Mitglied in ihr sind, unterzeichnet werden und das betreffen, was uns nach der Wahl ohne eine starke AfD erwartet. (Rettungsmilliarden, Bankenunion usw.). So eine Großanzeige kostet Geld und das könnte bereits jetzt auch über Spenden gesammelt werden.

    Und ich prophezeie Ihnen, Herr Dilger, dass die nichts taugenden Umfragewerte kurz vor der Wahl aussehen werden wie jetzt. Dass hier mindestens gepfuscht wird ist ja schon daran ersichtlich, dass sich an den Werten seit der AfD-Gründung nichts geändert hat, obwohl die Partei rekordverdächtig gewachsen ist (auch z.B. auf Facebook) und bravurös ihre Unterschriften zusammenbekommen hat. Bei der Niedersachsenwahl war es so, dass angeblich das ZDF-Politbarometer „plötzlich“ in der letzten Woche vor der Wahl bemerkte, dass die FDP entgegen vorheriger Prognosen doch in den Landtag kommt, das aber dann nicht mehr veröffentlichen durfte. Ich empfehle Ihnen gar nicht auf die Umfragen zu achten und eher eine möglichst unabhängige Prognosebörse oder auch das Wahl-o-Meter im Blick zu haben. Die sind zwar nicht unbedingt besser als eine Glaskugel, können aber eine gewisse Grundtendenz abbilden.

  12. Etwas irritiert mich die Zuordnung von Chancen und Risiken, wie sie hier diskutiert werden.
    1. Themen zur BTW: Natürlich wäre es wünschenswert, wenn wir mehr ausgereifte Themen hätten – aber mit unreifen Themenvorstellungen werden wir unsere Chancen kaum erhöhen.
    Und das wird wohl auch in den AK so gesehen – in 2 Jahren werden wir hier abstimmfähige Ergebnisse haben, die unserem hohen Kompetenzanspruch gerecht werden.
    Jetzt – können wir – wie schon von Lucke vorgeschlagen – nur mit eigenen ‚Meinungen‘ punkten – nicht optimal, aber weit besser als nur über den Euro zu argumentieren.
    2. Medienpräsenz: Natürlich ist jede (selbst negative) Präsenz in den Medien von Vorteil. Wir sollten aber auf keinen Fall den Medien vorwerfen, wir würden nicht fair behandelt. (Oder glaubt Jemand ernsthaft, die Medien würden dann schuldbewußt ihr Verhalten ändern?)

    Womit wir unsere Wahlchancen aber erhöhen können – und zwar ohne Zunahme des Risikos:
    1. Unsere Marke – natürlich hätten wir unsere Corporate Idendity (CI) noch verbessern können, aber in Wirtschaftsfragen gelten wir als kompetent. Und KOMPETENZ ist sicherlich nicht das schlechteste Image. Und dieses Image dürfen wir nicht aufs Spiel setzen mit halbgaren Auftritten aller Art.
    2. Unser Webauftritt – hier sind die Defizite gewaltig – wir schaffen ja noch nicht einmal einen übergreifenden einheitlichen Auftritt – statt Webmaster mitunter Webdesaster. Viele potentielle Wähler beginnen bei der AfD Homapage und gehen dann über den Landesverband zu ihrem Stadtverband. Und da sollte eben CI stehen. Mal ganz davon abgesehen, dass der Webauftritt unsere Visitenkarte ist.
    3. Organisation: es ist uns gelungen meist bis zum Stadverband runter zu organisieren. Und jetzt ist es Aufgabe der Stadtverbände den Wahlkampf zu organisieren – und Aufgabe der Bezirksverbände und notfalls des Landesverbandes korrigierend einzugreifen.
    Jetzt erst wird sich zeigen, ob die richtigen Mitglieder in den Stadtvorständen gewählt wurden.
    Und natürlich erwarte ich von den ‚Gewählten‘ einfach durchschnittlich mehr Einsatz, als von einem normalen Basismitglied.
    4. Faktisch sind wir im Straßenwahlkampf den anderen (im BT vertretenen) Parteien weit unterlegen. Wir haben 15.000 Mitglieder, die anderen 4 und 40 mal so viele.
    Das können wir nur wettmachen, wenn bei uns prozentual mehr Mitglieder aktiv werden und wenn sie mehr aktiv werden als in anderen Parteien.
    Auf den ersten Blick, sollte das eine einfache Aufgabe sein, denn unsere Mitglieder sind eben nicht seit 20 Jahren mehr oder weniger bei einer Partei, sondern sie sind ganz bewußt erst vor Monaten beigetreten – und bekanntlich war die überwiegende Mehrheit davon nie Mitglied einer Partei.
    Und die meisten waren sich wohl bewußt, dass wir nur erfolgreich sein können, wenn Jeder oder doch die Meisten sich aktiv einbringen.

    Das ist unsere CHANCE: Durch hohe Mitgliederaktivierung können nicht nur Millionen potentieller Wähler angesprochen werden, steigt nicht nur unser Bekanntheitsgrad – sondern man muß anerkennen, dass es uns ernst ist, dass wir jede Menge Einsatz bringen, mehr, weit mehr als andere Partei.
    Neben KOMPETENZ tritt dann GLAUBWÜRDIGKEIT

    Und mit Verlaub meine lieben Stadtvorstände – es ist Eure Aufgabe, die Mitglieder zu aktivieren. Einfach eine Email schicken und dann hoffen, es melden sich schon genug Mitglieder – und dann sich am besten noch beschweren wie gering die Resonanz ist, das ist einfach zu wenig.
    Denn bei den Mitgliedern, die sich nicht melden, ist irgend etwas schief gelaufen in den letzten Monaten – was auch immer.
    Hier hilft nur das persönliche Gespräch, hier müssen die Leute persönlich aufgesucht werden.
    Das ist mühselig, das ist problematisch, aber das gehört zur Führung hinzu – Motivationsfähigkeit ist eine der Schlüsselfähigkeiten von Führungspersönlichkeiten.

    Es wäre schön, wenn auf LV Ebene immer die Erfolge auf der HP aufgelistet wären, wenn ein gesunder Wettbewerb zwischen den Stadt/Kreisverbänden entstünde – so nach Aktivierungsgrad der Mitglieder, Wahlstände nach Zahl und Stunden.

    Das sind effizientere Ergebnisse, als wenn man nach irgend welchen Umfragen schielt.

    Denn – das haben wir selbst in der Hand – und wenn wir (fast) Jeder für sich so viel leistet, wie es im irgend möglich ist, dann schreibt die AfD eine Erfolgsgeschichte – gleich, wie das Wahlergebnis lautet.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s